Römer 14, 7-9 Predigt zum Ewigkeitssonntag, in Landau und Crailsheim

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1 Römer 14, 7-9 Predigt zum Ewigkeitssonntag, in Landau und Crailsheim 1 Unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei. Herr, segne unser Reden und Hören durch deinen Heiligen Geist. Amen. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen. Liebe Gemeinde, die Konfirmandengruppe beschäftigt sich gerade mit dem Thema Konfirmation. Bei der Behandlung des betreffenden Gottesdienstes wird auch die Frage nach den Konfirmationssprüchen diskutiert. So ein Bibelvers kann ein Wahlspruch für das ganze Leben sein!, meint der Pfarrer und stellt die Konfis vor die Wahl: Ihr könnt euch von mir einen Spruch geben lassen. Aber ihr könnt euch auch selbst für einen Spruch zu entscheiden. Die Gruppe einigt sich darauf, dass sich jeder selbst seinen Spruch aussuchen darf. Doch welchen soll man nehmen? Am Besten, ihr stöbert mal zu Hause in Ruhe eure Bibel durch und schreibt euch den einen oder anderen Vers raus! so lautet schließlich die Hausaufgabe. Damit die Jugendlichen nicht überfordert sind, gibt der Pfarrer noch einen Tipp: Achtet mal besonders auf die dick gedruckten Verse. Das sind die besonders Wichtigen. Jedenfalls aus der Sicht der Herausgeber der Bibel. Und tatsächlich: beim nächsten Konfi haben alle mindestens einen Bibelvers dabei. Ein Mädchen hat ihren in Römer 14 gefunden. Da ist er auch fett gedruckt: Leben wir, so leben wir dem Herrn;

2 2 sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ziemlich ungewöhnlich. Jedenfalls in den Augen ihrer Eltern und Großeltern. Wie kannst du nur so einen Vers auswählen! Die Wahl ihres Kindes hat sie ziemlich verstört. Da stehst du mit der Konfirmation auf der Schwelle zum eigenen Leben und du redest vom Sterben! Wir wollen doch bei deiner Konfirmation fröhlich feiern, und nicht an deinen Tod denken! Sie kennen diese Bibelstelle gut. Sie wird bei Beerdigungen verlesen. Da passt sie auch hin als Ausdruck unserer christlichen Hoffnung: Unsere Verstorbenen sind bei Jesus Christus geborgen. Wir gehören zu ihm zu unseren Lebzeiten hier auf Erden und darüber hinaus. Am Grab hat das etwas Tröstliches. Aber bei einer Konfirmation? Was die Eltern und Großeltern dabei übersehen haben: Der Konfirmationsspruch ihres Mädchens gehört keinesfalls ans Grab. Jedenfalls nicht in seinem ursprünglichen Zusammenhang. Da geht es nämlich um einen Streit unter den Christen. Und zwar über das Essen! Habt ihr das gewusst? Die einen sagen: Als Christ darf ich alles essen! Und die anderen sind der festen Überzeugung: Ein Christ darf kein Fleisch essen! Das heißt nicht, dass ein Christ aus Prinzip Vegetarier sein muss. Aber und das ist das eigentliche Problem: Wenn man auf dem Markt Fleisch einkauft, weiß man nie, ob es nicht schon mal für einen heidnischen Götzen geopfert worden ist. In den großen Städte wie Rom oder Korinth gab es jede Menge heidnischer Tempel. Und in denen wurden Unmengen von Tieren geschlachtet für die Opferhandlungen. Dafür brauchte man aber nur bestimmte Teile wie z.b. die Innereien. Der große Rest wurde dann auf den Märkten verkauft. Damit finanzierten sich die Tempel und ihre Priester und Bediensteten. Die Stadtbewohner konnten sich auf diese Weise mit preisgünstigem Fleisch versorgen. Nur die Christen hatten damit ein Problem. Jedenfalls manche von

