Mauser auslösen bei Biohennen

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1 MERKBLATT Mauser auslösen bei Biohennen Bestellnummer 1434, Ausgabe Schweiz, 2007 Autorin Esther Zeltner S T E C K B R I E F Legehennen werden üblicherweise nur ein Jahr genutzt. Die kurze Nutzungsdauer hat zur Folge, dass in kurzen Abständen Junghennen zugekauft werden müssen. Das ist einerseits teuer und anderseits ethisch bedenklich, weil sehr viele Küken (alle Männchen) getötet werden müssen. Die Alternative heisst Mauser. Das Merkblatt zeigt auf Grund von FiBL-Versuchen, wie die Mauser künstlich ausgelöst und in geordnete Bahnen gelenkt wird. Die Nutzungsdauer verlängert sich dadurch um zirka die Hälfte. Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Ackerstrasse, CH-5070 Frick, Schweiz

2 Künstliche Mauser ab 2007 zugelassen Auf Bio Suisse-Betrieben darf die Mauser ab dem künstlich ausgelöst werden, wenn die Legehennen mindestens 60 Wochen alt sind. Die Vorteile einer künstlichen Mauserauslösung wurden stärker gewichtet als die Belastungen, die sich durch ein definiertes Mauserprogramm für die Hennen ergeben. Der Entscheid stützte sich auf die Untersuchungen des FiBL (Seite 5). Die Resultate bilden auch die Basis des für die Praxis empfohlenen Mauserprogramms auf Seite 4. Bei einer längeren Nutzungsdauer werden eher grössere Eier anfallen. Beim Verkauf an Grossabnehmer ist das eher ein Nachteil. Im Direktverkauf können grosse Eier hingegen gut abgesetzt werden. Mauser, die Ferien der Legehennen Die natürliche Mauser ist eine hormonell bedingte Ruhepause, in der sich der Legeapparat regeneriert und das Federkleid erneuert wird. Die Mauser findet in der Regel im Herbst oder Winter statt und dauert zwei bis drei Monate. Auslösend wirken vor allem die kürzer werdenden Tage. Die Hühner nehmen in dieser Zeit wenig Futter zu sich. Sie mausern nicht alle gleichzeitig, sondern zeitlich um einige Tage bis Wochen verschoben. Die Legepause dauert bei der natürlichen Mauser mindestens drei Wochen. Dann steigt der Progesterongehalt auf die Werte vor der Mauser und die zweite Legephase beginnt. Henne vor der Mauser Weshalb die Mauser künstlich auslösen? Beim Jahresumtrieb, der in der Mehrzahl der Betriebe stattfindet, werden Legehennen knapp 12 Monate genutzt. Kurz vor der Mauser wird der Bestand trotz zum Teil noch sehr guter Legeleistung geschlachtet. Beim Mauserumtrieb kann der Landwirt seine Hühner, die er nach einer Legeperiode gut kennt, länger nutzen. Bei einer neuen Herde besteht immer ein Risiko, dass sie am Anfang Probleme bereitet. Zudem sind ausgediente Legehennen (Suppenhennen) nur über Direktvermarktung verkäuflich. Müssen sie entsorgt werden, entstehen sogar zusätzliche Kosten. Lässt man die Hühner natürlich durchmausern, kann es in grossen Herden zu Federpicken und Kannibalismus kommen, weil nicht alle Hühner gleichzeitig in der Mauser sind. Mit der künstlichen Auslösung wird dem entgegengewirkt. Neben den leistungsrelevanten Vorteilen (Seite 5) gibt es auch ethische Vorteile. Werden die Legehennen länger genutzt, müssen weniger Küken produziert und somit weniger männliche Küken getötet werden. Grobe Berechnungen haben gezeigt, dass bei den am Versuch des FiBL beteiligten Betrieben die Wirtschaftlichkeit des Mauserumtriebes mit derjenigen des Jahresumtriebs vergleichbar ist. und nach der Mauser (gleiche Henne 74 Tage später) Wie funktioniert die künstliche Mauser? Die Mauser kann unabhängig von der Jahreszeit begonnen werden. Als auslösende Faktoren wirken Lichtreduktion und reduzierte Fütterung. Diese Massnahmen setzen bei allen Tieren eines Stalles gleichzeitig die Mauser in Gang, was eine genauere Produktionsplanung ermöglicht. Zeitpunkt und Dauer der Legepause bei der künstlich ausgelösten Mauser sind abhängig von der Intensität und Dauer des Mauserprogramms. 2

