Warum ist die Kommunikation manchmal so schwierig? Warum gibt es so viele Missverständnisse, Frust, ja sogar Streit?

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1 Warum ist die Kommunikation manchmal so schwierig? Warum gibt es so viele Missverständnisse, Frust, ja sogar Streit? Wenn Ihr andere überzeugen oder Missverständnisse vermeiden wollt, ist die klare Botschaft in Euren Worten und Sätzen wichtig. Und egal was Ihr sagt, es kommt immer zusätzlich darauf an, wie Ihr es sagt. Wenn Ihr einem anderen Menschen etwas mitteilt, seid Ihr der Sender. Das was Ihr sagt, ist die Nachricht. Die Person, die diese Nachricht empfängt, ist dann logischerweise der Empfänger. Klingt im ersten Moment sehr theoretisch, ich weiß. Die Erklärungen weiter unten sind dadurch allerdings verständlicher. Jede Nachricht hat nicht nur einen Sender und einen Empfänger, sondern auch noch vier Ebenen, die es bei einer erfolgreichen Kommunikation zu beachten gilt, nämlich die Sachebene, die Selbstoffenbarung, die Beziehungsebene und der Appell. Diese vier Seiten sind also in jeder Nachricht enthalten, die gesendet wird. Auch der Empfänger dieser Nachricht hört sie auf vier verschiedenen Ebenen. So: Atmet tief durch und jetzt steigen wir gemeinsam in die (Un-)Tiefen der menschlichen Kommunikation ein. Der Sender Schauen wir uns zunächst zusammen an, was Ihr als Sender so alles von Euch gebt : Auf der Sach- oder auch Inhaltsebene geht es darum, worüber Ihr informieren wollt. Diese Seite der Kommunikation ist für beide Gesprächspartner direkt verständlich. Über eine Tatsache, die sachlich vorgebracht wird, könnt Ihr kaum diskutieren. Aber: Gefühle, Neigungen und Haltungen werden nicht nur sprachlich, sondern auch nonverbal, also mit dem Körper ausgedrückt. So wird schnell aus dem Satz Eurer Mutter: Zieh Dir besser eine Jacke über, es ist kalt... nicht der sachliche Inhalt verstanden (kalt/ Jacke), sondern die dabei empfundene Bevormundung, die Ihr hinter dem Satz vermutet: Du bist noch zu klein um zu merken, dass es kalt ist, Du Doofy Das führt gleich weiter auf die nächste Ebene: Auf der Beziehungsebene ist wichtig, wie Ihr mit anderen sprecht. Durch den Ton und auch die Wortwahl zeigt Ihr, was Ihr vom anderen haltet und wie Ihr zu Eurem Gesprächspartner steht. Bewusst oder unbewusst verfolgen wir alle bestimmte Ziele, die leider nicht immer mit den Zielen anderer übereinstimmen. Die entsprechenden Aufforderungen zu einer Handlung erfolgt auf der Appell-Ebene. Zieh eine Jacke an! Außerdem enthüllt jeder Sprecher im Gespräch etwas über sich, gibt eine Kostprobe seiner Persönlichkeit, selbst wenn er sein Inneres durch eine Fassade zu verbergen sucht. Dass nennt man die Selbstoffenbahrungsebene. Sagt die Mutter mit leicht flehender Stimme: Bitte, zieh Dir doch eine Jacke an, es ist kalt draußen offenbahrt sie zum Beispiel Sorge um Euch. Wer hat schon gerne einen fiebernden, schlecht gelaunten, weil kranken Patienten daheim? Außerdem sieht sie Euch lieber gesund und munter!

