Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte. L Grundlagen und beispielhafte Auswertung

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1 Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg Bodenschutz 20 Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte L Grundlagen und beispielhafte Auswertung

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3 Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte L Grundlagen und beispielhafte Auswertung

4 IMPRESSUM Herausgeber LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg Postfach , Karlsruhe, Regierungspräsidium Freiburg, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) Freiburg Bearbeitung Dr. Frank Waldmann, LGRB, Manfred Lehle, LUBW und Dieter Wolf, Landratsamt Karlsruhe auf der Grundlage einer Studie von Rainer Gryschko, Jörg Schneider, regioplus, Stuttgart RedaktioN LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg Referat 22 Boden Regierungspräsidium Freiburg, Abteilung 9, LGRB BezuG Die Broschüre ist kostenlos erhältlich bei der LUBW JVA Mannheim Druckerei Herzogriedstr. 111, Mannheim Telefax 0621/ Download unter: ISBN Bildnachweis LGRB (Titel, großes Bild, Abb. 1, Abb. 2 oben, Abb. 8, Abb. 9), Linnenbach (Titel, Bild oben rechts, Abb. 2 [2.] von oben), Schneider (Titel, Bild Mitte), Burgmeier (Titel, Bild unten), Steinmetz (Abb. 2, [3.] v. oben), Schöttle (Abb. 2, unten), LUBW (Abb. 3, Abb. 4), Lang (Abb. 5, Abb. 6), von Rüden (Abb. 7) Stand Dezember 2008, 1. Auflage DRUCK SchwaGeDruck, Rheinstetten Gedruckt auf Recyclingpapier Nachdruck auch auszugsweise ist nur mit Zustimmung des Herausgebers unter Quellangabe und Überlassung von Beleg exemplaren gestattet.

5 INhaltsverzeichnis Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte 7 Naturgeschichtliche Urkunde Bodengenese 8 Paläoböden 8 Holozäne Bodenbildungen 8 Naturgeschichtliche Urkunde Ausgangsgesteine, Landschaftsgeschichte, Geotope 10 Ausgangsgesteine 10 Landschaftsgeschichte 10 Geotope 11 Natur- und kulturgeschichtliche Urkunde Informationswert Boden 12 Bodenmessnetze 12 Moore 13 Kulturgeschichtliche Urkunde 14 Schutzbedarf für Bodenarchive 15 Auswertungsbeispiel Region Stuttgart 16 Literatur 19

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7 Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte Wie in einer Urkunde sind in Böden deren Entstehungsgeschichte, die Landschaftsgeschichte oder die Kulturgeschichte dokumentiert. Ausgangsgestein, Klima, Nutzung der Böden und andere Einflüsse haben vielfältige Spuren hinterlassen, die im Bodenarchiv als Urkunden der Natur- und Kulturgeschichte gespeichert werden. Geologische Aufschlüsse sind Zeitfenster und zeugen durch Gesteinszusammensetzung und zeitliche Abfolge der Sedimentschichten von der Entstehungsgeschichte der Landoberfläche und der Landschaft. Die bedeutendsten Aufschlüsse und Landschaftsformen werden als Geotope bezeichnet und katalogisiert. Fossilien und Mineralien und deren Fundorte geben Einblicke in die Landschaftsentwicklung ebenso gilt dies für landschaftsprägende morphologische Elemente. Auch Spuren der kulturellen Entwicklung können in Böden verborgen sein oder ihnen ihre heutige Gestalt geben. Dann sind diese Böden Archive der Kulturgeschichte. Nach den 1 und 2 Bundesbodenschutzgesetz (BBod- SchG) sind Böden auch zum Schutz der Funktionen als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte vor Beeinträchtigungen zu schützen. Planungsvorhaben, die mit Änderungen der Bodennutzung verbunden sind, können diese Archive in ihrem Bestand gefährden. Dabei umfasst Boden nach BBodSchG die gesamte obere Schicht der Erdkruste, soweit sie Träger von Bodenfunktionen ist. Somit geht der gesetzliche Begriff des Bodens über den rein bodenkundlichen Bereich hinaus und schließt auch erd- und naturgeschichtliche Bildungen mit ein. Die vorliegende Broschüre konkretisiert diese Archive für die Böden im Land Baden-Württemberg und soll Planer, Kommunen, Behörden und Verfahrensträger bei ihrem Bemühen um einen sorgsamen Umgang mit Böden unterstützen. Für die Archivfunktion sind Ausprägung, Aufbau, Zustand oder Inhalt von Böden oder Gesteinsabfolgen wertgebend, wenn diese selten vorkommen, Besonderheiten enthalten oder von herausragendem wissenschaftlichem, landschaftsgeschichtlichem oder kulturellem Interesse sind. Ein Sonderfall sind die Standorte der Bodenmessnetze, an denen über lange Zeiträume Untersuchungen zu Zustand und zur Veränderung der Stoffzusammensetzung in Böden durchgeführt werden. Die Archive der Natur- und Kulturgeschichte von Böden lassen sich nach ihren wertgebenden Eigenschaften in fünf Gruppen unterteilen (Tab. 1). Sie werden auf den folgenden Seiten näher erläutert und beschrieben. Die Auswahl der in dieser Broschüre vorgestellten Bodenarchive stützt sich auf Auswertungen vorhandener Kartenunterlagen und bestehender Kataster zu Geotopen, Messnetzstandorten, archäologischen und paläontologischen Fundstellen sowie auf Expertenwissen. Eine Zusammenstellung der ausgewerteten Unterlagen findet sich auf S. 19. Tab. 1: Unterteilung des Archivs der Natur- und Kulturgeschichte der Böden Archive wertgebende Eigenschaft Fallbeispiele Naturgeschichte besondere Bedeutung für die Bodengenese reliktische bodengenetische Prozesse (z. B. Tschernosembildung) regionale oder überregionale Seltenheit einer Bodenform stark versauerte oder stark vernässte Böden in Karstlandschaften Natur- und Kulturgeschichte besondere Bedeutung für die Erd- und Landschaftsgeschichte, Geologie, Mineralogie oder Paläontologie hoher Informationswert für Bodenkunde, Bodenschutz und Landschaftsgeschichte ältere (pliozäne, altleistozäne) Flussablagerung Endmoränen der Schwarzwaldvereisung Standorte von Bodenmessnetzen Moore Kulturgeschichte Besonderheit der Siedlungs- und Landnutzungsgeschichte Urkunden historischer Agrarkulturtechniken (z. B. Wölbäcker) überdeckte Urkunden kultureller Entwicklung (z. B. Siedlungsreste, Limes) LUBW Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte 7

