Das Märchen von der Wunderblume

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1 Das Märchen von der Wunderblume Von einer Wunderblume erzählt man: Wer sie findet und blühend zum König bringt, den macht er zur Königin. Nun waren da zwei Schwestern - die eine schön, die andere hässlich. Sie suchten Beeren im Wald und hörten plötzlich einen Zwerg jammern, der sich nicht mehr aus dem Dornengestrüpp befreien konnte. Während das schöne Mädchen den Zwerg auslachte, hatte das hässliche Mädchen den Zwerg befreit und ihn ganz sachte auf die Erde gesetzt. Zum Dank zeigte der Zwerg den beiden Mädchen den Weg zur Wunderblume - zu finden an einer Quelle. "Geh du ruhig nach Hause! Auch wenn du die Wunderblume findest, du wirst sowieso nicht Königin, denn du bist viel zu hässlich", meinte die schöne Schwester zur hässlichen Schwester - und machte sich allein auf den Weg. Zuerst begegnete sie auf ihrem Weg einer alten liegengebliebenen Hacke - und die Hacke rief ihr zu: "Nimm mich mit!" "Ach, du bist mir viel zu schmutzig," meinte die schöne Schwester und ging weiter. Dann stand auf ihrem Weg eine alte rostige Gießkanne - und auch die rief dem Mädchen zu: "Nimm mich mit!" "Du bist mir viel zu schwer", sagte das Mädchen, ließ die Gießkanne stehen und ging weiter. Zuletzt lag auf dem Weg zur Wunderblume ein Bündel Bast - und auch das Bündel Bast rief ihr zu: "Nimm mich mit!" Doch nur ganz abfällig sagte das Mädchen zu dem Bündel Bast: "Du bist mir zu wertlos." Schließlich kam sie zu der Wunderblume. Aber siehe da: Die Quelle war versiegt und die Wunderblume verdorrt. Die schöne Schwester fühlte sich betrogen und warf sich ins Gras und weinte bitterlich. Die hässliche Schwester machte es da viel besser. Als ihr auf ihrem zuerst die Hacke, dann die Gießkanne und zuletzt das Bündel Bast am Wegesrand zuriefen: "Nimm mich mit!", da sagte das Mädchen: "Gern! Vielleicht kann ich euch noch brauchen." Als sie die Quelle erreichte, war die Quelle immer noch versiegt und die Wunderblume verdorrt. Aber das hässliche Mädchen nahm die Hacke und lockerte die Erde, goss mit der Gießkanne die verdorrte Blume und band sie mit einem Stück von dem Bündel Bast fest. Und auf einmal fing die Blume erneut an zu leben, sie fing an zu wachsen, streckte eine neue Knospe der Sonne entgegen und öffnete sich zu einer großen Wunderblüte! Das hässliche Mädchen aber merkte gar nicht, wie es auf einmal über der Arbeit und dem Betrachten und Staunen über diese Blume selbst schön geworden war. Als nun der König das schöne Mädchen mit der Blume sah, machte er es gleich zur Königin. Die schöne Schwester aber wurde von Tag zu Tag hässlicher, weil Neid und Eifersucht sie auffraßen. Das Zauberwort für jeden Neuanfang, das von nun an im ganzen Land die Runde machte, hieß: "Gern, vielleicht kann ich dich noch brauchen!"... Gesegnet sei dein zurückliegendes Jahr mit all dem, was du darin gelebt, geliebt und durchlitten hast. Gesegnet sei dein neues Jahr, gesegnet, die Wege, die du beschreitest, die Menschen, denen du begegnest, die Arbeit, die tu tust, die freie Zeit, an der du dich erfreust. Gesegnet seien deine Angst und dein Mut, deine Hoffnung und deine Enttäuschung, deine Sehnsucht und Erfüllung. Gesegnet seien die Menschen, die dir Geborgenheit schenken. Gesegnet seien dein Alltag und deine Höhenflüge, deine Einsamkeiten und deine Freundschaften, gesegnet jeder Moment, in dem du liebend über dich hinaus wächst und lebst. Gesegnet seien alle deine Tage und jede Stunde. Gesegnet sei jeder Atemzug, der dich belebt. Gesegnet seien alle deine guten Taten, die du im Stillen tust. Gesegnet seiest du mit allem, was dich ausmacht. Gesegnet seiest du durch die Gegenwart Gottes, der dich liebend hält und trägt. Gesegnet seien alle Menschen, die auch dir den Segen spenden. Was für einen Neuanfang will ich dieses Jahr wagen? Was für Utensilien brauche ich dazu? Wo kann auch bei mir aus etwas hässlichem etwas Schönes entstehen? Impuls 01/09, Maximilian Strozyk

2 Drei Könige Es reicht heute fast ein Wort: TomTom! Fast jeder weiß, dass es sich dabei um ein Navigationssystem handelt. Auch die Geräte von Becker, Medion und anderen Herstellern stehen hoch im Kurs. So manches Navi wird unter einem der nun langsam verwelkenden und nadelnden Weihnachtsbäume gelegen haben. Der ist ja auch praktisch, der kleine Kasten, der so viel weiß. Der immer den besten Weg zum Ziel kennt. In zweihundert Metern bitte rechts abbiegen. Oder der mich durchaus bestimmt auf meine Fehler aufmerksam macht: Wenn möglich, jetzt wenden! Die drei Weisen aus dem Morgenland, deren Fest wir in diesen Tagen feiern, fanden ihr Ziel auch. Ohne moderne Technik, aber dafür mit einem einmaligen Navigationssystem, dem Stern von Bethlehem, der sie direkt zum Kind in der Krippe geführt hat, zum Herrn, dorthin, wo die Geburt eines Kindes die Welt und auch den Sternenhimmel auf den Kopf gestellt hat. Einen Unterschied zwischen dem antiken Navi und der heutigen Technik gibt es aber: Wir müssen dem kleinen Computer heute sagen, wohin wir wollen, damit er für uns einen angenehmen Weg berechnet. Die drei Weisen kannten ihr Ziel nicht. Sie ahnten, dass etwas Großartiges geschehen sein muss. In welche Ortschaft der Stern sie führen würde, wussten sie nicht. Trotzdem nahmen sie auf ihre Reise wertvolle Geschenke mit, um vorbereitet zu sein auf das, was kommen sollte. Viele haben heute das Gefühl, ziellos durch diese Welt zu gehen. Doch der Stern von Bethlehem scheint auch heute. Er gilt uns allen und deutet noch immer auf Jesus selbst. Vielleicht kann dies ein Ziel im Zeichen des Sternes sein für die kommende Zeit, die ausklingende Weihnachtszeit: Näher zum Herrn zu kommen. Was bringen wir ihm mit? Wertvolle Geschenke sind da nicht wichtig. Wie wäre es stattdessen, wir begegnetem ihm mit Zuneigung, offenen Ohren, die seiner Botschaft zuhören und dem offenen Herzen, das nötig ist, um sein Wort zu verstehen und es in unserem Leben umzusetzen, damit die Frohe Botschaft von der Geburt des Herrn Wurzeln schlägt in uns. Wenn ich das Kind, das wir an Weihnachten feiern und begrüßen in mir selbst zur Welt bringe, wenigstens den Versuch dazu unternehme, dann muss sich mein Leben ändern! Dann weiß ich: Gott liebt mich mit einer Liebe, die mir zuvorkommt. Dann weiß ich aber auch: Nur wenn ich diese Liebe verschenke, bleibe ich in dieser Liebe. Denn wer sich hingibt, der empfängt; wer sich selbst vergisst, der findet; wer verzeiht, dem wird verziehen; und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. aus Frankreich Gebet Herr, du bist bei uns und gehst mit uns. Egal, von wo wir kommen: Nordamerika Südamerika Afrika Asien Australien Europa Alle Wege führen zu dir. Egal, warum wir kommen: aus festem Glauben aus Neugier mit einem letzten Funken Hoffnung aus Überzeugung mit tiefen Zweifeln Keinen weist du zurück. Egal wie wir kommen: arm oder reich jung oder alt krank oder gesund müde oder ausgeruht gradlinig oder auf Umwegen Allen zeigst du den Weg zu dir. Beschütze uns auf diesem Weg, damit wir unser Ziel gesund und sicher erreichen. Segne uns Herr, du unser Vater, Sohn und Heiliger Geist. Wie hast du Weihnachten erlebt? Bist du dem Kind in der Krippe, dem Herrn näher gekommen? Was möchtest du dem Herrn schenken in den kommenden Tagen? Impuls 02/09, Lutz Kreilos

