Produkte und Daten. 4. Auflage. Inhaltsverzeichnis I 1

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1 Produkte und Daten Auflage Inhaltsverzeichnis I 1

2 Auflage Herausgeber: EUROGLAS Copyright 2014 by EUROGLAS, Haldensleben Grafische Bearbeitung: Team Absatzförderung GmbH, Filderstadt Gilt für Print- und elektronische Medien, auch auszugsweise. Eine Veröffentlichung ist ohne ausdrückliche Zustimmung (auch für Fremdsprachen) nicht gestattet. Die aufgeführten technischen Daten entsprechen dem aktuellen Stand bei Drucklegung und können sich ohne vorherige Ankündigung ändern. Sofern nicht anders vermerkt, beruhen diese auf Berechnungen auf Grund von Messungen an Standardaufbauten. Die licht- und energietechnischen Angaben, richten sich nach EN-Normen, U-Werte nach der DIN EN 673. Für individuelle Fertigprodukte kann keine zugesicherte Eigenschaft daraus abgeleitet werden. Die gesetzlichen Vorschriften sind bei allen Arten der Anwendung zu beachten. Eine weitergehende Garantie für technische Werte wird nicht übernommen; insbesondere wenn Prüfungen mit anderen Einbausituationen durchgeführt werden. Rechtliche Ansprüche können aus dem Inhalt dieses Buches nicht abgeleitet werden. Stand:

3 Vorwort Als Partner an Ihrer Seite möchten wir Sie als Planer, Verarbeiter und Architekt bei der täglichen Arbeit unterstützen. Dieses Buch beschreibt die Werte und Eigenschaften unserer Markenfamilien und deren Produkte. Außerdem gibt es Empfehlungen zur richtigen Anwendung. Sie erhalten Einblick in die Produktionsmethoden und in physikalische Zusammenhänge. Dazu gibt es Hinweise auf die Besonderheiten des Baustoffes Glas. Wir bleiben nicht stehen, unsere Produkte durchlaufen einen ständigen Verbesserungsprozess und es kommen innovative Gläser dazu. Die Inhalte des Buches werden deshalb periodisch überarbeitet. Es ist erstaunlich, wie vielfältig der Werkstoff Glas zum Einsatz kommt. Euroglas als Basisglas- Produzent bildet dabei das erste Glied in der Kette. Für die optimale Einsatzplanung, wird technisches Know-how benötigt. EUROGLAS Gruppe

4

5 Inhaltsverzeichnis 1. Die EUROGLAS Gruppe Der Baustoff Glas Glaskennwerte und physikalische Grundbegriffe 3. Produkte 5. Logistik Anwendung und Handling Normen, technische Regelwerke 7.

6 1. Die EUROGLAS Gruppe 13 w 2. Der Baustoff Glas Geschichtliche Entwicklung Herstellung von Floatglas Basisgläser Floatglas Fensterglas Ornament- und Gussglas Drahtornament-, Drahtglas und poliertes Drahtglas Borosilikatglas Glaskeramik Strahlenschutzglas Kristallspiegelglas Kristallglas Kieselglas (Quarzglas) Verfügbare Dicken verschiedener Gläser Allgemeine Bemerkungen zum Bauen mit Glas Sicherheitsgläser müssen geplant und vorgeschrieben werden Auch die stärksten Gläser können brechen Gläser sollten mit vernünftigem Aufwand ersetzt werden können Glaskennwerte und physikalische Grundbegriffe Glas und Sonnenstrahlung Der Treibhauseffekt Strahlungsphysikalische Wirkungsweise Glaskennwerte Lichttransmission/Lichttransmissionsgrad (LT) Lichtabsorption/Lichtabsorptionsgrad (LA) Lichtreflexion/Lichtreflexionsgrad (LR) Strahlungstransmission/Strahlungstransmissionsgrad (ST) Strahlungsabsorption/Strahlungsabsorptionsgrad (SA) Strahlungsreflexion/Strahlungsreflexionsgrad (SR) Gesamtenergiedurchlass/Gesamtenergiedurchlassgrad (g-wert) Beschattungskoeffizient Selektivitätskennzahl Allgemeiner Farbwiedergabeindex (R a ) UV-Transmission Der U-Wert 30 6 I Inhaltsverzeichnis

