Kriegsgefangenenlager in Tuttlingen : Cage d Armée N o 2 Cage C.S.T.O N o 2 Dépôt de transit N o 2 Bureau de Contrôle et Démobilisation

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1 Astrid Gehrig Kriegsgefangenenlager in Tuttlingen : Cage d Armée N o 2 Cage C.S.T.O N o 2 Dépôt de transit N o 2 Bureau de Contrôle et Démobilisation Der Mannheimer Karl Heinz Mehler, 1929 geboren und bei seiner Gefangennahme durch Franzosen in Oberstaufen erst 15 Jahre alt, kam über Ravensburg nach Tuttlingen. Er hatte wie mehrere Klassenkameraden, die er im Tuttlinger Lager wiedertraf, zum letzten Aufgebot des NS-Regimes gehört. Aus einem Lager der Kinderlandverschickung in Titisee waren die Hitlerjungen des Jahrganges 1929 noch im April 1945 zum Volkssturm eingezogen und dem Panzervernichtungsregiment der HJ 21 Baden zugeteilt worden. Das Kriegsende am 8. Mai 1945 erlebte Mehler in Tuttlingen. Über Kehl und Straßburg ging es zum Arbeitseinsatz nach Tulle in Frankreich. Mehler kehrte im Frühjahr 1947 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Seine Entlassungspapiere erhielt er am 10. Februar in Bretzenheim. 1 Otto Beiswenger, Jahrgang 1923, verbrachte seine Kriegsgefangenschaft im Gewahrsam zweier Mächte. Am 10. Mai 1945 geriet er in Lavamünd in Kärnten (Österreich) in britische Kriegsgefangenschaft. Über verschiedene Stationen Blick auf das Kriegsgefangenenlager Mühlau, um 1947 in Kärnten und Osttirol beides Gebiete der britischen Besatzungszone in Österreich kam Beiswenger schließlich im Dezember 1945 nach Innsbruck und damit in die französische Besatzungszone. Er wurde in das unter französischem Gewahrsam stehende Kriegsgefangenenlager Rum, nordöstlich von Innsbruck gelegen, 57

2 eingewiesen. Von dort wurde er Mitte Januar 1946 nach Tuttlingen transportiert. Aufgrund einer in der englischen Gefangenschaft erlittenen Verletzung war Beiswenger nicht arbeitsfähig und wurde im Dépôt de Transit N o 2 als Betreuer eingesetzt. Im Sommer 1947 unterzeichnete er einen Vertrag für ein freies Arbeitsverhältnis. Als Travailleur Libre arbeitete bis von September 1947 bis August 1948 im Lager Tuttlingen für die Franzosen. Am 31. August 1948 endete sein Arbeitsvertrag. Nach über drei Jahren Kriegsgefangenschaft war Beiswenger endlich ein freier, junger und gesunder Mensch. 2 Der 1921 in Nürnberg geborene Hans Jonitz war seit 1939 beim Reichsarbeitsdienst und seit 1941 bei der Wehrmacht. Bei seiner Gefangennahme am 9. April 1945 nahe Schweinfurt geriet er als Unteroffi zier in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Über Bad Kissingen kam er in die Pionierkaserne Worms, wo er mit bis Mitgefangenen auf dem nackten Boden des Kasernenhofes ausharrte. Um der Kriegsgefangenschaft zu entkommen, schmuggelte sich Jonitz heimlich in den Abgangs-Cage des Lagers, von dem aus Arbeitskommandos abtransportiert wurden. Mit 40 Kameraden wurde er in ein amerikanisches Lager nach Südfrankreich geschafft. Im Februar 1946 überstellten die Amerikaner das gesamte Lager den Franzosen, welche die Kriegsgefangenen zum Arbeitseinsatz auf verschiedene Orte aufteilen. Im Frühjahr 1947 wurde Hans Jonitz aus dem Kriegsgefangenenlager Nr. 142 in Bourg entlassen. Am 19. April 1947 erhielt er in Tuttlingen seine Entlassungspapiere. 3 Blick auf das Lagergelände Die drei Schicksale stehen für viele. 4 Mehr als Kriegsgefangene konnten wie Hans Jonitz und Otto Beiswenger in Tuttlingen ihre endgültigen Entlassungspapiere in Empfang nehmen und in ein ziviles Leben zurückkehren. Zehntausende haben wie Mehler das Lager in Tuttlingen als Transit-Gefangene auf dem Weg zum Arbeitseinsatz in Frankreich passiert. Damit stehen sie zugleich stellvertretend für die drei großen Gruppen von Kriegsgefangenen, die es im Dépôt N o 2 in Tuttlingen gab: Heimkehrer, Transit-Gefangene und diejenigen, die als Kriegsgefangene im Dépôt blieben. Obwohl das Lager über viele Jahre das Stadtbild Tuttlingens mitgeprägt hat, ist über seine Geschichte erstaunlich wenig bekannt. Während des Nationalsozialismus als Barackenlager Mühlau für Zwangsarbeiter eingerichtet, wurde es im April 1945 von der französischen Armee beschlagnahmt, ausgebaut und als Transit- und Entlassungslager für deut-

3 sche Kriegsgefangene genutzt. Nach 1949 diente es vorrangig als Lager für heimatlose Displaced Persons, ab 1950 auch als Lager für Deutsche, die infolge des Krieges ihre Heimat im Osten verloren hatten und nun eine vorübergehende Bleibe suchten. Über das Lager als Kriegsgefangenenlager (unter französischer Ägide) gibt es kaum nennenswerte Forschungsergebnisse. 5 Die von Rüdiger Overmans für Kriegsgefangenenlager allgemein und die Rheinwiesenlager im Besonderen formulierten Forschungsdesiderata gelten auch für Tuttlingen. 6 Hier kann die vorliegende Studie helfen, Lücken zu schließen. Die Mehrzahl der deutschen Soldaten geriet im letzten Kriegsjahr oder am Ende des Krieges in Gefangenschaft. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hingegen war die Zahl deutscher Gefangener in alliiertem Gewahrsam gering gewesen. Dies änderte sich mit der Kapitulation des Deutschen Afrika-Korps im Mai 1943, als rund deutsche Soldaten und größere italienische Verbände in alliierte Gefangenschaft gerieten. Beim Rückzug der Wehrmacht bis Norditalien infolge der Landung der Westalliierten in Sizilien im Juli 1943, kamen weitere Soldaten in Kriegsgefangenschaft. Aber erst nach der Landung der Westalliierten in der Normandie im Juni 1944, der Rückeroberung Frankreichs und nach der Überquerung des Rhein erhöhte sich die Zahl der deutschen Kriegsgefangenen in westalliiertem Gewahrsam wirklich schlagartig. Sie stieg von weniger als im Frühjahr 1944 auf rund am Jahresende. Bei der Kapitulation am 8. Mai 1945 waren es etwa acht Millionen. 7 Frankreich unterhielt im Dezember 1944 insgesamt 91 Kriegsgefangenenlager mit ungefähr Gefangenen. Diese befanden sich zu diesem Zeitpunkt ausschließlich in Frankreich und Nordafrika. Im September 1945 waren es 148 dépôts für rund Gefangene. Vier dieser dépôts befanden sich nun vier Monate nach Kriegsende - auch in Deutschland und Österreich. 8 Mit dem Überschreiten des Rheins stiegen die Gefangenenzahlen in bislang unbekannte Größenordnungen. Das Erinnerungsmal an das Rheinwiesenlager in Bretzenheim alliierte Oberkommando sah davon ab, diese wie zuvor - in Lager nach Nordfrankreich zu bringen und errichtete vor allem entlang des Rheins provisorische Sammellager, die als Rheinwiesenlager 59 unrühmlich bekannt wurden. In diesen Lagern wurden sogenannte Cages einge-

4 richtet, das waren Aufenthaltsbereiche auf freiem Feld für je 5000 bis Soldaten, die mit Stacheldraht voneinander abgetrennt wurden. 9 Von den insgesamt eine Million Menschen, die in diesen Rheinwiesenlagern eingesperrt wurden, haben zwischen 5000 und Personen nicht überlebt. Dafür war in erster Linie die katastrophale Versorgungslage verantwortlich, die sich jedoch nicht wesentlich von ähnlich unwürdigen Verhältnissen anderer provisorischer Lager der Amerikaner unterschied. 10 Ein Massensterben, wie es etwa James Bacque suggeriert hat, hat es in den Rheinwiesenlagern nicht gegeben. 11 Die Versorgungslage freilich war prekär. Zumindest zeitweise mussten in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zu 20 Millionen Menschen von den Westalliierten versorgt werden (die eigene Truppe, befreite Kriegsgefangene, Zivilbevölkerung der befreiten Gebiete, Displaced Persons, deutsche Zivilbevölkerung und Kriegsgefangene). 12 Kurzfristig ließ sich diese desolate Ernährungslage in einem weitgehend zerstörten Land nicht beheben, denn: Weite Kreise der europäischen Bevölkerung haben 1945 gehungert, die anderen hatten allenfalls gerade genug zu essen. 13 Die Kriegsgefangenen konkurrierten im Kampf um jede Kalorie mit den Millionen anderer Menschen, die nicht mehr in der Lage waren, sich selbst zu ernähren. Die deutschen Kriegsgefangenen nach dem 8. Mai 1945 gemäß dem Kriegsvölkerrecht - und damit wie die eigene Truppe - zu ernähren, wäre zu Lasten der Millionen Displaced Persons, der hungernden Bevölkerung in den befreiten Gebieten oder einer anderen Bevölkerungsgruppe gegangen. Dies aber wäre moralisch wie auch politisch nicht durchsetzbar gewesen. 14 Diese beiden Faktoren desolate Ernährungssituation und exorbitant hohe Gefangenenzahlen - gilt es zu bedenken, wenn im Weiteren vom Kriegsgefangenenlager in Tuttlingen die Rede ist. 60 Dass man nicht in der Lage sein würde, gemäß der Genfer Kriegsgefangenenkonvention die Versorgung und Ernährung der großen Menge an Gefangenen sicher zu stellen, hatten die beiden Westalliierten frühzeitig erkannt. Die von ihnen entwickelte juristische Scheinlösung, wonach Kriegsgefangene den Status von Disarmed Enemy Forces (DEF) bzw. Surrender Enemy Forces bekamen und damit nicht unter den Schutz der Genfer Konvention oder der Haager Landkriegsordnung fi elen, sollte diesem Umstand Rechnung tragen. Denn nun mussten die deutschen Kriegsgefangenen nicht mehr wie eigene Soldaten versorgt werden, und sie konnten quasi unbeschränkt und ohne rechtliche Komplikationen - als Arbeitskräfte eingesetzt werden. 15 Dass ein Teil der Kriegsgefangenen zum Wiederaufbau und zur Wiedergutmachung angerichteten Schadens eingesetzt werden würde, war bereits 1943 zwischen den Alliierten vereinbart worden. In einem verwüsteten Land, voll von heimatlosen Menschen, und bei einem sich rasch nähernden Winter,

