Sprache als Wertevermittler

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1 Sprache als Wertevermittler MEDIZINISCHE FAKULTÄT Menü 1) Sprache und Werte 2) Kommunikation als Medium der Wertevermittlung 3) Gefahren bei interkultureller Kommunikation 4) Schlussfolgerungen 2

2 Wahrnehmung In interkulturellen Kontakten stellt die sprachliche Kommunikation ein größeres Problem dar als die unterschiedlichen Werthaltungen der Gesprächspartner. 3 Sprache und Werte Sprache Werthaltungen 4

3 Kommunikation als Medium der Wertevermittlung In jeder Konversation tauschen Gesprächspartner kommunikativ ihre Werte und Ansichten aus. Auftreten Klatsch und Tratsch Vorwürfe (Günthner 1999) Jetzt haben Sie endlich mal etwas Ruhe vor Ihrer Familie. 5 Selbstpositionierung Implizit Beispiele - Arzt: dominante Körperhaltung, Unterbrechungen - Arzt: Haben Sie noch Fragen? - Patient: Kurze Antworten, keine inhaltlichen Nachfragen - Patient: Das habe ich nicht verstanden. Erklären Sie mir das noch mal. Missverständnisse möglich (Höflichkeit, Rollenerwartungen, Rituale etc.) 6

4 Selbstpositionierung Explizit Beispiele - Arzt: Ich finde, dass der Patient immer über seinen Körper entscheiden sollte. - Arzt: Da können wir dann mal schauen, wofür wir uns entscheiden. - Arzt: Wir Ärzte kennen uns da schon besser mit aus. - Patient: Ich kenne meinen Körper am besten. - Patient: Sie sind doch der Fachmann. 7 Dialogisches Verstehen Aufbauend auf den Selbstpositionierungen folgen initiative und responsive Gesprächsabläufe, um die Haltung des Gegenübers zu erkunden und um das weitere Vorgehen auszuloten. Initiative Beispiele - Arzt: Ich verschreibe Ihnen jetzt mal was. - Arzt: Das Medikament ist das Wirksamere. - Patient: Jetzt sagen Sie doch mal was! - Patient: Und welche Optionen haben wir da jetzt? 8

5 Dialogisches Verstehen Responsive Reaktion auf Initiativen Ablehnung oder Zustimmung Neuinitiierungen möglich Beispiele - Arzt: So geht das nicht. - Arzt: Gut, wenn Sie möchten. - Patient: Ja, machen sie mal. - Patient: Andere Möglichkeiten gibt es nicht? 9 [27] Ärztin [v] Zentrum für Medizinische Ärztin Lehre[p] Ptient [p].. würde ihnen eigentlich (.) sie sind ja noch relativ JUNG und wahrscheinlich gestikuliert leicht [28].. 36 [01:51.4] 37 [01:51.7] Ärztin [v] beruflich (-) aktiv sehe ich das richtig? (.) h deshalb würde ich Ärztin [p] schaut kurz in die Akte schaut Ptient [v] ja; Ptient [p] nickt zieht eine Augenbraue hoch [29].. 38 [01:55.3] Ärztin [v] ihnen Eher den kalziumantagonisten (-) empfehlen, weil (-) die Ärztin [p] zum Patienten gestikuliert leicht Ptient [p] presst die Lippen zusammen [105] [06:39.5] 124 [06:40.0] 125 [06:40.8] Ärztin [v] ne (.) also wenn sie selbst ne Ärztin [p] nickt leicht schaut kurz in die Akte gestikuliert leicht Ptient [v] mmh (-) Ptient [p] faltet die Hände [106] Ärztin [v] Ärztin [p] [06:43.5] PRÄferenz haben, (---) können sie ja AUCH sagen was ihnen LIEber ist, [107] 127 [06:45.2] 128 [06:47.8] Ärztin [v] die wassertablette oder eben die KALziumtablette. (.) Ärztin [p] Ptient [v] hh also Sprache als Wertevermittler Ptient Hannover [p] zieht eine AUgenbraue 10

