Gesundheitsförderung bei dauerhafter Arbeitslosigkeit

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1 17. November 2014 Werkhof, Hannover Forum IV Schnittstellen-Management Arbeitsförderung Gesundheitswesen. Drei professionelle Perspektiven auf ein gemeinsames Projekt in Essen Perspektive JobCenter

2 Projekt Arbeitslosigkeit und Gesundheit Konzept einer integrierten Gesundheits- und Arbeitsförderung für die Stadt Essen AGENDA 1) Warum braucht das JobCenter ein solches Projekt? 2) Welchen Mehrwert hat das Projekt für das JobCenter? 3) Welche förderlichen / hinderlichen Rahmenbedingungen gibt es? 2

3 1. Warum braucht das JobCenter ein solches Projekt? Empirische Befunde zur Arbeitslosigkeit Arbeitslosigkeit kann krank machen = chronischer Stress, der körperliche und seelische Erkrankungen nach sich ziehen kann. Arbeitslose haben im Vergleich zu Beschäftigten einen signifikant schlechteren Gesundheitszustand. Das Krankheitsrisiko steigt mit der Dauer der Arbeitslosigkeit. Bei Arbeitslosen ist ein geringer ausgeprägtes Gesundheitsverhalten festzustellen (z. B. bei der Ernährung). Arbeitslose sind in den dt. Statistiken der Suchtkrankenhilfe (ambulant und stationär) überproportional vertreten (= überproportionale Suchtgefährdung). 3

4 1. Warum braucht das JobCenter ein solches Projekt? Empirische Befunde zur Arbeitslosigkeit Arbeitslosigkeit = Misserfolg - Folgen längerer Arbeitslosigkeit sind: Minderung des Selbstwertgefühls Zunahme von Zukunftsängsten / Verlust der Lebensperspektive Verstärkung von finanziellen Problemen als Stressfaktoren Zunahme familiärer Konflikte Zerfall von Zeitstrukturen Verlust von sozialen Kontakten und von Unterstützung = Vereinsamung 4

5 1. Warum braucht das JobCenter ein solches Projekt? Bedeutung des Themas Gesundheit Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Forschungsbericht 2010 Von bundesweit 4 Millionen Leistungsberechtigten im SGB II hatten: Depressionen ( = 15% ) Suchterkrankungen ( = 10% ) Angst- und Zwangsstörungen / somatische Erkrankungen ( = 20% ) 5

6 1. Warum braucht das JobCenter ein solches Projekt? Bedeutung des Themas Gesundheit Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Forschungsbericht 2013 Daten von Arbeitslosen aus dem Bereich der AOK: : Anstieg Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen von 32,6% auf 40,2 %. Mehr als 1/3 (jeder Dritte!) der SGB II-Bezieher hatten mindestens eine psychiatrische Diagnose, im SGB III sind es 1/4 der Arbeitslosen. 6

7 1. Warum braucht das JobCenter ein solches Projekt? Bedeutung des Themas Gesundheit Übertragung der IAB-Ergebnisse auf die Stadt Essen Bundesweit kann nach den Untersuchungen von SGB II Empfängern in den Jahren davon ausgegangen werden, dass mehr als 1/3 psychisch krank sind 35 % aller Kundinnen und Kunden gesundheitliche Einschränkungen aufweisen. In Essen leben rund Bürgerinnen/Bürger von SGB II Leistungen (35%= ) als erwerbsfähige Leistungsberechtigte (elb) (35%= ) die arbeitslos sind (35%= ) 7

8 1. Warum braucht das JobCenter ein solches Projekt? Anzahl motivierter JC-Kundinnen/Kunden für gesundheitspräventive Angebote (238) Rückmeldungen der Vermittlungsfachkräfte zur o. g. Abfrage: Grundsätzliches Interesse, aber keine selbständige Weiterverfolgung Dem Großteil der JC-Kunden fehlt für die Gesundheitsprävention die Einsicht in die Notwendigkeit und damit die erforderliche Motivation. 8

9 1. Warum braucht das JobCenter ein solches Projekt? Grundsätzliche Fragestellung Die JC-Fachkräfte sollen die SGB II Bezieherinnen und Beziehern bei der Rückkehr ins Berufsleben unterstützen. Aber: Sind die JobCenter überhaupt für den Umgang mit psychisch und/oder somatisch erkrankten Kundinnen und Kunden gerüstet? Antwort Unsere Fachkräfte verfügen über sozialrechtliche und beraterische Kenntnisse, aber sie sind keine Mediziner oder Psychologen. Das Thema Umgang mit Erkrankungen kommt in der Regel in der Ausbildung nicht vor. Daher ist externe Expertise erforderlich. 9

