Kapitalmarktunion kann Wachstum in Europa fördern Banken bleiben Rückgrat der Mittelstandsfinanzierung

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1 Zur Lage der Unternehmensfinanzierung Kapitalmarktunion kann Wachstum in Europa fördern Banken bleiben Rückgrat der Mittelstandsfinanzierung 25. Februar 2015 Die Finanzierungssituation der Unternehmen in Deutschland ist weiterhin sehr günstig. Kredite sind für viele Unternehmen vergleichsweise leicht und zu außergewöhnlich günstigen Zinsen zu bekommen. Gleichzeitig konnten deutsche Unternehmen ihre Eigenkapitalbasis zuletzt weiter stärken. Insgesamt war die Kreditnachfrage der Unternehmen auch im Schlussquartal 20 verhalten. Dies war Ausdruck einer weiterhin anhaltenden Investitionszurückhaltung sowie von Unsicherheiten im konjunkturellen Umfeld bei gleichzeitiger guter Liquiditätsausstattung der Unternehmen. Mit der Veröffentlichung des Grünbuchs zur Kapitalmarktunion am 18. Februar 2015 steht wieder ein großes Finanzmarktprojekt auf der Agenda der europäischen Kommission. Die Vertiefung des europäischen Binnenmarktes im Bereich des Kapitalmarktes kann Wachstum fördern. Voraussetzung sind ein leistungsstarkes Bankensystem und wettbewerbsfähige Wirtschaftsstrukturen. Deutsche Wirtschaft gewinnt wieder etwas an Fahrt Auf den ersten Blick kann das Wirtschaftswachstum in Deutschland im vergangenen Jahr durchaus als befriedigend bewertet werden. Das reale BIP stieg im Jahresdurchschnitt um 1,6 % und expandierte damit stärker als das Produktionspotenzial, dessen Wachstumsrate zurzeit nur noch auf gut 1 % veranschlagt wird. Beim näheren Hinsehen hat jedoch der Konjunkturverlauf im vergangenen Jahr herb enttäuscht: Im zweiten und dritten Quartal kam das Wirtschaftswachstum praktisch zum Erliegen, und vor allem die lange erwartete Erholung der Investitionen blieb deutlich hinter den Prognosen zurück. Die Ursachen für die konjunkturelle Schwäche im Sommerhalbjahr 20 sind vielfältig. Sie reichen von den zahlreichen geopolitischen Risiken (u. a. Ukraine-Russland-Konflikt und Naher Osten), über eine relativ schwache Entwicklung der Weltwirtschaft bis hin zum Wiederaufflackern der europäischen Staatsschuldenkrise. In Unternehmensumfragen werden aber auch die zum Teil stark umstrittene nationale Wirtschaftspolitik (teure Wahlgeschenke, keine Verbesserung der Wachstumsbedingungen) sowie die Unsicherheit über eine langfristig verlässliche Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen als Investitionsbremse genannt.

