MATERIALMAPPE. >>Der Diener und sein Prinz<< Vom Glück, gebraucht zu werden [4+] Materialmappe Der Diener und sein Prinz

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1 MATERIALMAPPE >>Der Diener und sein Prinz<< Vom Glück, gebraucht zu werden [4+] Materialmappe Der Diener und sein Prinz 1

2 Inhaltsverzeichnis 1. Vorwort 3 2. Inhaltsübersicht 4 3. Gertrud Pigor 5 4. Maschine Wie baut man eine Maschine fürs Theater? Gespräch mit Bühnenbildnerin M. Frey Die letzten ihrer Art: Sterbende und ausgestorbene Berufe Die Weltmaschine von Franz Gsellmann Jean Tinguely Kraftwerk PRAXISMODUL: Maschine Theatermaschinen und Marionetten Diener Was ist ein Diener? Was ist ein Zanni? PRAXISMODUL: Diener Traum und Märchen PRAXISMODUL: Märchen Impressum 26 Materialmappe Der Diener und sein Prinz 2

3 1. VORWORT Sehr verehrtes Publikum, die Materialmappe Der Diener und sein Prinz richtet sich besonders an Lehrer und Pädagogen, die mit einer Klasse oder Gruppe einen Vorstellungsbesuch planen. Sie bietet Hintergrundinformationen zur praktischen und inhaltlichen Vor- und Nachbereitung des Theaterbesuchs. So können Sie den Theaterbesuch zu einem spielerischen Lernerlebnis für Ihre Schüler machen. Der Einfachheit halber wird im Folgenden immer die männliche Anrede gewählt, aber natürlich sind hier Jungen und Mädchen, Männer und Frauen gemeint. In dieser Mappe finden Sie inhaltliche Angaben zum Stück und Informationen zur Autorin Gertrud Pigor. Darüber hinaus ist die Mappe gegliedert in die Themenschwerpunkte Maschine, Marionette, Diener und Traum/Märchen. Zu jedem dieser Kapitel finden Sie hier Texte und Materialien, die die Begriffe vertiefen sowie je ein Praxismodul mit Diskussionsanregungen und Übungsvorschlägen für die szenisch-theatrale Vor- oder Nachbereitung. Sehen Sie diese Übungsvorschläge und Informationen als Anregungen für Ihre Arbeit. Je nach Gruppengröße und Alter können Sie diese natürlich individuell auf Ihre Klasse oder Gruppe anpassen und erweitern. Auf Anfrage können Sie ergänzend zur Vorstellung eine praktische Einführung am Theater Regensburg buchen oder ein Nachgespräch mit den Schauspielern oder der Regie anfragen. Bei Fragen und Interesse an unserem theaterpädagogischen Angebot wenden Sie sich gerne an uns. Theaterkarten bestellen Sie bitte ausschließlich bei der Gruppenbuchung! Wenn Sie bereits Karten gebucht haben und zusätzlich ein theaterpädagogisches Rahmenprogramm anfragen möchten, wenden Sie sich direkt an die Theaterpädagogik. Kontakt Gruppenbuchung: Doris Dotzler und Sabine Jordan 0941 / Kontakt Theaterpädagogik: Claudia Weidenbeck 0941 / Ich wünsche Ihnen und Ihren Schülern ein märchenhaftes Theatererlebnis und verbleibe mit herzlichen Grüßen, Claudia Weidenbeck (Theaterpädagogin) Materialmappe Der Diener und sein Prinz 3

4 2. INHALTSÜBERSICHT Ein kleines Mädchen flüchtet sich nach einem Streit mit ihren Eltern in ihr Zimmer, ganz tief unter die Bettdecke. Und sie wacht plötzlich auf in einem Schloss mit mehreren hundert Zimmern... Dort lebt der Prinz gemeinsam mit seinem Diener. Es gibt so viele Zimmer, dass der Prinz für jede Lust und Laune ein eigenes Zimmer hat: das Wutanfallzimmer, das Marmeladenbrotesszimmer, das Nieszimmer etc. Der Prinz hat alles, was man sich überhaupt nur vorstellen kann, und vor allem hat er seinen Diener, der ihm die meisten Tätigkeiten selbstverständlich abnimmt. Eines Tages aber wird eine Maschine geliefert. Eine Maschine, die alles kann. Wirklich Alles! Kochen, putzen, nähen es gibt nichts, was die Maschine nicht erledigen könnte. Der Prinz ist begeistert, doch ab sofort ist der Diener überflüssig. Einfach wegrationalisiert von der Dienermaschine. Der Diener wird gefeuert und zieht hinaus in die Welt, wo er einen neuen Herrn sucht. Das stellt sich aber als schwieriger heraus, als geahnt... Kann eine Maschine wirklich einen Menschen ersetzen? Und wo findet der Diener seinen Platz in der Welt, wo er doch seit jeher im Schloss des Prinzen gedient hatte? Und was wird aus dem Prinzen allein im großen Schloss? In dieser Spielzeit beschäftigen wir uns am Jungen Theater Regensburg mit dem Thema Arm und Reich. In all unseren Inszenierungen beleuchten wir die damit verbundenen unterschiedlichen Facetten aus verschiedenen Perspektiven. Bei Der Diener und sein Prinz tritt diese Gegenüberstellung von Arm und Reich deutlich in den beiden Figuren Diener und Prinz hervor. Der Prinz, der alles hat und noch mehr will. Der Diener, der leidenschaftlich gerne arbeitet und dennoch überaus bescheiden ist. Braucht man also wirklich ein Schloss mit so vielen Zimmern, um glücklich zu sein? Verbindet die beiden am Ende wirklich nur die Arbeit, oder hat sich über die lange Zeit vielleicht längst eine Freundschaft entwickelt, die letztlich viel wichtiger ist als eine Maschine, die jeden Wunsch erfüllt? Besetzung: Inszenierung Mia Constantine Bühne Mascha Frey Kostüme Christine Leers Musik Jörg Wockenfuß Dramaturgie Eva Veiders Theaterpädagogik Claudia Weidenbeck Diener Felix Steinhardt Prinz Stefan Maschek Mädchen Sina Reiß Regieassistenz, Abendspielleitung, Inspizienz, Soufflage Mona Müller Materialmappe Der Diener und sein Prinz 4