7 Produkte EUROFLOAT Unbeschichtete Basisgläser Herstellung von Floatglas Produktsortiment Physikalische und chemische Eigenschaften von Flachglas Definition und Zusammensetzung Mechanische Eigenschaften Thermische Eigenschaften Chemische Eigenschaften Strahlungsphysikalische Eigenschaften Weitere Eigenschaften Zusammenfassung der wichtigsten technischen Kennwerte von Floatglas Lieferprogramm und Paketierung SILVERSTAR Beschichtete Gläser SILVERSTAR Wärmedämmschichten Anwendung als Wärmedämm-Isolierglas Kombinationsmöglichkeiten Lieferprogramm SILVERSTAR Sonnenschutzschichten Funktion von Sonnenschutz-Isoliergläsern Anwendung Sonnenschutz-Isoliergläser Lieferprogramm SILVERSTAR COMBI Beschichtungen Anwendung COMBI Beschichtung Kombinationsmöglichkeiten Isolierverglasungen Grundlagen, Energiegewinn, Wohnkomfort Isolierglas Randverbundsystem Wärmedämmung Brüstungsplatten Spezielle Beschichtungen 96 Inhaltsverzeichnis I 7

8 3. Verbundsicherheitsglas Verbundsicherheitsglas EUROLAMEX VSG Schutz und Sicherheit mit Glas Passive und aktive Sicherheit Gläser mit Sicherheitseigenschaften Passive Sicherheit in der Praxis Brüstungsverglasungen Schräg-, Dach- und Überkopfverglasungen Glasböden Verglasungen in Sportstätten Konstruktiver Glasbau Passive Sicherheit Anwendungsempfehlungen Aktive Sicherheit in der Praxis Sicherheitseigenschaften von Gläsern EUROLAMEX PHON Schalldämmendes Glas Paketierung Schallschutz Lärmquellen und Wahrnehmung Messkurven und ihre Bedeutung Prüfverfahren Schalldämmkurve und bewertetes Schalldämmmaß Spektrum-Anpassungswerte C und C tr Geltende Normen und Verordnungen Die Lärmschutzverordnung des Bundes Die DIN Definitionen Begriffsbestimmungen zum Schallschutz Funktion und Aufbau von Schalldämm-Isoliergläsern Merkmale von Schalldämm-Isoliergläsern Verbundsicherheitsglas mit Schalldämmfolie (VSG P) Zusammenhänge Isolierglas Fenster Fassade Schallschutz kombiniert mit anderen Funktionen Schallschutz und Wärmedämmung Schallschutz und Sicherheit Schallschutz und Sonnenschutz Schallschutz und Sprossen Übersicht Schalldämmgläser I Inhaltsverzeichnis

9 LUXAR Entspiegeltes Glas (HY-TECH-GLASS) LUXAR Entspiegeltes Glas als Einfachverglasung LUXAR Entspiegeltes Glas als Isolierglas Entspiegeltes Glas LUXAR CLASSIC Brandschutzglas Brandschutzglas FIRESWISS FOAM Klassifizierung EI Brandschutzglas FIRESWISS COOL Klassifizierung EW Solar- und Einscheibensicherheitsglas Einsatzbereiche EUROGLAS ESG Flat Herstellung und Veredelung DURACLEAR Dauerhaft brillantes Duschvergnügen Logistik Transportarten Verpackung 162 Inhaltsverzeichnis I 9

10 6. Anwendung und Handling Glasreinigung Glasbruch Glasbruch durch Thermoschock Spontanbruch bei ESG Kratzer und Glasbruch bei Isoliergläsern Glasbruch bei Schiebetüren und -fenstern Beurteilung von Glasbrüchen Glasbrüche durch direkten Schlag, Stoß, Wurf oder Schuss Glasbrüche durch Biegebeanspruchung, Druck, Sog, Verspannung und Belastung Glasbrüche durch lokale Erwärmung oder Schlagschattenbildung Optische Phänomene Eigenfarbe Farbunterschiede bei Beschichtungen Sichtbarer Bereich des Isolierglas-Randverbundes Isolierglas mit innenliegenden Sprossen Interferenzerscheinungen (Brewstersche Ringe, Newtonsche Ringe) Isolierglaseffekt (Doppelscheibeneffekt) Anisotropien (Irisation) Kondensatbildung Kondensation auf Scheiben-Außenflächen (Tauwasserbildung) Kondensat raumseitig Taupunktbestimmung Störende Spiegelungen verhindern I Inhaltsverzeichnis