8 Naturgeschichtliche Urkunde Bodengenese Die meisten unserer heutigen Böden sind in den letzten Jahren nach der letzten landschaftsbildenden Eiszeit, also in archäologischen Zeiträumen (Jahrtausende) entstanden. Zu ihnen gehören z. B. die in Baden-Württemberg sehr weit verbreiteten Parabraunerden sowie die tonreichen Pelosole. Junge Böden, die sich in historischen Zeiträumen, d. h. in Jahrhunderten bildeten, sind meist gering entwickelte A-C Profile wie Ranker, Pararendzinen oder durch menschliche Nutzung geprägte Podsole. Selten treten in Baden-Württemberg aber auch Böden mit einer Entwicklungsphase von einigen hunderttausend Jahren bis Jahrmillionen auf. Ein Bodentyp dieser geologischen Zeiträume ist die Terra rossa. warmzeitlichen Bodenbildungen erhalten sein (Abb. 1, oben). In Verbindung mit verschiedenen Datierungsmethoden sind Landschaftsgeschichte und Klimaentwicklungen aus ihnen rekonstruierbar. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Terra fusca wird die Terra rossa wegen ihres kleinräumigen Vorkommens als Zeugnis alter Bodenbildungen (Tertiär und Pleistozän) in die Liste aufgenommen (Tab. 2). Die leuchtend rote Färbung im Bodenprofil zeugt von subtropischem Klima während der Bodenbildung (Abb. 1, links unten). Dabei bildete sich im Kalksteinverwitterungslehm das intensiv rot gefärbte Eisenoxid Hämatit. Der Beurteilung eines Bodens als Archiv der Naturgeschichte liegt die Betrachtung von Seltenheit in Kombination mit Besonderheit zu Grunde. Thematisch sind die Besonderheiten in bodengenetische Aspekte, Ausgangsmaterial und Landschaftsgeschichte unterteilbar. Dabei ist eine rein statistische Bewertung der Verbreitung einzelner Bodenformen nicht zielführend. Paläoböden Paläoböden sind Bodenbildungen, die vor Ende der letzten Eiszeit, also unter anderen Klimabedingungen als heute, entstanden sind. Sie stellen damit wichtige Archive erdgeschichtlicher Entwicklungsphasen dar. Paläoböden sind als fossile Böden durch Sedimente überdeckt oder liegen als reliktische Böden an der heutigen Bodenoberfläche, wobei die ursprünglichen Eigenschaften nur dann weitgehend bewahrt sind, wenn die Böden von Bodenmaterial in hinreichender Mächtigkeit überlagert wurden. Für die Wertigkeit der Paläoböden als Archiv der Naturgeschichte sind Seltenheit des Vorkommens, Alter, Erhaltungs- und Ausprägungszustand sowie wissenschaftliche Bedeutung maßgeblich. Bei mächtigen, während mehrerer Kaltzeiten abgelagerten Lösssedimenten können Reste der dazwischen liegenden Holozäne Bodenbildungen Diese Gruppe umfasst die mineralischen Böden, die sich im Holozän also nach Ende der letzten Eiszeit gebildet haben. Da Paläoböden sehr selten an der Bodenoberfläche anstehen, nehmen holozäne Böden fast die gesamte Landesoberfläche ein. Als Urkunden der Naturgeschichte gelten aus dieser Gruppe Böden, die selten vorkommen und besondere bodengenetische Merkmale aufweisen. Zusätzlich werden hier Böden mit erfasst, deren regionale bzw. überregionale Vorkommen hervorzuheben sind. Dies trifft z. B. auf stark versauerte Böden in Karstlandschaften oder auf die nur wenige Hektar großen Löss-Parabraunerde-Reste im Kaiserstuhl zu. Sämtliche sonstige Lössflächen im Kaiserstuhl werden von stark erodierten (Pararendzinen) oder stark veränderten Lössböden (Rigosole, Auftragsböden) eingenommen. Besondere Bodenprozesse stehen bei Lockerbraunerden, Vertisol-Pelosolen, Bändchenstaupodsolen und den terrestrischen Böden mit Humusanreicherung im Unterboden (Humusbraunerden, Schwarzerden) im Vordergrund. Prozesse des landschaftlichen Stoffhaushalts dokumentieren in besonderem Maße z. B. die Ockererden und die Kalkanmoorgleye. Die bodenkundlich nur sehr gering entwickelten Rohböden (Syrosem und Lockersyrosem) werden nicht als Archivböden geführt. Einerseits sind sie 8 Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte LUBW

