Hypertonie. Der Blutdruck ist die Resultante aus dem Herzzeitvolumen und dem peripheren Widerstand.

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1 Hypertonie Als Hypertonie bezeichnet man eine chronische Erhöhung des arteriellen Blutdrucks über 140 mm Hg systolisch und/oder über 90 mm Hg diastolisch. Klassifikation von Blutdruckbereichen (in mm Hg): Der Blutdruck ist die Resultante aus dem Herzzeitvolumen und dem peripheren Widerstand. Als Ursache für das Auftreten eines Bluthochdruckes können somit die Erhöhung des Herzminutenvolumens oder die Erhöhung des peripheren Widerstands gesehen werden. Es können aber auch beide Parameter erhöht sein. Bei jüngeren Hypertonikern findet man meist einen Herzzeitvolumenhochdruck, bei älteren Patienten liegt zumeist ein Widerstandshochdruck vor. Klassifikation Systolisch Diastolisch Optimal Normal Hoch-normal Milde Hypertonie (Schweregrad 1) Mittelschwere Hypertonie (Schweregrad 2) Schwere Hypertonie (Schweregrad 3) <120 < >180 <80 < >110 Die Hypertonie gehört in den Industrienationen zu den häufigsten Erkrankungen, ca. 15% der Bevölkerung haben Blutdruckwerte über 160/95 mmhg. Eine medikamentöse Therapie ist dringend geboten, da etwa 25% aller Todesfälle direkt oder indirekt auf eine Hypertonie zurückzuführen sind. - 1

2 Einteilung Die Hypertonie kann nach zwei unterschiedlichen Gesichtspunkten eingeteilt werden: Primäre oder essentielle Hypertonie Sekundäre Hypertonie Primäre oder essentielle Hypertonie Die Ursachen einer primären Hypertonie, unter der ca. 85% der Hypertoniker leiden, sind noch nicht genau bekannt. Die Manifestation der Erkrankung wird jedoch durch verschiedene Faktoren begünstigt (genetische Disposition, Endothelschädigung durch Rauchen, bestimmte Umweltfaktoren wie Stress und falsche Ernährung). Sekundäre Hypertonie Die sekundäre Hypertonie entsteht als Folge einer obstruktiven Schlafapnoe oder pathologischer Organerkrankungen: Hypertonie durch obstruktive Schlafapnoe (10%; Schlafapnoe: mindestens fünf nächtliche Schlafpausen von zehn und mehr Sekunden pro Stunde) renale Hypertonie (6-8%) endokrine Hypertonie (<1%) kardiovaskuläre Hypertonie (<1%) neurogene Hypertonie (<1%) - 2

3 Stadien der Hypertonie Folgende Stadien der hypertonie können differenziert werden: Stadium I Hochdruck ohne nachweisbare Schädigung von Herz, Nieren, Gehirn und Blutgefäßen. Stadium II Mindestens eines der nachfolgenden Krankheitsbilder ist zu beobachten: Linksherzhypertrophie Augenhintergrundveränderungen (generalisierte oder fokale Verengungen der Netzhautarterien) Proteinurie und/oder leichte Plasmacreatinspiegelerhöhung Stadium III Schwere Schädigungen an mehreren Organen mit klinischer Symptomatik: Herz: Herzinsuffizienz, Angina Pectoris, Myocardinfarkt Gehirn: zerebrale Durchblutungsstörung, Schlaganfall Niere: Nierenschäden, Niereninsuffizienz Augenhintergrund: Blutungen und Exsudate in der Netzhaut Maligne Hypertonie diastolischer Blutdruck 120 mm Hg Augenhintergrund: Blutungen und Exsudate fortschreitende Niereninsuffizienz - 3