11 6. Produktspezifische Anwendungshinweise Handling-/Verarbeitungsrichtlinie für Wärmedämmglas der SILVERSTAR Produktfamilie Transport und Verpackung Handling Zuschnitt des Glases Randentschichtung Lagerung Isolierglasfertigung Qualitätskontrolle Visitation Empfehlungen Normen für Glas im Bauwesen SILVERSTAR SUNSTOP T Sonnenschutzglas Allgemeines Anforderungen an den Vorspannprozess Vorspannofen Technische Hinweise für die Anwendung von Wärme- und Sonnenschutzglas Milchige Beläge bei Isoliergläsern Pflanzenwachstum hinter Wärmedämmverglasungen FIRESWISS FOAM Brandschutzglas Spionspiegel Verbundsicherheitsglas Randzone bei VSG Verbundsicherheitsglas mit UV-Schutz Beurteilung sichtbehindernder Fassaden Normen, technische Regelwerke Internationale Normen ISO Europäische Normen Deutsche / Europäische Normen (DIN EN) Deutsche Normen 202 Inhaltsverzeichnis I 11

12 1. 12 I Die EUROGLAS Gruppe Im EUROGLAS Werk in Osterweddingen laufen täglich bis zu 800 Tonnen Floatglas vom Band.

13 1. Die EUROGLAS Gruppe Partner in Glas dafür steht EUROGLAS seit der Gründung Anfang der 90er Jahre. Entstanden ist EUROGLAS aus dem Verbund fünf unabhängiger mittelständischer Glasverarbeiter. Alle vereinigte ein Gedanke die unabhängige Glasversorgung. 1. Euroglas ist ein Tochterunternehmen der Schweizer Glas Trösch Gruppe ging die erste eigene Floatglasanlage im elsässischen Hombourg (F) in Betrieb. Drei Jahre später das Werk in Haldensleben (D) und 2006 in Osterweddingen (D). Das jüngste Floatwerk wurde 2011 im polnischen Ujazd errichtet. Alle vier Schmelzwannen produzieren täglich über 3000 Tonnen Glas und sichern damit die unabhängige Basisglasversorgung. Neben Floatglas und extraweißem Glas stellt EUROGLAS auch Verbundsicherheitsglas (VSG), beschichtete Gläser für Anwendungen im Bereich des Wärme- und Sonnenschutzes, Glas für Solaranwendungen sowie für den Bereich Interieur her. Think global, act local : EUROGLAS Produkte werden nach ganz Europa verkauft in die Zukunft zu investieren bedeutet aber auch, regional Verantwortung zu übernehmen. EUROGLAS engagiert sich in seinen vier Werken für die Gesundheit und Fortbildung seiner Mitarbeitenden und bildet aus. Für besseren Ressourcen- und Umweltschutz werden neueste Techniken eingesetzt: Ein intelligentes Ofendesign, Abluftreinigung und Wärmerückgewinnung reduzieren Energieverbrauch und Schadstoffemissionen. Auf diese Weise trägt das Glas bereits während der Herstellung zu einer nachhaltigen und verantwortungsbewussten Wertschöpfungskette bei. Zufriedene Kunden, engagierte Mitarbeiter, fortlaufende Innovation, kontinuierliches Wachstum und umweltbewusste Produktion sind die Herzstücke der traditionellen Firmenphilosophie. Blick in die Schmelzwanne: Befeuerung über dem Gemenge. Die EUROGLAS Gruppe I 13