5 3. GERTRUD PIGOR Gertrud Pigor, geboren 1958 in Bad Neustadt/Saale studierte Philosophie und Bildende Kunst, spezialisierte sich zunächst auf Figuren- und Objekttheater und kam über Regieassistenzen am Stadsteater Stockholm und am Staatstheater Braunschweig zum Kinder- und Jugendtheater. Seit 1996 arbeitet sie als freie Regisseurin und Autorin. Zuletzt war sie am Schauspielhaus Hamburg und an den Theatern Kiel, Saarbrücken und Linz tätig. Gertrud Pigor lebt in Hamburg. Gertrud Pigor erarbeitet ihre Bühnenstücke oft auf der Grundlage von Bilderbüchern. Der Der Diener und sein Prinz ist keine dramatische Bearbeitung eines Bilderbuchs sondern entstand frei nach einer Erzählung von Thomas Winding. Gertrud Pigor Weitere Stücke der Autorin (Auswahl): WANN GEHEN DIE WIEDER?, UA im Dez. 2013, Junges Schauspielhaus, Hamburg EIN KÖNIG ZU VIEL, UA im Sept. 2013, Theater Kiel DIE KLEINE SEPTIME, UA im März 2012, Junges Schauspielhaus, Hamburg HUND. KATZ. RABATZ, UA im Okt. 2011, Theater Kiel DIE FAULSTE KATZE DER WELT, UA im Sept. 2009, Junges Schauspielhaus, Hamburg HERR FUCHS MAG BÜCHER, UA im Nov. 2007, Theater Kiel DIE ZWEITE PRINZESSIN, UA im Mai 2003, Theater Kiel Meist inszeniert die Autorin ihre Stücke selbst. Quelle: Theaterstückverlag München [Stand: ] Materialmappe Der Diener und sein Prinz 5

6 4. MASCHINE In Der Diener und sein Prinz spielt eine Maschine eine zentrale Rolle. Sie ist der Auslöser dafür, dass der Diener gefeuert wird. Weil es plötzlich eine Maschine gibt, die vermeintlich alles kann, wird der Diener und seine Arbeit überflüssig. Für das Inszenierungskonzept stellt dies eine Herausforderung dar: Welcher Art ist die Maschine? Wie sieht sie aus? Was kann sie alles? Oder wie kann man darstellen, dass sie alles kann? Auch im Alltag haben wir es heute tagtäglich mit Maschinen und Technik zu tun, die vermeintlich unser Leben einfacher machen: Wir fahren Auto, wir haben Handys und Computer und Internet sind gar nicht mehr wegzudenken. Einige Berufe wurden dadurch verdrängt aber neue sind so auch entstanden. In diesem Kapitel dreht sich alles rund um das Phänomen Maschine. Wie wichtig sind Maschinen in unserem Alltag? Wie verändern Maschinen unser Leben? Was ist eigentlich eine Maschine? Wie können Maschinen aussehen und wie hören sich Maschinen an? Sie finden in diesem Kapitel ein Interview mit der Bühnenbildnerin von Der Diener und sein Prinz Mascha Frey. Ebenso werden hier einige Berufe vorgestellt, die es heutzutage nicht mehr gibt, weil diese aufgrund von strukturellem Wandel oder technischen Neuerungen überflüssig wurden. Überlegen Sie an dieser Stelle aber auch mit Ihrer Klasse oder Gruppe, welche Berufe neu entstanden sind - aus denselben Gründen. Darüber hinaus werden ausgewählte Beispiele aus der bildenden Kunst und Pop-Musik vorgestellt, die verdeutlichen, wie eine kreative Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Maschine aussehen kann. Diese Beispiele zeigen zum einen, dass Maschinen seit jeher eine Faszination auf Menschen ausüben. Zum anderen sollen sie Ihnen als Anhaltspunkte dienen, wie man sich mit Kindern kreativ an das Thema herantasten kann: Wir bauen oder zeichnen eine Nonsens-Maschine, wir bewegen uns wie Roboter zu Kraftwerkmusik oder wir machen mit unserem Körper Geräusche und Bewegungen, die sich anhören wie eine Maschine: rattern, tuten, brummen und summen. Am Ende des Kapitels finden Sie hierzu konkrete Praxisübungen. Viel Spaß dabei! Materialmappe Der Diener und sein Prinz 6