4 Risikofaktoren für eine primäre Hypertonie: Rauchen übermäßiger Alkoholkonsum Übergewicht erhöhte Kochsalzzufuhr Bewegungsarmut Diabetes mellitus familiäre Belastung Stress Wichtig ist eine regelmäßige Messung des Blutdrucks, da die Erkrankung zu Beginn nicht erkannt wird. Beim Patienten besteht über einen langen Zeitraum subjektiv Beschwerdefreiheit!. Treten nach mehrjährigem Krankheitsverlauf dennoch Beschwerden auf, sind diese meist uncharakteristisch: Kopfschmerzen, besonders nachts und morgens Schwindel, ohne dass die Körperlage verändert wird Ohrensausen Sehstörungen Druck- und Engegefühle in der Herzgegend Herzrasen oder Spüren des Herzschlages starkes Pulsieren der Halsschlagadern Nervosität und Reizbarkeit Störung der Potenz und Libido Schlafstörungen - 4

5 Werden Patienten mit einer Hypertonie nicht wirksam behandelt, entwickeln sich infolge der jahrelang erhöhten Blutdruckwerte Organveränderungen, die dann ihrerseits Beschwerden verursachen. Folgen der Hypertonie: Das Risiko einer chronischen Hypertonie liegt in den arteriosklerotischen Gefäßveränderungen, die sich infolge der Blutdruckerhöhung besonders an drei Organen klinisch manifestieren. Gehirn (cerebrovaskuläre Komplikationen) Herz (Angina Pectoris, Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz) Nieren (Niereninsuffizienz) Linkliste bluthochdruck.html

6 Therapie der Hypertonie Ziel einer therapeutischen Behandlung ist die Verbesserung der Lebensqualität und eine Senkung des Blutdrucks bei jüngeren Patienten auf Werte zwischen 120/80 bis 130/80 mm Hg und bei Patienten über 60 Jahren auf 140/90 mm Hg. Nicht-pharmakologische Maßnahmen Anpassung der Lebensweise verstärkte körperliche Belastung Abbau von Stressfaktoren Nikotinverzicht Gewichtsreduktion Ernährung fett- und cholesterinarme Nahrung Reduktion des Alkoholkonsums (unter 20-30g/Tag) kochsalzarme Diät (Tagesbedarf<5g) Ernährungsempfehlung Die meisten Fälle von Bluthochdruck ergeben sich aus einer Kombination von unausgewogener Ernährung, Bewegungsmangel und Stress. Eine Ernährung wie bei den mediterranen Völkern, mit viel Fisch, Olivenöl, Obst, Gemüse und Ballaststoffen, schützt das Herz und die Herzkranzgefäße. Etwa ein Viertel der Bevölkerung ist durch die blutdruckerhöhenden Eigenschaften von Salz - 6

7 (Natriumchlorid) gefährdet. Die Faktoren Übergewicht, Cholesterinspiegel, Bluthochdruck, Rauchen und Alkoholkonsum sind miteinander vernetzt, beeinflussen sich gegenseitig und spielen eine große Rolle für die Gesundheit des Herzens. Auswertung verschiedener Studien durch das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik: Je höher der Blutspiegel an Gesamtfetten und gesättigten Fettsäuren ist, desto höher ist der Blutdruck. Eine Kost, die reich an einfach ungesättigten Fettsäuren (Olivenöl) ist, senkt den Blutdruck. Eine obst- und gemüsereiche Kost mit geringem Fettgehalt senkt den Blutdruck. Bei einer Aufnahme von mehr als 30 Gramm Alkohol pro Tag steigt das Risiko für einen Bluthochdruck gegenüber Nichttrinkern um das Doppelte. Etwa 7 bis 11% aller Hochdruckerkrankungen sind alkoholbedingt. Besondere Hinweise: Knoblauch hat blutdrucksenkende Eigenschaften. Übermäßig große Mengen Blei oder Cadmium im Körper, oft in Verbindung mit niedrigen Zinkwerten, können den Blutdruck erhöhen. Entgiftung und ergänzende Gaben von Zink können den Blutdruck derjenigen Menschen senken, die stark mit diesen Schwermetallen belastet sind. Regelmäßige Ausübung von Sport kann den Blutdruck senken und dazu beitragen, dass sich Bluthochdruck gar nicht erst entwickelt. Chronischer Stress, Anspannung und Angst können den Blutdruck erhöhen. Entspannungstechniken und Meditation können helfen, Stress abzubauen und den Blutdruck zu senken. Übergewicht ist eine der häufigsten Ursachen für Bluthochdruck. Oft reicht schon die Abnahme von einigen Kilos, um den Blutdruck zu senken. - 7