14 2. 14 I Der Baustoff Glas

15 2. Der Baustoff Glas 2.1. Geschichtliche Entwicklung Glas gilt als einer der ältesten von Menschen künstlich hergestellten Werkstoffe. Das Rätsel um den Ursprung der Glasherstellung ist jedoch bis heute ungelöst. Die ältesten Glasfunde, als Glasuren von Keramiken, sollen bis auf das 7. Jahrtausend v. Chr. zurückgehen. Ab der Zeit um 3500 v. Chr. kann von einer eigentlichen Glasproduktion gesprochen werden in Form von Glasperlen, später auch Ringen und kleinen Figuren, die in Gussformen hergestellt wurden. Um 1500 v. Chr. wurde die Sandkerntechnik entwickelt. Dabei wurde ein an einer Stange befestigter keramischer Kern als Negativform in die Schmelzmasse getaucht und um die eigene Achse gedreht bis die zähflüssige Glasmasse daran haften blieb. Die Masse wurde dann auf einer Platte gerollt bis die gewünschte Form erreicht war. Danach wurde das Werkstück abgekühlt, der Hilfskern entfernt und die rohen Glaskörper durch Polieren und Schleifen veredelt. Auf diese Weise entstanden, zu dieser Zeit immer noch undurchsichtige jedoch farbige, kleine Vasen, Trinkgefäße und Schalen, wobei die Farben durch Beigabe von Kupfer- und Kobaltverbindungen in die Schmelzmasse erreicht wurden. Um 1000 v. Chr. war die Glasmacherkunst im Niltal von Alexandria bis Luxor, zwischen Euphrat und Tigris, im Irak, in Syrien, auf Zypern und Rhodos verbreitet und es entstand in der Folge eine Art vorgeschichtliche Glasindustrie. 2. Lotuskelch Thutmosis III/ Staatliches Museum Ägyptischer Kunst, Fotografin: Marianne Franke Bild: Lotuskelch mit Namen Thutmosis III. Ältestes sicher zu datierendes Glasgefäß. Neues Reich, 18. Dynastie, um 1450 v. Chr. Staatliches Museum Ägyptischer Kunst, München Glasmacherpfeife Mit der Erfindung der Glasmacherpfeife durch syrische Handwerker um 200 v. Chr. wurde die Glasherstellung auf eine neue Stufe gehoben. Das einfache Instrument, ein etwa cm langes Eisenrohr, ermöglichte die Herstellung von dünnwandigen durchsichtigen Hohlgefäßen in großer Vielfalt. Der Glasbläser nimmt einen Posten flüssiges Glas aus der Schmelze auf und bläst diesen zu einer Kugel. Durch die Weiterentwicklung zum Zylinderstreckverfahren konnten bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. flache Glastafeln bis zu einer Größe von ca. 90 x 200 cm hergestellt werden. Die Glasmacherpfeife wird auch heute noch, trotz immenser technischer Fortschritte, für die Herstellung von Spezialgläsern, zum Beispiel Echtantikglas, praktisch in unveränderter Form verwendet. Der Baustoff Glas I 15

16 Verbreitung im römischen Reich Mit der Besetzung Syriens durch die Römer (64 v. Chr.) gelangte die Kunst des Glasmachens in deren Hände und mit der Verbreitung im ganzen Römischen Reich entwickelte sich eine erste Blütezeit der Glaskultur mit der Gründung von Glashütten in Italien. Bereits kurz nach Christi Geburt wurden in Rom die ersten Fensterscheiben in Bürgerhäusern eingebaut und etwa 50 Jahre später entstanden die ersten Römischen Glashütten nördlich der Alpen in Köln und Trier. 2. Mit der Glasmacherpfeife wird ein Posten zähflüssiges Glas entnommen Kathedrale St. Vitus in Prag, Tschechien Um 540 n. Chr. wurde mit der Hagia Sophia in Konstantinopel ein erstes großes Werk der Sakralbaukunst mit Glasfenstern versehen. In der Gotik (ca ) genoss Glas in der sakralen Architektur unvorstellbare Wertschätzung, die sogar diejenige von Gold überstieg. In der Kathedrale von Chartres (Bauzeit ) wurden 5000 m 2 farbige Glasfenster eingesetzt. Venezianische Glasmacherkunst Vom 9. bis zum 13. Jahrhundert wurde Glas vor allem in Klosterhütten hergestellt. Danach löste sich die Glasherstellung von den Klöstern, es entstanden erste Waldglashütten nördlich der Alpen, die zuerst nomadisierend ihren Standort (nach dem Vorhandensein von Holz) wechselten und ab dem 18. Jahrhundert sesshaft wurden. Die Glaserzeugnisse aus diesen Hütten galten wegen des stark eisenoxidhaltigen Sandes und der damit verbundenen Grünfärbung nicht als Spitzenqualität. Beispiele in der Schweiz für solche Waldglashütten sind die Verrerie près de Roche (1776) und die Glasi Hergiswil. Absolute Spitzenqualität in Sachen Glaserzeugnissen kam vom 15. bis 17. Jahrhundert aus Venedig. Der Erfolg des venezianischen Glases beruhte auf seiner außergewöhnlichen Reinheit und Farblosigkeit. Den venezianischen Glasmachern, die seit 1280 in einer Glasmacherinnung organisiert waren, gelang die Entdeckung eines Entfärbungsmittels aus der Asche einer Strandpflanze. Mit der Androhung von martialischen Strafen konnten sie dieses und andere Geheimnisse der hohen Kunst des Glasmachens über eine lange Zeit unter Ihresgleichen halten und kamen damit nicht nur zu Ruhm sondern auch zu ansehnlichem Vermögen. 16 I Der Baustoff Glas

