DATENERHEBUNG: MESSEN-OPERATIONALISIEREN - SKALENARTEN

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1 DATENERHEBUNG: MESSEN-OPERATIONALISIEREN - SKALENARTEN Was ist Messen? Messen - im weitesten Sinne - ist die Zuordnung von Zahlen zu Objekten und Ereignissen entsprechend einer Regel (Def. nach Stevensen 1959) Genauere Definition von Messen Unter Messen wird allgemein die Zuordnung von Zahlen ("Messwerten") zu Objekten gemäß festgelegter Regeln verstanden. Die Messwerte sollen zueinander Beziehungen aufweisen, die den Beziehungen der gemessenen Objekte entsprechen. empirisches Relativ A numerisches Relativ 1 B 3 Abbildung C 7 Objekteigenschaften im empirischen Relativ (Beispiel Größe der Quadrate A,B,C) soll sich im numerischen Relativ in Form von Zahlen widerspiegeln (repräsentieren): z.b.: A < B < C 1 < 3 < 7 ===== Methodologie: Messen, Skalen, Latente Variablen ===============Folie 1

2 In den Sozialwissenschaften erfolgt die Abbildung in das numerische Relativ entsprechend den theoretischen Annahmen und operationalen Ableitungen, d. h. die Regeln der Zuordnung sind letztlich (anders als in manchen Bereichen physikalischer Messungen) willkürlich gesetzt. Gütekriterien: Reliabilität und Validität Messoperationen müssen sich Gütekriterien stellen: Objektivität Reliabilität Validität Objektivität: Die Messung soll unabhängig von der Person, die das Messinstrument anwendet sein Durchführungsobjektivität - Auswertungsobjektivität Reliabilität: Zuverlässigkeit der Messung: Kommt bei Messwiederholungen dasselbe raus? Stabilität der gemessenen Eigenschaft wird vorausgesetzt! Definition (nach Kriz/Lisch) Reliabilität = Zuverlässigkeit. Neben der Validität wichtigstes Kriterium für die Güte von Erhebungs- und Messinstrumenten. Reliabilität bezeichnet die Reproduzierbarkeit von Ergebnissen unter den gleichen intersubjektiven Bedingungen, also insbesondere die Forderung, dass andere Forscher bei Anwendung desselben Erhebungsinstruments in Interaktion mit demselben Untersuchungsgegenstand zu demselben Ergebnis gelangen. ===== Methodologie: Messen, Skalen, Latente Variablen ===============Folie 2

3 Messmodell der klassischen Testtheorie: gemessener Wert = wahrer Wert + Fehleranteil Reliabilitätsbestimmung z.b. über Messwiederholungen und Bestimmung eines Test-Retest- Reliabilitätskoeffizienten Validität: Gültigkeit, Verlässlichkeit: Wird das gemessen, was gemessen werden soll? Problem der Übereinstimmung zwischen Messergebnis und theoretisch-begrifflichem Sachverhalt Definition (nach Kriz/Lisch) Validität beinhaltet die Übereinstimmung von Ergebnissen mit dem durch die Untersuchung (Messung) vorgegebenen theoretisch-begrifflich zu erfassenden Sachverhalt. Dies impliziert insbesondere die Forderung, dass die gewählten Operationalisierungen den begrifflichen Merkmalsbereich hinreichend erschöpfend erfassen und dass die Ergebnisse mit dem theoretischen Bezugsrahmen grundsätzlich in Einklang zu bringen sind. Kriteriumsvalidität: In welchem Zusammenhang steht das Meßergebnis mit anderen relevanten, vergleichbaren Merkmalen? Übereinstimmungsvalidiät: Vgl. mit Außenkriterien (Beispiel: Schulleistungstest und Schulnote) Vorhersagevalidität: Vgl. bezügl. eine prognostizierten Kriteriums (Beispiel: Schulleistungstest und späterer Schulabschluß) ===== Methodologie: Messen, Skalen, Latente Variablen ===============Folie 3

