Gute Beispiele zur Berufsorientierung: Assessmentverfahren als stärkenorientiertes Instrument der Potenzialanalyse

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1 Gute Beispiele zur Berufsorientierung: Assessmentverfahren als stärkenorientiertes Instrument der Potenzialanalyse Regionales Bildungsbüro Kreis Herford Vortrag von Olaf Simon, Regionales Bildungsbüro Kreis Herford anlässlich der 5. Fachtagung des SWA - Programms zum Thema Berufsorientierung als Bildungsstandard? am 29. und in Potsdam Ich möchte Ihnen heute das Assessmentverfahren des Regionalen Bildungsbüros im Kreis Herford vorstellen ein stärkenorientiertes Instrument der Potentialermittlung. Vorher aber noch kurz einen Blick auf die Landschaft der Schulentwicklung im Kreis Herford. Dadurch soll verdeutlichet werden, dass die potenzialanalytischen Assessmentverfahren im Kontext der Unterrichts- und Schulentwicklung in die regionale Bildungslandschaft im Kreis Herford eingebunden sind. Die zukunftsorientierte Entwicklung von Lehren und Lernen ist das zentrale Ziel des Regionalen Bildungsbüros. 82 Schulen aller Schulformen von insgesamt 97 Schulen im Kreis beteiligen sich dabei an den durch das Regionale Bildungsbüro gesteuerten und entwickelten Schulentwicklungsprojekten Schule & Co. und dem landesweiten Nachfolgeprojekt Selbstständige Schule. Begonnen hat alles mit dem Projekt Schule & Co., das der Kreis Herford gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung und dem Schulministerium NRW von 1997 bis 2002 verwirklicht hat. Schule & Co. hat lange vor dem Pisa-Schock den Unterricht ins Zentrum der Schulentwicklung gestellt. In Herford kam es so zu einer großen Innovationsdynamik. Die Verbindung von Unterrichtsentwicklung mit Schulentwicklungsmanagement in einer regionalen Schullandschaft brachte eine neue Lernkultur hervor, die nicht wie ein Strohfeuer endete. Im Gegenteil: Durch den nachhaltigen Wandel ist eine dauerhafte Qualitätsentwicklung und -sicherung gelungen. Seite 1 von 7

2 Beide Schulentwicklungsprojekte haben ein Ziel: Verbesserung der Qualität schulischer Arbeit und insbesondere des Unterrichts durch: 1. Qualitätsorientierte Selbststeuerung an Schulen 2. Entwicklung regionaler Bildungslandschaften In dieser einmaligen Verknüpfung von Unterrichtsentwicklung und Organisationsentwicklung (Schulentwicklungsmanagement) konnten so bisher im Kreis Herford u.a.: über LehrerInnen in Trainings zur Unterrichtsentwicklung, zum Aufbau von Lernkompetenz und eigenverantwortlichem Arbeiten und Lernen bei Schülerinnen und Schüler geschult werden an allen Schulen Steuergruppen zur Begleitung der pädagogischen Prozesse eingerichtet und durch eine Unternehmensberatung geschult werden Schulleiter im Rahmen der Schulentwicklungsarbeit professionalisiert werden EvaluationsberaterInnen zur Verankerung von Evaluationskompetenz an Schulen trainiert werden. Außerdem konnten 65 Schulen in einen umfassenden regionalen Qualitätsvergleich zur Steigerung der Qualitätsarbeit an Schulen einsteigen. wurde für die Lehrerinnen und Lehrer aller 82 beteiligten Schulen und für nichtlehrendes Personal ein regionales Fortbildungs- und Qualifizierungsprogramm entwickelt. wurden im Rahmen der regionalen Bildungslandschaft zahlreiche innovative Projekte zur Berufsorientierung im Übergang Schule - Beruf entwickelt (z.b. das Assessmentverfahren und KURS - Kooperation von Unternehmen der Region mit Schule) Im Rahmen des Projektes ist das Regionale Bildungsbüro auch mit der Entwicklung der regionalen Bildungslandschaft im Kreis Herford befasst. Neben der Weiterentwicklung des Bildungsangebotes einzelner Schulen will das Regionale Bildungsbüro alle Dienstleistungen im Bildungssektor systematisch vernetzen. Das Ziel ist die Verbesserung der Lern- und Lebenschancen von Kindern und Jugendlichen. Seite 2 von 7

3 Ich werde Ihnen jetzt einige Grundlagen unseres Assessmentverfahrens darlegen und dann noch mal genauer auf einige Inhalte eingehen. Beginnen möchte ich mit einer Folie, die vielen von Ihnen sicherlich bekannt vorkommt. Wenn ich Assessment vor einer Schulklasse vorstelle, dann fange ich auch immer genau mit dieser Folie an und frage die Schülerinnen und Schüler was sie glauben, wer diese Aufgabe am Besten bewältigt. Und die Schülerinnen und Schüler antworten dann auch immer ganz verständlich: Natürlich der Affe. Und meine nächste Frage ist dann: Und, sind die anderen alle dumm und können nichts? Nein, die haben andere Stärken. Seite 3 von 7

4 Und genau darum geht es im Assessment die individuellen Stärken und Fähigkeiten der einzelnen Schülerinnen und Schüler herauszuarbeiten. Zusammengefasst noch einmal die Ziele unseres Potenzialassessments. Einige Grundannahmen unseres Assessmentverfahrens: o Zentral ist die Stärkenorientierung, d. h. es geht darum, die Stärken und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler herauszuarbeiten. o Potenzialanalytische Assessmentverfahren werden mit SchülerInnen der Sekundarstufe I im 8. oder 9. Jahrgang durchgeführt. Die Schule terminiert das Verfahren so, dass es systematisch in die Angebote zur Berufsorientierung eingebaut werden kann. Das heißt, wenn eine Schule sich entscheidet, dann nachhaltig, verbindlich und verlässlich, und sie müssen die Assessmentverfahren auch in ihr Schulprogramm einbauen. o Ein Assessmentverfahren dauert für die Schülerinnen und Schüler drei Tage, vormittags von bis Uhr. o Innerhalb dieser drei Tage werden die Schülerinnen und Schüler bei der Erledigung von vier Assessmentaufträgen beobachtet. Diese vier Assessmentaufträge werden in ein Rahmenprogramm eingebaut. Seite 4 von 7