17 Erstes Gussglasverfahren 1599 wurde in Leiden/Holland das erste verglaste Gewächshaus erstellt. Zunehmend wurde nun Glas nicht nur in Kirchen und Klöstern verwendet, sondern auch für Stadthäuser, Palais und Schlösser und damit steigerte sich die Nachfrage. Der immer größer werdende Bedarf und die Monopolstellung Venedigs trieb die Glashütten an, nach neuen Produktionsverfahren zu suchen. Um 1688 wurde in Frankreich das Gussglasverfahren entwickelt. Die zähflüssige Glasmasse wurde auf eine glatte vorgewärmte Kupferplatte ausgegossen und mit einer wassergekühlten Metallwalze zu einer Tafel ausgewalzt. Das neue Verfahren war wesentlich produktiver als bisherige und erzeugte deutlich ebenere Tafeln, die anschließend geschliffen und poliert wurden. Die so genannten grandes glaces maßen 120 x 200 cm, waren von hoher Qualität und in verschiedenen Dicken erhältlich. Gewächshäuser in England Am Anfang des 19. Jahrhunderts entstand, insbesondere in England, ein neuer Bautyp, das so genannte Gewächshaus, auch als Orangerie oder Palmenhaus bekannt. Die Gebäudehülle bestand lediglich aus Eisen und Glas, wobei das Glas zum ersten Mal statische Funktionen als Aussteifungselement übernahm. Einen Höhepunkt erlebte diese Glasarchitektur mit dem Bau des Kristallpalastes für die erste Weltausstellung 1851 in London. Der von Joseph Paxton konzipierte Gebäudekomplex mit auch für heutige Maßstäbe riesigen Abmessungen (Länge 600 m, Breite 133 m, Höhe 36 m) bestand aus einer Eisenkonstruktion, ausgefacht mit einzelnen Glasscheiben. Die klaren reduzierten Eisenkonstruktionen und der offene Raum wurden Grundlage für die moderne Glasarchitektur. Kristallpalast, London Im 19. Jahrhundert wurden auf allen Gebieten der Glasherstellung Fortschritte erzielt. So wurde zum Beispiel das Guss- und Walzverfahren kontinuierlich weiterentwickelt zu immer größeren Scheibenabmessungen (1958 waren Abmessungen von 2,50 x 20 m möglich). Weiter wurde das Zylinderglasblasen unter Einsatz von Pressluft verbessert. Glaszylindergrößen von 12 m Höhe und 80 cm Durchmesser wurden möglich und damit theoretische Scheibengrößen von ca. 2,50 x 11,50 m. Guss- und Rohglas wird im Prinzip noch heute im Walzverfahren hergestellt. Der Baustoff Glas I 17 2.

18 2. Vom Ziehglas zum Floatglas Nach 1900 gelang es dem Belgier Emile Fourcault ein Verfahren zur Herstellung von Glas zu entwickeln, bei dem das Glas direkt aus der Glasschmelze gezogen wird. Das Ziehglasverfahren wurde 1902 patentiert, aber erst gut zehn Jahre später konnte es industriell verwendet werden. Damit konnten blanke Glasscheiben hergestellt werden, die klar durchsichtig sind, ohne dass sie geschliffen und poliert werden müssen. Neben dem von Fourcault, war ein weiteres Verfahren, das vom Amerikaner Irving Colburn entwickelte Libbey-Owens-Verfahren von Bedeutung, bei dem das Glas nicht senkrecht in die Höhe, wie bei Fourcault, sondern über eine Biegewalze in die Waagerechte umgelenkt wurde. Ab 1928 produzierte die Pittsburgh Plate Glass Company nach einem Verfahren, das Vorteile der beiden vorgenannten vereinte. Dies bedeutete insbesondere eine weitere Steigerung der Produktionsgeschwindigkeit. Der entscheidende Schritt zur wirtschaftlichen Herstellung von qualitativ hochwertigen Glastafeln mit absolut planparallelen Oberflächen gelang 1959 dem Engländer Alastair Pilkington mit der Entwicklung des Floatglasverfahrens. Floatglas ist die heute am meisten verwendete Glasart Herstellung von Floatglas Floatglas wird in einem langen, stetigen Fluss hergestellt, dabei entsteht ein unendliches, nie abreißendes Glasband, das je nach Glasdicke und Kapazität der Anlage täglich bis 30 Kilometer wächst. Nur höchste Präzision über die ganze Produktionsstrecke von mehreren hundert Metern kann die hohe Qualität von EUROFLOAT Gläsern garantieren. Informationen zur Herstellung finden Sie in Kapitel 1.1. Floatglaswerk Osterweddingen 18 I Der Baustoff Glas

