Einheit 2. Wahrnehmung

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1 Einheit 2 Wahrnehmung

2 Wahrnehmung bezeichnet in der Psychologie und Physiologie die Summe der Schritte Aufnahme, Interpretation, Auswahl und Organisation von sensorischen Informationen. Es sind demnach nicht alle Sinnesreize Wahrnehmungen, sondern nur genau jene, welche auch geistig verarbeitet werden.

3 Wahrnehmungsprozess Damit wir einen Gegenstand oder Vorgang wahrnehmen können, müssen von diesem Reize ausgehen, die wir mit unseren Sinnesorganen erfassen können. Diese Reize werden über mehrere Stufen analysiert, strukturiert und in einen Zusammenhang gebracht. Erst diese sukzessive Verarbeitung ist es, die eine Wahrnehmung ermöglicht - aus verschiedenen Reizen entsteht eine Erfahrung.

4 Der visuelle Wahrnehmungsprozess Das menschliche Gehirn verarbeitet visuelle Eindrücke in drei Phasen: der Globalauswertung, der Detailauswertung und der elaborativen Auswertung.

5 Die Globalauswertung Auf den ersten Blick nimmt der Betrachter in der Regel noch keine Details wahr, sondern gelangt zunächst zu einem Gesamteindruck. Er kategorisiert die visuelle Information (z.b. Mensch, Tier, Auto) und ordnet sie einem Schema aus seinem Erfahrungsschatz zu, das zum weitern Verständnis benutzt wird. So sieht man z.b. in einem Bild einer Straße zunächst den Autoverkehr, dann einzelne Fahrzeuge und schließlich verschiedene Fahrzeugtypen.

6 Der Weg zur Detailauswertung Nach der Erfassung des Gesamteindrucks macht der Betrachter Blicksprünge über das Bild, bei denen er jeweils bestimmte Bereiche fixiert, sogenannte Sakkadensprünge. (lat.: ruckhaft). Im westlichen Kulturraum sind diese von links oben nach rechts unten, dies entspricht auch unserer Leserichtung. Die Sprünge folgen also einer imaginären Diagonalen. Bei diesen kurzen Prozessen findet noch keine Aufnahme von Detailinformationen statt.

7 Dem Sakkadensprung folgt die Fixation. Die Fixation ist der wesentliche Aufnahmeprozess von Information. Sie nehmen z.b. etwa 90 bis 95 Prozent beim Lesen eines Textes ein. Ein weiterer Prozess beim Lesen eines Textes ist die Regression. Auch hier findet, wie bei den Sakkaden, keine Informationsaufnahme statt. Je schwieriger ein Text zu lesen ist - das gilt für seine typografische Gestaltung genau so wie für seinen Inhalt - desto mehr Regressionssprünge finden statt.

8 Texte, die eine bestimmte Anzahl Zeichen in einer Zeile überschreiten, sind schwieriger zu lesen als in kürzere Zeilen gegliederte.

9 Texte, die eine bestimmte Anzahl Zeichen in einer Zeile überschreiten, sind schwieriger zu lesen als in kürzere Zeilen gegliederte.

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13 Nach dieser Grobabtastung springt das Auge automatisch auf Bild- bereiche, die das Interesse des Gehirns geweckt haben. Das sind besonders die Bildbereiche, die außergewöhnlich gestaltet sind und sich vom Gesamtbild optisch stark abheben. Dies kann z.b. durch Kontraste, Farbgebung, Größengestaltung aber auch inhaltliche Besonderheiten erfolgen.

14 Die elaborative Auswertung Erst jetzt erfolgt der Schritt der Auswertung. Der Betrachter fragt sich, warum er die visuellen Informationen konkret auswertet, er entwickelt die Zielorientierung. Der Wahrnehmende aktiviert jetzt ein Modell zur Übersetzung der visuellen Informationen in ein mentales Modell und betrachtet nur noch die Details, die hierfür benötigt werden. Unwichtige Details werden ausgeblendet und nicht mehr bewusst wahrgenommen.

15 Das mentale Modell Zum Wahrnehmen und Verstehen von komplexen Vorgängen werden so genannte mentale Modelle vom Wahrnehmenden geschaffen. Das sind z.b. logische Verknüpfungen, kurze Bilder und Filme aus Erinnerungen und Erfahrungen, die vor dem geistigen Auge des Wahrnehmenden aufgebaut werden. Die Wahrnehmung variiert dabei durch die individuellen Gedächtnisinhalte, Stimmungen und Denkprozesse des Wahrnehmenden. Dies hat zur Folge, dass jedes Individuum eine eigene, unterschiedliche Wahrnehmung hat.

16 Organisationsprinzipien der Wahrnehmung Um die aufgenommenen Reize zu klassifizieren, werden bestimmte Erfahrungswerte und Gesetzmäßigkeiten angewandt. Werden hier z.b. Widersprüche erkannt, wird die wahrscheinlichste Interpretation durch Vergleich mit Abgespeichertem aus der Erfahrung oder dem Erlernten bevorzugt.

17 Kontextabhängigkeit der Wahrnehmung Objekte werden immer im Kontext mit ihrer Umgebung wahrgenommen. Der Kontext kann z.b. die Wahrnehmung von Größe, Farbe, aber auch von Lautstärke, Helligkeit, Bewegung verändern. Die Kontextabhängigkeit wird besonders deutlich, wenn ein Objekt aus seiner gewohnten Umgebung herausgelöst wird.