5 o Beobachtet wird in einer 1 : 2 Situation. Das heißt eine Assessorin beobachtet zwei Schülerinnen und Schüler. In einer Klasse mit 30 Schülerinnen und Schülern benötigen wir 15 Assessorinnen und Assessoren, die diese Beobachtungen durchführen. o Das Assessmentverfahren findet an einem außerschulischen Ort statt. In der Regel ist das ein Jugendzentrum oder ein Gemeindehaus in der Nähe der Schule. o Wir setzten Studierende als AssessorInnen ein, keine Lehrerinnen und Lehrer. Dies stellt sich mittlerweile als Qualitätsmerkmal unseres Verfahrens heraus. o Fachkompetenz spielt im Assessment eine untergeordnete Rolle. Für den Nachweis von Fachkompetenzen gibt es andere Möglichkeiten wie Tests oder Klassenarbeiten. Wir spiegeln den Schülerinnen und Schülern überfachliche Kompetenzen aus folgenden Bereichen mit den dahinter liegenden Beobachtungsdimensionen zurück: Und hinter jeder einzelnen dieser Beobachtungsdimensionen oder Stärken und Fähigkeiten liegen die individuellen Kriterien, die immer mit mindestens drei Mikrobeobachtungen unterlegt sind. Das heißt, es werden sehr genaue, exakte Beobachtungssituationen festgehalten, nämlich das, was konkret wahrgenommen und beobachtet wird. Das hat zur Konsequenz, dass wir in der Rückspiegelung der Stärken und Fähigkeiten sehr aussagekräftig sind, was bei den Schülerinnen und Schülern zu einer sehr hohen Akzeptanz des gesamten Verfahrens führt. Seite 5 von 7

6 Bevor ich etwas genauer einsteige, möchte ich Ihnen noch einige Zahlen nennen. In diesem Jahr arbeiten wir mit fünf Sonderschulen LB, fünf Hauptschulen und drei Realschulen zusammen. Im Kreis Herford sind das alle Hauptschulen, alle LB-Sonderschulen und drei von acht Realschulen. Unser Ziel ist es, allen Sek-I Schulen im Kreis Herford im 8. oder 9. Jahrgang ein stärkenorientiertes Assessmentverfahren zu ermöglichen. Im Jahr 2004 erreichen wir insgesamt 40 Schulklassen und 5 außerschulische Gruppen mit dem Assessmentverfahren, d. h Schülerinnen und Schüler werden von uns mit einem innovativen Leistungsnachweis, dem sogenannten Assessmentbericht, ausgestattet. Das Potenzial-Assessment ist ein freiwilliges Angebot an die Schulen. Aber wenn die Schulen dieses Angebot annehmen, dann unter bestimmten Regeln und Voraussetzungen. Das heißt, die Teilnahme des kompletten Jahrganges ist Voraussetzung. Es soll eine systematische Information des gesamten Kollegiums über Assessment stattfinden und einen systematischen Einbau in eine aus SchülerInnensicht sinnvolle Übergangshilfe Schule Beruf geben. Ich möchte Ihnen jetzt einen typischen Tagesablauf eines dreitägigen Assessmentverfahrens vorstellen: Während folgender Assessmentaufträgen werden die SchülerInnen beobachtet: Seite 6 von 7

7 Der Auftrag Plakatgestaltung Dieser Arbeitsauftrag umfasst 9 Einzelaufgaben und wird in einer Kleingruppe von 4-6 Schülerinnen und Schülern bearbeitet. Der Auftrag Produktentwicklung Dieser Auftrag fordert die Erfindung eines neuartigen Produktes mit anschließender Präsentation. Es ist eine Partnerarbeit. Der Auftrag Modellhaus Der Arbeitsauftrag verlangt die Planung und Herstellung eines Modellhauses in Einzelarbeit. Hier erhalten die SchülerInnen die Möglichkeit ihre Arbeitsweisen nach einer Einschätzungsübung selbst festzulegen. Der Auftrag Tangram-Puzzle Dieser Assessmentauftrag wird in Einzelarbeit durchgeführt und beinhaltet die Zusammenlegung von Puzzleteilen zu 4 unterschiedlich schwierigen Figuren. Abschließend möchte ich noch den Assessmentbericht erwähnen, den die Schülerinnen und Schüler nach dem Verfahren erhalten. In diesem Assessmentbericht erscheint eine Zusammenfassung der beobachteten Stärken und Fähigkeiten unter Berücksichtigung festgelegter Mindeststandards. Wenn wir den Schülerinnen und Schülern Kompetenzen und Stärken in einem Assessmentbericht bescheinigen, dann basieren diese auf einer breiten Grundlage. Der Assessmentbericht kann bei Bewerbungen um eine Praktikums- oder Ausbildungsstelle vorgelegt werden, beim Wechsel auf eine andere Schule den Zeugnissen beigefügt oder mit LehrerInnen, Eltern und der Berufsberatung besprochen werden. Weiterhin dient er immer wieder den SchülerInnen, sich ihrer eigenen Stärken bewusst zu werden. Kontakt und Information: Kreis Herford - Regionales Bildungsbüro Olaf Simon Amtshausstr. 3, Herford / Seite 7 von 7

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