2 Im vierten Quartal 20 konnte die Konjunktur in Deutschland allerdings wieder Fahrt aufnehmen. Der außerordentlich starke Einbruch der Rohölpreise und die Abwertung des Euro dürften hierbei geholfen haben. Legt man die konjunkturellen Frühindikatoren, wie Stimmungsindikatoren und Auftragseingänge, zugrunde, dann dürfte sich diese positive Entwicklung auch zum Jahresbeginn 2015 fortgesetzt haben. Auch die Tatsache, dass die Inflationsrate im Euro- Raum seit Dezember 20 im negativen Bereich liegt, dürfte daran nichts geändert haben. Der Rückgang des allgemeinen Preisniveaus ist dabei vor allem auf den massiven Rückgang der Ölpreise zurückzuführen. Eine gefährliche Deflationsspirale droht dadurch aus heutiger Sicht jedoch nicht, denn von den günstigen Energiepreisen profitieren die meisten Unternehmen ebenso wie die Konsumenten. Gleichwohl bleibt der konjunkturelle Ausblick für das laufende Jahr nach wie vor mit erheblichen Risiken belastet. Neben dem weiterhin akuten Ukraine- Russlandkonflikt und den ungewissen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen in Griechenland, könnte auch von der potenziellen Zinswende in den USA konjunkturelles Störpotenzial ausgehen. Bei einer leichten Beschleunigung der Weltwirtschaft hier sollten die Impulse insbesondere von den USA und Großbritannien ausgehen und einer Fortsetzung der zaghaften Erholung im Euro-Raum dürfte die deutsche Wirtschaft im Jahr 2015 real erneut um etwa 1,5 % wachsen. Wichtige Impulse sollten dabei weiterhin von der Binnennachfrage kommen. Sie profitiert wiederum von der sehr niedrigen Teuerungsrate, den extrem niedrigen Zinsen, steigenden Reallöhnen und einem weiteren Rückgang der Sparquote. Auch die Zahl der Beschäftigten dürfte 2015 weiter steigen. Kreditnachfrage weiterhin verhalten Die Kreditnehmerstatistik der Bundesbank für Unternehmen und Selbständige liefert wichtige Informationen zur aktuellen Lage der Unternehmensfinanzierung. Demzufolge blieb die Nachfrage der Unternehmen und Selbständigen nach Krediten auch im Schlussquartal 20 verhalten. Ausdruck hierfür ist ein Rückgang des Kreditbestandes insgesamt gegenüber dem Vorjahresquartal von -0,6 % (siehe Tabelle). Diese Entwicklung resultierte insbesondere aus einem Rückgang im Sparkassensektor um -0,8 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Bei den Kreditbanken und im Genossenschaftssektor gab es hingegen im Berichtszeitraum positive Wachstumsraten gegenüber dem Vorjahreswert (+0,6 % bzw. +0,4 %). Es zeichnet sich seit einigen Quartalen ein Trend zu einem recht dynamischen Wachstum bei den Zweigstellen ausländischer Banken (innerhalb der Kreditbanken) ab. Offensichtlich nehmen diese die deutschen Unternehmen als attraktive Kundengruppe wahr. Insgesamt profitieren die Unternehmen von einer weiterhin guten Innenfinanzierungssituation, die ihnen bei vergleichsweise schwacher Investitionstätigkeit die Finanzierung eines wesentlichen Teils ihrer Investitionen ermöglichte. Damit blieben die Einflussfaktoren auf die Lage der Unternehmensfinanzierung wie sie im Jahresverlauf zu beobachten waren auch zum Jahresende weitgehend stabil. Der Unternehmenssektor bleibt damit Nettogläubiger der Banken. Seite 2 / 7

3 Kredite an inländische Unternehmen und wirtschaftlich Selbständige (ohne Wohnungsbau und ohne Finanzierungsinstitutionen) Jahr Insgesamt* Kreditbanken Sparkassen und Genossenschaftssektor Landesbanken Stand am Jahres- bzw. Quartalsende in Mrd ,61 220,98 387,56 2, ,36 215,77 384,01 8, ,65 222,23 384,34 151, ,00 222,31 384,51 162, ,96 219,27 376,43 167,74 1. Q ,28 220,29 374,25 169,51 2. Q ,74 224,38 375,18 171,42 3. Q ,09 224,12 375,27 172,83 4. Q ,51 224,82 364,29 171,74 Veränderung gegenüber Vorjahr (in %) ,6-8,4-3,6 +4, ,4 +2,3-0,9 +12, ,6 +0,9 +0,1 +3, ,3-2,3 +0,6 +5,3 20-1,5-1,5-2,0 +3,1 1. Q. 20-1,8-2,1-2,4 +2,7 2. Q ,6 +0,9-1,5 +3,1 3. Q ,0 +1,7-1,4 +3,4 4. Q. 20-0,6 +0,6-0,8 +0,4 * Zum Berichtskreis gehören zusätzlich: Realkreditinstitute, Bausparkassen und Banken mit Sonderaufgaben. Quelle: Deutsche Bundesbank Februar Fördergeschäft mit Unternehmen rückläufig Die Programme der Förderbanken der Länder, des Bundes und der EU waren auch im Jahr 20 ein wichtiger Bestandteil der Produktpalette der Banken für Unternehmen. Die Förderzusagen der KfW sind insgesamt nach eigenen Angaben im Jahr 20 auf ein Gesamtvolumen von 74,1 Mrd. gestiegen (20: 72,5 Mrd. ). Allerdings gab es bei der Inlandsförderung mit 47,6 Mrd. einen deutlichen Rückgang gegenüber dem Vorjahr (20: 51,6 Mrd. ). Der Rückgang betraf vor allem die Unternehmensfinanzierung. Die anhaltende Investitionszurückhaltung, Unsicherheiten im konjunkturellen Umfeld und die gute Liquiditätsausstattung der Unternehmen haben auch im Fördergeschäft zu einer verhaltenen Nachfrage der Unternehmen in Deutschland geführt. 1 Bei den Bestandszahlen für das Kreditvolumen gab es im Dezember 20 einen (statistischen) Sondereffekt, da die Bundesbank aufgrund der Umstellung der Meldeanforderungen der EZB (Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen, ESVG 2010) Umklassifizierungen beispielsweise bei Holding-Gesellschaften vornehmen musste. Die Differenz der Bestände spiegelt daher nicht die durch Transaktionen entstandenen Veränderungen wider. Diese sind in den (bereinigten) Veränderungszahlen dargestellt. Seite 3 / 7

