Panama Viel mehr als nur ein Kanal!

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1 Panama Viel mehr als nur ein Kanal! Vom bis habe ich ein Auslandspraktikum in Panama City im Bauunternehmen ICONSA gemacht. Zwei Tage vor Praktikumsbeginn startete mein Flugzeug in Deutschland. Da es über Puerto Rico flog, musste ich vorher einen ESTA-Antrag stellen um in die USA einreisen zu können, bevor es weiter nach Mittelamerika ging. Angekommen am Flughafen in Panama war ich glücklich, dass mich gleich zwei Panamaer erwarteten und mir geduldig alle Fragen beantworteten. Sie zeigten mir Einkaufsmöglichkeiten, halfen mir beim Kauf einer Handy- und einer Buskarte und luden mich abends ein, damit ich schnell Anschluss fand. Aber als allererstes fuhren sie mich zu meiner Unterkunft. Diese wurde von einer netten, alten Dame untervermietet, die zwei leerstehende Zimmer hat. Zugegeben, 225 Dollar pro Monat für ein Zimmer sind recht viel in Panama. Dennoch war ich froh, denn ich fühlte mich von Anfang an wohl darin. Mein Ausblick auf die gegensätzlichste Stadt ganz Amerikas: Durch den Bau des Panamakanals haben Panama City und deren Bewohner sehr viele westliche Züge erhalten. 1

2 Als eine Woche darauf ein weiterer Deutscher in das andere leer stehende Zimmer zog, habe ich mich sehr gefreut, denn gemeinsam lernten wir innerhalb kürzester Zeit so viele nette Menschen kennen, wie ich es nicht für möglich gehalten hatte. Er machte mich mit einem internationalen Freundeskreis bekannt, deren Treffen von zwei Panamaern organisiert wurden, wofür ich mehr als dankbar war. Denn es ist für Einheimische in Panama eine Selbstverständlichkeit, dass sie für andere Menschen keine Mühe scheuen um die wunderschönsten Einblicke in ihre Heimat und Lebensweise zu bekommen. Mein erstes traditionelles Panamaisches Essen: Reis und Linsen mit Meeresfrüchten, in einer atmosphärischen Bambushütte wie im Bilderbuch! Diese Einstellung habe ich auch bei meinen Mitarbeitern erlebt: Regelmäßig luden sie mich zum Essen ein, brachten mir landestypische Gerichte mit und verwickelten mich in interessante Gespräche. Diese Gastfreundlichkeit der Panamaer bildete einen wesentlichen Rahmen um mich auf meiner Baustelle wohlzufühlen, denn dadurch wuchsen mir meine Mitarbeiter schnell ans Herz. Das ließ mich darüber hinwegsehen, dass ich zunächst keine Aufgaben bekam, die mir persönlich etwas brachten. Anfangs scannte ich nur ein, kopierte, druckte aus und in der restlichen Zeit lernte ich Spanisch. Nach ein paar Wochen jedoch bekam ich die Aufgabe der Baustellendokumentation und überwachung, die mir viel Spaß machte. Wir bauten eine Anlegestelle für Lastkähne ratet wo genau, am Panamakanal! Meine Aufgabe bestand darin die Bauarbeiten des Bauunternehmers zu bewachen, Fotos zu schießen und alle Arbeitsschritte aufzuschreiben. Zudem war ich verantwortlich für die Aktualisierung mehrerer Exceltabellen mit Informationen zu Mitarbeitern, Materialtransport und mengen. Wenn auch die Arbeitsabläufe und Organisation etwas provisorisch abliefen, konnte ich viele Schlüsse aus meinen Aufgaben ziehen und habe einige beruflich Anreize gewonnen. 2

3 Action am Panamakanal: Unsere Anlegestelle für Lastkähne ist nur eine von vielen Baustellen, die für Panama derzeit einen wirtschaftlichen Aufschwung bedeuten. Nicht nur beruflich, sondern auch privat habe ich viel erlebt. Dazu trugen viele Unternehmungen organisiert durch IAESTE bei, z.b. nach Isla Iguana, Barro Colorada oder auf den Berg Cerro Ancon. Auf diese Weise lernte ich viele Praktikanten und Austauschstudenten kennen, deren Treffen sich auch außerhalb der IAESTEVeranstaltungen fortsetzten. Beispielsweise nach Isla Coiba, nach Bocas Del Toro und natürlich auch abends in einige Bars in Casco Viejo oder Bella Vista. Auf Bocas del Toro, Isla Grande und San Blas habe ich die schönsten Inseln ganz Panamas gesehen. Auch die etwas kühleren Regionen Chiriqui und Valle de Anton, die sich zum Wandern und Spazieren eignen, haben großartige Natur zu bieten. 3

