Europäisches Handbuch zu Gleichstellungsdaten

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1 Europäisches Handbuch zu Gleichstellungsdaten Europäische Kommission

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3 Europäisches Handbuch zu Gleichstellungsdaten Gründe und Methoden für den Aufbau einer nationalen Wissensbasis über Gleichbehandlung und Diskriminierung aufgrund der Rasse und ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung Europäische Kommission Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Chancengleichheit Referat G.4 Manuskript fertiggestellt im November 2006

4 Der Inhalt dieser Veröffentlichung spiegelt nicht unbedingt die Meinung oder Haltung der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Chancengleichheit der Europäischen Kommission wider. Falls Sie am Bezug des elektronischen Informationsbriefes ESmail der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Chancengleichheit der Europäischen Kommission interessiert sind, schicken Sie bitte ein an der Informationsbrief erscheint regelmäßig in Deutsch, Englisch und Französisch. Dieses Handbuch wurde im Auftrag des finnischen Arbeitsministeriums von Timo Makkonen verfasst. Das Handbuch wurde im Rahmen des vom finnischen Arbeitsministerium geleiteten Projekts Making Equality a Reality with Adequate Data (MERA) erstellt. Die Ausarbeitung des Handbuchs wurde von einer Referenzgruppe geleitet, denen folgende Personen angehörten: Meri-Sisko Eskola (Vorsitz, finnisches Arbeitsministerium), Flaminia Bussacchini (Europäische Kommission), Mikko Cortés Téllez (finnisches Unterrichtsministerium), Claire Herrmann (Europäische Kommission), Simo Mannila (Stakes), Sue Scott (unabhängige Expertin), Patrick Simon (INED), Daniel Wagman (unabhängiger Experte) und John Wrench (EUMC). Perttu Salmenhaara fungierte als Forschungsassistent für das Projekt. Während der Durchführung des Projekts wurden eine Reihe von Personen konsultiert. Ihnen möchte das finnische Arbeitsministerium für ihre Mitwirkung danken. Das Projekt wurde vom Aktionsprogramm der Gemeinschaft zur Bekämpfung von Diskriminierungen ( ) unterstützt. Europe Direct soll Ihnen helfen, Antworten auf Ihre Fragen zur Europäischen Union zu finden Gebührenfreie Telefonnummer (*): (*) Einige Mobilfunkanbieter gewähren keinen Zugang zu Nummern oder berechnen eine Gebühr. Zahlreiche weitere Informationen zur Europäischen Union sind verfügbar über Internet, Server Europa (http://europa.eu). Bibliografische Daten befinden sich am Ende der Veröffentlichung. Luxemburg: Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften, 2007 ISBN Europäische Gemeinschaften, 2007 Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Printed in Belgium GEDRUCKT AUF CHLORFREI GEBLEICHTEM PAPIER

5 Vorwort Das Recht auf Gleich be hand lung ist ein uni ver sel les Men schen recht und ein grund le gen der Wert der Euro päi schen Union. Gleich be hand lung bedeu tet, die Rech te und Chan cen jedes Ein zel nen zu gewähr leis ten. Ohne Gleich be - hand lung wird es nicht mög lich sein, inte grier te Arbeit smärk te und sozia len Zusam men halt zu errei chen. Im Übri gen sind poli ti sche Maßnah men zur För de rung der Gleich be hand lung bzw. Gleich stel lung auch aus wirt schaft li cher Sicht ver nünf tig, da sie den Men schen hel fen kön nen, ihr vol les Poten zial zu ent fal ten, und dazu beit ra gen, dass die richti gen Per so nen die rich ti gen Arbeits stel len bekom men. Im Jahr 2000 wur den zwei EU-Richt li nien verabs chie det. Die Richt li nie 2000/78/ EG ver bie tet Dis kri mi nie rung im Bereich der Beschäf ti gung auf grund der Reli gion oder Wel tan schau ung, einer Behin de rung, des Alters oder der sex - uel len Aus rich tung, wäh rend die Richt li nie 2000/43/ EG Dis kri mi nie run gen auf grund der Rasse oder ethni schen Herkunft in einer Viel zahl von Berei chen Beschäf ti gung, Bil dung, sozia le Sicher heit und Ver sor gung mit Gütern und Dienst leis tun gen unter sagt. Diese bei den Richt li nien haben das Nivea u des Schutz es vor Dis kri mi nie run gen in der gesam ten EU bet rächt lich ange ho ben. Den noch dür fen wir nicht die Augen davor vers chließen, dass es heute in der EU noch keine echte Gleich be hand - lung gibt. Um die ses Ziel zu errei chen, hat Euro pa noch einen lan gen Weg vor sich. Die ver füg ba ren Daten zei gen ein deu tig, dass die sozia le und wirt schaft li che Leis tung vie ler Grup pen und Ein zel per so nen durch Dis kri mi nie rung stark unter mi niert wird eine völ lig inak zep tab le Situ a tion, die drin gend in Ang riff genom men wer den muss. Da wir die Gele gen heit ergrei fen und im Leben dis kri mi nier ter Grup pen und Ein zel per so nen etwas bewir ken wol len, müs sen wir sichers tel len, dass wir auf der Grund la ge fun dier ten Wis sens vor ge hen. Maßnah men und Met ho den in allen Lebens be rei chen, d. h. im poli ti schen, admi nist ra ti ven und wirt schaft li chen Leben, sol lten auf objek ti ven und zuver läs si gen Daten beru hen. Kost spie li ge, auf fals chen Annah men basie ren de Feh ler kann sich nie mand leis ten. Dies gilt auch für Fra gen in Bezug auf Gleich be hand lung. Es ist drin gen der not wen dig als je zuvor, über Gleich stel - lungs da ten zu ver fü gen und sie zu benutz en. Doch viel zu oft feh len diese Daten. Und wenn sie vor han den sind, dann oft nur unvoll stän dig, oder sie las sen sich nur schwer über Gren zen hin weg verg lei chen. So kommt es, dass unser Wis sen und Vers tänd nis von Dis kri mi nie rungs fra gen noch erheb li che Lüc ken auf weist. Die ses Hand buch, das mit Unters tütz ung der Euro päi schen Kom mis sion vom fin ni schen Arbeit smi nis te rium ers tellt wurde, wird ents chei dend dazu beit ra gen, diese Wis sens lüc ke zu schließen. Es ana ly siert nicht nur, wel che Infor matio nen sin nvol ler wei se gesam melt wer den sol lten, son dern gibt auch Rats chlä ge, wie sich diese Daten in der Prax is zusam men tra gen las sen. Außer dem ent hält es eini ge konk re te Vors chlä ge dazu, wie natio na le Maßnah men zur Date - ner he bung ent wic kelt wer den könn ten. Die in dem Hand buch for mu lier ten Emp feh lun gen rich ten sich an Poli ti ker, Beam te, Gleich stel lungs grup pen, auf die För de rung von Gleich be hand lung spe zia li sier te Stel len, die im Jus tiz we sen beschäf tig ten Per so nen und an Nich tre gie rung sor ga ni sa tio nen. Die ses Hand buch soll eine infor mier te öffent li che Dis kus sion in Gang setz en und für Ver bes se run gen bei der Sam - mlung von Gleich stel lungs da ten sor gen ist das Euro päi sche Jahr der Chan ceng leich heit für alle. Mit die sem Hand buch möch ten wir einen Beit rag zur Ver wirk li chung der Gleich be hand lung leis ten. Brüs sel, Novem ber 2006 Hel sin ki, Novem ber 2006 Vla di mír Špid la für Beschäf ti gung, Sozia les und Chan ceng leich heit zus tän di ges Mit glied der Euro päi schen Kom mis sion Tarja Fila tov fin ni sche Arbeit smi nis te rin 3

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7 Inhalt Vorwort Kurzzusammenfassung Die grundlegenden Aspekte von Gleichstellungsdaten Einleitung Gleichbehandlung und Diskriminierung Drei Ansätz e zur Gleich be hand lung Gleich be hand lungs recht Die sozial wis sen schaft li che Per spek ti ve Die Datenerfordernisse Gemeinsame Anliegen Datenquellen: Überblick und Bewertung Offi ziel le Sta tis ti ken Beschwer de da ten Fors chung Beo bach tung der Viel falt Daten quel len und die Dis kri mi nie rungs grün de Bewer tung Empfehlungen Datensammlung und Datenschutz Einleitung Sammlung von Daten durch Erhebungen Definitionen, Klassifizierungen und Einstufung Rechtlicher und ethischer Rahmen Recht auf Pri vats phä re Daten schutz Ethik in der Sta tis tik Empfehlungen Offizielle Statistiken Einleitung Gleich be hand lung sin di ka to ren Volkszählungen Haushaltserhebungen Verwaltungsregister Empfehlungen

8 Europäisches Handbuch zu Gleichstellungsdaten 4 Beschwerdedaten Einleitung Daten aus dem Rechtssystem Andere Beschwerdedaten Empfehlungen Forschung Einleitung Opferbefragungen Erhebungen mittels Selbstauskunft Diskriminierungstests Qualitative Forschung Andere Arten von Forschung Empfehlungen Diversitätsmonitoring durch Organisationen und Unternehmen Einleitung Diversitätsmonitoring im Bereich der Beschäftigung Arbeit skräf te mo ni to ring Ein stel lung und Aus wahl beo bach ten Konk re te Maßnah men in Reak tion auf die Ergeb nis se Tech ni sche und prak ti sche Erwä gun gen Diversitätsmonitoring in der Erbringung von Dienstleistungen Monitoring: eine Bewertung Fallstudien Empfehlungen Erarbeitung eines nationalen Aktionsplans Einleitung Organisatorische Fragen Kernelemente eines Aktionsplans Fallstudie: Finnland Empfehlungen Allgemeine Empfehlungen