9 i. d. R. das Ergebnis einer äußerst starken Bodenerosion, andererseits gehören sie zu den wenigen Bodentypen, die sich im Gegensatz zu fast allen anderen Böden innerhalb weniger Jahrzehnte reproduzieren lassen. Von besonderem Interesse sind auch Böden mit Zeit- und Klimamarken für einzelne Phasen des Holozäns. Man bezeichnet solche Böden holozänen Ursprungs mit Merkmalen nicht aktueller Bodenbildungsprozesse als holozäne Reliktböden. Zu diesen Böden zählen z. B. die Schwarzerden, die als Relikte des Boreals (8.200 bis v. Chr.) angesehen werden und deren Vorkommen in Baden- Württemberg auf wenige Gebiete beschränkt ist, so z. B. auf das Gebiet der würmeiszeitlichen Terrasse der Donau bei Langenau östlich von Ulm. Einige der in Tabelle 2 aufgeführten Böden sind landesweit sehr selten, nehmen regional jedoch große Flächen ein. Dies trifft z. B. für die Bändchenstaupodsole (Abb. 1 rechts) im Nord- und für die Humusbraunerden im Südschwarzwald zu. Dies zeigt die Notwendigkeit sowohl die Schutzwürdigkeit als auch den Schutzbedarf zu betrachten (S. 15). Abb. 1: Lössprofil bei Riegel am Kaiserstuhl (oben); Terra rossa (Rotlehm) auf der Ostalb (unten links) und Bändchenstaupodsol in den Hochlagen des Nordschwarzwaldes (unten rechts). Tab. 2: Landesweite Übersicht der Typen von Archivböden Bodengenese Bodentyp Merkmal Verbreitungen Paläoböden Terra rossa, fersiallitische und ferrallitische Böden Bodenbildungen früherer erdgeschichtlicher Epochen kleinräumige Vorkommen, z. B. Rotlehm auf der Ostalb, Weißlehm aus kaolinitisiertem Porphyr bei Baden-Baden fossile Parabraunerde zwischeneiszeitliche Bodenbildungen am Kaiserstuhl holozäne Bodenbildungen (einschließlich holozäner Reliktböden) Kalkanmoorgley rezente Kalkausfällung meist kleinräumige Vorkommen in Tälern der Karstlandschaften und im Jungmoränengebiet Moorstagnogley, Moorgley, Anmoorgley stark vernässte Stau- und Grundwasserböden mit beginnender Torfbildung meist kleinräumige Vorkommen, z. B. im Nordschwarzwald und in Oberschwaben Bändchenpodsol, Bändchenstagnogley extreme Podsolierung bzw. Staunässe Vorkommen nur in den Hochlagen des Nordschwarzwalds, dort z. T. größere Flächen einnehmend Ockererde laterale Stoffzufuhr meist kleinräumige Vorkommen im Schwarzwald Schwarzerde (Tschernosem) Humusbraunerde Humusanreicherung, reliktische Bodenbildung Humusanreicherung im Unterboden, Lebensraum des Regenwurms lumbricus badensis kleines Einzelvorkommen im Kaiserstuhl und auf Donauterrassen bei Ulm, Übergangsformen (Subtypen) z. B. bei Stuttgart, kleinflächig auf älteren Rheinterassen bei Mannheim größere Flächen im hochmontanen Bereich des Südschwarzwalds Lockerbraunerde Bodenstruktur (Andosolcharakter) Schwarzwald Vertisol-Pelosol Bodenstruktur kleinräumige Vorkommen, z. B. im Gipskeuper LUBW Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte 9

10 Naturgeschichtliche Urkunde Ausgangsgesteine, Landschaftsgeschichte, Geotope Ausgangsgesteine Das Ausgangsmaterial der Bodenbildung, d. h. der Festoder Lockergesteinsuntergrund und dessen Umlagerungsbildungen, spielt neben den bodengenetischen Prozessen für die Bodeneigenschaften und -kennzeichnungen eine wichtige Rolle. Die aus den in Tab. 3 aufgeführten Ausgangsmaterialien entstandenen Bodenbildungen weisen einen von der Norm wesentlich abweichenden Stoffoder Spurenelementbestand auf oder sind gekennzeichnet durch besondere Minerale, die z. B. durch Tonmineralneubildung entstanden sind. Landschaftsgeschichte Bei morphologischen Landschaftselementen wie Dünen, Dolinen, Drumlins, Toteislöchern und Karen werden nur die markantesten als naturgeschichtliche Urkunde eingestuft. Diese sind bereits als Geotop klassifiziert und werden über die Einbeziehung der Geotope in die Bodenarchivliste aufgenommen. Eine Ausnahme stellen die Endmoränen der Schwarzwaldvereisung im Südschwarzwald dar. Ihrer geringen Anzahl, kleinräumigen Ausdehnung und wenig spektakulären Form steht eine hohe landschafts- und klimageschichtliche Bedeutung gegenüber. Ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit zeigt eine Anwendung der Bodenarchivbewertung: Bei der Anlage eines Golfplatzes im Südschwarzwald wurde eine Endmoräne (als Bodenarchiv) von den ursprünglich geplanten Geländemodellierungen und Erdarbeiten ausgenommen. Für die jüngere Landschaftsgeschichte sind neben den glazialen v. a. die fluviatilen Prozesse von besonderer Bedeutung. Im Gegensatz zu den große Flächen einnehmenden Glazialsedimenten sind die fluviatilen Sedimente, mit Ausnahme der würmzeitlichen Terrassen und Schot- Tab. 3: Landesweite Übersicht der Typen von Archivböden Ausgangsgesteine und Landschaftsgeschichte Spezielle Ausgangssubstrate der Bodenbildung basische und ultrabasische Magmatite und Metamorphite (z. B. Amphibolite, Serpentinite) Verbreitung Kleinstvorkommen im mittleren und südlichen Schwarzwald eisenreiche Sedimentgesteine (z. B. Ostreenkalke im Mitteljura) meist kleinere Vorkommen im Albvorland; typische Böden: ferritische Braunerden Vulkanite (Basalte und Tuffe) Kalktuffe, Seekreide und Mudde Bohnerzton Spezielle landschaftsprägende morphologische Elemente und Landschaftsgeschichte alpine Moränen im Südschwarzwald und im Alb-Wutach- Gebiet Endmoränen der Schwarzwaldvereisung ältere (pliozäne, pleistozäne) Flussablagerungen kleinere Vorkommen im Hegau, Kaiserstuhl und im östlichen Albvorland Kleinstvorkommen Kleinstvorkommen Verbreitung meist kleinere Vorkommen im südlichen Hotzenwald und im südlichen Alb- Wutach-Gebiet kleinere Vorkommen im Südschwarzwald meist kleinere Vorkommen in verschiedenen Landesteilen, z. B Goldshöfer Sande jüngere (holozäne) Flussterrassen holozäne Flugsande Grabungsschutzgebiet Fossilfundstellen im Rhein-, Neckar- und Donautal nördliche Oberrheinebene Verbreitung im Umfeld besonderer paläontologischer Fundstellen 10 Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte LUBW