3 So wird die Mauser durchgeführt Die Vorschläge basieren auf FiBL-Untersuchungen (Seite 5). Abklärungen vor der Mauser Folgende Fragen müssen vor dem Auslösen der Mauser beantwortet werden: 1. Wie kann ich den Stall verdunkeln? Um das Lichtprogramm einhalten zu können, müssen insbesondere im Sommer die Fenster abgedunkelt werden können. 2. Wie kann ich die Kleie zufüttern? Oft ist es einfacher, das Silo mit Legehennenmehl gefüllt zu lassen und die Kleie sackweise in den Futterautomaten zu füllen. 3. Steht genügend Biokleie zur Verfügung? Beim Futtermittellieferanten abklären, ob genügend Biokleie vorrätig ist. Die Kleie sollte unverarbeitet verfüttert werden (Pellets können zusätzliche Nährstoffe enthalten). Der Verbrauch bei ad libitum Fütterung beträgt zirka 60 Gramm pro Tier und Tag. 4. Sind die Hühner gesund? Nur gesunde Herden sollen gemausert werden. Notwendige Behandlungen (z.b. gegen Parasiten) vorgängig und in genügend zeitlichem Abstand durchführen, um eine zusätzliche Belastung zu vermeiden. Wenn diese Fragen geklärt sind, kann die Mauser gemäss Programm auf Seite 4 durchgeführt werden. Stall muss verdunkelt werden können Zufütterung von Kleie im Rundautomat Während der Mauser beachten Gute Beobachtung der Herde Das ist besonders in den ersten Tagen der Futterumstellung sehr wichtig. Bei Anzeichen von Nervosität zusätzliches Beschäftigungsmaterial (z.b: ganze Strohballen) anbieten. Bezug von Kleie abklären Legeleistung nach 14 Tagen überprüfen Wenn die Legeleistung nach 14 Tagen nicht auf null gesunken ist, Kleie noch einige Tage weiterfüttern. Erst mit dem Programm weiterfahren, wenn keine Eier mehr gelegt werden. Kalk füttern Muschelschalenkalk oder Kalkgrit zur freien Verfügung anbieten, damit die Hühner ihre Kalkreserven wieder auffüllen können. Nach erfolgreich durchgeführter Mauser legen die Hühner weitere 6 8 Monate regelmässig Eier. Die Hennen müssen beim Start in die Mauser gesund sein 3

4 Mauserprogramm Mit Zugang zum Aussenklimabereich (AKB) und Geflügellaufhof (GLH) während der Aktivitätszeit. Das Programm wurde auf Grund von FiBL-Versuchen optimiert und auf Praxistauglichkeit überprüft (Seite 5). Tag Datum (einzutragen) Licht (Std.) Legemehl (% der Tagesmenge) Kleie AKB + GLH Weide 1 8 Leerfressen des Futterautomaten, kein neues Futter keine offen zu ad libitum offen zu ad libitum offen zu ad libitum offen zu ad libitum offen zu ad libitum offen zu ad libitum offen zu ad libitum offen zu ad libitum offen zu ad libitum offen zu ad libitum offen zu ad libitum offen zu ad libitum offen zu ad libitum offen zu 15 Wenn die Legeleistung nicht auf null gesunken ist, Regime von Tag 14 weiterführen. Erst mit dem Programm weiterfahren, wenn die Legeleistung null erreicht hat keine offen zu keine offen zu 17 9 ad libitum keine offen offen ad libitum keine offen offen ad libitum keine offen offen ad libitum keine offen offen ad libitum keine offen offen ad libitum keine offen offen ad libitum keine offen offen ad libitum keine offen offen ad libitum keine offen offen ad libitum keine offen offen 27? 14* ad libitum keine offen offen Muschelschalenkalk oder Kalkgrit während der ganzen Mauser frei zur Verfügung stellen. * Weitere Steigerung je nach üblichem Lichtprogramm. 4

