Trendbericht Wissenschaftliche Praxis ist, wenn alles funktioniert und keiner weiß warum Bemerkungen zur Entwicklung qualitativer Sozialforschung

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1 Trendbericht Christian Lüders / Jo Reichertz Wissenschaftliche Praxis ist, wenn alles funktioniert und keiner weiß warum Bemerkungen zur Entwicklung qualitativer Sozialforschung Noch vor einem halben Jahrzehnt beschäftigte einen prominenten Soziologen die Frage, ob denn die junge und aufstrebende qualitative Sozialforschung Modetrend oder Neuanfang (Küchler 1980) sei. Drei Jahre später erwägt der gleiche Soziologe bereits die Möglichkeit, daß sich diese Art der Sozialforschung als ein neuer Königsweg (Küchler 1983) erweisen könnte. Dieser Einstellungswandel gegenüber der qualitativen Sozialforschung ist typisch für den augenblicklichen Trend innerhalb der Sozialwissenschaften: die qualitative Sozialforschung hat sich in den (west)deutschen Landen etabliert und nicht nur dort. Die kämpferischen Tage der Pionierzeit, als es noch galt, unter dem Banner der Aufrechten die damals etablierten Quantitativen aus dem Felde zu schlagen, sind vorbei und fast schon vergessen die Zeit der metatheoretischen und paradigmatischen Abgrenzungsbemühungen gegenüber quantifizierenden, nomologisch-deduktiv verfahrenden Ansätzen scheint vorerst vorüber. In einer Reihe von Teilbereichen der Soziologie, Pädagogik und neuerdings auch der Psychologie (vgl. Jüttemann 1985) sind qualitativ forschende Projekte selbstverständlich geworden. Methodologisch qualitativ orientierte und beeinflußte Forschungsschwerpunkte (z.b. der Forschungsschwerpunkt Pädagogische Jugendforschung im Rahmen erziehungswissenschaftlicher Jugendforschung oder der Schwerpunkt Verbale Interaktion im Rahmen der Sprachsoziologie) sind eingerichtet worden und werden bzw. wurden gefördert, die Biographieforschung als in dieser Form neue und vor allem qualitativ inspirierte interdisziplinäre Forschungsrichtung ist inhaltlich und institutionell etabliert (vgl. Kohli/Robert 1984). Berücksichtigt man zudem, daß qualitative Sozialforschung nicht nur eine methodologische und methodische Alternative zur traditionellen quantifizierenden Forschung darstellt, sondern darüber hinaus in den letzten Jahren in ihrem Kontext eine Reihe von neuen Theorieansätzen, Themenstellungen, Forschungsfragen und Forschungsorientierungen entstanden sind, dann kann es heute nicht mehr um die Frage gehen, inwieweit qualitative Sozialforschung als ein ernstzunehmender Ansatz bzw. ein,,modetrend oder Neuanfang zu verstehen ist. Stattdessen bedarf es einer selbstkritischen Auseinandersetzung mit dieser Forschungsrichtung: aber nicht die qualitative Sozialforschung als Ganzes steht heute zur Debatte, sondern das bisher Erreichte und die dabei aufgetretenen Schwierigkeiten. 1) Der folgende Trendbericht versucht vor diesem Hintergrund zentrale Entwicklungslinien innerhalb der qualitativen Sozialforschung nachzuzeichnen und einige wesentliche Probleme zu diskutieren. 2) Unterteilt man wie eben angedeutet zu heuristischen Zwecken die bisherige Entwicklung der qualitativen Sozialforschung in zwei große Phasen, dann scheinen uns für die erste man könnte sie Etablierungsphase nennen vor allem folgende Aspekte charakteristisch zu sein: Etwa Mitte der siebziger Jahre liefen in der bundesdeutschen Diskussion um Sozialforschung zwei zunächst weitgehend getrennte, parallele Entwicklungen zusammen, aus deren Vermengung dann das entstand, was seit Ende der siebziger Jahre als,,qualitative Sozialforschung in aller Munde ist. Denn auf der einen Seite hatte Mitte der siebziger Jahre die Sozialforschung vor dem Hintergrund des Endes gesellschaftlicher Reformbemühungen und des zunehmend sichtbar werdenden Scheiterns politisch und emanzipatorisch begründeter Forschungsansätze die in diesen Reformkonzepten angelegten Ansprüche und Bemühungen um eine subjektivitäts- und betroffenenorientierte Sozialforschung zu beerben, da vor allem aus methodologischer Sicht die meisten der damaligen Reform- 90 SLR H. 12 (1986)

2 konzepte aufgrund einer einseitigen Fixierung auf quantifizierende Forschungsverfahren nicht in der Lage waren, ihre eigenen Ansprüche einzulösen. Von daher hing das Bemühen der Handlungsbzw. Aktionsforschung, der verschiedenen Ansätze praxisorientierter und (politik-)beratender Forschung, nicht aus einer abstrakten Perspektive über Subjekte zu forschen, sondern ausgehend von ihrer konkreten Betroffenheit subjektorientiert einen Beitrag zur Überwindung erniedrigender und einschränkender Lebensverhältnisse leisten zu wollen, nach dem Scheitern dieser Ansätze uneingelöst in der Luft. Die qualitative Sozialforschung übernahm dieses Postulat der Situations- und Subjektorientierung genau in dem Moment, als die mit den Reformen verbundenen politischen Ansprüche zunehmend uneinlösbar erschienen. Somit konnte sich die qualitative Sozialforschung nicht nur häufig in personeller Hinsicht auf der einen Seite als legitime Erbin der Aktions- und Handlungsforschungsprogramme, ja sogar in methodologischer Hinsicht als deren Realisierung begreifen, während sie auf der anderen Seite die praktisch-politischen Implikationen der Reformansätze außen vor ließ. Bis auf wenige Versuche vor allem in der (sozial-)pädagogisch qualitativ orientierten Forschung spielten Überlegungen zu einer politisch-praktischen Emanzipation der untersuchten Subjekte keine Rolle mehr: qualitative Sozialforschung folgte damit weitgehend und schon sehr früh dem allgemeinen Trend des Rückzuges der Sozialforschung aus der Politik (als versuchsweise Gegenbeispiele vgl. z.b. Wahl u.a und einige Projekte aus dem Schwerpunktprogramm, Pädagogische Jugendforschung z.b. Bietau u.a. 1981). Dieses teilweise und einseitige Aufgreifen der uneingelösten Ansprüche der Reformansätze war jedoch auf der anderen Seite nur vor dem Hintergrund einer schon seit Ende der sechziger Jahre eher im stillen begonnenen Auseinandersetzung mit quantifizierenden Methodologien und Forschungsansätzen möglich. Theoretisch und methodologisch ging es dabei nicht nur um die Auseinandersetzung und Abgrenzung gegenüber dem normativen Paradigma (Wilson 1973) ein damals häufig verwendetes Etikett und den Versuchen, das qualitative Forschungsparadigma theoretisch zu begründen und zu etablieren. Zugleich waren seit Ende der sechziger Jahre Versuche unternommen worden, die Phänomenologie, die amerikanische Diskussion zur natural sociology, die Ethnomethodologie und die verschiedenen Konzepte der interaktionistischen und ethnographischen Forschungs- und Theorietraditionen zu rezipieren bzw. wiederanzueignen (vgl. z.b. Berger/Luckmann 1969, AG Bielefelder Soziologen 1973, u.a.). Neben dem Entstehen einer ganzen Reihe von unscharfen Mischkonzepten aus Handlungs-, Interaktions- und Ethnographieforschung etablierten sich aus diesen Debatten in der Bundesrepublik relativ eigenständige Forschungs- und Theorietraditionen, die die qualitative Sozialforschung in wesentlichen Bereichen prägten und die Diskussion bis heute strukturierten. Vor allem die Arbeiten von F. Schütze, U. Oevermann, Th. Luckmann und R. Grathoff