Auswertung und Schlussfolgerungen der Umfrage betreffend Freiwilligenarbeit in Alters- und Pflegeheimen im Kanton Solothurn

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1 Vermittlungs- und Beratungsstelle für Freiwilligenarbeit Ringstrasse 17, Postfach, 4601 Olten Telefon Freiwilligenarbeit in Alters- und Pflegeheimen Auswertung und Schlussfolgerungen der Umfrage betreffend Freiwilligenarbeit in Alters- und Pflegeheimen im Kanton Solothurn Rosmarie Wyss, Geschäftsleiterin Benevol Kanton Solothurn Januar 2012

2 Inhaltverzeichnis Teil 1 Begründung und Ziele der Umfrage 1.1. Ausgangslage 1.2. Situationsanalyse in den Alters- und Pflegeheimen (APH) 1.3. Zielsetzungen der Umfrage Teil 2 Umfrage 2.1. Die Resultate der Umfrage Einsatz von freiwilligen MitarbeiterInnen (FMA) Rahmenbedingungen, welche die Heime den Freiwilligen bieten Sichtbarmachung der Freiwilligenarbeit Rekrutierung neuer Freiwilliger 2.2. Fazit Teil 3 Zur allgemeinen Situation und Schlussfolgerungen 3.1. Die aktuelle Situation der Freiwilligenarbeit in der Schweiz 3.2. Chancen und Risiken des Einsatzes Freiwilliger in Alters- und Pflegeheimen Chancen Risiken 3.3. Schlussfolgerungen für den Einsatz Freiwilliger in Alters- und Pflegeheimen 3.4. die nächsten Schritte Anhang Fragebogen 2

3 Teil 1 Begründung und Ziele der Umfrage Ausgangslage Zunehmend wird Benevol Kanton Solothurn, die kantonale Fachstelle für Freiwilligenarbeit mit Anfragen von Alters- und Pflegeheimen konfrontiert. In den meisten Fällen sind diese Heime auf der Suche nach neuen Freiwilligen und hoffen dass Benevol ihnen solche vermitteln kann. Viele Freiwillige, die sich in diesen Institutionen viele Jahre engagiert haben sind in der Zwischenzeit selber betagt, können nicht weiter beschäftigt werden. Gleichzeitig versuchen Alters- und Pflegeheime Freiwillige vermehrt für gewisse Aufgaben einzusetzen. Ein Grund dafür ist, dass psychosoziale Betreuungsaufgaben kaum über die Krankenversicherer abgerechnet werden können. Der Wunsch der Pflegebedürftigen nach sozialer Integration und Kommunikation kann von Seiten der Pflege nur unzureichend abgedeckt werden. Für Aufgaben in diesen Bereichen können Freiwillige eingesetzt werden. Solche Einsatzmöglichkeiten sind: Besuchsdienste, Spazierbegleitung, Mithilfe in der Aktivierung, Fahrdienste, Vorlesen, Sterbebegleitung etc. Die Rekrutierung neuer Freiwilligen für eine Mitarbeit in Alters- und Pflegeheimen ist nicht einfach; die Konfrontation mit Themen wie Alter, Gebrechlichkeit und Sterben nicht jedermanns Sache. Zudem ist der Umgang mit betagten und /oder pflegebedürftigen Menschen aufgrund der unterschiedlichsten Krankheitsbilder anspruchsvoll. Freiwillige im Alters- und Pflegeheim benötigen entsprechende Führung und Begleitung. Benevol Kanton Solothurn will sich aus erwähnten Gründen näher der Situation der Freiwilligenarbeit in den stationären Einrichtungen für betagte Menschen im Kanton widmen Situationsanalyse in den Alters- und Pflegeheimen (APH) Mit einer quantitativen Bestandesaufnahme mittels Fragebogen zum Thema Einsatz freiwilliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde die aktuelle Situation betreffend freiwilliger Mitarbeit in den Alters- und Pflegeheimen des Kantons Solothurn erfasst Zielsetzungen der Umfrage Unterstützungsbedarf der APH im Kt. Solothurn im Bereich Freiwillige eruieren Grundlagen für einen den Bedürfnissen entsprechenden Massnahmeplan erhalten Alters- und Pflegeheime bei der Entwicklung von Konzepten für den Einbezug von Freiwilligen unterstützen und begleiten Die Vernetzung des Erfahrungsaustausches und Weiterbildung im Bereich der Freiwilligenarbeit im Heim fördern 3

