Was tun bei Fatigue? Florian Zettl, Abteilung Hämatologie/Onkologie und Palliativmedizin

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1 Was tun bei Fatigue? Florian Zettl, Abteilung Hämatologie/Onkologie und Palliativmedizin

2 Tumor-assoziierte Fatigue Definition [CrF Cancer related Fatigue] Quälende Form der Erschöpfung Außerordentliche Müdigkeit, mangelnde Energiereserven, massiv erhöhtes Ruhebedürfnis, das absolut unverhältnismäßig zur vorausgegangenen Aktivität ist Nach Schlaf/Erholungsphasen keine oder nur geringe Besserung Beschwerden ganz individuell Bis zu 96% der Krebspatienten leiden vorübergehend oder längerfristig an Fatigue

3 Belastung der Patienten durch Tumorassoziierte Symptome Befragung von 576 Tumorpatienten [Stone, P., Ann Oncol

4 Onkologen schätzen Fatigue als weitaus weniger belastend ein als die Patienten. Befragung von 419 Tumorpatienten und 197 Onkologen [Vogelzang, N.J., Semin. Hematol.34, 1997]

5 Zielgruppe: Fatigue ASCO Guidelines 2014 Patienten nach initialer Chemotherapie mit kurativem Ansatz und die klinischer Remission oder aber unter Erhaltungstherapie sind Screening Alle an der Therapie Beteiligten sollten routinemäßig Patienten auf Symptome der Fatigue screenen (Visuelle Analog Scala oder Fragebogen), mindestens einmal jährlich Umfassende und fokussierte Diagnostik Ausführliche Anamnese Erfassung des Krankheitsstadiums Erfassung behandelbarer beitragender Faktoren (Hypogonadismus, Hypothreose, Herzinsuffizienz) Erweiterte Diagnostik bzw. Überweisung an unterschiedliche Fachärzte Bower JE, et al: J Clin Oncol 2014

6 Fatigue ASCO Guidelines 2014 Beratung und Information Symptome, unterstützende Faktoren Information über allgemeine Strategien bei Fatigue (z.b. Schlaf, Bewegung, Verhalten) Regelmäßige Reevaluation bei Patienten mit (moderater bis schwerer Fatigue) Behandlung beitragender Faktoren als erstes Anämie, Elektrolytstörungen, endokrine Dysfunktion, Depression, Angst, Schlafstörungen, Mangelernährung, Medikamentennebenwirkungen etc. Bower JE, et al: J Clin Oncol 2014

7 Fatigue Anämietherapie Anämietherapie Erythrozytentransfusionen Erythropoetin bei Anämie Chemotherapie für eine nicht hämatologische Erkrankung Andere behandelbare Ursachen einer Anämie sollten ausgeschlossen sein (z.b. chron. Blutung, Hämolyse, Eisen oder Vit B12-Mangel Der initiale Hb sollte unter 10g/dl liegen (Cave: v.a. bei Hb > 11/12g/dl erhöhte Thromboembolierate und möglicherweise erhöhte Sterblichkeit)

8 Fatigue ASCO Guidelines 2014 Körperliche Aktivität Patienten nach Tumortherapie sollten motiviert werden körperlich aktiv zu sein. ASCO Leitline empfiehlt 150 min moderates aerobes Training pro Woche und 2-3 Einheiten Krafttraining wenn keine Kontraindikationen bestehen. Patienten mit schwerer Fatigue und/oder hoher Verletzungsgefahr) sollten das Training unter Anleitung eines Physiotherapeuten od. spezialisiertem Trainer verwiesen werden. Psychosoziale Interventionen Kognitive Verhaltenstherapie Psychoedukation Bower JE, et al: J Clin Oncol 2014

9 Fatigue ASCO Guidelines 2014 Mind-Body-Interventions Moderate Evidenz für z.b. Yoga und Akupunktur Zusätzliche Forschung bzgl. Massagen, Musiktherapie, Entspannungstherapie Medikamentöse Therapie Guideline spricht für gewisse Evidenz einer Wirksamkeit von Psychostimulanzien (Methylphenidat od. Modafinil) Cave: In Deutschland dafür nicht zugelassen, Evidenz sehr schwach, es gibt auch einige Studien die keinen Vorteil zeigen (Spathis et al. JCO 2014) Wisconsin Ginseng kann CRF verbessern Bower JE, et al: J Clin Oncol 2014

10 Zusammenfassung Fatigue tritt häufig auf, insbesondere auch bei Therapien mit Antikörpern oder Tyrosinkinaseinhibitoren Kurzscreening sollte Routine sein Ausführliche Erfassung bei moderater und schwerer Fatigue Therapie behandelbarer Ursachen oder Begleitumstände Körperliche Aktivität sehr wichtig aber oft schwierig umzusetzen Evidenz für eine medikamentöse Therapie ist schwach Betreuung erfordert ein multiprofessionelles Team/Netzwerk und vor allem Zeit

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