3 Wir sollen auch leben. Ich soll auch leben. Ich lebe. Mit beiden Beinen stehe ich auf dieser Erde. Ich kann beobachten und unterscheiden; ich kann Stellung beziehen und Zusammenhänge erkennen. Ich lebe. Und es ist kein Zufall, dass ich da bin. Die Natur hätte Abermilliarden von Möglichkeiten gehabt, doch Gott hat mich gewollt. Jede Zelle meines Körpers ist die Antwort auf den Willen meines Schöpfers. Ich setze keinen Fuß vor den anderen, ohne dass er mir dazu die Kraft gibt. Leben einbaue und welche der Möglichkeiten ich lieber in der Kiste lasse. Wir können auch gar nicht immer alle Steine verwenden, sondern müssen uns irgendwann entscheiden, ob wir bildlich gesprochen- lieber eine Ritterburg oder ein Indianerdorf bauen. Uns verbindet, dass wir alle die Pfadfinderei und damit auch den Baustein Glauben in unser Leben eingebaut haben. Jeder und jede auf eine individuelle, persönliche Art und Weise. Mal sind die Steine, die wir dafür setzten größer, mal kleiner. Aber ganz egal wie groß der Stein ist, verbindet er uns untereinander und stellt unser Leben bewusst in Verbindung mit Gott. Christus ist es, der von den Bauleuten in der Heiligen Schrift verworfen wurde, dann aber zum Eckstein für ein ganz neues Gebäude wurde. Auf ihn können wir bauen, er bietet uns an, das Fundament für unser Leben zu sein. Ein Fundament, das trägt, das fest und für die Ewigkeit ist. Dass bedeutet, dass wir unser Zitat Jesu erweitern können: Ich lebe. Und ihr sollt auch Leben. Mit mir. Vater, ich will an dich glauben und dir mein Vertrauen schenken. Ich will deine Zusage annehme und neu anfangen zu hoffen, dass du mir weiterhilfst. Ich lebe. Mit beiden Händen will ich dieses Leben annehmen und mit meinem Geist und meinem Herz. Niemand soll es mir entreißen und von mir ungewollte Prägungen geben. Ich lebe. Dafür will ich dankbar sein. Ich will mich einmischen mit meinem Leben in Dinge, die zu ändern sind, ich will mit meinem Leben helfen, das Gute weiterzuentwickeln. Mein Leben soll ein Baustein sein für einen Bau, den Gott bewohnt und der dem Menschen würdig ist. Leben: Noch an Weihnachten haben wir dieses Wunder gefeiert. Auch an Geburtstagen erinnern wir uns gerne an die vergangene Zeit, die wir alle unterschiedlich erlebt haben. Das Leben ist nicht nur ein Wunder, sondern auch ein Geschenk, das wir von Gott erhalten haben. Gott ist es, der uns die Zusage gibt, dass wir ein erfülltes Leben führen können, sollen und dürfen. Jede und Jeder von uns ist also gewollt, ist geliebt. Diese Zusage Gottes gilt immer, sie ist unauflöslich. Aber Gott schenkt uns nichts Festes, Vorgeformtes. Er stellt uns sozusagen einen Bausatz zur Verfügung, aus dessen Möglichkeiten wir unser Leben bauen und gestalten können. Gott lebt und wir sollen auch leben. Er macht den ersten Schritt auf uns zu. An mir persönlich liegt es dann auszuwählen, welche Bausteine ich in mein Ich bitte dich, hilf mir eine gute Lösung für mein Leben zu finden, damit ich meine Ideen und Gedanken in die Tat umsetzen kann. Nimm mir die Angst, Unmögliches zu versuchen und Neues in Angriff zu nehmen, damit ich nicht stehen bleibe und den Moment meines Lebens verpasse. Berate mich durch deinen Geist, wie ich den Fragen des Lebens begegnen kann, damit ich aus Unsicherheiten und Zweifeln herauskomme und innerlich lebendig bleibe. Schenke mir das Vertrauen in dich als Fundament, damit ich mein Leben ganz auf dich bauen kann und immer einen Platz für dich in meinem Herzen habe. Denn das Leben, das du mir gegeben hast, ist für mich wichtig. Ich will es immer wieder neu von dir annehmen. Weil du selbst das Leben bist. Was bedeutet Leben für mich? Worauf baue ich mein Leben? Was baue ich in mein Leben ein? Impuls 3/08, Maximilian Strozyk

4 Sprachlos?! Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren. Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich! Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit, und er konnte richtig reden. Jemand ist vor... sprachlos; jmd. kann zeitweise nicht sprechen, weil er von der genannten Sache überwältigt ist. Diese Definition von Sprachlosigkeit findet man in einem gängigen Wörterbuch. Aber mit dieser Sprachlosigkeit ist ja, wenn wir spontan darüber nachdenken, etwas anderes gemeint, als in der Stelle aus dem Markusevangelium. Der Taubstumme im Evangelium ist physisch unfähig zu sprechen und zu hören, er ist ein Behinderter. Während das Nichtsprechenkönnen vor Staunen zeitlich begrenzt ist, so ist es höchstwahrscheinlich, dass der Taubstumme nie wieder im Leben hätte sprechen können, wenn nicht Jesus gekommen wäre. Seit letzter Woche habe ich eine besondere Beziehung zu dieser Geschichte. Ich war mit der Uni in Rom, zwar nicht zum ersten Mal, doch ist die Stadt immer wieder unglaublich beeindruckend. Nicht nur die historische Geschichte der Stadt und die vielen Sehenswürdigkeiten. Für uns als Christen ist Rom natürlich nochmal von besonderer Bedeutung, das Grab des Apostel Petrus und der Papst und eine Vielzahl beeindruckender Kirchen lassen sich in Rom besuchen und entdecken. (Wie z.b. die Kirche St. Paul vor den Mauern aus der das Foto mit dem Mosaik stammt.) Wir hatten ein straffes Programm, aber auch immer wieder etwas Zeit für uns, sodass wir in die Kirchen gehen konnten, an einer Audienz beim Papst teilnehmen etc. Donnerstagmorgen seit Samstag waren wir da - wachte ich auf und es ging mir furchtbar schlecht. Als ich ins Bad ging wurde mir auch der Grund bewusst: mein ganzer Hals war geschwollen. Ich konnte den ganzen Vormittag nicht reden und musste schweigend neben meinen Freunden herlaufen. Zum Glück wurde es nach einiger Zeit wieder besser, aber ganz weg ist es bis jetzt noch nicht. Meine Laune war dementsprechend eher schlecht. Freitags feierten wir in einer röm. Kirche Messe, da sie auf Italienisch war, konnte man nicht viel verstehen, nur das Effata! machte klar welche Stelle wir aus dem Evangelium hörten. Vielleicht mag dieser Zusammenhang ja zufällig sein, wie dem auch sei, hat er mich zum Nachdenken gebracht. Die Größe Gottes, die unendlichen Weite Gottes, die in den riesigen Kirchenbauten und der spürbaren Spiritualität vieler Menschen, die wir dort treffen durften auf eine ganz besondere Art erfahrbar wurden, beeindrucken. Wenn man im Petersdom steht, in dieser riesigen Kirche und man sich bewusst wird, dass dieses Gebäude zu Ehren Gottes gebaut wurde, kommt man sich im Ersten Moment ganz klein und unbedeutend vor. Dieses Gefühl ist kaum in Worte zu fassen. Auch der Taubstumme wurde von seiner Krankheit geheilt. Und was macht er? Er nutzt seine neu gewonnene Fähigkeit wieder sprechen zu können und erzählt von der Liebe, von der er berührt wurde. Er ist tief ergriffen von diesem Ereignis. Er tut dies, obwohl Jesus ihm gesagt hatte, dass er nichts davon sagen sollte, das ist wohl ein sehr menschliches Verhalten. Und vielleicht ist das sogar etwas, was wir alle lernen können aus dieser Geschichte. Glaube muss nicht nur erfahren werden, er muss gelebt und weitergegeben werden. Jesus tut das seine: er gibt uns die Möglichkeit zu sprechen, er kommt zu uns. Was wir dann machen ist unsere Entscheidung. Wir können das Geschehene hinnehmen oder davon erzählen. Vielleicht ein etwas ungewöhnlicher Text, aber doch eine Aufforderung an uns alle, von unserem Glauben zu erzählen und uns immer wieder von Gott ins Staunen versetzen zu lassen. Auch auf die Gefahr hin, dass uns die Worte fehlen können. Vater, wenn ich raussehe und hör die Vögel zwitschern und sehe die Blumen blühen und die Sonne scheinen, dann laufe ich manchmal über vor lauter Glück und Dankbarkeit, dass du diese Welt geschaffen hast. Dann bin ich so froh, dass du dich um alle kümmerst und dass ich eingeschlossen bin, dass ich sprachlos werden kann. Und wenn ich ganz unten bin und fast denke, du hättest mich vergessen, sehe ich einen Vogel, eine Blume oder einen Sonnenstrahl und denke daran, dass du immer da bist. Da kann ich neue Hoffnung schöpfen und staunen, wie groß deine Liebe ist. Danke! Wo bin ich sprachlos? Was bringt mich zum Staunen? Lasse ich andere an meinen Erfahrungen teil haben? Impuls 4/08, Maximilian Strozyk