4 Während der Ausflüge sahen wir die unglaublich und ich meine UNGLAUBLICH schöne Vielfalt der Natur und der einsamen Inseln, die ich niemals vergessen werde. Wie schön ist doch Panama Janosch hatte also Recht! All diese wundervollen Eindrücke ließen mich sehr dankbar werden, sie erlebt haben zu können. Aber es gab auch weniger schöne Eindrücke, für die ich im Nachhinein paradoxerweise dankbar bin, sie erlebt zu haben: Angefangen bei der enorm großen Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Stadt- und Landleben, zwischen Europa und Lateinamerika. Wie sehr schätze ich die hohe Lebensqualität Deutschlands mittlerweile, welche nicht mit einer lateinamerikanischen Stadt vergleichbar ist: Ich habe einen Banküberfall und politsche Unruhen miterlebt und habe einige Geschichten von anderen Austauschstudenten gehört, dass etwas geklaut wurde. Als hellhäutiger Europäer ist man ständig im Focus, denn die Lateinamerikaner gehen davon aus, dass man Geld hat. Und besonders als blonde Frau erfährt man ob man möchte oder nicht Aufmerksamkeit, wo man geht und steht: Ständiges Hupen, ständiges Angeprochenwerden von der werten Männerwelt. Auch die Bauarbeiter meiner Baustelle meinten sich so verhalten zu müssen. Was dagegen hilft? Einfach ignorieren und selbstbewusstes Auftreten. Denn an dieser Reaktion haben sie wenig Gefallen und man fühlt sich wesentlich besser. An die Schattenseiten dieses abenteuerlichen Landes muss man sich gewöhnen, keinesfalls jedoch sollten sie jemanden abhalten, es zu bereisen. Denn es gibt wichtige Regeln, an die man sich als Tourist orientieren kann: Keinen teuren Schmuck tragen, unsichere Gegenden meiden, das politische Geschehen verfolgen usw. Zu der internationalen Gruppe, mit der ich regelmäßig Exkursionen unternahm, gehörten auch einige Panamaer, die uns diesbezüglich viele hilfreiche Tipps geben konnten. Stau, verrückter Fahrstil, Hupen, überfüllte Massentransportmittel: Panama City ist eine pulsierende Stadt, an deren Nachteile man sich als Deutscher gewöhnen muss 4

5 Der Arbeitsrhythmus der Panameños nagte auch wochenlang an mir: Klar, sie arbeiten weniger und gelassener als wir, aber sie arbeiten auch länger und vor allem 6 Tage die Woche! Was von diesen 6 Tagen übrig bleibt, sind nur einige wenige Stunden, die die armen Bewohner der Hauptstadt im Stau verbringen, denn die Verkehrsorganisation ist wie auch ihr Verkehrsstil: chaotisch! Hinzu kommt, dass sie bei etwa gleichen Lebenserhaltungskosten wesentlich weniger Geld verdienen. Aber so arm sind die Panamaer gar nicht, denn sie sind mit ihrem Lebensstil sehr zufrieden. Sie lieben Sport, Autos und ihre Arbeitskollegen. Aber vor allem lieben sie ihr Land. Das wurde mir immer wieder bewusst, wenn ich jemandem von dem deutschen Autor mit Namen Janosch erzählt habe, der doch tatsächlich ein Kinderbuch Oh, wie schön ist Panama genannt hat. Damit zauberte ich jedes Mal ein stolzes Lächeln in das Gesicht meines Gegenübers. Ein Lächeln, das ich verstehen kann, denn ich könnte mittlerweile selbst ein Buch verfassen mit dem Titel: Oh wie schön ist Panama. Vielen, vielen Dank an alle, die mir eine der schönsten Zeiten meines bisherigen Lebens ermöglicht haben: IAESTE, DAAD, meine Eltern, alle, die mit mir Spanisch geübt haben, die lieben, geduldigen und aufgeschlossenen Panamaer und die interessantesten internationalen Menschen, die ich je getroffen habe! 5

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