Forum 3: Unterstützung der Arbeitsmarktintegration durch Weiterbildungsbegleitende Hilfen (WbH)

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1 Forum 3: Unterstützung der Arbeitsmarktintegration durch Weiterbildungsbegleitende Hilfen (WbH) WbH als Bestandteil beruflicher Qualifizierung Anerkennungssuchender Wolfgang Vogt, Koordinator des IQ Netzwerks Saarland Das Netzwerk IQ wird gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Bundesagentur für Arbeit. 1

2 These: Weiterbildungsbegleitende Hilfen sind ein zentraler Bestandteil adressatenorientierter beruflicher Weiterbildung Referenz: Positionspapier gleiche Titels aus dem April 2010, erstellt von Dr. Monika Bethscheider (Bundesinstitut für Berufsbildung BiBB), Ulrike Dimpl (AMKA Stadt Frankfurt a.m.), Prof. Dr. Udo Ohm (Universität Bielefeld), Wolfgang Vogt (Forschungs- und Transferstelle GIM,HTW Saarland) Download: unter der Rubrik: Vorträge, Präsentationen, Materialien

3 Ausgangssituation Für eine immer größer werdende Zahl von Lehrgangsteilnehmenden ist Deutsch die Zweitsprache. In der beruflichen Qualifizierung und im Berufsleben gewinnt die Beherrschung der Bildungssprache zunehmend an Bedeutung. Berufliche Qualifizierung muss sich auf diese Veränderungen langfristig einstellen, um Beteiligungschancen auch künftig zu sichern. 3

4 Fachliches Lernen und Handeln ist ohne Sprache undenkbar Hierbei geht es nicht allein um den jeweiligen Fachwortschatz, sondern um die Bewältigung intellektuell anspruchsvoller sprachlich-kognitiver Operationen, für die ein entsprechendes sprachliches Register benötigt wird. Dieses Sprach-Register wird Bildungssprache genannt.

5 Bildungssprache: Lernen im Kontext Bildungssprache lässt sich aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften nur im Anwendungskontext lernen Kontext heißt: Berufliches Handeln und Berufliche Qualifizierung Fachwissen und Wissen bezogen auf Zweitsprache (DAZ) und Bildungssprache müssen aufeinander bezogen sein. Das bedeutet: Zur Förderung von Deutsch als Zweitsprache und Bildungssprache in der beruflichen Qualifizierung braucht es eine Integrierte Deutschförderung

6 Welchen Teilnehmenden nützt Integrierte Deutschförderung? Schulungsungewohnte Personen mit Deutsch als Zweitsprache Weiterentwicklung DaZ, Bildungssprache, Textverstehens-, Lese- und Lernstrategien Schulungsungewohnte Personen mit Deutsch als Muttersprache Weiterentwicklung Bildungssprache, Textverstehens-, Lese- und Lernstrategien Personen mit Deutsch als Zweitsprache und höherer Schulbildung oder Studium Unterstützung beim Transfer bildungssprachlicher Vorkenntnisse auf die entsprechenden Strukturen im Deutschen

7 Wie kann integrierte Deutschförderung umgesetzt werden? Förderung im Vorfeld einer beruflichen Qualifizierung Integrationskurse, ESF-BAMF-Programm, Grundbildungsangebote Qualifizierungsintegrierte Förderung Rolle und Kompetenz der Lehrkräfte, Organisation und Didaktik Qualifizierungsbegleitende Förderung: WbH Verbindung von Bildungssprache und Fachinhalten

8 Was kann im Vorfeld geleistet werden? Für Personen mit Deutsch als Zweitsprache Integrationskurse und ESF-BAMF-Programm für berufsbezogenes Deutsch sind eine wichtige Voraussetzung, reichen aber i.d.r. für die Entwicklung ausreichender bildungssprachlicher Kompetenzen nicht aus. Für Personen mit Deutsch als Muttersprache Entsprechende Grundbildungsangebote sind kaum vorhanden, ggf. in Ballungsgebieten. Grenzen der Fördermöglichkeiten im Vorfeld Der Erwerb und die Verbesserung komplexer Sprachstrukturen sind nur im Kontext der Bearbeitung komplexer Inhalte sinnvoll möglich. Komplexe berufsfachliche Inhalte und die jeweils benötigten Sprachmittel und - strategien müssen demnach gemeinsam in den Fokus genommen werden. Die Vorbereitung auf berufliche Qualifizierungsmaßnahmen mithilfe von Deutschkursen ist daher nur eingeschränkt möglich.

9 Qualifizierungsintegrierte Förderung eine Zukunftsvision Alle (Fach-)Lehrkräfte und PraxisanleiterInnen/AusbilderInnen sind zumindest sensibilisiert in Bezug auf Zweitsprache und Bildungssprache. Die Lehrgangsmaterialien werden auch den Bedürfnissen von ZweitsprachlerInnen gerecht und berücksichtigen unterschiedliche Kompetenzausprägung in der Benutzung der Bildungs-sprache. Von der Beratung über die Organisation bis hin zur Finanzierung sind die Förderbedarfe berücksichtigt.

10 Und bis dahin: Weiterbildungsbegleitende Hilfen (WbH) Inhalte Fachinhalte und sprachliche Form gemeinsam in den Fokus nehmen Die absichernde Bearbeitung des regulären Unterrichtsstoffs unter Berücksichtigung der bildungssprachlichen Aspekte Textverstehen-, Lese- und Lernstrategien Ziele Fachliche Lücken schließen Kompetenzen in Deutsch als Zweitsprache und Bildungssprache entwickeln Sozialpädagogische Hilfen Werden ebenfalls als WbH bezeichnet und durchgeführt Gefahr der Verwechslung von Ursachen: Sprachlichem Unterstützungsbedarf wird sozialpädagogisch begegnet

11 Weiterbildungsbegleitende Hilfen: Finanzierung Bei Maßnahmen zur Förderung der beruflichen Weiterbildung, Aktivierung und Eingliederung über Mischkalkulation im Unterrichtskostensatz. WbH sollten aus dem Bildungsziel der Maßnahme ersichtlich sein und im Rahmen der Gesamtmaßnahme zertifiziert (AZWV) werden. Auch bei Maßnahmen nach 45/46 SGB III ist WbH grundsätzlich möglich. Bei Aufstiegsfortbildung: Aufnahme in Meister-Bafög wünschenswert. Bei frei finanzierter Weiterbildung: Mischkalkulation oder TN-Entgelte Nach Angaben des BAMF auch Förderung im Rahmen von ESF-BAMF möglich, Modellmaßnahme für Ärzte in der Planung.

12 Was kann jetzt unternommen werden, damit die Vision zu Realität wird? Einbetten der WbH in Qualifizierungsmaßnahmen Qualifikation der Lehrkräfte Qualifizierung weitere Verantwortlicher Sorgfältigerer Umgang mit Sprache

13 Fazit Integrierte Förderung der Zweitsprache Deutsch und der Bildungssprache in der beruflichen Weiterbildung muss essentieller Bestandteil beruflicher Qualifizierung werden, denn: - Bildungssprache wird im beruflichen Kontext immer wichtiger - wachsender Anteil von Personen mit Migrationshintergrund - große Zahl von Menschen ohne Schul- und/oder Berufsabschluss Eine entsprechende umfassende Lehrkräftequalifizierung ist vordringliche Aufgabe. Es gibt bereits einzelne Praxis-Ansätze, auf die aufgebaut werden kann. Die Umsetzung entsprechender Unterrichtsformen, wie z.b. WbH, ist auch angesichts des Fachkräftemangels unumgänglich.

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