BABYLOTSEN HAMBURG. Von Fall zu Fall Aus der Praxis der Hamburger Babylotsen

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1 Auszug Von Fall zu Fall Aus der Praxis der Hamburger Babylotsen Stand: September 2014

2 Inhalt Vorwort von Dr. Sönke Siefert Seite 3 Geschäftsführer Stiftung SeeYou Babylotsen im Krankenhaus Seite 4 Fall A: Keine Sprache keine Hilfe? Seite 6 Fall B: Aus Angst in die Isolation Seite 8 Fall C: Ein Berg an Problemen Seite 10 Babylotsen in der Frauenarztpraxis Seite 13 Fall D: Mit dem Alkohol kommt die Gewalt Seite 14 Fall E: Eine gute Mutter sein Seite 15 Fall F: Masterhaft gelöst Seite 18 Ansprechpartner Seite 20 Familienorientierte Nachsorge Hamburg SeeYou Alle Rechte vorbehalten. Nutzung, Vervielfältigung, Weitergabe und Speicherung nur mit ausdrücklicher Genehmigung. 2

3 Fall B: Aus Angst in die Isolation Dieser Fall zeigt, dass ein Hilfebedarf nicht immer von der Familie selbst formuliert werden kann, und sich genaues Hinsehen lohnt, um eine mögliche Kindswohlgefährdung auszuschließen. Kontaktaufnahme Die Stationsärztin bittet die Babylotsin, Kontakt zu einer Familie aufzunehmen, die am Morgen ihr erstes Kind entbunden hat. Sowohl die Ärztin als auch die Schwester wünschen sich aufgrund des distanzierten Verhaltens der Mutter eine fachliche Meinung der Babylotsin, zumal auch noch keine Hebamme organisiert ist. Ausgangslage Obwohl die Familie ihr Einverständnis zur Kontaktaufnahme erteilt hat, verhalten sich beide Elternteile sehr reserviert gegenüber der Babylotsin. Die Mutter hat eine lange bekannte Angststörung in Bezug auf Krankenhäuser, weshalb auch die Anmeldung zur Geburt telefonisch durch die Gynäkologin vorgenommen worden war. Nach der Beratung durch eine Adoptionsvermittlungsstelle und vielen Gesprächen mit ihrem Partner hat die Mutter ihren ursprünglichen Plan, das Kind zur Adoption freizugeben, verworfen. Von ihrem Vorsatz, allein und ohne Unterstützung zu Hause zu entbinden, hat ihr Partner sie erst bei einsetzenden Wehen abbringen und zur Aufnahme in der Klinik überzeugen können. Daher ist eine Nachsorgehebamme nicht organisiert, und Vorbereitungen für die Zeit nach der Entbindung sind kaum getroffen worden. Es gibt weder einen Kinderwagen noch Bekleidung für den Weg nach Hause. Im Kreißsaal lehnt die Mutter es ab, ihr Neugeborenes auf die Brust legen zu lassen und versucht trotz Ermunterung durch die Schwestern nicht zu stillen. Die Babylotsin teilt den Eindruck der Kreißsaal- Mitarbeiter, dass die Eltern vorrangig mit ihren psychischen Belastungen kämpfen und dadurch die Versorgung des Kindes in den Hintergrund gerückt ist. Der Fall kompakt Kontaktaufnahme Vermittlung durch Stationsärztin Aufträge an die Babylotsin Vermittlung einer Hebamme Fachliche Einschätzung durch klärendes Gespräch Kindeswohlsicherung durch Einschalten des Sozialen Dienstes/Jugendamtes Beteiligte/Überleitungen Hebamme Sozialer Dienst/Jugendamt Falldauer 28 Wochen Soziales Umfeld Die Mutter scheint sehr auf ihren Partner fixiert zu sein. Unterstützung gibt es von der Mutter der Frau, zu weiteren Bezugspersonen oder Freunden sind nur wenige Informationen zu bekommen. 3

4 B AB YL O T SE N H AM B UR G Hilfebedarf Trotz ihrer Phobie gegenüber jeglichem Klinikpersonal lässt sich die Mutter nach den Erfahrungen der Geburt bereitwillig darauf ein, dass die Babylotsin eine Nachsorgehebamme organisiert. Aufgrund des distanzierten Verhaltens der Mutter gegenüber ihrem Kind und den fehlenden Vorbereitungen für den Weg nach Hause berät sich die Babylotsin mit einer Kollegin. Nach Rücksprache mit der Stationsärztin und -schwester wird gemeinsam der Beschluss gefasst, den Sozialdienst der Klinik zu benachrichtigen, um eine angemessene Versorgung des Kindes sicherzustellen. Die Ankündigung darüber und auch die Überlegung, zur weiteren Unterstützung der Familie das Jugendamt einzuschalten, nehmen die Eltern gefasst und verständnisvoll auf. Beratung/Vermittlung Alle Beteiligten bemühen sich durch einfühlsames Verhalten, die latenten Ängste der Mutter vor Kontrollverlust nicht weiter zu schüren und gleichzeitig ihrem Auftrag, das Kindeswohl zu sichern, nachzukommen. So spricht nur die Babylotsin als Erstkontakt mit der Mutter, während sich alle anderen diskret im Hintergrund halten. Außerdem ermöglicht es die Stationsärztin, dass der Vater eine Nacht ohne zusätzliche Kosten bei seiner Partnerin bleiben kann. Die Hebamme sucht die Familie zu Hause auf und stellt eine engmaschige Betreuung auch am Wochenende direkt nach der Entlassung sicher. Bei einem (angekündigten) Hausbesuch vergewissert sich eine Mitarbeiterin des Jugendamtes später, dass die Versorgung des Kindes im häuslichen Umfeld funktioniert. Nach einiger Zeit scheint sich die Lage der Familie zu normalisieren. Auf Nachfrage der Babylotsin berichtet der Vater telefonisch, dass die Mutter sich zu Hause deutlich entspanne, ihr Kind gelegentlich stille und ansonsten mit Flaschennahrung zufüttere. Die Hebamme bestätigt, dass das Kind gut versorgt sei. Fazit Die Verschlossenheit der Eltern stellte in diesem Fall eine besondere Herausforderung dar und erforderte viel Fingerspitzengefühl. Der gute Kontakt zu den Klinikmitarbeiterinnen und der intensive Austausch mit Kolleginnen und anderen Beteiligten haben sich hier sehr bewährt. 4 Meine Einstellung, dass alle Eltern gute Eltern sein können, hat mir geholfen, die Wünsche und Bedürfnisse der Eltern im Blick zu behalten und trotz großer Widerstände ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Babylotsin Michal Fischer

5 Ansprechpartner Dr. Sönke Siefert Geschäftsführer Stiftung SeeYou Tel.: 040 / Friederike Rieg Bundeskoordinatorin Tel: 040 / Mobil: 0151 / SeeYou Familienorientierte Nachsorge Hamburg Stiftung der Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift ggmbh Ein Haus der Ansgargruppe Liliencronstraße 130 Tel.: 040 / Hamburg Fax: 040 / Web: Facebook: Babylotsen Hamburg Bärenallee 33 Tel: 040 / Hamburg Fax: 040 / Familienorientierte Nachsorge Hamburg SeeYou Alle Rechte vorbehalten. Nutzung, Vervielfältigung, Weitergabe und Speicherung nur mit ausdrücklicher Genehmigung. 5

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