5 FiBL-Untersuchungen zum Mauserumtrieb Die Legepause stellt zwar für die Hühner eine Ruhe- und Regenerationsphase dar, die Auslösung der künstlichen Mauser ist aber mit Stress für die Hennen verbunden. Um festzustellen, ob es dennoch vertretbar ist, die Mauser künstlich auszulösen, wurden durch das FiBL verschiedene Untersuchungen durchgeführt. In einem ersten Durchgang wurden in Versuchsställen unterschiedliche Mauserprogramme verschiedener Intensität getestet: Mauserprogramm 1 (MP 1): konventionelle Zwangsmauser. Lichtreduktion auf 5-6 Stunden und Futterentzug. 30 Gramm Kleie pro Tag und Huhn. Kein Zugang zum Aussenklimabereich (AKB) oder Grünauslauf während der Mauser. Mauserprogramm 2 (MP 2): weniger intensiv. Lichtreduktion auf 8 Stunden pro Tag. 50 Gramm Kleie pro Tag und Huhn. Kein Zugang zum Aussenklimabereich (AKB) oder Grünauslauf während Mauser. Mauserprogramm 3 (MP 3): Mauser mit sehr wenigen Einschränkungen. Ausschaltung des Kunstlichts, aber ohne Einschränkungen des Tageslichts (12 Stunden zum Zeitpunkt des Versuches). Täglich neben 30 Gramm Kleie zusätzlich 30 Gramm Haferkörner pro Huhn und Tag. Zugang zum AKB und zum Grünauslauf. In jeweils vier Abteilen mit einer Herdengrösse von durchschnittlich 67 Tieren wurde das entsprechende Mauserprogramm getestet. Tab 1: Veränderungen nach gegenüber vor der Mauser MP 1 MP 2 MP 3 Legleistung (Prozent) Mortalität (Prozent) Bruchfestigkeit (Kilopond) Die Skala reicht von 0 bis 5 kp Eiweissqualität (Haugh Units) Optimale Werte 75 bis Eigewicht (Gramm) Tab 2: Gefiedernote nach der Mauser MP 1 MP 2 MP 3 Gefiedernote : intaktes Gefieder 2: leichte Schäden an Federn 3: einzelne Federn gebrochen 4: kahle Stellen Legeleistung Die Legeleistung ist bei allen drei Programmen gesunken. Beim MP 3 sank die Legeleistung stufig ab und stieg wieder stufig an, was darauf hin deutet, dass die Mauser bei diesem Programm nicht bei allen Hennen einheitlich ausgelöst worden war. Bei der Legeleistung schnitt MP 1 am besten ab, die Mortalität betrug jedoch 25 Prozent, was nicht akzeptierbar ist. Bruchfestigkeit Bei der Bruchfestigkeit lagen bereits vor der Mauser die Werte bei allen Gruppen über 2 kp, dem unteren kritischen Wert. Die stärkste Verbesserung bezüglich Bruchfestigkeit und Eiweißqualität sowie die besten Gefiedernoten konnten nach MP 2 festgestellt werden. Überprüfung der Praxistauglichkeit MP 2 schien am besten geeignet zu sein und wurde nach geringen Anpassungen auf acht Betrieben auf Praxistauglichkeit getestet. Auch hier erzielte das Programm gute Ergebnisse. Die Eiqualität, der Gefiederzustand und die Legeleistung konnte bei allen Betrieben verbessert werden. Das Eigewicht hat jedoch stark zugenommen. 73 Tage nach der Mauser hatten die Tiere wieder dasselbe Körpergewicht wie vor der Mauser erreicht. Das Verhalten (z.b. Federpickrate) wies keine signifikanten Unterschiede zum Verhalten vor der Mauser auf, was zeigt, dass dieses Mauserprogramm die Hennen nicht allzu stark belastet. Ausblick und Dank Die positiven Aspekte der künstlich ausgelösten Mauser lassen eine Durchführung sinnvoll erscheinen. Mit einer auf eine längere Nutzungsdauer ausgerichteten Phasenfütterung könnte eventuell das Eigewicht reduziert und damit die Wirtschaftlichkeit noch verbessert werden. Wir danken der hosberg AG, Bio Eierhandel, Rüti und dem Migros-Genossenschafts-Bund, Zürich für die finanzielle Unterstützung des Mauserprojektes. Den acht Praxisbetrieben danken wir, dass wir das Mauserprogramm auf ihren Betrieben testen konnten. Impressum Herausgeber und Vertrieb: FiBL, CH-5070 Frick Autorin: Esther Zeltner Bilder: Roger Bolt (W.Grüninger AG): 3. Bild Seite 3, Esther Zeltner: übrige Bilder Durchsicht: Beatrice Moser (Bio Suisse), Klaus Böhler Redaktion: Res Schmutz Preis: CHF 3. ; EUR 2. 5

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