5 Am Ziel? Ich weiß nicht, ob es gut ist, Lieblingsstellen im Evangelium zu haben. Doch es gibt Texte, die einen immer wieder in ihren Bann ziehen, die faszinieren. Bei der folgenden Stelle aus dem Markusevangelium geht es mir jedenfalls so, vielleicht weil sie so menschlich ist: In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose, und sie redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen. Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus. Während sie den Berg hinab stiegen, verbot er ihnen, irgendjemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Dieses Wort beschäftigte sie, und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen. Auf dem Berg der Verklärung möchte Petrus, der uns ja auch von anderen Stellen der Bibel bekannt ist als ein Mann der schnellen Worte, um jeden Preis bleiben. Er möchte das festhalten, was er sieht, was dort geschieht. So nah beim Herrn zu sein, so nah bei seinem glanzvollen Gott. Petrus ist am Ziel. Er kann sich nicht vorstellen, dem Herrn noch näher kommen zu können als dort auf dem Berg. So nah ist er dem allmächtigen Herrn, der alles auf einen Schlag selig machen kann. Und gleichzeitig ist Petrus soweit weg von der Unzulänglichkeit der Menschen im Tal, weit weg von seinen weltlichen Sorgen und Problemen. Da, an diesem Ort möchte Petrus sich niederlassen. Er möchte die Situation festhalten, Hütten bauen. Doch der Herr macht Petrus einen Strich durch die Rechnung! Mit keinem Wort geht einer der anwesenden auf Petrus Vorschlag ein. Im Gegenteil, Mose und Elija verschwinden wieder und die Jünger steigen zusammen mit Jesus den Berg hinab. Dabei verbietet dieser ihnen sogar, vorerst über das Erlebte mit irgendjemand zu reden: Zurück zur Normalität, zum Tagesgeschäft. Zurück in die Welt, die oft so weit weg von Gott scheint. Petrus wird nicht begeistert gewesen sein. So hatte er sich das wohl nicht vorgestellt. Eben noch dem Ziel, der Nähe Gottes so nah, jetzt wieder zurück im Alltag. Wir alle kennen solche Situationen, in denen wir uns so wohl fühlen, in denen es uns so gut geht, dass wir sie am liebsten für immer festhalten wollen. Wenn zum Beispiel in unseren Gruppen Aktionen und Fahrten einfach grandios ausgefallen sind, wenn alles geklappt hat, wenn unsere Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen wurden, dann sind wir am Ziel. Wenn wir in der Schule, in der Ausbildung oder in der beruflichen Karriere ein wichtiges Etappenziel erreicht haben, dann sind wir angekommen. Dann würden wir am liebsten alles so lassen wie es ist. Und doch müssen auch wir dann wieder aufbrechen, weitermachen. Wir können uns kaum ausruhen, zurücklehnen. Wir können den Moment nicht festhalten, sondern müssen wieder weiter. Und es ist gut. Es ist gut, nicht stehen zu bleiben, sondern immer neu Dinge anzugehen, vieles zu erleben, neues kennen zu lernen, aktiv in Kontakt mit anderen zu bleiben, denn festhalten bedeutet auch Stillstand! Impuls 05/09, Lutz Kreilos

