3 Anwendungsarchitektur und Entwicklungsumgebung

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1 21 3 Anwendungsarchitektur und Bei den Entwicklern von Web-basierten Dialogsystemen hat sich im Laufe der Zeit eine Vorgehensweise im Design von Anwendungen entwickelt, dies es ermöglicht, flexible Web-Dialoge zu realisieren. Beispielhaft seien an dieser Stelle die Prinzipien Java Server Pages (JSP) von SUN und Active Server Pages (ASP) von Microsoft genannt. SAP hat diese Standards aufgegriffen und um einige eigene Features erweitert, die insbesondere den Zugriff auf die WAS-Anwendungsmodule betreffen; SAP nennt dieses Modell Business Server Pages (BSPs). Das vorliegende Kapitel will Ihnen zeigen, wie diese BSPs aufgebaut sind und welche Softwarekomponenten realisiert werden müssen, um eine BSP-Applikation zu entwickeln. Hierzu wird zunächst versucht, eine Gegenüberstellung der klassischen R/3-Dialogprogrammierung zur BSP-Programmierung vorzunehmen. 3.1 BSP-Applikationen im Vergleich mit klassischen SAP-Transaktionen Eine BSP-Applikation ist am ehesten mit einer SAP-Transaktion im herkömmlichen Sinn zu vergleichen. Sie wird jedoch nicht über die SAPgui, sondern über einen Internet-Browser aufgerufen. Ähnlich wie eine SAP-Transaktion führt sie zur Anzeige eines Bilds, das als BSP-Seite in HTML vorliegt im klassischen R/3 würde man eine solche Seite als Dynpro bezeichnen. Eine HTML-Seite verfügt in der Regel auch über eingebettete Teilobjekte wie Frames, Grafiken und Multimedia-Objekte. HTML-Teile werden in Form von Seitenfragmenten realisiert, jedoch nicht als Frames abgebildet. Binäre Objekte nennt man MIME-Objekte, weil ihnen immer ein weltweit normierter MIME-Typ zugeordnet ist. So liegen

2 22 3 Anwendungsarchitektur und z.b. Fotografien häufig im MIME-Typ image/jpeg vor, erkennbar an der Dateiendung.jpg. Im klassischen R/3 könnte man Seitenfragmente als Subscreens verstehen. Um Web-Seiten mehrsprachig zu gestalten, reicht es nicht aus, einfach die Texte zu übersetzen, sondern es müssen unter Umständen auch die eingebetteten Grafiken etc. in den jeweiligen Kontext umgewandelt werden. Dies kann unmöglich zur Laufzeit erfolgen, die Objekte müssen bereits entsprechend vorgefertigt sein. Zur Laufzeit bestimmt lediglich ein so genanntes Thema, welche Objekte in der aktuellen Umgebung zu verwenden sind. Es fehlt noch die Ablauflogik, mit der die Seitennavigation gesteuert wird. In klassischen R/3-Transaktionen ist die Ablaufsteuerung an zwei Stellen verteilt: der Ablauflogik eines Dynpros und dem entsprechenden USER-COMMAND-Modul. Bei BSP-Applikationen findet sich eine Entsprechung der Ablauflogik in der BSP-Navigationsstruktur. Als Hauptelement klassischer Transaktionen gilt der Modulpool, in dem die eigentliche Dialogverarbeitung stattfindet. Bei BSP-Applikationen erfolgt die Verarbeitung in der Anwendungsklasse, welche im Class- Builder als objektorientiertes ABAP-Coding realisiert wird. Die BSP- Anwendungsklasse bildet somit eine Softwareschicht zwischen dem layoutorientierten Coding der BSP-Seiten und zur SAP-Geschäftslogik, welche idealerweise in Form von BAPI-Aufrufen eingebunden wird. Tab. 3 1 Funktionen der Dialogprogrammierung. R/3-Dialoge und BSP-Dialoge im Vergleich Funktion R/3 klassisch BSP-Programmiermodell Aufruf Transaktion BSP-Applikation/Service Darstellung Dynpro BSP-Seite/View, Viewset Wiederverwendung Subscreen Seitenfragment/View Binäre Objekte nicht möglich, höchstens innerhalb von eingebetteten Controls MIME-Objekte Mehrsprachigkeit eingeschränkt: Textelemente Thema Navigation Dynpro-Ablauflogik Navigationsstruktur Verarbeitung Modulpool BSP-Anwendungsklasse/ Model Class Sämtliche Softwarekomponenten einer BSP-Applikation sind einem Paket zugeordnet (in der R/3-Basis nannte man dies»entwicklungsklasse«linux lässt grüßen) und werden somit über das SAP-Transportwesen verwaltet.

3 3.2 Die in Release Abb. 3 1 Der Object Navigator für BSP-Anwendungen SAP AG 3.2 Die in Release 6.10 Alle Elemente können im Object Navigator der ABAP Workbench unter der Transaktion SE80 bearbeitet werden. Abb. 3 2 Beispiel: Layout-Quellcode einer BSP-Seite im Web Application Builder SAP AG

4 24 3 Anwendungsarchitektur und Nach Auswahl einer BSP-Applikation erscheint die Komponentenübersicht in der Objektliste. Per Doppelklick gelangt man in die Pflegefunktion für die jeweilige Komponente. Bei Auswahl einer BSP-Applikation landet man im Web Application Builder: 3.3 mit Web-Dynpro In Release 6.30 erhält die noch weitere Werkzeuge, um die Model-View-Controller-Architektur zu unterstützen: Abb. 3 3 Komponenten und Funktionen der Web Dynpro in Release 6.30 Der Application Modeler fasst alle Komponenten der zusammen. Er entspricht somit dem Web Application Builder aus früheren Releases. Hier wird auch die Navigation festgelegt sowie bestimmt, aus welchen Views die Seiten Viewsets genannt zusammengesetzt werden. Mit dem View Designer werden Views plattformunabhängig festgelegt, und zwar sowohl das Seitenlayout wie auch die Reaktion auf Benutzereingaben in den entsprechenden Eventhandlern. Dabei erfolgt auch die Anbindung von Controller-Elementen an View- Komponenten (Datenfelder). Der Controller Editor dient zur Festlegung der Steuerung zwischen Models und Views.

5 3.3 mit Web-Dynpro 25 Mit Hilfe des UI Model Editors werden das der Applikation zugrunde liegende Datenmodell, die Beziehungstypen sowie Attribute, Methoden und Ereignisse der Anwendungskomponenten in Form von UML-Diagrammen festgelegt. Als Benutzeroberfläche fungiert Eclipse 1, was um einige SAP-Plug-ins (die oben beschriebenen Modeler) erweitert wurde. Abb. 3 4 Screenshot aus der Eclipse-: fast wie der Object Navigator, allerdings für Java-Programme Nachdem nun die einzelnen Komponenten einer BSP-Applikation bekannt sind, können wir uns an unser erstes spielerisches Beispiel 2 wagen, welches wir in dieser realisieren wollen. 1. Eclipse ist eine Open-Source- von eclipse.org für beliebige Entwicklungswerkzeuge, die sich langsam zum weltweiten Standard entwickelt. IBM z.b. setzt es als Nachfolger ihres Visual Age for Java als WebSphere Studio Application Developer ein. Laden Sie sich Ihre Version von herunter 2. Die im Folgenden gezeigten Beispiele basieren noch auf WAS Release Sie sind recht einfach gehalten und verzichten daher auf die Anwendung der MVC-Architektur.

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