11 terfluren, meist nur kleinräumig anzutreffen. Sie werden deshalb häufig mit Lokalnamen (z. B. Goldshöfer Sande, Kiessande von Mauer a. d. Elsenz, Heuberg-Schotter) oder beschreibenden Bezeichnungen (z. B. Höhenschotter) belegt. Ihre Entstehung geht verbreitet auf das Pleistozän oder Pliozän zurück. Geotope Geotope sind erdgeschichtliche Bildungen der unbelebten Natur, die Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde oder des Lebens vermitteln (Schöttle, LfU, 2002). Sie umfassen natürliche (z. B. Felsen und Felswände) und künstliche (z. B. aufgelassene Kiesgruben) Aufschlüsse von Gesteinen, Fundorte von Mineralen und Fossilien sowie einzelne Naturschöpfungen wie z. B. Kalktuffablagerungen oder natürliche schützenswerte Landformen wie Drumlins oder Dolinen. Geotope vermitteln Erkenntnisse und Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Erde und des Lebens sowie die Klima- und Umweltbedingungen der Vergangenheit. Sie sind damit wichtige Zeugnisse und Urkunden der Landschaftsentwicklung. Viele bedeutende Aufschlüsse und Landschaftsformen sind nach 31 NatSchG (Naturschutzgesetz) geschützt und katalogisiert. Schutzwürdig sind darüber hinaus weitere Geotope, die sich ebenfalls durch ihre besondere erdgeschichtliche Bedeutung, Seltenheit, Eigenart oder Schönheit auszeichnen, jedoch noch keinen rechtswirksamen Schutzstatus besitzen. Für Wissenschaft, Forschung und Lehre sowie für Natur- und Heimatkunde sind auch sie Dokumente von besonderem Wert. Insgesamt sind in Baden-Württemberg über Geotope aufgenommen, katalogisiert und beschrieben. Von diesen Geotopen stehen über 45 % bereits als Naturdenkmale oder wegen der Lage in Naturschutzgebieten unter Schutz. Abb. 2: Endmoräne der Schwarzwaldvereisung bei St. Blasien (oben) Sandhausener Düne, eine Binnendüne aus Flugsand im Nördlichen Oberrheintal (2. von oben) Orgelfelsen bei Gernsbach, durch Erosion freigelegte Felsgruppe aus Granit mit senkrechter Klüftung (3. von oben) Kesselgrotte bei Langenburg; eine landschaftstypische Hohlkehlenbildung im Oberen Stubensandstein (unten) LUBW Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte 11

12 Natur- und kulturgeschichtliche Urkunde Informationswert Boden Bodenmessnetze Wirtschaftliche Tätigkeiten haben das Potenzial, Böden nachteilig zu verändern. Dies betrifft einerseits die stoffliche Zusammensetzung der Böden, etwa verursacht durch Stoffeinträge aus Emissionen und landwirtschaftlicher Nutzung, zum anderen sind Böden aber auch in ihrer Struktur gefährdet, etwa durch Erosion und Verdichtung. Um Auswirkungen auf Böden frühzeitig erkennen und erfassen zu können, wurden landesweit Messnetze mit Bodenbezug eingerichtet (Tab. 4), die inzwischen weitgehend in nationale und internationale Monitoringprogramme eingebunden sind (Abb. 4). Verglichen mit den Umweltmedien Luft und Wasser verhalten sich Böden naturgemäß weniger dynamisch. Aus diesem Grunde wurden die entsprechenden Monitoringprogramme langfristig angelegt. Ein großer Teil der Untersuchungen ist beispielsweise unbedingt von einer ortstreuen Wiederbeprobung in definierten Zeitabständen abhängig. Der Wert eines solchen Standortes steigt dabei mit der Länge der verfügbaren Untersuchungszeitreihe. Ein Standortverlust beendet i. d. R. die Fortführung der Zeitreihen und entwertet damit auch die in der Vergangenheit bereits erhobenen Daten. Abb. 3: Boden-Dauerbeobachtungsfläche Lindenhof auf der Schwäbischen Alb Abb. 4: Standorte der relevanten Messnetze in Nordbaden Tab. 4: Messnetze mit Bodenbezug in Baden-Württemberg Messnetz Aufgaben Anzahl Boden-Dauerbeobachtungsflächen Diese Standorte sind von großem wissenschaftlichem Interesse für die bodenkundliche Forschung und den Bodenschutz und von hohem Informationswert für das Umweltmonitoring. Die geogene Stoffzusammensetzung und die Stoffbestandsänderungen im Boden aufgrund anthropogener Stoffeinträge über die Luft oder durch Bewirtschaftungsmaßnahmen spiegeln sowohl den natur- als auch den kulturgeschichtlichen Aspekt wider. Die Messnetzstandorte können bei der LUBW und der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg abgerufen werden. Grundmessnetz Basismessnetz Intensivmessnetz Bereitstellung von Hintergrundinformationen zu Böden für landesspezifische Fragen Zustandsbeschreibung der Böden nach bundeseinheitlichen Vorgaben Untersuchung von Ursache-Wirkungs-Beziehungen in Böden an exponierten Standorten Ökologisches Wirkungskataster Intensiv-(u. Extensiv) messnetz Bioindikatorische Untersuchungen mittels Bodentieren Bodenzustandserhebung im Wald Bodenzustandserhebung Stoffflussmessnetz Erfassung des bodenchemischen Zustands von Waldböden Untersuchung von Ursache-Wirkungsbeziehung und Stoffbilanzen an ausgewählten Waldstandorten (+30) Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte LUBW

13 Moore Moore bestehen zu einem wesentlichen Teil aus Torf, der mindestens 30 cm mächtig ist. Torf besteht zu mindestens 30 % aus nicht oder unvollständig zersetzter abgestorbener organischer Substanz. Torfe entstehen, wenn der mikrobielle Abbau der organischen Substanz wegen ständig hohem Wasserstand und dadurch bedingter Sauerstoffarmut stark gehemmt ist. Niedermoore gilt dabei, dass eine ausreichende Mächtigkeit des Torfes (> 80 cm) und ein hinreichend guter Erhaltungszustand (< Zersetzungsstufe 4) vorliegen muss. In den Resten der standortsabhängigen Pflanzengesellschaften, wie Pollen, Sporen, Samen und sonstigen Teilen von Pflanzen, spiegeln sich in Mooren bzw. Torfen die klimatischen Bedingungen und die Nährstoffversorgung während ihres Wachstums wider. Die Schichtenfolge der organischen Reste in Torfen ist also eine Geschichte von Pflanzengesellschaften und damit eine Urkunde zur Klima- und Vegetationsgeschichte eines Moores und seiner Umgebung. Wo Menschen in Landschaften eingegriffen haben, sei es durch Veränderungen der Vegetation oder des Wasserhaushaltes, wurde die Torfzusammensetzung z. B. auch durch Staubeinwehung aus den umliegenden Ackerflächen beeinflusst. Dadurch sind Torfe auch Urkunden der Kulturgeschichte einer Landschaft. Von kleineren Vorkommen abgesehen, finden sich Moore hauptsächlich in Oberschwaben, im Donauried, auf der Baar, im Schwarzwald und im Oberrheingebiet. Überall dort sind jedoch durch Entwässerung und anschließende Kultivierung oder Abtorfung bereits große Mooranteile verloren gegangen. Abb. 5 Offene Schlenkenfläche im Scheibenlechtenmoos bei Menzenschwand Holozän/Postglazial Spätglazial Jahr Baumpollen/ Nicht-Baumpollen Hanf Getreide Spitzwegerich Walnuss Esskastanie Hainbuche Fichte Tanne Die am weitesten verbreitete Methode zur Auswertung von Mooren als Archive der Natur- und Kulturgeschichte stellt die Pollenanalyse dar (Abb. 6). Geochemische Analysen an Torfen werden dagegen seltener, Untersuchungen von Großresten in Profilen in den letzten Jahren häufiger durchgeführt. Letzteres eröffnet damit auch die Möglichkeit, die Trophieverhältnisse der Vergangenheit zu rekonstruieren. Rotbuche Erle Esche Linde Eiche Hasel Kiefer % Torfwachstum und -zusammensetzung können kleinräumig, vor allem aber zwischen verschiedenen Mooren, wegen unterschiedlicher Wachstums- und Umgebungsbedingungen stark voneinander abweichen. Moore sind deshalb als Archive grundsätzlich schutzbedürftig. Für Birke Weide Wacholder Abb. 6: Pollendiagramm vom Scheibenlechtenmoos bei Menzenschwand. Histogramm mit Mittelwerten von Gehölzpollen und Pollen einiger Siedlungszeiger für Zeitabschnitte von jeweils 500 Jahren (verändert nach LANG, 2005) LUBW Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte 13