3 3 ihnen. Sie sagten: Das ist Fleisch, das den Götzen geopfert worden ist. Wer davon isst, der versündigt sich an Gott! Vielleicht ist dieses Fleisch auch mit dunklen Kräften belastet und bringt uns vom Glauben ab! Und weil man nie wissen konnte, woher das Fleisch auf dem Markt stammte, sagten die einen: Es ist besser, wenn man überhaupt auf Fleisch verzichtet.. Und die anderen: Ein Christ darf kein Fleisch essen! Und schließlich: Wer Fleisch isst, kann nicht selig werden. Der kommt in die ewige Verdammnis! Man stelle sich mal vor, so einer ist bei einem anderen zum Essen eingeladen, der nicht dieser Meinung ist. Und dann wird ihm ein duftender Braten vorgesetzt! Der wird auf der Stelle das Haus seines Gastgebers verlassen! Und schon ist die Gemeinde gespalten. Der eine sagt: Mit einem solchen Menschen, der Fleisch isst, kann ich nicht mehr zum Abendmahl gehen. Ja, mit einem solchen Sünder mag ich nicht mal gemeinsam zum Gottesdienst gehen! Und der andere: Wer so über mich urteilt, der zeigt, dass er ein gottloser Sünder ist. Denn er gibt vor, den Willen Gottes zu tun. Gott aber hat nirgends gesagt, dass Fleisch essen eine Sünde ist! Der Apostel Paulus selbst neigt eher zum Letzteren. Denn er verkündet doch das Evangelium vom auferstandenen Christus. Der hat dem Tod die Macht genommen. Er hat damit bewiesen, dass er der Allmächtige ist. Und weil wir Christen zu diesem Herrn gehören, kann keine Macht der Welt uns aus seiner Hand reißen. Und das für ohnmächtige Götzen geopferte Fleisch schon gar nicht. Das ist die Stärke unseres Glaubens. Aber: weil es eben auch andere gibt, die in ihrem Glauben nicht so stark sind, wirbt um Verständnis der einen für die anderen und sagt: Wenn du also deinen Bruder oder deine Schwester bloß wegen einer Speise in Verwirrung stürzt und im Glauben irremachst, dann lebst du nicht mehr in der Liebe. Bring nicht durch dein Essen den Bruder oder die Schwester ins Verderben, für die Christus gestorben ist! 1 1 Röm. 14,15 nach Gute Nachricht Bibel

4 4 Wer sich stark fühlt im Glauben, soll also besondere Rücksicht nehmen auf den vermeintlich Schwachen. Und auch umgekehrt. Zu den Vegetariern, die sich für bessere Christen halten, und jenen, die diese verachten und über ihren schwachen Glauben urteilen, sagt er: Warum verurteilst oder verachtest du deinen Bruder oder deine Schwester? Wir werden alle einmal vor Gott stehen und von ihm gerichtet werden. Jeder Einzelne von uns wird sich für sein eigenes Tun vor Gott verantworten müssen. 2 Die eigentliche Sünde ist nicht das Essen das Nichtessen von bestimmten Lebensmitteln. Und es geht auch nicht darum, ob dieser oder jene Lebensstil christlicher ist als der andere. Sondern es geht darum, dass Gott in Christus sowohl diesen als auch jenen erlöst hat. Und für die, die wissen, dass sie von Gott geliebt sind für sie geht es immer auch darum, im Namen Christi den anderen zu lieben und zu tragen, und manchmal auch zu ertragen. Und dann folgt unser Predigtwort, der zum Konfirmationsspruch jenes Mädchens geworden ist: Unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob jemand so lebt wie jene, die sich für besonders stark halten im Glauben: Wenn wir leben, leben wir für den Herrn, und wenn wir sterben, sterben wir für den Herrn. Wir gehören dem Herrn im Leben und im Tod. 3 Nicht die vermeintliche Stärke ihres Glaubens macht sie stark, sondern die Tatsache: Wir gehören dem Herrn! Und zwar weil Gott das so gewollt hat. Bezeugt durch unsere Taufe. Und wenn jemand auf diese oder jenes verzichtet, weil er meint, das 2 Zitat aus Röm. 14, Röm. 14,8 nach Gute Nachricht Bibel

5 5 sei besser für sein Glaubensleben, dann irre er nicht! Denn nicht wir machen unseren Glauben und die Zugehörigkeit zu Gott. Sondern: Wenn wir leben, leben wir für den Herrn, und wenn wir sterben, sterben wir für den Herrn. Wir gehören dem Herrn im Leben und im Tod. Auch sie gehören dem Herrn! Und zwar weil Gott das so gewollt hat. Bezeugt durch ihre Taufe. Die Heilige Taufe ist sozusagen die Unterschrift Gottes unter unserem Lebensvertrag. Er hat sich für uns entschieden: Du gehörst zu mir. Dein ganzes Leben lang gehörst du zu mir. Und wenn du stirbst, gehörst du auch zu mir. Jene eigenwillige Konfirmandin hat mit der Wahl ihres Konfirmationsspruchs wohl gespürt: wenn ich mich bei der Konfirmation öffentlich zu dem bekenne, in dessen Namen ich getauft bin, dann bekenne ich mich zu ihm, der mein Herr ist, im Leben wie im Tod. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei. Diese Worte sind bestens geeignet, um einen jungen Menschen damit hinaus ins Leben zu schicken. Und sie sind auch bestens geeignet, um an unseren Gräbern Abschied zu nehmen. Denn wir nehmen als Christen Abschied in der Gewissheit, dass Christus auch über den Tod der Herr ist. Und somit auch über unsere Toten. Und: Diese Worte sind bestens geeignet für den Umgang mit den anderen Christen. Vor allem mit jenen, die so anders sind als wir selbst. Denn sie lenken den Blick darauf, dass wir alle davon leben, dass wir zu Christus gehören. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Amen. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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