7 4.1. WIE BAUT MAN EINE MASCHI- NE FÜRS THEATER? - GESPRÄCH MIT BÜHNENBILDNERIN MASCHA FREY Mascha Frey (32) wurde in Hannover geboren und studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Architektur und Design. Währenddessen absolvierte sie ein Gastsemester Bühnenbild bei Professor Zehetgruber. Nach dem Studium arbeitete sie in verschiedenen Architekturbüros und studierte dann im Aufbaustudiengang an der Filmakademie Ludwigsburg Szenenbild. Seit der Spielzeit 2012/13 ist sie Bühnenbildassistentin am Theater Regensburg. Inwiefern ist das Stück über den Diener und seinen Prinzen eine Herausforderung für die Ausstattung? Es spielt an vielen verschiedenen Orten, die alle für die Entwicklung von Diener und Prinz wichtig sind. Es gibt nicht nur ein Schloss, sondern auch einen Bauernhof, einen Sportplatz, eine Wäscherei, ein Café und schließlich dann das große Schlosshotel. Am Anfang ziehen sich Diener und Prinz im Schloss zurück, dann machen sie sich - jeder für sich - auf eine große Reise und schließlich kehren sie zum Schloss zurück, dass nun aber auch für andere Menschen offen steht. Wie kann man ein so großes Schloss mit so vielen Zimmern auf die Bühne bringen? Wir zeigen den Ausschnitt von einem Schloss über eine Reihe verschiedener Fensterrahmen. Jedes Fenster hat dabei eine besondere Eigenart. Ein einziges Fenster kann zum Beispiel ein Zahnputzzimmer und kurz darauf auch ein Krisenzimmer sein. Wichtig war uns zu zeigen, dass das Schloss nicht irgendwo aufhört - wie bei einer typischen Schlosskontur -, sondern grenzenlos weitergehen kann. In dem Stück spielt eine Maschine eine sehr große Rolle: Wie kann so eine Maschine im Theater aussehen, die alles kann? Wie gehst Du an solche Vorgaben heran? Das große Versprechen der Maschinenverkäuferin, dass die Maschine wirklich alles kann, löst sich im Stück nicht ein - denn am Ende fühlt sich der Prinz mit Maschine doch ganz schön allein gelassen. Wir haben uns entschieden, die vielleicht vorhandenen und skurrilen Fähigkeiten der Maschine der Fantasie des Zuschauers zu überlassen und die Maschine verpackt zu zeigen Was magst Du an dem Stück am liebsten? Das, was im Untertitel steht: Vom Glück, gebraucht zu werden. Fragen: Claudia Weidenbeck. Materialmappe Der Diener und sein Prinz 7

8 4.2. DIE LETZTEN IHRER ART: STER- BENDE UND AUSGESTORBENE BE- RUFE Quelle: [Stand: ] Die Neuerungen der Technologie aber auch der gesellschaftliche Wandel haben viele Berufe verdrängt, die in früheren Zeiten zum Alltag gehörten. Manche von ihnen leben noch in Familiennamen fort. Stellmacher, auch Wagner oder Radmacher Er stellte die Räder, aber auch ganze Wagen und andere Geräte aus Holz her. Im Eisenbahnboom des späten 19. Jahrhunderts waren Stellmacher als Waggonbauer noch begehrt. Auch in den ersten Jahren der Autoindustrie. Seit der Einführung industrieller Fließbandfertigung stirbt die Stellmacherei aus. Küfer, auch Küfner, Fassbinder, Böttcher In vorindustrieller Zeit ein unverzichtbarer Beruf in jeder Stadt. Er stellte Bottiche, Kübel und Fässer her. Hergestellt werden all diese Gefäße aus Dauben, speziell geformten Holzstücken, die mit eisernen Reifen zusammengehalten werden. Haderlump Er wanderte durchs Land und suchte alte Kleidung und Stoffreste zusammen. Leinenstoffe waren bis ins 18. Jahrhundert der einzige Rohstoff zur Herstellung von Papier. Durch die Industrialisierung der Textilienherstellung und die Ausbreitung der Papierherstellung aus Holz, verlor die Lumpensammlerei an Bedeutung. Materialmappe Der Diener und sein Prinz 8

9 (Kammer)Diener Hausgesinde (auch Domestiken ), also persönliche Angestellte, die für ihren Herrn häusliche Pflichten erfüllen, die dieser nicht ausüben kann oder möchte, leisten sich heute selbst die Reichsten der Reichen kaum noch. Türmer Längst ausgestorben ist dieser wichtige aber dennoch als unehrlich empfundene Beruf. Türmer nannte man im Mittelalter den Wächter, der von einem Turm aus die Stadt und die Umgebung beobachtete. Er musste vor Hausbränden und anderen Unfällen, aber auch vor herannahenden feindlichen Soldaten und Räuberbanden warnen. Schriftsetzer Bücher und andere gedruckte Texte wurden bis in die 1990er Jahre mit Bleisatz-Druckvorlagen hergestellt. Jahrhundertelang geschah das per Hand aus dem Setzkasten. Im 20. Jahrhundert meist mit der Linotype-Setzmaschine. Seit 1998 gibt es den Beruf nicht mehr. Als Nachfolger gilt der Beruf des Mediengestalters. Schattenrissschneider Vor der Erfindung der Photographie war der Schattenriss (auch Silhouette genannt) eine preiswerte Alternative zum gemalten Porträt. Beliebt war der Schattenriss vor allem in der Zeit vor der Französischen Revolution und dann wieder in der Biedermeier-Zeit. FRAGEN: Welche Berufe entstanden neu durch technische Neuerungen? Haben wir heute Berufe, die es früher nicht gab? Materialmappe Der Diener und sein Prinz 9

