Die Wortbildung des Deutschen. Wortbildungsmittel

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1 Die Wortbildung des Deutschen Wortbildungsmittel

2 Voraussetzungen und Ziele der Wortbildungsanalyse Bildung von Wörtern folgt best. Wortbildungstypen Bildung nach Vorbild eines bereits bekannten Wortes Ziel der Analyse: Bildungstypen erkennen und die Vielfalt d. Bildungsmöglichkeiten in eine Ordnung bringen Ermittlung von gemeinsamen Eigenschaften der Wortbildungen einer Wortart nur bei Wortbildungen, deren lexikalische Bedeutung bekannt ist

3 Wortbildungen werden geordnet in Wortbildungsarten und Wortbildungstypen Arten: Allgemeine Ebene; ergeben sich aus strukturellen und morphologischen Eigenschaften Typen: aus funktional semantischen Merkmalen innerhalb einer Art existieren zahlreiche Typen wichtigstes Differenzierungsmerkmal bei Wortbildungen: Wortbildungsmittel

4 Wortbildungsmittel sind sprachliche Einheiten, die Ausgangseinheiten für neue Wörter sein können a) Wörter bzw. Stämme b) Wortbildungsaffixe c) Wortgruppen d) Sätze e) Konfixe = nicht native, nicht wortfähige Einheiten; treten ausschließlich gebunden auf a e unterscheiden sich hinsichtlich ihrer morphologischen und semantischen Eigenschaften, ihrer Distribution oder Position im Wort

5 Fugenelemente: semantisch leere Segmente ohne Flexionsfunktion, an der Nahtstelle zwischen unmittelbaren Konstituenten Leben s erfahrung Auftreten wird bestimmt von phonologischen, morphologischen und semantischen Bedingungen sind bei manchen Bildungstypen obligatorisch erleichtern das Verstehen komplexer Wörter

6 Erstglied der Wortbildung gibt die Bedeutung für Fugengestaltung vor n wenn Erstglied auf Schwa endet s bei Erstgliedern: -ling, -schaft, -heit, Gebrauch der Fugenelemente in Komposita mit mehrdeutigen Erstgliedern kann semantisch bedingt sein -> dienen der Bedeutungsdifferenzierung Bsp.: Geschicht s buch <-> Geschichte n buch

7 Stämme häufigste Wortbildungsmöglichkeit: Kombination zweier Wörter aber nur best. Formen von Wörtern für Beschreibung von Wortbildungsmitteln wird unterschieden zwischen Lexemen, Wörtern und Stämmen Lexem: Wort als der kleinste selbstständige Bedeutungsträger auf lexikalischer Ebene; zu Grunde liegende Einheit

8 Wort: Wort als Gesamtheit all seiner Formen in einem Paradigma auf morphologischer Ebene für Bildung neuer Wörter: Stämme -> Ausgangseinheiten versch. Formen von Stämmen die Zusammen ein Stammparadigma bilden Verteilung von Stammformen steht mit Wortbildungstyp in Beziehung

9 zeichnen sich durch Wortfähigkeit (1), Positionsvariabilität (2), Wortmarkiertheit (3), potenzielle Komplexität (4), Wortbildungsaktivität (5) aus (1) tragen lexikalisch-begriffliche Bedeutung (2) - in komplexen Wörtern nicht an best. Positionen gebunden - Erst- oder Zweitglied (3) - lassen sich best. Wortarten zuordnen - wichtige Voraussetzung für die Erklärung der Wortbildung

10 (4) - einfache und komplexe Stämme; - Stämme aller Komplexitätsgrade können zur Wortbildung genutzt werden (5) - Zusammenhang zw. Komplexität und Aktivität; - je komplexer, desto weniger für Wortbildung genutzt - Grund: Probleme mit Verstehen - nicht jeder Stamm nimmt an allen Wortbildungsverfahren teil - wenige sind völlig unaktiv - Stämme können auch mit sich selbst verbunden werden - universell einsetzbar; - Kombination mit Stämmen, Affixen, Konfixen, Wortgruppen und Sätzen

11 Affixe sind nicht wortfähige Wortbildungsmittel bilden zusammen mit einer Basis komplexe Wortstämme selbst nicht basisfähig und können sich nicht mit sich selbst verbinden nach Position unterschieden -> Präfixe, Suffixe und Zirkumfixe sind reihenbildend -> prägen an Basiswörtern eine Vielzahl von Wortbildungen derselben Bedeutung

12 in Verbindung mit Basis können sie eine oder mehrere Bedeutungen signalisieren -> hoher grammatischer Signalwert (morphosemantische Funktion) mehrere Funktionen -> Polyfunktionalität bilden Wortbildungsreihen a) treten an versch. Wortarten und prägen mit wortartverschiedenen Stämmen spezifische Bedeutungen aus b) prägen an versch. Stämmen der selben Wortart untersch. Bedeutungen aus

13 Präfixe treten links an die Derivationsbasis und bilden mit ihr komplexe Wortstämme sind im Wortinneren Ergebnisse vorgängiger Wortbildungen Bsp.: Treu -> Untreu -> Veruntreuen haben ausschließlich Wortbildungsfunktionen nur ge- bildet zusammen mit -en das Partizip II (Schlafen -> geschlafen) substantivische, adjektivische, verbale Präfixe unterscheiden sich hinsichtlich ihrer prosodischen, grammatischen und semantischen Eigenschaften

14 Suffixe treten rechts an die Basis native Suffixe sind unbetont Fremdsuffixe sind betont und unbetont dienen der Bildung von Substantiven, Adjektiven, Verben und Adverbien kennzeichnen Wortart des Stammes, Genus, Flexionstyp manche Suffixe verbinden sich mit (1) einer Wortart oder (2) mit verschiedenen Wortarten (2) wirken wortarterhaltend oder verändernd

15 Zirkumfixe = feste Präfix-Suffix-Kombinationen kommen bei Verben, Substantiven und Adjektiven vor Bsp.: un..lich -> unausstehlich

16 Konfixe typisch für Fremdwortbildung bedeutungstragende lexikalische Einheiten, die nur gebunden vorkommen sind keine Stämme allein nicht wortbildungsfähig festgelegt oder variabel a) initiale Konfixe (Präkonfixe) Bsp.: geo -> Geographie

17 (b) Terminale Konfixe (Postkonfixe) Bsp.: -thek -> Videothek (c) solche, die in beiden Positionen auftreten Bsp.: -therm -> Thermohose oder endotherm lassen sich zu Wörtern verselbstständigen schwer: Unterschied zwischen Konfixen und Affixen -> Konfixe: lexikalische Bedeutung -> Affixe: nur morphosemantische Funktion -> Bevorzugung von Wörtern als Zweitglied -> Präfix -> Bevorzugung von Konfixen als Zweitglied -> Konfix

18 Wortgruppen und Sätze Wortgruppen: Basis für substantivische und adjektivische Suffigierungen, substantivische Konversionen, Erstglied in Komposita häufigste Vollformen für Kurzwörter; Bsp.: Von der Hand in den Mund leben für Position als Erstglied sind zahlreiche syntaktische Strukturen zugelassen -> Sätze; Bsp.: Komm wie du bist Party Derivationsbasen: häufig Wortgruppen aus Verb und direktem Objekt Bsp.: Antrag stellen -> Antragsteller Sätze können nicht Zweitglied in Komposita sein; nur Stämme

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