4 Kapitalmarktunion kann Wachstum fördern Banken bleiben Rückgrat der Mittelstandsfinanzierung Die Europäische Kommission hat mit dem am 18. Februar 2015 vorgelegten Grünbuch zur Kapitalmarktunion eine wichtige Debatte zur Finanzierung der Wirtschaft angestoßen. Die Kapitalmärkte in der EU wurden in den vergangenen Jahrzehnten schon an vielen Stellen vereinheitlicht. Es bestehen aber weiterhin zahlreiche Hürden, die abgebaut werden sollten. Dabei wird es maßgeblich darauf ankommen, einen soliden Regulierungsrahmen zu schaffen, der die weitere grenzüberschreitende Integration der Finanzmärkte mit einheitlichen Finanzprodukten und -dienstleistungen vorantreibt, ohne die Wirtschaft zu belasten. Ziel der Kapitalmarktunion soll es sein, den europäischen Kapitalmarkt effizienter, wettbewerbsfähiger und vielfältiger zu machen und damit gleichzeitig auch widerstandsfähiger gegen mögliche Schocks. Dies wäre eine gute Basis, um eine dynamische und innovative Wirtschaft in der EU zu finanzieren, sowohl mit Eigen- als auch mit Fremdkapital. Dazu gehören zum Beispiel Venture Capital, Private Equity, Börsengänge, Aktienemissionen, Unternehmensanleihen oder die Verbriefungen von Unternehmenskrediten. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wird allerdings auch in Zukunft der Bankkredit das wichtigste Finanzierungsinstrument bleiben, sowohl in Deutschland als auch im übrigen Europa. Das ist aufgrund der Intermediationsfunktionen der Banken auch sinnvoll. Zwar gilt es, neben dem Bankkredit weitere Finanzierungsinstrumente für KMU zu entwickeln, entscheidendes Rückgrat der Mittelstandsfinanzierung bleibt aber ein leistungsstarkes Bankensystem. Eine Kapitalmarktunion ist daher vor allem von Vorteil für international tätige Kapitalmarktteilnehmer. KMU ziehen daraus zunächst keinen unmittelbaren Nutzen. Sie profitieren aber, wenn der höhere Integrationsgrad auch tatsächlich zu mehr Wettbewerb und sinkenden Preisen oder Zinsen führt. Der Erfolg der Kapitalmarktunion wird am Ende nicht alleine von der Regulierung bestimmt. Ohne Wachstumsperspektive werden Unternehmen auch in einer Kapitalmarktunion notwendige Investitionen scheuen. Für den Bankkredit und die Kapitalmarktfinanzierung gilt in gleichem Maße, dass nur wettbewerbsfähige Unternehmen die Mittel für ihre Investitionen erhalten können. Nur mit einem wettbewerbsfähigen Europa kann die Kapitalmarktunion erfolgreich sein. Seite 4 / 7