2 Der Empfänger In dem Sprichwort Auf dem Ohr bin ich taub! steckt mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit. Schulz von Thun stellt in seinem Buch Miteinander reden ein Gesicht mit vier Ohren dar, jeweils ein Ohr für die Sachebene, die Selbstoffenbarungsebene, die Beziehungsebene und die Appell-Ebene. Auf der ersten Ebene fragt Ihr Euch als Hörer Wie ist der Sachverhalt zu verstehen? ( Ja, klar. Jacke ) Das Ohr, das für die Selbstoffenbarung steht, horcht darauf: Was ist das denn für eine? (Meine Mutter, sie macht sich schon wieder wichtig ) und Was ist mit ihr? ( Die soll mir nicht auf die Nerven mit ihrer ewigen Quengelei ). Hellhörig wird auch das Beziehungsebene-Ohr. Hier geht es darum: Wie redet die eigentlich mit mir? oder Ich kann diese Nölerei nicht mehr hören vielleicht auch Wen glaubt die eigentlich vor sich zu haben? oder gar Ich bin doch nicht blöd, Mensch! Auch das Appell-Ohr gerät ins Grübeln bei der Frage: Was soll ich tun, denken, fühlen auf Grund seiner Mitteilung? ( Meint sie, ich kann das nicht selber entscheiden? ) Eine mögliche Reaktion ist nun aufgrund der so in Aktion getretenen Ohren: Mensch, lass mich in Ruhe mit dem Mist, mir ist nicht kalt. Und Eure Mutter gibt zurück. Ich darf hier ja wohl gar nichts mehr sagen, Du bist immer gleich auf 180 Wir ziehen den Vorhang langsam zu und lassen die Szene im Dunkeln. Ihr wisst ja vielleicht auch aus Erfahrung, wie das Gespräch weiter geht Wir sehen also: Für eine gelungene Kommunikation sind alle Ebenen gleich wichtig und nützlich. Auf der Sachebene solltet Ihr deswegen sachlich bleiben und verständlich reden. Die Selbstoffenbarungsebene hilft Euch, überzeugend zu argumentieren und offen und fair zu bleiben. Die Beziehungsebene umfasst die Punkte: Sprecht Eure Gefühle aus und lernt einander offen Feedback zu geben und es anzunehmen. Die Appell-Ebene schliesslich benutzt Ihr um Ich-Botschaften zu senden, Eure eigene Meinung zu sagen und Eure Absichten und Ziele zu erklären.

3 Was geschieht nun, wenn wir uns streiten? Es sind nicht die Meinungsverschiedenheiten, die auf uns verletzend wirken, sondern die Art und Weise, wie wir sie ausgetragen. Ein Streitgespräch muss nicht verletzend sein, es kann sogar in Form einer lebhaften Unterhaltung geführt werden, in der halt die Meinungsverschiedenheiten deutlich werden. Es bleibt in keiner zwischenmenschlichen Beziehung aus, dass beide Partner gelegentlich unterschiedlicher Meinung sind. Das positive Lösen unserer Meinungsverschiedenheiten erfordert von uns eine Erweiterung unseres eigenen Standpunktes und ein Hinein-Versetzen in die Perspektive des Partners, gerade so als stünden wir in den Schuhen des anderen. Um das zu schaffen, müssen wir das Gefühl haben, wir werden geschätzt und respektiert. Wir gehen nur dann (freiwillig) in den Schuhen des anderen, wenn wir uns dadurch gefühlsmäßig nicht in Gefahr begeben. Ist unser Partner jedoch lieblos, feindselig oder rechthaberisch eingestellt, dann fühlen wir uns verletzt. Unser alter Fluchtinstinkt (siehe auch ST-Statt Streit) setzt ein, gleichzeitig schaltet die Vernunft ab. Es schadet recht schnell unserem Selbstwertgefühl, wenn wir während eines Streits einfach seine Perspektive einnehmen, geschweige denn, ihm Recht geben. (Dazu H- Haltung und Gefühle) Damit wir uns selber nicht verletzen, greifen wir zu unterschiedlichen, leider nicht sehr erfolgversprechenden Strategien: - Kämpfen Wenn unsere Unterhaltung einen immer liebloseren Charakter annimmt und die Parteien dabei zu Gegnern werden, anstatt sich gegenseitig zu unterstützen, fangen einige