14 Kulturgeschichtliche Urkunde Kulturgeschichtliche Urkunden erlauben uns den Blick zurück in die Geschichte unserer Vorfahren. Gerade auch in Böden haben sich Spuren aus der Vergangenheit erhalten. Oft sind die Hinterlassenschaften in und auf den Böden die einzigen Zeugen der Ur- und Frühgeschichte. Dieses Archiv unter unseren Füßen gilt es zu würdigen und zu erhalten. Bei kulturgeschichtlichen Urkunden handelt es sich einerseits um archäologische Fundstellen von Bedeutung für die Menschheitsgeschichte und andererseits um Zeugnisse historischer Nutzungsformen, die eindeutige Spuren hinterlassen haben. (Tab. 5 und Abb. 7). Bodendenkmale (im archäologischen Sinn) umfassen unter und auf der heutigen Erdoberfläche liegende Fundorte von Siedlungsresten, Gräberfeldern, Befestigungsanlagen und Verkehrswegen aus allen Epochen der Menschheitsgeschichte. Hierzu zählen z. B. der Obergermanisch-Rätische Limes in Süddeutschland, seit 2005 auch Weltkulturerbe, oder der Magdalenenberg bei Villingen- Schwenningen, ein eisenzeitliches Fürstengrab. B. kann an Erdmaterial, das bei der Anlage des römischen Limes aufgeschüttet wurde, die seit 2000 Jahren ablaufende Verwitterung und Bodenbildung beobachtet und quantifiziert werden (Bleich et al. 1987, S. 127 ff). Bodenerosion und starke Entwässerung in Feuchtbodenarealen, meist in Zusammenhang mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung, kann den Bestand der Bodendenkmäler gefährden. Deshalb sind neben der Erkundung der Lebensräume unserer Vorfahren im Umfeld der Fundstellen auch Maßnahmen zur Verhinderung von Nutzungsfolgeschäden eine wichtige Ergänzung zum Denkmalschutz. Bei den historischen Nutzungsformen bestehen enge Bezüge zum Denkmalschutzrecht, aber auch zum Naturschutzrecht. So genießen z. B. die historischen Weinberge bereits weitgehend Schutz nach den Bestimmungen des Naturschutzgesetzes, weil die in ihnen vorhandenen oder sie stützenden Trockenmauern zu den besonders geschützten Biotopen gem. 32 Naturschutzgesetz gehören. Zu den historischen Nutzungsformen, die Spuren in den Böden und in der Landschaft hinterlassen haben, zählen z. B. Stollen, Erzgruben, Pingen und Verhüttungseinrichtungen des historischen Bergbaus oder die Wölbäcker, deren typische gewölbte Oberfläche heute noch im Gelände erkennbar ist (Abb. 7). Wölbäcker sind durch Pflugarbeiten mit nicht wendbaren Pflugscharen entstanden. Erhalten sind die Geländeoberflächen heute zum Teil meist nur noch in Wäldern und dokumentieren dort gleichzeitig auch die einstige Ackernutzung dieser Flächen. Abb. 7: Wölbäcker bei Bischweier Den Umgang mit archäologischen Funden und Fundstellen regelt das Denkmalschutzgesetz, das neben dem Bodenschutzrecht steht. Die Bau- und Bodendenkmale werden beim Landesdenkmalamt katalogisiert. Teilweise liegt bei den Regionalverbänden eine Auswahl der regional bedeutsamen Vorkommen in digitaler Datenaufbereitung vor. Diese können, v. a. wenn ein engerer Bodenbezug vorliegt, auch kulturgeschichtliche Urkunden nach Bundes-Bodenschutz-Gesetz darstellen (Tab. 5). Z. Tab. 5: Kulturgeschichtliche Urkunden auf und in Böden Kategorien Archäologische Fundstellen historische Nutzungsformen Beispiele Grabhügel, Grabungsstätten z. B. zu keltischen Oppidä, Landgraben, Limes historische Weinberge, historische Wölbäcker, Gesteinsriegel, historische Seedämme, historischer Bergbau, Erzgruben, Pingen und Verhüttungseinrichtungen, bedeutende historische Steinbrüche 14 Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte LUBW