19 2.3. Basisgläser Floatglas Floatglas ist die heute am häufigsten verwendete Glasart. Der Floatprozess erlaubt eine wirtschaftliche Herstellung von klar durchsichtigem Glas mit planen Oberflächen in den Dicken von 2 bis 19 mm. Floatglas ist als Standardfloatglas, mit leichter Grünfärbung sowie als extraweißes Glas ohne Eigenfarbe erhältlich. Weiterführende Informationen finden Sie in Kapitel Floatglas farbig Durch Zusatz von Metalloxiden lässt sich farbiges Floatglas herstellen, wobei die ganze Glasmasse durchgefärbt wird. Dies führt dazu, dass die Intensität der jeweiligen Farbe mit der Glasdicke gekoppelt ist. Theoretisch wäre eine Vielzahl von Farbtönen möglich, aus praktischen Gründen bleibt die erhältliche Palette jedoch auf wenige Töne beschränkt (grün, grau, bronze, blau). Unter Sonneneinstrahlung werden farbige Gläser wegen der hohen Strahlungsabsorption sehr stark erwärmt, wodurch sich das thermische Bruchrisiko erhöht. Farbige Floatgläser müssen daher in der Praxis oft vorgespannt werden. Die Tafelgröße beträgt 3210 x 6000 mm. 2. Farboxide und ihre Wirkung nach Dr. Fahrenkrog (Auszug) Farboxid Wirkung Eisenoxid Nickeloxid Kobaltoxid Grün Grau Blau Al Falassi, Dubai, UAE Der Baustoff Glas I 19

20 Fensterglas Unter dem Begriff Fensterglas wird heute ein Glas bezeichnet, das im Ziehverfahren hergestellt wurde. Fensterglas und Floatglas haben die gleiche chemische Zusammensetzung und weisen dieselben physikalischen Eigenschaften auf. Die Bedeutung von Fensterglas beschränkt sich heute praktisch auf den Renovationsmarkt für historisch wichtige Gebäude. Die Ziehstreifen, die der Glasoberfläche etwas Lebendiges verleihen, sind bei der Rekonstruktion oder Erneuerung von historischen Fensterpartien sehr gefragt Ornament- oder Gussglas Ornamentgläser sind Gläser mit einer ein- oder beidseitig, mehr oder weniger ausgeprägt strukturierten Oberfläche. Bei der Herstellung durchläuft die Glasmasse zur Formgebung ein oder mehrere Walzenpaare, die die gewünschte Prägung erzeugen. Das Glas verliert dadurch zwar seine klare Durchsichtigkeit, eignet sich aber genau deshalb als Sichtschutz mit hoher Lichtdurchlässigkeit. Die thermische und statische Belastbarkeit von Ornamentgläsern ist im Allgemeinen geringer als die von Floatglas. Einige Strukturgläser lassen sich vorspannen, zu VSG laminieren oder zu Isolierglas zusammenbauen. Die Verarbeitung ist abhängig von der Art und dem Verlauf der Struktur sowie von den fabrikationstechnischen Gegebenheiten. Gemengeeinfüllung Schmelzofen Walzen (Glasstruktur) Kühlzone Zuschnitt Spez. 32 weiß Mastercarré weiß Spiegelrohglas Str. 200 weiß Auswahl aus der Ornamentglaskollektion von Glas Trösch. Alle Ornamentgläser finden Sie unter 20 I Der Baustoff Glas