erlangten in dieser ersten Phase fast schulenähnliche Bedeutung. Als drittes Merkmal dieser ersten Phase läßt sich festhalten, daß die Diskussion zur qualitativen Sozialforschung und die konkrete Forschungsarbeit sich (unabhängig von den drei sehr unterschiedlich begründeten Ansätzen von Schütze, Oevermann und Luckmann/Grathoff) weitgehend auf Prinzipien und Fragen der Datengewinnung und nicht der Auswertung konzentrierten (vgl. Hoffmann-Riem 1980). Vergleicht man diese hier nur sehr grob skizzierte Situation mit der sich heute darbietenden, dann lassen sich doch ein paar charakteristische Entwicklungen bestimmen. So läßt sich die heutige Situation der qualitativen Sozialforschung durch die zunehmende Bedeutung der zweiten und dritten Generation qualitativ orientierter Sozialwissenschaftler kennzeichnen. Diese sind, und das ist charakteristisch für die Mehrheit der zweiten Generation der Qualitativen, weniger an metatheoretischen Debatten interessiert, als vielmehr an konkreter empirischer Forschungs- und Projektarbeit bzw. Forschungsergebnissen. Auffällig dabei ist zunächst die Vielfalt der Themen, Untersuchungsgegenstände, Fragestellungen, Rezeptionen unterschiedlicher Forschungs- und Theorietraditionen, Vorgehensweisen und erhobenen Ansprüche in bezug auf Geltung und Verallgemeinerbarkeit. 3) Diese Mannigfaltigkeit führte zu einer weitreichenden Heterogenität der qualitativen Sozialforschung, so daß dieses verbindende Etikett nicht nur aus guten theoretischen Gründen (vgl. Bonß 1983 b, S. 218 f.), sondern auch vor dem Hintergrund der aktuellen Forschungssituation zunehmend an Berechtigung verliert und nur noch mühsam als Überschrift für Überblicksartikel dienen kann. 91

3 So finden sich um die Heterogenität an einigen Beispielen zu verdeutlichen unter dem Etikett qualitative Sozialforschung ideologische und politische Positionen quer durch alle Lager: von der gewerkschaftlich orientierten Arbeitslosigkeitsforschung (z.b. Zoll 1984) bis hin zur neokonservativen Institutionenberatung des BKA durch Oevermann (Oeverrnann/Schuster/Simm 1985). Zugleich beschäftigen qualitative Sozialforscher sich schöngeistig mit ästhetischen und historischen Dokumenten, analysieren Gedichte und Gemälde, während andere mit aufklärerischem Anspruch versuchen, mit Hilfe von Lebensweltanalysen auf die Situation sozial Benachteiligter aufmerksam zu machen. Von den Taxifahrern (Kroner 1983, Jost 1984), Therapeuten (Simm 1983,1985) über adoptierte Kinder (Hoffmann-Riem 1984), verwahrloste Mädchen (Kieper 1980), Angehörige der FlakhelferGeneration (Bude 1984), psychisch Kranke (Hildenbrand 1983), Beratungssituationen (Bohnsack 1983, Simm 1983), bis zu Aussteigern (Oevermann 1983), Punks (Soeffner 1985), Kontaktanzeigenschreibern (Nagler/ Reichertz 1986) und vielen anderen scheint es fast keinen Beruf, Bevölkerungsgruppe oder Lebenssituation zu geben, die noch nicht zum Thema gemacht wurde. Allerdings ist diese Tendenzbeschreibung einer zunehmenden Ausdifferenzierung der qualitativen Sozialforschung zunächst noch recht allgemein und trivial. Aus diesem Grund wird im folgenden der angesichts der eben behaupteten Ausdifferenzierung und Vielfältigkeit qualitativer Sozialforschung etwas kühn anmutende Versuch unternommen, anhand von drei Forschungsperspektiven (a) das,qualitative Feld etwas zu ordnen, um dann (b) auf einige Probleme und Aporien dieser Perspektiven hinzuweisen. Als erstes Unterscheidungskriterium für diese drei Forschungsperspektiven dienen uns dabei ausgehend von dem Gedanken der gesellschaftlichen Konstruktion des Empirischen (vgl. Bonß 1982, 1983 a, S. 60 ff.), die unterschiedlichen Ebenen empirischer Wirklichkeit, die von den jeweiligen Forschungsperspektiven anvisiert bzw. als Gegenstand der Analyse behauptet und konstruiert werden. Demnach lassen sich aus unserer Sicht Ansätze unterscheiden, die (l) auf den Nachvollzug des subjektiv gemeinten Sinns, (2) auf die Deskription sozialen Handelns und sozialer Milieus und (3) auf die Rekonstruktion deutungs- und handlungsgenerierender Tiefenstrukturen abzielen. Allerdings ist diese Differenzierung noch ziemlich grob. Aus diesem Grunde werden im folgenden die drei Forschungsperspektiven weiter unter dem Aspekt der jeweils in Anspruch genommenen Dechiffrierungskonzepte (vgl. Bonß 1983 b) d.h. der Art und Weise, wie die jeweiligen Wirklichkeiten entziffert, gedeutet und rekonstruiert werden, differenziert. Dabei werden wir weniger auf einzelne verfahrenstechnische Probleme eingehen, als vielmehr einige aus einer durchaus tendenziösen Sicht und ohne Anspruch auf systematische Vollständigkeit uns wichtig erscheinende Entwicklungen herausgreifen, beschreiben und bewerten. (1) Zum Nachvollzug subjektiv gemeinten Sinns Im Mittelpunkt dieser Forschungsperspektiven steht das Subjekt, seine Sichtweisen, Weltbilder, lebensgeschichtlichen (Leidens-)Erfahrungen, Hoffnungen und Handlungsmöglichkeiten. Dabei ist es Aufgabe der Sozialforschung, Subjektivität in ihrer Vielfältigkeit und Widersprüchlichkeit anzuerkennen und angemessen zu rekonstruieren. Als oberstes Prinzip dient die Maxime, dem Subjekt in allen Phasen des Forschungsprozesses soweit als irgendmöglich gerecht zu werden. Daraus resultiert die Forderung, das Subjekt nicht einem standardisierten Forschungskonzept zu unterwerfen, sondern es in dialogischer Form am Forschungsprozeß soweit als möglich zu beteiligen. Das Ziel ist ein Verstehen der jeweiligen subjektiven Sichtweisen, d.h. meist das empathische und virtuelle Hinein-Versetzen und Einfühlen in die subjektiven Wirklichkeiten des anderen, um dessen Weltsicht möglichst angemessen erfassen, wiedergeben und beschreiben zu können. 4) Während sich die methodologischen Begründungen hierbei inzwischen schon einen festen Satz an Bezugszitaten zurechtgelegt haben, bleibt die Forschungspraxis bei diesem Forschungstyp meist erstaunlich blauäugig bzw. methodologisch unreflektiert. So beschränken sich viele Arbeiten dieses Typus qualitativer Sozialforschung auf die plane Wiedergabe und Kommentierung subjektiver Äußerungen (z.b. Kieper/Mollenhauer/Lübbers/Keckeisen 1982, Plewig/Wegner 1984), andere glauben zu Unrecht mit der Paraphrase des subjektiv Gemeinten soziologisch Relevantes aufgespürt zu haben (z.b. Heinze/Klusemann 1980), während eine weitere, nicht minder agile Gruppe sich anheischig macht, in guter Museumskultur Subjektives lediglich zu sammeln und zu dokumentieren (z.b. Franzke/Engelhardt/Käs/Murko 1984, 1984 a, vgl. auch die wesentlichen Teile der Tradition der Oral-History). Eine etwas reflektiertere Variante dieser Forschungsperspektive läßt sich mit Terhart (1983 b, S. 157) als kommunikativ-aufklärerisch bezeichnen. Die Konzepte dieses Forschungstypus bean- 92

