Entwicklung und Veränderung partnerschaftlicher und familiärer Lebensformen in Österreich nach 1945

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1 Entwicklung und Veränderung partnerschaftlicher und familiärer Lebensformen in Österreich nach 1945

2 Was heißt t Familie? eine Annäherung Jeder hat eine Vorstellung darüber, was Familie ist. Starke Unterschiede in den Vorstellungen, da es für jeden etwas unmittelbar Erlebtes ist. In der Lebenswelt der Menschen - viele Familienbegriffe nebeneinander auch in der Wissenschaft kein einheitlicher Familienbegriff

3 Bestimmende Merkmale von Familie (nach Nave-Herz Herz) Familie besitzt eine biologisch-soziale Doppelnatur durch die Übernahme von Reproduktionsfunktionen Sozialisationsfunktionen Familie entsteht durch besonderes Kooperations- und Solidaritätsverhältnis Generationendifferenzierung

4 Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf die Familie Herausforderungen für die Zukunft Veränderungen in den Lebensläufen Gegenstand individueller Planung und Entscheidung Normalbiographie zur Bastelbiographie Veränderungen im Familienzyklus

5 Veränderung der Lebenserwartung der Geburtskohorten 1870/ /48 Quelle: Gisser, Richard et al. (1990a): Lebenswelt Familie. Familienbericht Wien: Bundesministerium für Umwelt Jugend und Familiie, S.92

6 Lebenszyklus einer Frau im Jahr 1970 im Vergleich mit dem Jahr 2000 Jahr Durchschnittliches Alter bei der ersten Heirat Durchschnittliches Alter bei der ersten Geburt Durchschnittliches Alter bei der Hochzeit der Tochter Durchschnittliches Alter bei der Geburt des ersten Enkels Durchschnittliches Alter bei der Hochzeit des ersten Enkels Durchschnittliches Alter bei der Geburt des ersten Urenkels Durchschnittliches Todesalter in J in J. 27,9 27, Quelle: Bundeskanzleramt, Familienbericht 1979, S.79, Statistik Austria ISIS Database

7 Lebensform Lebensformen unterschiedlicher Altersgruppen years years years männlich (in %) als Kind bei den Eltern Alleinerzieher verheiratetes Paar o. Kinder verheiratetes Paar m. Kindern Lebensgemeinschaft o. Kinder Lebensgemeinschaft m. Kindern Single andere Lebensformen Zusammen weiblich (in%) als Kind bei den Eltern Alleinerzieher verheiratetes Paar o. Kinder verheiratetes Paar m. Kindern Lebensgemeinschaft o. Kinder Lebensgemeinschaft m. Kindern Single andere Lebensformen Zusammen Quellen: Statistik Austria Volkszählungen eigene Berechnungen

8 Charakteristika der Lebensformen von Kindern und Jugendlichen (0-18 Jahre) 2004 wurden 35,9 % der Kinder in Österreich von unverheirateten Frauen geboren. Bis zum 15. Lebensjahr leben fast alle und bis zum Erreichen der Volljährigkeit 93% aller Kinder und Jugendlichen bei zumindest einem Elternteil.

9 Charakteristika der Lebensformen der Postadoleszenz und des jungen Erwachsenenalters (19-40 Jahre) Junge Menschen gründen immer später und insgesamt weniger häufig eine eigene Familie Familiengründung erfolgt heute seltener durch eine enge zeitliche Abfolge von Auszug aus dem Elternhaus - Heirat - Elternschaft : Phase der Pluralisierung der Lebensformen Mit zunehmenden Alter reduziert sich die Pluralität der Lebensformen tendenziell hin zur Lebensform Ehepaar mit Kind

10 Charakteristika der Lebensformen des mittleren Erwachsenenalters (40-60 Jahre) Mit Erreichen des mittleren Erwachsenenalters wird das Leben in einer Kernfamilie zur häufigsten Lebensform Bei einem wachsenden Teil handelt es sich um Fortsetzungsfamilien, in denen zumindest einer der beiden Partner bereits ein zweites Mal verheiratet ist Anteil nachehelicher Lebensformen ist als Folge der gestiegenen Scheidungshäufigkeit angewachsen.