5 waren die Alliierten nicht in der Stimmung, Feinheiten des internationalen Rechts zu diskutieren. Sie brauchten einfach Arbeitskräfte, um die Häfen zu öffnen, die Eisenbahnlinien wiederherzustellen und das Strom- sowie das kommunale Wassersystem wieder in Gang zu setzen, so der Historiker Arthur L. Smith. 16 Das Ausmaß der Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten, dem sich die Westalliierten gegenüber sahen, sollte seiner Meinung nach nicht unterschätzt werden. Alle an der Besatzung beteiligten Alliierten zogen deutsche Kriegsgefangene für normale Wiederaufbauarbeiten heran. Während des Jahres 1945 beschäftigte allein die US-Armee Kriegsgefangene und DEF-Personen in über 200 Arbeitskompagnien, insgesamt rund Mann. 17 Wachturm im Dépôt de Transit N Vor Kriegsende beschlossene Vereinbarungen sahen demnach vor, deutsche Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter in o 2 die zerstörten Gebiete zu deportieren. Entsprechend übergaben Amerikaner und Briten ca. eine Million Gefangene an Frankreich. Die Sowjetunion überstellte rund Deutsche an Polen. Vor allem Frankreich hatte großes Interesse an der Arbeitsleistung deutscher Soldaten, die als wichtige Kriegsbeute betrachtet wurde. 18 Mit dem juristischen Trick, der aus Kriegsgefangenen DEF machte, ließen sich die Transfers ohne rechtliche Komplikationen bewerkstelligen und die von der Genfer Konvention vorgeschriebenen festen Entlassungstermine umgehen. Für die von den USA an Frankreich überstellten deutschen Kriegsgefangenen bedeutete der Wechsel von der einen zur anderen Gewahrsamsmacht, dass sie mehrheitlich Reparationszwangsarbeiter in Frankreich wurden und auf unbestimmte Zeit weiterhin in Gefangenschaft sein würden. Für die Betroffenen war dies ein einschneidendes Erlebnis. Das lässt sich an den Tagebüchern der Kriegsgefangenen ablesen, in denen dieser Wechsel eines der Leitmotive war. 19 Dass sich die Lebensverhältnisse und Bedingungen der Gefangenschaft eines DEF/SEP deutlich von denen eines Kriegsgefangenen unterschieden hätten, konnte bislang nicht nachgewiesen werden. 20 Sammellager Tuttlingen Der weitaus größte Teil der Kriegsgefangenen in französischem Gewahrsam war nicht von der französischen Armee selber gefangen genommen, sondern war ihnen von den Vereinigten Staaten überstellt worden. 21 Denn die USA hatten aus 61

6 naheliegenden Gründen kein Interesse an kriegsgefangenen Arbeitskräften in Europa. Ab Herbst 1945 begannen die USA sogar, die in den USA internierten deutschen Kriegsgefangenen zurückzuschaffen. 22 In dieser Situation war die Überstellung der Gefangenen an Frankreich eine willkommene Lösung des Problems. Ursprünglich hatten die Franzosen 1,7 Mio. deutsche Kriegsgefangene für den Arbeitseinsatz und Wiederaufbau im französischen Mutterland gefordert. 23 Nach Verhandlungen der Westalliierten mit General de Gaulle war es im Februar 1945 zu einer Vereinbarung gekommen, nach der Kriegsgefangene aus dem britischen und amerikanischen Kontingent dauerhaft an die Franzosen transferiert werden sollten. Kurz danach (und damit noch vor Kriegsende) hatten die ersten Überstellungen begonnen. 24 Als sich nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes die westalliierten Streitkräfte mit Millionen von Kriegsgefangenen konfrontiert sahen, spitzte sich die Lage trotz großzügig gehandhabter Entlassungspraxis vor allem in den Rheinwiesenlagern zu. Bevor diese im Juli 1945 an die Franzosen übergeben wurden, hatten die USA bereits rund eine Million Gefangene (Frauen, Kinder und Jugendliche, Alte, Kranke und alle Nichtdeutschen) aus den Rheinwiesenlagern entlassen. Dazu kam die prekäre Versorgungslage im kriegszerstörten Deutschland, weshalb die USA Frankreich drängten, nicht nur alle Kriegsgefangenen Bauliche Entwicklung des Lagers Mühlau. Aus der Chronik des in den westalliierten Lagern in Frankreich selbst, sondern René Kretz auch die in der französischen Besatzungszone zu übernehmen. Als Frankreich Anfang Juli tatsächlich die amerikanischen Camps übernahm, wechselten rund Gefangene der Rheinwiesenlager, die sich in einer situation précaire (prekären Situation) befanden, die Gewahrsamsmacht. 25 Viele von ihnen waren unterernährt, krank und damit nicht arbeitsfähig ein Drittel der Gefangenen musste sofort entlassen werden. Die übrigen rund Personen wurden in feste Lager in der französischen Besatzungszone und nach Frankreich verbracht. Bis zum 1. Oktober 1945 hatten auf diese Weise in vier Kontingenten rund Kriegsgefangene die Gewahrsamsmacht gewechselt und waren an Frankreich überstellt worden. Insgesamt wurden 62 Frankreich nach eigenen Angaben arbeitsfähige Kriegsgefangene überstellt. 26 Die in kurzer Zeit massenhafte Übernahme von Kriegsgefangenen führte

7 spätestens im Herbst 1945 zu dramatischen Zuständen in den französischen Lagern. Berichte des IKRK 27, wonach wegen der Unterernährung mit dem Tod mehrerer Hunderttausend Gefangener zu rechnen sei, führten zu einem Aussetzen der Überstellungen und zu Hilfsmaßnahmen von amerikanischer und französischer Seite. 28 Die humanitäre Katastrophe habe zwar nicht stattgefunden, die ersten Monate nach Kriegsende jedoch seien die schlimmsten für die KG gewesen, urteilte der französische Historiker Fabien Théofi lakis und verwies in diesem Zusammenhang auf die hohe Sterblichkeit gerade in den Monaten nach Kriegsende. 29 Die 1. Französische Armee, die in der Schlussphase des Zweiten Weltkrieges aus Teilen der (regulären) in Nordafrika stationierten B-Armee und Teilen der Armée Française de la Libération (Teil der Résistance) gebildet worden war und insbesondere im Elsass und Südwestdeutschland kämpfte, führte bei ihrem Vorstoß über den Rhein offensichtlich bereits deutsche Kriegsgefangene mit sich. So ist in einem internen Bericht über die Cage d Armée N o 2 von 20 Kriegsgefangenen die Rede, die, bewacht von ehemaligen französischen Kriegsgefangenen, seit Belfort mit der französischen Armee vorrückten. 30 Am 22. April 1945 wurden Sigmaringen und Stuttgart eingenommen, wenige Tage später war die französische Armee in Friedrichshafen. 31 So lange der Krieg andauerte, war die 1. Französische Armee unmittelbar für die Kriegsgefangenen in ihrer Hand verantwortlich. Erst nach Schaffung der französischen Besatzungszone wurde im Dezember 1945 in Baden-Baden eine Direction des Prisonniers Guerre Allemagne-Autriche (Direktion für die Kriegsgefangenen aus Deutschland und Österreich) eingerichtet, die wiederum ihre Weisungen aus Paris von der von General Buisson geleiteten Direction Générale des Prisonniers de Guerre (D.G.P.G.) erhielt. 32 Die Verantwortung für die Kriegsgefangenen trug generell das französische Kriegsministerium; die Organisation in Frankreich wurde nach militärischen Gesichtspunkten in den einzelnen Militärregionen geregelt. Nach der Demobilisierung der 1. Französischen Armee am 1. August 1945 wurde die Cage d Armée N o 2 umbenannt in Cage C.S.T.O. N o 2. Als solches fi rmierte das Kriegsgefangenenlager in Tuttlingen bis zur Unterstellung unter die DGPG und der Umbenennung in Dépôt de transit im Januar In der französischen Besatzungszone unterstanden ab Januar 1946 dem in Baden-Baden angesiedelten Dépôt principal 2301 drei Dépôts de transit : Bretzenheim, Tuttlingen und Malschbach. 34 Am 27. April 1945 wurde der zwei- Blick auf das Lagergelände

8 Aus der Chronik des René Kretz 64 ten Cage d Armée die Stadt Tuttlingen als permanenter Standort zugewiesen. Zuvor waren die deutschen Gefangenen mit den französischen Truppen vorgerückt, bewacht von ehemaligen französischen Kriegsgefangenen. Es scheint, als hätte der schnelle Vorstoß die Frage der Unterbringung und Bewachung der in immer größerer Zahl anfallenden deutschen Kriegsgefangenen zu einer vordringlichen gemacht. Denn ab dem 28. April sollten alle Kriegsgefangenen, welche Einheiten der 2. Cage d Armée machten, nach Tuttlingen dirigiert werden. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich in dieser Stadt ca Kriegsgefangene, die über die ganze Stadt verteilt provisorisch untergebracht worden waren, vom Deutschen Roten Kreuz versorgt und von ehemaligen (vornehmlich französischen) Kriegsgefangenen bewacht wurden. 35 Die ehemaligen französischen Kriegsgefangenen jedoch waren impatients de rentrer en France 36, und die Anzahl der regulären französischen Soldaten, die zur Bewachung vorgesehen waren, wurde als insuffi sant pour assurer la relève et la garde à travers toute la ville eingeschätzt. 37 Das 2. Bureau Service PG der französischen Armee rechnete außerdem in Kürze mit weiteren Gefangenenkontingenten, die beim Vormarsch der Franzosen nach Lindau, Bregenz und weiter nach Österreich zu erwarten waren. Um der angekündigten arrivées massives (große Anzahl eintreffender Gefangener) Herr zu werden, war für den amtierenden Kommandanten der Cage, Capitaine Rousseau 38, le rassemblement sur un espace assez grand 39 naheliegend. Seine Wahl fi el auf ein großes Feld- und Wiesengrundstück an der Donau, an dessen östlicher Grenze sich das ehemalige NS-Zwangsarbeiterlager Mühlau (für ca. 700 NS-Zwangsarbeiter) befand. Im Süden begrenzte die Donau das Gelände, im Osten und Westen verliefen Eisenbahngleise in Richtung Sigmaringen bzw. Rottweil. Zum Zwangsarbeiterlager gehörten 7 Baracken, eine Küche und sanitäre Anlagen freilich le tout infesté de vermines (von Ungeziefer befallen). Nachdem die sowjetischen Zwangsarbeiter das Lager verlassen hatten, 40 wurden die deutschen Kriegsgefangenen mit dem Bau bzw. Ausbau des eigenen Lagers beauftragt. Zu den ersten Aufgaben gehörten das Einzäunen des Geländes mit Stacheldraht, die Installation einer Beleuchtung und die Versorgung mit Trinkwasser. Die Küche