9 Kurzzusammenfassung Es gibt hin rei chend Bele ge dafür, dass jedes Jahr Mil lio - nen von Men schen in Euro pa auf grund ihrer Rasse oder ethni schen Her kunft, ihrer Reli gion oder Wel tan schau - ung, einer Behin de rung, ihres Alters oder ihrer sex uel len Aus rich tung dis kri mi niert wer den. Doch über die Ursachen, das Aus maß, die Art und die Aus wir kun gen von Dis kri mi nie rung ist nur wenig bekannt. Die ses Hand buch befasst sich mit der Frage, wie diese Wis sens lüc ke ges - chlos sen wer den kann. Es ver folgt zwei Ziele: i) zu analy sie ren, warum und welche Art von Daten in Bezug auf Gleich be hand lung und Dis kri mi nie rung ( diese Daten werden im vor lie gen den Hand buch als Gleich stel lungs da - ten bezeich net) gesam melt wer den sol lten, und ii) darz - ule gen, wie diese Daten zusam men get ra gen wer den kön nen, und dies be züg lich Emp feh lun gen abz uge ben. Die EU-Mit glied sta a ten haben sich auf poli ti scher und recht li cher Ebene zu Gleich be hand lung und zum Kampf gegen Dis kri mi nie run gen verp flich tet. Um fest zus tel len, wel chen Effekt diese Verp flich tung in der sozia len Wirklich keit hat, sind Daten erfor der lich. Die ses Hand buch ist Teil der Maßnah men, die im Ans chluss an die Verabs - chie dung und natio na le Umsetz ung der zwei EU-Richt li - nien in die sem Bereich, d. h. der Richt li nie zur Gleich be - hand lung ohne Unters chied der Rasse und der Richt li nie zur Gleich be hand lung im Bereich der Beschäf ti gung, ergrif fen wur den. Diese bei den Richt li nien ver bie ten direk te und indi rek te Dis kri mi nie run gen auf grund der Rasse oder ethni schen Her kunft, der Reli gion oder Wel - tan schau ung, einer Behin de rung, des Alters oder der sex uel len Aus rich tung. Dies sind auch die Dis kri mi nie - rungs grün de, auf die sich die ses Hand buch kon zent riert. Ges chlechtsspe zi fi sche Dis kri mi nie rung wird nur unter dem Gesicht spunkt der Mehr fach dis kri mi nie rung behandelt. Die ses Hand buch rich tet sich an ein brei tes Pub li kum, ins be son de re an alle, die daran mit wir ken ( bzw. mit wir - ken sol lten), die Sam mlung von Gleich stel lungs da ten zu unters tütz en und zu pla nen und/ oder diese Daten zu benutz en. Dazu gehö ren Ents chei dungs trä ger, Beam te, Mit glie der von Gleich stel lungs grup pen und Per so nen, die für Gleich be hand lungs stel len und NRO arbei ten. Dieses Hand buch wird hof fent lich auch all jenen nütz li che Ein blic ke lie fern, die mit dem Zusam men tra gen von Daten zu tun haben, eins chließlich Sta tis ti ker/ innen, Fors cher/ innen und Arbeit ge bern. Warum Daten sam meln? In dem Hand buch wer den die Infor ma tions be dürfnis se ana ly siert und die sechs Hauptzwec ke dar ge legt, für die Gleich stel lungs da ten gesam melt wer den sol lten. Ers tens wer den Daten gebraucht, um die Politikentwicklung und -umsetzung zu len ken und zu unters tütz - en. Es ist nötig, zur För de rung von Gleich be hand lung Maßnah men zu ergrei fen, da die Ver wei ge rung der Chan ceng leich heit sowohl die Bet rof fe nen als auch die Gesell schaft als Gan zes teuer zu ste hen kommt. Dis kri - mi nie rung unter mi niert die Rech te und Chan cen ihrer Opfer, beeint räch tigt ihre Lebens qu a li tät und kann zu einer mehr oder weni ger erheb li chen Depri va tion und zu Gesund heit sprob le men füh ren. Auf sozia ler Ebene führt Dis kri mi nie rung zur Ver geu dung von Human res sour cen, zu sozia ler Aus glie de rung und zu mak roöko no mi schen Ver lus ten. Beis piels wei se legen Schätz un gen für das Verei nig te Köni greich nahe, dass die nied ri ge ren Beschäf ti gungs ni vea us unter älte ren Arbeit neh mern eine Folge sowohl struk tu rel ler Fak to ren als auch unverhül lter Alters dis kri mi nie rung die Wirt schaft des Lan des jedes Jahr Mrd. GBP für ent gan ge ne Erträ ge und Steu ern sowie erhöh te Sozial hil fe zah lun gen kos ten. Um poli ti sche Maßnah men zu stütz en, die diese Phä no me ne gezielt ange hen, wer den Daten gebraucht, und diese Maßnah men kön nen nur so gut sein wie die Infor ma tio - nen, auf denen sie basie ren. Und zur Beur tei lung und Bewer tung des Effekts die ser Maßnah men wer den eben falls Daten benö tigt. Zwei tens wer den in Gerichtsverfahren Daten gebraucht, weil es man chmal schwie rig, wenn nicht gar unmög lich ist, in Erman ge lung empirischer Beweise Dis kri mi nie - rung nach zu wei sen. Derar ti ge Bewei se kön nen beim Nach weis sowohl direk ter als auch indi rek ter Dis kri mi - nie rung eine ents chei den de Rolle spie len, aber sie können auch dazu ver wen det wer den, eine Dis kri mi nie - rungs kla ge abz uweh ren. Drit tens brau chen spe zia li sier te natio na le Stel len, wie etwa Gleich be hand lungs stel len, die nach der Richt li nie über Gleich be hand lung ohne Unters chied der Rasse von allen EU-Mit glied sta a ten ein zu setz en sind, sowie inter natio na le Beo bach tungs stel len wie die im UN-Ver trag aufge führ ten Orga ne quan ti ta ti ve und qua li ta ti ve Daten, um 7

10 Europäisches Handbuch zu Gleichstellungsdaten ihre Funk tion als Beobachter erfül len zu kön nen. Die Richt li nie schreibt vor, dass die Gleich be hand lungs stel - len unab hän gi ge Erhe bun gen zu Dis kri mi nie rungs fra gen durchfüh ren, und die inter na tio na len Stel len haben die Sta a ten beharr lich immer wie der dazu auf ge for dert, Daten zu Gleich stel lung und Dis kri mi nie rung zu sammeln. Vier tens wer den Daten von Regie rungs agen tu ren und Unter neh men gebraucht, die sichers tel len wol len, dass ihre Ein stel lungs -, Ent las sungs - und ande ren Poli ti ken und Prak ti ken den Gleich be hand lungs ge setz en ents pre - chen. Zu die sem Zweck kön nen sie internes Monitoring ein setz en, d. h., sie kön nen die Zusam men setz ung ihrer Arbeit skräf te nach den ein zel nen Dis kri mi nie rungs grün - den beo bach ten. Es wäre für Unter neh men auch nützlich, über Ben chmark da ten zu ver fü gen, etwa über Arbeit smarkt da ten, die ihnen einen Verg leich mit ihren eige nen Ergeb nis sen erlau ben. Fünf tens wer den auch zum Zweck der Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung qua li ta ti ve und quan ti ta ti ve Daten gebraucht. Wis sen schaft li che Bewei se für das Aus maß und die Natur von Dis kri mi nie run gen kön nen als über zeu gen der und sach li cher Aus gangs punkt für die natio na le Dis kus sion über Gleich be hand lung und Dis kri - mi nie rung die nen. Sechs tens wer den Gleich stel lungs da ten gebraucht, weil sie unver zich tbar sind für Fors cher/ innen, die unser Vers tänd nis des Phä no mens Dis kri mi nie rung ver tie fen wollen. Und Forschung wie de rum ist eine Voraus setz ung für die Ent wick lung und Umsetz ung wirk sa me rer poli ti scher Maßnah men. Ins ge samt ist der Infor ma tions be darf erheb lich. Die gesam mel ten Infor ma tio nen sol lten ide a ler wei se Fol gen - des abdec ken: alle Gruppen, die durch das nationale und europäische Antidiskriminierungsrecht geschützt sind; alle Lebensbereiche, in denen Diskriminierung verboten ist (Beschäftigung, Bildung usw.); Ausmaß, Art, Ursachen und Folgen der Diskriminierung. Eine ein zel ne Daten quel le, wie etwa natio na le offi ziel le Sta tis ti ken, Daten aus dem Rechtssys tem oder Erhebungs da ten, kann die sen brei ten Infor ma tions be darf niemals erfül len. Daher ist es not wen dig, meh re re Mechanis men zur Sam mlung von Gleich stel lungs da ten ein zu - rich ten und zu unters tütz en. Jeder die ser Mecha nis men wird in die sem Hand buch beschrie ben und anhand bewähr ter Prak ti ken veran schau licht. Offizielle Statistiken Alle EU-Mit glied sta a ten sam meln bevöl ke rungs wei te statis ti sche Daten im Zusam men hang mit Berei chen von so vor ran gi gem Inte res se wie Beschäf ti gung, Bil dung, Einkom men, Lebens stan dard, Gesund heit und Wohlstand. Diese offi ziel len Sta tis ti ken wer den auf der Grund la ge von drei Arten von Daten quel len zusam men ges tellt: Volk szäh - lun gen, Ver wal tungs re gis ter und Erhe bun gen. Anhand dieser Daten kön nen sich Unters chie de in der Situ a tion der vers chie de nen Grup pen fest stel len las sen, voraus ge setzt, die sach dien li chen per sön li chen Daten im Zusam men hang mit den ein zel nen Dis kri mi nie rungs grün den ( z. B. Alter, ethni sche Her kunft, Behin de rung) wer den gleich zei tig mit den ande ren Daten gesam melt oder sind ander weits verfüg bar. In vie len Län dern wer den die not wen di gen Daten nicht gesam melt oder nicht benutzt. Es wird emp foh len, dass jedes EU-Land prüft, wel che Infor ma tio nen gegenwär tig gesam melt wer den und ob man die Berei che, zu denen Daten zusam men get ra gen wer den, erwei tern könnte, damit auch Gleich stel lungs da ten ver füg bar wer den. Beschwerdedaten Beschwer de da ten wer den im Rah men der Auf ga ben jener Stel len erzeugt, die auf die eine oder ande re Weise Dis kri mi nie rungs kla gen bear bei ten. Zu die sen Stel len gehö ren die Poli zei, Sta ats an wäl te, Gerich te und ande re gericht li che Orga ne, Gleich be hand lungs stel len und Ombuds män ner/-frau en. Beschwer de da ten im wei ten Sinne des Wor tes kön nen auch durch die Arbeit von Nich tre gie rung sor ga ni sa tio nen, die sich für Dis kri mi nie - rung sop fer ein setz en, ver füg bar wer den. Beschwer de da ten bein hal ten in der Regel Infor ma tio nen über die Zahl und Art von Kla gen, die bin nen einem bestimmten Zeit raum ( meist ein Jahr) bei einer bestimmten Stel le oder Orga ni sa tion ein ge reicht wurden. Mög li cher wei se sind auch ande re Daten ver füg bar: Zum Beis piel könn ten sich aus Sta tis ti ken aus dem Rechtssys tem gene rel le Pro fi le von Tätern/Bek lag ten und Klä gern heraus kris tal li sie ren. Beschwer de da ten sind gewis ser maßen die Spitz e des Eis bergs. Sie beschreiben ledig lich die Art und das Aus maß gemel de ter Dis kri - mi nie run gen, wäh rend viele Stu dien gezeigt haben, dass nur ein gerin ger Teil aller Dis kri mi nie run gen gemel det wird. Beschwer de da ten sind am nütz lich sten, wenn sie unter Berüc ksich ti gung ande rer Infor ma tio nen, wie etwa Daten aus Opfers tu dien, aus ge wer tet wer den. Um Beschwer de da ten opti mal zu nutz en, emp fiehlt das Hand buch, dass die bet rof fe nen Orga ni sa tio nen sys te - ma ti sche Auf zeich nungs ver fah ren und -met ho den ent wic keln sol lten, damit sie in der Lage sind, die Voll stän dig - keit, Zuver läs sig keit und Brauch bar keit der Daten zu gewähr leis ten. 8