10 1. Warum braucht das JobCenter ein solches Projekt? Fazit Die unterschiedlichen Forschungsergebnisse der letzten Jahre zeigen eine steigende Tendenz bei gesundheitlichen Einschränkungen von Kundinnen und Kunden. Das Thema Gesundheit ist inzwischen ein Masterthema für die fachliche Arbeit geworden. Die Motivation für das Thema Gesundheitsförderung und Gesundheitsprävention bzw. die Nutzung von entsprechenden Angeboten ist bei Kundinnen und Kunden des JC eher gering ausgeprägt. Gesundheitsförderung im SGB II kann nur mit Partnern aus dem Gesundheitswesen erfolgreich angegangen werden (externe Expertise). 10

11 2. Welchen Mehrwert hat das Projekt für das JobCenter? Erforderliche Zugänge ins Gesundheitssystem finden, über die kommunale Gesundheitskonferenz bzw. das Gesundheitsamt zu Krankenkassen, Krankenhäusern, Pflegediensten, Ärztekammer und Ärzten, Aktive und dauerhafte Einbindung des JobCenters in die Netzwerke des Gesundheitswesens Arbeitslosigkeit und Gesundheit als Schwerpunktthema fest in der Gesundheitskonferenz verankert. gemeinsame Projektentwicklung.. 11

12 2. Welchen Mehrwert hat das Projekt für das JobCenter? Gegenseitige Wissenserweiterung bei den JobCenter-Fachkräften und bei den Partnern im Gesundheitssystem sowie Einbindung von Expertise. Gegenseitiges Kennen und Verstehen erleichtert Prozesse vermeidet Probleme optimiert die Zusammenarbeit (z.b. mit Krankenhaussozialdiensten) Neue Zugangswege bei gesundheitlichen Themen zu den eigenen JC- Kundinnen und Kunden. Erreichen und Motivieren durch die Unterstützung Dritter, wie z. B.: Haus- und Fachärzte, Krankenhaussozialdienste Pflegedienste, Selbsthilfe, 12

13 2. Welchen Mehrwert hat das Projekt für das JobCenter? Im Ergebnis: Beschleunigung der Integrationsprozesse / Erhöhung der Integrationszahlen durch zeitnähere Zugänge für JobCenter Kundinnen und Kunden zu Therapien / Behandlungen und damit einer Verbesserung der gesundheitlichen Situation der JC-Kundinnen und Kunden. Erhöhung der Wirksamkeit von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen Modifikation / Erweiterung bestehender Maßnahmeangebote Entwicklung neuer Maßnahmen unter Berücksichtigung der Erfordernisse, die sich aus den unterschiedlichen Krankheitsbildern ergeben (Einbeziehung der externen Expertise). 13

14 3. Welche förderlichen Rahmenbedingungen gibt es in Essen? Strukturelle Rahmenbedingungen Rechtlich: Gesetz für den öffentlichen Gesundheitsdienst NRW vom Einführung der kommunalen Gesundheitskonferenzen Forum mit einer Selbstverpflichtung der Mitglieder Organisatorisch: Gesundheitsamt und JobCenter gehören zum gleichen Geschäftsbereich in der Stadt Essen. Infrastrukturell: Lokale Voraussetzungen ermöglichen Kooperationen Universitätsklinikum Essen-Duisburg Klinikstandort mit 16 z. T. hochspezialisierten Krankenhäusern Gesundheitswirtschaft mit über Beschäftigten 14

15 3. Welche förderlichen Rahmenbedingungen gibt es in Essen? Weiche Rahmenbedingungen / Klima Integrierte Gesundheits- und Arbeitsförderung wird von Politik und Verwaltung als gemeinsame kommunale Aufgabe verstanden, zu der jeder - nach seinen Möglichkeiten einen Beitrag leistet. Gegenseitiges fachliches Interesse an einer Kooperation im Gesundheitsamt und im JobCenter (wichtiger Erfolgsfaktor). Persönliches Engagement der handelnden Personen. Bereitschaft aller Partner, die jeweils vorhandenen Spielräume und Möglichkeiten zu nutzen / auszureizen. 15

16 3. Welche hinderlichen Rahmenbedingungen gibt es? Kostendruck / Budgets im Gesundheitswesen Das Projekt erzeugt im Erfolgsfall eine erhöhte Nachfrage z. B. nach Präventionskursen und führt damit erst einmal zu höheren Kosten. Zugangsvoraussetzungen zu Präventionskursen / - angeboten etc., die dazu führen, dass SGB II Kundinnen und Kunden die Angebote nicht wahrnehmen (Vorfinanzierung / Nachträglicher Zuschuss bei regelmäßiger Teilnahme) Fehlende ambulante Therapieplätze / lange Wartezeiten SGB II Kundinnen und Kunden haben durchaus Wettbewerbsnachteile bei der Vergabe von knappen Terminen bei niedergelassenen Therapeuten. 16

17 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 15

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