4 Konstruktvalidität: Umfassendes Programm zur Überprüfung der Validität von Meßinstrumenten, das inhaltlich-theoretische Begründungen, empirische Absicherungen, Vergleiche verschiedener Untersuchungen verlangt. Operationalisierung Die Operationalisierung eines theoretischen Begriffs besteht aus der Angabe einer Anweisung, wie Objekten mit Eigenschaften (Merkmalen), die der theoretische Begriff bezeichnet, beobachtbare Sachverhalte zugeordnet werden können. Unterscheidung zwischen theoretischen Aussagen (Hypothesen) und empirisch beobachtbaren Aussagen Korrespondenzproblem: Wie kann eine Zuordnung zwischen theoretischen und empirischen Aussagen erfolgen? Beispiel Hypothese/Theorie: Wenn die einheimischen Mitglieder einer multinationalen Gesellschaft sich auf dem Arbeitsmarkt in Konkurrenz zu Ausländern (X) sehen, dann neigen sie zu Ausländerfeindlichkeit (Y) Mögliche Übersetzung in die Beobachtungssprache: Person A lebt in einer multinationalen Gesellschaft und nimmt Konkurrenz wahr (x a ). Person A neigt zu Ausländerfeindlichkeit (y a ) ===== Methodologie: Messen, Skalen, Latente Variablen ===============Folie 4

5 theoretische Größe/ Begriff empirisch beobachtet bei Person A X Operationalisierung x a Y Operationalisierung y a Weitere notwendige Übersetzungsnotwendigkeiten (Begriffsbestimmungen/Operationalisierungen) zur Prüfung der o. g. Hypothese: - multinationale Gesellschaft - Konkurrenz zu Ausländern auf dem Arbeitsmarkt - Ausländerfeindlichkeit Mit Hilfe welcher Indikatoren können diese Begriffe beobachtbar werden? Im Beispiel: Wie kann subjektiv empfundene Konkurrenz, Ausländerfeindlichkeit etc. gemessen werden? Entwicklung / Verwendung eines Messinstruments zur Ausländerfeindlichkeit, z.b.: Ausländerablehnungsskala (ALS), Lederer 1982 [in: ZUMA-Handbuch sozialwissenschaftlicher Skalen, 3 Bde. 1983] ALS - 12 Einzelstatements (Items), die zu beantworten sind mit: stimme stark zu (1) - stimme zu (2) - nicht entschieden (3) - lehne ab (4) - lehne stark ab (5) (= 5- stufige Likert-Skala) Wenn wir mehr Einwanderer in unser Land lassen, wird das unsere Kultur bereichern. Es wäre gefährlich für die BRD, zu eng mit Nationen zusammenzuarbeiten, die anders sind als wir. ===== Methodologie: Messen, Skalen, Latente Variablen ===============Folie 5

6 Für jede/n Befragten wird entsprechend den Antworten ein Punktwert auf der Skala zusammengezählt (Min: 12, Max.: 60; Mittelwert aus der Untersuchung von 1982: 43,8) Entsprechende Entwicklung eines Erhebungsinstruments zur subjektiv empfundenen Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt und Bestimmung eines Punktwertes (o.ä.). Vergleich: Gehen hohe Punktwerte auf der ALS mit hohen Punktwerten auf der Konkurrenzskala einher? ===== Methodologie: Messen, Skalen, Latente Variablen ===============Folie 6