6 Mit dem Rücken an der Wand Ein Baum erzählt: Als ich noch kleiner war, da merkte ich nichts. Aber als ich dann heranwuchs und mich selbst betrachtete, fiel mir der Unterschied auf. Ich war klein, knorrig, ein wenig krumm gewachsen. Die anderen Bäume dagegen, die ich sehen konnte, waren prächtig: Machtvolle Buchen mit einer riesigen Krone, hohe schlanke Tannen, Ahornbäume, die im Herbst herrlich gelb leuchteten. Ich stehe, müsst ihr wissen, an einer Felswand und ich habe meine Wurzeln in das bisschen Erde und in die Felsritzen gekrallt. Ich hatte große Träume: Ich träumte davon, groß und schön zu werden, meine Krone sollte sich im Wind wiegen, der Regen sollte meine Blätter streicheln und die Sonne sie wieder trocknen. Aber ich blieb klein. Der Wind fegte durch meine Äste wenn er auf die Felswand zublies und die Sonne wärmte mich nur bis zum Mittag, bevor sie hinter der Felswand verschwand. Danach wurden nur noch die Bäume im Tal und am gegenüberliegenden Berghang beschienen. Warum musste ich gerade hier stehen? Aus dem bisschen Erde konnte ich nicht genug Kraft schöpfen um heranzuwachsen und all meine Schönheit, die in mir steckte zu entfalten. Ich war unzufrieden mit meinem Schicksal. Warum musste ich so sein und so werden? Eines Tages an einem schönen Frühlingsmorgen, als die Erde vom Tal bis zu mir herauf duftete, als die Singdrosseln ihr Lied begannen und mich die allerersten Sonnenstrahlen küssten, durchrieselte es mich warm und wohlig. Was für eine herrliche Aussicht! Kaum ein anderer Baum konnte so weit ins Tal blicken. Die Felswand hinter mir beschützte mich vor der eisigen Kälte, die vom Gletscher herunterwehte. Von diesem Tag an begann ich nachzudenken und mir wurde klar: Ich bin etwas Besonderes! Meine Besonderheit ist mein krummer Stamm. Meine Besonderheit sind meine knorrigen Wurzeln und meine kurzen Äste. Ich passe hier an diesen Platz und bin etwas wert! Ich muss nur die Augen aufmachen und mich richtig ansehen. Auch die anderen Bäume, sie alle haben ihre Schönheit und sind richtig an ihrem Platz, wo sie stehen. Aber auch ich habe meinen Platz und stehe hier richtig auf meinem Felsvorsprung mit dem Rücken zur Wand. Mit dem Rücken zur Wand stehen, davon sprechen wir meist in einer brenzligen Situation. Dann, wenn etwas nicht zu klappen scheint, wie wir es uns vorstellen. Wenn es keinen Ausweg zu geben scheint und wir das Gefühl haben uns mit unserer Situation abfinden zu müssen. Und wer kennt das nicht, wenn man gerade Stress in der Schule, mit seiner Freundin oder seinem Freund hat. Oft denkt man dann Wenn ich es doch so gut haben könnte wie.... Und oft denken wir dann dabei an irgendwelche Stars und Sternchen, deren Leben so einfach zu sein scheint. Sie sehen toll aus, alle wollen mit ihnen befreundet sein und sie haben auch sonst keine Sorgen. Genauso geht es unserem kleinen Baum. Er steht mit dem Rücken zur Wand, ertrinkt fast in seinem Selbstmitleid und beneidet die anderen Bäume. Liebe deinen nächsten, wie dich selbst hat Jesus dazu einmal gesagt. Und genau das scheint der Baum mit einem Male zu verstehen. Er sieht die Welt mit anderen Augen. Er fängt an selbstbewusst um sich zu blicken. Er steht auf einem kleinen Vorsprung, aber er steht sicher. Und vieles von dem, was ihm bis gerade als ein furchtbarer Nachteil erschien erweist sich nun als gut und richtig. Ja, er hat wohl etwas verstanden, was auch wir immer wieder neu erkennen und erfahren können und müssen. Die Fastenzeit soll uns dienen als Zeit der Umkehr. Aber jeder Umkehr geht eine Standortbestimmung voraus. Wir müssen schauen wo wir überhaupt stehen und ob nicht Ärger, den wir hatten auch seine positiven Seiten hat. Da kann der Streit mit der Freundin/ dem Freund dazu führen, dass man sich anschließend noch mehr verbunden fühlt. Eins dürfen wir nämlich in solchen Situationen sicher nicht: Aufgeben und resignieren. Versuchen wir doch mal, das Schöne in unserem Leben zu sehen, dabei aber nicht die Ecken und Kanten zu übersehen. Wer sich selbst nicht liebt, wem kann der Gutes tun? Wir dürfen uns selbst lieben, mit all unseren Fehlern und Sorgen und dürfen darauf vertrauen, dass auch die vielen Stars und Sternchen, die wir so bewundern Menschen sind, die die gleichen Gefühle wie wir empfinden. Wir alle dürfen uns aber immer sicher fühlen auf unserem Platz, denn Gott ist da. Er hält uns und ist der Boden auf dem wir stehen. Die Wand zu der wir mit dem Rücken stehen, kann dann vielmehr auch Schutz und Geborgenheit heißen. Nicht Ausweglosigkeit und Traurigkeit, denn mit Gott stehen uns alle Wege offen. Und ich glaube, dass wir dann froh und glücklich wie der Baum sagen können: Ich stehe mit dem Rücken zur Wand. Vater, lehre mich glücklich sein, so wie eine Schwalbe ihre Jungen das Fliegen lehrt, wie die Ente ihre Küken schwimmen lehrt, wie die Mutter ihr Kind sprechen lehrt. Gib, dass mein Leben ein Blumenstrauß der Dankbarkeit ist. Denn du hast mir geholfen, als ich mit dem Rücken zur Wand stand. Du hast mir gezeigt, dass ich genau hier stehen darf. Du hast mir den Weg gezeigt, als ich mit meinem Latein am Ende war. Und daher widerhole ich es: Gib, dass mein Leben ein Blumenstrauß der Dankbarkeit ist. Amen Wo stehe ich? Wie sieht mein Platz aus? Wie sehe ich mich? Impuls 06/09, Maximilian Strozyk

7 Liebe am Kreuz Die Liebe hoch ans Kreuz erhoben für mich: mein Herr, mein Gott, meine Erlösung. Liebe hob sich hoch, um mich zu befreien: mein Herr, mein Gott, meine Erlösung. 1.Sieh auf das Holz des Kreuzes, Sieh auf das Lamm, das geschlachtet wurde. Sieh, dein König kommt siegreich. Sieh, er hat sich wieder erhoben. 2.O sei erhoben, O Gott über dem Himmel und der Erde. Denn durch dein Kreuz und deine Auferstehung hast du die Welt erlöst. 3.Gepriesen sei der Vater, gepriesen sei der Sohn, gepriesen Sei der Heilige Geist. Gepriesen sei der Dreieinige. des Todes sprengt. Jesus, der ganz Gott und ganz Mensch ist, legt seine Existenz völlig in Gottes Hände und das im extremsten Moment, der denkbar ist. Er wird Angst gehabt haben, doch das Wissen, dass sein Handeln uns Menschen neu, in unüberbietbarer Art und Weise Gottes Liebe zeigt und schenkt macht ihn stark das Kreuz und mit dem Kreuz die Last der ganzen Welt auf sich zu nehmen. Jesus ist und bleibt Gott und doch: er hat gelitten, war Mensch und konnte sich von Gott, seinem Vater verlassen fühlen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Die 7 letzten Worte Jesu am Kreuz. Nicht nur die Jünger haben ihn verlassen, in dieser letzten, schwersten Stunde fühlt Jesus sich auch von seinem Vater getrennt und verlassen. Dieser Satz ist ein Zitat aus einem Psalm. Und wenn wir diesen Psalm zu Ende lesen erkennen wir: Die Liebe wird am Kreuz sichtbar. Das Lamm wurde geschlachtet. Der König kommt siegreich. Aber nicht heute. Wir dürfen trauern, dürfen aber auch vertrauen, dass Gott alles zur Vollendung führt. Tot! Er, Jesus ist tot?! Kaum zu fassen. Und doch grausamste Realität. Er, der die Liebe gelebt hat, die Liebe ist, wurde ermordet. Gekreuzigt. Alles scheint zu Ende. Alles, woran die Jünger geglaubt haben scheint aus. Verloren. Ein Hirngespinst. Die Idee für die sie gelebt haben, das Ziel, das sie verfolgt haben scheint unerreichbar: vergebene Liebesmühe. Und doch: Die Liebe ist hoch am Kreuz für mich, für dich, für uns. Die Liebe hat sich erhoben um mich, dich, uns zu befreien. Und sie hat es geschafft. Mitten im Tod Jesu im Dunkelsten aller Momente, können wir schon einen Schimmer des Glanzes der Osternacht erahnen. Mit Jesu Tod ist kein Ende gesetzt, sondern ein neuer Anfang. Eine Möglichkeit für uns Menschen Gott neu wahrzunehmen und uns von ihm berühren zu lassen. Mitten im Tod fängt ein neues Leben an. Eine neue Zeit, etwas, was man gar nicht in Worte fassen kann. Jesus geht diesen Weg, doch auch er leidet, bittet den Vater: Wenn es möglich ist lass diesen Kelch an mir vorrübergehen. Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Das ist die wahre Liebe, die alle Grenzen Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage? Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe. Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet. Alle, die mich sehen, verlachen mich, verziehen die Lippen, schütteln den Kopf: Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe, die Zunge klebt mir am Gaumen, du legst mich in den Staub des Todes. Viele Hunde umlagern mich, eine Rotte von Bösen umkreist mich. Sie durchbohren mir Hände und Füße. Sie verteilen unter sich meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand. Du aber, Herr, halte dich nicht fern! Du, meine Stärke, eil mir zu Hilfe! Entreiße mein Leben dem Schwert, mein einziges Gut aus der Gewalt der Hunde! Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden, inmitten der Gemeinde dich preisen. Die ihr den Herrn fürchtet, preist ihn, ihr alle vom Stamm Jakobs, rühmt ihn; erschauert alle vor ihm, ihr Nachkommen Israels! Denn er hat nicht verachtet, nicht verabscheut das Elend des Armen. Er verbirgt sein Gesicht nicht vor ihm; er hat auf sein Schreien gehört. Deine Treue preise ich in großer Gemeinde; ich erfülle meine Gelübde vor denen, die Gott fürchten. Die Armen sollen essen und sich sättigen; den Herrn sollen preisen, die ihn suchen. Aufleben soll euer Herz für immer. Denn der Herr regiert als König; er herrscht über die Völker. Nach Psalm 22 Was sehe ich im Kreuz? Wen sehe ich am Kreuz? Wie sehe ich das die Liebe am Kreuz? Impuls 07/09, Maximilian Strozyk

