Forschungsmethoden in der Sozialen Arbeit (III)

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1 Forschungsmethoden in der Sozialen Arbeit (III) Qualitative und quantitative Forschung Lehrveranstaltung an der Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin Dr. Thomas Pudelko

2 Entstehung der Begriffe (qualitativ) Anfangs statistische Semantik (Auszählen isolierter Textelemente) Daraus Ableitung der Bedeutsamkeit Heute eher eine Forschungsstrategie für interpretativ-rekonstruktive, hermeneutische Konzept Abduktion als Forschungsstrategie meint: Suche nach der besten Erklärung für eine Beobachtung Zentrales Prinzip Theoretische Offenheit gegenüber den Befragten und in der Kommunikation mit ihnen 2

3 Die Label Qualitativ vs. Quantitativ sind irreführend Sie eignen sich nicht, um die unterschiedlichen Forschungsstrategien zu benennen. Anstatt: qualitativ lieber: theoriegenerierend oder: rekonstruktiv Anstatt: quantitativ lieber: theorieüberprüfend oder: hypothesenprüfend 3

4 Kombination beider Forschungsstrategien Zur Vorbereitung eines hypothesenprüfenden Verfahrens (zu wenig Vorwissen über den Untersuchungsgegenstand vorh.) Gesellschaftliche Phänomene beobachten Meinungs- und Marktforschung Entscheidungsvorbereitung Qualitative Untersuchung mit kleiner Stichprobe und Daten sorgfältig analysieren (Zusätzliche repräsentative Untersuchung bringt keine weiteren Erkenntnisgewinne) Parallel zu einer repräsentativen standardisierten Untersuchung bei einer Teilstichprobe Intensivbefragungen machen (Beispiel: BVAA - Untersuchung) 4

5 Kombination beider Forschungsstrategien Unstandardisierte Daten rekonstruktiv auswerten Kategorien und Typen bilden Kodieren und statistisch auswerten 5

6 Standardisierte Forschung hat das Ziel der Gewinnung präziser vergleichbarer Intersubjektiv gültiger empirischer Daten, die unmittelbar statistisch auswertbar sind 6

7 Standardisierte Forschung ist demnach streng zielorientiert in ihren Teilschritten standardisiert mit intersubjektiver Nachprüfbarkeit als Qualitätssicherung 7

8 Standardisierte Forschung ist nicht am Kriterium Quantifizierung fest zu machen Jedoch: schrittweise Prozedur Präzisierung einer Ausgangsfragestellung Konkretisierung und Standardisierung der Arbeitsschritte Festlegung der Reihenfolge der Arbeitsschritte 8

9 Fragestellung der Untersuchung Objektbereich Auswahl von Elementen (UE) aus dem Objektbereich UE als Merkmalsträger Dimensionale Analyse Strukturmodell des Objektbereichs (forschungsleitende Hypothese) Indikatoren Messen der Merkmalsausprägung Semantische Analyse Begriffe Variablen (Merkmals-ausprägungen) Instrumente der Datenerhebung Verallgemei-nerung Datenerhebung Datenauswertung und Interpretation Statistische Modelle und Verfahren 9

10 Theoriegenerierende Forschung geht Vom einzelnen Fall zur Verallgemeinerung Von der thematischen Offenheit zur Problemorientierung Von der thematischen Offenheit zur kontrollierten Analyse Vom Gegenstandsbezug zur abstrakten Theorie evtl. bis zur Quantifizierbarkeit Präzisierung und Konkretisierung erfolgen schrittweise im Zuge des Forschungsprozesses 10

11 Deskription Einzelfallbezogenheit Vorverständnis Offenheit Interpretation Introspektion Subjekt Methodenkontrolle Forscher Gegenstands - Interaktion Ganzheit Argumentative Verallgemeinerung Verallgemeinerungsprozess Induktion Historizität Im Alltag Regelbegriff Problemorientierung Quantifizierbarkeit 11

12 Typisch für beide Forschungsansätze sind vier Dimensionen: Ziele der Forschung Was steht am Beginn? Informationssammlung Informationsgewinn Auswertung 12

13 Ziele qualitativ Entdeckung von Strukturen und Zusammenhängen Einbettung des Einzelfalls in Strukturen Herausarbeiten individueller Besonderheiten Entdeckung empirisch gestützter Theorien quantitativ Präzisierung von (als gegeben unterstellten) Strukturen und Zusammenhängen Globale Betrachtung einer möglichst großen Zahl von Fällen Ausblenden individueller Besonderheiten zugunsten genereller Tendenzen Prüfung vorgängiger Theorien / Hypothesen 13

14 Am ANFANG steht qualitativ ungenaue Themenstellung Ein nur grob und vorläufig abgegrenzter Gegenstandsbereich Informationsbedarf über Strukturen und Zusammenhänge quantitativ Eine möglichst präzise Themenstellung Ein möglichst präziser und endgültig definierter Gegenstandsbereich Informationsbedarf um Fragen präzise formulieren zu können 14

15 qualitativ Vorgehensweise bei der Informationsgewinnung (kontrollierte) Subjektivierung der Informationserhebung: Tiefe, Reichweite, Kontext von Informationen quantitativ (kontrollierte) Intersubjektivierung der Datenerhebung (Objektivierung durch Methoden, Ausschalten von Kontexteinflüssen) Breite Informationssammlung aus möglichst vielfältigen Perspektiven und möglichst wenig selektiv Nur sensibilisierende Hypothesen Offenheit gegenüber unerwarteten Erkenntnissen Bis ins Detail gehende gedankliche Vorstrukturierung des relevanten Gegenstandsbereichs, gezielt selektive Datenerhebung untersuchungsleitende Hypothesen Einsatz verbindlicher standardisierter Verfahren + Methoden Notwendigkeit der Deutung der Informationen zur Gewinnung von Daten Gegenstandsnahe Daten Gewinnung unmittelbar vergleichbarer Daten Repräsentative Daten 15

16 Vorgehensweise bei der Auswertung qualitativ Rekonstruktion der in den Informationen enthaltenen Konzepte, Strukturen, Regelhaftigkeiten mittels hermeneutischer Strategien Fallorientierte Analyse: Klassifikation gleichartiger Fälle (Typenbildung), ggf. erneute Informationsbeschaffung Formulierung empirisch gestützter, gegenstandsbezogener Hypothesen / Theorien quantitativ Datenaufbereitung und Auszählung Auswertung unter Rückbezug zu den vorab formulierten Hypothesen und Fragestellungen Variablenorientierte Analyse: Zusammenhänge zwischen Merkmalen (über alle Fälle hinweg), Konstruktion von Zusammenhangs modellen, Verwendung statistischer Analysemodelle und -verfahren Empirischer Test von Hypothesen / Theorien; Verallgemeinerung durch Abstraktion 16

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