9 wurde in Gang gesetzt und eine Krankenstation eingerichtet. Eine zweite Stacheldrahtabsperrung sowie Wachtürme komplettierten später die Lagereinrichtung. Nach dem Bericht von Rousseau konnten bereits am 30. April alle in Tuttlingen an verschiedenen Orten untergebrachten Kriegsgefangenen - beim Abendappell wurden 5831 Männer gezählt - ins Lager überführt werden. 41 Ab diesem Tag war die Cage einsatzbereit und hatte am Nachmittag ihre normale Arbeit aufgenommen: Tri des P.G., Contrôle und Recherche du Renseignement et Recensement des Unités. 42 Die Kriegsgefangenen wurden nach bestimmten Kriterien sortiert. SS- Angehörige sollten herausgefi ltert werden, die übrigen wurden eingeteilt in die Gruppen der Wehrmachtsoldaten mit Mannschaftsdienstgraden, in Unteroffi ziere und Offi ziere. 43 Offi ziere wurden in allen Gewahrsamsstaaten getrennt von den Unteroffi zieren und Mannschaften untergebracht. Zudem durften sie gemäß Genfer Konvention nicht zum Arbeitseinsatz herangezogen werden; sie wurden häufi g in reine Offi ziersdépôts überstellt und dort gefangen gehalten. 44 Ob überhaupt und wie viele Offi ziere über längere Zeit im Tuttlinger Lager waren und wie sich ihre Situation als nicht-arbeitende Kriegsgefangene darstellte, wissen wir nicht. Als Transit-Gefangene wurden sie nur einmal erwähnt, als am 8. Mai 1945 dem Tag der deutschen Kapitulation - sieben deutsche bzw. ungarische Generäle von Tuttlingen nach Straßburg abtransportiert wurden. 45 In den Erinnerungen ehemaliger Tuttlinger Kriegsgefangener spielten Offi ziere hingegen keine Rolle, so dass davon auszugehen ist, dass die Stammbelegung aus Mannschaftsdienstgraden und (einigen wenigen) Unteroffi zieren bestand. Die einzigen Offi ziere im Lager waren nach Aussage des ehemaligen Kriegsgefangenen Otto Beiswenger die Lagerärzte und zahnärzte. 46 Unteroffi ziere durften nach dem geltenden Kriegsvölkerrecht zumindest zu Aufsichtszwecken eingesetzt werden. Solche Tätigkeiten waren in einem Lager allerdings eher selten. So standen die 20 Kriegsgefangenen, die mit der Cage nach Tuttlingen kamen, unter der responsabilité eines Feldwebels. Dass ein Unteroffi zier im Range eines Feldwebels das Kommando führte, war keine Seltenheit. Häufi g avancierten diese zu Meinungsführern innerhalb der Lagerbelegschaft. Dies wurde auch in amerikanischen Lagern beobachtet und durch das Prinzip der amerikanischen Kriegsgefangenenpolitik unterstützt, den Gefangenen möglichst viel Selbstverwal- Französisches Betreuungspersonal im Lager Mühlau. Aus der Chronik des René Kretz 65

10 Lager Mühlau, Dépôt de Transit N o 2 66 tung innerhalb der Lager zu überlassen. 47 Unteroffi ziere konnten sich aber freiwillig für den Arbeitseinsatz melden. Für nicht arbeitswillige Unteroffi ziere gab es Sonderabteilungen in den Dépôts Fort-de-Cormeilles und Lyon/Feyzin. Dass sich etliche Unteroffi ziere zum freiwilligen Arbeitseinsatz meldeten, um der Langweile und Trostlosigkeit des Lagerlebens zu entgehen, ist vielfach belegt. 48 Da das Kriegsvölkerrecht außerdem eine Vermischung von Kriegsgefangenen unterschiedlicher Nationalität verbot, wurden die Männer nach ihrer Ankunft im Tuttlinger Lager nach Nationalitäten getrennt. Um ihre Identität nachweisen zu können, mussten die Gefangenen ihr Soldbuch vorlegen. Damit sollte verhindert werden, dass man sich als jemanden ausgeben konnte, der einen höheren Rang als den eines einfachen Soldaten innegehabt hatte, um so dem Arbeitseinsatz zu entgehen. 49 Gesucht wurde aber auch nach sonstigen Dokumenten und Fotos. Bei diesen fouille sommaire (kurzen Durchsuchungen) war so bei einem Kriegsgefangenen ein kompromittierendes Foto gefunden worden, auf dem er à coté d un cadavre d un F.F.I. zu sehen war, qu il venait d abattre. 50 Dieser Fund, so steht zu vermuten, zog für den Kriegsgefangenen polizeiliche Ermittlungen und Untersuchungshaft nach sich. Denn die Partisanenfrage bildete den Schwerpunkt der französischen Kriegsverbrecherprozesse in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Wer verdächtigt wurde, im Rahmen der Partisanenbekämpfung einen Kombattanten der militärischen Formation der Résistance getötet zu haben, wurde eines Kriegsverbrechens beschuldigt und musste sich vor Gericht verantworten. 51 Bei der Suche nach deutschen Kriegsverbrechern richtete sich das Augenmerk der französischen Ermittlungsbehörden vor allem auf die Kriegsgefangenenlager, in denen zahlreiche Personen vermutet wurden, die sich an Kriegsverbrechen auf französischem Boden beteiligt hatten. Verdächtige Kriegsgefangene durften auf keinen Fall entlassen werden, hieß es im Oktober 1944 von Seiten des im Pariser Justizministerium neu gegründeten Service de recherche des crimes de guerre ennemis (SRCGE). Bis zu seiner Aufl ösung 1947 leitete und koordinierte diese Abteilung ausschließlich die Vorermittlungen wegen Kriegsverbrechen. 52 Die zahlreichen Todesurteile in den Jahren 1945 und

11 1946 zeigen, dass die französische Militärjustiz in der unmittelbaren Nachkriegszeit mit besonderer Härte urteilte. In diesem Zusammenhang ist die von Capitaine Rousseau für Mai 1945 beschriebene Aufgabe des Dépôts in Tuttlingen zu sehen, mutmaßliche an Kriegsverbrechen beteiligte Wehrmachtsangehörige zu identifi zieren und innerhalb der Masse von Kriegsgefangenen dingfest zu machen. Bei der Beschaffung der benötigten Informationen leisteten ihm d éléments Polonais (polnische Elemente) wertvolle Dienste. Diese polnischen Männer, incorporés de force dans la Wehrmacht (in die Wehrmacht per Zwang inkorporiert, wurden im Lager als P.M. (Police Militaire) beschäftigt. 53 Es ist anzunehmen, dass es sich bei diesen polnischen Elementen um Volksdeutsche aus den von den Nationalsozialisten annektierten westpolnischen Gebieten handelte, die aufgrund ihrer positiven rassischen Beurteilung als wehrfähige Männer in der Wehrmacht Dienst leis- Exerzieren im Lager ten mussten. Ob ein vielfach von den ehemaligen Kriegsgefangenen erwähnter Polen-Hans zu dieser Gruppe d élements Polonais gehörte, muss offen bleiben. Die Tuttlinger Veteranen erinnerten übereinstimmend, dass ein Kriegsgefangener mit diesem Spitznamen polnischer Abstammung (Oberschlesien) war, jedoch nach kürzester Zeit die Uniform der Wachmannschaft trug und schließlich sogar den (militärischen) Rang eines Adjutant-Chef bekleidete. Er wurde von ihnen als unbarmherziger Chef der mehrheitlich aus Polen und Ungarn bestehenden Wachmannschaft erinnert, welche u.a. die Außenkommandos zu ihrem Arbeitseinsatz begleiteten. 54 Es steht zu vermuten, dass diese von den ehemaligen Kriegsgefangenen als Wachmannschaft bezeichneten Personen dieselben waren, die bei den Franzosen zu Beginn als Police Militaire geführt wurden. Die Aufgabe, die deutschen Kriegsgefangenen bei ihren Arbeitseinsätzen außerhalb des Lagers zu begleiten und zu bewachen, hatte man in Tuttlingen offenbar einer Gruppe nicht deutscher Kriegsgefangener übertragen. Unter den im Mai 1945 in Tuttlingen für den Transport nach Frankreich registrierten Kriegsgefangenen befanden sich knapp 1000 Polen und rund 500 Ungarn, so dass die Möglichkeit einer Rekrutierung des Hilfspersonals aus der Gruppe dieser 67