18 Distaler Reiz, proximaler Reiz, Wahrnehmungserlebnis Distaler Reiz: Objektbedingte, physikalisch messbare Größe wie z.b. Farbe, Temperatur, Gewicht, Geruch etc. Proximaler Reiz: An den Betrachter gebundene, messbare physikalische oder chemische Einwirkung auf Sinneszellen Wahrnehmungserlebnis: das subjektiv erfahrene, erlebte, bewusste Resultat eines Wahrnehmungsprozesses Weitere Prozesse wie Erkennen, Urteilen, Assoziationen etc. gehören nicht mehr zum Wahrnehmungsprozess, sondern sie folgen ihm.

19 Die Kapazität des Gehirns ist beschränkt Im Gehirn können nicht beliebig viele Reize verarbeitet werden. Deshalb muss es selektieren, welche Informationen von Bedeutung sind und mit Aufmerksamkeit (Orientierung, Selektion) bedacht werden müssen und welche ausgeblendet werden können. Intensive, neuartige, außergewöhnliche oder emotionale Reize sind ein Indikator für Wichtigkeit und Bedeutung. Diesen Reizen wendet man sich bewusst zu. Dennoch verarbeitet unser Gehirn auch die anderen Reize im Unterbewusstsein.

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21 Wahrnehmung, Wirklichkeit und Individuum Wahrnehmung findet im Kopf statt. Deshalb gibt es von ein und demselben Vorgang soviele Wahrnehmungen, wie Menschen diesen Vorgang betrachten. Eine wesentliche Ursache für das Nichtgelingen von Kommunikation ist die falsche Annahme, dass wir denken, dass alle, die den gleichen Vorgang betrachten auch die gleiche Wahrnehmung davon haben.

22 Sind Wahrnehmungsprozesse objektivierbar? Teilweise. Daraus folgt, dass Kommunikationsprozesse, bei denen die Eindeutigkeit der Wahrnehmung für möglichst viele Menschen sicher gestellt werden soll, sich auf diese Regeln stützen sollten. Diese Regeln liegen z.b. in einer für die meisten Menschen gleichen Gestaltwahrnehmung, in kulturellen Gemeinsamkeiten oder gemeinsamen Zielgruppeneigenschaften wie Bildung, soziales Umfeld etc.

23 Das Gesetz der Nähe Innerhalb einer Menge von Einzelelementen werden diejenigen als zusammen gehörig wahrgenommen, die zueinander den geringsten Abstand haben.

24 Das Gesetz der Nähe

25 Das Gesetz der Nähe

26 Das Gesetz der Nähe

27 Das Gesetz der Nähe

28 Das Gesetz der Nähe

29 Das Gesetz der Gleichheit Innerhalb einer Menge von Einzelelementen werden diejenigen als zusammen gehörig wahrgenommen, die die meisten Gemeinsamkeiten haben.

30 Das Gesetz der Gleichheit

31 Das Gesetz der Gleichheit

32 Das Gesetz der Geschlossenheit Linien, die eine Fläche umschließen, werden unter sonst gleichen Umständen eher als eine Einheit aufgefasst als Linien, die sich nicht zusammenschließen.

33 Das Gesetz der Geschlossenheit

34 Das Gesetz der Geschlossenheit

35 Das Gesetz der Kontinuität Diejenigen Teile einer Figur, die eine durchgehende Kurve ergeben bilden leichter Einheiten.

36 Das Gesetz der Kontinuität

37 Das Gesetz der Kontinuität

38 Das Gesetz der Kontinuität

39 Das Gesetz der Kontinuität A D C B

40 Das Gesetz des gemeinsamen Schicksals Diejenigen Teile einer Figur, die sich gemeinsam oder auf ähnliche Weise bewegen, bilden leichter Einheiten.

41 Das Gesetz der Erfahrung Alles, was ein Mensch einer bestimmten Reizsituation an Erfahrung entgegenbringt, ist ein Bestandteil des Wahrnehmungsprozesses und mitveranwortlich für dessen Ergebnis.

42 Das Gesetz der ErfahrungE

43 Das Gesetz der Erfahrung E E

44 Das Gesetz der Erfahrung

45 Das Gesetz der vorausgehenden Wahrnehmung

46 Das Gesetz der vorausgehenden Wahrnehmung

47 Das Gesetz der vorausgehenden Wahrnehmung Eine unmittelbar vorausgehende Wahrnehmung lenkt die Erwartung in eine bestimmte Richtung und strukturiert den weiteren Wahrnehmungsprozess.

48 Das Gesetz der Erwartung Eine Erwartungshaltung - entweder aufgebaut von außen oder durch eigenes Denken - lenkt den Wahrnehmungsprozess in eine bestimmte Richtung. Dieser Einfluss wirkt auch, wenn die Wahrnehmung im Widerspruch zu der Erwartung steht.

49 Das Gesetz der Erwartung

50 Das Gesetz der Erwartung

51 Weitere (subjektive) Einflüsse auf den Wahrnehmungsprozess Der momentane Bedürfniszustand Momentane Stimmungen und Gefühle Interessen

52 Multistabile Wahrnehmung Ein interessantes Phänomen ist der Prozess der multistabilen Wahrnehmung. Ohne die Änderung der (visuellen) Reize nimmt der Betrachter unterschiedliche Inhalte wahr. Das Kippen der Wahrnehmung findet ausschließlich im Kopf des Betrachters völlig ohne äußere Einflüsse statt.

53 Multistabile Wahrnehmung

54 Multistabile Wahrnehmung

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