EIN PROGRAMM ZUR LERN- UND GESUNDHEITSENTWICKLUNG

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1 EIN PROGRAMM ZUR LERN- UND GESUNDHEITSENTWICKLUNG Lenny Maietta, Nov Kinästhetik ist ein praktisches Bewegungs- und Analysesystem, um Gesundheit und Lernen in jedem Lebensabschnitt zu entwickeln. Während unseres Lebens messen wir unsere Gesundheit, unseren emotionalen, kognitiven und physischen Zustand an der Fähigkeit, die täglichen Aufgaben selbstständig zu bewältigen. Essen, baden, sich anziehen oder gehen sind solche Herausforderungen. Erfolgreich zu kommunizieren oder sinnvolle Schlüsse aus dem Erlebten zu ziehen sind weitere. Kinästhetik hat die praktischen Grundlagen dieser Lebensaufgaben untersucht es ist unser Ziel, diese Informationen so darzustellen, dass es für Menschen aller Altersstufen leichter wird, einen breiten Grundstock an Bewegungsfertigkeiten zu erlernen. Mit diesen können sie die folgenden menschlichen Funktionen ausüben, die das Leben von uns allen definieren Die einfache Funktion, Teile des Körpers in stabile Stellungen zu bringen und diese auch zu halten Die komplexen, lebenswichtigen Funktionen des Atmens, der Zirkulation, der Verdauung und das Transportieren der Abfallstoffe durch den Körper Die komplexe Funktion, natürliche und materielle Objekte, wie Steine, Kleider, Spielzeug und Essutensilien, zu halten und bedienen Die komplexe Funktion, Objekte wie Steine oder Stöcke oder speziell entworfene Werkzeuge wie Hammer, Messer und Kugelschreiber zu gebrauchen, um die Umgebung in verschiedener Weise zu gestalten. Die komplexe Funktion, sich durch den Raum zu bewegen. Die Bewegungsprozesse des Gehens und des Rennens zu erfahren und dabei verschiedene Haltungen zu gebrauchen, um von einem Ort zum andern zugelangen und an sozialen, sportlichen und beruflichen Anlässen teilzunehmen. Die komplexe Funktion, symbolisch zu kommunizieren, mit Gestik, Körperhaltung und Bewegungsmustern und dabei die koordinierten Atem- und Körperbewegungen, die für das Sprechen notwendig sind, zu lernen.

2 Die Fertigkeiten, solche Funktionen auszuüben, entstehen wie ein Spinnennetz. Während vieler Jahre entwickelt sich, ein Kind im Zickzackkurs vorwärts und rückwärts weiter zwischen diesen Kategorien der Bewegungsbeherrschung. Fertigkeiten auf einem Gebiet zu erwerben, bedeutet immer auch dass Fertigkeiten in einem andern Bereich Schritt für Schritt beeinflusst werden. Beherrscht das Kind die eine Funktion, so hat es nun auch die Fertigkeit zur Hand, um komplexere Aufgaben anzupacken. Das ist Lernen. Das ist Gesundheit. Menschen, die von Krankheit oder Verletzungen betroffen sind, fallen oft in einen kindlichen Zustand zurück. Oft verlieren sie die Kontrolle über lebenswichtige Prozesse oder wissen nicht mehr, wie sie für sich selbst sorgen können. Krankheit kann z.b. unser Gehen oder andere Funktionen wie sich waschen, die Kleidung wechseln, ausscheiden, atmen usw. beeinträchtigen. Bei bleibenden Funktionseinschränkungen müssen oft neue Wege für die Durchführung dieser Funktionen entdeckt und erlernt werden. Die Pflegenden, Therapeutinnen, genau wie Eltern und Lehrer verbringen also viel Zeit damit, Menschen in körperlicher und oder geistiger Hinsicht in der Durchführung der oben aufgelisteten Funktionen zu unterstützen. Vitalfunktionen werden oft als automatische Prozesse betrachtet. Die kybernetische Forschung zeigt jedoch auf, dass die ganze Muskulatur im Körper alle inneren Prozesse aktiv in Betrieb hält. Ohne das aktive Bewegen des Menschen kommen alle diese Prozesse zum Stillstand. Dies bedeutet, Erwachsene jeder Berufsgruppe sollen Babys, Schüler und sämtliche Patienten unterstützen, sich bei jeder Tätigkeit aktiv zu bewegen, um ihnen zu ermöglichen ihre inneren Prozesse regulieren zu können. Die eigene Bewegungsfähigkeit weiter zu entwickeln ist ein grundlegendes Bedürfnis jedes Alters. Babys und Kleinkinder sind neugierig, und wollen alles kennen lernen. Es ist die Aufgabe der Erwachsenen, ihnen dabei zu helfen, sich die nötigen Bewegungen anzueignen. Denn sie sollen sich in der Welt bewegen, mit ihr kommunizieren und sie gestalten können. Schulkinder müssen spezifische praktische und kognitive Fähigkeiten erlernen. Sie sind motiviert, wenn das Lernen einfach ist und Spass macht. Die Motivation des Patienten geschieht in einzelnen Schritten durch die Vermittlung der Erfahrung, dass wirksame Bewegungen nach wie vor möglich sind und auch ein Weg zu finden ist, um diese leicht und angenehm zu gestalten. Die Pflegenden und Therapeuten haben auf jeden Fall die Aufgabe, dem Patienten zu vermitteln, dass er sich trotz seiner Gesundheitseinschränkungen mit seinen gesunden Körperteilen immer noch an alltäglichen Aktivitäten beteiligen kann.

