Andreas Langhof - AGFJ ggmbh

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2 Was ist ein Trauma? Definitionen: Fischer und Riedesser definieren Trauma in ihrem Lehrbuch der Psychotraumatologie (München, 1998, S. 79.) als [ ] ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt. 2

3 Häufigkeit von PTBS bei Kindern Zeugen von Mord oder Gewalt an den Eltern Opfer sexueller oder physischer Gewalt Amoklauf oder Überfall in der Schule Gewalt im nahen Umfeld

4 Ursachen für Traumata in der Kindheit Unfälle und Stürze Autounfälle, Sportverletzungen, beinahe Ertrinken und Ersticken Medizinische und operative Eingriffe Genähtwerden, Spritzen, invasive Untersuchungen Lebensbedrohliche Erkrankungen und hohes Fieber Längere Bewegungseinschränkungen Gewalthandlungen und Angriffe Angriffe durch Tiere Gewalthandlungen in der Schule/Nachbarschaft Familiäre Gewalt Gewalt miterleben (z.b. zwischen den Eltern, aber auch durch Video) Körperliche und sexuelle Misshandlung Vernachlässigung Krieg, Vertreibung, Flucht 4

5 Ursachen für Traumata in der Kindheit Verluste / plötzlicher Bindungsabbruch Tod einer nahen Bezugsperson Tod eines Haustieres Verlorengehen (z.b. im Kaufhaus) Trennungen Scheidung Besitz-Verlust des Zuhauses Umgebungsbedingte Stressfaktoren / Naturkatastrophen Feuer, Erdbeben, etc. Plötzlich auftretende laute Geräusche, laute Auseinandersetzungen vor allem, wenn das Kind alleine ist Peter Levine (2004): Verwundete Kinderseelen 5

6 Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) Erwachsene 1. Unerwünschtes Wiedererleben (Albträume, Flashbacks, Grübeln) 2. Vermeidungsverhalten (emotionale Empfindungslosigkeit, soziale Isolation, Suchtmittel) 3. Erhöhte vegetative Erregbarkeit (Schlafstörungen, körperliche Unruhe, somatische Erkrankungen) 6

7 Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) Kinder 1. Wiederholtes Spielen 2. Albträume 3. Trance (Dialog mit Phantasiegefährten) 4. Übererregbarkeit 5. Plötzliche Wutausbrüche 6. Übertriebene Schreckreaktionen 7. Motorische Hyperaktivität 8. Konzentrationsstörungen 7

8 Posttraumatische Störungsbilder Anpassungsstörung Flashbacks und Albträume Persönlichkeitsstörungen (auto)aggressives Verhalten Zwangsstörungen Soziale Isolation Depressive Störungen Übersteigerte Wachsamkeit Somatoforme Störungen Konzentrationsstörungen Übererregbarkeit Emotionale Empfindungslosigkeit (numbing) Panik-Attacken Zwanghaftes Grübeln Taubheits- und Starre- Empfinden Dissoziative Störungen Trigger- Vermeidung Posttraumatische Verbitterungsstörung Angststörungen Sucht Präsuizidales Syndrom 8

9 Das erstarrte Mobile Davor Wird das Danach nicht erreicht, bleibt das Danach Familiensystem im Trauma stecken Kommunikative Interaktion als befände sich die Familie noch im Trauma Verlust der Dynamik führt zur Erstarrung 9

10 Fachbereich Taff Traumapädagogische Angebote in der Familienhilfe 10

11 Traumapädagogische Familienhilfe Orientierung Beziehungsgestaltung Anamnese Vermittlung von psychotraumatologischem Grundwissen Psychoedukation Stabilisierung Körperliche, emotionale und mentale Selbstfürsorge Stabilisierung der sozialen Bezugssysteme Trauma-Exposition und Synthese Bearbeitung und Integration der traumatischen Stresssituation Abschied und Neuorientierung Vom Überleben zum Leben Aufbau und Entwicklung von neuen Lebensinhalten und Perspektiven 11

