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2 Moment war er auch schon draußen und folgte mit zitternden Muskeln und wachen Augen seiner eigenen Fußspur auf der Suche nach dem Etwas, das vom Fenster aus deutlich zu sehen gewesen war. Stirnrunzelnd schaute er sich um, als er den Bäumen näher kam und das Tier noch immer nicht gefunden hatte. Zwei Schritte weiter blieb er wie erstarrt stehen, als er Blutspuren im Schnee entdeckte. Sein Herz pochte vor Aufregung hart und schnell gegen seine Rippen. Auf dem reinen Schnee erschienen die Blutspritzer unnatürlich und gefährlich. Ricky folgte den Tropfen und fragte sich dabei, was das für ein Tier sein mochte und was ihm wohl zugestoßen war. Ob es eine Art Reh war, das einem Bärenangriff ausgesetzt gewesen war? Oder hatte ein unglücklicher Jäger den tödlichen Schuss verrissen und das Tier nur schwer verletzt? Die Vögel sangen nicht mehr, fiel ihm auf. Um

3 ihn herum herrschte unheimliche Stille. Bis er auf einmal ein leises Fiepen hörte, gar nicht so weit entfernt. Ricky rannte auf das Geräusch zu und wäre dabei fast über den großen, beigefarbenen Hund gestolpert, der im Schnee lag und mit den Pfoten zuckte. Mit Dreien zumindest, die Vierte verunzierte ein nicht zu ignorierender Riss im Fell, aus dem hässlich offenes Fleisch in einem übelkeitserregenden Rot schimmerte. Ricky zog scharf die Luft zwischen den Zähnen durch. Das sah nicht gut aus! Er musste das arme Tier in sein Haus bringen, um festzustellen, ob er ihm helfen konnte. Er kniete sich neben den Hund und streichelte ihm sanft über den Kopf. Ganz ruhig, Großer, es kommt alles wieder in Ordnung. Ich helfe dir. Hab keine Angst, murmelte er wie ein Mantra, um den Hund, der ihn nun aus haselnussbraunen Augen Hilfe suchend anschaute, zu beruhigen. Es würde gerade noch fehlen, dass er ihn aus Angst biss

4 ... Doch es schien fast, als würde der Hund ihn verstehen. Das klägliche Winseln verebbte, und Ricky hätte schwören können, dass das Tier für eine Sekunde dankbar die Augen schloss. Er warf einen Blick zurück zum Haus und schätzte den Weg ab, dann blickte er den Hund an und überlegte, wie viel der wohl wiegen mochte. Ein so großer Hund war ihm nie zuvor untergekommen, dementsprechend schwer würde er wahrscheinlich auch sein. Also konnte er vergessen, dass er ihn zurück zum Haus trug. Aber ziehen würde er ihn können auf einer Decke. Warte hier!, sagte er, strich ein weiteres Mal über das überraschend weiche Fell, und stemmte sich in die Höhe. Ich bin gleich zurück. Ich hole nur etwas, mit dem ich dich zum Haus bringen kann. Mit wild pochendem Herzen rannte Ricky so schnell zum Haus zurück, wie der Schnee und

5 seine frierenden Beine es eben zuließen. Die kalte Luft brannte in seinen Lungen, aber er konnte nicht zulassen, dass dieser Hund dort im Schnee liegen blieb und womöglich erfror. Schon als kleiner Junge hatte er es nicht ertragen können, wenn ein Tier leiden musste. Erst recht kein Hund. Es gab wohl kaum ein Tier, das er mehr liebte als Hunde. Eilig stolperte er die Treppe zur Veranda empor und ins Haus. Dass er dabei jede Menge Schnee mit ins Haus trug, war ihm vollkommen egal. Hier musste ohnehin noch einiges getan werden. Er schnappte sich die Decke vor dem Kamin, in der er sich letzte Nacht eingewickelt hatte, und machte sich eilends auf den Rückweg. Um seine Kondition stand es wirklich nicht gut, doch die Kälte und der Gedanke an den leidenden Hund spornten ihn an. Als er schließlich wieder bei dem Tier war, ließ Ricky sich auf die Knie sinken und strich

6 ihm beruhigend über den großen Kopf, bis die braunen Augen sich öffneten und abermals zu ihm aufblickten. Ein weiteres leises Winseln folgte, das Ricky das Herz brechen wollte. Keine Sorge. Ich bring dich gleich ins Warme. Er breitete die Decke aus und machte sich ganz vorsichtig daran, den Hund zu bewegen. Wieso hatte er nie einen Erste-Hilfe-Kurs für Tiere gemacht? Die Chance, diesem armen Geschöpf nicht wehzutun, wäre sicher um einiges höher gewesen. Behutsam und Stück für Stück schob er die Decke unter den Hund. Der Schnee machte ihm die Sache zum Glück etwas leichter. Ricky spürte seine Finger nicht mehr, als er es endlich geschafft hatte. Fahrig knotete er drei der Ecken zusammen und hüllte den Vierbeiner damit schon mal schützend in die Decke ein. An der vierten Ecke fing er an zu ziehen. Mühsam hievte er sich durch die entstandene

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