In der Mitte der Gesellschaft rechtsextreme Einstellungen in Deutschland und Europa

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1 In der Mitte der Gesellschaft rechtsextreme Einstellungen in Deutschland und Europa Ringvorlesung Rechtsextremismus, Rechtspopulismus, Fremdenfeindlichkeit Spurensuche in Geschichte und Gegenwart Referent: Dr. Dietmar Molthagen Erfurt,

2 Gliederung 1. Einleitung: Die Mitte -Studien der FES 2. Ergebnisse: Rechtsextreme Einstellung in Deutschland Analyse: Einstellungen zur Demokratie, Islamfeindlichkeit und Einflussfaktoren für rechtsextremes Denken 4. Vergleich: Ein Blick nach Europa und nach Thüringen 5. Fazit: Die unruhige Mitte

3 1. Einleitung: Die Mitte -Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung

4 Einführung: Die Duale Definition des Rechtsextremismus (nach Richard Stöss 2005) Rechtsextremismus Einstellungen Verhalten Rechtsextremes Weltbild als mehrdimensionales Einstellungsmuster Wahlverhalten Mitgliedschaft Provokation Gewalt

5 Einführung: Pyramidenmodell (nach Heitmeyer, Zick, Küpper) Hass, Kriminalität, rechtsextreme Organisationen, Wahlergebnisse Abwertung in Medien, Rechtspopulismus in der Politik Einstellungen in der Bevölkerung

6 Dimensionen rechtsextremer Einstellung Definition: Rechtsextremismus ist ein Einstellungsmuster, dessen verbindendes Kennzeichen Ungleichwertigkeitsvorstellungen sind. Diese äußern sich in einer Affinität zu: Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur Chauvinismus Ausländerfeindlichkeit Antisemitismus Sozialdarwinismus Verharmlosung des Nationalsozialismus

7 Messung der Dimensionen Kreuzen Sie bitte bei den folgenden Aussagen an, inwieweit Sie den einzelnen Aussagen zustimmen. Antwortmöglichkeiten: stimme voll und ganz zu stimme überwiegend zu teils/teils lehne überwiegend ab lehne völlig ab

8 Untersuchung: Repräsentativerhebung Datenerhebung: USUMA (Berlin) Zeitraum: Sommer 2012 Stichprobe: Projektleiter: Bevölkerung in Deutschland West: Personen Ost: 486 Personen Elmar Brähler, Oliver Decker, Universität Leipzig

9 2. Ergebnisse: Rechtsextreme Einstellung in Deutschland 2012

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17 Rechtsextreme Einstellungen in Ost- und Westdeutschland (Zustimmung 2010 in Prozent) Gesamt (N=2515) West (N=1929) Ost (N=486) Befürwortung Diktatur 3,5 3 5,3 Chauvinismus 19,4 18,4 23,5 Ausländerfeindlichkeit 25,1 21,7 38,7 Antisemitismus 8,6 8,2 10,4 Sozialdarwinismus 4,3 3,4 7,8 Verharmlosung Nationalsozialismus 3,1 3 3,5

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21 Rechtsextreme Einstellungen in Abhängigkeit von Gewerkschafts- oder Kirchenmitgliedschaft Gewerkschaftsmitglied (N=303) Kein Gew.- Mitglied (N=2022) Evangelisch (N=996) Katholisch (N=753) weder/ noch (N=561) Befürwortung Diktatur 4,6 5,2 2,6 2,1 6,4 Chauvinismus 22,2 18,9 19,3 17,2 22,9 Ausländerfeindlichkeit 26,8 24,1 25,6 19,6 32,4 Antisemitismus 8,6 8,6 7,8 6,1 14 Sozialdarwinismus 4,6 3,9 2,5 1,5 10,9 Verharmlosung Nationalsozialismus 1,7 3,6 1,7 2,8 5,9

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23 3. Analyse: Einstellungen zur Demokratie, Islamfeindlichkeit und Einflussfaktoren für rechtsextremes Denken

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27 Wichtigste Einflussfaktoren für die Herausbildung rechtsextremer Einstellungen (Zusammenfassung der Studien ) Negative Erziehungserfahrungen, insbes. innerfamiliäre Gewalt Autoritarismus negative Einschätzung der wirtschaftlichen Lage Geringe Lebenszufriedenheit, Abstiegsängste Gefühl der politischen Einflusslosigkeit Rechtsextreme Einstellung Wohnort in einer ökonomisch abwärts driftenden Region Familiäre Erzählungen aus der NS-Zeit Unzufriedenheit mit der Politik, geringes Vertrauen in die Demokratie Bildungsbiografie Wenig bis keine interkulturelle Erfahrung

