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1 Fragen und Antworten zum Thema Rückverfolgbarkeit bei Fairtrade MHCH/ März 2011 Was bedeutet das Fairtrade-Label auf einem Produkt? Wenn ein Produkt das Fairtrade-Label trägt, bedeutet dies, dass dieses Produkt gemäss den internationalen Standards des fairen Handels (FLO) gehandelt wurde, und dass für dieses Produkt eine Fairtrade-Prämie und ein fairer Preis bezahlt wurden. In der grossen Mehrheit der Fälle ist gewährleistet, dass das Produkt im Verkaufsregal direkt von einer Fairtrade-zertifizierten Produzentenorganisation stammt. Über 83% der Produkte, die in der Schweiz verkauft werden, stammen aus eindeutig physisch rückverfolgbaren Quellen (gemessen am Umsatz). Warum sind nicht einfach alle Fairtrade-Produkte rückverfolgbar? Der Auftrag von Fairtrade ist, möglichst vielen Produzenten faire Handelsbedingungen zu ermöglichen. Für die Produzenten spielt es keine Rolle, ob der Rohstoff, den sie produzieren, mit anderen Rohstoffen vermischt wird. Sie bekommen in jedem Fall für die verkaufte Menge Fairtrade-Rohstoff die Fairtrade-Prämie und den Mindestpreis und müssen sich an die Nachhaltigkeitskriterien des Fairtrade-Standards halten. Bei über 80% der Fairtrade-Produkten, die in der Schweiz erhältlich sind (gemessen am Umsatz), ist die physische Rückverfolgbarkeit bis zur Produzentenorganisation gewährleistet. Bei vier Produktkategorien, nämlich Kakao, Zucker, Tee und Fruchtsaft, erlaubt Fairtrade, dass die Rohstoffe der Fairtrade-Produzenten in der Verarbeitung mit Rohstoffen nicht-zertifizierter Produzenten vermischt wird (sogenannte Mass Balance). Ohne diese Möglichkeit würden Tausende von Kleinbauern und Arbeiterinnen vom fairen Handel ausgeschlossen. Bei Produkten, bei denen physische Rückverfolgbarkeit nicht garantiert werden kann, wird dies auf der Verpackung transparent kommuniziert: Von einem glaubwürdigen Label hätte ich mehr erwartet. Gerade weil die Glaubwürdigkeit bei Fairtrade zentral ist, wurden bei der Überarbeitung der neuen Handelsstandards (Generic Trade Standards) sämtliche Lieferketten von Fairtrade- Produkten überprüft. Dabei stellte sich heraus, dass die Rückverfolgbarkeit bei Kakao, Zucker, Fruchtsaft und Tee nicht überall vollumfänglich garantiert werden kann, ohne dabei den Produzenten oder der Industrie sehr grosse Hürden mit massiven finanziellen Folgen in den Weg zu legen. Oft hat das mit den vergleichsweise kleinen Mengen zu tun, die aus Fairtrade-zertifizierter Produktion stammen. Über 80% der gelabelten Fairtrade-Produkte in Max Havelaar-Stiftung (Schweiz) Malzgasse 25 CH-4052 Basel Telefon +41 (0) Fax +41 (0)

