Gute Jugendhilfeplanung als Steuerungsinstrument in der kommunalen Kinder- und Jugendpolitik: ein Steuerungsinstrument auch für Qualitätsentwicklung?

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1 Gute Jugendhilfeplanung als Steuerungsinstrument in der kommunalen Kinder- und Jugendpolitik: ein Steuerungsinstrument auch für Qualitätsentwicklung? (Fachtagung Kreis Borken ) Prof. Dr. Joachim Merchel Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen

2 Jugendhilfeplanung als Steuerungsinstrument in der kommunalen Kinder- und Jugendpolitik In der Programmatik des SGB VIII und in der Konzeptdiskussion wird der JHPl eine zentrale strategische Bedeutung zugesprochen für eine bedarfsdefinierte Ausgestaltung der Angebotsstrukturen; für eine qualitative, an fachlichen Normen ausgerichtete Reflexion und Weiterentwicklung der JH-Leistungen ( 79a); für das Herstellen von Transparenz bei infrastrukturbezogenen Entscheidungen ( Demokratie ); für die Vermittlung organisationaler Lernimpulse ( produktives Stören/ Irritieren/ Reflexionsanregungen ); für eine Einbindung der Jugendhilfe in eine ressortübergreifende Kinder- und Jugendpolitik. 2

3 Jugendhilfeplanung als Steuerungsinstrument in der kommunalen Kinder- und Jugendpolitik Jugendhilfeplanung ist ein infrastrukturbezogener Gestaltungsmodus in der örtlichen Jugendhilfe. Gestaltung erfolgt durch Empirie, Reflexion und Kommunikation mit dem Ziel der Vorbereitung politischer Entscheidungen sowie durch Evaluation vorangegangener Entscheidungen. 3

4 Jugendhilfeplanung als Steuerungsinstrument in der kommunalen Kinder- und Jugendpolitik Jugendhilfeplanung: infrastrukturbezogener Gestaltungsmodus auf der Grundlage von... Empirie: Datengrundlagen zur Erhöhung des Rationalitätsgehalts von Diskussionen und Entscheidungen Reflexion: methodisch systematisiert - vom Alltag partiell distanziert Erzeugen produktiver Irritationen qualitative Impulse Kommunikation: Beteiligung und Bezug zu Arbeitsfeldern Aushandlung von Fachkonzepten, inhaltlichen Schwerpunkten und Interessen mit dem Ziel der... und der... Evaluation vorangegangener politischer Entscheidungen Vorbereitung politischer Entscheidungen 4

5 Jugendhilfeplanung als Steuerungsinstrument in der kommunalen Kinder- und Jugendpolitik Jugendhilfeplanung als Instrument lokaler Kinderund Jugendpolitik Jugendhilfeplanung als Fachplanung Jugendhilfeplanung als Bestandteil umfassender Planung der kommunalen Infrastruktur 5

6 Jugendhilfeplanung als Steuerungsinstrument in der kommunalen Kinder- und Jugendpolitik Jugendhilfeplanung: eine Aufgabe des gesamten Jugendamtes, nicht nur der Planungsfachkräfte! Jugendhilfeausschuss JUGENDHILFEPLANUNG freie Träger Einrichtungen/ Dienste mit Moderations-, Datenaufbereitungsund Irritationsfunktion Fachabteilungen Planungsfachkräfte Jugendamts leitung 6

7 Was ist gute Jugendhilfeplanung? akzeptierte strukturqualitative Kriterien: Planungsfachkräfte im Jugendamt sozialwissenschaftliche Qualifikation der Planungsfachkräfte Zugang zu Fortbildungen und Fachtagungen adäquate sachliche Ausstattung Zugangsmöglichkeiten zu planungsrelevanten Daten geregelte Orte und Modalitäten des Einbezugs von Fachabteilungen des Jugendamtes Möglichkeiten zum kollegialen Austausch und zur Beratung mit anderen Planungsfachkräften 7