12 Volksdeutschen gegeben war. 55 Seit Anfang an litt die französische Kriegsgefangenenverwaltung unter großen Personalproblemen und hatte Schwierigkeiten, geeignete Soldaten für Bewachungsaufgaben in den Lagern zu fi nden. Um den Mangel an militärischem Bewachungspersonal auszugleichen, sollte ein gemischtes Korps von zivilen KG-Aufsehern unter militärischer Führung zum Einsatz kommen. 56 Nicht auszuschließen ist aber auch, dass es sich bei den Männern des Wachpersonals um Displaced Persons (DP) gehandelt hat, die zu diesem Zweck angeworben wurden. Diesen Weg hatte man etwa in Bretzenheim gewählt. 57 Die von den Zeitzeugen belegten rüden Methoden des Polen-Hans waren mit ein Grund für seine Ablösung als Chef der Wachmannschaft. Wie Otto Beiswenger erinnerte, war vor allem Adjutant-Chef Ehling 58 der militärische Rang des Polen-Hans ein Dorn im Auge. Auf Ehlings Betreiben und entsprechender Eingaben beim französischen Kriegsministerium sei Adjutant-Chef Polen-Hans Ende 1947 auf den Rang eines chef de groupe zurückgestuft worden. Damit war er auch das Amt des Chefs der Wachmannschaft los, blieb aber bis zu seiner Entlassung Teil dieser Sondergruppe. 59 Neben der Militärpolizei, die vornehmlich außerhalb des Lagers in Erscheinung trat, gab es im Lager die Lagerpolizei. Diese wurde in der Anfangszeit des Lagers unter den 20 Kriegsgefangenen rekrutiert, die den effectif allemand (deutschen Personalbestand) und ersten Stamm der deutschen Lagerverwaltung bildeten. Sie fungierten als police à l interieur de la Cage (Polizei für den Innenbereich der Cage), insbesondere wenn die Kriegsgefangenentransporte im Lager eintrafen Als am 27. April 1945 an die Verantwortlichen der Cage N o 2 die Order erging, in Tuttlingen ein Kriegsgefangenenlager zu errichten, bestand ihr französisches Verwaltungspersonal ( effectif ) aus drei Personen. Außer dem Kommandanten Rousseau gab es zunächst lediglich einen offi cier interrogateur (der die Vernehmungen leitende Offi zier) 61 sowie einen conducteur (Fahrer). Dem effectif allemand gehörten auch die 20 Kriegsgefangenen an, die als Sekretäre, Köche, Lagerhalter und Lagerpolizisten beschäftigt wurden. 62 Drei Tage später, am 30. April 1945, hatte die Cage - wie gesehen - ihren regulären Betrieb aufgenommen, und am 2. Mai und damit noch vor Kriegsende gingen die ersten Transporte mit Kriegsgefangenen aus Tuttlingen über Straßburg nach Frankreich. Insgesamt wurden im Monat Mai Kriegsgefangene unterschiedlichster Nationalität zum Arbeitseinsatz ins französische Mutterland geschafft. Diese Zahl wurde in keinem der folgenden Monate mehr erreicht. Neben der mit rund Männern aus Deutschland größten Gruppe waren Angehörige der mit NS-Deutschland verbündeten Staaten wie Ungarn, Rumänien, Italien und Finnland vertreten. Nach Frankreich transferiert

13 Unfall zwischen Esslingen und Talheim Am 14. Juni 1946 holte ein Lastwagen deutsche Kriegsgefangene im Lazarett in Triberg ab um sich auf die Fahrt Richtung Tuttlingen Lager Mühlau zu begeben. Sie fuhren durch die Ortschaft Schönwald, aus der ein Kriegsgefangener stammte und der dort von Einwohnern noch gesehen wurde. Offensichtlich sprach der französische Lastwagenfahrer dem Alkohohl zu. Gegen 10 Uhr geriet der Lastwagen zwischen Talheim und Esslingen von der Fahrbahn ab und stürzte in den steil abfallenden Krähenbach. Dabei fanden 11 Kriegsgefangene sofort und drei weitere später den Tod, andere wurden verletzt. Die Toten und die Verletzten wurden in der Dorfmitte aufgebahrt und von Lastwagen abgeholt. Wie Bälle hätte man die Leichen auf die Pritsche des Wagens geworfen, berichtet eine Esslinger Anwohnerin. Die Leichen wurden nach Tuttlingen überführt und am 16. Juni 1945 dort auf dem Ehrenfriedhof beigesetzt. Sie hatten die Grabnummern 108 bis 116. Drei Tote wurden später umgebettet und in ihre Heimat überführt. Am 14. Juni 1945 starben an den folgen des Unfalls in Esslingen: 1. Gefreiter Kruse, Heye, Ostfriesland geb. Lütetsburg Wachtmeister Bantel, Paul, geb. Deizisau bei Esslingen Soldat Hinderer, Karl, geb. Hamburg Obergefreiter Wächter, Arno, Angehörige in Radebeul 5. Unteroffi zier Dold, Karl, geb. Schönwald Schwarzwald Gefreiter Lindner, Ernst, Angehörige in Ohletal Kreis Strehlen Schlesien 7. Unteroffi zier Lindemann, Helmut, geb. in Niefern Obergefreiter Schiffl er, Arthur, Angehörige in Fürth 9. Gefreiter Lorenz, Ernst, Angehörige in Triberg 10. Unteroffi zier Leipold, Georg, geb Angehörige in Fürth 11. Soldat Fritze, Werner, Angehörige in Wolmirstedt bei Magdeburg 12. Unteroffi zier Seidel Max, Angehörige in Berlin -Friedrichsfeld 13. ein unbekannter Soldat 14. ein unbekannter Soldat (gw)

14 Rasur als Strafmaßnahme 70 wurden außerdem kriegsgefangene Soldaten aus neutralen oder besetzten (westeuropäischen) Gebieten. Hierbei handelte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Angehörige der Waffen-SS. Denn um ihren wachsenden Personalbedarf zu decken, war man bei der Waffen-SS zunehmend dazu übergegangen, personelle Ressourcen außerhalb der Reichsgrenzen (und damit außerhalb der Zuständigkeit der Wehrmacht) zu erschließen. In Frage kamen in diesem Zusammenhang nichtdeutsche, sogenannte germanische Freiwillige aus den vom Deutschen Reich besetzten oder mit diesem verbündeten Ländern West- und Nordeuropas wie Spanien, Holland, Dänemark und Belgien. 63 Unter der Nationalität Anglais führte Capitaine Rousseau in seinem Bericht 434 indische Sikhs auf, die in der englischen Armee vor allem in Nordafrika gegen die deutsche Wehrmacht gekämpft und dort in Gefangenschaft geraten waren. Von der Wehrmacht angeworben, wurde die Legion Indien eine reguläre Truppeneinheit der Wehrmacht, bevor sie im August 1944 der Waffen-SS unterstellt wurde. Nach der Invasion der Alliierten in Frankreich eingesetzt, war die Legion schließlich auf der Schwäbischen Alb nahe dem Heuberg in Gefangenschaft geraten. 64 Betrachtet man die Gefangenen rein quantitativ, dann war die Gruppe der Österreicher mit knapp 2000 Mann die zweitgrößte; es folgten Tschechen (1118) und Polen (936). 65 Dass bei Wehrmacht und Waffen-SS nicht nur Reichsdeutsche, sondern auch Deutschstämmige vor allem aus Südosteuropa und dem Baltikum ( Volksdeutsche ) kämpften, ist hinlänglich bekannt. Etwa eine halbe Million Polen aus Schlesien waren Wehrmachtsoldaten, und bei Kriegsende war jeder vierte oder fünfte Soldat der Waffen-SS Ungarn- oder Rumäniendeutscher. 66 Dass in dem Bericht über das Lager in Tuttlingen im Mai 1945 kriegsgefangene Tschechen, Polen, Ungarn, Russen, Rumänen, Litauer, Esten und Letten aufgeführt werden, ist deshalb nicht verwunderlich. Zu einem ähnlichen Ergebnis war der Chef du Service P.G. für die nördliche französische Besatzungszone 1948 in seinem Bericht über die acht von den Amerikanern übernommenen Rheinwiesenlager gekommen. 67 Nach dem 8. Mai, dem Tag der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches, stiegen die Gefangenenzahlen in Tuttlingen rasch an: Am 9. Mai waren es

15 Gefangene, einen Tag später schon und am 10. Mai Männer. 68 Karl Heinz Mehler, der als 15-jähriger Jugendlicher ins Kriegsgefangenenlager nach Tuttlingen kam und dort das Kriegsende erlebte, berichtete von einem riesigen Lager mit etwa Gefangenen, die auf einer eingezäunten Wiese kampierten. 69 Diese hohen Belegungszahlen waren indes nur von kurzer Dauer. Die Frequenz der Transfers nach Frankreich wurde entsprechend erhöht. Am 15. Mai gab es in Tuttlingen nur noch rund Kriegsgefangene, und am Ende des Monats war die Zahl bereits auf 1000 gesunken. 70 Die erste Phase der Gefangenenverwaltung von Mai 1945 bis zum Winter 1945/46 sei von Improvisation, Unsicherheit und Mangel gekennzeichnet gewesen, so der französische Historiker Fabien Theofi lakis. 71 Unzureichend gekleidet und unterernährt, fanden die deutschen Gefangenen in den französischen Lagern primitive sanitäre Anlagen und schlechte hygienische Verhältnisse und kaum ausreichend Decken oder Stroh, geschweige denn Betten vor. Den Lagern der unmittelbaren Nachkriegsmonate in Frankreich stellte das IKRK ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. 72 General Buisson, der Chef der Direction Générale des Prisonniers de Guerre, gab in seinem Rapport von 1948 diese Anlaufschwierigkeiten zu, verwies aber auf die allgemein schwierigen Bedingungen in einem von Krieg und Besatzung zerstörten Land. Bei den Amerikanern verfi ng diese Argumentation nicht. Sie entschieden im September 1945, den Transfer von deutschen Kriegsgefangenen nach Frankreich vorläufi g einzustellen. 73 Blick auf das Lagergelände 1945 Wie die Verpflegung, so die Bewegung Die Zustände in den Lagern in der französischen Besatzungszone waren ähnlich alarmierend. Nach der Übernahme der Rheinwiesenlager durch die Franzosen wurde, darin sind sich alle Zeitzeugen einig, die Verpfl egung noch schlechter und die Behandlung rigoroser. 74 Die große Menge an Gefangenen wurde in der Kapitulationsphase und in den Wochen unmittelbar danach dans tout les endroits possible (an allen möglichen Orten) und même en plein air (sogar unter freiem Himmel) untergebracht. Die hygienischen Verhältnisse waren désastreuse (katstrophal), die Zahl der hospitalisations (Krankheitsfälle) steigend. 75 Auch für Tuttlingen wurde anfangs von einem Freilager gesprochen. 76 Es bestand aus dem alten (Zwangsarbeiter-) Lager Mühlau und einem terrain comprenant une vaste 71