10 4.3. DIE WELTMASCHINE VON FRANZ GSELLMANN Im Jahre 1958 besuchte der Edelsbacher Bauer Franz Gsellmann das Atomium in Brüssel. Fasziniert von dessen Gestalt begann er in einer Kammer seines Hofes mit der Erichtung der Maschin. Entstanden ist daraus ein monströses Gewirr aus bunten Rohren, Zahnrädern, Draht, Gittern, Rädern, Küchenmaschinen, Kruzifixen, Madonnendarstellungen, Lustern und Uhren. Es wird von über zwanzig Motoren bewegt und ist grell bunt bemalt. Setzt man die Weltmaschine in Bewegung, blinken Lampen und ein Blaulicht, es dreht und bewegt sich vieles, manches sehr schnell, und knatternd dröhnende, manchmal schrille, dann wieder blecherne, glockenähnliche Töne und Geräusche erfüllen den Raum. Kaum jemand konnte mit dem Ungetüm etwas anfangen. Auf die Frage nach dem Zweck meinte Gsellmann: Für irgendetwas wird s schon gut sein. So steht heute diese Maschine völlig ohne Zweck, aber als Denkmal eines homo ludens, des spielenden, schöpferischen Menschen Franz Gsellmann in Edelsbach und versetzt Menschen in Staunen, ja macht sie manchmal über sich selbst ein wenig nachdenklich. Heute ist das Werk des Außenseiters, der die Arbeit am Hof wegen der Weltmaschine oft unerledigt ließ, weit über die Steiermark hinaus bekannt. Und wäre Franz Gsellmannn nicht 1981 gestorben und die Kammer ein wenig größer gewesen, wären ihm bestimmt noch Erweiterungen eingefallen. Neben der Weltmaschine sind heute am Hof der Gsellmanns eine Ausstellung mit Werkzeugen sowie Bilder von Gsellmanns Weltmaschine, die von regionalen Künstlern als Interpretationen der Maschin gemalt wurden, zu sehen. Text von Heimo Kaindl Quelle: [Stand: ] Weitere Infos und Bilder von der Weltmaschine finden Sie hier: Materialmappe Der Diener und sein Prinz 10

11 4.4. JEAN TINGUELY Rudolf Suter in einem Artikel der Neuen Züricher Zeitung vom über die Arbeit des Künstlers Jean Tinguely bewegt. >Stillstand gibt es nicht< [...] Jean Tinguely ( ), in Freiburg geboren und in Basel aufgewachsen, gehört zu den grossen Meistern der kinetischen Kunst. [...] letztlich steht hinter jeder beweglichen Plastik von Tinguely der von ihm geäusserte Grundgedanke: >Es bewegt sich alles, Stillstand gibt es nicht.< [...] Seine Schrott-Assemblagen funktionieren wie Maschinen, die aber nichts produzieren und stattdessen sinnlose Bewegungen ausführen. Das gestalterische Recycling zielt jedoch nicht auf Unsinn ab, sondern lässt sich als kreativer Umgang mit dem Industriematerial und als zeitgemässer künstlerischer Ausdruck des Maschinenzeitalters verstehen [...] Für alle Arbeiten Tinguelys gilt, dass die integrierten Bestandteile eine neue Funktion erhalten: Bohrer dienen als Motoren, die einen Staubwedel herumwirbeln; Räder unterschiedlichster Fahrzeuge drehen sich, ohne sich fortzubewegen; ein Kühlschrank enthält anstelle von Getränken und Esswaren eine Alarmsirene. Daher ist nicht voraussehbar, was passiert, wenn das Werk per Knopfdruck oder auf andere Weise in Aktion versetzt wird. [...] Text von Rudolf Suter, 2013 Quelle: Jean Tinguely bewegt. Stillstand gibt es nicht. In: stillstand-gibt-es-nicht [Stand: ] Materialmappe Der Diener und sein Prinz 11

12 4.5. KRAFTWERK Biographie der Band auf laut.de: Es gibt wohl kaum eine Band aus Deutschland, die so oft als Inspirationsquelle angegeben wird wie Kraftwerk. Keine andere Gruppe wurde so oft gesampelt und um keine andere Formation ranken sich mehr Mythen und Gerüchte wie um die Düsseldorfer. Ihr Einfluss auf die Entwicklung elektronischer Musik wird von Künstlern sämtlicher Genres anerkannt. Gemeinsam mit dem Südtiroler Produzenten Giorgio Moroder gelten sie als Erfinder des Elektro-Pop und Techno. Zu Beginn stehen nur zwei Namen im Vordergrund. Ralf Hütter und Florian Schneider-Esleben sind die Gründungsmitglieder von Kraftwerk. Bevor sie sich jedoch so nennen, firmieren sie unter dem Namen Organisation, können aber (außer ein paar überreifen Tomaten bei Livekonzerten) nichts ernten. Avantgarde nannte man das damals, abgefahrene Mucke, die sich wesentlich vom Einerlei der damaligen Beatmusik abhob. [...] Ganz am Anfang ist Kraftwerk noch keine rein elektronische Band - bis Wolfgang Flür aus einer simplen Rhythmusmaschine ein elektronisches Schlagzeug bastelt. Plötzlich stehen ganz neue Möglichkeiten offen, mit denen man experimentieren kann und so dauert es nicht lange, bis sie den kompletten Sound auf Elektronik umstellen. Ihren ersten Hit feiern Kraftwerk 1974, als eine gekürzte Fassung des Titelstücks Autobahn in den Staaten die Hitparaden stürmt. So etwas hatte die Welt noch nicht gesehen, vier Männer, die auf der Bühne statt Gitarren und sonstigen Instrumenten lediglich an Knöpfchen drehen und so ihren eigenen Soundkosmos erschaffen. Die einzelnen Kraftwerk-Platten beschäftigen sich mit spezifischen Themen, die dann jeweils passend musikalisch umgesetzt werden. Mit der Zeit entsteht so ein schon fast legendäres Image. Interviews mit den Musikern sind sehr selten. [...] In den Folgejahren findet die zum Mythos gewordene Elektro-Legende ungeahnten Gefallen am Auftritt vor Publikum. Laut Hütter sei dafür vor allem die fortgeschrittene Technik verantwortlich, die der Gruppe erstmals erlaube, so aufzutreten, wie man es sich schon in den 70er und 80er Jahren gewünscht habe. [...] Quelle: [Stand: ] Materialmappe Der Diener und sein Prinz 12