8 Er ist auferstanden Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, daß der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wußten noch nicht aus der Schrift, daß er von den Toten auferstehen mußte. Nicht das leere Grab und der weggewälzte Stein, nicht die römischen Wächter, die starr vor Entsetzen zu Boden gesunken waren, auch nicht der Engel, der zu den verstörten Frauen sprach, sind Argumente genug für Ostern. Aber, dass diese Frauen den Wandel erlebten von Niedergeschlagenheit in Getrostheit und Freude, dass die Jünger ihre ängstlich verschlossenen Türen aufsperrten und die Botschaft weitersagten von Mund zu Mund, dass sie über Meer und Gebirge auch zu uns gelangt ist mit ihrer verwandelnden Kraft: Das ist das Wunder. "Ich bin bei euch alle Tage" - wenn wir das erfahren, dann geschieht Ostern wahrhaftig auch heute noch in uns. (Barbara Cratzius) Große Aufregung schon früh am Ostermorgen. Frauen eilen zum Grab, um hinzugehen ihn zu salben. Was die Pietät und Liebe zu einem Gestorbenen forderte. Also etwas durchaus Bekanntes und eigentlich auch irdisch Gewöhnliches. Sie hatten schon manchen Toten nach Sitte des Landes gesalbt und in Tücher gehüllt. Wenn auch der Tod Jesu am Kreuz alle bisherige Trauer ihres Lebens weit überschritt. Jesus ist tot, Jesus ist tot, so ging es von Mund zu Mund in Jerusalem. Viele verzagte Menschen waren erschrocken, denn er hatte sich immer auf ihre Seite gestellt. Unbekümmert durchbrach er die Grenzen zwischen arm und reich, fromm und unfromm, moralisch und unmoralisch. Doch nun war Jesus die Hoffnung der Armen und Verachteten tot. Furchtbar hingerichtet, schlimmer ging es nicht. Als die Frauen sich Sorgen machten, wer wohl den schweren Stein vom Grab wegrollen könnte, da sahen sie nach einer kurzen weiteren Wegstrecke, dass der Stein bereits weggerollt war. Und als sie ins Grab gehen wollten, sagte ihnen ein Jüngling, der mit einem langen weißen Gewand gekleidet war: Seid nicht so entsetzt! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da, die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Der Gekreuzigte lebt. Das war die Botschaft des Botschafters Gottes, des Engels. Sie geht weiter bis heute. Unaufhaltsam. Der Evangelist Markus berichtet uns jedoch, dass die Frauen voller Entsetzen davonrannten und niemand etwas davon sagten, weil sie sich wohl selbst wie verrückt vorkamen. Gut zu verstehen. Das war zu viel für sie. Wem sollten sie das erklären, wer würde es ihnen glauben? Frauen waren ohnehin nicht als Zeugen anerkannt in jener alten Zeit. Umso mehr fürchteten sich die Frauen vor den Rückfragen der Männer. Dieser Akzent war dem Evangelisten Markus wichtig, um die Unvergleichbarkeit von Ostern zu betonen. Sieht man alle Osterberichte der Evangelien durch, wird man merken, wie wichtig die Frauen in den Ostergeschichten waren und noch sind. Doch die Nachricht kam rasch zu den Jüngern. Wenn wir die anderen Ostergeschichten der Evangelien lesen, werden wir spüren, wie gewaltig dieser erste Ostertag bei aller Stille war. Man redete sozusagen durcheinander, die Nachrichten überschlugen sich. Es sprach sich nicht nur so langsam von Jahr zu Jahr herum, die Auferstehung Christi war keine Erfindung von Menschen, sondern die Botschaft war wie ein Feuer, das sich ausbreitet und nicht mehr zu löschen ist. Doch alle Zweifler sollen es zu ihrer Entlastung wissen: Der Anfang war kein Osterjubel wie in den großen Chorälen der Kirchen, sondern der Zweifel musste erst überwunden werden. Immer wieder tauchte er auf, der Zweifel, ehe der heilige

9 Geist den vollen Glauben schenkte und die Jünger froh wurden, weil sie den Herrn sahen. Überhaupt wird der Zweifel in den Berichten stark betont. Noch einmal: wichtig für die Zweifler! Sie werden voll verstanden im Evangelium. Der "ungläubige Thomas" steht da für immer als Beispiel der Güte Gottes. Doch warum diese Umständlichkeiten und nicht sofort volle Kanne Freude und Jubel? Begreifen wir es doch! Gerade der Zweifel der Jüngerinnen und Jünger hebt die Bedeutung der Auferstehung Jesu Christi hervor. Die Auferstehung Christi ist sozusagen unermesslich und gilt für die volle Weite unserer Welt und des ganzen Universums. Wer kann denn das auf einen Schlag begreifen! Ostern ist Revolution. Gottes große Revolution. Keine Evolution, nicht die Weiterentwicklung des Vorhandenen, sondern die Umkehrung aller Dinge. Re-volution. Alles wird auf den Kopf gestellt, nichts ist hier mit den Maßstäben unserer Erde zu beweisen oder abzuweisen. Denn die Auferstehung Jesu Christi ist ein einzigartiges, ein unvergleichbares Ereignis. Doch schon das Wort Ereignis reicht nicht hin und aus, um die Botschaft von der Auferstehung Christi nur entfernt zu deuten. Es stammt aus unserer irdischen Erfahrung. Hier jedoch versagen unsere naturwissenschaftlichen und historischen Vergleiche, Erfahrungen und Denkweisen. Auch Lazarus wurde auferweckt durch Jesus doch er ist wieder gestorben, wie auch alle durch Jesus geheilten Menschen irgendwann gestorben sind. Sie lebten erweckt oder geheilt für den Zeitraum eines Menschenlebens weiter und der war damals sehr kurz. Doch Jesus, der Christus Gottes, der von Gott bevollmächtige Heiland und Herr über alles, ist zu uns gekommen wie Gott selbst. Hier stottern wir einfach, unsere Sprache versagt sozusagen. Er ist nicht nur der Herr über Raum und Zeit, sondern kommt mit einer ganz neuen Wirklichkeit zu uns. Diese lässt sich nicht mehr nach Länge, mal Breite plus Zeit berechnen. Es ist die Dimension Gottes, die eingreift in die Welt des Todes, der Kriege, der Angst und Verzweiflung wie auch in das Leben von Menschen, die den Sinn ihres Lebens verloren, oder ihn noch nie fanden. Nun beginnt wirklich ein ganz neues Leben auch auf unserer alten Erde. Sieh, ich mache alles neu. Das wird einmal öffentlich werden mitten im Universum. Alle Knie werden sich beugen, so redet die Bibel und bekennen, dass Christus der HERR über alles ist. Doch auch heute wird es wahr, dass Menschen durch den Glauben an Jesus neue Menschen werden. Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden. (Johannes Hansen) Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden. Ich glaube an Jesus, den Bruder aller Menschen. Er schenkt uns seine Freudschaft, damit wir sie weiterschenken. Er hat die Kranken und Traurigen geheilt. Er hat die Hungrigen und Verzweifelten aufleben lassen. Ich glaube an Jesus, den Sohn Mariens. Er war ein politisch Gefangener unter Pontius Pilatus. Er wurde zu Tode gefoltert und ist am Kreuz für uns gestorben. Ich glaube an Jesus, der unserem Leben einen tiefen Sinn gibt. Er zeigt uns, wie unser Leben gelingen kann. Er lebt uns die Liebe vor. Ich glaube an Jesus, der den Durchbruch geschaffen hat vom Tod zum Leben. Sie konnten ihn nicht fertig machen und für immer auslöschen, ihn nicht im Dunkel eines Grabes verstecken. Er ist durch den Tod hindurch gegangen. Als alle meinten, er sei am Ende, da machten sie die völlig überraschende Erfahrung: Er hat den Tod selbst vernichtet. Seit dieser Stunde gilt: Auch unser Leben hat eine große Zukunft jenseits des Todes. Darauf hoffen wir, darauf vertrauen wir. Wir wollen dich allzeit loben und dir danken großer Gott. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Ostern? Was bedeutet das für mich? Kann ich die Kraft spüren, die Jesus mir geben will? Impuls 08/09, Maximilian Strozyk