11 Kurzzusammenfassung Forschung Wäh rend offi ziel le Sta tis ti ken Dis kri mi nie rung nur indi rekt mes sen und Beschwer de da ten nur einen Teil der gesamten Dis kri mi nie rung aufdec ken, machen vers chie de ne Fors chungs met ho den soli de re Hilfs mit tel zur Mes sung von Dis kri mi nie rung ver füg bar. Um ein aus rei chend umfas sen - des und genau es Bild der Dis kri mi nie rung zu erhal ten, sind Unter su chun gen über Gleich be hand lung und Dis kri mi nie - rung daher von höchs ter Bedeu tung. Eini ge der wich tigs - ten Fors chungs met ho den in die sem Bereich umfas sen: Opferstudien, in deren Rahmen Personen mit einem besonders hohen Diskriminierungsrisiko zu ihren Erfahrungen befragt werden; Erhebungen mittels Selbstauskunft, also die Befragung von Mitgliedern der allgemeinen Bevölkerung oder einer spezifischen Zielgruppe (z. B. Personalchefs) über ihre Einstellung und/oder ihr Verhalten gegenüber den Gleichstellungsgruppen; Diskriminierungstests, mit denen das Verhalten bestimmter Schlüsselgruppen, z. B. Arbeitgeber oder Dienstleistungsanbieter, mithilfe konkreter Experimente im wirklichen Leben untersucht wird; qualitative Forschung, die einen breiten Fächer unterschiedlicher Forschungsmethoden umfasst, darunter Tiefeninterviews und Panelerhebungen. Das Prob lem bei der Zuhil fe nah me von Fors chung zum Sam meln von Gleich stel lungs da ten liegt darin, dass Fors chungs pro jek te in der Regel auf exter ne Finan zie rung ange wie sen sind, die oft jedes Mal aufs Neue beschafft wer den muss. Es wäre daher gut, wenn die Regie run gen sich der grund le gen den Bedeu tung von Fors chung in diesem Bereich bewusst wür den und ange mes se ne Finan z- mit tel für diese Zwec ke bereit stel lten. Beobachtung der Vielfalt Die Beo bach tung der Viel falt, auch Diver si tät smo ni to ring genannt, ist wahr schein lich die wirk sams te Maßnah me, die eine Orga ni sa tion oder Firma ergrei fen kann, um sicher zus tel len, dass sie den Gleich be hand lungs ge setz - en ents pricht. Die ser Begriff bezeich net das Ver fah ren, mit dem eine Orga ni sa tion oder Firma den Effekt ihrer Maßnah men und Prak ti ken auf die Gleich stel lungs grup - pen beo bach tet. Es gibt einen Unters chied zwi schen quan ti ta ti vem und qua li ta ti vem Moni to ring. Quan ti ta ti ves Moni to ring, das in dem Hand buch im Vor der grund steht, bezieht sich auf Situ a tio nen, wo eine Orga ni sa tion bzw. Firma Daten über die Zusam men setz ung ihrer Arbeit s- kräf te sam melt, z. B. im Hin blick auf Alter und/ oder ethni sche Her kunft, um jeg li chem Ungleich ge wicht auf die Spur zu kom men, wäh rend es bei qua li ta ti vem Moni to - ring um Feed back geht, das auf weni ger sys te ma ti sche Weise erlangt wurde. Quan ti ta ti ves Moni to ring vor allem, wenn es gesetz lich vor ge schrie ben ist ( sodass die Daten sys te ma tisch gesam melt wer den), und voraus ge - setzt, die daraus her vor ge hen den Gesamt da ten wer den einer zus tän di gen Stel le ( wie etwa einer Voll zugs be hör - de) über mit telt kann Daten lie fern, die nicht nur etwas über die inner halb ein zel ner Orga ni sa tio nen oder Unterneh men beste hen den Ungleich hei ten, son dern auch über die in der Gesell schaft im Allge mei nen aus sa gen. Fol glich emp fiehlt das Hand buch den Regie run gen, mit den Sozial part nern, den im Bereich der Gleich be hand - lung täti gen Grup pen und ande ren Inte res sen vert re tern einen Dia log über die Frage auf zu neh men, ob es not wendig ist, gesetz li che Anfor de run gen in Bezug auf die Überwa chung der bet rie bli chen Prax is ( im Fol gen den auch Arbeits platz mo ni to ring genannt) ein zu füh ren. Einige Herausforderungen Bei der Sam mlung von Gleich stel lungs da ten sind etli che Heraus for de run gen zu bewäl ti gen. In Erhe bun gen mit tels Selbs taus kunft geben die Leute viel leicht keine ehr li che Ant wort auf Fra gen zu ihrer Ein stel lung oder ihrem Verhal ten gege nü ber den vers chie de nen Dis kri mi nie rungs - grup pen, und auch in Opfers tu dien berich ten die Leute mög li cher wei se nicht immer über ihre Dis kri mi nie rungs - er fah run gen, weil sie sich z. B. der Dis kri mi nie rung gar nicht bewusst gewor den oder sich nicht ganz sicher sind. Ande rer seits kann es auch vor kom men, dass jemand ein nega ti ves Erei gnis irr tüm lich auf Dis kri mi nie rung zurückführt, auch wenn es über haupt nichts damit zu tun hatte. Die damit ver bun de ne Gefahr, Dis kri mi nie rung in Erhebun gen zu über - bzw. zu unters chätz en, kann durch die sorg fäl ti ge Kon zep tion der Erhe bun gen und ins be son de - re durch die Wahl der jeweils best ge eig ne ten Art der Daten sam mlung erheb lich redu ziert wer den. Eine wei te re Heraus for de rung ergibt sich aus der Anwen dung von Kon zep ten wie etwa ethni sche Herkunft. Die vers chie de nen Daten sätz e sowohl auf natio na ler als auf inter na tio na ler Ebene ließen sich viel bes ser mitei nan der verg lei chen, wenn in Bezug auf Defini tio nen, Klas si fi zie rungs nor men und Ein stu fungs prin zi - pien stan dar di sier te Ansätz e verein bart wür den. Gegenwär tig ist der Grad der Stan dar di sie rung ziem lich gering. Eine drit te Heraus for de rung hängt mit der Tat sa che zusam men, dass man che For men der Date ner he bung die Verar bei tung sen sib ler Daten imp li zie ren. Die inter natio na len und euro päi schen Recht snor men in Bezug auf das Recht auf Pri vats phä re und Daten schutz schließen das Sam meln sen sib ler Daten zwar nicht aus, legen aber 9