4 spruchen, nicht nur das Subjekt in seiner Lebenswelt möglichst angemessen verstehen zu wollen, sondern darüber hinaus durch die Wiedereinführung des Dialogs mit den Interpretierten (Terhart 1981, S. 786) einen praktischen Beitrag zur Aufklärung der Betroffenen über ihre eigene Situation, mithin einen Beitrag zur Subjektwerdung und -erweiterung via Sozialforschung zu leisten. Dieser Anspruch, Subjektivität nicht nur rekonstruieren und verstehen zu wollen, sondern zugleich via Sozialforschung einen Beitrag zu ihrer Ermöglichung und Herstellung zu leisten (vgl. Wahl/Honig/ Gravenhorst 1982), findet heute vor allem in der pädagogisch orientierten qualitativen Sozialforschung eine Reihe von Anhängern. Charakteristisch für die Vorliebe der Pädagogik für diese Forschungsperspektive sind nicht nur die diversen methodologischen Arbeiten bzw. Diskussionsbeiträge zum Validierungsproblem (vgl. z.b. Terhart 1981, Heinze/ Thiemann 1982, Gruschka/Geissler 1982), die Debatte zwischen Oevermann und Terhart (1983 a, 1983 b), die Diskussionen auf den Pädagogentagen (vgl. z.b. Moser 1983, Terhart 1983 a), sondern vielmehr auf der einen Seite das Entstehen neuer Forschungskonzepte wie z.b. die Praxisforschung (Heinze/Loser/Thiemann 1981) bzw. entsprechende empirische Studien (Heinze/Räderscheidt/Rode 1983) und auf der anderen Seite eine große Anzahl pädagogischer Forschungsprojekte wie z.b. das Schwerpunktprogramm Pädagogische Jugendforschung (vgl. hierzu die Themenhefte der Zeitschrift für Pädagogik 5/79, 3/81, 5/81, 2/84) oder innerhalb der pädagogischen Schulforschung (vgl. Bildung und Erziehung H. 2/83). Zugleich werden jedoch an diesen Projekten auch die Schwierigkeiten dieses Forschungstypus deutlich. Zwar unternehmen immer wieder Studien dieses Typus den mühevollen und bei diesem Anspruch auch notwendigen Versuch, eine Subjekttheorie zumindest in Ansätzen zu formulieren (um so bestimmen zu können, was eigentlich Subjektwerdung heißen soll; vgl. z.b. Wahl/Honig/Gravenhorst 1982, S. 14 ff.; Bietau et al. 1981); doch diese Subjekttheorien sind häufig optimistisch dilettantisch. Insbesondere fällt bei diesen (gescheiterten) Versuchen auf, wie einfalls- und wortreich die theoretische Begründung des Anwalts- und Aufklärungsanspruches ausfällt. Verbleibt noch zu vermerken, daß die forschungspraktische Umsetzung dieses Aufklärungsimpetus auf diverse Schwierigkeiten stößt (vgl. Lüders 1984). Trotz dieser harschen Kritik steht außer Zweifel, daß die kommunikativ-aufklärerische Forschungsperspektive heute noch ein Erkenntnisinteresse aufbewahrt, das ursprünglich einmal wesentlicher Ausgangspunkt für die qualitative Neuorientierung der Sozialforschung war. Zugleich rückt jedoch über den Umweg und den Anspruch, dem Subjekt gerecht werden zu wollen und das ist für unser Thema wichtig, die Frage nach den Geltungsbegründungen interpretativ gewonnener Aussagen in den Mittelpunkt des Interesses. Auch wenn der innerhalb dieser Forschungsperspektive vorgeschlagene Bezugspunkt,,Subjekt für die Klärung der Geltungskriterien qualitativer Sozialforschung unzureichend bestimmt ist, so macht die Diskussion um die dialogischen Validierungskonzepte doch immerhin das Problem deutlich: nämlich daß die Maßstäbe für die Einschätzung von Geltungsansprüchen sozialwissenschaftlicher Interpretationen heute selbst nur noch in Interpretations-, Verständigungs- und Herstellungsprozessen und nicht unter Rekurs auf eine wie auch immer geartete objektive Wirklichkeit gewonnen werden können (vgl. Bonß/Hartmann 1985). (2) Zur Deskription sozialen Handelns und sozialer Milieus Zu dieser hier sehr allgemein bezeichneten Forschungsperspektive gehören all jene Ansätze, die auf welchem Weg auch immer letztlich beanspruchen, soziales Handeln und damit ist unter dieser Perspektive gemeint: soziales Handeln in Milieus zu beschreiben und zu verstehen. Unter Bezugnahme auf interaktionistische, phänomenologische, ethnographische, kultur- und wissenssoziologische Traditionen geht es dabei um die Beschreibung und Dokumentation unterschiedlicher Lebenswelten, Milieus und gelegentlich um das Herausfinden der darin gehandelten Regeln und Symbole (vgl. Bohnsack 1983, S. 9-70). Versucht man nun unter dem Aspekt der Dechiffrierung diese Forschungsperspektive weiter auszudifferenzieren, dann lassen sich in unseren Augen zwei große Gruppen mit je unterschiedlichen Positionen ausmachen. Auf der einen Seite befinden sich vor allem phänomenologisch und ethnographisch orientierte Ansätze der Milieu- und Lebensweltdeskription, während auf der anderen Seite vor allem die ethnomethodologischen und die durch die Weiterentwicklungen der Konversationsanalyse 5) entstandenen neueren narrationsstrukturellen Konzepte zu berücksichtigen sind. Für die ethnographisch orientierten Ansätze der Milieu- und Lebensweltdeskription läßt sich dabei festhalten, daß in bezug auf ihr Vorgehen und die dabei vorgebrachten methodologischen Begründungen seit der Rezeption der amerikanischen und der ethnologischen Tradition kaum Veränderungen und Weiterentwicklungen sichtbar geworden sind. 93

5 So greift z.b. Girtler in seinem Buch Methoden der qualitativen Feldforschung Anleitung zur Feldarbeit (1984), der ersten deutschsprachigen und alle Aspekte dieses Forschungstypus umfassenden Einführung, nach wie vor allem auf die Argumente Blumers, Garfinkels und Malinowskis und die Verfahren der teilnehmenden Beobachtung und des offenen Interviews zurück. Ebenso sind die in der von Girtler neu initiierten Reihe Studien zur qualitativen Sozialforschung (Schwediauer 1984, Jost 1984), die von ihm selbst veröffentlichten Studien (Girtler 1983, 1980, 1984 b) und eine Reihe weiterer an anderer Stelle erschienenen Arbeiten (z.b. Enninger 1984) diesem Typus verpflichtet. Kennzeichnend ist dabei vor allem die Konzentration auf die Probleme der Datensammlung und den in der Feldarbeit auftretenden Schwierigkeiten. Demgegenüber spielen Auswertungsprobleme nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Methodologisch reflektierter arbeitet die phänomenologisch orientierte Milieudeskription. Diese verwahrt sich entschieden gegen eine allgemeine Gesellschaftstheorie, statt dessen glaubt man, allein mit einem Verbund unterschiedlicher Methoden der Einzigartigkeit sozialer Milieus gerecht werden zu können. Die Soziographie des Milieus beginnt mit einer Deskription und bestimmt das Inventar des Milieus. Biographische und ethnographische Verfahren schließen sich an, die so in einem Methodenbündel die empirische Milieuanalyse abschließen. (Grathoff 1984, S. 27) Ziel dieser Milieudeskription ist nicht die Generalisierung von Aussagen zu gesellschaftlichen Erscheinungen, sondern die Konkretion: Die Symbolik eines ganz bestimmten und einzigartigen Milieus soll als ein universe of discourse zugänglich gemacht werden (Grathoff 1984, S. 32; vgl. auch Hildenbrand ), Honer 1983). Kennzeichnend für diese Forschungsperspektive ist, daß sie weitgehend auf die Analyse sprachlichen Datenmaterials verzichtet, dagegen mehr die möglichst genaue und nichtinterpretierende Beschreibung von Verhaltensweisen und Milieuinventaren was letztlich wiederum sprachliches Material ist anstrebt. Wen wundert es, daß hier die schärfste Kritik gegen eine sich als Textwissenschaft (miß)verstehende Sozialwissenschaft laut wird (Luckmann 1981). Allerdings muß es sich die Milieudiskription gefallen lassen, nach ihrem Nutzen gefragt zu werden. Geht es ihr z.b. lediglich um die Archivierung sozialer Phänomene? Unklar ist auch, wann die Deskription an ihr Ende gelangt