10 Freisein Was ist Freiheit? Seine eigene Meinung zu sagen? Kompromisse zu finden? Im Luxus leben? Ohne Grenzen zu tun und zu lassen, was man will? Auf Gott vertrauen? Für jeden Menschen ist die eigene Freiheit individuell wählbar. Jeder Mensch entscheidet, was für ihn Freiheit ist. Maria Große-Bley und Jonas Robrecht Leben in Freiheit. Ein wichtiger Bestandteil für jedes Leben, dem wir uns als Pfadfinder deutlich verpflichtet fühlen. Die Gedanken über die persönliche Freiheit entstammen einem Workshop über die 4 Leitlinien der Pfadfinderei, der im Sommerlager stattfand. Nach und nach sollen die grandiosen Ergebnisse hier in Impulsen veröffentlicht werden. Ein Leben in Freiheit, das hört sich zunächst ganz selbstverständlich an. Aber ist es das? Es würde wohl jeder von uns erst einmal von sich behaupten frei zu sein. Denn Unfrei, das sind Menschen, die ihrer Rechte beraubt sind, die irgendwo eingesperrt leben und nicht nach ihrem Willen bestimmen können, wie sie leben wollen. Das tun dann andere für sie. Klar, das ist ein Aspekt, der sehr deutlich, das Gegenteil von Freiheit vor Augen führt, aber hat der Text nicht vielleicht doch recht? Was bedeutet Freiheit wirklich? Ist Freiheit wirklich für jeden etwas komplett unterschiedliches, oder gibt es da einen gemeinsamen Nenner? Ein Aspekt der Freiheit kann an einem ganz einfachen Beispiel deutlich werden: Stell dir einmal vor, du sitzt im Bus oder im Kino und dann kommt von links eine Stimme: Ist dieser Stuhl noch frei? Ein Stuhl kann zwar keine Freiheit besitzen, aber letztendlich kann er uns etwas zeigen: Freiheit hat immer etwas mit Offenheit zu tun. Offen sein für andere und für mich. Sich befreien von alten Marotten, von Vorurteilen. Freiheit bedeutet eben nicht nur zu tun und zu lassen was man will, sondern auch frei sein von negativem und diese Freiräume in uns sozusagen immer wieder neu befüllen zu lassen. Keine Frage, auch hier gibt es Grenzen. Denn meine eigene Freiheit hört natürlich da auf, wo die Freiheit des anderen beginnt. Aber: wenn ich frei und offen bin, dann kann ich eigentlich gar nicht mehr in die Freiheit meiner Mitmenschen eingreifen. Wir als Pfadfinder wollen versuchen sensibel zu sein und die Grenzen zu erkennen, mit denen wir teilweise uns selbst unnötig einschränken und wollen diese Grenzen hinterfragen und überschreiten. Gott selbst hat uns Menschen die absolute Freiheit geschenkt. Wir sind keine Marionetten in einem Puppentheater, die irgendwie an unsichtbaren Fäden hängen und von Gott bewegt werden. Gott setzt dem Menschen keine Grenzen, die ihn einengen, er will befreien und bietet uns diese Freiheit immer wieder an. Natürlich kann ich dann auch Nein sagen zu diesem Angebot. Das ist meine persönliche Freiheit, die ich mit jedem Menschen teile. Wer frei ist kann sich selbst, seinen Mitmenschen und Gott neu begegnen. Neu erfahren, was wirklich in ihm steckt, was er aus seinem Inneren befreien kann. Er hat mich gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen, den Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden das Augenlicht, die Zerschlagenen in Freiheit zu entlassen, auszurufen ein Gnadenjahr des Herrn. (Lukas 4,18 f.) Herr, deine Botschaft gilt mir, gilt uns. Leben, Lebendigkeit, Leben in Fülle, Befreiung, Freiheit. Du hast uns eingeladen zu leben. Zu einem Leben in Fülle, zu einem Leben in der Freiheit der Kinder Gottes. Deine Zusage gilt uns: zum Leben befreit können wir auch andere zum Leben befreien. Wir dürfen auf dein Wort hin dem leben trauen und es befreit leben. Da, wo es uns schwer fällt deine Freiheit die uns geschenkt ist zu bejahen erfülle du uns mit deinem Geist und gehe mit uns. Nach Andrea Schwarz Bin ich frei von äußeren Zwängen? Was steckt in mir und muss befreit werden? Was bedeutet Freiheit für mich? Wo können mir andere helfen frei zu werden? Ist der Stuhl neben mir noch frei? Impuls 09/09, Maximilian Strozyk