28 4. Vergleich: Ein Blick nach Europa und nach Thüringen

29 Andreas Zick, Beate Küpper, Andreas Hövermann: Die Abwertung der Anderen. Eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung (2008/ 2011). Grundfrage nach gruppenbezogener Mensc schenfeindlichkeit : Inwieweit werden Menschen unterschiedlicher sozialer, religiöser, ethnischer, kultureller Herkunft, Männer und Frauen, Menschen mit und ohne Handicaps und unterschiedlicher sexueller Orientierung in dieser Gesellschaft als gleichwertig anerkannt oder aber mit Feindseligkeit, Abwertung, Diskriminierung und Ausschluss konfrontiert?

30 Das Syndrom Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit Heitmeyer, Wilhelm (Hrsg.): Deutsche Zustände, Band Suhrkamp-Verlag. Frankfurt Islamfeindlichkeit 30

31 Finland Sweden Zick, Küpper & Hövermann (2008): Norway Die Abwertung der Anderen hrsg. von der Friedrich-Ebert-Stiftung (2011) Estonia Latvia Denmark Lithuania United Kingdom Ireland Netherlands Poland Germany Belgium Luxembourg Czech Republic Slovakia France Switzerland Austria Slovenia Croatia Hungary Romania Italy Bosnia & HerzegovinaSerbia Montenegro Bulgaria Portugal Spain Albania FYROM Greece 31

32 Rassismus % Es gibt eine natürliche Hierarchie zwischen schwarzen und weißen Völkern. 30,5 34,6 38,6 18,7 32, ,6 41,8 31,3 0 D GB F I NL PT PL HU EU

33 Fremdenfeindlichkeit % Es gibt zu viele Zuwanderer in [Land] ,2 40,3 62, ,6 27,1 58,7 50, D GB F I NL PT PL HU EU

34 Islamfeindlichkeit % 80 Die muslimische Kultur passt gut nach [Deutschland] ,8 50, , ,4 38, ,2 31,3 0 D GB F I NL PT PL HU EU

35 Antisemitismus % 80 Juden haben zu viel Einfluss in [Land]. 69, , ,6 13,9 27,7 21,2 5,6 19,9 24,5 0 D GB F I NL PT PL HU EU

36 Thüringen-Monitor 2012 (Prof. Dr. Heinrich Best, Univ. Jena) FES-Studie (Ost): Nat 23,4% AF 38,7% Dikt. 5,3% NS-Zeit 3,5% Soz.darw. 7,8% Antisem. 10,4%

37 Thüringen-Monitor 2012 (Prof. Dr. Heinrich Best, Univ. Jena) FES-Studie: Personen mit geschlossenem rechtsextremen Weltbild 2012: Gesamt: 9,0% West: 7,3% Ost: 15,8%

38 5. Fazit: In der Mitte liegt das Problem

39 Zentrale Ergebnisse Rechtsextreme Einstellungen sind in unterschiedlichem Ausmaß in allen Bevölkerungsgruppen vorhanden. Rechtsextremismus ist also ein Problem in der Mitte unserer Gesellschaft Trendwende 2010: seither wieder Zunahme rechtsextremer Einstellungen, v.a. in Ostdeutschland Eine neue junge Generation als Träger der rechtsextremen Einstellung in Ostdeutschland

40 Zentrale Ergebnisse Über 36% der Deutschen sind islamfeindlich eingestellt ein europäischer Spitzenwert. Islamfeindlichkeit ist daher die Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus Unterschied zwischen Islamkritik und Islamfeindlichkeit Rassismus im neuen Kleid der Kultur Große Zustimmung zur Demokratie, aber gleichzeitig geringes Verständnis dafür, dass sie von den Bürger/innen aktiv mit Leben gefüllt werden muss

41 Zentrale Ergebnisse Die ökonomische Krise hat zu einer Verstärkung gesellschaftlicher Gegensätze und zu einer Zunahme rechtsextremer Einstellungen geführt Psycho-soziale Faktoren spielen eine wichtige Rolle für die Herausbildung rechtsextremer Einstellungen Für die Entstehung rechtsextremer Einstellungen sind das Gefühl politischer Einflusslosigkeit und wirtschaftliche Abstiegsängste besonders wichtig Geringe interkulturelle Erfahrung und Kompetenz, v.a. in ländlichen Regionen

42 Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Die Studien stehen zum kostenfreien Download zur Verfügung unter: Kontakt: Dr. Dietmar Molthagen Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin Tel. 030/ , Mail: Die FES in Thüringen:

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