12 Europäisches Handbuch zu Gleichstellungsdaten stren ge Bedin gun gen fest, unter denen das Sam meln die ser Daten zuläs sig ist, und stel len vers chie de ne Prinzi pien auf, die beim Sam meln oder einer ander wei ti gen Daten ve rar bei tung zu berüc ksich ti gen sind. Hinzu kommt, dass ein zels ta at li che Recht svors chrif ten im Bereich von Daten schutz und Pri vats phä re über diese Stan dards hinaus ge hen und wei te re Gren zen für das Sam meln von Gleich stel lungs da ten setz en kön nen. Das Hand buch geht auf jede die ser Heraus for de run gen ein. Der Bedarf an Aktionen und Zusammenarbeit auf nationaler Ebene Einer der größten Män gel der aktu el len Met ho den zur Daten sam mlung ist die feh len de Koor di nie rung auf nationa ler Ebene. Nur ein paar Län der gehen sys te ma tisch an den Auf bau einer natio na len Wis sens ba sis im Bereich von Dis kri mi nie run gen heran, und selbst in die sen Ländern waren die ergrif fe nen Maßnah men in der Regel nur auf bestimmte Dis kri mi nie rungs grün de und/ oder bestimmte Lebens be rei che aus ge rich tet. Daher ist oftmals nicht bekannt, wel che Daten ver füg bar sind und wel che erlangt wer den könn ten, wenn die natio na len Date ner he bungs me cha nis men ent wic kelt wür den. Aus die sem Grund besteht Bedarf an einem brei ten Dia log, an Zusam me nar beit und Aktio nen auf natio na ler Ebene. Diese sol lten mög lichst zur Verabs chie dung eines nationa len Aktions plans zur Date ner he bung füh ren. Neben Aktio nen und Zusam me nar beit auf natio na ler Ebene besteht außer dem Bedarf an inter na tio na ler Zusam me nar beit und der Fest le gung von Nor men, wobei es in ers ter Linie darum geht, lang fris tig zu gemein sa men sta tis ti schen Indi ka to ren in die sem Bereich zu gelan gen. Empfehlungen In jedem Kapi tel gibt das Hand buch eine Reihe von Empfeh lun gen, die sich hauptsäch lich an ein zels ta at li che Ents chei dungs trä ger rich ten und ihnen vor Augen füh ren sol len, wie die natio na len Date ner he bungs me cha nis men ver bes sert wer den könn ten. Diese Emp feh lun gen werden in Kapi tel 8 des Hand buchs auf ge führt. 10

13 1 Die grundlegenden Aspekte von Gleichstellungsdaten 1.1 Einleitung Das Recht auf Gleich be hand lung gehört zu den wich tigsten Prin zi pien einer moder nen Gesell schaft. In Euro pa spie gelt sich dies in der Tat sa che wider, dass alle EU- Mit glied sta a ten Gesetz e verabs chie det haben, die Diskri mi nie rung ver bie ten, und alle die wesent li chen Menschen recht sab kom men der Verein ten Natio nen und des Euro pa ra tes unter zeich net haben, die durchweg Dis kri - mi nie rung unter sa gen. Durch die im Jahr 2000 erfolg te Verabs chie dung der bei den Gleich stel lungs richt li nien der Union die Richt li nie zur Gleich be hand lung ohne Unters chied der Rasse und die Richt li nie zur Gleich be hand - lung im Bereich der Beschäf ti gung ( 1 ) haben das Nivea - u des Schutz es vor Dis kri mi nie run gen in der gesam ten EU beacht lich ange ho ben. Auf poli ti scher Ebene sind ein hoher Beschäf ti gungs grad, die För de rung des sozia len Zusam men halts und die Schaf fung eines Raums der Frei heit, der Sicher heit und des Rechts ( die ja durchweg mit Chan ceng leich heit zusam men - bzw. davon abhängen) heute vor ran gi ge Ziele ( 2 ). Die rechtliche und politische Verpflichtung, Dis kri mi nie run gen zu bekämp fen, ist stär ker als je zuvor. Den noch legen die ver füg ba ren Daten nahe, dass nach wie vor in alar mie rend hohem Aus maß dis kri mi niert wird. Tat säch lich dürfte Dis kri mi nie rung, in ihren zahlrei chen Ers chei nungs for men, die am häu figs ten auf tre ten de Men schen recht sver letz ung in Euro pa sein. Jedes Jahr wer den Mil lio nen von Men schen, die in Euro pa leben, Opfer von Dis kri mi nie run gen, und viele wei te re Mil lio nen müs sen eine derar ti ge Behand lung befür chten ( 3 ). Die Ver wei ge rung von Chan ceng leich heit kommt die Bet rof - fe nen und die Gesell schaft im Gan zen teuer zu ste hen, da Dis kri mi nie rung die Rech te und Chan cen von Ein zel - per so nen beschnei det, zur Ver geu dung von Human res - sour cen führt und sozia le Aus glie de rung verur sacht. Im Übri gen ist Gleich be hand lung ange sichts der aktu el len demog ra fi schen Trends in Euro pa nied ri ge Gebur ten ra - ten, altern de Bevöl ke rung und somit ein schrump fen des Arbeit skräf te po ten zial mittler wei le nicht mehr nur eine Frage der sozia len Gerech tig keit, son dern auch eine wirt schaft li che Not wen dig keit. Recht li ches und poli ti sches Enga ge ment reicht nicht Man darf wohl die Schlus sfol ge rung zie hen, dass Dis kri - mi nie run gen fort bes te hen, weil recht li ches und poli ti - sches Enga ge ment allein nicht in der Lage sind, Gleichbe hand lung her bei zu füh ren. Der Bereich der geschlechtsspe zi fi schen Dis kri mi nie run gen bie tet genügend Bewei se für diese These: Obwohl das Prin zip der Ent gelt gleich heit seit den 50 er Jah ren Teil des inter na - tio na len und euro päi schen Rechts ist, gibt es noch immer kein ein zi ges Land in der Euro päi schen Union, in dem die Löhne und Gehäl ter der Frau en denen der Männer ents pre chen ( 4 ). Recht srah men und poli ti sches Engage ment sind not wen di ge, aber unzu rei chen de Ele men te eines umfas sen den Ansatz es zur Bekämp fung von Diskri mi nie run gen. Daher wer den noch vers chie de ne ande re Maßnah men benö tigt. Der Kampf gegen Dis kri mi nie run gen erfor dert die ener gi sche Durchsetzung des Anti dis kri mi nie rungs - rechts, eine akti ve Iden ti fi zie rung und Analyse der Dis krimi nie rungs mus ter in allen Lebens be rei chen, die Beobachtung der beim Abbau von Dis kri mi nie run gen erziel ten Fort schrit te, die Verabs chie dung von Programmen zur Sen si bi li sie rung und Bewusstseins bil dung und wenn die Ums tän de es recht fer ti gen die Verabs chie dung ents pre chen der Maßnah men, d. h. positiver Aktionen, um die Lage von Ein zel per so nen und Grup pen, die durch ( 1 ) Richtlinie 2000/43/EG des Rates zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft ( Rassengleichbehandlungsrichtlinie ) und Richtlinie 2000/78/EG des Rates zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf ( Gleichbehandlungsrichtlinie Beruf ). ( 2 ) Die Europäische Beschäftigungsstrategie (EBS) basiert auf dem strategischen Ziel der EU, der wettbewerbsfähigste und dynamischste wissensbasierte Wirtschaftsraum der Welt, fähig zu nachhaltigem Wachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und größerem sozialem Zusammenhalt, zu werden. Weitere Informationen erhalten Sie unter ( 3 ) Angesichts des derzeitig niedrigen Stands der Datenerhebung zur Diskriminierung ist es natürlich sehr schwierig, zu einer einigermaßen verlässlichen Einschätzung des Ausmaßes der Diskriminierung in Europa zu gelangen. Das wenn auch nur bruchstückhaft verfügbare Material berechtigt jedoch zu der Annahme, dass in der Tat jedes Jahr Millionen Menschen Diskriminierungen erfahren. Eine breit angelegte Umfrage unter der Gesamtbevölkerung in Irland kam zu dem Ergebnis, dass 12,5 % der Bevölkerung berichteten, im Verlauf der beiden letzten Jahre Formen der Diskriminierung erfahren zu haben (siehe Kapitel 3 dieses Handbuchs). Dieses Ergebnis steht im Einklang mit Forschungsarbeiten, die in anderen Ländern und mit anderen Forschungsmethoden durchgeführt wurden. Extrapoliert auf den EU-Raum hieße dies, dass jährlich mehr als 20 Millionen Menschen Diskriminierungen erfahren. Die tatsächliche Zahl der Diskriminierungen kann jedoch, bedingt durch nationale Schwankungen bei den Diskriminierungsgraden und weil Opferbefragungen das Vorliegen eines Delikts, wie es in diesem Handbuch diskutiert wird, mehr oder weniger über- bzw. unterbewerten können, über oder unter dieser Zahl liegen. ( 4 ) Kommission der Europäischen Gemeinschaften: Bericht der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen zur Gleichstellung von Frauen und Männern Brüssel, , KOM(2006) 71 endg. 11