6 [109].. Zentrum für Medizinische Ärztin Lehre [v] [ mh ] Ärztin [p] nickt Ptient [v] also meine GROßmutter hat früher auch [immer] wassertabletten Ptient [p] gestikuliert [110] [06:55.9] 131 [06:57.2]132 [06:57.5] Ärztin [v] gut. Ärztin [p] nickt schaut kurz in die Ptient [v] genommen deswegen, h wär mir das erstmal NÄher; würd ich auch Ptient [p] zuckt mit den Schultern runzelt die Stirn zuckt mit den [111] [07:00.2] Ärztin [v] [ nein ] [sie sind Ärztin [p] Akte schüttelt den Kopf schüttelt Ptient [v] sagen also da hab hab ich noch nie was schlechtes von [gehört], Ptient [p] Schultern gestikulliert [112] [07:02.0] Ärztin [v] von der wirksamkeit] GLEICHwertig, das (-) dann können wir gerne (-) Ärztin [p] den Kopf nickt Ptient [v] [(unverständlich 0,5s) ] Ptient [p] [113].. Ärztin [v] kann ich ihnen gerne die wassertablette (-) also ein diuretikum wie es heißt ( Ärztin [p] schaut kurz in die Akte lächelt Ptient [p] 11 [114] Kommunikative Praktiken Werteanamnese Was sagt Ihre Familie dazu? Warum glauben Sie, haben Sie diese Krankheit? Haben Sie bisher schon jemanden außer mir um Hilfe gebeten? Metakommunikation Ich bin etwas überrascht, weil ich so etwas bisher nicht gefragt wurde. Sie wirken auf mich, als ob sie das Gesagte nicht ganz verstanden haben. 12

7 Zwei Gefahren 1) Xenolekt Gefahr der Diskriminierung Mangelhafter Wissenstransfer 2) Dolmetschen Qualität der Übersetzung Gefahr der Interpretation / Meinungsfärbung Der Übersetzer ist kein Briefträger. 13 Ein Negativbeispiel Ein afghanisches Mädchen dolmetscht für ihre Eltern bei einer ärztlichen Untersuchung ihres kleinen Bruders. Bei dieser Untersuchung soll den Eltern mitgeteilt werden, dass das Kind am Down-Syndrom leidet. In der Herkunftskultur des Mädchens werden Behinderungen als Strafe Gottes oder als Flüche aus der Vergangenheit gesehen und daher nur schwer akzeptiert, was das Mädchen weiß. Die Ärzte erklären dem Mädchen, dass das Down-Syndrom keine heilbare Krankheit ist. Das Mädchen soll den Eltern diese Informationen in der Muttersprache vermitteln. Das Mädchen dolmetscht zwar, doch am Ende ist den Eltern nicht klar, dass die Behinderung unheilbar ist. Die Eltern hoffen, dass ein religiöses Ritual in der Heimat dem Kind helfen würde, und ziehen diese Option ernsthaft in Erwägung. Das Mädchen bringt es nicht übers Herz, den Eltern die schlechte Botschaft zu überbringen. (Rajic 2006) 14

8 Schlussfolgerungen Kommunikation und die ethische Dimension interkultureller Kontakt sind nicht zu trennen! Konsequente Ausbildung des medizinischen Personals (Sensibilisierung) Sprach- und Kulturmittler statt ad-hoc-dolmetscher Professionelle Übersetzungen erhöhen die Patientenzufriedenheit und sparen Kosten ein (Wyssmüller/Kaya) Finanzierung Outsourcing von Kultur 15 Institut Zentrum für für Medizinische Ethik Lehre und Geschichte der Medizin Germanistisches Institut Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit Die Sprache interaktionale als Wertevermittler Aushandlung Hannover des Arzt-Patienten-Verhältnisses in der Medizinischen Ausbildung Bochum

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