Theorien der Persönlichkeit. Wintersemester 2008/2009 Gabriele Helga Franke

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1 Theorien der Persönlichkeit Wintersemester 2008/2009 Gabriele Helga Franke

2 10. Theorien der Persönlichkeit GHF im WiSe 2008 / 2009 an der HS MD- SDL(FH) im Studiengang Rehabilitationspsychologie, B.Sc., 1. Semester Persönlichkeitstheorien Mischel Persönlichkeitstheorien: Mischel 2

3 Persönlichkeitstheorien: Mischel Gliederung: 1. Kritik am Eigenschaftsansatz 2. Merkmale von Situationen 3. Reziproker Interaktionismus 4. Das kognitiv-affektive Persönlichkeitssystem (CAPS) 4.1 Personenvariablen 4.2 Exkurs: Belohnungsaufschub 4.3Personenvariablen und Umwelt 4.4Verhaltenssignaturen 4.5Ferienlager-Studien 3. Zusammenfassung und Bewertung Persönlichkeitstheorien: Mischel 3

4 1. Kritik am Eigenschaftsansatz Grundannahme der Eigenschaftsansätze: Persönlichkeit zeichnet sich durch spezifische konstante Wesenszüge oder Persönlichkeitseigenschaften aus, die relativ unveränderlich sind - in verschiedenen Situationen - im zeitlichen Verlauf Persönlichkeitstheorien: Mischel 4

5 1. Kritik am Eigenschaftsansatz aber: Beobachtung (sowohl in wissenschaftlichen Experimenten als auch in der Alltagsbeobachtung), dass das Verhalten von Individuen in ähnlichen Situationen erstaunlich variabel ist (ängstlich bei Mathetest, aber nicht bei Sportprüfung) es Situation gibt, in denen sich alle Menschen (unabhängig von ihren Persönlichkeitseigenschaften) sehr ähnlich verhalten der mittlere Zusammenhang zwischen der Eigenschaft einer Person und ihrem Verhalten gering ist (r = <.30) Persönlichkeitstheorien: Mischel 5

6 2. Merkmale von Situationen Situationen, die sehr ähnlich wahrgenommen werden und in denen Menschen typischerweise ähnliches Verhalten zeigen: starke Situationen Situationen, die die offen für individuelle Interpretationen und verschiedene Verhaltensformen sind: schwache Situationen Persönlichkeitstheorien: Mischel 6

7 2. Merkmale von Situationen es gibt keine eindeutige Klassifikation von Situationen als stark oder schwach ; Klassifikation ist abhängig von der individuellen Interpretation Persönlichkeitstheorien: Mischel 7

8 3. Reziproker Interaktionismus 1. Bestimmen überwiegend die Personenmerkmale das Verhalten? 2. Bestimmen überwiegend die Situationsmerkmale das Verhalten? 3. Wirkt beides zusammen? Falls 3.: aber wie wirken sie zusammen??? Persönlichkeitstheorien: Mischel 8

9 3. Reziproker Interaktionismus Personenvariablen Persönlichkeitstheorien: Mischel 9

10 3. Reziproker Interaktionismus Personenvariablen Verhalten Persönlichkeitstheorien: Mischel 10

11 3. Reziproker Interaktionismus Personenvariablen Verhalten Umwelt Persönlichkeitstheorien: Mischel 11

12 3. Reziproker Interaktionismus Personenvariablen Verhalten Umwelt (nach Liebert & Spiegler, 1994) Persönlichkeitstheorien: Mischel 12

13 4. Das kognitiv-affektive Persönlichkeitssystem (CAPS) Walter Mischel (1930 -) Persönlichkeitstheorien: Mischel 13

14 4. Das kognitiv-affektive Persönlichkeitssystem (CAPS) Es bestehen beständige individuelle Unterschiede in den Merkmalen der Situationen, die Menschen auswählen den kognitiv-affektiven Vermittlungseinheiten (Enkodierungen, Affekten), die aktiviert werden und mit anderen Vermittlungseinheiten (Erwartungen, Ziele, Pläne) interagieren oder sie aktivieren Persönlichkeitstheorien: Mischel 14

15 4.1 Personenvariablen Persönlichkeitseigenschaften! Resultat der bisherigen sozial-kognitiven Lerngeschichte Enkodierungen Erwartungen und Überzeugungen Affekte Ziele und Werte Kompetenzen und selbstregulatorische Pläne Persönlichkeitstheorien: Mischel 15

16 4.1 Personenvariablen 1. Enkodierungen Konstruierte Kategorien für - das Selbst - andere Menschen - Ereignisse - Situationen Persönlichkeitstheorien: Mischel 16

17 4.1 Personenvariablen 2. Erwartungen und Überzeugungen - über die soziale Umwelt - Wirkungen von Verhalten in bestimmten Situationen - Selbstwirksamkeit Persönlichkeitstheorien: Mischel 17

