1 + 1 = 0. Prof. Dr. Otmar Venjakob. Regionale Siegerehrung der 45. Mathematik-Olympiade, Mathematisches Institut Universität Bonn

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1 1 + 1 = 0 Prof. Dr. Otmar Venjakob Mathematisches Institut Universität Bonn Regionale Siegerehrung der 45. Mathematik-Olympiade, 2005

2 Zählen im Alltagsleben Beim Zählen von Tieren, Gegenständen stoßen wir auf die natürlichen Zahlen N 1 = {1, 2, 3,... }, die durch sukzessive Addition mit 1 entstehen: 1, 2 = 1 + 1, 3 = 2 + 1,... Geschichtlich ist die Erfindung der 0 eine enorme kulturelle Leistung N = {0, 1, 2, 3,... },

3 Die ganzen Zahlen Zur Umkehrung der Addition natürlicher Zahlen benötigt man zusätzlich die negativen Zahlen und gelangt so zu den ganzen Zahlen Z = {..., 3, 2, 1,0, 1, 2, 3,...} (Z, +) nennen Mathematiker eine Gruppe: a + 0 = a a + ( a) = 0 (a + b) + c = a + (b + c)

4 Die Welt der Mathematik Auch wenn oft durch die reale Welt inspiriert, ist das Gebäude der Mathematik rein axiomatisch, d.h. eine ganz eigene Welt für sich, die ihren eigenen Regeln genügt - unabhängig von der Alltagswelt. Zum Beispiel können wir uns selbst neue Gruppen definieren.

5 Division mit Rest Für eine feste natürliche Zahl n betrachten wir Z n := {0, 1,..., n 1}, etwa Z 5 := {0, 1, 2, 3, 4} Division mit Rest: Zu jeder ganzen Zahl m existiert genau ein c(m) in Z n und eine ganze Zahl b(m) mit Beispiel: (für n = 5) m = b(m) n + c(m) 24 = , 3 = , 5 = So ordnen wir jeder ganzen Zahl m eine Klasse c(m) in Z n zu.

6 Die neue Gruppe Wir erklären eine (neue) Addition auf der Menge Z n : a + b = c(a + b) für a, b in Z n, d.h. wir addieren erst auf herkömmliche Weise und danach gehen wir zu der Klasse des Zwischenergebnisses über. Beispiel: (n = 5) = c 5 (4) = 4, = c 5 (7) = 2, = c 5 (5) = 0, d.h. 3 = 2 in der Gruppe (Z 5, +).

7 Für n = 2 ergibt sich also = c 2 (2) = 0 in der Gruppe Z 2 = {0, 1}.

8 Addition von ganzen Zahlen Das regelmäßige n-eck Drehungen Spiegelungen Anwendungen Betrachten wir das regelmäßige n-eck, etwa für n = 6 : Drehungen d 1 um 60 = Grad bilden E 6 auf sich selbst ab (Ecke 1 Ecke 2, Ecke 2 Ecke 3, usw., Ecke 6 Ecke 1).

9 Drehungen Addition von ganzen Zahlen Drehungen Spiegelungen Anwendungen Allgemeiner betrachten wir die Menge D 6 aller Drehungen d, die E 6 auf sich abbilden. Zum Beispiel ist die (mehrfache) Hintereinanderausführung von Drehungen d 1 um 60 Grad wieder in D 6 : d 2 := d 1 d 1 Drehung um 120 Grad d 3 := d 1 d 1 d 1 Drehung um 180 Grad. d k := d 1 d }{{ 1 } k mal Drehung um k 60 Grad

10 Drehungen Spiegelungen Anwendungen Tatsächlich sind alle Drehungen in D 6 von dieser Form: D 6 = {d 0, d 1, d 2, d 3, d 4, d 5 } und (D 6, ) hat dieselbe Gruppenstruktur wie (Z 6, +) : d a a, d a d b = d c6 (a+b).

11 Drehungen Spiegelungen Anwendungen Andere Symmetrien sind etwa durch Spiegelungen gegeben: Die Gruppe aller Abbildungen der Ebene, die E n in E n überführt, heißt Symmetriegruppe von E n.

12 Drehungen Spiegelungen Anwendungen Ähnlich kann man Symmetrien von Yantras studieren:

13 Drehungen Spiegelungen Anwendungen Mandalas

14 Addition von ganzen Zahlen Anwendungen in Archäologie Drehungen Spiegelungen Anwendungen In der Archäologie kann der Grad der Symmetrien (Größe der Symmetriegruppe) von Kachelmustern, Ornamenten etc. helfen, Fundstücke der richtigen Epoche zuzuordnen.

15 Elliptische Kurven Schließlich noch eine außergewöhnliche, geometrische Addition: Wir betrachten die Gleichung E : y 2 = x 3 x. Die Lösungsmenge, d.h. Koordinaten (x, y), die E erfüllen, bilden ein geometrisches Objekt, eine elliptische Kurve E : P 0 = (, ) E spielt besondere Rolle: P 0 = 0

16 E : y 2 = x 3 x.

17 Geometrische Addition

18 Kryptographie Elliptische Kurven spielen wichtige Rolle für Verschlüsselungsverfahren (Internet, EC-Karte,...)

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