2 der Schweiz (gemäss Umsatz) können physisch bis zur Produzentenorganisation zurückverfolgt werden. Dort, wo dies nicht der Fall ist, kommunizieren wir diese Ausnahme transparent. Je nach Komplexität eines Produkts würde die Anforderung an die physische Rückverfolgbarkeit, d.h. die völlige Trennung von Fairtrade und konventionellen Rohstoffen im gesamten Verarbeitungsprozess, zu Mehrkosten für die Industrie führen. In anderen Fällen würde diese Anforderung einen enormen und kostspieligen Aufwand für die Produzenten bedeuten. In Abwägung der verschiedenen Interessen hat Fairtrade bewusst entschieden, in gewissen begründeten Fällen auf die Rückverfolgbarkeit zu verzichten. Allein im letzten Jahr konnten dank diesem Entscheid Tausende Kakaobauern aus Ghana und Côte d Ivoire eine grosse Menge ihrer Kakaoernte zu fairen Bedingungen verkaufen. Bei Bio ist aber die Rückverfolgbarkeit auch möglich. Fairtrade wird oft mit Bio kombiniert. Weil bei Bio die Eigenschaften des Produkts bzw. die Produktionsmethode und die Umwelt und nicht der Bauer als solcher an erster Stelle stehen, ist bei Bio-Produkten die physische Rückverfolgbarkeit ein Muss. Bei biologischen Produkten werden die Mehrkosten der physischen Rückverfolgbarkeit an den Konsumenten weitergegeben. Der Produzent hat davon aber nichts. Fairtrade hingegen setzt den Fokus ganz klar auf den Produzenten und nicht auf das Produkt. Fairtrade legt seine Strategie und seine Standards so aus, dass die Produzenten maximal profitieren. Die hohen Mehrkosten und weitere Nachteile lassen sich aus Sicht der Produzenten nicht rechtfertigen. Ist dies nicht eine Verwässerung von Fairtrade? Fairtrade verlangt auf jeder Stufe der Verarbeitung, dass im Minimum diejenige Menge Rohstoff von einer Fairtrade-zertifizierten Produzentenorganisation eingekauft wird, die in den weiter verarbeiteten Fairtrade-Produkt ausgewiesen wird. Es ist aber der Industrie überlassen, in welchen Produkten sie die Fairtrade-Rohstoffe dann tatsächlich einsetzt. Ferner muss sich jeder Verarbeiter an die lebensmittelrechtlichen Bestimmungen halten. Er kann z.b. nicht südamerikanischen Kakao durch westafrikanischen Kakao ersetzen, wenn er eine südamerikanische Herkunft ausweisen möchte. Fairtrade will auch für grosse Industrien ein attraktives Handelsmodell sein. Denn dort liegen die grossen Volumen, die entsprechend grosse Auswirkungen im Süden haben. Fairtrade ermuntert die Industrie zur vollen Transparenz in ihren Lieferketten und nach Möglichkeit zur Trennung der Rohstoffe in der Verarbeitung.

3 Jedes Produkt, das das Fairtrade-Label trägt, wurde fair gehandelt. Das heisst, der Produzent profitiert von stabilen Preisen, der Prämie und der Einbindung ins Fairtrade- Netzwerk. Konsumentinnen und Konsumenten können sicher sein, dass jeder Einkauf von Fairtrade-Produkten eine direkte Auswirkung auf die Lebenssituation der Produzenten im Süden hat. Warum macht Fairtrade Ausnahmen? Physische Rückverfolgbarkeit bedeutet, dass Fairtrade und Nicht-Fairtrade-Produkte in jeder Phase der Verarbeitung separat aufbewahrt und verarbeitet werden müssen. Bei Kakao, Zucker, Fruchtsaft und Tee ist es aus unterschiedlichen Gründen derzeit nicht immer möglich, diese Produkte konsequent getrennt zu verarbeiten. In der Regel hängt dies mit den zu kleinen Mengen zusammen, die nicht ausreichen, um zum Beispiel eine ganze Zuckermühle auszulasten. Würde Fairtrade dies strikte verlangen, würde ein grosser Teil der Produzenten der betreffenden Produkte aus dem Fairtrade-System ausgeschlossen. Wie garantiert Fairtrade, dass in der Fairtrade-Schokolade keine Kinderarbeit steckt? Die internationalen Standards des fairen Handels verbieten jede Form von ausbeuterischer Kinderarbeit, das heisst Arbeit, zu der die Kinder gezwungen werden, die gefährlich ist oder die Schulbildung oder die seelische oder körperliche Verfassung von Kindern beeinträchtigt. Die Fairtrade-Produzentenorganisationen werden regelmässig durch qualifizierte Inspektoren kontrolliert und sind verpflichtet, ein internes Kontrollsystem zu haben, um in ihren Reihen Kinderarbeit zu identifizieren und zu eliminieren. Falls ein Schokoladeriegel nicht physisch rückverfolgbar ist, wie dies die neuen FLO- Handelsstandards erlauben, gibt es nur einen marginalen Bezug zwischen dem Produkt und dem Anbaubedingungen, da die Rohstoffe in der Produktion möglicherweise vermischt wurden. Dennoch unterstützt der Kauf des Produkts die systematische Bekämpfung von Kinderarbeit, indem das Produkt zu fairen Preisen gehandelt wurde. Um missbräuchliche Kinderarbeit auszurotten, braucht es vor allem eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lebensumstände in den betreffenden Gebieten. Genau deshalb will Fairtrade durch den Verzicht auf die physische Rückverfolgbarkeit bei einzelnen Produkten noch mehr Produzenten zu einem anständigen Einkommen und guten Arbeitsbedingungen verhelfen.

