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2 ein wenig teuer erschienen war. Maya hatte einen besonderen Instinkt, wollte man ein Buch verschenken und wusste nicht wirklich, was für eines. Sie benötigte für ihre Empfehlungen nur wenige persönliche Details, wie Alter, Wohnort, Hobbys und ob der zu Beschenkende eher offen, sensibel oder zurückhaltend war. Nach kurzem Nachdenken ging sie zu einem der Regale, griff hinein und kam mit einem passenden Exemplar zurück.»das ist genau richtig!«, sagte sie.»es gibt keine bessere Geschichte, die Sie wählen könnten, denn sie handelt von...«, und flugs machte Maya einem das Buch so richtig schmackhaft; wenn man Glück hatte, gab es noch eine Tasse Kaffee dazu.»aber das Ende verrate ich Ihnen nicht«, schmunzelte Maya irgendwann, meist genau zu dem Zeitpunkt, in

3 dem man richtig an ihren Lippen hing und nicht abwarten konnte, wie die Geschichte weiterging.»das bleibt mein Geheimnis und das des Buches! Wenn Sie wissen möchten, wie es weiter geht, dann müssen Sie es selbst lesen!«die Kunden kauften die Bücher für Tante Josefine oder Onkel Theo und nahmen sich schon an der Kasse vor, die Tante oder den Onkel zu fragen, ob sie später das Buch einmal ausleihen dürften. Spätestens nachdem es gelesen war! Was hoffentlich nicht zu lange dauern würde... Kam ein Mensch, der traurig war, einen bestimmten Trost brauchte, waren es oft kleine, unscheinbare Bändchen, die Maya aus dem Regal zog.»es sieht vielleicht nicht aufregend aus«, meinte sie und strich dem Buch ein wenig über den Einband und seine

4 Seiten,»aber wissen Sie, das Buch wird Sie trösten und Ihre Seele heilen.«die Kunden spürten, dass es Maya ernst mit ihren Empfehlungen war, dass sie die Bücher liebte und sie sie alle gelesen hatte. Die Kinderbücher, die frisch aufgelegten Krimis, die Romane, die Geschichten aus Afrika, die Dramen, die in Hamburg und anderswo spielten, und die Lebensgeschichten berühmter und nicht berühmter Menschen. Immer wieder kamen ihre Kunden zurück, um nach neuen Tipps zu fragen. Sie setzten sich auf das alte Sofa, das in einer Ecke des Verkaufsraums zum Verweilen einlud, tranken Kaffee, blätterten in Büchern und sahen sich um.»hier ist es so schön kuschelig!«, staunten sie und wussten nicht, dass das nichts mit den schönen Regalen und der Dekoration zu tun

5 hatte, sondern allein mit den Büchern. Bücher wärmen. In ihrer Nähe fühlt man sich geborgen und gut aufgehoben und wenn es dann noch ein schönes Sofa gibt, etwas zu trinken und zu essen und möglicherweise einen netten Menschen, der für Fragen greifbar ist, aber nicht stört, dann ist das Glück nahezu perfekt. Maya las im Laden und daheim. Wenn man abends durch das Fenster ihres Wohnzimmers schaute, konnte man sie auf ihrem Sofa sitzen sehen, eingekuschelt in eine weiche rote Decke, Max zu Füßen, auf dem Tisch eine dampfende Teekanne und ein Buch auf den angewinkelten Knien. Sie schmunzelte manchmal oder lachte leise los, und wenn die Nachbarn die Ohren spitzten, dann konnten sie dies hören. Wie auch die leise Musik, die aus ihrem alten Kofferradio kam. Das Radio hatte Maya von ihrem Opa geerbt; noch

6 konnte, weder wollte sie sich davon trennen, obwohl es längst moderne CD-Player oder ipods gab. Aber die knisterten nicht so schön, und man konnte sich auch nicht minutenlang damit beschäftigen, einen Sender sauber einzustellen. Nein, Maya war kein modernes Mädchen, aber Maya wollte das auch nicht sein. Männer kamen und sprachen sie an, sie schickten ihr Grüße oder winkten ihr zu, aber Maya war zu scheu, um es überhaupt zu bemerken. Das macht nichts, dachte sich Maya. Solange sie Bücher, Max, den Laden, ihre Kollegin Valentina und die Kunden hatte, war die Welt für sie in Ordnung.»Das Leben kann nicht schöner sein!«, sagte sie dann und hörte für einen Moment mit dem Lesen auf. Fast nicht schöner... Maya wusste, dass sie da etwas vergaß. Da sie aber

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