15 Schutzbedarf für Bodenarchive Auf der Grundlage von Literaturrecherchen, Auswertungen von Karten und Expertenwissen wurde die Schutzwürdigkeit von Bodenarchiven in Baden-Württemberg abgeleitet und aufgelistet (Seiten 7 bis 14). Schutzwürdigkeit und Schutzbedarf decken sich bei Einzelgebilden also Geotopen und Messnetzstandorten. Diese sind schon wegen der kleinräumigen Ausdehnung, insbesondere aber wegen der Einmaligkeit der Dokumente wenn nicht schon als Naturdenkmal nach 31 oder als besonders geschütztes Biotop nach 32 NatSchG (z. B. Höhlen und Dolinen oder offene Felsbildungen) geschützt grundsätzlich schutzbedürftig. Kulturgeschichtliche Urkunden im Sinne des Denkmalschutzrechtes (archäologische Funde und Fundorte) stehen bereits nach dem Denkmalschutzgesetz unter Schutz. Diese Objekte benötigen sofern diese nicht durch die Folgen von Bewirtschaftungsmaßnahen gefährdet sind (siehe hierzu auch S. 14) keinen weiteren Schutz. Neben Einzelgebilden finden sich in Böden jedoch auch flächenhafte Ausprägungen die schutzwürdige Dokumente darstellen. Beispiele hierzu sind die Bohnerztone als besonderes Ausgangsgestein der Bodenbildung oder der typische diagnostische Horizont der Bändchenstaupodsole. Um bisher nicht geschützte flächenhafte Dokumente der Bodenarchive langfristig zu erhalten aber unbillige Härten zu vermeiden, genügt es i. d. R. aus dem Gesamtareal kleinere, typische Teilflächen des jeweiligen Bodenarchivtyps (siehe Tab. 2 und 3) zu sichern. Dazu stehen als Instrument neben der Ausweisung von Naturschutzgebieten und Naturdenkmalen nach 26 und 31 NatschG auch die Ausweisung von Bodenschutzflächen nach 7 LBodSchAG zu Verfügung. Danach können durch Rechtsverordnung nicht nur Belastungsgebiete sondern gem. Abs. 1 Nr. 3 auch kleinräumig besonders schutzwürdige Böden ausgewiesen werden. In Naturschutzgebieten, besonders geschützten Biotopen, Waldbiotopen, Bannwäldern und Schonwäldern besteht i. d. R. durch den Schutzzweck auch wenn dieser nicht speziell auf Böden ausgerichtet ist, bereits ein gegenüber Bodenveränderungen und Eingriffen in den Boden starker Schutzstatus. Damit sind die grundsätzlichen Voraussetzungen für eine langfristige Sicherung der Bodenarchive gegeben. Zur Orientierung können die in Tabelle 6 angegebenen Flächengrößen und -anteile dienen, bei deren Überschreitung im Allgemeinen für Bodenarchivflächen, die außerhalb der Schutzgebiete liegen, kein vordringlicher Sicherungsbedarf besteht. Die sachliche Bezugsgröße hierzu ist der Bodenarchivtyp (siehe Tab. 2 und 3), die räumliche Bezugsgröße ist die Bodengroßlandschaft (Abb. 8). Bodenkarten im Maßstab 1 : erstellt landesweit das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB, Abteilung 9 im Regierungspräsidium Freiburg). Auf dieser Datengrundlage werden vom LGRB in Verbindung mit den hier beschriebenen Methoden (Seite 8 bis 11) die naturgeschichtlichen Bodenarchive zusammengestellt. Unter den Bodenarchiven mit flächiger Ausdehnung nehmen die Moore eine Sonderstellung ein. Für diese besteht ein grundsätzlicher Schutzbedarf für die gesamte Moorfläche als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte (siehe hierzu auch Seite 13 und das Moorkataster der LUBW). Für die fachliche Beurteilung von Eingriffen in Böden ist bei Planungsverfahren jedoch immer eine vollständige Kennzeichnung und Darstellung aller Flächen mit Bodenarchiven notwendig. Dies ermöglicht die Steuerung der Flächeninanspruchnahme auf weniger wertvolle Bodenareale auch unter dem Gesichtspunkt der Bodenarchive und ist Grundlage für eine sachgerechte Abwägung. Tab. 6: Orientierungswerte für Flächengröße und Flächenanteile von Bodenarchivtypen in Schutzgebieten einer Bodengroßlandschaft bei deren Überschreitung die Mindestanforderungen für die Sicherung der Bodenarchive aus bodenschutzfachlicher Sicht erfüllt sind. Schutzgebiete Naturschutzgebiet, 32-Biotop, Waldbiotop, Bannwald, Schonwald, flächenhaftes Naturdenkmal Fläche innerhalb von Schutzgebieten Flächenanteil innerhalb von Schutzgebieten > 25 ha und > 20% Die Schutzwürdigkeit von Bodenarchiven, die außergewöhnliche Ausprägungen (z. B: Wölbäcker in sehr gutem Erhaltungszustand im Offenland) aufweisen, wird durch die hier angegebenen Orientierungswerte für Flächengröße und Flächenanteile innerhalb von Schutzgebieten nicht berührt und schließt dort die Ausweisung von Bodenschutzflächen nach 7 Abs. 1 Nr. 3 LBodSchAG nicht aus. LUBW Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte 15