3 DAS LERNMODELL DER KINÄSTHETIK In der kybernetischen Theorie ist Social Tracking (der Prozess des gegenseitigen Nachfolgens) das Medium, um während des ganzen Lebens neue Bewegungen zu lernen. Das Konzept des Social Tracking besagt, dass zwei oder mehr interagierende Personen durch einen geschlossenen motor-sensorischen Kreislauf verbunden sind, wodurch jeder Einzelne gegenseitig den sensorischen Input des anderen ausführt (Smith, 1972). Mit anderen Worten: während einer Interaktion folgen Menschen jeden Alters einander durch die Synchronisierung ihrer Bewegungen. Forschungsstudien in Verhaltenskybernetik, besonders jene die sich, mit der Entwicklung von kindlichen Fähigkeiten zum Social Tracking beschäftigen, vermitteln wertvolle Erkenntnisse und Einsichten, wie Bewegungsfertigkeiten von Menschen, unabhängig von Lebensalter und Bewegungsbeeinträchtigung, erlernt werden können. Jeder Mensch erzeugt sein eigenes Verhalten (Bateson, 1982; Powers, 1972; Smith, 1972; Wiener, 1948). Er reguliert das Verhalten durch Bewegung (Gould und Smith, 1963; Putz und Molitor, Smith und Henry 1966). Je besser die Erwachsenen die Kinder, bzw. Patienten unterstützen können, eigene Bewegungen und sensorische Reize zu erzeugen und ihnen zu folgen, um so grösser werden ihre Fähigkeiten, ihr eigenes gesundheitsförderndes Verhalten zu entwickeln. Die durch körperliche Erfahrung erhaltene Information ermöglicht den Lernenden, die Kontrolle des eigenen Lernprozesses zu erhalten. Lernen durch körperliche Erfahrung bietet eine bessere Grundlage als andere Lernformen, um neue Bewegungen zu lernen und sich an Bewegungsmuster zu erinnern. (Stein und Meyer, 1971; Smith und Sturgeon; 1971). Körperliches Wissen legt ein Fundament für den Aufbau von kognitiver Einsicht. Die Anleitung durch Berührung und Bewegung durch den Betreuer, Therapeuten oder die Lehrerin ist der Grundstein für die Bewegung des Lernenden. Das ist die effektivste Art, praktische Fähigkeiten zu vermitteln. (Ansell und Smith, 1973; Meyer, 1971; Smith und Sturgeon, 1971). Es ist optimal, wenn die Lernenden die spezifischen motorischen und sensorischen Fähigkeiten, die zur Ausübung einer Tätigkeit erforderlich sind, durch Erfahren lernen können. ( Smith 1973; Smith und Arndt 1969» Das Lernen wird optimiert, und das Verletzungsrisiko reduziert, wenn die Umgebung so gestaltet wird, dass die Durchführung einer Tätigkeit für jeden individuellen Menschen möglichst einfach ist. (Coleman und Smith, 1976) Kinästhetik ist eine praxisbezogene Anwendung dieser Ergebnisse. Das Ziel der Kinästhetik ist es, die Voraussetzungen für eine effektive Interaktion durch Berührung und Bewegung zu verbessern und dadurch das Lernen von Bewegungen zu vereinfachen und erleichtern. Die sechs Konzepte der Kinästhetik können dazu eingesetzt werden. Diese sind: Interaktion; funktionale Anatomie; menschliche Bewegung; menschliche Funktion; Anstrengung und Umgebungsgestaltung Diese Konzepte sind ein analytisches und praktisches Werkzeug, um die eigenen Bewegungsfähigkeiten und die Bewegungsfähigkeiten von anderen zu erhöhen. Sie können uns zu einem Verständnis der Bewegungen verhelfen, die im Zusammenhang mit jeder