ist. Vielleicht erst dann, wenn sie das beschriebene Phänomen tatsächlich verdoppelt hat, also die tatsächliche Komplexität des Gegenstandes abbildet (Landkarte, die so groß ist wie das abgebildete Land)? Doch was leistet dann Wissenschaft? Weitgehend unbeantwortet erscheint uns nach wie vor die Frage nach den Gültigkeitskritierien innerhalb dieser Forschungsperspektive. Denn allein das Geschick oder die Genialität des beobachtenden und beschreibenden Forschers sind der Garant für die Realitätshaltigkeit der Milieudeskriptionen. Einen davon unabhängigen Bezugspunkt gibt es nicht. Genau an diesem Punkt liegen auch die zentralen Unterschiede zu den konversations- und narrationsstrukturellen Verfahren. Während konversationsanalytische Ansätze sich auf die Analyse der spezifischen sozialen Situation Gespräch beschränken, beanspruchen narrationsstrukturelle Konzepte anhand von Erzählungen den jeweils faktischen Handlungszusammenhang und -ablauf rekonstruieren zu können. Grundlage beider Ansätze sind allein transkribierte Gespräche bzw. Interviews. Dabei lassen sich auf der einen Seite für diesen Forschungstypus eine zunehmende Ausdifferenzierung und Formalisierung sowohl der Datengewinnung z.b. im Hinblick auf die Empfehlungen zur Hervorlockung von Erzählungen im narrativen und biographischen Interview als auch im Hinblick auf die Auswertungsschritte und den dabei verwendeten Analysekonzepten beobachten. Entwicklungen wie z.b. das Konzept der Erzähllinie (Schütze 1984, S. 105) führen zu einer Formalisierung und Standardisierung der Narrations- und Biographieanalysen (vgl. z.b. Schütze 1984, vor allem S. 108 ff. und Schütze 1983). Auf der anderen Seite wird neuerdings aus unterschiedlichen Perspektiven Kritik an diesen Konzepten formuliert (Bude 1985, Matthes 1985, Buchmann/ Gurny 1984). Dabei macht vor allem die Kritik von Bude auf den engen Zusammenhang von Datenerhebung und -auswertung bei diesem Forschungstypus bzw. auf die implizit enthaltenen fragwürdigen subjekttheoretischen und erkenntnistheoretischen Vorannahmen aufmerksam (Bude 1985). Noch gewichtiger ist der Einwand und wir denken, er trifft zu, daß Narrationsanalysen allein etwas darüber sagen, wie Menschen ihre wörtliche Rede gestalten. Dies zu beobachten und exakt zu beschreiben (Zugzwänge, Ablaufmuster etc.) ist gewiß spannend, wenn auch mehr für Germanisten als für Soziologen oder Pädagogen. Wer glaubt, darüber hinaus etwas über das alltagspraktische Handeln von Menschen zu erfahren (wie z.b. Riemann 1983, Ley 1984, Hermanns 1984), der irrt. 94

6 (3) Zur Rekonstruktion deutungs- und handlungsgenerierender Strukturen Gemeinsam ist den Ansätzen dieser Forschungsperspektive der Anspruch, deutungs- und handlungsgenerierende Tiefenstrukturen rekonstruieren zu wollen. Unter Rückgriff auf Kompetenztheorien (Chomsky, Piaget, Kohlberg), strukturalistische (Levi-Strauß, Freud) und interaktionistische (Mead) Prämissen wird zwischen Oberflächenderivaten (subjektiver Sinn, Intention) und objektiver Tiefenstruktur (Handlungsbedeutung, latenter Sinnstruktur) unterschieden, wobei die Tiefenstruktur als eigene Realitätsebene verstanden wird, der handlungsgenerierende Funktion zukommt. In der Hauptsache geht es darum, diese objektive (und oft auch autonome) Tiefenstruktur zu rekonstruieren; das Interesse an den Ansichten der Handelnden über die Beweggründe ihres Tuns ist marginal: denn nur im Grenzfall totaler Aufklärung decken sich objektive Handlungsbedeutung und subjektiver Sinn. Während im Rahmen sozialisationstheoretischer Forschungen vor allem zur Genese von Identität und Moral (vgl. z.b. Döbert/Nunner-Winkler 1975) diese theoretische Perspektive, allerdings ohne eine spezifische methodologische Fundierung, schon länger verfolgt wurde, entwickelte sie sich im Anschluß an die Arbeiten von U. Oevermann und seinen Mitarbeitern zunehmend zu einer eigenständigen Forschungsperspektive, die inzwischen selbst wieder auf die sozialisationstheoretischen Ansätze (vgl. z.b. Garz 1984) zurückwirkt. Auf eine Verbindung von rekonstruktiver Analyse und phänomenlogischer Deskription zielt die sozialwissenschaftliche Hermeneutik (Soeffner 1982 b, 1984 a, 1985 b ähnliches versucht auch Hildenbrand 1984). Die Methodologie der von Oevermann entwickelten objektiven Hermeneutik neuerdings auch genetischer Strukturalismus genannt ist ohne Zweifel die bislang ausgefeilteste innerhalb qualitativer Sozialforschung (Reichertz 1986, Schneider 1985). Dieser Hermeneutik geht es nicht darum um einen immer noch sehr verbreiteten Irrtum zu korrigieren, objektive Aussagen zu gewinnen, sondern sie will die objektive Bedeutungsstruktur von konkreten Äußerungen (Interaktionszug, Kunstwerk, Verbrechen) rekonstruieren. Die Äußerungen werden als Texte aufgefaßt, welche mithilfe eines impliziten Regelwissens um die Produktion und damit auch Entschlüsselung von Bedeutung ausgelegt werden. Der hermeneutische Prozeß folgt keinem starren Ablauf (also nicht im Fernstudium erlernbar), sondern er wird gestaltet mithilfe einer Kunstlehre, welche nur in mühsamen Lehrjahren, also durch Interpretationspraxis erworben werden kann. Oberstes Prinzip der hermeneutischen Analyse ist die Sequenzanalyse. Damit ist gemeint, daß jeder Text Zug um Zug ohne Einsatz eines zuvor erworbenen Fallwissens interpretiert werden muß. Gehofft wird, daß auf diese Weise der objektiven Strukturiertheit die Möglichkeit geboten wird, ihre Reproduktions- bzw. Transformationstätigkeit dem Forscher zu zeigen. 7) Die Erkenntnis gelingt dem Hermeneuten mithilfe des abduktiven Schlusses (Peirce), der stark mit der Intuition verwandt ist und keinesfalls die Überzeugungskraft des induktiven oder deduktiven Schlusses besitzt. Die objektive Hermeneutik hat innerhalb der qualitativen Forschung sehr viele Arbeiten beeinflusst (z.b. Allert 1980, Aufenanger/Lenssen 1986, Burkart 1980, Nagler/Reichertz 1985, Simm 1983), ist aber wohl auch die am häufigsten falsch verstandene Methodologie. Nicht zuletzt wegen der unsystematischen Veröffentlichungspraxis von Oevermann und den Widersprüchen zwischen einzelnen Texten konnte sich eine Interpretationspraxis etablieren, welche das sture Abhaken von acht Analyseebenen mit objektiver Hermeneutik verwechselt. Gegen modische hermeneutische Aufmotzungen alter quantitativer Verfahren (z.b. Zoll 1984) gibt es jedoch keinen Schutz. Problematisch erscheint uns an der objektiven Hermeneutik zweierlei: zum einen die immer mehr zutage tretende Metaphysik der Strukturen (autonom handelnde Strukturen), zum anderen der sorglose Zugriff auf das Passepartout implizites Regelwissen. Die Metaphysik der Strukturen beinhaltet die Gefahr, daß eine von ihr bestimmte Sozialwissenschaft dem handelnden Subjekt nicht mehr die Kenntnis der Bedeutung des Gewollten selbst (Weber) verschafft, sondern ihm allein das Wollen der Struktur verständlich macht. Diese Soziologie versteht (wenn überhaupt) die Strukturen Menschen, Kultur und Geschichte harren derweil weiter einer verstehenden Soziologie (Reichertz 1986, S. 438). Und solange der Begriff implizites Wissen (auch: tacit knowledge, Habitus) nicht geklärt und umgrenzt ist, kann er immer wieder als Zaubermittel aus der Tasche gezogen werden, um heikle Fragen (scheinbar) zu beantworten was mittelfristig zur Entwertung dieses Begriffes führen wird. Das wäre besonders ärgerlich, da das Konzept des impliziten Wissens den Schlußstein der objektiven Hermeneutik bildet. 95