13 4.6. PRAXISMODUL: MASCHINE Hören und Bewegen - Kraftwerk Die Mensch-Maschine und Die Roboter Hören Sie gemeinsam mit der Gruppe die Lieder (z.b. auf Youtube) an und diskutieren Sie gemeinsam folgende Fragen: Was fällt bei den Liedern auf? Kann sich Musik wie eine Maschine anhören? Wenn ja, warum? Wie klingen Maschinen? Warum hören sich die beiden Lieder elektronisch an? Was passiert mit dem Gesang, bzw. der menschlichen Stimme in den beiden Liedern? Hören Sie die Lieder noch einmal gemeinsam an. Nun aber probieren alle Kinder sich dazu zu bewegen. Sind die Bewegungen eher flüssig oder abgehakt? Wie beeinflusst und verändert die Musik die eigene Bewegung? Fragen zur Vor- oder Nachbereitung: Was ist eine Maschine? Braucht man Maschinen und wenn ja, warum? Welche Maschinen und Geräte bestimmen jeden Tag unser Leben? Was würde sich ändern, wenn es einige dieser Maschinen nicht gäbe? Können Maschinen Menschen ersetzen? Wie wäre es, wenn es anstatt Eltern, Lehrern oder besten Freunden eine Maschine gäbe, die alles übernimmt, was Eltern, Lehrer und beste Freunde tun? Was müsste eine solche Maschine können und was würde dann aber fehlen? Materialmappe Der Diener und sein Prinz 13

14 Geräusch-Maschine Die Gruppe bildet einen großen Kreis. Eine Person beginnt und stellt sich in die Mitte des Kreises. Sie macht eine klare Bewegung und dazu ein Geräusch. Beides wiederholt sie in derselben Geschwindigkeit fortlaufend. Ein weiterer Mitspieler stellt sich dazu und macht auch ein Geräusch und eine Bewegung, die sich von der anderen Person unterscheidet. Nach und nach treten immer mehr Spieler dazu. So bildet sich eine Geräusch-Bewegungsmaschine, die immer größer wird. Mit Zeichen, die vorher vereinbart werden, kann der Spielleiter die Maschine dirigieren und sie schneller oder langsamer, lauter oder leiser laufen lassen. Variationen: Alle Spieler/innen müssen in irgendeiner Weise durch Körperkontakt miteinander verbunden sein. Diese Maschine kann zu jedem Thema gebaut werden, zum Beispiel auch als Obstmaschine, Gefühlsmaschine, Tiermaschine usw. Ziele: Konzentration Aufmerksamkeit Rhythmusgefühl Gruppendynamik Die Wunsch-Maschine Die Schüler zeichnen Skizzen von ihrer Traummaschine. Wenn sie ihre eigene Maschine bauen könnte, welche müsste das sein? Was muss die Maschine können? Wie müsste sie aussehen? Wie kann man die Maschine steuern? Wer kann die Maschine bedienen? Wie hört sich die Maschine an? Wie groß ist die Maschine? Am Ende kann man alle fertigen Skizzen nebeneinanderlegen und jeder erklärt seine Maschine: Warum ist das die Traummschine? Was kann sie produzieren? Ist es eine Hausaufgaben-Maschine? Eine Schlaf-Mschine? Oder doch eher eine Zähneputz-Maschine? Oder vielleicht eine Fußballspiel- oder Witzeerzähl-Maschine? Materialmappe Der Diener und sein Prinz 14