7 Skalentypen, Messniveau Da bestimmte Eigenschaftstypen von Objekten (im empirischen Relativ) besonders häufig vorkommen (bzw. postuliert werden), hat dies zur Formulierung von bestimmten Skalentypen geführt (andere Skalentypen sind denkbar!). Die Festlegung von Skalentypen (auch Messniveau genannt) hat Relevanz für die Zulässigkeit von (statistischen) Rechenoperationen. Es werden folgende Skalentypen unterschieden: Nominalskala: Die Objekte des empirischen Relativs werden allein hinsichtlich ihrer Gleichheit bzw. Ungleichheit unterschieden, die Zahlen im numerischen Relativ repräsentieren allein diese Gleichheit/Ungleichheit Beispiel: Eigenschaft Geschlecht : weiblich -- männlich Zuordnung von verschiedene Zahlen weiblich. = 44 männlich = 3 Zulässige statistische Rechenoperationen (z.b.): Bestimmung von Häufigkeiten Ordinalskala / Rangskala: Die Objekte des empirischen Relativs werden in Bezug auf eine Rangreihe betrachtet, die Zahlen im numerischen Relativ repräsentieren neben Gleichheit/Ungleichheit diese Rangreihe. ===== Methodologie: Messen, Skalen, Latente Variablen ===============Folie 7

8 Beispiel: Präferenzordnungen: Ich gehe lieber in die Mensa als zur Würstchenbude Beliebtheitsgrad Mensa: 10 Beliebtheitsgrad Bude: 5 Achtung: die Zuordnung von 10 und 5 besagt nicht dass ich die Mensa doppelt so gern habe!! Andere zulässige Zuordnungen: 10 u. -25 / 10 u. 9 /... Beispiel: Schulabschluss (z.b. Haupt-, Realschule, Gymnasium) kann entweder nominal unterschieden werden oder ordinal (Einführung einer Wertigkeit des Bildungsabschlusses) Intervallskala: Zusätzlich zur Rangreihe haben die Abstände (Intervalle) zwischen den Messwerten Informationsgehalt. Beispiel: Temperaturmessung in Celsius oder Fahrenheit Beispiel: Punktwerte im IQ-Test: Person A hat 95 Punkte Person B hat 100 Punkte Person C hat 105 Punkte Der Abstand zwischen Person A und B ist mit 5 Punkten der gleiche wie zwischen Person B und C. Achtung! Der IQ-Wert: 0 Punkte bedeutet nicht, dass keine Intelligenz vorhanden ist!!! daher: Person B ist nicht doppelt so schlau wie Person D, da nur die Differenz zwischen zwei Messwerten interpretiert werden können ===== Methodologie: Messen, Skalen, Latente Variablen ===============Folie 8

9 Zulässige statistische Rechenoperationen u.a.: Mittelwertberechnungen Verhältnisskala / Ratioskala: wie Intervallskala, zusätzlich gibt es einen natürlichen Nullpunkt Aussagen wie doppelt so lang, halb so schwer ; 3x so alt etc. sind zulässig Beispiel: Länge, Gewicht, Einkommen, Temperaturmessung in Kelvin; Zeitdauermessungen (z.b. Alter) ===== Methodologie: Messen, Skalen, Latente Variablen ===============Folie 9

10 Übersicht Skalenarten und die zulässigen mathematische Operationen Skalenart Mögliche Aussagen Beispiele Nominalskala Ordinalskala Intervallskala (metrische Skala) Gleichheit Verschiedenheit = # größer-kleiner Relationen = # < > Gleichheit von Differenzen = # < > + - Krankheitsklassifikationen Religionszugehörigkeit Rangordnung nach Dienstgrad Windstärken Temperatur (Celsius) ===== Methodologie: Messen, Skalen, Latente Variablen ===============Folie 10

11 Latente Variablen, manifeste Variablen Theoretische Begriffe sind nicht direkt beobachtbar, ebenso können sozialwissenschaftlich interessante Variablen meist nicht direkt gemessen werden. Problembearbeitung: Operationalisierung und Suche nach Indikatoren (empirisch beobachtbare, manifeste Variablen) 1. Raum der latenten Variablen 2. Raum der manifesten Variablen 3. Meßfehler Manifeste Variable 1 Persönlichkeitstest Manifeste Variable 2 Beobachtetes Verhalten in der Familie Latente Variable "Autoritärer Charakter" Manifeste Variable 3 Beobachtetes Verhalten am Arbeitsplatz ===== Methodologie: Messen, Skalen, Latente Variablen ===============Folie 11

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