7 Offene Fragen Trotz des in letzter Zeit zunehmenden (blinden) Eifers, möglichst exotische Felder aufzuspüren und möglichst viel Material aufzutischen, gibt es nach wie vor einige Arbeiten, die für mehr Nachdenken plädieren (Bude 1984, 1985, Matthes 1985, Radtke 1985, Soeffner 1982 b, 1983,1984 a, 1985 b). So meint z.b. Soeffner: Wer über die Akte der Deutung nichts weiß und sich über ihre Prämissen und Ablaufstrukturen keine Rechenschaftspflicht auferlegt, interpretiert aus der Sicht wissenschaftlicher Überprüfüngspflicht einfältig, d.h. auf der Grundlage impliziter alltäglicher Deutungsroutinen und Plausibilitätskriterien (Soeffner 1985, S. 110). Leider hört man solches nur recht selten, und Soeffner selbst scheint seinem eigenen Grundsatz nicht ganz zu trauen, wenn er zugleich schreibt: Über Methoden sollte man eigentlich nichts Theoretisches schreiben. Ihre Praktikabilität und theoretische Legitimation ergeben sich vielmehr daraus, daß man sie in ihrem praktischen Verwendungszusammenhang, in der praktischen Forschungsarbeit explizit beschreibt und am Material begründet (ebd. S. 109). So richtig auf der einen Seite die Berücksichtigung der Dialektik von Methode und Gegenstand und die darin enthaltene Absage an die Entwicklung abstrakter Verfahrenstechniken ist, so wenig kann es jedoch zufriedenstellen, die Theorie (und damit letztendlich die Möglichkeit der Kritik) der Pragmatik der jeweiligen Forschungssituation und des damit einhergehenden Projektaktivismus allein zu überantworten. Halten wir uns deshalb lieber an die Forderung, die Prämissen und Bedingungen qualitativer Sozialforschung explizieren zu müssen. Vor diesem Hintergrund allerdings erweist sich die aktuelle Forschungs- und Diskussionslage als äußerst einseitig: es wird empirisch geforscht, aber methodologische Kritik oder die Forderung nach Explikation der Prämissen wird meist lächelnd abgewiesen. Demgegenüber erscheint uns eine neue Runde theoretischer Reflexion der methodologischen Grundannahmen, der Vorgehensweisen, der Standards bzw. Güte- und Geltungskriterien und der verwendeten theoretischen Begriffe von zentraler Wichtigkeit für die qualitative Sozialforschung. Dabei geht es uns nicht um die eindeutige Definition der Begriffe oder die Normierung ihrer Verwendung, sondern in einem ersten Schritt um die Forderung, in den jeweiligen Forschungs- und Verwendungszusammenhängen den theoretischen Gehalt und Kontext der in Anspruch genommenen Theoreme auszuweisen und ihre Angemessenheit in bezug auf Methode, Fragestellung und Material zum Gegenstand expliziter Reflexion zu machen. Doch kann sich diese Reflexion nicht auf die Forschungsprojekte allein beschränken. Wir halten es deshalb für notwendig, daß stärker als bisher Fallanalysen und die konkrete Forschungspraxis der qualitativen Sozialforschung und der in ihr verwendeten Theoreme zu Themen selbstkritischer Reflexion und öffentlicher Diskussion werden. Während man sich bisher meist auf die Vorführung einiger ausgewählter Musterbeispiele mit begrenztem Anspruch in Readern konzentrierte (vgl. z.b. Soeffner 1982 a, 1984, Garz/Kraimer 1983, Kohli/Robert 1984, Reichertz 1984 u.a.m.) und dies in einer Phase der paradigmatischen Etablierung qualitativer Sozialforschung durchaus angemessen war, scheint uns heute dies nicht mehr auszureichen: Thema der Auseinandersetzung und Explikation muß die jeweilige Forschungspraxis und die sie begründenden Theoreme als Ganzes sein. Allerdings kann dabei nicht darauf gehofft werden, daß auf diesem Wege die fragwürdig gewordenen wissenschaftstheoretischen Konzepte, ihre Begründungen und die damit einhergehenden Sicherheiten und Orientierungen wiedergewonnen werden könnten (vgl. Bonß/Hartmann 1985). Gewißheiten (neue oder alte) wird eine neue Runde theoretischer Reflexion nicht bringen, bestimmt jedoch mehr Argumente, mit denen die Wahl der Daten und der Auswertungsverfahren bewußter begründet werden kann. Und einige Probleme sind für die gesamte qualitative Sozialforschung zentral ganz egal, welcher Forschungsperspektive sie sich zuordnet. Werden diese Probleme mittelfristig nicht befriedigend gelöst, dann steht zu erwarten, daß die Qualitativen ihre Kreditwürdigkeit verlieren werden. Solche Probleme sind: (a) Das Problem der Beliebigkeit: Zehn Qualitative produzieren bei der Analyse der gleichen Daten zehn unterschiedliche Deutungen! Dieser Vorwurf ist nicht neu, allerdings ist er in letzter Zeit vermehrt zu hören. Das verwundert auch nicht, zeigen doch die Reader, welche die Bearbeitung des gleichen Materials durch unterschiedliche Wissenschaftler dokumentieren (z.b. Heinze et al ) ), Reichertz 1984), zu welcher Vielfalt die wissenschaftliche Praxis fähig ist. Hilfreich wäre 96

8 es, wenn die einzelnen Interpreten klarer ihre Fragestellungen zu erkennen geben würden; damit ließe sich viel Verwirrung vermeiden (Daten antworten auf unterschiedliche Fragen, wenn auch nicht alle). Zudem müßte mehr diskutiert werden, ob bestimmte Daten überhaupt sinnvoll auf bestimmte Fragen antworten können. Also: Kann man aus narrativen Interviews Deutungsmuster ermitteln? Läßt sich von transkribierten Texten einer Interaktionsszene auf die tatsächliche, alltagspraktische Interaktionsstruktur schließen? Es gibt noch viele solcher Fragen. Ein Drittes ist noch unter diesem Punkt zu vermerken: Da die qualitativen Deutungsverfahren in der Regel nicht standardisiert sind und sein wollen, müßte ein Weg gesucht werden, wie Analysen von Rezipienten nachvollzogen und überprüft werden können, soll nicht der Glaube an die Redlichkeit und das Genie des Interpreten eine unselige Wiedergeburt erfahren. Alle diese Fragen berühren Probleme, die früher mit den Begriffen Validität und Reliabilität bezeichnet wurden. Wir denken nicht wie etwa Gerhardt (1985), daß man die ausgearbeiteten Kriterien einer harten Sozialforschung auf die qualitative anwenden kann (dafür ist das Wirklichkeitsverständnis der beiden zu unterschiedlich), doch kann daraus kein everything is allright gerechtfertigt werden. (b) Das Problem der Generalisierbarkeit: Qualitative Analysen sind durch die Bank Fallanalysen, und dem eigenen Verständnis nach müssen sie es sein. Doch zwischen Fallaussagen und allgemeinem Satz klafft ein beträchtlicher Hiatus, der übersprungen sein will. Oevermanns Vorschläge zur Strukturgeneralisierung (Oevermann 1981) immunisieren aber weit mehr gegen Kritik, als daß sie überzeugen könnten. Das Verfahren der Kontrastierung (Hildenbrand 1984) wartet noch auf seine Bewährungsprobe. Wenn die Sozialforschung lediglich soziale Erscheinungen archivieren will, dann ist das Problem der Generalisierbarkeit ein Scheinproblem, will sie jedoch mehr, dann kann sie dies erst, wenn der oben beschriebene Hiatus geschlossen ist. (c) Das Problem der Ökonomisierung: Fallanalysen sind extrem zeitaufwendig. Manche Interpretationen kleiner