4 Teil 2 Umfrage 2.1. Die Resultate der Umfrage In einem Versand der Gemeinschaft Solothurnischer Alters- und Pflegeheime (GSA) konnte der Fragebogen in verdankenswerter Weise im Juli 2011 an sämtliche, der Gemeinschaft angeschlossenen APH (52) mitgeschickt werden. Anfangs September hat die GSA die Institutionen nochmals an den Fragebogen erinnert. 31 Fragebogen wurden ausgefüllt retourniert, was einem Rücklauf von knapp 60% entspricht. Die Auswertung stützt sich auf 33 APH. Zusätzlich sind von 1 Institution die Aussagen durch einen persönlichen Besuch bereits bekannt. Mit einem Heim wurde der Fragebogen als Probelauf im Gespräch durchgearbeitet Einsatz von freiwilligen MitarbeiterInnen (FMA) Von den 33 APH arbeiten 22 mit Freiwilligen. 8 von 11 APH die nicht mit FMA arbeiten, beabsichtigen dies zukünftig zu tun. Die FMA werden vor allem in der Alltagsgestaltung und Aktivierung, bei Festen, Veranstaltungen und Einzelbegleitungen eingesetzt, sowie für Fahrdienste und Mithilfe bei Ausflügen. 9 Heime setzen auf die Unterstützung in der Cafeteria, 5 bei Sterbegleitung und 2 auf Mithilfe in der Pflegeabteilung Rahmenbedingungen, welche die Heime den Freiwilligen bieten Einführungsgespräch 18 Einführung in die gewählte Tätigkeit 19 Begleitung/ Aussprachmöglichkeiten 10 Spesen 12 Essen, Ausflüge, Treffen 21 Weiterbildung, Supervision 10 Sozialzeitausweis 8 Versicherung 9 8 schliessen schriftliche Einsatzvereinbarungen ab. 7 haben ein zusätzliches Reglement oder Informationsblatt betr. Rechte und Pflichten (Schweigepflicht, Spesenvergütung etc.) Sichtbarmachung der Freiwilligenarbeit FMA wird in den meisten Fällen im Jahresbericht erwähnt, im Leitbild 4, 5 erwähnen FMA auf der Homepage und fünf haben einen eigenen Flyer zur Rekrutierung erarbeitet Rekrutierung neuer Freiwilliger 12 finden genügend FMA, 10 bekunden Mühe, freiwillige Kräfte zu finden. Zusätzlich wollen 8 Heime zukünftig mit Freiwilligen arbeiten und müssen demzufolge neu rekrutieren. 4

5 Gemeinsame Plattform 13 der Heime, die mit FMA arbeiten sind an einer gemeinsamen Plattform interessiert (Austausch, Koordination Weiterbildung etc.) 2.2. Fazit Von 33 Rückmeldungen wollen lediglich drei explizit auch in Zukunft ohne Unterstützung von Freiwilligen in ihrem Betrieb auskommen. Knapp die Hälfte der 22 Heime mit FMA tut sich schwer mit der Rekrutierung. Zusätzlich wollen 8 Heime zukünftig mit Freiwilligen arbeiten und müssen demzufolge neu rekrutieren. Der Bedarf für Menschen, die sich freiwillig in einem Alters- und Pflegeheim engagieren ist gross. Bereits haben sich 9 Alters- und Pflegeheime als Mitglieder bei Benevol Kanton Solothurn angeschlossen und suchen sich damit Unterstützung der Fachstelle sei es bei der Rekrutierung und durch Beratung in Bereich der Einführung und Begleitung Freiwilliger. Aufgrund der demographischen Entwicklung ist mit einem zunehmend höheren Anteil betagter Menschen, die nicht selbstständig leben können, zu rechnen. Durch die fortschreitende Individualisierung in unserer Gesellschaft steigt die Zahl der Menschen ohne Angehörige. Neben diesen und den eingangs erwähnten Gründen wird die Mitarbeit Freiwilliger in allen Bereichen der Altersarbeit noch an Bedeutung zunehmen. Es ist naheliegend, dass sich Benevol Kanton Solothurn weiterhin näher mit der Freiwilligenarbeit in den stationären Alterseinrichtungen beschäftigt und Unterstützung und Beratung anbietet, wo dies gewünscht wird. 5

