Propädeutikum 2007/2008 Arzt-Patient-Kommunikation, Schmerzen objektivieren

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1 2007/2008 Arzt-Patient-Kommunikation, Schmerzen objektivieren

2 Bekenntnis Prof. Dr. Linus Geisler, Chefarzt Innere Medizin Statt zuzuhören, habe ich gesprochen. Weil ich die falschen Fragen gestellt habe, habe ich nicht die richtigen Antworten erhalten. Statt Zuwendung entgegen zu bringen, habe ich mich professionell verhalten. Ich habe Ängste verkannt und ich habe Ängste im Gespräch ausgelöst. Ich habe Zeitdruck erzeugt und Zeitdruck spüren lassen. Ich habe nicht verstanden, dass die Wirklichkeit und meine Wirklichkeit nicht identisch waren.

3 Arzt-Patient-Kommunikation Trauen Sie Ihrer Wahrnehmung? Können Sie die Realität sehen? Können Sie richtig hören und zuhören? Können Sie verständlich sprechen? Können Sie objektiv fühlen?

4 Wirklichkeit und Wahrnehmung (Hermannsche Gittertäuschung 1870) Illusions of the senses tell us the truth about perception (Purkinie)

5 Wirklichkeit und Wahrnehmung

6

7 Wirklichkeit und Wahrnehmung Gestaltgesetz

8 Summe der Schritte: Wahrnehmung Aufnahme, Interpretation, Auswahl und Organisation (geistige Verarbeitung) von sensorischen Informationen. und zwar nur jener Informationen, die zum Zwecke der Anpassung (Adaption) des Wahrnehmenden an die Umwelt oder deren Veränderung aufgenommen werden. bottom-up Prozesse top-downp Schmidt, Thews: "Physiologie des Menschen", Fischer-Verlag

9 Richtig hören und beurteilen? Systematische Beurteilerfehler Rosenthal-Effekt Halo-Effekt Kontrastfehler Primacy- und Recency-Effekt sich selbst erfüllende Prophezeiung Projektion Strengefehler / Mildefehler Systematische Einflüsse (Patientenverhalten) Hawthorne-Effekt Soziale Erwünschtheit Symptomtoleranz Simulation / Dissimulation (Münchhausen / by proxi)

10 Nonverbale und verbale Kommunikation Paul WATZLAWICK (Axiome der Kommunikation) Die Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren Informationen haben einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt Selbstdefinition will bestätigt sein

11 Nonverbale Kommunikation Gestik, Mimik, Blickkontakt, Sitzposition, Sitzhaltung, Nähe und Distanz Kleidung, Schmuck, Statussymbole,. wird vorwiegend unbewusst gesteuert führt bei Widersprüchen zur sprachlichen Information zu Unsicherheit und Missverständnissen steuert den Kommunikationsprozess reguliert zwischenmenschliche Beziehungen Authentizität unterstützt Verständnis und Einordnung

12 Vier Seiten jeder Botschaft (F. Schulz von Thun) SENDER: Selbstoffenbarungsebene Beziehungsebene Sachebene Appellebene EMPFÄNGER: Offenbarungsohr Beziehungsohr Sachohr Appellohr

13 Vier Seiten jeder Botschaft (F. Schulz von Thun) Haben Sie zugenommen? Haben Sie die empfohlene Gymnastik regelmäßig durchgeführt? Haben Sie die Medikamente wie besprochen eingenommen? Die Schmerzen haben nachgelassen?

14 Der Gesprächsanfang ist richtungweisend Ausgangssituation des Patienten Fremdheit Spannung / Erwartungen Ängste / Hemmungen Beziehung J.W. GOETHE: Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zurande.

15 Der Gesprächsrahmen (das sog. Setting ) positive Grundstimmung Atmosphäre des Vertrauens offene und ungestörte Zuwendung, aktives Zuhören Konzentration auf das Wesentliche

16 Der Gesprächsverlauf Trichter-Prinzip Vorgeschichte des Gesprächs offener Anfang breite Entfaltung Eröffnungsphase Adaptationsphase Thematisierung Abschluss thematische Fokussierung

17 Geeignete Fragetechniken offene Fragen (Eröffnung) geschlossene Fragen (gezielter Informationsgewinn) W-Fragen (Nachfrage zu best. Punkten) Sondierungsfragen (freie Schilderung) Reflexionsfragen (Vertiefung emotionaler Aspekte) Konfrontationsfragen (Aufzeigen von Widersprüchen) Interpretationsfragen (Problemverdeutlichung)

18 Ungeeignete Fragetechniken Suggestivfragen Mehrfach-Fragen Überfall-Fragen Fangfragen Neugierfragen Wertungsfragen

19 Anamnese körperlicher Schmerzen Beklagte Hauptbeschwerden (Dimensionen) Lokalisation und Ausstrahlung Qualität Intensität Begleitzeichen zeitliches Auftreten intensivierende / lindernde Faktoren situative Umstände

20 Quantifizierung von Schmerzen: Visuelle Analogskalen kein Schmerz stärkster vorstellbarer Schmerz

21 Arzt-Patient-Kommunikation Lernziele Subjektivität der Wahrnehmung Beurteiler-Fehler Nonverbale Kommunikation Kommunikationsmodelle Fragetypen Schmerzerfassung

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