Datenmengen nehmen Tage, Wochen oder Monate in Anspruch. Das ist besonders lästig, da das Material der Qualitativen in der Regel recht umfangreich ist. Es wird darüber nachgedacht werden müssen, wie sich der Prozeß der Datenanalyse ökonomisieren läßt. Ob allerdings der Vorschlag Oevermanns (erst extensive Fallanalysen, dann quantitative Verfahren Oevermann u.a. 1979) weiterführt, scheint uns fragwürdig. (d) Das Problem der Darstellbarkeit: Ein bislang kaum beachtetes Problem qualitativer Sozialforschung ergibt sich daraus, daß der Prozeß der Datenanalyse (=Handlung des Interpretierens) nicht in einem berichtenden Text abgebildet werden kann außer man transkribiert die zurückliegende Dateninterpretation und macht dieses Transkript zum Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung. Diese Untersuchungsstrategie führt allerdings in einen endlosen Regreß, der weder logisch noch arbeitspraktisch ein Ende finden könnte. Überscharf zeigt sich dieses Problem, will man von Sequenzanalysen (objektive Hermeneutik) berichten. Die Nichtvertextbarkeit qualitativ arbeitender Sozialforschung führt nicht nur zu oft ungerechtfertigten Vorwürfen der Interpretationsbeliebigkeit (s.o.) und der voreiligen Subsumtion, sondern auch zu dem grundsätzlichen Problem, daß qualitative Interpretationsarbeit nicht so einfach nachvollzogen und damit nur schwer überprüft werden kann. Ob eine spezielle Darstellungssprache oder ein noch zu entwickelndes Darstellungsverfahren (vgl. Nagler/Reichertz 1986) einen Ausweg zeigen, bleibt noch abzuwarten. 9) (e) Das Problem des Selbst- und Wissenschaftsverständnisses: Nicht zufällig ist die Diskussion um den Professionsbegriff neu entfacht. Zu diffus und oft auch widersprüchlich ist das Selbstverständnis der Qualitativen. Manche halten sich für Aufklärer (Heinze et al. 1981), Anwälte (Terhart 1983 b) oder Zeugen (Franzke et al. 1984), andere denken, sie seien stellvertretende Deuter (Oevermann 1983 a, Soeffner 1984 b) oder gar Geburtshelfer (Oevermann 1984, S. 136). Die eine Seite fordert Stellungnahme und Engagement, die andere erinnert an Webers Wertfreiheitspostulat. Alle diese Selbstetikettierungen weitere ließen sich hinzufügen und die damit einhergehenden erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Konzepte sind jedoch nicht nur Ausdruck unterschiedlicher, interner Ausgangspositionen, sondern sie verweisen ebenso auf das sehr ambivalente Verhältnis qualitativer Sozialforschung zur gesellschaftlichen und politischen Wirklichkeit. Kennzeichnend dabei ist, daß die gesellschaftspolitischen Implikationen dieser Forschungsrichtung heute kaum diskutiert werden, was jedoch das Problem nicht entschärft. Einwände, daß beispielsweise die Subjektorientierung der qualitativen Sozialforschung letztendlich doch der besseren Vergesellschaftung von Individualität diene, daß das aufgeklärte Anwaltsbewußtsein eine besonders perfide Strategie der Entmündigung darstelle oder daß um ein anderes Argu- 97

9 ment aufzunehmen das Postulat der Autonomie der Lebenswelt letztlich nichts anderes sei als die unkritische Affirmation der bestehenden Verhältnisse: diese und andere Einwände scheinen heute innerhalb der qualitativen Sozialforschung kaum der Diskussion bzw. der Differenzierung wert zu sein. Dabei wäre es nicht nur für die internen Debatten um den erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Status qualitativer Sozialforschung dienlich, wenn sie sich in Zukunft stärker der Frage nach ihrer möglichen Janusköpfigkeit stellen würde. Alle diese Fragen und es ließen sich weitere formulieren treffen die qualitative Sozialforschung im Kern. Sie kann langfristig deshalb nicht umhin, sich um Antworten auf diese Fragen zu bemühen. Allerdings dürfte der Schlachtruf Ran ans Material und die neue, einseitige Begeisterung der Qualitativen für konkrete Analysen bzw. der weitgehende Verzicht auf methodologische Reflexion kaum die notwendigen Einsichten liefern. Daß etwas passiert, daß qualitative Sozialforschung offenbar funktioniert, reicht nicht aus. Sie muß wissen, wo ihr Kopf sitzt. Daher muß die qualitative Forschungspraxis stärker als bisher von einer methodologisch reflektierten Kritik der qualitativen Sozialforscher selbst begleitet werden, um so die eigenen blinden Flecke und Aporien ans Licht zu bringen. Anmerkungen 1) Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt Hopf 1985, S. 86 ff. 2) Für kritische und hilfreiche Hinweise zu einer früheren Fassung dieses Textes danken wir herzlich W. Bonß, München. 3) Ein allgemeiner Überblick findet sich in Hopf Spezieller sind die Bibliographie zur Biographieforschung in Kohli/Robert 1984, S. 297 ff. und die zu einer empirisch arbeitenden Sprachsoziologie in Soeffner 1982, S. 205 ff. Einen genauen Überblick über Projekte der Biographieforschung liefert Hoerning 1984 (siehe auch: Helling 1982 u. 1984), über sprach-soziologisch orientierte Projekte informiert Reichertz ) In diesem Zusammenhang bzw. im Rahmen der Diskussion um den Textbegriff lassen sich auch eine verstärkte Rezeption und kritische Auseinandersetzung geisteswissenschaftlicher Konzepte zum Textverständnis und Verstehensansätze beobachten (vgl. z.b. Zedler 1983 a/b, Gruschka 1985). 5) Die Konversationsanalyse als selbständiges Verfahren hat in der deutschen qualitativen Sozialforschung nie eine prominente Stellung erlangen können. Zur neueren Entwicklung in Amerika siehe Heritage ) Neuerdings versucht Hildenbrand die objektive Hermeneutik in das Methodenbündel der Milieudeskription einzubeziehen (Hildenbrand 1984). Wie das im einzelnen aussehen soll, ist allerdings noch offen. 7) In Deutschland gibt es keine grammatische Form, mit der man den Sachverhalt richtig wiedergeben könnte. Denn der Erkenntnisprozeß ist weder nur aktiv noch allein passiv. Die im Griechischen vorkommende grammatische Form des Medium wäre eine adäquate sprachliche Form, doch die gibt es leider nicht im Deutschen. 8) Die in diesem Band abgedruckten Arbeiten bilden nur einen kleinen Teil der damals erstellten Interpretationen des Interviews mit einer Fernstudentin. Insgesamt dürften etwa 20 diverse Deutungen vorgelegen haben. 9) Das Problem der Darstellbarkeit haben anscheinend auch die Quantitativen. Meinefeld, der 88 quantitative empirische Forschungsberichte untersucht hat, resümiert: In den meisten der untersuchten Aufsätze fehlen wesentliche Informationen zu Methode, Instrument und Durchführung der Datenerhebung, die Wahl der Modelle der Datenanalyse wird selten begründet, und Angaben zur Verallgemeinerungsfähigkeit der Ergebnisse unterbleiben nur zu oft. Hierdurch wird dem Leser eine wesentliche Grundlage für eine eigenständige Beurteilung der Aussagekraft der Daten sowie der Gültigkeit der Interpretation entzogen er wird aus seiner Rolle eines kritischen Diskussionspartners in die eines Konsumenten unbezweifelbarer Ergebnisse gedrängt. (Meinefeld 1985). Zum Glück hat noch niemand empirisch qualitative Arbeiten unter diesem Gesichtspunkt untersucht das Resultat wäre wahrscheinlich sehr niederschmetternd. Literatur AG Bielefelder Soziologen (Hrsg.) 1973: Alltagswissen, Interaktion und gesellschaftliche Wirklichkeit. Reinbek, 2 Bde. Altert, T. 1980: Zur Dynamik der Interaktionstriade Eine Fallstudie zur Struktur der sozialisatorischen Interaktion, Frankfurt, Diss. Aufenanger, S./Lenssen, M. (Hrsg.) 1986: Handlung und Sinnstruktur. Bedeutung und Anwendung der objektiven Hermeneutik, München (im Druck). Berger, P.L./Luckmann, T. 1969: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie, Frankfurt. Bietau, A./Breyvogel, W./Helsper, W. 1981: Zur Selbstkrise Jugendlicher in Schule und Subkultur. In: Zeitschrift für Pädagogik, 27. Jg., H. 3, S