von uns an zu kämpfen. Wir gehen zum Angriff über. Wir verurteilen pauschal, wir machen unseren Partnern für alles verantwortlich, beschuldigen und kritisieren ihn. Mit lauter Stimme bringen wir jede Menge Ärger zum Ausdruck. Das innere Motiv ist häufig den Partnern soweit einzuschüchtern, dass er einlenkt und wieder lieb wird. Es kann ja sein, dass wir in so einem Streit augenscheinlich gewinnen, weil wir das letzte Wort behalten. In Wirklichkeit aber haben wir verloren: Die Vertrauensgrundlage ist nun beschädigt, auf längere Sicht vielleicht sogar zerstört. Den eigenen Willen mit Gewalt durchzusetzen, ist der sicherste Weg einer Beziehung zu schaden. Achtung: Wenn wir mit den Menschen, die wir lieb haben kämpfen, verlieren wir allmählich die Fähigkeit, uns offen und verletzlich zu zeigen. Wir machen dicht, verschließen uns, um uns zu schützen und verlieren dabei - je öfter so ein Streit vorkommt desto schneller - wohlmöglich den letzten Rest von Respekt, Intimität und Liebe. - Flüchten Wenn wir diese Strategie verfolgen, haben wir vielleicht Angst vor der Konfrontation. Wir wollen mit Samthandschuhen angefasst werden und uns ausschliesslich über Themen unterhalten, die keinen Konfliktstoff bergen Diese Strategie hat den Nachteil, dass einige von uns dann einfach völlig aufhören zu reden, wenn es zu Meinungsverschiedenheiten kommt. Anstatt sich in eine fruchtbare und respektvolle Diskussion zu begeben, entziehen wir unseren Partnern die Aufmerksamkeit und damit unsere Liebe. Aber gerade wenn wir negative Gefühle spüren - bei uns oder bei unserem Partner - ist die gegenseitige Wertschätzung doch ganz besonders wichtig! Die Schweiger unter uns sitzen in der Defensive und verletzten den Partner indirekt, indem wir ihm die Liebe und Anerkennung entziehen, die er jetzt ganz besonders braucht. Doch Liebesentzug bewirkt nur Hass und Zwietracht. Kurzfristig bringt diese Strategie vielleicht eine gewisse Ruhe und scheinbare Harmonie, aber wenn über negative Gefühle nicht gesprochen wird, bauen sich ganz im Stillen Aggressionen auf. Langfristig werden aus unseren leidenschaftlichen und liebevollen Gefühlen füreinander Enttäuschung und Groll.

4 - So tun als ob Um zu vermeiden, dass wir in einer Konfrontation verletzt werden, geben wir bei dieser Strategie einfach vor, es bestünde überhaupt kein Problem. Wir tragen ein Lächeln auf den Lippen und machen den Eindruck, als stimmen wir allem zu, als seien wir rundum zufrieden und glücklich. Mit der Zeit jedoch werden wir zunehmend empfindlicher. Wir haben das Gefühl, wir geben ganz viel Energie und Liebe, bekommen aber nichts zurück. Das Geben und Nehmen funktioniert nicht mehr, der natürliche Fluss der Liebe ist blockiert. Wenn wir zu dieser Strategie greifen, haben wir häufig Angst davor, ehrlich zu sein und unsere wahren Gefühle zu äußern. Je länger wir unsere Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle allerdings verleugnen, um Auseinandersetzungen zu vermeiden, desto unglücklicher werden wir. Manchmal greifen wir zum Essen, zum Alkohol oder Schlimmerem um diese ungelösten, schmerzhaften Gefühle zu betäuben. - Ablenken Ein beliebtes Spielchen ist auch die Vermeidung der Sachdiskussion. Wir reiten auf Dingen herum, die aber tatsächlich nicht dazu gehören, suchen und finden Nebenkriegschauplätze. Da wir gegengerechnet, aufgewogen, über Form und Zeitpunkt geredet und das alles nur, weil wir spüren oder wissen und Angst davor haben im Unrecht zu sein. Das können wir aber zumindest jetzt gerade - nicht zugeben. Auch hier fühlt sich der Gesprächspartner nicht ernst genommen, denn