Mobile IT-gestützte Arbeit

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1 Mobile IT-gestützte Arbeit 20. Angestelltenkonferenz der IG Metall Willingen , Workshop 1

2 Agenda 1. Mobilität in der Arbeitswelt 2. Kontext und Bedingungen 3. Folgen für Beschäftigte 4. Handlungsfelder für BR und PR 2

3 Definition mobile Arbeit Mobil ist Arbeit dann, wenn mindestens 10 Stunden pro Woche an einem anderen Ort als der zentralen Betriebsstätte oder der Wohnung gearbeitet wird und hierbei online- Datenübertragung benutzt wird. (Ecatt-Norm Electronic Commerce and Telework Trends) mindestens 20 % der Arbeitszeit außerhalb der Arbeitsstätte und oder in eigener Wohnung erbracht wird und Dienstreisen eine zentrale Rolle spielen. (Kesselring 2012) 3

4 Definition mobile Arbeit Mobilität der Arbeitsinhalte Arbeit Zuhause Reine Telearbeit Alternierende Telearbeit Home Office Mobilität der Menschen Arbeit außerhalb des Unternehmens beim Kunden an verschiedenen Standorten Mobile Telearbeit - Arbeiten unterwegs Im Hotel, im Zug, in der Lobby. Auf dem Weg zum Kunden Quelle: Vogl/Nies 2013, Mobile Arbeit 4

5 Verbreitung mobile IT-Nutzung Computernutzung in d. Arbeitswelt: % aller AN Ausstattung mit mobilen Endgeräten: 54 % der Unternehmen mit > 10 AN Ausstattung mit mobilen Endgeräten: 91 % der Unternehmen mit > 250 AN (stat. Bund. 2012) 55 % aller Bürgerinnen und Bürger haben Smartphones (bitkom 2014) 87 % der 18-25jährigen sind ständig erreichbar; 28 % über alle Altersgruppen hinweg (TKK 2014) Home Office: 5 Mio. Erwerbstätige, 2,7 Mio./ 8 % abhängig beschäftigte AN (DIW 2014) 5 Dr. Manuela Maschke - Archiv Betriebliche Vereinbarungen

6 Verbreitung Home Office Wer von den AN arbeitet Zuhause? 6 % nur gelegentlich 1,6 % überwiegend sehr Berufsabhängig, vor allem hoch Qualifizierte mehr im öffentlichen Dienst als in der PW Kaum Unterschiede zwischen Frauen u Männern Kinder im HH offenbar führen kaum zu Unterschieden Gegenläufiger Trend in der EU! Z.B. Niederlande Quelle: DIW 8/ Dr. Manuela Maschke - Archiv Betriebliche Vereinbarungen

7 Agenda 1. Mobilität in der Arbeitswelt 2. Kontext und Bedingungen 3. Folgen für Beschäftigte 4. Handlungsfelder für BR und PR 7

8 Treiber für Mobilität Flexibel (entgrenzte) Beschäftigte Befristung Werkverträge Leiharbeit Abrufarbeit etc Cloudwork Wertschöpfung Restrukturierung Outsourcing Shared Services Flexibel (entgrenzt) organisierte Unternehmen Zug, Flug Web 2.0 Logistik Industrie 4.0 Physische Verkehrsinfrastruktur Digitalisierung Vernetzung IKT-Innovationen 8

9 Konkrete Bedingungen bei mobiler Arbeit Einzelarbeit: mehr Entscheidungsspielraum, weniger Einbindung ins Unternehmen Arbeiten unterwegs: mehr Koordinationsaufwand, abhängig von funktionsfähiger mobiler Technik Arbeit an wechselnden Standorten: häufig wechselnde Situationen, Umgebungen und Akteure Arbeitszeit, Lage und Dauer: flexibel, selbstbestimmt, entgrenzt, aber auch planbar? 9 Kommunikation: digital, virtuell, aber auch ständig erreichbar?

10 Was ändert sich am Arbeitsplatz? U.a.: Kommunikation: Internet, , Social Software, mobile Endgeräte, Telefonie, Videokonferenz, etc. Arbeitsorganisation: (virtuelle) Zusammenarbeit im Projektteam, Arbeit in der Cloud, verdichtete Arbeitsabläufe, digitalisierte Produktions- und Dienstleistungssysteme Flüssiger Arbeitsort und flüssige Arbeitszeit: im Zug, zu Hause, immer und überall 10

11 Was ändert sich in der Arbeitswelt? Arbeitskraftunternehmer (Voß/Pongratz 1998) Zweckgerichtete Vermarktung eigener Fähigkeiten und Leistungen (Selbst-Ökonomisierung) Durchorganisierung von Alltag & Leben Verbetrieblichung der Lebensführung (Selbst-Rationalisierung) Selbstständige Planung, Steuerung und Überwachung eigener Tätigkeiten (Selbst-Kontrolle) Selbstrationalisierung der Beschäftigten und Selbstmanagement von Überlastung (Kratzer 2003) ArbeitskraftmanagerIn: Koordinierung von Arbeit & Leben bewältigen, weil zusätzliche Verdichtung im Leben (Winker/Carstensen 2007) System permanenter Bewährung (Boes/Bultemeier 2008; Neckel/Wagner 2014 Indirekte, ergebnisorientierte Unternehmenssteuerung (flexible Arbeitszeit, Leistungsentgelt, Zielvereinbarungen)