14 Europäisches Handbuch zu Gleichstellungsdaten Dis kri mi nie rung benach tei ligt wer den, zu ver bes sern. All diese grund le gen den Anti dis kri mi nie rungs ak ti vi tä ten haben eines gemein sam: Ihre Durchfüh rung erfor dert empirische Beweise für Dis kri mi nie rung oder würde dadurch zumin dest sehr viel wirk sa mer. Sta tis ti sche und ande re Daten machen Dis kri mi nie rung, die sonst ver bor - gen blei ben könn te, sich tbar, und so wird es in Kenntnis der Sach la ge mög lich, sie mit ange mes se nen Maßnah men wirk sa mer anzu ge hen. Es wurde schon vor gerau mer Zeit erkannt, wie wich tig es ist, eine Wis sens ba sis über Dis kri mi nie rung auf zu - bau en. Von inter na tio na ler und natio na ler Seite wird zuneh mend darauf ged rängt, natio na le Date ner he bungs - me cha nis men zu ent wic keln. Vers chie de ne Exp ert/ innen und Sach vers tän di ge nor ga ne haben die Sam mlung von Gleich stel lungs da ten als grund le gend, abso lut not wen dig, von ents chei den der Bedeu tung, ein Schlüs se le le ment und eine wesent li che Voraus setz ung bezeich net ( 5 ). Aus einer 2004 von der Euro päi - schen Kom mis sion durchge führ ten Erhe bung ging hervor, dass ins ge samt 93 % der Befrag ten, bei denen es sich über wie gend um Exp ert/ innen im Bereich der Antidis kri mi nie rung han del te, das Sam meln von Daten als wich tig oder sehr wich tig für die Ent wick lung wirksa mer poli ti scher Maßnah men zur För de rung der Gleichbe hand lung und zur Inang riffnah me von Dis kri mi nie run - gen bet rach te ten ( 6 ). Wo steht Euro pa in punc to Daten sam mlung? Im Bereich der Gleich stel lung von Frau en und Män nern hat sich bereits die Erkenntnis durchge setzt, dass die Verp flich tung zur Gleich be hand lung auch bein hal tet, den Fort schritt auf dem Weg zur Gleich be hand lung zu messen. Alle EU-Län der haben einige Maßnahmen ergrif fen, um Gleich stel lungs da ten zu pro du zie ren, auch im Hinblick auf Dis kri mi nie run gen auf grund der ethni schen Herkunft, der Reli gion, des Alters, einer Behin de rung und/ - oder der sex uel len Aus rich tung, aber nur ein paar Mitglied sta a ten haben dafür so etwas wie einen sys te ma ti - schen oder insti tu tio na li sier ten Rah men ent wic kelt ( 7 ). Die bisher gesam mel ten Daten sind in der Regel gut, so weit sie gehen, aber sie gehen eben nicht sehr weit. Einige der Prob le me bei den der zei ti gen Akti vi tä ten zur Sam - mlung von Daten lie gen darin, dass sie: nicht systematisch geplant oder durchgeführt werden; meist ad hoc und nicht regelmäßig durchgeführt werden; sich in der Regel nur auf einige der Diskriminierungsgründe konzentrieren; häufig auf der Verwendung von Näherungsindikatoren (mit Ausnahme des Alters) basieren, die zu Ergebnissen führen, welche für die jeweiligen Zielgruppen nicht vollkommen repräsentativ sind; im Hinblick auf die abgedeckten Lebensbereiche meist beschränkt sind; im Hinblick auf die Art der gesammelten Informationen meist beschränkt sind. Die Tat sa che, dass gegen wär tig nicht genug Daten gesam melt wer den, ist weit ge hend darauf zurück zu füh - ren, dass es an Wis sen darü ber fehlt, wie die Daten gesam melt wer den und wel chen Nutz en Gleich stel lungs - da ten brin gen kön nen. Außer dem gibt es Beden ken und Mis svers tänd nis se bezüg lich der Frage, was das Sammeln von Daten in der Prax is bein hal tet und wie sich Daten schutz ge setz e darauf aus wir ken, und auch die Vors tel lung, dass in die sem Kon text per sön li che Daten gesam melt wer den ( was bei man chen, aber nicht bei allen Arten der Date ner he bung erfor der lich ist), hat in man chen Län dern Widers tand aus ge löst. Die Fra gen, um die es geht, sind man chmal recht komp lex und erfor dern Fach wis sen auf vie len rechts - und sozial wis sen schaft li - chen Gebie ten. Diese Fak to ren erklä ren zumin dest teilwei se die der zeit eher gerin ge Akti vi tät in die sem Bereich. Diese Wis sens lüc ke soll das vor lie gen de Hand buch schließen. Es legt dar, warum und wie sta tis ti sche und ( 5 ) Jansen, Bernhard: Address by the European Commission, in Simo Mannila (Hg.): Data to Promote Equality (Helsinki: Edita, 2005); Goldston, James: Race and Ethnic Data: A Missing Resource in the Fight against Discrimination in Krizán, Andrea: Ethnic Monitoring and Data Protection (Budapest: CEU Press, 2001); Nationaler Forschungsrat: Measuring Racial Discrimination. Panel on Methods for Assessing Discrimination. Blank, Rebecca M., Dabady, Marilyn, Citro, Constance F. (Hg.), Committee on National Statistics, Division of Behavioral and Social Sciences and Education (Washington, DC: The National Academies Press, 2004); Wrench, John: The Measurement of Discrimination: Problems of Comparability and the Role of Research, in Mannila, Simo (Hg.): Data to Promote Equality (Helsinki: Edita, 2005); Ausschuss zur Beseitigung von Frauendiskriminierung (1989): Allgemeine Empfehlung Nr. 9: Statistische Daten, die die Situation der Frauen betreffen, HRI/GEN/1/Rev. 6. ( 6 ) Antwortstatistik des Grünbuchs Gleichbehandlung und Anti-Diskriminierung (in Englisch). Erhältlich unter (Stand: ). ( 7 ) Der Mangel an Datenerhebungen zu ethnischer Diskriminierung hat sich im Verlauf der von der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) durchgeführten Arbeit deutlich gezeigt. Vgl. z. B. EUMC: Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in den EU-Mitgliedstaaten Trends, Entwicklungen und bewährte Praktiken. Jahresbericht 2005 Teil 2. EUMC Im Hinblick auf die anderen Diskriminierungsgründe, möglicherweise mit Ausnahme des Alters, scheinen die Dinge sogar noch schlechter zu stehen. 12

15 1 Die grundlegenden Aspekte von Gleichstellungsdaten ande re Daten im Kon text der Bekämp fung von Dis kri mi - nie run gen gesam melt, verar bei tet und genutzt wer den sol lten. Über die ses Hand buch Die ses Hand buch ist Teil der Maßnah men, die im Ans - chluss an die Verabs chie dung und die natio na le Umsetz - ung von zwei EU-Richt li nien Richt li nie zur Gleich be - hand lung ohne Unters chied der Rasse und Richt li nie zur Gleich be hand lung im Bereich der Beschäf ti gung ( 8 ) ergrif fen wur den. Daher befasst es sich auch mit den von die sen bei den Richt li nien abge dec kten Dis kri mi nie - rungs grün den, d. h. Rasse und ethni sche Her kunft, Religion und Wel tan schau ung, Alter, Behin de rung und sex u- el le Aus rich tung, nicht aber mit ges chlechtsspe zi fi scher Dis kri mi nie rung, es sei denn als Quers chnittsthe ma unter dem Gesicht spunkt der Mehr fach dis kri mi nie rung. Aller dings sind die meis ten, wenn nicht alle hier erör ter - ten Date ner he bungs me cha nis men auch für die Unter su - chung ande rer For men der Dis kri mi nie rung, eins - chließlich ges chlechtsspe zi fi scher Dis kri mi nie rung, geeig net. Zielpublikum Die ses Hand buch rich tet sich an ein brei tes Pub li kum, ins be son de re an alle, die daran mit wir ken ( bzw. mit wir - ken sol lten), die Sam mlung von Gleich stel lungs da ten zu unters tütz en und zu pla nen und/ oder diese Daten zu benutz en. Dazu gehö ren Ents chei dungs trä ger, Beam te, Mit glie der von Gleich stel lungs grup pen und Per so nen, die für Gleich be hand lungs stel len und NRO arbei ten. Dieses Hand buch wird hof fent lich auch all jenen nütz li che Ein blic ke lie fern, die mit der Pro duk tion von Daten zu tun haben, eins chließlich Sta tis ti ker/ innen und Fors cher / innen. Ange sichts eines so brei ten Pub li kums wurde bei der Ver fas sung des Hand buchs darauf geach tet, dass es auch ohne Vor wis sen in Sta tis tik wis sen - schaft oder Anti dis kri mi nie rungs recht gele sen wer den kann. Inhalt Die ses Hand buch geht auf die Frage ein, warum und wie Gleich stel lungs da ten zusam men get ra gen wer den sol l- ten. Es befasst sich auch mit dem mög li chen Gebrauch von Gleich stel lungs da ten, aber sein Ziel besteht angesichts des aktu el len Defi zits in die sem Bereich in erster Linie darin, die EU-Mit glied sta a ten dazu zu ermu ti gen, die not wen di gen Daten erst ein mal zu sam meln. Das erste Kapi tel des Hand buchs gibt eine allge mei ne Ein füh rung in das Thema und erör tert vers chie de ne Fragen, z. B., wie sich Dis kri mi nie rung defi nie ren lässt und wie sta tis ti sche und ande re Daten im Kampf gegen Diskri mi nie run gen benutzt wer den kön nen. In Kapi tel 2 werden Daten sam mlungs met ho den erör tert, ins be son de re unter dem Gesicht spunkt der Durchfüh rung von Erhebun gen, und Fra gen im Zusam men hang mit Pri vats phä re und Daten schutz unter sucht. Die Kapi tel 3, 4, 5 und 6 gehen jeweils aus führ li cher auf die vers chie de nen Daten quel len, d. h. auf offi ziel le Statis ti ken, Beschwer de da ten, Fors chung sowie Arbeitsplatz be o bach tung und Moni to ring der Dienst leis tungs er - brin gung ein und veran schau li chen sie anhand von Best- Prac ti ce-met ho den aus vers chie de nen Län dern. Der Schwer punkt liegt auf bewähr ten und ver läs sli chen Date ner he bungs me cha nis men, daher wer den keine neuen Met ho den ange bo ten. Kapi tel 7 legt dar, warum es ohne natio na le Koor di nie rung nicht geht, und beschreibt die ein zel nen Schrit te, die zur Ent wick lung natio na ler Prak ti ken in die sem Bereich ergrif fen wer den sol lten. Auf diese Weise will das Hand buch Ents chei dungs trä - gern und ande ren Inte res sen grup pen die not wen di gen Mit tel an die Hand geben, um die natio na le Sam mlung von Gleich stel lungs da ten zu bewerten und zu verbessern. Es gibt zwar eine Reihe von Emp feh lun gen ab, die sich hauptsäch lich an Ents chei dungs trä ger auf natio na ler Ebene rich ten, aber es ist nicht darauf aus, die verant - wort li chen Krei se zur Annah me eines ein heit li chen, standar di sier ten Date ner he bungs mo dells für ganz Euro pa anzu re gen eine Hal tung, die auf der Aner ken nung der Tat sa che beruht, dass die Mit glied sta a ten der Union in vie ler Hin sicht vers chie den sind, was auch für ihre sta tisti schen Infra struk tu ren gilt. Die ses Hand buch soll Aktionen vorantreiben und die vers chie de nen Inte res sen grup pen mit sachdienlichen Hintergrundinformationen ver sor gen, die sie für diese Aktio nen brau chen. Der Zweck des Hand buchs besteht nicht darin, einen Über blick darü ber zu geben, wie Dis krimi nie rung in unse rem moder nen Euro pa zum Aus druck kommt, auch wenn hin und wie der Fors chungs er geb nis - se vor ges tellt wer den, um zu veran schau li chen, was sich mit einer bestimmten Fors chungs met ho de errei chen ( 8 ) Richtlinie 2000/43/EG des Rates vom 29. Juni 2000 zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft ( Rassengleichbehandlungsrichtlinie ) und Richtlinie 2000/78/EG des Rates zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf ( Gleichbehandlungsrichtlinie Beruf ). 13

