Hausärztliche Prophylaxe, Antizipation und Interventionen bei Atemnot

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1 Hausärztliche Prophylaxe, Antizipation und Interventionen bei Atemnot Dr. med. Markus Denger, Hausarzt, Rheinfelden Aus dem Buch Palliativmedizin: Die Ruhedyspnoe ist vielleicht das schwerwiegendste Symptom für den Patienten und seine Umgebung (Übertragung und Gegenübertragung). Oft ist sie von einer erhöhten Atemfrequenz und tieferen Atemzügen begleitet. Symptom und Zeichen können auch getrennt voneinander vorkommen: Atemnot ist, was der Patient sagt

2 Einige Banalitäten zur Atemnot bei terminalen Patienten: Atemnot ist primär ein Symptom und keine Krankheit. Die Angst vor der Atemnot kann schlimmer sein als die Atemnot selbst. Atemnot heisst nicht unbedingt zu wenig Sauerstoff im Blut Einige Banalitäten zur Atemnot bei terminalen Patienten: Atemnot macht Angst, Angst macht Atemnot. Angst kommt vom lateinischen Enge, Beengung, Bedrängung. Sie löst Stress aus

3 Sofern in der letzten Zeit keine Abklärung im Spital vorgenommen worden ist, soll bei Verdacht und Hoffnung auf eine wenigstens vorübergehende Besserung durch medizinische Massnahmen abgeklärt werden, ob eine behebbare Ursache vorliegt selbstverständlich nur bei Einverständnis der/des Sterbenden Prophylaxe: Dauermedikationen kritisch hinterfragen. In dieser Phase können Cholesterinsenker und andere Medikamente, die habituell weiter gelaufen sind, guten Gewissens abgesetzt werden, was gar nicht so selten vergessen wird

4 Prophylaxe: - Nicht zu viel Flüssigkeit geben. Dies hat nebst der Atemnot-Prophylaxe folgende erwünschte Nebenwirkungen: Verminderung des vor allem für die Angehörigen quälenden Karchelns. Weniger Schmerzen, weniger Schmerzmittelverbrauch Prophylaxe: Enorm wichtig: Sterbende leiden nicht an Durst, sondern an Mundtrockenheit. Diese lässt sich mit Mundpflege und ohne Hydrierung beheben. Erhöhter Oberkörper bei Atemnot. Beengung vermeiden (Kleidung, schwere Bettdecken..)

5 Prophylaxe: Patient und Angehörige aufklären, zur Vermeidung von Enge/Atemnot durch Stress Antizipation: Medikation in Reserve bei Atemnot. Im weiteren Verlauf werden sie zwei Referate zur physiotherapeutischen und atemtherapeutischen Unterstützung hören

6 Wenn weder die Massnahmen der Prophylaxe noch der Antizipation genügen, kommt es zur Therapie: Morphin regelmässig, falls Mo-naiv Einleitung 5-10 mg p. o. oder 1-2 mg parenteral, weitere Steigerung nach Bedarf, respektive falls bereits unter Mo: 10-16% der Mo-Tagesdosis Maximal alle 20 Minuten!!! Kombiniert mit einem Laxans und anfänglich auch mit einem Antiemetikum. Ggf. im Verlauf Umstellung auf retardiertes Morphin gemäss Schema. Bei starker Angst unterstützt durch ein Anxiolytikum, z. B. maximal 1 mg Temesta, wenn nötig maximal alle 20 Minuten!!!

7 Wie bereits erwähnt, heisst Atemnot nicht, dass zu wenig Sauerstoff im Blut ist. Die Sauerstoffgabe ist somit selten indiziert. Per Nasensonde trocknet sie den Nasen-Rachen-Raum aus. Ausserdem geht der Sauerstoff grösstenteils zum Mund wieder hinaus Empfohlen wird ein kleiner Ventilator, der die Atemnot lindere. Falls dies nicht genügt, kann Sauerstoff als Placebo versucht werden. Ruhe bewahren, Entspannungstechnik, evt. auch für die Angehörigen

8 Die Sterbende, den Sterbenden diejenige Stellung einnehmen lassen, in der am wenigsten Atemnot besteht. Insbesondere wenn die/der Sterbende bereits physiotherapeutisch geschult worden ist, kann die Anwendung des Erlernten hilfreich sein Wenn Karcheln trotz den erwähnten prophylaktischen Massnahmen die/den Sterbenden und Angehörige und Pflegende beunruhigt, Gabe von 10-20mg Buscopan i.v. oder s.c. pro 4 Stunden oder 60 (-100)mg/24 Std. als Dauerinfusion. Wenn alle Stricke reissen: Hausarzt, falls nicht erreichbar, Dienstarzt rufen

9 Die erwähnten Aktionen und Vorkehren haben folgende Vorteile: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Sterbende wunschgemäss zu Hause sterben darf, nimmt zu. Notfallmässige Spitaleinweisungen zum Sterben werden seltener. Die Angehörigen und Pflegenden fühlen sich unterstützt und getragen, was sich günstig auf den Sterbenden auswirkt Danke an : Hans Neuenschwander et al. (Palliativmedizin Handbuch) Steffen Eychmüller und Christoph Cina (Primarycare: Atemnot am Lebensende) Johannes Lukaschek (Unterstützung)

10 und zum Schluss ein Gruss an die politisch Verantwortlichen: Palliative Care is not nice to have, it is need to have!

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