Minijob für Mama Karriere für Papa? Friedrich-Ebert-Stiftung Forum Politik und Gesellschaft- Christina Schildmann

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1 1 Minijob für Mama Karriere für Papa?

2 2 Arbeitslinie: Neuverteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit Neue Wege der Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern Männer und Frauen sind gleichgestellt? (Verteilung von Geld, Zeit, Ressourcen, Chancen) Was steht einer geschlechtergerechten Gesellschaft entgegen? Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit (für beide Geschlechter ungerecht) Stiftungsschwerpunkt: Neuverteilung von Erwerbsarbeit und Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen -> Revival der Zeitpolitik

3 3 Das Stunden-Pflegebudget

4 4 (Start: 2011) Projekt Gute Pflege und Gender Alle reden über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und denken dabei an Kinder. Keiner redet über: Vereinbarkeit von Pflege und Beruf Warum nicht? Tabuthema? Blockierter Diskurs? Wenn die Töchter nicht mehr pflegen (Dr. Barbara Stiegler) Pflege als Genderthema / Thema der Familienpolitik

5 5 Ausgangspunkt: -Anstieg Zahl der Pflegebedürftige: bis 2050 auf fast fünf Millionen = Verdopplung (Fragwürdigkeit von Prognosen; mit Prognosen wird Politik gemacht); die meisten möchten in ihrem Wohnraum bleiben - immer mehr Frauen und Männer, die überlegen müssen: wie bekomme ich mein Arbeitsleben und die Sorge für den Vater oder die Mutter unter einen Hut -Gesellschaftliche Veränderungen: Frauen wollen dauerhaft erwerbstätig sein; Ende der Großfamilie (alle unter einem Dach); wachsende Anforderungen an Mobilität; Pflege aus Herausforderung für Single-Männer

6 6 Diagnose: Politik hinkt hinter gesellschaftlicher Entwicklung her! Die Folgen: -Immer mehr Menschen haben Angst vor Pflegebedürftigkeit im Alter -Druck auf die Frauen wächst; Familien in der Zerreißprobe -Gleichzeitig: Pflegekräftemangel; Gesellschaft in der Care-Krise (Who Cares?)

7 7 Der Status Quo: Sollen die Töchter ewig pflegen? -(Schweigendes) Einverständnis, dass die Pflege eine private Aufgabe hauptsächlich von Frauen ist -System basiert auf dem männlichen Alleinernähermodell bzw. 1,5- Verdiener-Modell (traditionelles Rollenverständnis) -entspricht in vielen Fällen nicht mehr den Bedürfnissen und der Lebensrealität -führt zu finanzieller Abhängigkeit / Ende der Berufslaufbahn -Typisch weibliche Laufbahn : erst die Betreuung der Kinder, dann die Pflege der Eltern und Schwiegereltern, dann die Pflege des Partners

8 8 Der Status Quo -Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist in Deutschland zurzeit kaum möglich; daher: entweder Pflege oder Beruf. Oder: Pflege und Minijob -Gesellschaftliche Kosten: Altersarmut bei Frauen; Pflegende werden selber früher pflegebedürftig (weniger gesunde Jahre); schlechtes Gewissen, wenn Entscheidung für den Beruf -Familienpflegezeitgesetz (damals zwischen 1. und 2./3. Lesung) -> die Lösung? -Fachgespräch mit Stakeholdern

9 9 Ziel: Fortschrittliches Konzept zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf entwickeln (nicht kommunale Infrastruktur; nicht Finanzierung) Drei Kriterien: Sowohl als auch statt Entweder oder : Modell, das nicht den Berufsausstieg oder die jahrelange kleine Teilzeit fördert, also Frauen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse drängt. Geschlechtergerechte Verteilung der Pflegearbeit: ein Modell, das es ermöglicht, die Pflegeverantwortung geschlechtergerechter zu verteilen (niedrige Hürde für Männer) Bessere Unterstützung durch die Gemeinschaft: Pflege darf nicht ausschließlich private, sondern muss auch gesellschaftliche Aufgabe sein (Privat-öffentlich neu austarieren)

10 10 Familien-Pflegezeiten-Gesetz: 2 Jahre 50 Prozent arbeiten und 75 Prozent verdienen 2 Jahre 100 Prozent arbeiten und 75 Prozent verdienen - Kriterien-Check? Ein Schritt, aber in die falsche Richtung!