15 5. THEATERMASCHINEN UND MARIONETTEN Im Theater werden bereits seit der Antike Maschinen eingesetzt, die mechanische Bewegungen auf der Bühne erzeugen und beispielsweise Donner, Regen, Wind oder andere Phänomene auf der Bühne darstellen. Auch Drehbühnen sind solche Theatermaschinen und gehören heute an großen Bühnen zur Standardausstattung. Das Theater am Bismarckplatz in Regensburg verfügt ebenso über eine Drehbühne. Darüber hinaus gibt es ein Genre, wo Schauspieler im übertragenen Sinn durch Maschinen ersetzt werden: Das Figurentheater. Dort werden Marionetten und Objekte eingesetzt und von Puppenspielern bewegt. Das heißt, in der Regel haben die Figuren kein mechanisches Eigenleben, sondern es gibt Puppenspieler, die den Figuren und Objekten Leben einhauchen - ihnen eine Stimme verleihen oder sie bewegen mit Hilfe von Fäden, Holzstäben oder mit den Händen. Dabei gehen Spieler und Marionette eine ganz besondere Beziehung ein. Gibt es überhaupt Maschinen, die ein Eigenleben haben oder braucht jede Maschine sozusagen eine Art Spieler, der ihr Leben einhaucht? Was unterscheidet beispielsweise eine Marionette von einem Auto? In dem vieldiskutierten Text Über das Marionettentheater von Heinrich von Kleist wird die Kunst des Puppenspiels und das besondere Verhältnis zwischen Puppe und Spieler näher beleuchtet: HEINRICH VON KLEIST: ÜBER DAS MARIONETTENTHEATER (AUSZÜGE) Als ich den Winter 1801 in M... zubrachte, traf ich daselbst eines Abends, in einem öffentlichen Garten, den Herrn C. an, der seit kurzem, in dieser Stadt, als erster Tänzer der Oper, angestellt war, und bei dem Publiko außerordentliches Glück machte. Ich sagte ihm, daß ich erstaunt gewesen wäre, ihn schon mehrere Male in einem Marionettentheater zu finden, das auf dem Markte zusammengezimmert worden war, und den Pöbel, durch kleine dramatische Burlesken, mit Gesang und Tanz durchwebt, belustigte. Er versicherte mir, daß ihm die Pantomimik dieser Puppen viel Vergnügen machte, und ließ nicht undeutlich merken, daß ein Tänzer, der sich ausbilden wolle, mancherlei von ihnen lernen könne. Da die Äußerung mir, durch die Art, wie er sie vorbrachte, mehr, als ein bloßer Einfall schien, so ließ ich mich bei ihm nieder, um ihn über die Gründe, auf die er eine so sonderbare Behauptung stützen könne, näher zu vernehmen. [ ] Ich erkundigte mich nwach dem Mechanismus dieser Figuren, und wie es möglich wäre, die einzelnen Glieder derselben und ihre Punkte, ohne Myriaden von Fäden an den Fingern zu haben, so zu regieren, als es der Rhythmus der Bewegungen, oder der Tanz, erfordere? Er antwortete, daß ich mir nicht vorstellen müsse, als ob jedes Glied einzeln, während der verschiedenen Momente des Tanzes, von dem Maschinisten gestellt und gezogen würde. Jede Bewegung, sagte er, hätte einen Schwerpunkt; es wäre genug, diesen, in dem Innern der Figur, zu regieren; die Glieder, welche nichts als Pendel wären, folgten, ohne irgend ein Zutun, auf eine mechanische Weise von selbst. [ ] Ich fragte ihn, ob er glaubte, daß der Maschinist, der diese Puppen regierte, selbst ein Tänzer sein, oder wenigstens einen Begriff vom Schönen im Tanz haben müsse? Er erwiderte, daß wenn ein Geschäft, von seiner mechanischen Seite, leicht sei, daraus noch nicht folge, daß es ganz ohne Empfindung betrieben werden könne. Materialmappe Der Diener und sein Prinz 15

16 [ ] Ich erwiderte, daß man mir das Geschäft desselben als etwas ziemlich Geistloses vorgestellt hätte: etwa was das Drehen einer Kurbel sei, die eine Leier spielt. Keineswegs, antwortete er. Vielmehr verhalten sich die Bewegungen seiner Finger zur Bewegung der daran befestigten Puppen ziemlich künstlich [ ]. Inzwischen glaube er, daß auch dieser letzte Bruch von Geist, von dem er gesprochen, aus den Marionetten entfernt werden, daß ihr Tanz gänzlich ins Reich mechanischer Kräfte hinübergespielt, und vermittelst einer Kurbel, so wie ich es mir gedacht, hervorgebracht werden könne. [ ] Haben Sie, fragte er, da ich den Blick schweigend zur Erde schlug: haben Sie von jenen mechanischen Beinen gehört, welche englische Künstler für Unglückliche verfertigen, die ihre Schenkel verloren haben? Ich sagte, nein: dergleichen wäre mir nie vor Augen gekommen. Es tut mir leid, erwiderte er; denn wenn ich Ihnen sage, daß diese Unglücklichen damit tanzen, so fürchte ich fast, Sie werden es mir nicht glauben. Was sag ich, tanzen? Der Kreis ihrer Bewegungen ist zwar beschränkt; doch diejenigen, die ihnen zu Gebote stehen, vollziehen sich mit einer Ruhe, Leichtigkeit und Anmut, die jedes denkende Gemüt in Erstaunen setzen. [ ] Wie, fragte ich, da er seinerseits ein wenig betreten zur Erde sah: wie sind denn diese Forderungen, die Sie an die Kunstfertigkeit desselben zu machen gedenken, bestellt? Nichts, antwortete er, was sich nicht auch schon hier fände; Ebenmaß, Beweglichkeit, Leichtigkeit nur alles in einem höheren Grade; und besonders eine naturgemäßere Anordnung der Schwerpunkte. [ ] Ich sagte, daß, so geschickt er auch die Sache seiner Paradoxe führe, er mich doch nimmermehr glauben machen würde, daß in einem mechanischen Gliedermann mehr Anmut enthalten sein könne, als in dem Bau des menschlichen Körpers. Er versetzte, daß es dem Menschen schlechthin unmöglich wäre, den Gliedermann darin auch nur zu erreichen. Nur ein Gott könne sich, auf diesem Felde, mit der Materie messen; und hier sei der Punkt, wo die beiden Enden der ringförmigen Welt in einander griffen. Ich erstaunte immer mehr, und wußte nicht, was ich zu so sonderbaren Behauptungen sagen sollte. [ ] Ich badete mich, erzählte ich, vor etwa drei Jahren, mit einem jungen Mann, über dessen Bildung damals eine wunderbare Anmut verbreitet war. Er mochte ohngefähr in seinem sechszehnten Jahre stehn, und nur ganz von fern ließen sich, von der Gunst der Frauen herbeigerufen, die ersten Spuren von Eitelkeit erblicken. Es traf sich, daß wir grade kurz zuvor in Paris den Jüngling gesehen hatten, der sich einen Splitter aus dem Fuße zieht; der Abguß der Statue ist bekannt und befindet sich in den meisten deutschen Sammlungen. Ein Blick, den er in dem Augenblick, da er den Fuß auf den Schemel setzte, um ihn abzutrocknen, in einen großen Spiegel warf, erinnerte ihn daran; er lächelte und sagte mir, welch eine Entdeckung er gemacht habe. In der Tat hatte ich, in eben diesem Augenblick, dieselbe gemacht; doch sei es, um die Sicherheit der Grazie, die ihm beiwohnte, zu prüfen, sei es, um seiner Eitelkeit ein wenig heilsam zu begegnen: ich lachte und erwiderte er sähe wohl Geister! Er errötete, und hob den Fuß zum zweitenmal, um es mir zu zeigen; doch der Versuch, wie sich leicht hätte voraussehen lassen, mißglückte. Er hob verwirrt den Fuß zum dritten und vierten, er hob ihn wohl noch zehnmal: umsonst er war außerstande dieselbe Bewegung wieder hervorzubringen was sag ich? die Bewegungen, die er machte, hatten ein so komisches Element, daß ich Mühe hatte, das Gelächter zurückzuhalten: Von diesem Tage, gleichsam von diesem Augenblick an, ging eine unbegreifliche Veränderung mit dem jungen Menschen vor. Er fing an, tagelang vor dem Spiegel zu stehen; und immer ein Reiz nach dem anderen verließ ihn. Eine uns ichtbare und unbegreifliche Gewalt schien sich, wie ein eisernes Netz, um das freie Spiel seiner Gebärden zu legen, und als ein Jahr verflossen war, war keine Spur mehr von der Lieblichkeit in ihm zu entdecken, die die Augen der Menschen sonst, die ihn umringten, ergötzt hatte. [ ] Quelle: Heinrich von Kleist: Über das Marionettentheater [1810]. In: Löwit R. (Hg.): Heinrich von Kleist. Sämtliche Werke, S , Wiesbaden, Auch zu finden auf Projekt Gutenberg - DE: buch/593/1 [Stand: ] Materialmappe Der Diener und sein Prinz 16