11 Kleines Senfkorn Hoffnung man etwas von dem Geld an und hat so noch etwas für Notsituationen. Kleines Senfkorn Hoffnung, mir umsonst geschenkt Werde ich Dich pflanzen, dass Du weiterwächst, Dass Du wirst zum Baume, der uns Schatten wirft, Früchte frägst für alle, alle, die in Ängsten sind. Kleiner Funke Hoffnung, mir umsonst geschenkt Werde ich Dich nähren, dass Du überspringst, Dass Du wirst zur Flamme, die uns leuchten kann, Feuer schlägst in allen, allen, die im Finstern sind. Kleiner Funke Hoffnung, mir umsonst geschenkt Umsonst geschenkt? Sinnlos geschenkt oder nicht viel eher ohne eine verlangte Gegenleistung? Ist diese Zeile vielleicht gar nicht negativ zu verstehen, sondern eher so, dass man Hoffnung bedenkenlos haben kann? Werde ich dich nähren, dass Du überspringst Hoffnung kann sich entwickeln, kann stärker werden und das am Besten durch einen selbst! Und irgendwann ist die Hoffnung dann groß und stark genug um andere anzustecken, sie mitzureißen und auch ihnen Hoffnung zu geben. Dass Du wirst zur Flamme, die uns leuchten kann Hoffnung kann wie eine Fackel sein, die einen im Dunkel der Hoffnungslosigkeit den Weg erhellt. Hoffnung kann uns die Kraft geben schwere Wege zu gehen und neue zu entdecken. Feuer schlägt in allen, allen, die im Finstern sind. Hoffnung kann mehr als nur einer Person helfen. Ich kann anderen Hoffnung geben und gemeinsam hoffen, die in einer ähnlichen Situation sind. Kleine Münze Hoffnung, mir umsonst geschenkt Werde ich Dich teilen, dass Du Zinsen trägst, Dass Du wirst zur Gabe, die uns leben lässt, Reichtum selbst für alle, alle, die in Armut sind. Die Hoffnung lebt in Form der Münze? Geld regiert die Welt und für eine arme Familie ist Geld mehr als man sich vorstellen kann. Durch die Münze wird die Hoffnung zu überleben gestärkt, auch wenn man überlegen muss, was man mit der Münze machen will. Soll man sie teilen, anlegen oder sofort ausgeben? An dieser Stelle ist die Größe und die Art der Hoffnung entscheidend. Wenn man sich entscheidet, den Reichtum sofort auszugeben hat man nur für kurze Zeit etwas zum Leben. Wenn man im Leben noch viel Hoffnung hat, legt Kleine Träne Hoffnung, mir umsonst geschenkt Werde ich Dich weinen, dass Dich jeder sieht, Dass Du wirst zur Trauer, die uns handeln macht, Leiden lässt mit allen, allen, die in Nöten sind. Kleines Senfkorn Hoffnung, mir umsonst geschenkt Werde ich dich streuen, dass Du manchmal bremst, Dass Du wirst zum Grunde, der uns halten lässt, Neues wird mit allen, allen, die in Zwängen sind. Kleines Senfkorn Hoffnung, mir umsonst geschenkt Hier stelle ich mir die Frage: heißt das, dass es ohne Gegenleistung verschenkt wurde, oder hat das Geschenk etwa keinen Wert? Werde ich dich streuen, dass du manchmal bremst Bremsen: Bedeutet das, dass das Sandkorn uns vor Katastrophen bewahren soll? Oder ist es zu aufwendig damit Zeit zu verbringen? Dass Du wirst zum Grunde, der uns halten lässt Diesen Satz finde ich sehr positiv, denn der Grund hält uns, er ist das, was uns zusammenhält. Es kommt eine positive Wendung in das Leben dadurch, dass man die Hoffnung nicht verliert. Die Gedanken zu dem Liedtext entstammen einem Workshop im Sommerlager der DPSG St. Meinolphus und wurden von Amelie Robrecht (Pfadi), Paul Beckmann (Rover) und Yoris Wiemann (Juffi) formuliert. Gott, ich war einsam und du hast mir meine Einsamkeit nicht genommen. Ich war verzweifelt und du hast mir meine Verzweiflung gelassen. Ich habe nicht mehr weitergewusst und du hast mir keinen Weg aufgezeigt. Ich habe an dir gezweifelt und du hast mich zweifeln lassen. Ich habe zu dir geschrien und du hast keine Antwort gegeben. Mitten im Dunkel warst DU bei mir und hast mich ausgehalten. Mitten im Dunkel hast DU mich berührt und ich habe mich berühren lassen. Spe salvi - Wir sind zur Hoffnung erlöst. Danke guter Vater! Nach Andrea Schwarz Was ist Hoffnung für mich? Worauf hoffe ich? Gebe ich anderen Menschen Hoffnung? Leben in Hoffnung: ein pfadfinderischer Wert auch für mich? Impuls 10/09, Maximilian Strozyk

12 Jeden Tag eine gute Tat Es begab sich eines Tages, dass vier Wölflingen die Aufgabe auferlegt wurde eine gute Tat zu vollbringen. Nachdem sie sich ausgetauscht hatten, brachen sie auf und kehrten nach einer Woche wieder, um zu berichten, was ihnen widerfahren war. So sagte der erste: Ich zog am Montag los meine Tat zu vollbringen. An einer Straße traf ich eine ältere Frau und so half ich ihr hinüber. Der zweite wusste zu berichten: Es war am Mittwoch als ich beschloss den Einkauf für meine Mutter zu erledigen. Und auch der dritte erklärte stolz: Ich ging am Samstag in den Park und sammelte Müll ein. Als dann der vierte berichten sollte, schaute dieser nur traurig auf den Boden. Was ist denn los?, fragten die anderen. Ich habe es nicht geschafft, meine gute Tat zu vollbringen. Als ich loszog traf ich keine ältere Dame, sondern nur einen jungen Mann, der seine Schlüssel verloren hatte. Weil ich mit ihm gesucht habe, vergaß ich meine gute Tat zu vollbringen. Als ich gehen wollte um einzukaufen, rief mein Freund an, weil er im Krankenhaus war. Ich besuchte ihn und vergaß die gute Tat schon wieder. Als ich in den Park ging traf ich auf eine Frau, die mit ihrem Kinderwagen nicht die Treppen hinaufkam und als ich mit ihr den Wagen getragen hatte, war ich viel zu müde um noch Müll aufzusammeln. So konnte ich, obwohl ich es mir so fest vorgenommen hatte, nicht einmal eine gute Tat vollbringen. Die Geschichte entstammt einem Workshop im Sommerlager der DPSG St. Meinolphus und wurde von Timo Hilbig (Pfadi) und Moritz Pieper (Rover) geschrieben. Wie die Geschichte wohl weitergeht wissen wir nicht, aber eins ist doch wohl klar. Auch der vierte Wölfling hat seine Aufgabe erfüllt. Jeden Tag eine gute Tat vollbringen, oder ein Leben in tätiger Solidarität haben wir uns als Pfadfinderinnen und Pfadfinder auf die Fahne geschrieben. Das bedeute, dass wir ja sagen zu einer Gemeinschaft, in der der Schwache vom Starken getragen und geschützt wird. Wir leben in unseren Stufen in Gruppen, die nur gemeinsam etwas erreichen können. Ob es nun wie auf dem Foto um das Aufbauen eines Zeltes geht oder um irgendwelche anderen Projekte geht. Wir wollen Gutes tun und glauben daran, dass wir die Welt verändern können, auch wenn wir vielleicht selber noch Kinder sind. Und dass zeigen schließlich alle vier Wölflinge in der Geschichte. Der vierte aber auf eine besondere Art und Weise. Er hat etwas geschafft, was für uns alle wohl ein wünschenswertes Ziel wäre. Die Solidarität hat er so verinnerlicht, dass er es kaum noch mitbekommt, wie viel Gutes er tut. Obwohl er selbstbewusst sagen könnte, dass er die Aufgabe nicht nur erfüllt, sondern sogar überboten hat ist er sich seiner guten Taten gar nicht recht bewusst und ist bescheiden. Seine Selbstlosigkeit und seine Liebe zu den Mitmenschen kann uns ein Vorbild sein. Ganz ähnlich handelt auch Gott. Er wird Mensch und zeigt uns so seine Liebe und Solidarität zu uns Menschen. Er kommt nicht mit einem Paukenschlag, sondern ganz leise und wird Mensch. Sein Sohn Jesus schreit nicht heraus wie viele gute Taten er vollbracht hat. Im Gegenteil: vielen der Menschen, denen er geholfen und sie geheilt hat, trägt er auf nichts darüber zu erzählen. Solidarität, soziales Engagement sollte also nicht dazu führen, dass wir uns bloß selber auf die Schulter klopfen und uns von anderen sagen lassen, wie toll wir sind. Natürlich dürfen wir selbstbewusst sagen, dass wir etwas gutes getan haben, aber eine gute Tat wird nicht dadurch besser, dass wir sie herum posaunen. Vater, nicht immer fällt es uns leicht selbstlos zu handeln und anderen Menschen zu helfen. Und manchmal tun wir es tatsächlich auch nur, weil wir hoffen Lob zu ernten. Du zeigst uns in deinem Sohn, dass wahre Nächstenliebe selbstlos ist, dass wahre Solidarität nicht nach der Außenwirkug fragt, sondern ausschließlich den Nächsten im Blick hat. Schenke uns die Kraft, dass auch wir öfter selbstlos handeln. Lass uns aber auch da aufmerksam werden, wo wir vielleicht gar nicht mehr wahrnehmen, dass wir etwas Gutes tun. Begleite du uns auf dem Weg zu diesem Leben in tätiger Solidarität und segne uns. Was ist Solidarität für mich? Wo helfe ich anderen? Kann ich eine gute Tat auch mal für mich behalten? Bin ich aufmerksam genug, um das Gute, das ich tue zu sehen? Impuls 11/09, Maximilian Strozyk