8 Nährstoffempfehlung Nährstoff Empfohlene Tagesdosis Kommentare Magnesium mg Magnesium wirkt stark blutgefäßentspannend Kalium mg Vorsicht: Bei der Einnahme von bestimmten Medikamenten (ACE-Hemmer, Digitalis, K- sparende Diuretika) soll Kalium nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Omega-3-FS 1,5-6g am besten in Kombination mit Vitamin E Calcium mg kann den Bluthochdruck bedeutend senken Coenzym Q mg senkt einen zu hohen Blutdruck Taurin mg Taurinsupplemente können den Blutdruck senken Neue nicht-medikamentöse Therapieansätze Vollbäder Infrarot-A-Wärmetherapie Akupunktur Nichtmedikamentöse Behandlungsmethoden Blutdrucksenkung in mm Hg Gewichtsreduktion 5 kg 6-8 Kochsalzreduktion (3-6g/ Tag) 5-7 Alkoholreduktion (20g/ Tag) 2-4 Ausdauertraining

9 Medikamentöse Therapie Eine medikamentöse Behandlung muss bei Werten über 180 mm Hg systolisch und/oder 110 mm Hg diastolisch oder bei einer Hypertonie vom Schweregrad 1 bzw. 2 mit hohem oder sehr hohem kardiovaskulären Gesamtrisiko sofort eingeleitet werden. Eine medikamentöse Therapie ist bei Hypertonie dringend geboten, da etwa 25% aller Todesfälle direkt oder indirekt auf eine Hypertonie zurückzuführen sind. Die Blutdrucksenkung soll generell langsam erfolgen, da eine zu rasche Blutdrucksenkung Komplikationen (z.b. zerebrale Ischämien) hervorrufen kann. Die Auswahl des Antihypertensivums sollte die Gesamtsituation des Patienten (u.a. Patientenalter, Begleiterkrankungen) angepasst werden und die Dosis zur Vermeidung von Nebenwirkungen möglichst niedrig gehalten werden. Es wird empfohlen, die Therapie mit einer Monotherapie zu beginnen. Wenn das Therapieziel nicht erreicht wird, werden in der Regel Zweier- oder Dreierkombinationen eingesetzt. Folgende Substanzklassen stehen für eine Monotherapie zur Verfügung: Diuretika β-blocker Kalziumantagonisten ACE-Hemmer AT 1 -Blocker - 9

10 Vasodilatatoren mit direktem Angriff an der glatten Muskulatur werden als Reserveantihypertensiva eingesetzt, da starke Nebenwirkungen auftreten. Eine Dreierkombination kann aus folgenden Wirkstoffkombinationen bestehen: Diuretikum + ß-Blocker + Vasodilatator bzw. Diuretikum + ACE-Hemmer (oder AT1-Blocker) + Kalziumantagonist buw Diuretikum + zentral wirkendes α 2 -Sympythomimetikum + Vasodilatator - 10

11 Therapie hypertensiver Notfälle Ein hypertensiver Notfall liegt vor, wenn ein stark erhöhter Blutdruck eine lebensbedrohende Situation auslöst. Die Behandlung durch den Notarzt sollte mit: 1,2 mg Nitroglycerin initial als Spray oder Zerbeißkapsel bzw. 5 mg Nifedipin oder Nitrendipin oral (eventuell wiederholt) bzw. 25 mg Urapidil intravenös bei ausbleibender oder ungenügender Wirkung nach ca. 15 Minuten 0,075 mg Clonidin langsam i.v durchgeführt werden. - 11

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