Szenario Gruppe III. Hypothesen zur Qualifizierung und Akademisierung der Pflege in der psychiatrischen Versorgung.

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1 Szenario Gruppe III Hypothesen zur Qualifizierung und Akademisierung der Pflege in der psychiatrischen Versorgung.

2 Hypothese 1 Gesellschaftliche und epidemiologische Veränderungen und der daraus resultierende Fachkräftemangel (in allen Berufsgruppen) macht die Akademisierung der Pflege mit direktem Patientenbezug unabdingbar notwendig.

3 Entscheidenden Faktoren sind: Die veränderte demografische Situation und die damit einhergehende Bedeutung chronischer Krankheiten Der sich daraus entwickelnde Fachkräftemangel mit dem Kampf um die nächste Ausbildungsgeneration für die Pflege Die hohe Prävalenzzahlen psychischer und damit auch chronisch psychischer Erkrankungen Eine gesundheitspolitische Debatte, die mit Forderungen nach Patientenorientierung, Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung einhergeht Die Probleme mit der Fach- und Hausärztlichen Versorgung in ländlichen Gebieten Das öffentliche Interesse der Trägerorganisationen der Sozialversicherungen und der öffentlichen Hand an Kostendämpfung

4 Auswirkungen sind: Die Inanspruchnahme professioneller psychiatrisch- pflegerischer Dienstleistungen und die Bedeutung informeller Netzwerke und niederschwelliger, wohnortnaher Angebote nimmt in den kommenden Jahrzehnten zu. Diese Entwicklungen haben Auswirkungen auf den Ausbau und die Gestaltung der professionellen Pflegeinfrastruktur und verlangen nach einem differenzierten Versorgungssystem, in dem unterschiedliche Angebote und Strukturen zusammenwirken und sich z. B. auf kommunaler Ebene vernetzen. Eine wesentliche Aufgabe besteht für die Pflege in der Steuerung informeller Netzwerke, der Gestaltung von Betreuungs-/Behandlungsarrangements und Fallverantwortung für psychisch kranke Menschen sowie die Beratung und Unterstützung ihrer Angehörigen. Erforderlich ist eine Anpassung der Qualifikationen der Berufsgruppen mit spezialisierten Kenntnissen in Koordination, Steuerung, Anleitung und Beratung.

5 Hypothese 2 Die Aufgaben innerhalb der Pflege (Case Mix) und die Aufgabenverteilung zwischen den Berufsgruppen wird sich neu ordnen. Die Angleichung der Professionalisierungskonzepte wird die Zusammenarbeit verbessern und nicht belasten!

6 Auswirkungen auf die Aufgabenprofile: Zunahme von Entwicklungsspielräumen für Pflege außerhalb des stationären Settings und außerhalb der organisationalen Intelligenz vollstationärer, hocharbeitsteiliger Strukturen. Im stationären Setting rückt die Krisenintervention in den Vordergrund. Umorientierung der Berufsziele durch engere Zusammenarbeit mit den Betroffenen und ihren Angehörigen. Zunahme von professionellen Konflikten mit anderen Berufen, mit denen es zwar Überschneidungen, für die es aber keine hierarchischen sondern nur kollegiale Lösungen auf Augenhöhe gibt.

7 Hypothese 3 Die Akademisierung der Pflege muss Generalisten und Spezialistenprofile ermöglichen. Es gilt sorgfältig und individuell abzuwägen wie viel Spezialisierung und wie viel Generalisierung sinnvoll ist.

8 Generalisten versus Spezialisten Generalistisches Ausbildungsprofil: - Ausbildung für die gesamte Versorgungskette - Wissen aus vielen Bereichen wird verbunden - Für ambulante und primäre Gesundheitsversorgung sowie Steuerungs- und Koordinationsaufgaben Spezialisiertes Ausbildungsprofil: - Für bestimmte Patientengruppen (Demenzkranke, Kinder und Jugendliche) oder bestimmte Aufgabengebiete (Edukation, Krisenbegleitung etc.) - Hochdifferenziertes Spezialwissen wird vermittelt - Für spezialisierte klinische Fragestellungen

9 Hypothese 4 Psychiatrische Pflege im direkten Umfeld der Patienten wird eine wesentliche Zukunftsentwicklung psychiatrischer Pflege sein.

10 Pflege im direkten Umfeld der Patienten In Großbritannien/Irland nimmt seit den 1970iger Jahren die psychiatrische Pflege eine zentrale Rolle in der ambulanten Versorgung ein (bis hin zur Medikamentenverschreibung). Es gilt das Potential der psychiatrischen Pflege zu nutzen um, innovativ an einer guten, zukunftsfähigen und flächendeckenden (insbesondere auch im ländlichen Bereich) psychiatrischen Versorgung mitzuwirken (Hitchcock 1971; Richie & Lusky, 1987). In Deutschland aber auch in Österreich und der Schweiz hat sich diese Entwicklung, auch aufgrund rechtlicher und finanzieller Hürden, nicht in dem Maße etablieren können, das wird sich ändern!

11 Hypothese 5 Es bedarf guter Strukturen und institutioneller Unterstützung, damit die akademisierten Pflegenden ihre Kompetenzen in der Organisation entfalten können!

12 Verbindung von Theorie und Praxis In einem System in dem nur einige, wenige akademisierte Pflegekräfte und viele beruflich ausgebildete Pflegende im direkten Patientenbezug arbeiten, sind die motivationalen, die volitionalen und sozialen Bereitschaften der Pfadfinder von besonderer Bedeutung, damit sich die erweiterten Pflegekompetenzen in der Praxis durchsetzen können. Neben den Pflegenden sind hier auch die Arbeitgeber gefragt, die nötige Unterstützung zu leisten. Nur wenn eine auf die akademische Pflege gut vorbereitete Praxis auf gut für die Praxis qualifizierte Pflegekräfte trifft, ist eine wirkliche Innovation für das Outcome in der Patientenversorgung zu erwarten.

13 Ein Fazit: - Ohne Akademisierung verlieren wir den Anschluss an den europäischen und internationalen Arbeitsmarkt (für Fachkräfte) - Wir brauchen diese Veränderung, um den marktlichen/ gesundheitspolitischen Entwicklungen gerecht zu werden; Unabhängig von der wenig zielführenden Substitutionsdebatte gegenüber der Ärzteschaft - Die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum braucht eine starke Beteiligung professioneller Pflege - Die Psychiatrische Versorgung der Zukunft braucht eine zukunftsfähige psychiatrische Pflege. - Wir brauchen diese Entwicklung im Kampf um die nächste Ausbildungsgeneration

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