21 2.3. Drahtornament-, Drahtglas und poliertes Drahtglas Ornamentglas kann mit einer Drahtnetzeinlage versehen werden, die während des Herstellungsprozesses in das noch flüssige Glas eingelegt wird. Bei mechanischer Zerstörung hält das Drahtnetz die Bruchstücke zusammen, wodurch sich ein gewisser Schutz gegen herabfallende Splitter ergibt. Drahtornamentglas hat eine strukturierte Oberfläche Drahtglas hat zwei glatte Oberflächen Poliertes Drahtglas (früher Drahtspiegelglas) hat zwei polierte Oberflächen 2. Achtung Auch Drahtglas ist wesentlich bruchanfälliger als Floatglas und keineswegs ein Sicherheitsglas. Drahtglas Borosilikatglas Enthält einen Zusatz von 7 15 % Boroxid. Der Wärmeausdehnungskoeffizient ist im Vergleich zu Float-, Fenster- und Ornamentglas sehr viel niedriger. Borosilikatglas hat daher eine wesentlich höhere Temperaturwechselbeständigkeit und außerdem eine hohe Beständigkeit gegen Laugen und Säuren. Eingesetzt wird es, wenn hohe Temperaturbeständigkeit gefordert wird Glaskeramik Glaskeramiken sind keine Gläser im eigentlichen Sinn, da sie einen teilweisen oder vollkommenen mikrokristallinen Aufbau haben. Trotzdem können sie absolut glasklar sein. Sie besitzen eine außerordentlich hohe Temperaturwechselbeständigkeit. Bekannt sind sie im Bau vor allem als Keramikkochfelder Strahlenschutzglas Besteht zu einem hohen Prozentsatz aus Bleioxid, das Röntgenstrahlen absorbiert. Es wird daher oft auch als Bleiglas bezeichnet. Strahlenschutzglas besitzt eine hohe Dichte (je nach Bleigehalt bis 5 g/cm 3 ) und ist deshalb bis doppelt so schwer wie Floatglas. Charakteristisch für Strahlenschutzglas ist außerdem eine leichte Gelbfärbung. Seine Wirksamkeit gegen Röntgenstrahlen wird mit dem so genannten Bleigleichwert angegeben. Das Einsatzgebiet liegt insbesondere in Krankenhäusern und in der Forschung und Entwicklung. Generell überall, wo klare Durchsicht erwünscht ist, aber optimaler Strahlenschutz gewährleistet werden muss. Der Baustoff Glas I 21

22 Kristallspiegelglas Bezeichnung für gegossenes und gewalztes, auf beiden Seiten planparallel geschliffenes Glas. Mit klarer Durchsicht und fehlerfreier Optik, farblos oder farbig (Abgelöst durch Floatglas) Kristallglas Bezeichnung für meist bleihaltiges, geschliffenes Hohlglas (kein Flachglas!) Kieselglas (Quarzglas) Kieselglas besteht aus reinem Siliziumoxid. Es wird oft auch als Quarzglas bezeichnet, was aber eine etwas irreführende Bezeichnung ist, da es nicht eine kristalline Struktur wie ein Quarz, sondern wie bei Gläsern üblich, eine amorphe Struktur aufweist. Kieselglas besitzt eine hohe Durchlässigkeit für utraviolette Strahlung, einen geringen Wärmeausdehnungskoeffizienten und damit eine hohe Temperaturwechselbeständigkeit. Anwendung: Optik, Lampenproduktion, Halbleiterfertigung, Lichtleitkabel und Isolationsmaterial in elektronischen Bauteilen Verfügbare Dicken verschiedener Gläser EUROFLOAT 3 mm 4 mm 5 mm 6 mm 8 mm 10 mm 12 mm auf Anfrage EUROWHITE 3 mm 4 mm 5 mm 6 mm 8 mm 10 mm 12 mm auf Anfrage 2. Allgemeine Bemerkungen zum Bauen mit Glas Die glastechnologische Entwicklung der letzten Jahrzehnte führte dank vielfältiger Weiterverarbeitungs- und Veredelungsprozessen zu verbesserten mechanischen Festigkeiten und zu wesentlich verbesserten physikalischen Eigenschaften. Die stetige Weiterentwicklung der Produktionsanlagen bringt immer größere verfügbare Abmessungen hervor und damit findet das Bauen mit Glas in den letzten Jahren eine ständig wachsende Beliebtheit unter Architekten, Planern und Bauherren. Gleichzeitig nimmt auch das Wissen über Glas und seine Anwendungsmöglichkeiten bei Baufachleuten ständig zu. Oft werden aber in der Euphorie grundlegende Regeln zu wenig beachtet. 22 I Der Baustoff Glas