17 MARIONETTENSPIEL Diese Übung schult besonders das Körperbewusstsein. Damit alle Teilnehmer konzentriert sind, sind ein oder zwei Aufwärmübungen vorher sehr empfehlenswert (z.b. Klatschkreis und Raumlauf). Der Spielleiter beschreibt, dass jeder eine frische, neue Marionette ist, die allerdings noch schlaff an ihren Fäden hängt (nach vorne beugen, schönen Buckel machen). Jeder Teilnehmer stellt sich Fäden vor, die locker an den Körpergliedern befestigt sind: An den Handgelenken, am Ellbogen, am Kopf, am Knie und an den Füßen. Alle stellen sich nun einen Puppenspieler vor, der langsam beginnt an den Fäden zu ziehen. Der Spielleiter entscheidet, mit welchem Körperteil begonnen wird. Wichtig ist, dass anfangs jedes Körperteil separat bewegt wird und die anderen schlaff bleiben. Es wird also zunächst beispielsweise nur an der linken Hand gezogen, der Kopf und alle anderen Glieder hängen dabei locker zu Boden. Neben dem Körperteil ist vor allem auch wichtig, die Qualität der Bewegung zu bestimmen. Ist sie kurz und ruckartig oder zieht der Puppenspieler ganz langsam an den Fäden oder lässt er z.b. ganz plötzlich den Faden einfach wieder los? Der Spielleiter bestimmt also nicht nur das Körperteil, an dem gezogen wird, sondern auch die Qualität des Ziehens. Es kann immer wieder dazu gesagt werden, dass die Teilnehmer sich den Faden bildlich vorstellen sollen. Materialmappe Der Diener und sein Prinz 17

18 MARIONETTEN BAUANLEITUNG Die in der folgenden Bauanleitung beschriebene Marionette ist auch für kleine Kinder geeignet und bietet sich hervorragend an, um das Marionettenspiel zu lernen und zu üben. Material 1 Styroporkugel mit 6cm Durchmesser 1 Stück Stoff, 80cm x 80cm groß Wollreste, die farblich zum Stoff passen 2 Holzperlen mit 2cm Durchmesser Filzreste, Knöpfe, 2 kleine Perlen als Augen Drachenschnur 2 Rundstäbe mit 1cm Durchmesser, jeweils 25cm lang 1. Schritt: den Körper der Marionette bauen Zuerst wird der Körper der Marionette angefertigt. Dazu wird der Stoff mit der Rückseite nach oben ausgebreitet und die Styroporkugel genau in die Mitte des Stoffes gelegt. Dann wird der Stoff zusammengefasst und sehr fest und möglichst nah unter der Kugel zusammengebunden. Anschließend wird der Stoff auseinandergezogen. Die beiden oberen Ecken ergeben die Arme der Marionette. Deshalb werden hier die beiden Holzperlen aufgefädelt, wer möchte, kann sie mit etwas Klebstoff fixieren. 2. Schritt: die Fäden einarbeiten und das Spielkreuz anfertigen Jetzt erhält die Marionette ihre Fäden, damit sie auch bewegt werden kann. Dazu wird zunächst ein etwa 20 cm langes Stück Drachenschnur auf eine Nadel aufgefädelt. Dann wird die Nadel durch den Stoff auf dem Kopf der Marionette geführt, wobei der Faden möglichst in der Mitte des Kopfes platziert werden sollte. Außerdem werden zwei etwa 30cm lange Fadenstücke als Fäden für die Arme benötigt. Hier werden die Fäden jeweils durch die Stoffecken unmittelbar neben den Holzperlen geführt. Die Fäden werden dann an den beiden Rundstäben angeknotet. Der Kopffaden wird mittig auf einem Rundstab fixiert, die beiden Armfäden jeweils rechts und links auf dem anderen Rundstab. Zum Spielen der Marionette werden die beiden Rundstäbe dann über Kreuz übereinander gehalten, wobei der Stab mit dem Kopffaden in Längsrichtung und der Stab mit den Armfäden parallel zur Marionette gehalten wird. 3. Schritt: die Marionette gestalten Die Marionette ist jetzt schon fast fertig. Allerdings fehlen noch ihr Gesicht und ihre Haare. Das Gesicht kann entweder auf den Stoff aufgemalt oder mit Filz, Perlen oder anderen Dekorationsobjekten gestaltet werden. Als Haare können Wollreste aufgeklebt und zu einer schönen Frisur geformt werden, möglich sind daneben aber auch Haare aus Stroh oder ein selbstgebastelter Hut als Kopfbedeckung. Materialmappe Der Diener und sein Prinz 18