16 prairie et des champs. 77 Capitaine Rousseau sprach ebenfalls von Cages en plein air (Cages unter freiem Himmel) und cages types parc à bestiaux (Cages vom Typ Viehstall) sowie von camps mixte (gemischte Camps), die teils aus bâtiments en dur et baraques (feste Gebäude und Baracken) und moitié en plein air (teils unter freiem Himmel) bestanden hätten, welche die französische Armee im Juli 1945 im nördlichen Teil ihrer Besatzungszone von den USA übernommen hätten. 78 Dass Gefangene zunächst in improvisierten Unterkünften untergebracht, und diese erst mit dem Ausbau der französischen Kriegsgefangenenverwaltung allmählich durch feste Lager ersetzt wurden, gab es nicht nur in Tuttlingen, sondern war auch im französischen Mutterland der Normalfall. 79 In Tuttlingen gelang es dagegen offensichtlich sehr schnell, die Wasserversorgung sicherzustellen. Wie der erste Lagerarzt Dr. Erich Kratschmer erinnerte, wurde eine Leitung mit vier Zapfstellen auf dem Lagergelände verlegt. Hier versorgten sich die Gefangenen mit Trinkwasser. 80 Dies wurde von einem weiteren ehemaligen Kriegsgefangen bestätigt. Für das ganze Lager habe es nur einen Wasserhahn gegeben, an dem sich täglich alle anstellten, um ihre Feldfl aschen oder ihr Kochgeschirr zu füllen. Das Wasser war nicht rationiert, aber wir mußten stundenlang dafür anstehen. 81 Auch konnte der Ausbruch von Seuchen verhindert werden. Nach Aussage Kratsch- Verstorbene Soldaten wurden auf dem Ehrenfriedhof der Stadt beigesetzt. 72 Ehrenfriedhof Zweiter Weltkrieg Zwischen 1939 und 1948 wurden 263 Personen auf dem Ehrenfriedhof in Tuttlingen beigesetzt. Es handelte sich um Wehrmachtsangehörige, die entweder in Tuttlingen starben oder auf Wunsch der Angehörigen hierher überführt wurden. Während des Krieges zwischen dem 23. September 1939 und dem 20. April 1945 wurden 94 Personen beigesetzt. Ab dem 22. April 1945 bis Ende 1948 wurden 168 Personen bestattet. Unter den Opfern waren auch Personen aus Österreich, der Schweiz, aus Italien, Russland, Tschechoslowakei, Ungarn, Dänemark, Rumänien, Griechenland, Holland und Polen, die in der Wehrmacht gedient hatten. Etwa die Hälfte der Beigesetzten starb Ungefähr ein Viertel stammte aus Tuttlingen oder hatte Angehörige in Tuttlingen. (gw)

17 mers gab es selbst in der kritischen ersten Phase keine Todesfälle, die auf die unzureichenden Bedingungen im Lager zurückzuführen gewesen wären. 82 Über die tatsächlichen Todeszahlen im Lager Tuttlingen gibt es keine Unterlagen. Dass es gerade in der ersten Phase der Gefangenschaft, in der die Gefangenen gleichwohl den extremsten Bedingungen ausgesetzt waren, keine Todesfälle gegeben haben soll, muss zunächst verwundern. Doch können sich ehemalige Gefangene weder an Todesfälle der ersten Stunde, geschweige denn an ein massenhaftes Sterben in den Jahren danach erinnern. Erinnert werden Einzelfälle wie der Tod eines Kameraden durch einen Unfall beim Tansport von Kolbinger Platten, als 1946 die Lagerkirche gebaut wurde. 83 Als das Lager eingerichtet wurde, hatte man jedoch die Seuchengefahr als hoch angesehen. Capitaine Rousseau, der erste Lagerkommandant, hatte sich bei der Stadt Tuttlingen am 14. Mai 1945 über unhaltbare hygienische Zustände im einstigen Zwangsarbeiterlager beschwert. Nachdem es die deutsche Seite für intolérable bezeichnet hätte, d installer les prisonniers allemands dans les ordures puantes et la vermine, obwohl man nichts dagegen gehabt hatte, an genau diesem Platz noch vor wenigen Wochen les prisonniers français et russes in der compagnie avec les rats hausen zu lassen, 84 hatte es die Stadt Tuttlingen übernommen, für eine Reinigung und Desinfektion des Lagers zu sorgen. Sept jours ce sont passés et vous n avez rien fait!, schrieb ein empörter Rousseau. 85 Daher lehnte er toute responsabilité en ce qui concerne le déclenchement d une épidémie ab. 86 Am nächsten Morgen sollten vier Pferdefuhrwerke den Unrat aus dem Lager abholen, einem Lager, où l ex-armée allemande s est complu à faire vivre, dans une saleté et une puanteur innommables qui la deshonorent, les ressortissants alliés. 87 Gegen diese Anschuldigungen setzte sich der Bürgermeister zur Wehr. Unter den Nationalsozialisten als Lager für Ostarbeiter konzipiert, habe es zu keiner Zeit als Kriegsgefangenenlager gedient, ließ er Rousseau wissen. Dass es in den letzten drei Jahren irgendwelche Epidemien im Zwangsarbeiterlager gegeben hätte, die auf mangelnde sanitäre Einrichtungen und Hygiene zurückzuführen Zahnärztliche Versorgung in der Krankenstation des Lagers gewesen wären, bestritt er. 88 Sodann zählte er auf, welche Maßnahmen von Seiten der Stadtverwaltung ergriffen worden waren. So hätten etwa am 8. Mai 1945 aus Kriegsgefangenen gebildete Arbeitskommandos alles aus den Baracken entfernt, was von den Zwangsarbeitern, 73 die das Lager erst einen Tag zuvor verlassen hatten, zurückgelassen worden war.

18 Anschließend hätte die Feuerwehr die Baracken gereinigt. Allerdings sei dem Pferdefuhrwerk, das den Kehrichthaufen im Lager abtransportieren sollte, zunächst die Einfahrt ins Lager verweigert worden. Erst nach Intervention eines Vertreters des Roten Kreuzes hätten wenigstens zwei der bestellten Wagen ins Lager einfahren können. Gewisse Verzögerungen in der Durchführung von Rousseaus Anordnungen seien deshalb nicht verwunderlich. 89 In den Baracken dieses ehemaligen Zwangsarbeiterlagers wurden ab Ende Mai die P.G. permanents untergebracht. Doch konnte die Ungezieferfrage nicht befriedigend gelöst werden. Das ex-camp russe (ehemaliges Russen-Lager) wurde aufgegeben und die Stammbelegschaft des Lagers zog ab November 1945 ins neu errichtete Lager Selbst in den Kriegsgefangene u.a Dr. Kratschmer Monaten April bis Juni und damit vor der Übernahme der Rheinwiesenlager von den Amerikanern und der sich anschließenden Entlassungswelle für Kranke und Verwundete - scheint es im Lager Tuttlingen keine Schwerverwundeten oder Schwerkranken gegeben zu haben. Otto Beiswenger, der über das französische Lager Rum in der Nähe von Innsbruck nach Tuttlingen kam und aufgrund einer Armverletzung nicht arbeitsfähig war, wurde direkt nach seiner Ankunft im Lager Tuttlingen ins Kriegsgefangenen-Lazarett St. Josef eingeliefert. 91 Von Dr. Kratschmer, dem ersten deutschen Lagerarzt, wissen wir, dass er in der Anfangsphase bei der Frage, ob ein kranker oder verletzter Kriegsgefangener entlassen Baracken auf dem Lagergelände vor dem Aufbau werden konnte, seine ihm vorgesetzten französischen Kollegen konsultieren musste, die außerhalb des Lagers in der Panoramastraße residierten. 92 In den Erinnerungen der Ehemaligen haben diese französischen Mediziner jedoch keine Spur hinterlassen. Dagegen erinnerten alle Zeitzeugen, dass es im Lager Ungeziefer gab. Die Gefangenen litten auch in Tuttlingen unter Wanzen- und Lausbefall Während für die französische Kommandantur fünf Privathäuser in der dem Lagergelände benachbarten Straße In Göhren beschlagnahmt wurden, 94 mussten für das Lager zusätzliche Baracken (Lager 5) gebaut werden. Es sollte eine Aufnahmekapazität zwischen 5000 und Mann haben. 95

19 Auf ihrem Fußmarsch in den Wald sei ihnen von der Bevölkerung das ein oder andere zugesteckt worden, erinnerten die Ehemaligen. Die begleitenden Soldaten hätten beide Augen zugedrückt. Für diese Außenkommandos hätte zudem die Forstverwaltung mittags eine Sonderration zur Verfügung gestellt. 96 Wo Gefangene hungerten, war das Essen Thema Nummer Davon machten die Kriegsgefangenen in Tuttlingen keine Ausnahme. Dass die Versorgungssituation gerade der Kriegsgefangenen in französischem Gewahrsam bis in den Herbst 1946 hinein äußerst prekär blieb, belegen nicht zuletzt die zahlreichen Inspektionen des Roten Kreuzes. 98 Die durchschnittliche Kalorienzahl in Lagern im französischen Mutterland lag sowohl 1945 als auch 1946 deutlich unter Es ist davon auszugehen, dass dies ebenso für Lager in der französischen Besatzungszone galt. In der Historique des DT 2 von René Kretz ist von einer täglichen Kalorienzahl zwischen 1200 und 2400 die Rede. 100 Anfangs wurde an jeden Gefangenen einmal am Tag Kartoffelsuppe ausgegeben. 101 Dass die Ernährung de ces masses problematisch war und la plus grande diffi culté (das größte Problem) darstellte, wurde auch von französischer Seite betont. Dies galt insbesondere für den Monat Mai Die distributions de soupe (Suppenausgabe) musste über den ganzen Tag verteilt werden, und am 11. Mai, als das Lager mit über Mann belegt war, il en fallut 23 dans la journée. 102 Von Karl Heinz Mehler, der als 15Jähriger als Kriegsgefangener nach Tuttlingen kam und dort das Kriegsende erlebte, bevor er zur Zwangsarbeit ins französische Tulle geschafft wurde, wissen wir, dass alle Gefangenen an einer Verpfl egungsstation vorbei auf eine Wiese geschleust wurden, um erst am Abend in das eigentliche Lager zurückzukehren. Die Verpfl e- gung beschrieb er als äußerst dürftig. Seiner Erinnerung nach bestand sie aus etwa einem halben Liter Rübenbrühe und dazu ein Stück Weißbrot. Tagsüber hätten die Gefangenen auf der Wiese Brennnesseln und Gänseblümchen In der Lagerküche gesammelt und diese als Salat gegessen. Dennoch lautete sein Fazit: Wir mußten zwar hungern, aber am Verhungern war keiner