16 Europäisches Handbuch zu Gleichstellungsdaten lässt. Und es zielt auch nicht darauf ab, Rechtsbe ra tung zu ertei len, eine umfas sen de aka de mi sche Bilanz des Phä no mens Dis kri mi nie rung zu zie hen oder eine gründ li - che Ein füh rung in die Sta tis tik wis sen schaft zu geben. Schlüsselterminologie Zunächst müs sen die ver wen de ten Haup tbeg rif fe definiert wer den. Da bezüg lich der Defi ni tion der meis ten dieser Begrif fe keine allge mei ne Übe rein stim mung herrscht, sind die fol gen den Defi ni tio nen ausschließlich für die Zwec ke die ses Hand buchs bestimmt. Der Begriff Daten bezieht sich auf jedes Stück Infor ma - tion, ob in digi ta ler oder ande rer Form ( 9 ). Die Funk tion von Daten besteht darin, dass sie etwas über bestimmte Aspek te der Wirk lich keit aus sa gen und daher nütz lich sein kön nen, wenn Ana ly sen vor ge nom men, Über le gun - gen anges tellt oder Ents chei dun gen get rof fen wer den. Die Daten kön nen eine iden ti fi zier ba re Per son bet ref fen, in wel chem Fall sie als per sön li che oder per so nen be zo - ge ne Daten bezeich net wer den. Die Per son, auf die sich die Daten bezie hen, wird Daten sub jekt genannt. Wo persön li che Daten mit Fra gen wie Rasse oder ethni sche Herkunft, Reli gion oder Wel tan schau ung, Behin de rung oder sex uel le Aus rich tung zusam men hän gen, wer den sie als sen sib le Daten bet rach tet, obwohl zu erwähn en ist, dass die Daten schutz richt li nie der Euro päi schen Kom mis sion nicht von sen sib len Daten, son dern von bestimmten Kate go rien von Daten spricht. Jede Tätig keit, die an oder mit per so nen be zo ge nen Daten aus ge führt wird, eins chließlich ihrer Sam mlung, Erfas sung, Bekanntma chung und Ver nich tung, wird als Verar bei tung bezeich net. Der Aus druck Gleich stel lungs da ten wird in die sem Hand buch für jedes Stück Infor ma tion ver wen det, das für die Ana ly se des Stands der Gleich be hand lung nützlich ist. Dabei kann es sich um quan ti ta ti ve oder qua li ta - ti ve Infor ma tio nen han deln. Der Schwer punkt liegt auf Gleich be hand lungs sta tis ti ken, d. h. auf Gesamt da ten, die Ungleich hei ten oder ihre Ursa chen oder Aus wir kun - gen auf die Gesell schaft widers pie geln. Der Begriff Gleich stel lungs grup pen wird als kol lek ti ver Name für Grup pen ver wen det, die sich für die För de rung der Gleich be hand lung ein setz en und/ oder auf grund ihrer Rasse oder ethni schen Her kunft, ihrer Reli gion oder Wel tan schau ung, einer Behin de rung oder ihrer sex uel len Aus rich tung mit Dis kri mi nie run gen oder Ungleich be - hand lung kon fron tiert waren. 1.2 Gleichbehandlung und Diskriminierung Bevor die Date ner for der nis se und die Met ho den zur Sam mlung von Gleich stel lungs da ten über prüft wer den, muss man zunächst ein mal vers te hen, was mit Gleichbe hand lung und Dis kri mi nie rung gemeint ist, und kurz umreißen, wel che ele men ta ren Dyna mi ken und Mecha nis men bei dis kri mi nie ren den Hand lun gen mit spie - len. Nur so kann man begrei fen, was eigent lich gemessen wer den soll und wie es gemes sen wer den soll. Um zu einem soli den the o re ti schen und kon zep tio nel len Rahmen zu gelan gen, wird es not wen dig sein, sich dem Themen be reich unter zwei vers chie de nen Gesicht spunk ten näm lich Recht und Sozial wis sen schaf ten zu nähern Drei Ansätze zur Gleichbehandlung Es ist wich tig, sich vor Augen zu füh ren, dass Gleich be - hand lung auch im his to ri schen Rück blick auf sehr unters chied li che Weise the o re ti siert und ges tal tet werden kann. Bei der the o re ti schen Erör te rung von Gleichstel lungs fra gen ist es heute allge mein üblich, zwi schen drei vers chie de nen For men der Gleich be hand lung zu unters chei den: Formale Gleichbehandlung. Formale Gleichbehandlung ist von Natur aus verfahrensorientiert: Sie verlangt die einheitliche Behandlung von Einzelpersonen. Einzelpersonen, die sich gleichen, sollten auch gleich behandelt werden und nicht auf der Basis ihrer Merkmale, die in einer bestimmten Situation objektiv irrelevant sind. Formale Gleichbehandlung wird durch ein striktes Verbot von Diskriminierungen durchgesetzt. Die Verwirklichung formaler Gleichbehandlung lässt sich an der Häufigkeit individueller diskriminierender Handlungen messen. ( 9 ) Eine genauere Definition für Daten wäre die materielle Verkörperung von Information in einer für die Kommunikation, Interpretation oder Verarbeitung durch Menschen oder mit automatischen Mitteln geeigneten Art und Weise. UN-Statistik- und Wirtschaftskommission für Europa: Terminology on Statistical Metadata (Genf: UN, 2000), S

17 1 Die grundlegenden Aspekte von Gleichstellungsdaten Ergebnisgleichheit. Ergebnisgleichheit ist von Natur aus substanziell: Sie konzentriert sich auf die Endergebnisse von Politiken und zielt darauf ab, in der Praxis eine gerechte Verteilung von Gütern und Leistungen zu erreichen. Die Verwirklichung von Ergebnisgleichheit erfordert Maßnahmen, die über die Umsetzung grundlegender Antidiskriminierungsgesetze und -politiken hinausgehen, und manchmal sind Maßnahmen wie die Einführung von Quoten und andere energische politische Interventionen notwendig ( 10 ). Die Verwirklichung von Ergebnisgleichheit kann mithilfe so genannter Ergebnisstatistiken, die z. B. Einkommens- und Wohlstandsunterschiede zwischen verschiedenen Gruppen messen, bewertet werden. Chancengleichheit. Bei Chancengleichheit geht es darum, einen Mittelweg zwischen diesen beiden Ansätzen zu finden. Gemeint ist ein Vorgehen, das sicherstellen soll, dass alle Menschen die gleiche Chance haben, an Aktivitäten und Dienstleistungen wie Bildung, Beschäftigung und Gesundheitsversorgung teilzuhaben. Dieser Ansatz konzentriert sich darauf, durch Maßnahmen wie das Ausmerzen von Vorurteilen und Verfahren, die zu diskriminierenden Ergebnissen führen, und durch Entschädigung für ungerechte Nachteile mittels positiver Aktionen faire Voraussetzungen für alle zu schaffen. Es ist sehr schwierig, Chancengleichheit genau zu messen: Theoretisch könnte sie durch den Vergleich der Ergebnisse zwischen Gruppen mit entsprechenden Fähigkeiten und Werten (z. B. gleiche Niveaus von Leistungsorientiertheit) gemessen werden, aber in der Praxis sind diese letzteren Variablen kaum zu kontrollieren. Daher werden die Methoden, die zur Messung formaler Gleichbehandlung und von Ergebnisgleichheit eingesetzt werden, häufig als Proxy-Messungen für Chancengleichheit verwendet ( 11 ). Die vers chie de nen For men der Gleich be hand lung bringen vers chie de ne Auf fas sun gen von Recht zum Ausdruck, und wenn sich eine bestimmte Gesell schaft für einen bestimmten Ansatz ents chei det, hängt dies in der Prax is mit dem vor herr schen den kul tu rel len und poli ti - schen Klima und ihren sozia len Wer ten zusam men ( 12 ). Auch wenn vers chie de ne Län der zu unters chied li chen Zei ten vers chie de ne Model le ver folgt haben, ist es ihnen doch gelun gen, sich für die Zwec ke des inter na tio na len Rechts auf einen gemein sa men Ansatz zum Ver bot von Dis kri mi nie run gen zu eini gen Gleichbehandlungsrecht Das Gleich be hand lungs recht in Euro pa geht im Wesentli chen auf drei Quel len zurück: die inter na tio na le und euro päi sche Men schen rechtsge setz ge bung, das EU- Recht und das natio na le Recht. Internationale und europäische Menschenrechtsgesetzgebung Das Recht aller Men schen auf Gleich be hand lung vor dem Gesetz und auf Schutz vor Dis kri mi nie rung ist ein uni ver sel les Recht, das durch eine Viel zahl inter na tio nal verein bar ter Men schen recht sins tru men te ver brieft wird, etwa durch die Uni ver sel le Erklä rung der Men schen rech - te, das UN-Ab kom men gegen Frau en dis kri mi nie rung ( - CEDAW), das inter na tio na le Abkom men zur Besei ti gung ras sis ti scher Dis kri mi nie rung ( CERD), die UN-Ver trä ge über bür ger li che und poli ti sche Rech te ( ICCPR) und über wirt schaft li che, sozia le und kul tu rel le Rech te ( ICESCR) und durch die Euro päi sche Kon ven tion zum Schutz der Men schen rech te und Grund rech te ( ECHR), die von allen EU-Mit glied sta a ten unter zeich net wur den ( 13 ). Die meisten EU-Mit glied sta a ten haben das (Nicht dis kri mi nie rung bet ref fen de) Pro to koll Nr. 12 zur Euro päi schen Kon ven - tion unters chrie ben, und eini ge haben es auch rati fi ziert. Nicht dis kri mi nie rung ist sowohl ein Recht als sol ches als auch ein fes ter Bestand teil aller Men schen rech te, da ja der Genuss aller Rech te auf einer dis kri mi nie rungs fre ien Grund la ge garan tiert sein muss ( 14 ). Man che die ser Doku men te, z. B. das UN-Ab kom men zum Schutz der bür ger li chen und poli ti schen Rech te, sehen ein allge mein anwend ba res Ver bot von Dis kri mi nie rung vor, das meh- ( 10 ) Diejenigen, die den Ansatz der Ergebnisgleichheit bevorzugen, stehen dem Ansatz der formalen Gleichheit kritisch gegenüber, da davon ausgegangen wird, dass eine identische Behandlung in der Praxis bestehende Ungleichheiten, die auf zurückliegende oder gegenwärtige Diskriminierungen oder andere Benachteiligungen zurückzuführen sind, aufrechterhält. ( 11 ) Weiterführend zu den verschiedenen Auffassungen von Gleichheit, siehe z. B. Fredman, Sandra: Discrimination Law (Oxford: Oxford University Press, 2002), S. 1-26, und MacEwen, Martin: Tackling Racism in Europe: An Examination of Anti-Discrimination Law in Practice (Oxford: Berg, 1995) S Es gibt auch andere Verfahrensweisen bei der Theorienbildung über Gleichheit. So unterscheidet z. B. McCrudden zwischen vier, sich teilweise überschneidenden Gleichheitsmodellen: das Modell der individuellen Gerechtigkeit, das Modell der Gruppengerechtigkeit, Gleichheit als Anerkennung von Identität und Gleichheit als Partizipation. Siehe McCrudden, Christopher: Thinking about the discrimination Directives, European Anti-Discrimination Law Review, Ausgabe Nr. 1, April ( 12 ) Siehe MacEwen, Martin: Tackling Racism in Europe: An Examination of Anti-Discrimination Law in Practice (Oxford: Berg, 1995), S. 25. ( 13 ) 3. Erwägungsgrund der Rassengleichbehandlungsrichtlinie. ( 14 ) Scheinin, Martin Krause, Catarina: The Right not to be Discriminated Against: The Case of Social Security in Orlin, Ted Scheinin, Martin: The Jurisprudence of Human Rights Law: A Comparative Approach (Jyväskylä: Gummerus, 2000). 15