13 Erntedank Im Vater-Unser sprechen wir Christen in größter Selbstverständlichkeit "...unser tägliches Brot gib uns heute". Doch existentielle Bedeutung hat die Bitte um das tägliche Brot in unseren westlichen Ländern längst nicht mehr, das Wort "Hunger" ist exotisch geworden. Und doch dankt die Kirche Anfang Oktober, am Erntedankfest, bis auf den heutigen Tag Gott für die Gaben der Schöpfung. Erntedank und im Kopf haben wir vielleicht noch die Bilder der letzten Wochen aus dem Fernsehen von Bauern, die wegen ruinöser Preise Milch wie Gülle auf die Felder oder in den Gully schütten. Das passt doch nicht zusammen. Dank für die Ernte müsste doch anders aussehen! Wir danken an Erntedank für das, was uns leben lässt, Lebens-Mittel. Und wir danken dafür, dass die Arbeit unserer Hände (und auch unserer Köpfe und Herzen) dieses Jahr fruchtbar wurde. Aber was, wenn die eigene Arbeit fruchtbar war, reiche Ernte gebracht hat, ihr Erlös aber dennoch nicht zum Leben reicht? Das passt nicht zusammen. Verständlich, dass sich die Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer mit Wut und Ärger, mit Verzweiflung und Resignation gegenüber dem Markt und seinen Akteuren mischt. Wie sieht Erntedank bei uns Verbrauchern, den Marktakteuren auf der anderen Seite des Ladentisches, aus? Preisen wir Gott, den Schöpfer, und danken den Discountern, dass sie die Preise noch etwas mehr nach unten drücken? Das passt auch nicht zusammen. Zur Ernte gehören der Dank an den Schöpfer für sein Werk und auch der Dank an die, die mit ihrer Arbeit Lebensmittel daraus machen. Und erst wenn diese Lebensmittel auch für sie Mittel zum Leben werden, hält Essen Leib und Seele zusammen. (vgl. Guter Gott! Du hast das Brot geschaffen und die Butter, aber auch die Milchpralinés. Du hast uns entdecken lassen, dass man Spargel mit Sauce Hollandaise und Erdbeeren mit Sahne kombinieren kann. Du musst selber ein großer Genießer sein, weil du uns so einen anspruchsvollen Gaumen geschenkt hast, und dazu den Magen, der das alles verdauen kann. Aber lass uns auch nicht vergessen, dass wir selbst am reich gedeckten Tisch nur den kleinen Hunger stillen können. Denn den Hunger nach einem sinnvollen Leben, nach Freude, nach dir, wird nicht durch das große Fressen gestillt, sondern und darum bitten wir dich durch die Menschen, mit denen wir am Tisch sitzen. Du hast in Jesus die Tischgemeinschaft mit reichen und armen, angesehenen und verachteten Menschen gesucht und lädst uns alle dazu ein. Lass uns unsere Mitmenschen als bereichernd erfahren und jeden einzelnen als einmalig schätzen und fair behandeln. Lass uns diese Gemeinschaft in der wir leben gerecht mitgestalten, sodass der Hunger aller gestillt werde. (Gebet zur KLJB-Minibrotaktion 2009) Wie sieht es aus mit deinem Dank für das tägliche Brot? Ist dir bewusst, was alles zusammenkommen muss, bis es entsteht? Was bist du bereit, für Lebensmittel auszugeben? Wofür dankst du Gott? Impuls 12/09, Lutz Kreilos

14 Dem bedrückten Volk bringst du Heil, doch die Blicke der Stolzen zwingst du nieder. Du, Herr, lässt meine Leuchte erstrahlen, mein Gott macht meine Finsternis hell. Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern. - aus dem 18. Psalm - Friedenslicht Es ist nur ein kleines Licht, das Friedenslicht aus Bethlehem, das in diesen Tagen auch von Pfadfindern in der ganzen Welt an alle Mensachen guten Willens weitergereicht wird: unscheinbar und es fällt nicht groß auf. Ein Windhauch nur, und schon wäre es aus und vorbei. Wir könnten es ausblasen, mit den Füßen austreten, einfach nicht zur Kenntnis nehmen, dieses sentimentale Zeichen. Aber wir können uns diesem kleinen Licht auch stellen. Oft haben wir die Geschichte gehört, vom Licht, das wie klein auch immer mit seinem hellen Schein die Finsternis vertreibt. Ist es nicht wirklich so? Vor über 20 Jahren im Herbst `89 brannten in der damaligen DDR auch Kerzen, kleine Kerzen. Doch es waren so viele, die in den Fenstern, vor den Kirchen und an den Straßenecken brannten, dass sie nicht zu löschen waren. Jede Kerze war vielleicht machtlos, aber nicht wirkungslos. Eine friedliche Revolution begann, die die Mauer quer durch unser Land zum Einsturz brachte. Alles schien in diesen Tagen möglich, die Überwindung aller Grenzen und Mauern. Die Teilung der Welt in frei und unterdrückt, in Ost und West, in gut und böse, in arm und reich, all das schien überwindbar. Und in der Tat sind viele Grenzen gefallen. Wo nimmst du Mauern in deinem Leben wahr, 20 Jahre später müssen wir uns mit Terror und die dich einengen, eingrenzen. Wo baust du Krieg in der Welt auseinandersetzen, mit Ausgrenzung und mit der in vielen Teilen der Welt fortschreiche Mauern lohnt es, einzureißen? Wem magst selbst Mauern auf, um dich abzuschotten? Weltenden Zerstörung unserer Umwelt. Neue Mauern du das Friedenslicht weitergeben? und Grenzen tun sich auf. Die Euphorie der Wende- Impuls 13/09, Lutz Kreilos zeit ist verflogen und gerade jetzt brauchen wir das Friedenslicht. Es ist ein Zeichen der Hoffnung auf eine bessere Welt, ein Zeichen der Hoffnung, dass die Vernunft gewinnt und diese neuen Mauern in der Welt auch eingerissen werden können. Diese kleine Flamme strahlt jeden an. Sie scheint sogar für diejenigen, die sie als sentimentales Zeichen abtun wollen, die sie vielleicht sogar auspusten wollen. Sie macht ein Stück Dunkelheit hell und will uns Menschen Hoffnung geben jetzt vor Weihnachten, dem Fest, an dem Jesus in die Welt kommt und das Dunkel unserer Zeit hell macht. Nur zehn Minuten Neulich wurde bei uns am helllichten Tag, so gegen drei eine alte Frau geschlagen, von einem Kind. Einfach so. Ohne Grund. Die beiden kannten sich nicht. Neulich hätte bei uns am helllichten Tag, so gegen vier, ein älterer Herr am liebsten einen Schüler verprügelt, der ihn aus Versehen angerempelt hatte. Aber es kam nicht dazu. Aus guten Grund: Die beiden kannten sich. Und wenn sich Khalil aus Beirut und Jürgen aus Berlin, mit den abrasierten Haaren, und der allgemeinen Wut im Bauch, wenn die beiden sich also nur zehn Minuten bei einer Tasse Kaffee, so gegen drei, über das Wetter unterhalten hätten, wären sie heute noch am Leben. Gott, (Quelle unbekannt) du bist ein Gott des Lichtes und des Friedens. Du bist ein Gott der Liebe und der Hoffnung. In unserer Welt, die oft so finster ist, so friedlos und kalt, so lieblos und resigniert kommen wir zu Dir mit diesem kleinen Licht. So wie es brennt in dieser dunklen Zeit, so entzünde auch unsere Herzen, dass es warm und hell werde in uns und durch uns. Mach uns zu Boten dieses Lichtes und deines Friedens. Lass uns eintreten für Gerechtigkeit und Solidarität, dass Opfer und Täter der Gewalt neue Wege finden, dass die verfeindeten Völker und Religionen neue Wege finden, dass die Hoffnungslosen und die Lebensmüden neue Wege finden, dass wir alle neue Wege finden. Deine Wege finden, Gott des Lichtes und des Friedens! [Gebet zum Friedenslicht]

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