20 Besser gestellt waren, was die Ernährung anging, diejenigen, die als Kriegsgefangene auf längere Zeit im Lager blieben, arbeitsfähig waren und außerhalb des Lagers zum Arbeitseinsatz geschickt wurden. Solange die Cage unter dem Kommando des Commandement Supérieur des Troupes d Occupation (CSTO) stand, hatte sie offenbar ausschließlich - den militärischen Besatzungsdienststellen Kriegsgefangene in commandos de travailleurs (Arbeitskommandos) zu stellen. 104 Nachdem ab 1. Januar 1946 das nunmehr unter der Bezeichnung Dépôt de Transit N o 2 fi rmierende Lager der DGPG unterstellt worden war, konnten Kriegsgefangene auch bei zivilen Arbeitgebern, z.b. in der Landwirtschaft, eingesetzt werden. 105 In beiden Fällen bestand die Gelegenheit, sich zusätzlich Verpfl egung zu beschaffen oder eine zusätzliche Ration gestellt zu bekommen. Dies galt nicht nur für die oben erwähnten Forst- René Kretz und seine Ehefrau Marguerite arbeiter, sondern ebenso für Kriegsgefangene, die in einem Arbeitskommando in Immendingen arbeiteten. Dort galt es, bei einer französischen Pioniereinheit Holzbretter am Bahnhof zu verladen und andere ziemlich stupiden Arbeiten zu verrichten. Wie der Kriegsgefangene Klinghardt im Oktober 1945 seiner Frau schrieb, war die Verpfl egung aber deutlich besser als im Lager Schömberg (Balingen) in dem er vor Tuttlingen gewesen war. Die Lagersuppen abwechselnd Kartoffel-, Graupen- oder Nudelsuppe hätten deutlich mehr Fleischanteil, zudem gebe es täglich ein Pfund Brot für die arbeitenden Kriegsgefangenen. Gab es abends keine Suppe, dann bekamen die Gefangenen 60 g anständigen Käse, Butter oder Marmelade, was alles schöne Genüsse seien. Sein Außenkommando in Immendingen bekam außerdem von der örtlichen Kirchengemeinde zusätzliche Verpfl egung Gemüsesuppe, Kartoffelsalat, Kohlgemüse, Pellkartoffeln, etwas Brot. Sie seien immer köstlich satt, berichtete er nach Hause. 106 Ganz anders liest sich ein Bericht aus dem Kriegsgefangenlager in Rastatt. Karl Höhl, der von Bretzenheim über Tuttlingen im Herbst 1945 nach Rastatt gekommen war, berichtete davon, in den ersten sechs Wochen systematisch ausgehungert worden zu sein. Mittags eine Wassersuppe mit etwas Grünzeug ( ) ohne Kartoffeln, Fleisch oder Fett, abends ein Viertel Laib 76 Weißbrot und Kaffee. Dies habe, so berichtete der Mann weiter, bei einigen Gefangenen zu erheblichem Gewichts-

21 verlust geführt. 107 Es kam offensichtlich darauf an, wann man als Kriegsgefangener wo lebte, und vor allem, ob man außerhalb des Lagers arbeitete oder nicht. Wie die Verpfl egung, so die Bewegung, brachte es ein ehemaliger Tuttlinger Kriegsgefangener viele Jahre nach Kriegsende auf den Punkt. 108 Denn wer ausreichend verpfl egt wurde, konnte auch gut arbeiten. Dennoch galt die Zeit bis Ende 1946, was die Ernährung der Kriegsgefangenen in französischem Gewahrsam anging, als die kritische Phase schlechthin. 109 Für die permanenten Kriegsgefangenen im Tuttlinger Lager verbesserte sich die Ernährungslage spürbar mit dem Ende 1946/Anfang 1947 vollzogenen lagerinternen Umzug von Lager 5 in Lager 1. Nun hatten sie eine eigene Küche und Speisesaal, bei den Mahlzeiten gab es Geschirr und Besteck. 110 Eine Sonderstellung hatten diejenigen Kriegsgefangenen, die für den Einsatz in Tuttlinger Fabriken vorgesehen waren. Sie mussten aus Tuttlingen stammen und konnten dann bei ihren Familien wohnen. Sie hatten sich lediglich zu Monatsbeginn im Lager zu melden, aber sonst mit dem Lager nicht viel zu tun. Wie viele Männer zu dieser Art von Außeneinsatz herangezogen wurden, ist nicht bekannt. 111 Wie Zeitzeugen erinnerten, gab es verschiedene Außenkommandos. So arbeiteten etwa 25 Kriegsgefangene im französischen Verpfl egungslager beim Güterbahnhof Tuttlingen. Die Angehörigen dieses Kommandos namens Okado waren offensichtlich auch dort untergebracht, denn, so erinnerte Beiswenger, diese Männer hatten mit dem Lager nichts zu tun. Etlichen von ihnen gelang eines Nachts im Frühjahr 1947 die Flucht. 112 Von einer Tuttlingerin bis zu einer nahegelegenen Skihütte geführt, fanden 12 bis 15 Kriegsgefangene den Weg zurück in die Freiheit. Für die nicht gefl ohenen Kriegsgefangenen des Kommandos hatte das Verhalten ihrer Kameraden hingegen unangenehme Folgen. Sie wurden ins Dépôt zurückgebracht, und es wurde ihnen der Kopf kahl geschoren. In der Folge wurden weder sie noch andere deutsche Kriegsgefangenen mehr im französischen Verpfl egungsdepot beschäftigt, ihre Aufgaben übernahmen fortan französische Soldaten. 113 Dass nach einem Fluchtversuch die gesamte Gruppe bestraft wurde, welcher die Flüchtlinge angehört hatten, galt nicht nur bei den Franzosen als probates Mittel, weitere Fluchtversuche schon im Keim zu ersticken. Das Wissen um die kollektive Bestrafung sollte abschrecken. Dennoch blieben die Zahlen der Fluchtversuche gerade aus französischen Lagern hoch. Nach französi- Wandgelände im Keller des früheren Güterbahnhofs, das vermutlich von einem Kriegsgefangenen des Kommandos Okado gemalt wurde. 77

22 Blick auf das Lagergelände 1945 schen Angaben gab es bis zum 1. Juli 1948 (bei einer Gesamtzahl von ca deutschen Kriegsgefangenen) rund Fluchtversuche, von denen ca von Erfolg gekrönt waren. Wenngleich davon ausgegangen werden muss, dass unter der Rubrik Flucht auch Todesfälle subsummiert wurden, die vertuscht werden sollten, und die tatsächliche Zahl der erfolgreichen Fluchten entsprechend niedriger war, war die Fluchtrate mit geschätzten fünf Prozent im Vergleich zu den anderen Gewahrsamsmächten sehr hoch. 114 Bezeichnend war außerdem, dass es Gefangene außerhalb des eigentlichen Tuttlinger Lagers waren, denen hier die Flucht gelang. Wie ehemalige Kriegsgefangene übereinstimmend erinnerten, war eine Flucht in der frühen Phase, als das Lager noch nicht komplett abgeriegelt war, eher möglich. Nachdem die algerische Wachkompagnie von einer marokkanischen abgelöst und das Lager immer besser und hermetischer abgesperrt und gesichert worden war, war ihrer Meinung nach eine Flucht aus dem Lager heraus unmöglich geworden. 115 Weitere Kriegsgefangene waren in einem Steinbruch-Kommando und einer Silberfuchsfarm in Immendingen im Arbeitseinsatz. 116 Ob es in Immendingen darüber hinaus noch weitere Kommandos gegeben hat, lässt sich nicht mehr feststellen. Das dortige Basaltwerk bzw. der Basaltbergbau am Höwenegg südlich von Immendingen, wurde von den Zeitzeugen stets in Zusammenhang mit stationären Außenkommandos erinnert. Nach dem Bericht von Otto Beiswenger wurde der für das Kommando bzw. Lager Höwenegg verantwortliche deutsche Kriegsgefangene als SS- Mann enttarnt. Wie sich herausstellte, war der Mann, von Lagerkommandant Kretz 117 persönlich für diese Aufgabe ausgesucht, Angehöriger der SS-Leibstandarte Adolf Hitler gewesen. 118 Die Kriegsgefangenen dieser Arbeitskommandos wurden wie die Männer des Kommandos Okado vor Ort verpfl egt und waren auch vor Ort untergebracht. 78

23 Lagerleben Laut übereinstimmenden Aussagen ehemaliger Kriegsgefangener war das Lager in fünf Unter-Lager aufgeteilt und durch Stacheldraht bzw. einen Zaun voneinander abgetrennt. So war beispielsweise Lager 2 ausschließlich für Kriegsgefangene bestimmt, denen die Flucht nach Deutschland zunächst gelungen war, die aber entweder in der französischen Besatzungszone - von der französischen Gendarmerie wieder festgenommen oder an die Franzosen ausgeliefert worden waren. Dies wurde auch aus der US-Zone berichtet, in die sich aus französischen Lagern Gefl ohene durchschlagen konnten. Nachdem man diese Kriegsgefangenen zum Empfang ihrer Entlassungspapiere in das amerikanische Durchgangslager Dachau geschickt hatte, wurden sie dort französischen Verbindungsoffi zieren übergeben und nach Frankreich zurückgeschafft. 119 Erfolglose Fluchtversuche wurden in der Regel drakonisch bestraft. Im Tuttlinger Lager wurden die Delinquenten von den anderen Gefangenen separiert und unter Sonderbewachung gestellt. Ihr Sonderlager 2 war entsprechend gesichert, und es war ihnen untersagt, ihre Baracken zu verlassen. In dieses Lager wurden auch die Kriegsgefangenen überführt, die aus Frankreich in die Schweiz gefl ohen und von dort kriegsvölkerrechtswidrig an die Franzosen ausgeliefert worden waren. 120 Für Otto Beiswenger, den ehemaligen Kriegsgefangenen, war dies auch noch viele Jahre später eine Granatensauerei. 121 Sie wurden alle über Straßburg zurück nach Frankreich transportiert. 122 Aus dieser Strafbaracke gelang während der Kommandantur von Kretz sechs Gefangenen die Flucht. Wie Hans Blickensdörfer in seinem autobiographischen Roman Die Baskenmütze schilderte, waren er und sein Fluchtkompagnon von der Gegend um Belfort in Frankreich in die Schweiz gefl ohen, in Basel unbemerkt über die Grenze gelangt und in Ravensburg von der französischen Gendarmerie festgenommen worden. Sie kamen beide in die für Flüchtlinge reservierte Strafbaracke des Lagers Tuttlingen. Die Strafbaracke für schwere Fälle ist abgesichert wie das Gold von Fort Knox. Ich zähle sieben Zäune, ehe man mich dem Posten übergibt, der vor der Strafbaracke mit einer Maschinenpistole Wache steht. Rasur als Strafmaßnahme 79

