Verkehrspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft 2. Ordnungspolitischer Dialog Zwickau, 21. November 2008

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1 Verkehrspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft 2. Ordnungspolitischer Dialog Zwickau, 21. November 2008 Prof. Dr. Frank Fichert Hochschule Heilbronn Fakultät Wirtschaft und Verkehr

2 Gliederung Verkehrspolitische Grundstrategien im Wandel Besonderheitenlehre und Regulierung Zeit der verkehrspolitischen Unentschiedenheit Deregulierung aufgrund europäischer Vorgaben Aktuelle verkehrspolitische Kontroversen Rechtfertigung einer speziellen Verkehrspolitik Modal Split Sozialpolitische Aspekte der Verkehrspolitik Fazit Prof. Dr. Frank Fichert - Verkehrspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft - Zwickau, 21. Nov

3 Besonderheitenlehre und Regulierung Traditionelle Besonderheitenlehre Umfangreiche Liste mit Besonderheiten des Verkehrssektors ( Wettbewerbsversagen ), allerdings bereits in 1950er Jahren umstritten (Alfons Schmitt, Erich Welter, Walter Hamm) Darüber hinaus Schutzbedürftigkeit der Bundesbahn durch vielfältige gemeinwirtschaftliche Auflagen bedingt sozialpolitische Motivation ( Wuermeling ) regionalpolitische Motivation (Entfernungstarife) strukturpolitische Motivation (z. B. Agrarpolitik) Insgesamt Schutzpolitik wenig erfolgreich, erkennbar an zunehmender Defizitproblematik Prof. Dr. Frank Fichert - Verkehrspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft - Zwickau, 21. Nov

4 Besonderheitenlehre und Regulierung Umfassende staatliche Eingriffe in den Verkehrssektor nach 1949 Staatliche Betriebe (Deutsche Bundesbahn, Deutsche Lufthansa) mit Schutz vor intramodalem Wettbewerb Regulierung des intermodalen Wettbewerbs, insbesondere im Straßengüterverkehr, dabei unmittelbare Anknüpfung an den Bestimmungen der Zwischenkriegszeit Konzessionen gemäß Verkehrsbedürfnis Festpreise gemäß Reichskraftwagentarif (RKT) Versuche zur Begrenzung des Werkverkehrs Prof. Dr. Frank Fichert - Verkehrspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft - Zwickau, 21. Nov

5 Zeit der verkehrspolitischen Unentschiedenheit Verkehrspolitik in den 1960er Jahren Zögerliche Deregulierungsschritte ( Kleine Verkehrsreform 1961) Steuerungsoptimismus der Großen Koalition Leber-Plan mit Beförderungsteuer für den Straßengüterverkehr ( Leber-Pfennig ) Pläne für Transportverbote für bestimmte Güter (nicht realisiert) Prof. Dr. Frank Fichert - Verkehrspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft - Zwickau, 21. Nov

6 Deregulierung aufgrund europäischer Vorgaben Verkehrspolitik ab den 1980er Jahren Positive Deregulierungserfahrungen in den USA Untätigkeitsurteil des Europäischen Gerichtshofs (1985) Weitgehende Marktöffnung bis 1993 Privatisierungen (insbesondere Luftverkehr) Prof. Dr. Frank Fichert - Verkehrspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft - Zwickau, 21. Nov

7 Deregulierung aufgrund europäischer Vorgaben Verbleibende Deregulierungsaufgaben Wettbewerbshemmende Regelungen/Strukturen noch teilweise vorhanden, z. B.: Restriktionen für den Linienfernverkehr mit Omnibussen (Ziel: Schutz der Bahn) Vertikale Integration der Deutschen Bahn Taximarkt (mit normativer Begründung für Höchstpreise) Vereinzelt staatliche Subventionen (z. B. Luftverkehr) Prof. Dr. Frank Fichert - Verkehrspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft - Zwickau, 21. Nov

8 Rechtfertigungen einer speziellen Verkehrspolitik Öffentliche Güter (mit Trend zur Bemautung) Tendenzen zum natürlichen Monopol, insbesondere Schienennetz Straßennetz (wenn bemautet) Flughäfen Externe Kosten Verteilungspolitische Aspekte ( Mobilität für alle ) Prof. Dr. Frank Fichert - Verkehrspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft - Zwickau, 21. Nov

9 Modal Split Ziel: Sinnvolle Arbeitsteilung der Verkehrsträger Quelle: Fichert / Grandjot (2007). Prof. Dr. Frank Fichert - Verkehrspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft - Zwickau, 21. Nov

10 Sozialpolitische Aspekte der Verkehrspolitik Mobilität für alle als Ziel Mobilität als Grundvoraussetzung zur Teilnahme am wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Leben Ziel: Mobilität für alle, d. h. für alle Bürger und in allen Regionen Traditioneller Ansatz: Quersubventionierung innerhalb eines Unternehmens (z. B. Deutsche Bundesbahn) oder zwischen Unternehmensteilen (z. B. Stadtwerke) Probleme: Hohe Intransparenz und geringe Effizienzanreize Durch Marktöffnung (bzw. intermodalen Wettbewerb) gehen Potenziale zur Quersubventionierung verloren Prof. Dr. Frank Fichert - Verkehrspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft - Zwickau, 21. Nov

11 Sozialpolitische Aspekte der Verkehrspolitik Begrenzte Vorteile des Ausschreibungswettbewerbs Grundidee: Ausschreibung gemeinwirtschaftlicher Verkehre Anwendungen: SPNV (nach Regionalisierung ), PSO im Luftverkehr, zukünftig verstärkt im ÖSPV? Vorteile: Transparenz Wettbewerb bei Ausschreibungen Nachteile: Detaillierte Vorgabe der Qualität, d. h. Wettbewerb nur auf Kostenseite wirksam (und Bürokratie) Verteilungspolitische Treffsicherheit? Prof. Dr. Frank Fichert - Verkehrspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft - Zwickau, 21. Nov

12 Sozialpolitische Aspekte der Verkehrspolitik Potenziale der Subjektförderung Grundidee: Unterstützung bedürftiger Menschen durch Transferzahlung Allgemein: ungebundene Transfers Problem bei Einbeziehung der Mobilität in ungebundene Transfers: Differenzierte Transfers wg. persönlicher Verhältnisse (z. B. auch bei Wohngeld) Verzerrungen, da nicht internalisierte externe Effekte Alternative: gebundene Transfers ( ÖPNV-Gutscheine ) Insbesondere für Teilbereiche umsetzbar, z. B. Menschen in dünn besiedelten Regionen mit eingeschränkter Mobilität, Schülerverkehre Prof. Dr. Frank Fichert - Verkehrspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft - Zwickau, 21. Nov

13 Fazit Erfolgreiche Deregulierung zahlreicher Verkehrsmärkte in der Vergangenheit (z. B. Luftverkehr) Wettbewerbsbeschränkungen im Schienenverkehr (vertikale Integration) mit Ausstrahlung auf andere Märkte (Buslinienverkehr) Begründungen für staatliche Regulierungen verändert, primär umweltpolitische Argumente (Modal Split) ÖPNV als Sonderbereich, da Mobilitätsziel insbesondere für captive rider entscheidend Option Subjektförderung als systemkonformer Ansatz in der Sozialen Marktwirtschaft Prof. Dr. Frank Fichert - Verkehrspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft - Zwickau, 21. Nov

14 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Prof. Dr. Frank Fichert Hochschule Heilbronn Fakultät Wirtschaft und Verkehr Max-Planck-Str. 39 D Heilbronn

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