Predigt zu Johannes 14, 12-31

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1 Predigt zu Johannes 14, Liebe Gemeinde, das Motto der heute beginnenden Allianzgebetswoche lautet Zeugen sein! Weltweit kommen Christen zusammen, um zu beten und um damit ja auch zu bezeugen, dass Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Wenn es nicht so wäre, würde es keinen Sinn machen, Gebete zu formulieren und sie an Jesus Christus zu richten. Doch wovon zeugen unsere Gebete? Bezeugen sie einen tiefen, erwartungsvollen Glauben? Wie hört sich das an, wenn du betest? Kannst du selber glauben, dass dein Gebet etwas bewirkt? Jesus verspricht seinen Jüngern und damit ja auch uns im Zusammenhang mit der neuen Jahreslosung: Wer an mich glaubt, wird die Werke die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird sogar größere Werke tun, denn ich gehe zum Vater. Alles, um was ihr in meinem Namen bitten werdet, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn (V ). Wohl bemerkt, wenn wir vollmächtig im Namen Jesu beten, dann darf es nicht darum gehen, sich selbst oder anderen etwas zu beweisen. Der 1

2 Zielgedanke ist der, dass der Vater verherrlicht werde im Sohn! Das ist eine interessante Formulierung. Was Jesus auf Erden tat nämlich den Vater verherrlichen das soll auch weiterhin geschehen und dazu können wir beitragen, indem wir bezeugen, wie sehr wir den Vater im Himmel lieben. Bevor wir in unseren Gebeten wortreich beschreiben, was sich in unserem Leben oder in der Gemeinde alles verändern müsste, sollten wir den Vater im Sohn verherrlichen. Was ist das für ein Gott, der die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen Sohn sandte?! Was ist das für ein Sohn, der seinen Vater so sehr liebt, dass er die Herrlichkeit bei ihm verlässt, um alle menschliche Schuld auf sich zu nehmen und damit Versöhnung mit dem Vater zu ermöglichen?! Etwas Größeres gibt es nicht, etwas Größeres kann niemand vollbringen und etwas Größeres können wir nicht bezeugen. Darum tun wir gut daran, zuerst und vor allem Gott anzubeten, ihm die Ehre zu geben - dem Gott, den wir im Namen Jesu um alles bitten dürfen und der schon alles für uns getan hat. Ich vermute, die Jünger damals waren noch etwas verunsicherter, als wir heute, als Jesus zu ihnen sagte, 2

3 sie würden noch größere Werke vollbringen als er. Was ist dieses Größere? Größere Zeichen und Wunder als Jesus sie getan hat, können wir jedenfalls nicht vollbringen! Vielleicht ist an das Kommen des Heiligen Geistes und die größere Verbreitung des Evangeliums bis an die Enden der Erde zu denken?! Doch das Größte ist und bleibt die Erkenntnis, dass Jesus meine Schuld mit ans Kreuz genommen hat und er mir damit einen unmittelbaren Zugang zum allerheiligsten Gott ermöglicht. Das möchte ich bezeugen! Zeugen sind wir in dem Moment, wenn wir bezeugen können, was wir gesehen und gehört haben. Ja, was hast du gesehen und gehört? Was ist in deinem eigenen Leben passiert? Warum sollte jemand daran glauben, dass Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist? Wenn überhaupt, interessiert die Leute, inwiefern der Glaube unseren Lebensweg verändert hat. Vielleicht betonen wir manchmal zu sehr, was wir für wahr halten, statt wahre Geschichten zu erzählen, die wir selbst erlebt haben. Das können alte Geschichte sein! Aber es sollte uns auch möglich sein, aus dem aktuellen Erleben heraus, unseren 3

4 Glauben zu bezeugen. Das müssen nicht immer die ganz großen Geschichten sein. Wichtiger ist, dass wir authentisch und ehrlich bezeugen, warum wir davon ausgehen, dass Jesus die Auferstehung und das Leben ist. Ja, Zeugen sollen wir sein! Wenn wir das hören, denken wir sofort: Wie sag ich s meinem Nachbarn. Und dann fällt uns ein, dass der gar nichts davon wissen will! So frustrierend es manchmal sein mag, wir dürfen im Namen Jesu darum bitten, dass sich noch einmal etwas ändert. Wenn es uns wirklich darum geht, dass der Vater im Sohn verherrlicht wird, kann und wird Jesus etwas tun. So hat er es versprochen. Doch bleiben wir noch einmal bei uns selbst: Denn wir bezeugen ja nicht nur mit Worten, sondern vielmehr mit unserem Sein. Da fasziniert mich dieser Gedanke, dass nicht nur der Vater und sein Sohn Jesus Christus eine Einheit darstellen. Wirklich verblüffend, was Jesus da sagt: Ihr werdet erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch, so formuliert Jesus (V.20). Erstaunlich, oder?! Wir können es nur im Glauben annehmen, dass durch den Heiligen Geist Christus in uns wohnt. Sicher, wir 4