4 Was bedeutet der Fairtrade-Code? Warum haben Tee und Fruchtsäfte diesen Code auf der Verpackung, wenn die Rückverfolgbarkeit nicht garantiert ist? Von Produkten mit Fairtrade-Code erwarten die Konsumentinnen und Konsumenten, dass der Inhalt des Produkts bis zum Produzenten rückverfolgbar ist. Um Missverständnisse zu vermeiden, wird der Fairtrade-Code in Zukunft nur noch für Produkte vergeben, die physisch rückverfolgbar sind. Es wird jedoch einige Zeit dauern, bis die alten Verpackungen durch die neuen ersetzt sein werden. Unabhängig davon ist für jedes Fairtrade-Produkt gewährleistet, dass der Mindestpreis und die Fairtrade Prämie bezahlt wurde, und zwar an diejenige Fairtrade-Kooperative deren Rohstoffe entlang der Handels- und Verarbeitungskette aus den genannten Gründen mit den Rohstoffen anderer, konventioneller Produzenten vermischt wurde. M.a.W. kennen wir auch bei den Produkten ohne physische Rückverfolgbarkeit die Empfänger von Preis und Prämie. Ich kaufe Fairtrade auch aus Umweltgründen, weil die Produkte weniger gespritzt werden. Das lohnt sich ja nun nicht mehr. Über 80% der in der Schweiz verkauften Fairtrade-Produkte (gemäss Umsatz) sind physisch rückverfolgbar. Die Anforderungen von Fairtrade in Bezug auf Pestizide und andere Umweltvorgaben wirken sich damit direkt positiv auf das Produkt aus. Bei den Ausnahmeprodukten Kakao, Zucker, Tee und Fruchtsaft sind die Auswirkungen indirekt. Das heisst die Konsumentinnen und Konsumenten unterstützen mit ihren Einkauf die umweltfreundlichere Produktion im Süden. Konsumentinnen und Konsumenten mit den höchsten Ansprüchen an faire Handelsbedingungen und an die Produktqualität wählen bei den vier Ausnahmeprodukten die Kombination von Bio und Fairtrade. Was heisst Fairtrade? Fairtrade bedeutet in erster Priorität faire Handelsbedingungen für die Fairtrade-Bauern. Von jedem Einkauf, den die Konsumentinnen und Konsumenten tätigen, geht eine Fairtrade- Prämie und bei vielen Produkten auch ein Mindestpreis zurück an die zertifizierte Produzentengruppe. Wenn die Rohstoffpreise unter den Fairtrade-Mindestpreisen liegen, bekommen die Bauen den höheren Fairtrade-Preis ausbezahlt betrugen die Einnahmen der Bauern dank Fairtrade 62,7 Mio. CHF und das Prämienvolumen 4,9 Mio CHF. Prozentual gesehen waren dies 17% mehr als im konventionellen Handel.

5 Mit dem Einkauf von Fairtrade-Produkten setzen die Konsumentinnen und Konsumenten ein Zeichen für den fairen Handel und unterstützen die Kleinbauern und Kooperativen darin, ihre ökonomische Situation sowie generell ihre Lebenssituation in die eigene Hand zu nehmen und langfristig zu verbessern. Was darf man in Zukunft von Fairtrade erwarten? Je mehr Produzenten ihre Produkte zu fairen Bedingungen verkaufen können und nachhaltig produzieren, desto grösser sind die Auswirkungen des fairen Handels. Unser oberstes Ziel bleibt daher, mehr Produzenten den Zugang zum Markt unter den Fairtrade- Standards zu ermöglichen. Nach Möglichkeit wollen wir dabei auch sicherzustellen, dass die physische Rückverfolgbarkeit gewährleistet ist. Je grösser der Anteil der Fairtrade- Produzenten, desto einfacher wird es, dieses Ziel auch für die vier Produkte Kakao, Zucker, Fruchtsaft und Tee zu erreichen. Weitere Informationen: Medienstelle Max Havelaar, Regula Weber,Telefon oder Vesna Stimac, Telefon

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