Exkurs: Führt Monetisierung von Staatschulden zu Inflation?

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1 Exkurs: Führt Monetisierung von Staatschulden zu Inflation? Monetisierung von Staatschulden kann erfolgen durch... Ankauf von Staatsschulden auf dem Primärmarkt (der EZB verboten) Ankauf von Staatsschulden auf dem Sekundärmarkt (erfolgt seit Mai 2010) Ziele der Monetisierung: Stützung der Kurse bzw. Begrenzung der Zinslasten für den Staat Beruhigung der Märkte Vergemeinschaftung von Schulden im Euroraum Rückkauf mit Teilschuldenerlass Billige Entschuldung der Staaten (durch Inflation)?

2 Hintergrund: unsichere Staatspapiere belasten Bilanzen der monetären Finanzinstitute im Euroraum (Quelle: SVR, JG 2011)

3 Angelsächsischer Ausweg: Aufkauf von Staatspapieren durch Notenbanken Quelle: SVR Jahresgutachten 2011/12

4 Vorschlag Polleit/van Suntum/Wiegers: Rückkauf mit Teilschuldenerlaß (FTD, 7. Juli 2011) Nominalwert Schulden erlaß40 Ankauf für 60 Schuldenerlaßin Höhe der Differenz von Nominalwert und Ankaufkurs Kosten tragen die privaten Kapitalgeber, für die EZB erfolgsneutral Kritisch möglicherweise: falsche Anreize und Aufblähung der Geldmenge

5 Führt Staatsfinanzierung durch die Notenpresse zu Inflation und/oder höheren Zinsen? Gleich starke Zunahme Geldbasis Ankauf von Staatsschulden Kredit- Fenster der EZB Kredit- Fenster der EZB Geldmengenausweitung durch Ankauf von Staatstiteln kann sterilisiert werden: -entweder durch Reduzierung der Ausleihungen an Banken (höhere Sollzinsen) -und/oder durch höhere Bankeinlagen auf der Passivseite (höhere Habenzinsen) Beides bedeutet steigende Zinsen und c.p. geringe Nachfrage für private => entsteht daraus ein Zielkonflikt zwischen Geldwertstabilität und Wachstum?

6 Derzeit nutzt EZB vor allem Option auf der Passivseite (Bilanzverlängerung) Sachverständigenrat: Sterilisation jederzeit möglich und bisher erfolgreich Es gibt so gesehen keine Grenze für Ankauf von Staatsanleihen Frage: Führen steigende Zinsen nicht zu Wachstumseinbußen?

7 Derzeit sind Zinsen niedrig wegen hohen Liquiditätsbedarfs (sinkende Umlaufgeschwindigkeit v bzw. steigender Kassenhaltungskoeffizient k)

8 Geldmenge steigt derzeit kaum, Kerninflation ist niedrig Was also ist an den EZB-Käufen von Staatsanleihen so schlimm?

9 Die folgenden Überlegungen basieren auf einfachen saldenmechanischen Überlegungen, lassen sich aber auch reproduzieren mit dem Modell in: U. Van Suntum(2009): EconomicConfidence, NeagtiveInterest Rates, andliquidity: TowardsKeynesianism2.0, CAWM-DiscussionPaper 24 Vereinfachende Annahmen darin u.a.: Staatspapiere und private Schuldtitel sind vollkommene Substitute geschlossene Volkswirtschaft Staatsschulden werden rein konsumtiv verwendet, private Schuldtitel investiv Keine Ricardianischen Kontereffekte, d.h. künftige Steuererhöhungen aufgrund von Zentralbankverlusten werden z.b. nicht antizipiert

10 Annahme: Bestehende Staatsschuld wird von EZB aufgekauft Kapitalmarkt vor EZB-Ankauf: Kapitalmarkt nach EZB-Ankauf: (Staatsschulden) (Firmen- Schulden) 200 Geschäfts- banken (Staatsschulden) (Firmen- Schulden) EZB- G-Banken Höherer EZB-Zins (wg. Sterilisierung) verringert zwar private Kreditvergabe Letztere braucht aber jetzt auch nicht mehr die Staatsschulden zu finanzieren Dafür springt ja jetzt die EZB als zusätzlicher Kapitalgeber ein => Im Endeffekt entsteht weder Inflation (Geldbasis unverändert) noch Rezession (keine Kapitalknappheit trotz höherer Zinsen) Aber: Starke Anreize zur Ausweitung der Staatsschuld, vor allem in Währungsunion

11 Annahme: EZB-Ankauf erzeugt zusätzlichestaatsschuld Kapitalmarkt vor EZB-Ankauf: Kapitalmarkt nach EZB-Ankauf: Kapitalmarkt mit privat finanzierter Zusatzstaatsschuld 200 Geschäftsbanken (Firmen- Schulden) (Staatsschulden) 200 Geschäftsbanken 125 (Staatsschulden) 75 (Firmen- Schulden) 125 EZB- 75 G-Banken 75 (Firmen- Schulden) 125 (Staatsschulden) Sterilisierung erfordert jetzt Rückführung privater Kreditvergabe Dies führt zu BIP-Rückgang und Inflation (gleiche Geldmenge bei geringerem BIP) Gleiche Wirkung auch bei privater Finanzierung der zusätzlichen Staatschuld

12 Vorläufiges Fazit: Ausweitung der Staatsschulden führt unabhängig von der Finanzierung tendenziell zu geringerem Wachstum und/oder Inflation (Grund letztlich: Konsumtive anstelle investiver Verwendung der Ersparnisse) Trotzdem ist Finanzierung durch die Notenbank kritisch zusehen, da gerade diese den Anreiz zu höherer Staatsverschuldung erhöht (Grund letztlich: Bremsende Wirkung steigender Zinsen wird umgangen) Letzteres gilt erst recht in einer Währungsunion mit fiskalisch unabhängig agierenden Ländern (Grund letztlich: Zentralbankverluste treffen alle, Entschuldungsgewinn kommt allein dem jeweiligen Land zugute)

13 Ähnliches Fazit zieht der Sachverständigenrat (JG 2011/12, S. 108) Wenn somit kurzfristig zwar keine Gefahr besteht, dass die EZB aufgrund der Anleihekäufe die Kontrolle über die Liquiditätsversorgung verliert, ist die Funktion des LenderofLast Resort für die Mitgliedstaaten aus stabilitätspolitischer Sicht jedoch alles andere als unbedenklich. Anders als bei den Stützungsmaßnahmen durch den IWF oder bei den bisherigen Rettungspaketen für Problemländer des Euro-Raums ist die EZB institutionell nicht oder nur auf informellem Wege in der Lage, ihre Unterstützungsmaßnahmen mit der Forderung nach einem makroökonomischen Anpassungsprogramm zu verbinden. Die Anleihekäufe setzen somit ebenso wie Eurobonds die Marktdisziplin außer Kraft, ohne an deren Stelle eine wirksame politische Disziplinierung zu etablieren.

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