24 Sieben bewachte Käfi ge bis zum Hauptzaun, fl aches, übersichtliches Gelände und die MG-Posten auf den Türmen. Für Blickensdörfer war klar: Diese Baracke ist absolut ausbruchsicher. Dennoch gelang ihm und fünf Kameraden die Flucht. Dazu mussten sie nicht nur die einzelnen, voneinander mit Zäunen abgetrennten und bewachten Cages überwinden, sondern nach dem inneren Hauptzaun auch noch den äußeren. Zwischen beiden lag ein Streifen von eineinhalb Meter Breite, der mit Stacheldrahtrollen vollgepackt war. Am Hauptzaun wurde, das war den Beteiligten klar, ohne Anruf geschossen. 123 Sechs Mann aus der Strafbaracke, das ist ihnen noch nie passiert und bedeutet Großfahndung, schrieb Blickensdörfer. 124 Diese spektakuläre Flucht spielte in der Erinnerung der noch heute in Tuttlingen lebenden ehemaligen Kriegsgefangenen jedoch keine Rolle. Sie erinnerten einen anderen, diesmal freilich erfolglosen Fluchtversuch von Strafgefangenen. Als einmal beim Abendappell ca. 25 Männer fehlten, lösten die Wachsoldaten Alarm aus. Man entdeckte die Flüchtigen schließlich in einer Art Hohlraum zwischen Stubendecke und Barackendach. Welche Konsequenzen dieser abermalige Fluchtversuch für die Männer hatte, ist nicht bekannt. Ein in dieser Hinsicht nicht vorbelasteter Kriegsgefangener, der bei der Flucht erwischt und wieder ins Lager zurückgebracht wurde, wurde mit Arrest bestraft; häufi g wurde ihm zudem eine Glatze geschoren. 125 Jedoch hatten Kriegsgefangene, die man nach ihrer Flucht in der französischen Besatzungszone aufgriff oder die von der Schweiz ausgeliefert wurden, ohnehin schon mit wesentlich drakonischeren Disziplinarstrafen zu rechnen. Wie mit den Tuttlinger Wiederholungstätern umgegangen wurde, wissen wir nicht. Immerhin: Verletzte gab es keine 126 Die Unterlager 3 und 4 bildeten die eigentlichen Durchgangslager und waren für die Kriegsgefangenen bestimmt, die zum Arbeitseinsatz nach Frankreich kamen. Ihr Aufenthalt im Lager war in der Regel sehr kurz, oft wurden sie nach dem Aufnehmen der Personalien noch am selben, spätestens am nächsten Tag weitertransportiert. Lager 5 (bzw. ab Ende 1946/Anfang 1947 Lager 1) war für jene Kriegsgefangenen (Stammbelegschaft) reserviert, die für die französische Lagerverwaltung arbeiteten oder zu Außenkommandos in der Umgebung Tuttlingens abkommandiert wurden. Es waren zwischen 100 und 115 Männer, die den täglichen Betrieb des Dépôts gewährleisteten und in der Regel aus der französischen Besatzungszone stammten. Daran knüpften die Franzosen die Hoffnung, die Fluchtgefahr dieser Gefangenen zu minimieren. Denn ein Aufspüren des Flüchtlings in der eigenen Besatzungszone war vergleichsweise einfach Für den Lagerkommandanten und seine engsten persönlichen Mitarbeiter (Stamm) wurden die Mahlzeiten in einer eigenen Küche gekocht; daneben gab es zwei weitere (Groß)Küchen, eine für die Transit-Gefangenen und eine für die übrigen Kriegs-

25 gefangenen. Das erweiterte und sanierte Lager 1, das aus drei Baracken bestand, sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Lagerkirche befand und in welches zum Jahreswechsel 1946/47 le personnel permanent du camp (Dauerpersonal des Camps) verlegt wurde, verfügte außerdem über eine eigene Frisörstube und einen Waschraum mit Duschen und Toiletten. Jede Baracke hatte 10 Stuben, zwischen 8 und 12 Mann teilten sich eine Stube, die mit Stockbetten, Schränken, Tischen und Stühlen ausgestattet waren. Man achtete darauf, dass die verschiedenen Berufsgruppen zusammengelegt wurden. Für jede Stube wurde ein verantwortlicher Stubenältester ernannt, der für Instandhaltung, Ordnung und Sauberkeit in diesem Raum zuständig war. 128 In jeder Baracke wurden zudem mehrere Lautsprecher angebracht permettant la diffusion des programmes de la radio Z.O.F Außerdem setzte die französische Lagerkommandantur in Tuttlingen Kriegsgefangene als Betreuer ein. Die Betreuer-Gruppe um Otto Beiswenger zählte 10 Mann, die aufgrund von (Kriegs) Verletzungen oder Krankheiten arbeitsunfähig waren. Frankreich hatte bis ins Jahr 1947 keinen wirklichen Repatriierungsplan vorgelegt, weshalb die inaptitude au travail (Arbeitsuntauglichkeit) das einzige Entlassungskriterium darstellte. 130 Doch im Fall dieser Männer hatte man von einer Entlassung abgesehen. Stattdessen mussten sie zusätzlich zu den bewaffneten Angehörigen der Wachmannschaft - als sogenannte Betreuer Kriegsgefangene zu ihren Arbeitseinsätzen außerhalb des Lagers begleiten. Sie waren damit Teil des Bewachungspersonals und dabei, wenn es zu Arbeitseinsätzen in der Forst- und Landwirtschaft, aber auch bei verschiedenen Einrichtungen des französischen Militärs ging. Otto Beiswenger fungierte dabei als Chef dieser Gruppe. Wie auch der Vertrauensmann hatte er Anrecht auf eine eigene kleine Stube, die ihm gleichermaßen als Schlafraum und Büro diente. Dies unterstreicht seine herausgehobene Position. Er war außerdem verantwortlich für Sauberkeit, Ruhe und Ordnung in den Stuben von Lager 1. Eine Lager- und Stubenkontrolle etwa, wie sie von Lagerkommandant Kretz kurz vor dem Stabswechsel in der Lagerkommandantur 1947 angeordnet worden war, fi el in seinen Zuständigkeitsbereich. Da die Kontrolle von Küche, Speisesaal, sanitären Einrichtungen und der einzelnen Stuben an einem Samstag Vertrauensmann Heinrich Abt 81

26 stattfand und bis zum Ende der Inspektion eine Ausgangssperre verhängt worden war, wurde das Urteil von Kretz ungeduldig erwartet. Dieser zeigte sich mit dem Vorgefundenen zufrieden und hob die Sperre auf. Damit konnte das Wochenende ( ) beginnen, schrieb Beiswenger in seinen Aufzeichnungen. Als Betreuer hatte er auch dafür Sorge zu tragen, dass um 22 Uhr in allen Stuben das Licht aus ging. Morgens oblag ihm das Wecken der Gefangenen; ein kurzer Pfi ff und das Wort Aufstehen waren das Signal : Der Alltag beginnt. Im Sommer begann die Arbeitszeit um halb 8, im Winter eine halbe Stunde später. Das Mittagessen wurde von den im Lager anwesenden Kriegsgefangenen während der einstündigen Mittagspause von 12 bis 13 Uhr gemeinsam im Speisesaal von Lager 1 eingenommen. Die Kriegsgefangenen in den Außenkommandos wurden mittags vor Ort verpfl egt, und bei den Männern der für Entlassung und Transit zuständigen Equipe war es vom Arbeitsaufkommen abhängig, ob sie es pünktlich in den Speisesaal schafften. 131 Gegen 17 oder 18 Uhr endete in der Regel der Arbeitstag. Betreuer Beiswenger hatte zudem die Ausgangsscheine zu kontrollieren und zu unterschreiben. Als 1948 die Ausgangsbeschränkungen für Ehemänner und Familienväter am Wochenende gelockert wurden und ihnen nunmehr gestattet war, mit ihren zu Besuch in Tuttlingen weilenden Ehefrauen die Nacht außerhalb des Lagers zu verbringen, hatte Beiswenger Ein- und Ausgang dieser Männer zu kontrollieren. Diese Kontrolle gab es auch für die übrigen Kriegsgefangenen, die jedoch schon um 22 Uhr im Lager zurück sein mussten. Außerdem erstattete Beiswenger jeden Morgen dem Verpfl egungschef Meldung, wie viele Männer es zu verpfl egen galt. Zu diesem 82 Ausschnitt aus einem Brief von Luise Vogler an ihren Mann Max Vogler, der noch in Kriegsgefangenschaft war: 14. Mai Am Sonntag Morgen war ich auch das erste Mal im Lager Mühlau in der Besuchsbaracke und habe auch Wiedersehensszenen erlebt. Eine Frau war bei mir, die ihren Mann auch schon 3 Jahre nicht mehr gesehen hat. Es ist bei allen gleich, sprechen kann zuerst keines und nur sich ansehen und weinen. Es hat mich dermaßen erschüttert, dass ich ganz aus dem Geleise kam. Sonst ist das Lager wunderschön angelegt, da wo die Besucherbaracke ist, wie ein Park mit viel Blumen und Sträucher, dann weiter hinten große Gemüseanlage wirklich sauber angelegt. Aber, aber der Stacheldraht ist eben auch da und jeder der Gefangenen hat nur den einen Wunsch: nach Hause!... (gw)

27 Zweck hatte er sich für jeden Gefangenen eine Karteikarte angelegt. 132 Ob die Bezeichnung Betreuer nur ein anderes Wort für Lagerpolizei war, wissen wir zwar nicht sicher; aber es spricht einiges dafür, dass in Tuttlingen die Bezeichnungen Betreuer und Lagerpolizei synonym gebraucht wurden. Dass die Gewahrsamsmächte gerne Kriegsgefangene als Lagerpolizisten einsetzten, ist bekannt. Allerdings bezog sich dieser Befund eher auf amerikanische und britische Lager als auf französische oder gar sowjetische. 133 Für Tuttlingen jedoch wissen wir, dass schon die Kriegsgefangenen des ersten Stammes als police à l intérieur de la Cage verwendet wurden. 134 So waren die Betreuer zwar Teil der deutschen Selbstverwaltung, gehörten aber nicht zum Stamm. Zu dieser privilegierten Gruppe unter den Kriegsgefangenen in Tuttlingen gehörten qua Amt Lagerführer 135 und Vertrauensmann 136, außerdem der persönliche Fahrer des Kommandanten, der Lagerarzt sowie die Lagerpfarrer. Kriegsgefangene, die persönliche Botengänge für den Kommandanten übernahmen 137 oder deren besondere Besuch von General Buisson und Dienstleistungen von ihm nachgefragt wurden (Chauffeur, Colonel Bailloux am Schneider), zählten nach übereinstimmender Aussage von Zeitzeugen ebenfalls zum Stamm. 138 Ob noch weitere Personen zum Stamm gehörten oder im Laufe der Zeit dazukamen, muss offen bleiben. Wechsel hat es aber bestimmt gegeben. Denn der sogenannte erste Stamm, der mit Capitaine Rousseau im April 1945 nach Tuttlingen gekommen war, wurde, so erinnerte der einstige Lagerarzt Dr. Kratschmer, im Sommer 1945 komplett entlassen. 139 Die Angehörigen des Stamms besaßen einen Dauerpassierschein, konnten sich im Lager frei bewegen und dieses auch verlassen. Ihren privilegierten Status konnte man daran ablesen, dass sie separat untergebracht waren. Ihnen diente die ehemalige Besucherbaracke am Eingang des Lagers als Unterkunft. 140 In der Lagerverwaltung tätig zu sein und darüber hinaus zum engen Kreis des Stammes zu gehören, brachte gewiss viele Vorteile; andererseits begaben sich diese Männer in die totale Abhängigkeit vom Lagerkommandanten, denn nur diesem waren sie persönlich verantwortlich. Ohne Angabe von Gründen 83