11 11 Kritik am Gesetz zur Einführung einer Familienpflegezeit -das Fehlen eines gesetzlichen Anspruchs auf Pflegezeiten -die zeitliche Befristung auf zwei Jahre (Dauer nicht absehbar) -die Versicherung auf Kosten der Arbeitnehmer/in -die Tatsache, dass die finanziellen Lasten der Stundenreduzierung alleine von der pflegenden Person geschultert werden müssen (weiterhin rein private Aufgabe) -die Diskrepanz zur gesellschaftlichen Realität: ein Großteil der Frauen arbeitet bereits in Teilzeit, wenn der Pflegefall eintritt. -> Fazit: Gesetzentwurf wird keinem der drei oben genannten Kriterien gerecht (geringe Inanspruchnahme).

12 12 Konzept der 3 Budgets: Zeit, Geld (und Infrastruktur) 1.Budget: Kurzzeit 10 Tage bezahlte Auszeit, wenn Pflegefall eintritt, um Pflegemanagement betreiben zu können und die Pflegeperson in die neue Situation hinein zu begleiten 2.Budget: 1000 Stunden für pflegende Angehörige Die Idee: Jede Pflegeperson erhält zusätzlich zum akuten Kurzzeitbudget einen Rechtsanspruch auf ein bezahltes Stunden-Zeit-Budget. Diese Budget kann flexibel und in frei wählbaren Einheiten über mehrere Jahre verteilt in Anspruch genommen werden.

13 13 Konzept der 3 Budgets 3. Budget: Sterbebegleitung Für die Phase des Sterbebegleitung soll es ein zusätzliches bezahltes Zeitbudget geben. Ein solches drittes Budget hat den positiven Effekt, dass die Pflegeperson sich in den Jahren zwischen dem akut werden des Pflegefalls und der Sterbephase nicht gezwungen sieht, die 1000 Stunden für die Sterbebegleitung aufzusparen.

14 14 Vorteile des 1000-Stunden-Pflegebudgets Pflegeperson muss nicht Beruf aussteigen, kann flexibel auf akute Bedarfe des zu Pflegenden reagieren, hat in Bezug auf den Arbeitslohn keine finanziellen Einbußen. Kann aber auch die gesamten 1000 Stunden (ein halbes Jahr Vollzeit) am Stück nehmen in diesem Fall: Budget = kleines Pendant zum Elterngeld (ein halbes Jahr Auszeit mit Lohnersatzleistung). Neudefinition des Pflegeleitbildes: Was ist Fürsorge / Care? Weg von Idee der körperlichen Pflege und Rund-um-die-Uhr-Pflege (eher Profiarbeit), stattdessen: fürsorgliche Begleitung & und Übernahme von Verantwortung (auch für Männer zu leisten). Dual-Earner-Carer-Leitbild: Jeder Mensch hat Sorgeverantwortung; der Sorgende Arbeitnehmer

15 15 AUSBLICK Was wurde aus dem 1000-Stunden-Pflegebudget? Was brauchen wir noch? - Ausbau der kommunalen Infrastruktur - Aufwertung der pflegenden Berufe / Reform der Pflegeausbildung - Ausbau der Sozialen Dienstleistung (Kommunen als Arbeitgeber) - Geld! Debatten & Verbündete: -Demografie-Debatte: Mehr Zeit im Lebensverlauf -Fachkräftemangel (Arbeitgeber, Gewerkschaften)

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