5 dürfen uns auf die himmlischen Wohnungen freuen. Jesus hat alles für uns vorbereitet. Eine größere Hoffnung gibt es nicht. Doch mit dieser himmlischen Perspektive dürfen wir uns nicht vertrösten. Was sich in der Herrlichkeit bei Gott erfüllen wird, ist schon in uns angelegt. Da findet sich ein Stück vom Himmel in unserem Denken und Fühlen durch Gottes Geist, der in uns wohnt. Was für ein Schatz, den wir da in irdenen Gefäßen in uns tragen. Dieses Wohnen ist eine geistliche Realität, die wir uns jeden Tag neu bewusst machen können. In einem Hingabegebet der Jesusbruderschaft heißt es: In der Tiefe meines Wesens, tiefer als alle meine Gedanken, tiefer als meine Gefühle, tiefer als mein Wille hast du Wohnung in mir genommen. Diese Worte möchte ich verinnerlichen und darum bete ich sie gerne nach. Eine andere Möglichkeit ist das Ruhegebet: Man kann im Rhythmus des Ein- und Ausatmens lautlos folgende Worte im Wechsel vor sich hin sagen: Du in mir Ich in dir! Wohl bemerkt, an Gott und an Jesus zu glauben, zielt daraufhin, mit dem Vater und mit Jesus eins zu werden. Dazu brauchen wir die Stille. Daran werde ich 5

6 im Laufe des Jahres immer wieder erinnern! In der Stille werden wir uns dessen bewusst, dass wir ja nicht aus uns selbst heraus etwas bezeugen müssen, sondern Jesus durch seinen Geist es vollbringt, was wir gar nicht vollbringen könnten. Nun fragt ein anderer Jünger in dem Zusammenhang: Herr, warum willst du dich nur uns offenbaren und nicht der Welt? (V.22). Das fragt Judas nicht der Judas Ischariot, der Jesus später verraten sollte, sondern ein anderer Judas, der Sohn des Jakobus. Einer, der sonst kaum in Erscheinung tritt, stellt hier die Frage, die uns bis heute beschäftigt: Warum willst du dich nur uns offenbaren und nicht der Welt?. Tja, wir könnten uns viel Arbeit und Mühe sparen! Jesus antwortet darauf: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten. Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen! (V.23). Eine interessante Antwort. Einfacher wäre es natürlich, wenn Jesus sich auf direktem Wege vom Himmel her offenbaren würde. Am Ende der Zeit wird es so kommen. Doch bis dahin bleibt es dabei, letztendlich können wir niemand überzeugen. 6

7 Nicht durch vollmächtiges Gebet. Nicht durch persönliche Erfahrungen, von denen wir erzählen. Nicht durch gute Taten im Sinne der Nächstenliebe. So gut und wichtig das alles sein mag, letztendlich kann nur sein Wort überzeugen. An seinem Wort festhalten bedeutet, darauf zu vertrauen, dass das wahr ist, was die Apostel berichten. Sie sind Augenzeugen gewesen. Sie haben den Auferstandenen mit eigenen Augen gesehen. Thomas konnte sogar seine Finger in die Wunden Jesu legen. Was der Kanon des Neuen Testaments bezeugt, ist die Grundlage unseres Glaubens. Diese gemeinsame Basis dürfen wir nicht verlassen. Jesus offenbart sich nicht zuletzt durch sein Wort, so wie wir es im Neuen Testament finden. Allerdings muss das geschriebene Wort immer auch Fleisch, also lebendig werden. Das geschieht, indem uns der an das erinnert, was wir in den Evangelien über Jesus erfahren (V.26). Trotz alledem waren die Herzen der Jünger damals schon beunruhigt. Wie schon zu Beginn der Abschiedsreden in Johannes 14 wiederholt Jesus noch einmal dieses: Euer Herz 7

8 erschrecke nicht. Er sagt: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz erschrecke nicht! (V.27). Wenn ich da allein an die vergangene Woche denke, gab es so einige Situationen, die mich erschreckt haben! Tja, solange der Fürst dieser Welt hier auf Erden sein Unwesen treibt und das Leben vom Tod umfangen ist, werden wir wohl damit leben müssen, dass nicht alles gut wird, auch wenn wir um alles bitten dürfen. Nein, etwas Größeres als eine einfache Gebetserhörung ist es, wenn man angesichts von manch Erschreckendem Frieden findet nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, sondern Frieden im Glauben an Gott und an den, der vorausgegangen ist, um für uns himmlische Wohnungen vorzubereiten. Das ist ein Frieden, der menschliche Vernunft überragt und nur so zu erklären ist, dass der Heilige Geist in uns wohnt. Lasst uns diesen Frieden bezeugen, damit der Vater verherrlicht wird im Sohn. AMEN 8

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