wir weichen aus, verweigern ihm die verdiente Anerkennung. Das Resultat ist sehr oft: Er wird sich noch frustrierter als vorher - zurückziehen. Verloren haben nicht wir - aber die Partnerschaft. - Aufgeben Auch diese Strategie ruft Unglück und Enttäuschung hervor. Anstatt gemeinsam zu lernen, in einem offenen und fairen Gespräch Missverständnisse anzusprechen, geben wir einfach auf. Wir übernehmen sämtliche Schuld für alles, was den Partner/die Partnerin und die ganze Welt an uns stört. Kurzfristig kann dadurch ein Zustand herbeigeführt werden, der aussieht, als hätten wir eine liebevolle und kooperative Beziehung. Der Preis dafür ist allerdings ist hoch: Wir verlieren allmählich unsere Identität. Um es unserem Partner recht machen, versuchen wir intuitiv zu erspüren (oder erraten einfach nur), was seine Wünsche sind. Wir formen uns selber danach und versuchen so den Wünschen des Partners immer und allezeit gerecht werden. Für manche von uns ist jede Form der Ablehnung sehr schmerzhaft. Wir fühlen uns sehr, sehr häufig durch andere abgelehnt und verletzt, obwohl es von ihnen gar keine böse Absicht gewesen sein muss. Vielleicht tun wir das, weil wir uns selber nicht mögen...? Nicht wenige versuchen dann um jeden Preis diese Ablehnung zu vermeiden und everybodys darling zu sein. In diesem Prozess geben wir uns aber buchstäblich selber auf. Hart ausgedrückt bedeutet das: Everybodys darling is everybodys Depp! (Beachtet bitte auch die Inhalte von G- Geheimsprache, P-Pro und Contra, M- Mal anders betrachtet.) Mit all diesen Strategien verfolgen wir die Absicht, uns vor Verletzungen zu schützen. Leider funktioniert das jedoch oft nicht. Grundlegend hilft nur einen Streit im Keim zu entdecken und möglichst gleich darüber zu reden. Tipp: Macht eine Pause, wenn die Wellen zu hoch schlagen. Geht erstmal ein wenig auseinander, lasst Dampf ab, kommt anschließend wieder zurück und redet weiter. Übt Euch darin, verständnisvoll miteinander umzugehen und lernt eine andere Meinung zu respektieren, auch wenn es manchmal schwer fällt.

5 Bedenkt bitte immer: Es gibt keine zwei Menschen auf dieser Welt, die immer gleicher Meinung sind, egal wie verliebt sie sind und/oder sich mögen. Wenn jemand anderer Meinung ist als Ihr, dann verletzt Euch meist nicht in erster Linie diese Tatsache, sondern der Streit darum, der sich daraus entwickelt. Eine fruchtbare Auseinandersetzung mit Respekt und Wertschätzung füreinander stärkt jede Beziehung und das Vertrauen zueinander wächst und wächst. Ein kluger Kopf zum Thema: Dr. John Gray ist ein weit über die USA hinaus bekannter Paar- und Familientherapeut, der außerdem auch als Autor der Venus und Mars -Bücher (alle bei Goldmann erschienen) einen hervorragenden Ruf genießt. Seine langjährig in der Praxis erprobte Theorie ist, dass Akzeptanz und Toleranz die Grundvoraussetzung für eine dauerhafte Partnerschaft sind. Er geht davon aus, dass sich Männer und Frauen sehr voneinander unterscheiden. In den letzten Jahren wird allerdings durch zahlreiche Untersuchungen deutlich, dass die Gemeinsamkeiten doch eher überwiegen. Trotzdem sind seine Bücher informativ und hilfreich. Noch ein kluger Kopf zum Thema: Friedemann Schulz von Thun ist ein deutscher Psychologe. Er ist einer der führenden Kommunikationswissenschaftler und bekannt als Autor des dreibändigen Werkes Miteinander reden. Als Psychologie-Professor an der Uni Hamburg gestaltet er den Studienschwerpunkt Beratung und Training und erforscht die Psychologie der zwischenmenschlichen Kommunikation.

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