10 Bohnsack, R. 1983: Alltagsinterpretation und soziologische Rekonstruktion, Opladen. Bonß, W. 1982: Die Einübung des Tatsachenblicks. Zur Struktur und Veränderung empirischer Sozialforschung, Frankfurt. Bonß, W a: Kritische Theorie als empirische Wissenschaft. Zur Methodologie postkonventioneller Sozialforschung. In: Soziale Welt, 34. Jg., S Bonß, W b: Empirie und Dechiffrierung von Wirklichkeit. Zur Methodologie bei Adorno. In: Friedeburg, L./Habermas, J. (Hrsg.): Adorno-Konferenz 1983, Frankfurt, S Bonß, W./Hartmann, H. 1985: Konstruierte Gesellschaft, rationale Deutung Zum Wirklichkeitscharakter soziologischer Diskurse. In: dies. (Hrsg.): Entzauberte Wissenschaft. Zur Relativität und Geltung soziologischer Forschung. Göttingen (Sonderband 3, Soziale Welt), S Buchmann, M./Gurny, R. 1984: Wenn Subjektivität zu Subjektivismus wird... Methodische Probleme der neueren soziologischen Biographieforschung. In: K.Z.f.S.S. 36. Jg., S Bude, H. 1984: Rekonstruktion von Lebenskonstruktionen eine Antwort auf die Frage, was die Biographieforschung bringt. In: Kohli/Robert, S Bude, H. 1985: Der Sozialforscher als Narrationsanimateur. Kritische Anmerkungen zu einer erzähltheoretischen Fundierung der interpretativen Sozialforschung. In: K.Z.f.S.S. 37. Jg., S Burkart, G. 1980: Strukturprobleme universitärer Sozialisation. Eine Fallrekonstruktion am Beispiel des Medizinstudiums. Frankfurt Diss. Döbert, R./Nunner-Winkler, G. 1975: Adoleszenzkrise und Identitätsbildung, Frankfurt. Enninger, W. 1984: Zur Signifikation sozialer Ordnung dargestellt am Beispiel eines sozialen Isolats. In: Soeffner, H.-G. (Hrsg.): Beiträge zu einer Soziologie der Interaktion, Frankfurt, S Franzke, J./Engelhardt, Th./Käs, R./Murko, M. 1984: Lebensformen Nürnberger Metallarbeiter in den 20er Jahren. In: Soeffner, H.-G. (Hrsg.): Beiträge zu einer Soziologie der Interaktion, Frankfurt, S dies a: Der Zusammenbruch der Weimarer Republik als biographisches Datum. In: Kohli/ Robert, S Garz, D. 1984: Strukturgenese und Moral, Opladen. Garz, D./Kraimer, K. (Hrsg.) 1983: Brauchen wir andere Forschungsmethoden? Beiträge zur Diskussion interpretativer Verfahren, Frankfurt. Gerhardt, U. 1985: Erzähldaten und Hypothesenkonstruktion. Überlegungen zum Gültigkeitsproblem in der biographischen Sozialforschung. In: K.Z.f.S.S., 37. Jg., S Girtler, R. 1980: Polizei-Alltag, Opladen. Girtler, R. 1983: Der Adler und die drei Punkte. Köln, Wien. Girtler, R a: Methoden der qualitativen Sozialforschung, Köln, Wien. Girtler, R b: Interaktion und Kommunikation großstädtischer Vagabunden Wiens die Wirklichkeit der Gaunersprache. In: Soeffner, H.-G. (Hrsg.): Beiträge zu einer Soziologie der Interaktion, Frankfurt, S Grathoff, R. 1984: Milieu und Gesellschaft, Ms, Bielefeld. Gruschka, A./Geissler, H. 1982; Über die Fähigkeit von Untersuchten und Wissenschaftlern, interpretative Urteile zu validieren. In: Zeitschrift für Pädagogik, 28. Jg., H. 4, S Gruschka, A. 1985: Von Spranger zu Oevermann. Über die Determination des Textverstehens durch die hermeneutische Methode und zur Frage des Fortschritts innerhalb der interpretativen Verfahren der Erziehungswissenschaft. In: Zeitschrift für Pädagogik, 31. Jg., H. l, S Heinze, T./Klusemann, H.W./Soeffner, H.-G. (Hrsg.) 1980: Interpretationen einer Bildungsgeschichte. Überlegungen zur sozialwissenschaftlichen Hermeneutik, Bensheim. Heinze, T./Klusemann, H.W. 1980: Versuch einer sozialwissenschaftlichen Paraphrasierung am Beispiel eines Ausschnittes einer Bildungsgeschichte. In: Heinze et al., S Heinze, T./Räderscheidt, B./Rode, G. 1983: Praxisforschung in der Hochschule. In: Bildung und Erziehung 36. Jg., H. 3, S Heinze, T. /Loser, F.W./Thiemann, F. 1981: Praxisforschung. Wie Alltagshandeln und Reflexion zusammengebracht werden können, München. 99

11 Heinze, T./Thiemann, F. 1982: Kommunikative Validierung und das Problem der Geltungsbegründung. Bemerkungen zum Beitrag von E. Terhart. In: Zeitschrift für Pädagogik 28. Jg., H. 4, S Helling, I. 1982: The Life History Method. Ms., Bielefeld. Helling, I. 1984: The State of Biographical Research in German-Speaking Sociology. In: Hoerning, E. (Hrsg.): Biography and Society, Newsletter 3, Nov., S Heritage, J.C. 1985: Recent Developments in Conversation Analysis. In: Sociolinguistics, June, S Hermanns, H. 1984: Ingenieurleben Der Berufsverband von Ingenieuren in biographischer Perspektive. In: Kohli/Robert (Hrsg.), S Hildenbrand, B. 1983: Alltag und Krankheit. Ethnographie einer Familie, Stuttgart. Hildenbrand, B. 1984: Prozesse der Wirklichkeitskonstruktion im gemeinsamen familiengeschichtlichen Erzählen. Ms., Marburg. Hildenbrand, B./Müller, H./Beyer, B./Klein, D. 1984: Biographiestudien im Rahmen von Milieustudien. In: Kohli/Robert, S Hoerning, E. 1984: List of German-Speaking Projects in Biographical Research. In: Biography and Society, Newsletter 3, Nov., S Hoffmann-Riem, C. 1980: Die Sozialforschung einer interpretativen Soziologie. Der Datengewinn. In: K.Z.f.S.S., 32. Jg., S Hoffmann-Riem, C. 1984: Das adoptierte Kind. Familienleben mit doppelter Elternschaft, München. Hopf, C. 1985: Nicht-standardisierte Erhebungsverfahren in der Sozialforschung Überlegungen zum Forschungsstand. In: Kaase, M./Küchler, M. (Hrsg.): Herausforderung der empirischen Sozialforschung. Beiträge aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens des Zentrums für Umfragen, Methoden und Analysen, Mannheim ZUMA, S Honer, A. 1983: Körper und Wissen. Die kleine Lebenswelt des Bodybilders. Magisterarbeit, Konstanz. Jost, G. 1984: Wiener Taxifahrer. Eine freie und gemütliche Berufswelt? Köln, Wien. Jüttemann, G. (Hrsg.) 1985: Qualitative Forschung in der Psychologie. Grundfragen, Verfahrensweisen, Anwendungsfelder, Weinheim. Kieper, M. 1980: Lebenswelten verwahrloster Mädchen. Autobiographische Berichte und ihre Interpretationen, München. Kieper, M./Lübbers, I./Mollenbauer, K./Keckeisen, W. 1982: Vierzehnjährige Jugendliche berichten über ihre Probleme. Abschlußbericht über das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Forschungsprojekt Deutungsmuster und Definitionen problematischer Lebenssituationen von Jugendlichen. Ms., Göttingen. Kohli, M./Robert, G. (Hrsg.) 1984: Biographie und soziale Wirklichkeit. Neue Beiträge und Forschungsperspektiven, Stuttgart. Kroner, W. 1983: Taxifahrer. Szenen einer Großstadt, Frankfurt. Küchler, M. 1980: Qualitative Sozialforschung. Modetrend oder Neuanfang? In: K.Z.f.S.S. 32. Jg., S Küchler, M. 1983: Qualitative Sozialforschung ein neuer Königsweg? In: Garz/Kraimer, S Ley, K. 1984: Von der Normal- zur Wahlbiographie. In: Kohli/Robert, S Luckmann, T. 1981: Zum hermeneutischen Problem der Handlungswissenschaften. In: Fuhrmann et al. (Hrsg.): Text und Applikation, München, S Lüders, C. 1984: Vernachlässigte Probleme erziehungswissenschaftlicher Forschung aufgezeigt anhand von vier Projekten aus der pädagogischen Jugendforschung. In: Zeitschrift für Pädagogik, 30. Jg., H. 2, S Matthes, J. 1985: Zur transkulturellen Relativität erzählanalytischer Verfahren in der empirischen Sozialforschung. In: K.Z.f.S.S., 37. Jg., S Meinefeld, W. 1985: Die Rezeption empirischer Forschungsergebnisse eine Frage von Treu und Glaube? In: Zeitschrift für Soziologie, 14. Jg., H. 4, S Moser, H. 1983: Versuch eines Resumees aus den Regensburger Diskussionen. In: Zeitschrift für 100