18 Europäisches Handbuch zu Gleichstellungsdaten re re Dis kri mi nie rungs grün de umfasst, wäh rend sich ande re, wie etwa das UN-Ab kom men zur Besei ti gung ras sis ti scher Dis kri mi nie rung und das UN-Ab kom men über die Kin der rech te, auf einen ein zi gen Dis kri mi nie - rungs grund kon zent rie ren. Viele die ser Abkom men, eins chließlich ECHR, ICCPR und CERD, legen den Ver trags sta a ten die Verp flich tung auf, nicht nur von Dis kri mi nie run gen abz use hen, son dern auch posi ti ve Schrit te zu ergrei fen, um dem Recht auf ein dis kri mi nie rungs fre ies Leben Wir kung zu ver lei hen. Die Sta a ten sind gehal ten, effek ti ve Maßnah men zu treffen, um sicher zus tel len, dass das Prin zip der Nicht dis kri - mi nie rung auch von pri va ten Akteu ren beach tet wird, unter ande rem in den Berei chen Beschäf ti gung, Bil dung und Erbrin gung von Dienst leis tun gen ( 15 ). Nach der etablier ten Juris pru denz des Euro päi schen Gericht shofs für Men schen rech te sind die Ver trag spar te ien verp flich tet, Anschul di gun gen über Dis kri mi nie rung gründ lich und wirk sam zu unter su chen ( 16 ). Für eine wirk sa me Unter suchung von Dis kri mi nie rung kann es unter Ums tän den erfor der lich sein, Daten zu sam meln ( 17 ). Im Übri gen muss eine sol che Unter su chung mit ange mes se ner Sorg falt und Geschwin dig keit durchge führt wer den ( 18 ). Gleichbehandlungsrichtlinien der EU Das Nivea u des Schutz es vor Dis kri mi nie run gen wurde in der gesam ten Union durch die Verabs chie dung von zwei Gleich be hand lungs richt li nien im Jahr 2000 erheblich ange ho ben. Der Zweck die ser Richt li nien, wie in Artikel 1 der jewei li gen Doku men te dar ge legt, ist die Schaffung eines Rah mens zur Bekämp fung von Dis kri mi nie - run gen im Hin blick auf die Ver wirk li chung des Grunds - atz es der Gleichbehandlung in den Mit glied sta a ten. Gleich be hand lung wird in den Richt li nien als Frei heit von unmit tel ba rer und mit tel ba rer Dis kri mi nie rung defi niert. Auch Schi ka nie rung und die Anwei sung, zu dis kri mi nie - ren, sind als Dis kri mi nie rung zu wer ten. begrei fen. Unmit tel ba re Dis kri mi nie rung wird fol gen der - maßen defi niert: Unmit tel ba re Dis kri mi nie rung liegt vor, wenn eine Person auf grund ihrer Rasse oder ethni schen Her kunft, ihrer Reli gion oder Wel tan schau ung, einer Behin de - rung, ihres Alters oder ihrer sex uel len Aus rich tung in einer verg leich ba ren Situ a tion eine weni ger gün sti ge Behand lung als eine ande re Per son erfährt, erfah ren hat oder erfah ren würde. Das Ver bot der unmit tel ba ren Dis kri mi nie rung, wie in den Richt li nien defi niert, legt das Gewicht auf Gleich be - hand lung und beruht auf einer verg lei chen den Logik ( 19 ). Solan ge jeder, ungeach tet z. B. der ethni schen Her kunft oder einer Behin de rung, genau so gün stig behan delt wird, behan delt wor den ist oder behan delt würde, sind die gesetz li chen Vors chrif ten erfüllt. Wenn z. B. ein Unter neh mer die Zahl sei ner Arbeit skräf te redu zie ren muss und in die sem Kon text alle Arbeit neh mer/ innen, die 55 Jahre oder älter sind, ent lässt, wird dies aller Wahr schein lich keit nach als unmit tel ba re Dis kri mi nie rung auf grund des Alters gewer tet. Mit tel ba re Dis kri mi nie rung wird in den Richt li nien fol gen - der maßen defi niert: Mit tel ba re Dis kri mi nie rung liegt vor, wenn dem Anschein nach neut ra le Vors chrif ten, Kri te rien oder Ver fah ren Per so nen, die einer Rasse oder ethni schen Grup pe ange hö ren oder eine bestimmte Reli gion oder Wel tan schau ung, eine bestimmte Behin de rung, ein bestimmtes Alter oder eine bestimmte sex uel le Ausrich tung haben, in beson de rer Weise benach tei li gen kön nen, es sei denn: i) die betreffenden Vorschriften, Kriterien oder Verfahren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sachlich gerechtfertigt und die Mittel sind zur Erreichung dieses Ziels angemessen und erforderlich; Um die Richt li nien zu vers te hen, muss man zunächst die Begrif fe der mit tel ba ren und der unmit tel ba ren Dis kri mi - nie rung, wie sie in den Richt li nien defi niert wer den, ii) die Arbeitgeber werden bei Personen mit einer bestimmten Behinderung aufgefordert, angemessene Vorkehrungen zu treffen, um durch derartige ( 15 ) Siehe Makkonen, Timo: The Principle of Non-Discrimination in International Human Rights Law and EU Law. Überarbeitet und aktualisiert im August 2005 durch Juhani Kortteinen. Internationale Organisation für Migration. Verfügbar unter (Stand: 1. August 2006); Nowak, Manfred: UN-Pakt über bürgerliche und politische Rechte, CCPR-Kommentar (Kehl: N. P. Engel 1993), S ( 16 ) Siehe z. B. EuGMR, Bekos und Koutropoulos gegen Griechenland, Nr /02 (Beschluss vom 13. Dezember 2005) und EuGMR, Nachova u. a. gegen Bulgarien, Nrn /98 und 43579/98 (Beschluss vom 6. Juli 2005). ( 17 ) Siehe z. B. Europäischer Ausschuss für soziale Rechte, ERRC gegen Griechenland, Nr. 15/2003, Sachentscheidung vom ( 18 ) Siehe folgende Entscheidungen des CERD-Ausschusses der Vereinten Nationen: L.K. gegen die Niederlande, Mitteilung Nr. 4/1991; Frau M. B gegen Dänemark, Mitteilung Nr. 20/2000 ( ); Ziad Ben Ahmed Habassi gegen Dänemark, Mitteilung Nr. 10/1997. ( 19 ) Fredman, Sandra: Discrimination Law (Oxford: Oxford University Press, 2002), S. 92 ff. 16

