Sorgsamer, besser, gesünder: Innovationen aus Chemie und Pharma bis 2030

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1 VERBAND DER CHEMISCHEN INDUSTRIE e.v. Ausführungen von Dr. Marijn E. Dekkers, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie, am 3. November 2015 in Berlin anlässlich des Tags der Deutschen Industrie des BDI (Es gilt das gesprochene Wort) Sorgsamer, besser, gesünder: Innovationen aus Chemie und Pharma bis 2030 Lieber Herr Grillo, liebe Gäste des BDI! Wir wollen heute morgen einen Blick in die Zukunft werfen: Wie sieht Deutschland 2030 aus? Welche Innovationen aus Chemie und Pharma wird es geben? Beide Fragen lassen sich nicht ohne einen Blick auf die weltweiten Entwicklungen beantworten. Chemie und Pharma zählen zu den innovativsten Zweigen der deutschen Industrie. Mit neuen Molekülen und Werkstoffen treiben wir auch Innovationen in anderen Branchen voran: im Automobilbau, in der Elektroindustrie, im Maschinenbau, oder in der Bauwirtschaft. Ich werde Ihnen ein paar Einblicke geben, in welche Richtung es bei uns geht welche Technologien wir in Zukunft sehen werden. Mainzer Landstraße Frankfurt Internet: Telefon Telefax

2 Natürlich wird es im Jahr 2030 noch viel mehr Neues geben. Innovationen, von denen wir heute noch keine Ahnung haben. Denn in den Labors der deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen arbeiten Wissenschaftler. Viele sind in der Grundlagenforschung oder kooperieren mit Universitäten. Wir geben mehr als 10 Milliarden Euro pro Jahr für F&E aus bis 2030 vielleicht sogar das Doppelte. Wir machen 20 Prozent Umsatz mit Produkten, die jünger als 5 Jahre sind. Wir werden also in den nächsten 15 Jahren da bin ich mir sehr sicher noch ganz neue, große Innovationen sehen. Herausforderungen Und: Wir brauchen solche Innovationen für die großen Herausforderungen, vor denen die Menschheit weltweit steht. Aufgaben, die sich nur mit Innovationen aus Chemie und Pharma lösen lassen werden rund acht-ein-halb Milliarden Menschen auf der Erde leben. Viele dort, wo Wasser knapp und Landwirtschaft schwierig ist. Wie schaffen wir es, dass alle genug zu essen haben? Gleichzeitig werden die Städte immer voller und größer. Wie sichern wir Energieversorgung und Mobilität ohne Raubbau an unseren natürlichen, begrenzten Ressourcen? Vor allem in den Industrienationen werden die Menschen immer älter. Wie schaffen wir es, dass die Menschen überall gesünder leben und auch im hohen Alter noch ein hohes Maß an Lebensqualität erreichen? Meine Vision für das Jahr 2030 ist, dass wir durch Chemie und Pharma besser, sorgsamer und gesünder leben können. In welchen Bereichen erwarten wir also die nächsten großen Innovationen? 2

3 Sorgsamer und besser leben mit Chemie Urban Technologies Ein großes Feld sind die urbanen Technologien: Intelligente Lösungen und innovative Materialien für die Giga-Städte der Zukunft. Wasserversorgung, Energie, Mobilität, Recycling: Alle Rohstoffe müssen sorgsamer eingesetzt werden. Unsere Forscher arbeiten an neuartigen Energiespeichern, an Batteriesystemen mit neuen Elektrolyten, an innovativen Leichtbaustoffen und an recycle-fähigem Plastik. Die Chemie wird viele Komponenten stellen, für ein besseres Leben in der Stadt. Organische Elektronik Eine neue Technologie für die Zukunft heißt organische Elektronik oder auch Polymer- Elektronik. Die bisherige Elektronik auf Silizium-Basis lässt sich nicht überall einsetzen. Organische Moleküle können dagegen etwa auf Folien aufgebracht werden. Und zwar direkt aus dem Drucker! Mit leitfähigen Polymeren entstehen daher ganz neue Anwendungsfelder, zum Beispiel für Sensoren und Analysegeräte in der Medizin. Organische Elektronik ist besonders kostengünstig, leicht und flexibel. Sie kann der Digitalisierung einen ganz neuen Schub geben. Zur Produktion werden weder Schwer- noch Edelmetalle benötigt. Vielleicht wird die nächste Generation von Solarzellen komplett aus Kunststoff-Molekülen bestehen. Gesünder leben mit Pharma In der Pharma-Industrie stehen wir gleich vor mehreren Revolutionen. Eine davon ist die personalisierte Medizin. 3

4 Es geht darum, für jeden Patienten individuell die richtige Arznei und die optimale Dosierung zu wählen. Die Molekularbiologie macht hier sehr große Fortschritte, um die relevanten Faktoren zu bestimmen. Mit individuell angepassten Medikamenten können Patienten viel zielgenauer behandelt werden. Zum Beispiel mit maßgeschneiderten Therapien gegen Krebs. Ein Ansatz besteht darin, mit speziellen Antikörpern das Immunsystem so zu trainieren, dass es selbst die Krebszellen bekämpfen kann. Der Patient würde sich dann quasi selbst vom Krebs befreien. Genom-Editing Eine zweite Revolution kommt mit dem Genom-Editing. Das ist eine Technologie, mit der wir künftig einzelne Bausteine in der DNA austauschen und damit Fehler korrigieren können. Viele Krankheiten basieren auf solchen Fehlern, zum Beispiel angeborene Erkrankungen am Herzen, an den Augen oder auch bestimmte Bluterkrankungen. In Zukunft bekämpfen wir dann nicht mehr die Symptome solcher Krankheiten, mit allen Belastungen, die für den Patienten damit verbunden sind. Mit dem Genom-Editing hoffen wir, in vielen Fällen gezielt die Ursache beheben zu können. Patienten werden nicht mehr nur behandelt, sondern ganz geheilt. Menschen können gesünder leben. Genom-Editing gehört heute noch zur Grundlagenforschung wird es hoffentlich Realität sein. Sehr geehrte Damen und Herren, das waren einige wenige, kurze Ausblicke in die Zukunft. Wenn wir die Probleme lösen wollen, brauchen wir Optimismus und eine starke Kultur für Innovationen in den Unternehmen, in der Politik, in der ganzen Gesellschaft. 4

5 Ich glaube an die innovative Kraft der deutschen Industrie. Ich bin überzeugt, dass wir noch innovativer werden können und müssen. Und ich bin überzeugt, dass die Frauen und Männer in den Labors uns immer wieder mit neuen Lösungen überraschen werden. Ich möchte meine Vision für 2030 daher ergänzen: Ja, wir werden im Jahr 2030 besser, sorgsamer und gesünder leben durch Innovationen aus Chemie und Pharma. Und Deutschland wird im Jahr 2030 noch innovativer sein als heute wenn wir alle hart dafür arbeiten. Mit Offenheit, mit Mut und Kreativität. Mit einer starken deutschen Industrie. Vielen Dank. Kontakt: VCI-Pressestelle Telefon: Hinweis: Nachrichten des VCI auch auf Twitter: 5

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