16 Auswertungsbeispiel Region Stuttgart Die Umsetzung der in der vorliegenden Broschüre beschriebenen Vorgehensweise erfolgt beispielhaft für die Region Stuttgart und wird in den Bodenzustandsbericht der Region Stuttgart integriert. Die Region Stuttgart besteht aus den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr sowie aus der Stadt Stuttgart. Folgende Datengrundlagen wurden ausgewertet: Bodenkarte von Baden-Württemberg 1 : (LGRB, 2005) Geotopkataster Baden-Württemberg (LGRB, 2007) Bau- und Bodendenkmäler der Region Stuttgart (Ver- band Region Stuttgart 2006) Messnetzdaten (LUBW und FVA in UM, 2007) Wasser- und Bodenatlas Baden-Württemberg (Um- weltministerium Baden-Württemberg, 2007) Schutzgebiete (Daten- und Kartendienst der LUBW) Württemberg 1: (BK50) orientiert sich an 26 Bodengroßlandschaften. Die Bodengroßlandschaft ist die Bezugsgröße für die Beurteilung des Schutzbedarfs der Bodenarchive (siehe S. 11 und Abb. 8). Die Region Stuttgart mit 3654 km 2 erstreckt sich über die acht Bodengroßlandschaften Obere Gäue, Neckarbecken, Tab. 7: Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte in der Region Stuttgart (i. d. R. kleinflächig) Die räumliche Gliederung der Bodenkarte von Baden- aktueller Anzahl der Standorte Schutzstatus innerhalb außerhalb Typ Kriterium Anzahl NSG u.a. 1 ) FFH und LSG 2 ) der aufgeführten Schutzgebiete Archive der Naturgeschichte Geotope (LGRB 4 ) Grabungsschutz-Gebiet Archive der Natur- und Kulturgeschichte Geologie, Landschaftsgeschichte, Landschaftsformen, Fossilienfundpunkte Fossilienfunde Holzmaden geschützt 658 n.b. n.b. n.b. schutzwürdig (teilweise) 1 (teilweise) Boden: Grundmessnetz (LUBW) Wissenschaft und Boden: Basismessnetz (LUBW) Forschung (Zeitreihen, Reproduzier- und Boden: Intensivmessnetz (LUBW) Vergleichbarkeit von 1 1 Bodenzustandserhebung im Wald (FVA 3 ) Messdaten) Ökologie: Intensivmessnetz (LUBW) 1 1 Archive der Kulturgeschichte ältere Siedlungsreste (Steinzeit, Metallzeit, Antike) 5) geschützt Befestigungen historische Nutzungen Limes, Landgraben und Landwehr Weinberg, Bergbau und Erzgrube, Seedamm, Steinbruch geschützt 4 n.b. n.b. n.b. geschützt insgesamt geschützte bzw. schutzwürdige Standorte schutzwürdige Standorte außerhalb der aufgeführten Schutzgebiete 1) Naturschutzgebiet, 32-Biotop, Waldbiotop, Bannwald, Schonwald, flächenhaftes Naturdenkmal 2) FFH- und Landschaftsschutzgebiete außerhalb der unter 1) aufgeführten Schutzgebiete 3) Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) 4) Die Evaluation aller Einzelstandorte ist noch nicht abgeschlossen. Hinweis: In den Karstgebieten der Region Stuttgart kommen mehrere tausend Dolinen vor (Archiv LGRB). Aufgrund der großen Verbreitung werden nur die als Geotop klassifizierten Dolinen in das Bodenarchiv aufgenommen. 5) Grabhügel, Höhensiedlung und Wallanlage, keltisches Oppidum, römisches Kastell, vor- und frühgeschichtliches Dorf und Gebäude 16 Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte LUBW

17 Schwäbisch-Fränkische Waldberge inkl. Strom- und Heuchelberg, Mittleres und Westliches Keuperbergland, Mittleres und Westliches Albvorland, Mittlere und Westliche Alb, Östliche Alb sowie Buntsandstein-Schwarzwald. Für die Auswertungen der Bodenarchivfunktionen der Region Stuttgart können nur die dort vorkommenden Teilbereiche der einzelnen Bodengroßlandschaften behandelt werden. Die Böden, die in der Region Stuttgart Archive der Naturund Kulturgeschichte darstellen, sind in den Tabellen 7 und 8 einschließlich ihrer räumlichen Zuordnung zu Schutzgebieten vollständig aufgeführt. Aus der Vielzahl archäologischer Funde und Fundstellen hat das Landesdenkmalamt für die Region Stuttgart eine Auswahl der regional bedeutsamen Bau- und Bodendenkmäler erstellt (Verband Region Stuttgart, 2006). Aus diesem Datensatz wurden aus den drei Gruppen ältere Siedlungsreste, Befestigungen und historische Nutzungen Verwaltungssitz Verwaltungssitz Fließgewässer 25 Regierungspräsidium Kreis 2 Emmendingen 2 Lörrach 26 Bodenregionen Rastatt Baden-Baden 24 Offenburg Freiburg Grundlage: LV BW, RIPS 23 Karlsruhe Freudenstadt Rottweil Waldshut- Tiengen Villingen- Schwenningen Mannheim 3 Pforzheim Calw Heidelberg 12 Böblingen Tübingen Balingen Schwarzwald Odenwald Schwäbisch-Fränkische Gäulandschaften Keuperbergland 7 Tuttlingen Heilbronn Stuttgart Konstanz Mosbach Waiblingen Reutlingen 17 Künzelsau Göppingen Schwäbisch Hall Albvorland Schwäbische Alb und Klettgau-Alb Alpenvorland Oberrheinisches Tiefland Abb. 8: Bodenregionen (Farben) und Bodengroßlandschaften (Nummern) in Baden-Württemberg Ludwigsburg Esslingen 14 Sigmaringen km Friedrichshafen Ta uberbischofsheim Ulm 19 Ravensburg 16 Biberach Aalen 15 Heidenheim Tab. 8: Boden als Archiv der Naturgeschichte: Bodengenese, Ausgangsmaterial der Bodenbildung und Landschaftsgeschichte in der Region Stuttgart (flächenhafte Urkunden) Flächenanteil [%] und absolute Fläche innerhalb außerhalb Typ Kriterium Flächenanteil ) Fläche NSG u.a. 2 ) FFH und LSG 3 ) der aufgeführten Schutzgebiete Hochmoor Informationswert Boden < 0,5% 6 ha 100 (6 ha) Niedermoor < 0,5% 26 ha 41 (11 ha) Moor-Stagnogley Bodengenese < 0,5% 3 ha 46 (1 ha) Anmoorgley < 0,5% 76 ha 42 (32 ha) Tschernosem-Parabraunerde (aus Löss) < 0,5% 382 ha 0 (1 ha) Podsol aus Feuersteinschutt Tuffite incl. Seesedimente des Randecker Maars Ausgangsgestein Landschaftsgeschichte oder besonderes, seltenes Ausgangsmaterial der Bodenbildung (16 ha) 54 0 (2 ha) 38 (29 ha) 20 (15 ha) (381 ha) < 0,5% 17 ha (17 ha) < 0,5% 492 ha 77 (377 ha) ältere Terrassenschotter und -sande < 0,5% 38 ha 8 (3 ha) älterer Auenlehm in der Neckaraue (Auenterrasse) Summe Region Stuttgart 4 ) < 0,5% 15 ha 1 (0,1 ha) ha 21 (103 ha) 34 (13 ha) 84 (12 ha) 2 (12 ha) 58 (22 ha) 15 (2 ha) insgesamt geschützte bzw. schutzwürdige Standorte Gebietskategorien, die zur Erreichung der Mindestanforderungen (S. 15) herangezogen werden müssen 1) In den zugehörigen Bodengroßlandschaften innerhalb der Region Stuttgart 2) Naturschutzgebiet, 32-Biotop, Waldbiotop, Bannwald, Schonwald, flächenhaftes Naturdenkmal 3) FFH- und Landschaftsschutzgebiete außerhalb der unter 2) aufgeführten Schutzgebiete 4) Die Region Stuttgart ist ha groß. Fast alle einzeln aufgeführten Flächen haben einen Flächenanteil <0,1 %. Die nach den Auswahlkriterien festgelegten Archivflächen (farblich unterlegt) nehmen zusammen ca. 0,1 % der Regionsfläche ein. LUBW Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte 17

