Gottesdienst Richterswil So Gott will - Gotteswille und Menschenwille Jak 4,13-15

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1 Gottesdienst Richterswil So Gott will - Gotteswille und Menschenwille Jak 4,13-15 Liebe Gemeinde, Der Mensch denkt, Gott lenkt - diesen Spruch haben Sie sicher alles schon mal gehört. Meistens wird er gebraucht, wenn irgend etwas anders herausgekommen ist, als wir es geplant oder es uns vorgestellt haben. Dann sagen wir das vielleicht im Sinne einer Entschuldigung, vor uns selber oder anderen: Ich habe mir das zwar so und so vorgestellt, nun ist es anders rausgekommen, vielleicht hat da eine höhere Macht die Finger im Spiel, wer weiss, wozu das gut ist. Oder andere sagen es zu uns, vielleicht sogar mit ein klein wenig Schadenfreude, dass eben auch bei uns doch nicht alles immer so nach Plan läuft Der Mensch denkt, Gott lenkt was wir da manchmal so mehr oder weniger locker dahersagen, hat einen viel grösseren Tiefgang, als wir vielleicht meinen: Das ist wie mit einem Eisberg, von dem wir nur die Spitze sehen, aber der grössere Teil ist nicht ohne weiteres sichtbar. 1

2 Der Mensch denkt, Gott lenkt darin drückt sich die Spannung aus, die es offenbar oftmals zwischen Gottes Willen und Menschen Willen gibt. Wenn das nicht so wäre und die beiden immer übereinstimmen würden, was wäre das für eine wunderbare Welt! So viel weniger Leid, keine Kriege mehr, all das, womit Menschen einander zuleid werken. Statt dessen erleben wir auf verschiedene Weise das Gegenteil: Zum einen brauchen wir nur die Zeitung aufzuschlagen oder Radio oder TV einzuschalten. Da sehen und hören wir tagtäglich, wie das wenige aber wichtige, das wir von der Bibel her über den Willen Gottes sagen können, missachtet wird: Nämlich das Friede auf Erden sei, Gerechtigkeit geübt wird und die Schöpfung, das Leben bewahrt wird. Da können wir nur hoffen, dass das wahr werde, was wir tagtäglich beten: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Und dann entsprechend handeln, so gut wir können. Gott sei Dank passiert da auch schon sehr viel, fühlen sich Menschen berufen, Gottes Werk auf Erden zu tun: Ohne all die vielen Hilfsaktionen, zb gegen den Hunger und seine Ursachen, würden noch unzählige viele Kinder mehr an Hunger sterben. 2

3 Da, wo Gutes erkannt und getan wird, würde unser Spruch wohl lauten: Der Mensch denkt, wie Gott lenkt Dem zuzustimmen, wo es um die Verbesserung der Welt nach Gottes Willen geht, fällt uns sicher leicht. Aber dann ist doch die andere Seite, wo es uns oftmals ganz und gar nicht leicht fällt, diese Bitte Dein Wille geschehe über die Lippen zu bringen. Nämlich dann, wenn es unsere ganz persönlichen Vorstellungen und Pläne betrifft. Da kann es richtiggehend ungemütlich werden. Zuvorderst kommt mir da in den Sinn, was mir immer wieder, bis hin zum eigenen engsten Familienkreis, begegnet: Da steht zb die Pensionierung an. Es werden Pläne gemacht, für was alles dann endlich Zeit ist. Und plötzlich, so zeigt die Erfahrung, kommt alles ganz anders: Schwere gesundheitliche Probleme, bis hin zu Todesfällen. Wenn mir so etwas oder ähnliches begegnet, rückt sie mir wieder ins Bewusstsein, die eindrückliche Mahnung des Jakobusbriefes: Ihr wisst ja nicht, was morgen sein wird, wie es dann um euer Leben steht Ihr solltet sagen: Wenn der Herr es will, werden wir leben und dies oder jenes tun. 3

4 Für uns moderne Menschen sind das wahrscheinlich sehr unbequeme Worte. Wir leben und erleben genau das Gegenteil. Nicht nur Geschäfte sind ohne Planung nicht zu machen, das Leben überhaupt braucht doch ein Mindestmass an Planung. Es sei denn, wir lassen uns einfach ziellos treiben. Aber das kommt für alle, die beruflich engagiert sind oder für alle, die sich zb als Grosseltern in ihren Familien engagieren, nicht in Frage. Und auch die vermeintlich so unbeschwerte Jugend kommt ganz ohne Pläne nicht aus. Nicht nur der Stundenplan in der Schule oder der Fahrplan vom Konf-Unti will da beachtet sein, sondern auch ganz weitreichende Fragen erfordern planende Gedanken: Was will ich mal im Leben, was für einen Abschluss, was für einen Beruf? Das fällt nicht vom Himmel. Auch die Zukunft unserer Gemeinde, unserer Kirche erfordert Planung: Im Kleinen, wenn ein verlässlicher Dienstplan und ein Budget gemacht werden muss. Im Grossen, wenn es darum geht, wie wir in Zukunft mit welchen wie grossen Gemeinden noch Kirche sein können. Also ohne Planung geht es nicht. Aber was ist dann mit diesem eindringlichen Satz: 4

