Die Heilig-Blut-Legende

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1 Die Heilig-Blut-Legende Der kostbarste Schatz der Basilika ist das Heilige Blut. Es wird in einem prachtvollen Gefäß aufbewahrt. Schon vor Hunderten von Jahren fragten sich die Menschen und die Mönche des Klosters, ob das Blut tatsächlich von Jesus stammte und wie dieses dann nach Weingarten gelangt war. In alten Texten fanden die Mönche Antworten auf die Frage, wo das Blut Jesu Jahrhunderte lang verblieben war. In der Heilig-Blut-Legende wird der ganze Weg des Heiligen Blutes beschrieben. Die Legende enthält aber auch Teile, die nicht unbedingt in echt so passiert sein müssen, so z.b. die Geschichte von Longinus. Passend zur Legende fertigte ein Maler vor Hunderten von Jahren ein Gemälde an, das aus vielen einzelnen Bildern besteht. Kannst du die Bilder auf dem Extrablatt den Abschnitten der Legende (linke Spalte) zuordnen? 1 Das erste Bild zeigt Jesus am Kreuz. Oben links siehst du ein weißes Pferd. Hinter ihm steht der ganz in schwarz gehüllte Soldat Longinus, mit dem die Legende um das Heilige Blut beginnt. In seiner Hand hält er eine spitze Lanze, mit der er dem toten Jesus in die Seite sticht. Damals glaubte man, dass das Blut von Menschen eine heilende Wirkung besitzt (in etwa wie unsere Medizin heute). Ein Tropfen von Jesu Blut fiel nun auf das kranke Auge von Longinus. Und welch ein Wunder! Er konnte wieder sehen! 2 Als Longinus die heilende Wirkung des Blutes erkannte, sammelte er ganz schnell Erde ein, die mit dem Blut vermischt war. Diesen Schatz bewahrte er von nun an in einem kleinen Bleikästchen auf.

2 3 Longinus war nach diesem Wunder von tiefem Glauben erfüllt und beendete seine Arbeit als Soldat. Auf dem Bild siehst du, wie er sich im Beisein der 12 Apostel zum Zeichen seines neuen Gottesglaubens taufen lässt. 4 Der Legende nach verließ Longinus nun mit einem Schiff das Land Palästina und reiste nach Europa, ins schöne Italien. 5 In der italienischen Stadt Mantua erzählte Longinus nun vielen Menschen von Jesus und bekehrte dadurch viele zum Glauben an Gott. Auf dem Bild siehst du, wie er von der Kanzel aus zu den Menschen spricht.

3 6 Doch Christen wie Longinus lebten zu dieser Zeit noch nicht in Sicherheit. Viele von ihnen wurden damals verfolgt und ermordet. Auf dem Bild siehst du, wie Longinus das Bleikästchen vergräbt, um es vor den Verfolgern zu schützen. Danach reiste Longinus weiter nach Kappadokien in die Türkei, wo er schließlich jedoch sein Leben lassen musste. Zuvor hatte er aber noch viele Jahre die Lehren Jesu verkündet. Doch was passierte nun mit dem Heiligen Blut? 7 Viele Jahrhunderte später sollte das Blut Jesu wieder aufgefunden werden. Die Legende berichtet von dem blinden Adalbero aus Mantua, der eines Nachts im Traum sah, wo das bleierne Kästchen vergraben war. Auf dem Bild siehst du, wie er im Nachthemd vor seinem Bett kniet. Am nächsten Morgen eilte Adalbero zum Bischof, um diesem von der nächtlichen Vision zu berichten. 8 Der Legende nach sandte der Bischof sofort eine Botschaft an den deutschen Kaiser Heinrich III., der sich damals gerade in Regensburg aufhielt. Du erkennst ihn an seiner goldenen Kaiserkrone; ein Bote überreicht ihm die freudige Nachricht. Der Kaiser gab die frohe Kunde sofort an den Papst und den Herzog von Mantua weiter.

4 9 Der Legende zufolge reisten alle drei nun gemeinsam nach Mantua. Als sie angekommen waren, führte sie Adalbero zu dem Ort, den er im Traum gesehen hatte. Man grub und fand tatsächlich das bleierne Kästchen wieder. Auf dem Bild hält es der Papst in seinen Händen. Dieser trägt auf seinem Haupt übrigens die Papstkrone. 10 Das Heilige Blut wurde nun in der Kirche St. Andreas in Mantua verwahrt. Schließlich erhielten jedoch auch der Papst und der Kaiser von den Mantuanern je ein Tröpfchen des Blutes. Auf dem Bild siehst du, wie beide daraufhin glücklich die Stadt Mantua verlassen. 11 Einige Jahre besaß nun also auch der deutsche Kaiser etwas von dem Heiligen Blut. Als der Kaiser merkte, dass sich sein Leben dem Ende neigte, schenkte er das Blut einem Grafen aus Flandern. Dessen Name war Balduin.

5 12 Als auch Graf Balduin einige Jahre später im Sterbebett lag, schenkte er das Heilige Blut seiner Stieftochter Judith. 13 Nur wenige Jahre nach dem Tod Balduins heiratete Judith einen Herzog namens Welf IV. Dieser gehörte zu einer sehr reichen, deutschen Adelsfamilie: den Welfen. Welf IV. war es auch, der den Mönchen das Kloster Weingarten geschenkt hatte. Auf dem Bild siehst du, wie sich Judith und der Herzog das Ja-Wort geben. Beide lebten von nun an gemeinsam in Weingarten, da hier der Wohnsitz des Herzogs war. 14 Der Legende nach musste Welf IV. jedoch eines Tages Weingarten verlassen, weil in einem weit entfernten Land ein Krieg ausgebrochen war, in den auch er ziehen sollte. Seine Frau Judith sorgte sich sehr um ihn. Damit ihr Gemahl wieder gesund heimkehrte, schenkte sie dem Kloster Weingarten viele Schätze, darunter auch das Heilige Blut.

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