19 1 Die grundlegenden Aspekte von Gleichstellungsdaten Vorschriften, Kriterien oder Verfahren entstehende Nachteile zu beseitigen. Auch das Kon zept der mit tel ba ren Dis kri mi nie rung basiert auf einer verg lei chen den Logik, obwohl der Verg - leich dies mal eher auf Grup pe ne be ne als auf indi vi du el ler Ebene stattfin det. Bei mit tel ba rer Dis kri mi nie rung geht es nicht so sehr um die for ma le Gleich heit der Behandlung, son dern mehr um die konk re ten Ergeb nis se ( 20 ). Tat säch lich beruht die ses Kon zept ja auf der Erkenntnis, dass die ein heit li che Anwen dung schein bar neut ra ler Krite rien man chmal dis kri mi nie rend wir ken kann. Über den - ken Sie ein mal das fol gen de Beis piel: Viele Unter neh men stel len neue Arbeit skräf te aufgrund von Emp feh lun gen der bereits bei ihnen beschäftig ten Arbeit neh mer ein und nicht über exter ne Anzeigen oder Arbeit säm ter. Eine sol che Prax is mag auf den ers ten Blick neut ral schei nen, aber in Wirk lich keit führt sie dazu, dass sich das bereits beste hen de Ungleichge wicht bei den Arbeit skräf ten erhöht und fort bes teht. Daher kann sie auch im recht li chen Sinne eine Dis kri - mi nie rung dars tel len. Arbeit ge ber und Dienst leis tungs er brin ger müs sen daher pro ak tiv und wachs am sein, sie müs sen ihre gesam ten Maßnah men und Prak ti ken über prü fen und beo bach ten, um mög li cher wei se dis kri mi nie ren de Pro zes se zu erkennen. Man darf also nicht glau ben, man befol ge die Gleich be hand lungs ge setz e, nur weil man nie man den absicht lich dis kri mi niert: Die undurchdach te Fort setz ung gewohn ter Geschäft sprak ti ken, ganz gleich wie fest sie etab liert sind, kann zu Dis kri mi nie rung füh ren und muss fol glich abges tellt wer den. Die Richt li nien räu men ein, dass es unter gewis sen Ums - tän den zu recht fer ti gen ist, Aus nah men von den oben ste hen den Regeln zuzu las sen. Ungleich be hand lung kann daher gerecht fer tigt sein, wenn eine bestimmte Eigenschaft, z. B. Alter oder ethni sche Her kunft, eine wesentli che und ents chei den de beru fli che Anfor de rung dars - tellt. So könn te z. B. das Alter als gerecht fer tig te beru fli - che Anfor de rung bet rach tet wer den, wenn ein Mann über 60 gebraucht wird, um in einer Fern seh se rie die Rolle des Großva ters zu spie len. Eine unters chied li che Behand lung auf grund des Alters stellt auch dann nicht zwangs läu fig eine Dis kri mi nie rung dar, wenn sie durch ein ande res recht mäßi ges Ziel, wie etwa Beschäf ti - gungs po li tik, gerecht fer tigt ist und die Mit tel zur Erreichung die ses Ziels ange mes sen und erfor der lich sind ( 21 ). Auch bei der Umsetz ung posi ti ver Maßnah men, die auf die För de rung der vol len Gleich be hand lung in der Prax is aus ge rich tet sind, kann es man chmal erfor der lich sein, Unters chie de zu machen ( 22 ). Für diese Zwec ke erlau ben die Richt li nien den Mit glied sta a ten ( ohne es jedoch von ihnen zu ver lan gen), spe zi fi sche Maßnah men bei zub ehal - ten oder ein zu füh ren, um Benach tei li gun gen in Ver bin - dung mit den von den bei den Richt li nien abge dec kten Dis kri mi nie rungs grün den zu ver mei den oder aus zug lei - chen. Es steht den Mit glied sta a ten also frei, sich für ein Modell der sozia len Gerech tig keit zu ents chei den, das mehr Gewicht auf die Ver wirk li chung von Gleich be hand - lung in der Prax is legt, voraus ge setzt, sie tun dies innerhalb der von der Recht spre chung des Euro päi schen Gericht shofs gezo ge nen Gren zen. Um Chan ceng leich heit für Men schen mit Behin de run gen zu garan tie ren, ver langt die Richt li nie zur Gleich be hand lung im Bereich der Beschäf ti gung von Arbeit ge bern, gege be - nen falls ange mes se ne Vor keh run gen zu tref fen ( 23 ). Die bei den Richt li nien dec ken die fol gen den Lebens be - rei che ab: Dis kri mi nie run gen auf grund der Rasse oder ethni - schen Her kunft, der Reli gion oder Wel tan schau ung, einer Behin de rung, des Alters oder der sex uel len Ausrich tung sind ver bo ten in Bezug auf: a) die Bedingungen einschließlich Auswahlkriterien und Einstellungsbedingungen für den Zugang zu unselbstständiger und selbstständiger Erwerbstätigkeit, unabhängig von Tätigkeitsfeld und beruflicher Position, sowie für den beruflichen Aufstieg; b) den Zugang zu allen Formen und allen Ebenen der Berufsberatung, der Berufsausbildung, der beruflichen Weiterbildung und der Umschulung einschließlich der praktischen Berufserfahrung; c) die Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen, einschließlich Entlassungsbedingungen und Arbeitsentgelt; d) die Mitgliedschaft und Mitwirkung in einer Arbeitnehmer- oder Arbeitgeberorganisation oder einer ( 20 ) Siehe z. B. Fredman, Sandra: Discrimination Law (Oxford: Oxford University Press, 2002), S. 106 ff. ( 21 ) Artikel 6 der Gleichbehandlungsrichtlinie Beruf. ( 22 ) Artikel 5 der Rassengleichbehandlungsrichtlinie; Artikel 7 der Gleichbehandlungsrichtlinie Beruf. ( 23 ) Artikel 5 der Gleichbehandlungsrichtlinie Beruf. 17

20 Europäisches Handbuch zu Gleichstellungsdaten Organisation, deren Mitglieder einer bestimmten Berufsgruppe angehören, einschließlich der Inanspruchnahme der Leistungen solcher Organisationen. Darü ber hinaus ist Dis kri mi nie rung auf grund der Rasse oder ethni schen Her kunft ver bo ten in Bezug auf: e) Sozialschutz, einschließlich der sozialen Sicherheit und der Gesundheitsdienste; f) die sozialen Vergünstigungen; g) die Bildung; h) den Zugang zu und die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, einschließlich Wohnraum. Es ist ein bedeu ten des Mer kmal bei der Richt li nien, dass sie darauf abz ie len sicher zus tel len, dass Per so nen, die sich dis kri mi niert füh len, effek ti ven Zugang zum Recht erhal ten. Dies be züg lich bemü hen sich die Richtlinien darum, viele der Hindernisse zu beseitigen, die früher mit der Einreichung von Diskriminierungsklagen verbunden waren. Dies tun sie unter anderem, indem sie: die Beweislast teilen. Dies bedeutet, dass der Beklagte, nachdem ein Kläger Tatsachen dargelegt hat, die auf das Vorliegen einer Diskriminierung schließen lassen, zu beweisen hat, dass nicht gegen das Gesetz verstoßen wurde. Die Beweislast gilt nicht für Strafverfahren ( 24 ). die Rolle von Statistiken als Beweis anerkennen. Die Richtlinien erlauben es den Mitgliedstaaten ausdrücklich (ohne es ihnen jedoch vorzuschreiben), Vorschriften beizubehalten oder einzuführen, nach denen es erlaubt ist, den Tatbestand der Diskriminierung mit allen Mitteln, einschließlich statistischer Beweise festzustellen ( 25 ). die Notwendigkeit anerkennen, effektiven Rechtsschutz zu gewährleisten. Diesbezüglich sollte nach der Richtlinie die Möglichkeit bestehen, dass sich Verbände oder andere juristische Personen bei einem entsprechenden Beschluss der Mitgliedstaaten im Namen eines Opfers oder zu seiner Unterstützung an einem Verfahren beteiligen ( 26 ). die Mitgliedstaaten auffordern, spezialisierte Stellen einzurichten, die unter anderem für die Bereitstellung konkreter Hilfsangebote an die Opfer rassischer oder ethnischer Diskriminierung zuständig wären ( 27 ). Nationales Antidiskriminierungsrecht Alle Mitgliedstaaten der Union hatten die EU-Richtlinien in ihren Rechtssystemen umzusetzen, und ihre Gesetze müssen auch den aus internationalem Recht hervorgehenden Verpflichtungen genügen. Tatsächlich haben die internationalen und gemeinschaftlichen Instrumente ihre nationalen Gesetze erheblich beeinflusst. Die internationalen und europäischen Standards geben allerdings nur das minimale Niveau an Schutz vor Diskriminierungen vor; viele Länder sind über diese Anforderungen hinausgegangen und haben den Schutz auch auf Diskriminierungsgründe und/oder Lebensbereiche ausgedehnt, die von diesen Instrumenten nicht abgedeckt waren ( 28 ). Daher sollte dem Wirkungsbereich des nationalen Rechts bei der Planung der Sammlung von Gleichstellungsdaten Rechnung getragen werden. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass Antidiskriminierungsvorschriften in verschiedenen Rechtsarten enthalten sein können, einschließlich des Verfassungsrechts, des Zivilrechts (insbesondere Arbeits- und Beschäftigungsrecht) und des Strafrechts ( 29 ) Die sozialwissenschaftliche Perspektive Viele Teilnehmer der Diskriminierungsdebatte gehen davon aus, dass Diskriminierung etwas ist, was zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem bestimmten Lebensbereich geschieht, und dass in der Regel eine beschränkte Zahl von Personen das/die Opfer und der/die Täter ( 24 ) Artikel 8 der Rassengleichbehandlungsrichtlinie; Artikel 10 der Gleichbehandlungsrichtlinie Beruf. ( 25 ) Siehe die identischen 15. Erwägungsgründe der Gleichbehandlungsrichtlinie Beruf und der Rassengleichbehandlungsrichtlinie. ( 26 ) Artikel 7 Absatz 2 der Rassengleichbehandlungsrichtlinie; Artikel 9 der Gleichbehandlungsrichtlinie Beruf. ( 27 ) Artikel 13 der Rassengleichbehandlungsrichtlinie. ( 28 ) Cormack, Janet Bell, Mark: Die Entwicklung des Antidiskriminierungsrechts in Europa. Ein Vergleich in den 25 EU-Mitgliedstaaten. Das Europäische Netz unabhängiger Sachverständiger im Bereich der Nichtdiskriminierung. September Erhältlich unter ( 29 ) Zur Situation in den verschiedenen EU-Ländern siehe die Länderberichte der Mitglieder des Netzes unabhängiger Rechtsexpert/innen unter (Stand: 1. September 2006). 18

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