4 menschlichen Funktion stehen. Die Konzepte können von Nutzen sein, um die Umgebung zu gestalten und sie den Bewegungsfähigkeiten und Bedürfnissen der Lernenden anzupassen. Und sie sind die Basis, um zu lernen, wie man seine eigenen Bewegungen mit den Bewegungen der anderen verbindet. So hilft man ihnen, die zur Funktion gehörenden Bewegung zu entdecken. Alle Kinästhetikprogramme, ob Infant Handling, Kreatives Lernen oder Pflege und Rehabilitation, bringen Professionellen Fähigkeiten bei, ihre Bewegungen den Bewegungen der Menschen anzupassen, mit denen sie arbeiten. Während einer Interaktion durch Berührung werden die motorischen und sensorischen Systeme der beteiligten Personen derartig eng zusammengeschlossen, dass sich jeweils eine Person der anderen fortlaufend anpasst. Ein Baby erwirbt somit durch die Bewegung mit Erwachsenen am einfachsten seine funktionalen Fähigkeiten. Das gleiche gilt für Schüler, die das Schreiben lernen, oder Patienten, die neue Bewegungen zur Durchführung von alltäglichen Aktivitäten lernen. Durch die Bewegung des Erwachsenen, Therapeuten, Lehrers oder Pflegenden, und durch deren Fähigkeit, eine lerngerechte Umgebung zu gestalten, können diese Menschen neue Bewegungen für spezifische Tätigkeiten entdecken. Sie erlernen somit eine neue Bewegungskontrolle. Die Bewegungsfähigkeit des Erwachsenen, der Lehrerin, des Pflegers oder des Therapeuten, ihre Fähigkeit, Bewegungsprozesse zu analysieren und eine lerngerechte Umgebung zu gestalten, ist bei dieser Betrachtungsweise eine wichtige Ressource des Babys, Schülers oder Patienten für seine Lern- und Gesundheitsentwicklung. Alle Kinästhetikkurse sind auf den Ideen der Gesundheitsentwicklung begründet. Das Ziel in jedem Kurs ist es, die Bewegungs- und Handlungsfähigkeit der Teilnehmer zu verfeinern, um ihre eigene Bewegungskontrolle und Gesundheit weiterzuentwickeln. Die Art des Unterrichts, ist als Modell für effektive Interaktionen mit Kindern, Schülerinnen und Patienten gedacht. Durch Selbsterfahrung wird kognitives Wissen und praktisches Knowhow vermittelt, damit das spezifische Bewegungsfundament der menschlichen Funktionen unterstützt werden kann. Dies soll den Teilnehmern ermöglichen, gesunde, kranke, junge und ältere Menschen durch Bewegungsinteraktionen in ihrem Lernprozess, sowie in ihrer Gesundheitsentwicklung zu unterstützen. Dies ist das Fundament für eine höhere Fachkompetenz in Pädiatrie, Pädagogik, Therapie- und Pflegeberufe.

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