23 2.1. Sicherheitsgläser müssen geplant und vorgeschrieben werden Die Glasindustrie bietet eine große Palette von Gläsern mit Sicherheitseigenschaften an. Aus naheliegenden ökonomischen Gründen werden jedoch, wenn keine Sicherheitsanforderungen definiert sind, normale Floatgläser verwendet. Dies führt leider oft zu sicherheitsrelevanten Missverständnissen mit gefährlichen Folgen. Eine seriöse Planung setzt daher zwingend eine Nutzungsvereinbarung zwischen Architekt und Bauherrschaft voraus. In dieser werden neben der Festlegung der Art der Nutzung der verschiedenen Gebäudeteile, die Sicherheitsanforderungen (aktive und/oder passive) an die Verglasungen festgelegt. Die Nutzungsvereinbarung bildet die Grundlage zur Bestimmung der erforderlichen Glasqualität zusammen mit dem Glasfachmann Auch die stärksten Gläser können brechen Glas ist zwar ein hochfestes, leider aber sprödbrechendes Material. Der Werkstoff verhält sich nahezu vollkommen elastisch und verfügt über keine Plastifizierungsmöglichkeiten, die es ihm erlauben würden, Spannungsspitzen zu verlagern wie das etwa bei Metallen möglich ist. Diese Eigenschaft macht Glas in einem gewissen Sinne unberechenbar. Es ist daher immer davon auszugehen, dass Glas durch einen unvorhersehbaren äußeren Einfluss (z. B. Steinschlag oder Hitzeeinwirkung, usw.) brechen kann. Die Garantieleistungen des Glaslieferanten schließen daher in der Regel das Bruchrisiko aus. Deshalb ist der Abschluss einer speziellen Glasbruchversicherung zur materiellen Deckung von Glasbruchschäden üblich. Um zu verhindern, dass bei einem Glasbruch Personen gefährdet oder gar verletzt werden können, sollte in jedem Fall die Überlegung was passiert bei oder nach einem Glasbruch?, in die Planung mit einbezogen und die notwendigen planerischen Vorkehrungen getroffen werden. Oft kann durch den Einsatz von speziellen Verbundsicherheitsgläsern diesem Sicherheitsrisiko Rechnung getragen werden Gläser sollten mit vernünftigem Aufwand ersetzt werden können Die verbesserten physikalischen, statischen, konstruktiven und sicherheitstechnischen Eigenschaften, insbesondere aber Einfach- und Isoliergläser mit bis dahin undenkbaren Abmessungen, erlauben dem Planer eine immense Gestaltungs- und Umsetzungsvielfalt, die oft bis an ihre Grenzen ausgenutzt wird. Da Gläser aber nach deren Einbau, wie unter Punkt 2.2. erläutert, durch unvorhersehbare äußere Einflüsse brechen oder ihre ästhetische Vollkommenheit (z. B. durch Verkratzungen) einbüßen können, ist es unumgänglich, sich mit der Frage der Austauschbarkeit der Verglasungen auseinanderzusetzen. Umsichtige Planer und Gestalter sorgen dafür, dass einzelne Gläser jederzeit, auch nach Bauvollendung mit einem vernünftigen Aufwand ersetzt werden können. Dabei sollte das Augenmerk insbesondere auf eine einfache Montier- und Demontierbarkeit sowie auf sinnvolle Zugänglichkeit (Zufahrt, Erreichbarkeit mit Kranausleger, usw.) für die Ersatzverglasung gelegt werden. Auch dieses Detail gehört zum nachhaltigen Bauen und Planen. Der Baustoff Glas I 23

24 3. 24 I Glaskennwerte und physikalische Grundbegriffe Financial Center, Abu Dhabi, UAE

25 Sekundärstrahlung 100 % UV sichtbar Infrarot 3. Glaskennwerte 90 % und physikalische 80 % Gesamtenergie Grundbegriffe 70 % 60 % 50 % 3.1. Glas und Sonnenstrahlung 40 % 30 % Glas zeichnet sich durch seine hohe Durchlässigkeit für Strahlung im Bereich des Sonnenspektrums aus. Das 20 % spezifische Verhalten bezüglich Sonnenstrahlung ist daher in der Praxis ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal 10 % verschiedener Gläser, das mit den so genannten Glaskennwerten ausgedrückt wird. Es 0 % handelt sich dabei um strahlungsphysikalische Vergleichswerte Spektrale Unterteilung der Sonnenstrahlung Wellenlänge in nm Strahlungsart Wellenlängenbereich Anteil (energetisch) Ultraviolette Strahlung nm ca. 4 % Sichtbare Strahlung nm ca. 45 % Infrarot-Strahlung nm ca. 51 % 3. Die Sonneneinstrahlung kann je nach Einstrahlungswinkel, geografischer Lage, Tageszeit und atmosphärischen Bedingungen bis 800 W/m 2 oder mehr betragen Der Treibhauseffekt Da Floatglas eine sehr hohe Durchlässigkeit (Transmission) für Sonnenstrahlung besitzt, gelangt der größte Teil der auf eine Verglasung auftreffenden Sonnenenergie durch direkte Transmission ins Rauminnere. T: 6000 K W/m Extraterrestrische Strahlung λ = 200 _ nm Floatglas 6 mm 800 W/m 2 λ = 30 T: 300 K Durchgelassene Strahlung λ = 300 _ 3000 nm Atmosphäre Globalstrahlung 576 W/m 2 λ = 7000 nm Absorption Glaskennwerte und physikalische Grundbegriffe I 25

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