18 diejenigen ausgewählt, die einen engeren Bezug zum Thema Boden haben. Sie sind in Tabelle 7 aufgelistet. Ein Beispiel aus dem Datensatz des Verbands Region Stuttgart ist der römische Limes, der im Ostteil des Landkreises Rems-Murr die Region Stuttgart schneidet. Innerhalb der Bodenarchive stellen die Geotope mit 752 Vorkommen die größte Gruppe dar, gefolgt von 163 Bau- und Bodendenkmälern und 48 Messnetzstandorten. Neben dem Grabungsschutzgebiet Holzmaden erstrecken sich die flächenhaften Bodenarchive über zusammen ha. Davon nehmen die Tschernosem-Parabraunerden im Landkreis Rems-Murr den deutlich größten Flächenanteil ein. In Abb. 10 ist ein Ausschnitt aus der Region Stuttgart mit den dort vorkommenden Archiven der Natur- und Kulturgeschichte dargestellt. Die vollständige kartographische Dokumentation aller Bodenarchive mit noch über 700 weiteren Objekten ist in der vorliegenden Broschüre aus Platzgründen nicht möglich. Abb. 9: Pararendzina aus Tuffbrekzie bei Neuffen (LK Esslingen) (links); Tschernosem-Parabraunerde bei Fellbach (LK Rems Murr) (rechts) zelnen historischen Nutzungen ist nur in der digitalen Datenversion möglich. Die flächenhaften Bodenarchive sind zur besseren Übersicht in der Karte als Punktsignatur dargestellt. Es sind nur die einzelnen Themenbereiche unterscheidbar. Eine Differenzierung der einzelnen Messnetze oder der ein- Bodenarchive der Kulturgeschichte historische Nutzungen (geschützt) ältere Siedlungsreste (geschützt) Bodenarchive der Naturgeschichte Geotope (geschützt) Geotope (schutzwürdig) Flächenhafte Archive der Naturgeschichte schutzwürdig (< 10 ha) Messnetzstandorte schutzwürdig Ausschnitt Abb. 10: Ausschnitte aus der Region Stuttgart und die darin befindlichen Archive der Natur- und Kulturgeschichte ( LGRB und LUBW) 18 Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte LUBW

19 Literatur Ad-hoc-ag Boden Bund/Länderausschusses Bodenforschung (Bla-geo 2007): Methodenkatalog zur Bewertung natürlicher Bodenfunktionen, der Archivfunktion des Bodens, der Nutzungsfunktion "Rohstofflagerstätte" nach BBodSchG sowie der Empfindlichkeit des Bodens gegenüber Erosion und Verdichtung, 2. überarbeitete und ergänzte Auflage, Hrsg: Bundesanstalt für Geowissenschaften, Selbstverlag, Hannover. Bleich, K. E.; Papenfuss, K. H.; Van Der Ploeg, R. R.; Schlichting, E. (1987): Exkursionsführer DBG-Jahrestagung, Mittl. Dt. Bodkdl. Ges., 54, 246 S. Göttingen. Buberl, H.G.; Wi l p e rt, K. V.; Trefz-Malcher, G; Hildenb ra n d, E. E. (1994): Der chemische Zustand von Waldböden in Baden-Württemberg. Ergebnisse der Bodenzustandserhebung im Wald. Mitteilungen der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, H. 182, S. 99, Freiburg i. Br. Huth, T.; Junker, B. (2004): Geotouristische Karte von Baden-Württemberg 1 : Schwarzwald mit Umgebung. Erläuterungen 440 S., 255 Abb., 1 Kt. Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg, Freiburg i. Br. Umweltbeobachtung. 68 Seiten, Karlsruhe. Landesanstalt für Um w e lt s c h u t z Baden-Württemb e rg (2000, 2002, 2005): Geologische Naturdenkmale im Regierungsbezirk Karlsruhe; Geotope im Regierungsbezirk Stuttgart; Geotope im Regierungsbezirk Freiburg; Reihe Bodenschutz Band 5, 12 und 18. Karlsruhe. Landesanstalt für Um w e lt, Messungen und Nat u r- schutz Baden-Wü rt t e m b e rg (2007): Geotope im Regierungsbezirk Tübingen; nur online erhältlich: lubws13/lubws13_a.html. Lang, G. (2005): Seen und Moore des Schwarzwaldes als Zeugen spätglazialen und holozänen Vegetationswandels. andrias 16, Staatliches Museum für Naturkunde, Karlsruhe Datengrundlagen Landesanstalt für Um w e lt, Messungen und Nat u r- schutz Baden-Württemberg (2008): Daten- und Kartendienst der LUBW. online im Internet: brsweb.lubw.baden-wuerttemberg.de, Daten und Karten zu Natur und Landschaft sowie Boden und Geologie. Huth, T.; Junker, B. (2005): Geotouristische Karte von Baden-Württemberg 1 : Nord. Erläuterungen 512 S., 259 Abb., 1 Kt. Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg, Freiburg i. Br. Huth, T.; Junker, B. (2006): Geotouristische Karte von Baden-Württemberg 1 : Südost. Erläuterungen 546 S., 324 Abb., 1 Kt. Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg, Freiburg i. Br. Landesanstalt für Um w e lt, Messungen und Nat u r- schutz Baden-Württemberg (2008): 20 Jahre Bodenmonitoring in Baden-Württemberg, in Bearbeitung. Regierungspräsidium Fr e i b u rg, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Be rg ba u (2005). Bodenkarte von Baden-Württemberg 1 : , Region Stuttgart; online im Internet: geodaten/bk50_daten. Regierungspräsidium Fr e i b u rg, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Be rg ba u (2008): Geotopkataster Baden-Württemberg; online im Internet: uni-freiburg.de/lgrb/lgrb_mapserver/mapserver. Umweltministerium Baden-Wü rt t e m b e rg (UM, 2007): Wasser- und Bodenatlas (WABOA), 3. Auflage, Stuttgart. Landesanstalt für Um w e lt s c h u t z Baden-Württemb e rg (2005): Signale aus der Natur, 20 Jahre biologische Verband Region Stuttgart (2006): Bau- und Bodendenkmäler der Region Stuttgart. LUBW Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte 19

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