18 4.1 Personenvariablen 3. Affekte - Gefühle - Empfindungen - affektive Reaktionen (einschl. physiologische Reaktionen) Persönlichkeitstheorien: Mischel 18

19 4.1 Personenvariablen 4. Ziele und Werte - erwünschte Effekte und affektive Zustände - unerwünschte Effekte und affektive Zustände - Ziele -Werte - Lebensprojekte Persönlichkeitstheorien: Mischel 19

20 4.1 Personenvariablen 5. Kompetenzen und selbstregulatorische Pläne - mögliches Verhalten - Skripts über das, was man tun könnte - Pläne und Strategien um Verhalten zu organisieren um bestimmte affektive Effekte zu erzielen bzgl. des eigenen Verhaltens und internaler Zustände Persönlichkeitstheorien: Mischel 20

21 4.2 Exkurs: Belohnungsaufschub Belohnungsaufschub als eine Komponente der (zukunftsorientierten) Selbstkontrolle, Selbstregulierung Fähigkeit zum Belohnungsaufschub ist bei Menschen unterschiedlich ausgeprägt Wahl zwischen einer kleineren (unattraktiveren) sofort verfügbaren Belohnung vs. Entscheidung für eine größere (attraktivere), aber erst später verfügbare Belohnung Fähigkeit zum Belohnungsaufschub hängt u.a. von der Verfügbarkeit unterstützender kognitiver Strategien ab Persönlichkeitstheorien: Mischel 21

22 4.2 Exkurs: Belohnungsaufschub Belohnungsaufschub bei Kindergartenkindern (Mischel, Shoda & Rodriguez, 1989) Fähigkeit zum Belohnungsaufschub im Kindergartenalter besserer Stressbewältigung, höhere soziale Kompetenz, mehr Selbstbestimmtheit, höhere Zuverlässigkeit und mehr akadamischer Erfolg im Jugendalter Persönlichkeitstheorien: Mischel 22

23 4.3 Personenvariablen und Umwelt Persönlichkeitstheorien: Mischel 23

24 4.4 Verhaltenssignaturen Die CAPS-Theorie vereinigt die Annahme der beständigen Persönlichkeitseigenschaften mit der Beobachtung veränderlichen Verhaltens des selben Menschen in verschiedenen Situationen, d.h.: Menschen verhalten sich zeitlich stabil, aber nicht situationsübergreifend konsistent Personen mit vergleichbarem Level auf einem übergreifenden Konstrukt können sich je nach Situation dennoch sehr unterschiedlich verhalten Persönlichkeitstheorien: Mischel 24

25 4.4 Verhaltenssignaturen Menschen werden durch die ihnen eigenen wenn dann-beziehungen charakterisiert Verhaltenssignaturen Persönlichkeitstheorien: Mischel 25

26 4.5 Ferienlager-Studien 5 Situationen: 1. anderes Kind ärgert, provoziert oder droht 2. Erwachsener verwarnt das Kind 3. Erwachsener gibt time out 4. anderes Kind initiiert positiven sozialen Kontakt 5. Erwachsener lobt das Kind verbal Persönlichkeitstheorien: Mischel 26

27 4.5 Ferienlager-Studien Sozial-kognitive Persönlichkeitstheorien Persönlichkeitstheorien: Mischel 27

28 5. Zusammenfassung und Bewertung Grundfrage: Wodurch wird Verhalten bestimmt Antwort der Eigenschaftstheorien: durch die traits Antwort der Lerntheorien: durch die Merkmale der Situation reziproker Interaktionismus als Alternative zu einseitigen Erklärungsmodellen Situationen können stark oder schwach sein, d.h. mehr oder weniger Interpretationen und Handlungsspielräume bieten Persönlichkeitstheorien: Mischel 28

29 5. Zusammenfassung und Bewertung Grundfrage: Wodurch wird Verhalten bestimmt CAPS-Theorie: Menschen haben individuell unterschiedlich ausgeprägte Personenvariablen (Enkodierungsstrategien, Erwartungen und Überzeugungen, Affekte, Ziele und Werte, Kompetenzen und selbstregulatoriesche Pläne), mit denen sie auf Situationen reagieren und durch die sie die Situationen verändern die Persönlichkeit eines Menschen sind seine individuellen Verhaltenssignaturen Persönlichkeitstheorien: Mischel 29

30 5. Zusammenfassung und Bewertung integrativer Ansatz, der die aktuellsten Erkenntnisse zu kognitiven Persönlichkeitsvariablen zusammenfasst breites Spektrum an wichtigen Aspekten kein geschlossenes theoretisches System; schwer zu prüfen Persönlichkeitstheorien: Mischel 30

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