5 Deutsche Unternehmen haben Eigenkapitalbasis weiter gestärkt Die Eigenkapitalquote erreichte nach den aktuellen Angaben der Bundesbank mit 28 % im Jahr 20 einen neuen Höchststand. Sie lag 0,25 Prozentpunkte über der des Vorjahres. Seit dem Jahr 2000 stieg die Eigenkapitalquote kontinuierlich von knapp 19 % um über 9 Prozentpunkte an. Bei deutschen Unternehmen hat sich damit der langfristige Trend zur Stärkung der Eigenkapitalbasis weiter fortgesetzt. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bauten ihre Eigenkapitalbasis zuletzt deutlich aus. Mit 25 % liegt die Eigenkapitalquote bei den KMU weiterhin unter dem Durchschnitt aller Unternehmen. Die Großunternehmen haben ihre Eigenmittel auf knapp 30 % ausgebaut. Unternehmen stützten sich verbreitet auf die Innenfinanzierung. So ist im Jahr 20 der Cashflow der Unternehmen insgesamt gestiegen. Die Mittelzuflüsse von außen waren hingegen geringer als 2012, was insbesondere damit zusammenhing, dass die Unternehmen in geringerem Umfang neue langfristige Bankkredite aufgenommen haben. Der Anstieg der Eigenkapitalquote für die Gesamtheit der Eigenkapitalquote deutscher Unternehmen Eigenkapital in % der Bilanzsumme Unternehmen lässt sich zu 30 27,5 27,75 28,0 einem gewissen Teil auch 28 27,0 auf einen strukturellen Effekt zurückführen, der 23,8 24,5 24,9 25, , ,8 sich daraus ergibt, dass die 22 21,1 21,6 traditionell besser mit 19, ,6 Eigenkapital ausgestatteten 18 Großunternehmen im 16 Betrachtungszeitraum deutlich stärker gewachsen sind als die kleinen und 12 mittleren Unternehmen Quelle: Deutsche Bundesbank, Dezember 20. Zinsaufwand der Unternehmen sehr gering Der Zinsaufwand der Unternehmen in Deutschland ist laut der Unternehmensbilanzstatistik der Bundesbank während der vergangenen Jahre gesunken und heute sehr gering. Er lag im Jahr 20 bei nur noch 1,06 % (1,07 % im Jahr 2012). Material- und Personalaufwendungen sind mit zusammen über 80 % der Gesamtaufwendungen im Durchschnitt die größten Aufwandspositionen der Unternehmen in Deutschland. Seite 5 / 7

6 Kreditvergabestandards für Unternehmen in Deutschland unverändert Nach den Ergebnissen der Umfrage im Rahmen des Bank Lending Survey der EZB haben die deutschen Banken ihre Kreditstandards mit Unternehmen per Saldo unverändert gelassen. Die Banken haben die erfragten Kreditbedingungen unter anderem Sicherheitenerfordernisse, Zusatzvereinbarungen und Kreditnebenkosten gelockert. Bank Lending Survey Anteil des Saldos von Verschärfungen und Erleichterungen der Kreditvergabestandards der Banken an den Meldungen Positive Salden zeigen Verschärfungen, negative Salden Erleichterungen der Kreditvergabestandards der Banken an Euro-Raum Deutschland Verschärfungen Lockerungen Quellen: EZB und Deutsche Bundesbank, Januar Im übrigen Euro-Raum haben die Banken ihre Vergabestandards im Firmenkundengeschäft leicht gelockert. Die Nachfrage der Unternehmen im Euro-Raum nach Krediten legte im Schlussquartal spürbar zu und zog so stark an wie zuletzt zu Jahresbeginn Seite 6 / 7

7 Zinsen weiterhin extrem niedrig Im vierten Quartal 20 hat sich das extreme Niedrigzinsumfeld weiter verfestigt. So sanken die Zinsen für langfristige Unternehmenskredite leicht und Effektivzinssätze von Krediten bis 1 Mio. blieben für kurzfristige Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften insgesamt nahezu unverändert. (Neugeschäft) in % Die Banken verlangten zuletzt 4,0 für kurzfristige Mittel an Unternehmen durchschnittlich 2,8 % 3,5 3,0 für kleinvolumige beziehungsweise 1,6 % für großvolumige 2,5 Kredite. Die Zinsen für langfristige Kredite an nichtfinan- 2,0 Apr Mai Jun Jul AugSep OktNovDez Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul AugSep OktNovDez zielle Unternehmen lagen zuletzt Kredite mit anfänglicher Zinsbindung bis 1 Jahr bei 2,1 % beziehungsweise Kredite mit anfänglicher Zinsbindung von über 1 bis 5 Jahren 2,0 % und erreichten damit Kredite mit anfänglicher Zinsbindung von über 5 Jahren einen neuen historischen Tiefstand. Quelle: Deutsche Bundesbank, Februar ,5 Effektivzinssätze von Krediten über 1 Mio. an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften (Neugeschäft) in % 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt NovDez Kredite mit anfänglicher Zinsbindung bis 1 Jahr Kredite mit anfänglicher Zinsbindung von über 1 bis 5 Jahren Kredite mit anfänglicher Zinsbindung von über 5 Jahren Quelle: Deutsche Bundesbank, Februar Herausgeber: Bundesverband deutscher Banken e.v., Postfach , Berlin, Telefon , Telefax , V.i.S.d.P.: Iris Bethge, Geschäftsführerin Kommunikation; Inhaltliche Verantwortung: Markus Becker-Melching, Geschäftsführer Unternehmensfinanzierung Bundesverband deutscher Banken e.v. Der Bankenverband ist die Interessenvertretung der privaten Banken in Deutschland. Seite 7 / 7

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