19 6. DIENER Im Folgenden soll ein genauer Blick auf die Figur des Dieners geworfen werden. Dabei können Sie mit Ihren Schülern vor oder vielleicht besser nach der Vorstellung folgende Fragen stellen: Was ist ein Diener und welche Rolle hat die Figur des Dieners traditionell im Theater? Welches Verhältnis zur Arbeit hat die Figur des Dieners in Der Diener und sein Prinz? In welchem Verhältnis stehen Diener und Prinz in dem Stück? Inwiefern kann man die beiden Figuren Diener und Prinz als Clowns bezeichnen? Am Ende dieses Kapitels finden Sie wieder ein Praxismodul mit Anregungen zur spielerischen Auseinandersetzung mit der Rolle des Dieners WAS IST EIN DIENER? Die Pflichten eines Kammerdieners bestanden in erster Linie in der persönlichen Bedienung des Herrn; dazu gehörten üblicherweise das Vorlegen, Reinigen und Bügeln der Kleidung, Rasur, Frisur, Maniküre sowie Einkäufe und Botengänge. Manchmal führten Diener auch den Haushalt ihres Herren und übernahmen Arbeiten wie Putzen, Waschen und Kochen, die üblicherweise von Dienstmädchen oder Mägden bzw. Küchenpersonal erledigt wurden. Alle diese Tätigkeiten galten für in der gesellschaftlichen Rangordnung höherstehende Menschen als nicht standesgemäß.seit den Zeiten der ersten Früh- und Hochkulturen hat es Hausdiener gegeben, die oft im Abhängigkeitsverhältnis der Sklaverei untergeordnet waren, allerdings auch den sozialen Aufstieg als Freigelassene erlangen konnten. Ein gewisses Vertrautheits- oder Vertrauensverhältnis und die Einhaltung zeremonieller, höfischer Etikette haben dabei stets eine große Rolle gespielt. Für Hausdiener, die direkten Kontakt mit ihrer Herrschaft hatten, waren Eigenschaften wie Höflichkeit, Treue, Aufrichtigkeit, Diskretion und Unterwürfigkeit wichtig. Der Diener ist auch eine traditionelle Figur des Theaters, insbesondere der Komödie. Die Commedia dell Arte schuf zwei verschiedene Dienertypen: Dem schlauen Intriganten einerseits stand der naive Tölpel andererseits gegenüber. Im 18. Jahrhundert bildete sich ein neuer Dienertyp heraus: Diener spielten den karikierenden Gegenpart zu ihren Herren. Hier traten, am Vorabend der Französischen Revolution, die Diener, die zuvor nur als Randfiguren erschienen, immer mehr selbst in den Mittelpunkt des Geschehens. Quelle: Wikipedia: [Stand: ] Materialmappe Der Diener und sein Prinz 19

20 6.2. WAS IST EIN ZANNI? Der Zanni ist die archetypische Figur des Dieners in der Commedia dell arte oder als ein Überbegriff für verschiedene Dienerfiguren ebendieser Theaterform. Während in den Anfangszeiten der Commedia der Zanni noch eine selbständige Figur war, lösen sich später verschiedene Charaktere (z. B. Arlecchino, Brighella u. a.) von ihm ab, während Zanni selbst allmählich verschwindet. Das Wort Zanni wird zum Sammelbegriff für die männlichen Dienerfiguren, allerdings wird es in dieser Form in Italien nicht benutzt. Der frühe Zanni stellte eine Person der Unterschicht dar, die üblicherweise in einem Dienstverhältnis zu einem der höherstehenden Charaktere der Commedia dell arte steht, meistens Pantalone. Er ist von geringer Bildung, dafür aber verschlagen und vor allem auf seinen eigenen Vorteil bedacht, was ihn automatisch in Gegensatz zu seinem Herrn stellt. Zudem war er ein dummer, gefräßiger und im Liebesspiel unverschämter Tölpel, der sich nur gerissen anstellen konnte, wenn es ihm ans eigene Fell ging. Er hatte sein Vorbild in den Bauern, die in die Hafenstädte gingen, um dort zunächst als Lastenträger und Hafenarbeiter, später auch als Diener ihr Glück zu suchen. Die späteren Zanni gelten als die eigentliche Seele der Commedia dell arte. Meist traten in einem Stück zwei davon auf: Der war geschickt, aktiv, mehr oder weniger intelligent und der Anführer und Kopf einer Intrige, während der zweite ungeschickt, passiv und ein Dummkopf war. Beide ergänzen sich jedoch in ihren Gesten, Blicken und in der Sprache. Quelle: Materialmappe Der Diener und sein Prinz 20

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