12 Agenda 1. Mobilität in der Arbeitswelt 2. Kontext und Bedingungen 3. Folgen für Beschäftigte 4. Handlungsfelder für BR und PR 12

13 Befragungen: TKK

14 Befragungen: DGB-Index 2012 Quelle: Arbeitsintensivierung, Leistungsverdichtung, DGB-Index Gute Arbeit 2012 Die Arbeitsintensität ist für vier Fünftel der Beschäftigten in Deutschland weiter gestiegen für insgesamt mehr als die Hälfte sogar in beträchtlichem Ausmaß. 14

15 15

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18 Ergonomie mobile Endgeräte Quelle: Paridon/Hupke

19 19 Dr. Manuela Maschke - Archiv Betriebliche Vereinbarungen Da

20 Folgen für Beschäftigte Arbeitsverdichtung (mehr), Rationalisierung (weniger AN) und Beschleunigung (schneller) Intensivierung der Arbeit: mehr Leistungserwartung, Leistungsverdichtung und mehr Verantwortung, Selbstgefährdung (?) Entgrenzung: permanente Erreichbarkeit und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben; Entgrenzung von Unternehmen- mehr Unsicherheit Arbeitsinhalte und autonomie: mehr Anforderungen an Selbststeuerung, mehr Eigenverantwortung, breiteres Aufgabenspektrum (Quelle: Hauff/Kirchner 2013, ZfS; Carstensen 2015 WSI) 20

21 Gesundheitspotenziale und -belastungen Mögliche Potenziale: Mehr Autonomie Vielfältige Anforderungen Vielfältige Kontakte Flexibler Raum und Zeit Lernen und sich entwickeln können Mögliche Belastungen: Hohe Verantwortung Hohe Anforderungen an Selbstmanagement Koordinierungsdruck Informationsdefizite Mang. Unterstützung Zeitmangel Technikstress 21

22 Agenda 1. Mobilität in der Arbeitswelt 2. Kontext und Bedingungen 3. Folgen für Beschäftigte 4. Handlungsfelder für BR und PR 22

23 Handlungsfelder BR/PR Arbeitszeit: Lage, Verteilung und Dauer, Rufbereitschaft, Arbeitszeitkonten, work-life-balance, Reisezeiten, Zeitausgleiche, Mehrarbeit (an)erkennen Arbeitsorganisation: Abwesenheiten regeln, Arbeitsort, Arbeitsabläufe/Prozesse, Zeitmanagement, Umgang mit Privatnutzung von Geräten und Internet Arbeits- und Gesundheitsschutz: Gefährdungsbeurteilung, Überlastanzeige, Ergonomie, Verhaltens- und Verhältnisprävention Kompetenzentwicklung, Weiterbildung Beteiligung von Beschäftigten: Wer braucht was? Personalstärke, -planung 23

24 Beispiele, Bandbreiten Bosch: z.b. Anspruch, wenn Tätigkeit es zulässt, aber Freiwilligkeit (ausführlich von Helmut) BMW: z.b. Mobilarbeitsführerschein, freiwilliges Aufschreiben der Arbeitszeit, nicht tageszeitgenau, aber Dauer, Recht auf Reaktionszeit und Nichterreichbarkeit Daimler: z.b. Urlaubsabwesenheitsagent: Abwesenheitsmeldung, Stellvertreter benennen, Alternativ: vom Server löschen VW 2011: Keine Smartphone-Funktionen außerhalb der Gleitzeit, individuelle Ausnahmen, Kontrolle durch Mitbestimmung über das was passiert Im Kontext: flexible Arbeitszeitmodelle, Arbeitszeiterfassung, Konfliktregelungen, Mitbestimmung! 24

25 O-Töne Führungskräfte Erreichbarkeitskodex: "Niemand, der über einen mobilen Zugang und ein Handy verfügt, ist außerhalb der individuellen Arbeitszeit verpflichtet, diese zu nutzen. Eine Selbstausbeutung der Beschäftigten soll vermieden werden. (BMAS) Wir wollen kein plattes Mail-Verbot Man kann jemanden auch über andere Kanäle kontaktieren. Ich arbeite oft sonntagabends, weil ich nicht gern Tatort schaue. (Allianz) 25

26 Was wird eigentlich verhandelt? Leistungspolitik neu justieren Arbeit verdichten, Betriebsnutzung optimieren / flexibel gestalten Qualität der Arbeitsbedingungen Raum Zeit - Entgelt Personal flexibel einsetzen Vereinbarkeit Beruf und Privatleben = Zeitsouveränität AZ flexibilisieren Freiraum zum gestalten und handeln Personalkosten reduzieren (unbez. Mehrarbeit) Gesundheitsschutz 26

27 Einige wichtige Betriebsvereinbarungen zum Thema mobil arbeiten Datenschutz und IKT-Rahmen Dienstreisen Flexible Arbeitszeiten und Mehrarbeit Gefährdungsbeurteilungen Home Office Mobile Endgeräte Vereinbarkeit Beruf und Privatleben Zielvereinbarungen Was ist kompromissfähig zwischen AG und BR? Wie können Selbstbestimmung von Beschäftigten und Schutz durch BR verbunden werden? Wer braucht Schutz? Wer kann gestalten? 27

28 Vielen Dank für dein Interesse. Wir unterstützen gerne bei Bedarf. 28

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