8 Was ist gute Jugendhilfeplanung? akzeptierte prozessqualitative Kriterien: prozessbezogenes, auf Kontinuierlichkeit ausgerichtetes Verständnis zielgruppenorientierte Beteiligung verschiedener Akteursgruppen Anstoßen fachlicher Entwicklungsimpulse durch Bewertungsdiskurse Balance zwischen Konsensbemühungen und fachlich notwendigen Kontroversen Bewältigung der Spannung zwischen Kommunikations- und Prozessorientierung und Ergebnisorientierung Planungskooperation zu anderen Bereichen geschlechterdifferenzierende und migrationssensible Jugendhilfeplanung 8

9 Was ist gute Jugendhilfeplanung? Vorschlag zu einer Bestandsaufnahme zum Stand der Jugendhilfeplanung: Überprüfung (a) der personellen und sachlichen Ausstattung und (b) der bisherigen Handlungsmodalitäten (die sich meist wenig reflektiert/ implizit eingeschlichen haben) bei der JHPlanung Fragen zu (b) u.a.: I. Ist Jugendhilfeplanung im JA als eine Aufgabe mit eigenem Handlungsprofil bewusst und akzeptiert? II. III. IV. Wird Jugendhilfeplanung praktiziert als ein Vorgang mit fachlichen Bewertungen von Strukturen, Prozessen, Ergebnissen bei Einrichtungen/ Diensten? Wie ist die Balance zwischen Jugendhilfeplanung als eigenem Aufgabengebiet einerseits und der notwendigen Verkoppelung mit den Fachabteilungen/ Sachgebieten des JA andererseits praktiziert worden? Ist im Jugendamt anerkannt, dass Jugendhilfeplanung dann etwas bewirkt, wenn sie (Abläufe, Denkweisen, Handlungsmuster ) stört? 9

10 Jugendhilfeplanung und Qualitätsentwicklung ( 79a SGB VIII) 79, Abs. 2: Grundsatz kontinuierliche Qualitätsentwicklung 79a: Umsetzung dieses Grundsatzes als Teil des Abschnitts Gesamtverantwortung, Jugendhilfeplanung Auftrag an den Träger der öffentlichen Jugendhilfe als Teil der Planungsverantwortung unter Einbezug freier Träger wie es auch in 80, Abs. 3 geregelt ist und aufgrund der Bindung der Förderung freier Träger ( 74) an Qualitätsmaßstäbe gem. 79a 10

11 Jugendhilfeplanung und Qualitätsentwicklung ( 79a SGB VIII) Regelungen zu Qualitätsfragen nicht völlig neu im SGB VIII: Definition von qualitativen Zielen insbesondere in 1,9, 80 Abs. 2 SGB VIII Ansatzpunkt für das Kriterium geeignet in 79 Abs. 2 SGB VIII 22a SGB VIII: Qualität und Evaluation bei Kindertageseinrichtungen 78b,c SGB VIII: Qualitätsentwicklungsvereinbarungen in der (teil-) stationären Erziehungshilfe (allerdings in der Praxis: ernüchternde Erfahrungen) 11

12 Jugendhilfeplanung und Qualitätsentwicklung ( 79a SGB VIII) Qualitätsentwicklung nicht neu, aber: durch 79, 79a umfassendere und genauer definierte Anforderungen an die öffentlichen Träger: (1) Erarbeitung von Qualitätskriterien - Einbezug aller Handlungsfelder des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe (2) zwei Themen einbeziehen: Sicherung der Rechte von Kindern/ Jugendlichen in Einrichtungen Schutz von Kindern / Jugendlichen vor Gewalt (3) kontinuierlich praktizierte Verfahren der Qualitätsentwicklung (4) Orientierung an fachlichen Empfehlungen der Landesjugendämter 12

13 Jugendhilfeplanung und Qualitätsentwicklung ( 79a SGB VIII) fachpolitische Steuerungsfunktion und somit wird Jugendhilfeplanung angesprochen denn: Jugendhilfeplanung ist (auch) qualitative Steuerung! 1. Hervorhebung qualitativer Planungsanforderungen 2. kooperative, prozessbezogene Verfahren (Qualitätsentwicklung als kontinuierlicher Prozess gemeinsam mit freien Trägern) Qualitätsentwicklung: inhaltlich ein Thema der Jugendhilfeplanung organisatorisch: nicht allein Aufgabe der Planungsfachkräfte, sondern Aufgabe des gesamten Jugendamtes! 13

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