12 Beispiel Familie H. Ausgangsituation: Eine Mutter berichtet, dass sich ihr 12-jähriger Sohn seit ca. einem halben Jahr zunehmend auffällig verhalte. Er verweigere immer häufiger den Schulbesuch oder komme von der Schule früher nach Hause zurück mit der Begründung, ihm sei schlecht und er habe Kopfschmerzen. Darüber hinaus reagiere er in völlig normalen Situationen ihr gegenüber plötzlich verbal aggressiv. Installierung einer SPFH Nach erfolgter Anamnese bei der Arbeit mit dem Kind entstand die Hypothese, dass es unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, die auf den miterlebten plötzlichen Tod des Vaters zurückgeführt werden kann sowie der zeitgleichen Unterbringung bei Verwandten. Umwandlung der Maßnahme in eine TPFH 12

13 Beispiel Familie H. Vorphase: Abklärung einer Kindeswohlgefährdung (standardisierte Screeningbögen) Traumabezogene Anamnese (Genogrammarbeit, Befragungsbögen, Timeline) 13

14 Familie H. Phase 1 Orientierung Beziehungsgestaltung Anamnese PTBS Vermittlung von traumapädagogischen Grundwissen Hirnfunktion Entstehung von PTBS Trigger Flashbacks usw. Psychoedukation Evolutionäre Schutzreaktionen bezogen auf die individuelle Situation 14

15 Familie H. Anamnese Plötzlicher Beziehungsabbruch durch den Tod des Vaters Plötzlicher Beziehungsabbruch durch Einweisung der Mutter in die Psychiatrie Plötzlicher Beziehungsabbruch durch Trennung vom Bruder Plötzlicher Wohnungswechsel durch Unterbringung bei Verwandten Keine Trauermöglichkeit, da Verbot an der Beerdigung des Vaters teilzunehmen Erschütterung des Weltbildes, alle Gegenstände in der Wohnung, die auf den Vater hinwiesen, wurden entfernt Tabuisierung des Themas Fragmentierte Speicherung der erlebten Situation PTBS Komorbide Störungsbilder 15

16 Familie H. Phase 2 Stabilisierung körperliche, emotionale und mentale Selbstfürsorge Trigger-Identifikation Affektkontrolle Äußere Stabilisierung Imaginationsübung Ressourcenscreening usw. Stabilisierung der sozialen Bezugssysteme Familie Freunde Schule Spiritualität 16

17 Familie H. Phase 3 Traumaexposition Bildschirmtechnik Vergangenheitsfähig machen Integration des Erlebten Weiterführende traumatherapeutische Interventionen EMDR 17

18 Familie H. Phase 4 Abschied und Neuorientierung Aufbau und Entwicklung von neuen Lebensinhalten und Perspektiven Familie Beruf Interessen Partnerschaft Freundschaft Freizeit Hobbys usw. Beendigung der Hilfe Abschiedsritual 18

19 Integratives traumapädagogisches Gruppenangebot (ItG) T. Auma

20 Verlauf T. Auma 11 Termine Video-Feedback Fester Ablauf Begrüßung Einstiegsübung (Psychoedukation) Brief T. Auma Themenfokus Abschluss Themenfokus Grundwissen Stabilisierung durch Ressourcenscreening Imaginationsübungen Externalisierung Eigenwahrnehmung/ Selbstwirksamkeitserfahrungen 20

21 Inhaltsfreies Arbeiten T. Auma 21

22 Fachlicher Austausch und kritische Diskussion Wenn Kinder in einem Traumazustand sind, kann man sie nicht erziehen, da sie in der Situation nicht rational-kognitiv ansprechbar sind. Sie befinden sich in einem Film, wie in einer anderen Haut/Person. 22

23 Vielen Dank für Ihr Interesse.

Charles Figley, 1989

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