11 Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf die Familie Herausforderungen für die Zukunft Veränderungen im Entstehungszusammenhang von Familie nicht neue Form, sondern anderer Gründungsanlass Lebensphase geht einher mit typischer Lebensform Nichteheliche Lebensgemeinschaft wird vor allem im jungen Erwachsenenalter gelebt Ehen werden geschlossen, wenn Kinder zur Welt kommen Langzeitperspektive wird seltener (Dauer der Lebensphase)

12 Grad der Zustimmung mit einem Partner unverheiratet zusammen zu leben % 90% 80% 70% 60% 50% 40% Strongly disagree Disagree Neither agree nor disagree Agree Strongly agree 30% 20% 10% 0% Male Sw eden Female Male France Female Male Germany Female Male Austria Quelle: International Social Survey Programme 2002 Female Male Poland Female Male Russia Female

13 Welche Auswirkungen hat der gesellschaftliche Wandel auf die Familie? 3. Abnahme der strukturellen Zwänge Wandel der Geschlechtsrollen Partnerwahl nach emotionalen Kriterien Revidierbarkeit bezüglich der Paarbeziehung hohe Ansprüche an Partnerschaft Scheidung als Folge überhöhter Erwartungen an Ehe

14 Entwicklung der Scheidungsrate seit 1970 Quelle: Statistik Austria (2004): Statistisches Jahrbuch 2005, S.84

15 Subjektive Scheidungsgründe Enttäuschte unerfüllte Erwartungen Entfremdung Auseinanderleben der Partner Verarmung und Routinisierung der Beziehung Unterschiedliche Entwicklung Kommunikationsprobleme Fehlendes Vertrauen oder Einfühlungsvermögen Häufige Auseinandersetzungen fehlende gemeinsame Zukunftsperspektiven Unterschiedlicher Lebensstil Gewohnheiten des Partners, mit denen man nicht zurecht kam

16 Veränderungen des Eltern-Kind Verhältnisses Nachkriegszeit: Kind erhält zentrale Stellung in der Familie - Kind als Hoffnungsträger für sozialen Aufstieg 70er + 80er Jahre: Tendenz zur Förderung der Eigenständigkeit und der Persönlichkeit von Kindern Kind als Sinnstifter Seit 90er Jahren: Zunehmende Wahrnehmung von Kindern als Akteure in eigener Sache

17 Veränderungen des Eltern-Kind Verhältnisses Nachkriegszeit: Tendenz Kind als Hoffnungsträger für sozialen Aufstieg zu sehen - erhält zentrale Stellung in der Familie 70er + 80er Jahre: Tendenz zur Förderung der Eigenständigkeit und der Persönlichkeit von Kindern Seit 90er Jahren: Zunehmende Wahrnehmung von Kindern als Akteure in eigener Sache

18 Veränderungen des Eltern-Kind Verhältnisses Hoher emotionaler Wert von Kindern für Eltern Verbreitung psychologischen und pädagogischen Wissens Geänderte normative Ansprüche an Elternschaft und Kindschaft Auflösung klarer Rollenvorstellungen in der Eltern-Kind Beziehung Zunahme von Bezugspersonen Diskrepanz zwischen Pluralität von Lebensformen und Leitbild Familie

19 Veränderungen des Eltern-Kind Verhältnisses Hoher emotionaler Wert von Kindern für Eltern Verbreitung psychologischen und pädagogischen Wissens Geänderte normative Ansprüche an Elternschaft und Kindschaft Auflösung instutionalisierter Normen in der Eltern- Kind Beziehung Zunahme von Bezugspersonen Diskrepanz zwischen Pluralität von Lebensformen und Leitbild Familie

20 Literatur Beham, Martina, Kytir, Josef, Münz, Rainer, Wilk, Liselotte & Zartler, Ulrike (1999): Familiale und partnerschaftliche Lebensformen. In: Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen: Zur Situation von Familie und Familienpolitik in Österreich: Wien, S Kytir, Josef & Münz, Rainer (1999): Langfristige demografische Entwicklungen und aktuelle Trends, in: Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie: Zur Situation von Familie und Familienpolitik in Österreich, Wien Mitterauer, Michael (1989): Entwicklungstrends der Familie in der europäischen Neuzeit. In: R. Nave-Herz & M. Markefka (Eds) Handbuch der Familien und Jugenforschung. Band 1: Familienforschung Neuwied u. Frankfurt/Main:Luchterhand, S Mitterauer, Michael & Sieder, Reinhard (1991): Vom Patriarchat zur Partnerschaft. Zum Strukturwandel der Familie. München: Beck Moser, Winfried (2003): Familienstrukturen in Österreich. In: Statistische Nachrichten, 58(9), S Münz, Rainer (1985): Soziologische Aspekte der Familienentwicklung und der Instrumente ihrer Beeinflussung, Universität Wien: Habilitationsschrift Nave-Herz, Rosemarie (2004): Ehe- und Familiensoziologie. Weinheim u.a.: Juventa. Rosenbaum, Heidi (1978): Familie als Gegenstruktur zur Gesellschaft. Kritik grundlegender theoretischer Ansätze der westdeutschen Familiensoziologie. Stuttgart: Enke Verlag. Rosenbaum, Heidi (1993): Formen der Familie. Frankfurt/M. : Suhrkamp: Sieder, Reinhard (1987): Sozialgeschichte der Familie. Frankfurt/M.: Suhrkamp Statistik Austria (Hrsg.) (2004): Statistisches Jahrbuch Österreichs Wien: Verlag Österreich

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