12 Pädagogik, 18. Beiheft: Beiträge zum 8. Kongreß der DGfE, hrsg. von D. Benner u.a., Weinheim, S Nagler, K./Reichertz, J. 1986: Kontaktanzeigen auf der Suche nach dem anderen, den man nicht kennen will. In: Aufenanger/Lenssen (im Druck). Oevermann, U./Allert, T./Konau, E./Krambeck, J. 1979: Die Methodologie einer,,objektiven Hermeneutik und ihre allgemeine forschungslogische Bedeutung in den Sozialwissenschaften. In: Soeffner, H.-G. (Hrsg.): Interpretative Verfahren in den Sozial- und Textwissenschaften, Stuttgart, S Oevermann, U. 1981: Fallrekonstruktion und Strukturgeneralisierung als Beitrag der objektiven Hermeneutik zur soziologisch-strukturtheoretischen Analyse. Ms., Frankfurt. Oevermann, U a: Hermeneutische Sinnrekonstruktion: als Therapie und Pädagogik mißverstanden, oder: das notorische strukturtheoretische Defizit pädagogischer Wissenschaft. In: Garz/Kraimer, S Oevermann, U b: Versozialwissenschaftlichung von Identitätsformationen und Verweigerung von Lebenspraxis. Ms., Frankfurt. Oevermann, U c: Zur Sache: Die Bedeutung von Adornos methodologischem Selbstverständnis für die Begründung einer materialen soziologischen Strukturanalyse. In: Friedeburg, L./ Habermas, J. (Hrsg.); Adorno-Konferenz Frankfurt, S Oevermann, U. 1984: Kriminalistische Ermittlungspraxis als naturwüchsige Form der hermeneutischen Sinnauslegung von,,spurentexten. Eine soziologisch-strukturanalytische Umformung der Perseveranz-Hypothese. In: Bundeskriminalamt (Hrsg.): Symposium: Perseveranz und kriminalpolizeilicher Meldedienst. Referate und Zusammenfassungen der Diskussionsbeiträge. Wiesbaden, S Oevermann, U./Schuster, A./Simm, A. 1985: Zum Problem der Perseveranz in Delikttyp und Modus operandi.,spurentext -Auslegung, Tätertypen-Rekonstruktion und die Strukturlogik kriminalistischer Ermittlungspraxis. Zugleich eine Umformung der Perseveranzhypothese aus soziologisch-strukturanalytischer Sicht. Wiesbaden Plewig. H.-J./Wegner, T. 1984: Zur Genese von Devianz im frühen Jugendalter. Abschlußbericht zu einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt. Arbeitspapiere aus dem Institut für Kriminologie, Universität Heidelberg, No. 4, Heidelberg. Radtke, F.-O. 1985: Hermeneutik und soziologische Forschung. In: Bonß, W./Hartmann, H. (Hrsg.): Entzauberte Wissenschaft. Zur Relativität und Geltung soziologischer Forschung. Göttingen (Soziale Welt, Sonderband 3), S Reichertz, J. 1982: Laufende sprachsoziologische Forschungsprojekte. In: Sociolinguistic Newsletter, Spring, S Reichertz, J. (Hrsg.) 1984: Sozialwissenschaftliche Analysen jugendgerichtlicher Interaktion. Tübingen. Reichertz, J. 1986: Probleme qualitativer Sozialforschung. Die Entwicklungsgeschichte der Objektiven Hermeneutik, Frankfurt (im Druck). Riemann, G. 1983: Biographieverläufe psychiatrischer Patienten aus soziologischer Sicht: Eine empirische Untersuchung. Ms., Kassel. Schneider, G. 1985: Strukturkonzept und Interpretationspraxis der objektiven Hermeneutik. In: Jüttemann, G., S Schütze, F. 1983: Biographieforschung und narratives Interview. In: Neue Praxis, 13. Jg., H. 3, S Schütze, F. 1984: Kognitive Figuren des autobiographischen Stegreiferzählens. In: Kohli/Robert, S Schwediauer, K. 1984: Alltag im Steinhof. Leben in einer psychiatrischen Großanstalt, Köln, Wien. Simm, A. 1983: Strukturanalyse einer Familientherapie. Eine soziologisch-professionaliserungstheoretische Fallstudie, Frankfurt, Diss. Soeffner. H.-G. (Hrsg.): 1982 a: Beiträge zur empirischen Sprachsoziologie, Tübingen. Soeffner, H.-G b: Statt einer Einleitung: Prämissen einer sozialwissenschaftlichen Hermeneutik. In: ders. (Hrsg.): Beiträge zu einer empirischen Sprachsoziologie, Tübingen, S Soeffner, H.-G. 1983: Alltagsverstand und Wissenschaft. Anmerkungen zu einem alltäglichen Mißverständnis. In: Zedler/Moser, S

13 Soeffner, H.-G. (Hrsg.): 1984: Beiträge zu einer Soziologie der Interaktion, Frankfurt. Soeffner, H.-G a: Hermeneutik Zur Genese einer wissenschaftlichen Einstellung durch die Praxis der Auslegung. In: ders. (Hrsg.): Beiträge zu einer Soziologie der Interaktion, Frankfurt, S Soeffner, H.-G b: Strukturanalytische Überlegungen zur gerichtlichen Interaktion. In: Reichertz, S Soeffner, H.-G a: Emblematische und symbolische Formen der Orientierung. Ms., Hagen. Soeffner, H.-G b: Anmerkungen zu gemeinsamen Standards standardisierter und nichtstandardisierter Verfahren in der Sozialforschung. In: Kaase, M./Küchler, M. (Hrsg.): Herausforderung der empirischen Sozialforschung. Beiträge aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens des Zentrums für Umfragen, Methoden und Analysen, Mannheim ZUMA, S Terhart, E. 1981: Intuition Interpretation Argumentation. Zum Problem der Geltungsbegründung von Interpretationen. In: Zeitschrift für Pädagogik, 27. Jg., H. 5, S Terhart, E a: Übersicht über die Beiträge. In: Zeitschrift für Pädagogik, 18. Beiheft: Beiträge zum 8. Kongreß der DGfE, hrsg. von D. Benner u.a., Weinheim, S Terhart, E b: Schwierigkeiten (mit) der,objektiven Hermeneutik. Eine Antwort auf Ulrich Oevermann. In: Garz/Kraimer, S Wahl, K./Honig, M.-S./Gravenhorst, L. 1982: Wissenschaftlichkeit und Interessen. Zur Herstellung subjektivitätsorientierter Sozialforschung, Frankfurt. Wilson, T. 1973: Theorien der Interaktion und Modelle soziologischer Erklärung. In: AG Bielefelder Soziologen (Hrsg.): Alltagswissen, Interaktion und gesellschaftliche Wirklichkeit, Bd. l: Symbolischer Interaktionismus und Ethnomethodologie, Reinbek, S Zedler, P a: Empirische Hermeneutik. Eine Problemskizze. In: Zedler/Moser, S Zedler, P b: Zur Aktualität geisteswissenschaftlicher Pädagogik. In: Garz/Kraimer, S Zedler, P b: Entwicklungslinien und Kontexte interpretativer Theoriebildung. In: Zeitschrift für Pädagogik, 18. Beiheft: Beiträge zum 8. Kongreß der DGfE, hrsg. von D. Benner u.a., Weinheim, S Zedler, P./Moser, H. (Hrsg.): 1983: Aspekte qualitativer Sozialforschung. Studien zu Aktionsforschung, empirischer Hermeneutik und reflexiver Sozialtechnologie, Opladen. Zeitschrift für Pädagogik 1979: Themenheft Jugendprobleme, Jugendforschung, 25. Jg., H. 5. Zeitschrift für Pädagogik 1981; Themenheft Jugend, 27. Jg., H. 3. Zeitschrift für Pädagogik 1981 a: Themenheft Jugend und Beruf, 27. Jg., H. 5. Zeitschrift für Pädagogik 1984: Themenheft Jugendprobleme, 30. Jg., H. 2. Zoll, R. (Hrsg.) 1984: Hauptsache, ich habe Arbeit, Frankfurt.

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