5 Wenn der Herr es will, werden wir leben und dies oder jenes tun.? Sollen wir also alles Planen für die Zukunft sein lassen? Wenn wir, liebe Gemeinde, genau hingehört haben, dann geht es ja nicht um ein Planungsverbot. Sondern es geht darum, sozusagen die Rechnung nicht ohne den Wirt zu machen, wie das Sprichwort sagt. Denn wenn wir das ernst meinen, dass Dein Wille geschehe, dann behält auch das Unverfügbare seinen Platz in unseren Plänen: Dass da bei allem Planen auch noch ein anderer ein Wörtchen mitzureden hat, ob es uns passt oder nicht. Obwohl wir inzwischen sogar schon Beginn und Ende des Lebens, bis anhin unverfügbar, selber in die Hand nehmen. Mein Wille geschehe zu sagen, fällt uns unbestritten viel leichter. Das will wohl jeder. Und all die wunderbaren Fortschritte in Forschung, Medizin und Technik scheinen uns diesem Ziel immer näher zu bringen bis es dann eben doch immer wieder anders kommt, als es menschlicher Wille ersonnen hat. Vieles Unvorhergesehenes kann unsere Pläne durchkreuzen darum bin ich ganz persönlich sehr vorsichtig geworden mit allzu grossen Plänen 5

6 Und wenn schon geplant sein will oder muss denn ganz ohne geht es ja nicht, haben wir vorhin gehört dann stelle ich mir dabei diesen Satz vor Augen: Wenn der Herr es will, werden wir leben und dies oder jenes tun. Oder, wie es im Orient heisst, wenn man jemandem sagt, was man dann und dann dort und dort vorhat: insch allah so Gott will. Dieser Nachsatz nach jedem Ausblick in die Zukunft hat mich tief beeindruckt. Gerade weil es für uns ziemlich ausser Mode gekommen ist, für diesen Rest Unverfügbares im eigenen Leben einen Platz frei zu halten Wenn dann etwas nicht so kommt, wie geplant, nun, dann hat es eben nicht so sein sollen. Da macht der Mensch im Orient nicht viel Aufhebens, sondern dann geht es irgendwie anders weiter. Damit schliesst sich der Kreis wieder zu unserem Sprichwort: Der Mensch denkt, Gott lenkt. Oder, in Gebet übersetzt: Dein Wille geschehe. Das kann ich nur sagen, wenn ich diesen Willen nicht fürchte. Habe ich aber Angst davor oder weiss gar nicht mehr, dass es einen Willen Gottes überhaupt gibt, dann werde ich umso lauter rufen Mein Wille geschehe!!! 6

7 Ich kann Dein Wille geschehe sagen, wenn ich Glauben oder anders übersetzt dieses Urvertrauen habe: Das Vertrauen darauf, dass Er letztlich das Beste will für den Menschen, im Grossen wie im Kleinen. Durch alles Helle und Dunkle, alles Schwere und Schöne hindurch. Aber auch dann noch bleiben Fragen offen, verstehen wir nie alles, erleben wir augenscheinlich ganz und gar nicht, dass Gott es gut mit uns meint. Manchmal kennen wir Gottes Willen, manchmal kennen wir nichts. Bewahre uns Herr, wenn die Fragen kommen heisst es im Lied von Kurt Marti. Ja, hier und jetzt geht eben nicht immer alles auf, scheint uns Gottes Willen undurchschaubar, manchmal schrecklich, grade, wenn wir mit Leid konfrontiert sind. Und doch erlebe ich es immer wieder, dass zb Menschen, die sich auf den letzten Weg begeben, das mit einer Art Gelassenheit tun, die uns Anteilnehmende nur verwundern kann: Das ist doch etwas so Trauriges und Schmerzvolles und doch sagen sie, am Tiefpunkt menschlichen Leidens, dass sie wissen, dass alles gut kommt und sie gut aufgehoben sein werden. Oftmals sprechen auch wir Hinterbliebenen dann, wenn das Leiden zu Ende geht, von Erlösung. 7

8 Wir würden das nicht sagen, wenn wir nicht zumindest ahnen würden, dass sie es nun besser haben, dass sie nun ganz und gar in dieser überwältigenden Liebe geborgen sind. Und dass alles, was lebt, ebenfalls eingeht in diese Liebe, auch wenn alles einmal zu Ende geht das ist der Wille Gottes, ausgespannt wie ein Rahmen um alle und alles. Denn wenn wir nach Gottes Willen fragen, kommen wir nicht an diesem Vers vorbei: Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. So die Luther-Übersetzung von 1. Tim 2,4. Fällt es uns da vielleicht etwas leichter, darin einzustimmen, zu sagen Dein Wille geschehe, wenn Er es ja gut mit uns meint? Das gilt auch, wenn uns das verborgen scheint, wenn wir nicht alles verstehen in unserem Leben. Oder anders gesagt, mit einem Sprichwort, das mir jemand aus einer schwierigen Situation heraus sehr berührend mitgegeben hat: Am Ende ist alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende. Gott sei Dank! Dein Wille geschehe! Amen 8

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