6 Teil 3 Zur allgemeinen Situation und Schlussfolgerungen 3.1. Die aktuelle Situation der Freiwilligenarbeit in der Schweiz Die Motivation, sich freiwillig zu engagieren, hat sich verändert. Die neusten Resultate der Untersuchungen vom Bundesamt für Statistik und dem Freiwilligenmonitor der schweizerischen gemeinnützigen Gesellschaft zeigen: Hauptmotive sind der persönliche Gewinn oder mit anderen Menschen zusammenzukommen. Altruistische und selbstlose Motive zeigen eine abnehmende Tendenz. Die FMA wollen für die Tätigkeit nicht monetär entschädigt werden, jedoch soll ihr Engagement Anerkennung und Wertschätzung finden. Die neuen Freiwilligen sind zudem anspruchsvoller und kritischer und sie wollen mitreden. Freiwilligenarbeit geschieht aus freiem Willen. Sie kann weder verordnet noch angeordnet werden und Freiwilligenarbeit gibt es nicht zum 0 Tarif. Besonders attraktiv sind zeitlich begrenzte und kreative Projekte, welche flexible Einsatzzeiten ermöglichen Chancen und Risiken des Einsatzes Freiwilliger in Alters- und Pflegeheimen Die Geschäftsleiterin von Benevol Kanton Solothurn hat selber von als Sozialarbeiterin in einem Alters- und Pflegeheim im Kanton Aargau gearbeitet und war dort unter anderem für die Rekrutierung und Begleitung der Freiwilligen zuständig. Nachfolgende Einschätzung und Schlussfolgerungen basieren auf dieser Erfahrung. 6

7 Chancen Freiwillige schaffen einen Mehrwert auf der Beziehungsebene und tragen dazu bei, dass die Betagten soziale Bindungen behalten und im gesellschaftlichen Leben integriert bleiben. Sie bereichern den BewohnerInnen das Leben im Heim. FMA stellen Zeit- und Kompetenzressourcen zur Verfügung. Sie ermöglichen dem Heim Lernprozesse und üben eine gewisse soziale Kontrolle aus. Die Institution öffnet sich gegen aussen Risiken FMA bekommen Sachverhalte des Heims mit, die sie vielleicht nicht sehen sollten und können dies nach Aussen tragen. Pflegende haben Mühe. Die FMA machen die schönen Dinge, für welche die Pflegefach-Personen keine Zeit haben. Freiwillige begleiten braucht zeitliche Ressourcen und finanzielle Ressourcen. Es gibt auch schwierige Freiwillige. Freiwillige werden als Kompensation von Personalmangel eingesetzt Schlussfolgerungen für den Einsatz Freiwilliger in Alters- und Pflegeheimen Für eine erfolgreiche Rekrutierung neuer Freiwilliger und deren Einsatz in den stationären Alterseinrichtungen ist eine neue Freiwilligenkultur unabdingbar. Der Entscheid mit Freiwilligen zu arbeiten muss bewusst gefällt werden und von der Heimleitung mitgetragen und unterstützt werden. Freiwilligenarbeit ist eine Führungsaufgabe Freiwillige begleiten braucht zeitliche und personelle Ressourcen Freiwillige ergänzen die Arbeiten der bezahlten MitarbeiterInnen. Auf keinen treten sie in Konkurrenz zu ihnen. Sie übernehmen keine Tätigkeiten, die in den Aufgabenbereich der bezahlten MitarbeiterInnen fallen. Der Einsatz und die Begleitung Freiwilliger braucht klare Rahmenbedingungen (s. Standards Benevol CH) 3.4. die nächsten Schritte - Präsentation und Diskussion der Umfrage bei der solothurnischen Gemeinschaft für Alters- und Pflegeheim (GSA) - Veranstaltung/Fachtagung/Workshop für die Verantwortlichen für FMA in den Alters- und Pflegeheimen unter Einbezug der Umfrageergebnisse 7

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