28 Blick in die Lagerküche Garagen mit LKWs 84 konnte man sie jederzeit wieder zum Normalgefangenen degradieren. 141 Wie diese enge Zusammenarbeit zwischen französischer Lagerkommandantur und Deutschen von den anderen Kriegsgefangenen empfunden wurde, wissen wir nicht. Deshalb muss auch die Frage offen bleiben, ob die Angehörigen des Stamms stets und ausschließlich zum Wohle ihrer Kameraden arbeiteten oder ob nicht die Begünstigung einer Minderheit (hinsichtlich Ernährung und Unterbringung) mitunter zu Lasten der Mehrheit ging. Für den Kriegsgefangenen Otto Beiswenger jedenfalls war es ein kleiner Erfolg, als sich Kommandant Kretz dazu bereit erklärte, die separate Küche für Kommandantur und seine engsten Mitarbeiter zu schließen. Ab 1947 hatte das Lager nur noch zwei Küchen: eine für den Transit und die andere für alle anderen Lagerinsassen. Damit war endlich der lange Neid vorbei, und ein wichtiger Schritt zur Einheit des Lagers vollzogen. 142 Der französische Historiker Fabien Theofi lakis geht davon aus, dass jeder zehnte Kriegsgefangene in einem Lager Funktionsträger in der Lagerverwaltung war. Dieses Personal kümmerte sich um das tägliche Funktionieren des Lagers und war zuständig für Post, Ernährung und die Lagerpolizei. Für ihre Dienste wurden diese Kriegsgefangenen mit besseren Gefangenschaftsbedingungen entschädigt. 143 Dieses Personal gab es auch in Tuttlingen. Als nach verschiedenen Vorfällen im Lager, u. a. die oben erwähnten Fluchtversuche sowie der Diebstahl von Lebensmitteln, unter dem Vorsitz eines kurz zuvor ins Lager gekommenen französischen Offi ziers 144 ein runder Tisch gebildet wurde, wurden die für diese Probleme relevanten deutschen Funktionsträger des Lagers eingeladen: Lagerarzt Dr. Gebauer, Küchenchef Franke, Verpfl e- gungschef Erich Rieger, Vertrauensmann Otto Hofferberth und Betreuer Otto Beiswenger. Sie alle waren Teil der (deutschen) Lagerverwaltung, aber nicht alle gehörten zum Tuttlinger Stamm. 145 So lassen sich im Tuttlinger Kriegsgefangenenlager vier Gruppen von Gefangenen unterscheiden: die große Gruppe der Transit-Gefangenen, die sich kurz, häufi g nur 24 Stunden, im Lager aufhielten; die deutlich kleinere Gruppe der Stammbelegschaft; die Gruppe der unter Sonderbewachung stehenden Delinquenten (Flücht-

29 linge) sowie die ab 1946/47 zahlenmäßig ebenfalls große Gruppe der Heimkehrer, die in Tuttlingen ihre Entlassungspapiere bekam und sich in der Regel ebenfalls nur kurze Zeit im Lager aufhielt. Wer als Kriegsgefangener im Dépôt in Tuttlingen blieb, arbeitete entweder für den Unterhalt des Lagers, in einem der Außenkommandos oder für das französische Militär. Zuständig für die Kriegsgefangenenverwaltung in der französischen Besatzungszone war die in Baden-Baden ansässige Annexe der Direction des Prisonniers de Guerre Allemagne-Autriche unter Colonel Bailloux. Sie wiederum unterstand dem 2 ème Bureau des Commandement Supérieur des Troupes d Occupation. Der DGPG Allemagne-Autriche oblag u.a. die Kontrolle bei der Entlassung von Kriegsgefangenen aus Frankreich oder den alliierten Besatzungszonen, sofern diese in der französischen Zone beheimatet waren; sie war außerdem zuständig für die Verteilung der arbeitsfähigen Kriegsgefangenen sowie für Leitung und Verwaltung der Dépôts in der Zone. 146 Innerhalb des Lagers gab es drei größere Tätigkeitsbereiche, in denen die Kriegsgefangenen der Stammbelegschaft arbeiten mussten. Die Equipe der Handwerker wurde innerhalb des Lagers u.a. zum Anlegen von Wegen, zu Instandsetzungsarbeiten an den Baracken und Neubauten herangezogen. Bis Ende 1945 wurden Wege mit einer Gesamtlänge von rund 2600 Metern angelegt, Kanalisations- und Wasserrohre verlegt und 17 neue Baracken errichtet. 147 Im Folgejahr kamen nochmals 28 Baracken, eine neue Krankenstation, la pharmacie régionale de la zône sud (Regional-Apotheke der Südzone); Duschen und eine Entlausungsstation hinzu. Außerdem wurden die Lagerkirche, les logements du Stamm (Unterkünfte für den Stamm) und le quai de débarquement (Entladerampe) gebaut. Das ehemalige NS-Zwangsarbeiterlager wurde als camp de démobilisation hergerichtet. 148 Die kleine, ca. acht Mann umfassende Gruppe der Kraftfahrer, hatte die Fahrzeuge des Lagers fahrbereit zu halten und als Fahrer bereit zu stehen. Als das Lager Ende April 1945 errichtet wurde, konnte Kommandant Rousseau lediglich über einen Lastwagen, einen Dodge 6 roues verfügen. Wenige Tage später wurden von der Intendance (Armee) weitere Fahrzeuge zur Verfügung gestellt. Mit diesen wurden im Mai 1945 die Kriegsgefangenen von Tuttlingen nach Straßburg transportiert. 149 Erst geraume Zeit später bewerkstelligte man diese Transporte mit der Eisenbahn. Gerade in der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte der Mangel an Transportmöglichkeiten innerhalb der französischen Armee ein großes Problem dar. Wegen fehlender Fahrzeuge und Mangel an Benzin war es den Lagerkommandanten oftmals nicht möglich, Außenkommandos zu kontrollieren; Pfarrer oder Vertrauensmänner hatten ebenfalls keine Möglichkeit, Kontakt zu den in den Kommandos arbeitenden Gefangenen aufzunehmen. 150 Galt diese Feststellung in erster Linie 85

30 Carolus Vocke ( ) Carolus Vocke wurde als Karl Vocke am 23. Juni 1899 in Heilbronn geboren. Er besuchte die Karlsruher Kunstakademie als Schüler des Malers Walter Georgi, des Keramikers Carl Kornhas und des Bildhauers Georg Schreyögg zog ihn der Akademieprofessor Hans Adolf Bühler als Meisterschüler 1923 zur Ausmalung des Karlsruher Rathaussaales heran. Als 1939 ein Wettbewerb zur Ausmalung des neu von der Stadt angekauften Hecht-Gebäudes in Tuttlingen ausgeschrieben wurde, bewarb sich Vocke und erhielt gemeinsam mit dem Maler Schober den Zuschlag. Er schuf ein monumentales Wandgemälde, das den Titel Symphonie der Technik trug. Vocke kam zum zweiten Mal als Kriegsgefangener Ende des Zweiten Weltkriegs nach Tuttlingen- nämlich ins Lager Mühlau. Er fand als Maler rasch die Anerkennung der französischen Militärverwaltung und erhielt Gelegenheit, sein Können als Gestalter großer Wandbilder zu beweisen; zuerst beim Entwurf und bei der malerischen Ausführung der Altarwand in der Lagerkirche des Tuttlinger Entlassungslagers, dann bei der Ausmalung der Kuppel in der Gedächtnishalle auf dem Tuttlinger Friedhof. Er malte Fresken in zahlreichen Kirchen im Raum Bodensee, Hegau und Oberschwaben. Bekannt sind Wandbilder von Vocke aus den Jahren 1947 bis 1964 in Mühlhausen, in Lippertsreute, in Ravensburg, in Frankfurt, in Berlin, in Stuttgart, in Überlingen (Kirche), im Schloss Laszago (Nähe Como; Großer Gartensaal), in Beuron und in Meersburg (Café Droste). Vocke fand viel Freundschaft und Anerkennung in Tuttlingen. Die lockere und duftige Atmosphäre seiner Landschaftsaquarelle und die treffsichere Hand bei Porträtaufträgen verschafften ihm viele Sympathien. Carolus Vocke wandte sich nach mehrjährigem Aufenthalt in Tuttlingen nach Mannheim. Er übernahm dort die künstlerisch schwierige Aufgabe, die durch Bomben völlig zerstörten barocken Deckenfresken in der Mannheimer Residenz einfühlsam nachzuschaffen und so restaurierte er auch mit großem Geschick und feinem Gespür das Rokoko Theater im Schwetzinger Schloss starb er in Mannheim und wurde auf dem Friedhof Freudenheim bestattet. In Mannheim wurde eine Straße nach ihm benannt. (gw)

31 für Lager in Frankreich, deren Belegschaft in einzelne Kommandos aufgesplittert war und deren Einsatzorte oft weit vom eigentlichen Dépôt entfernt lagen, so hatte für ein Transitlager wie Tuttlingen die Bereitstellung an Transportmöglichkeiten höchste Priorität. Die Kraftfahrer-Gruppe war außerdem zuständig für den Transport von Lebensmitteln zu den Außenkommandos. Viele Fahrten gingen auch nach Baden-Baden, dem Hauptquartier der französischen Besatzungsmacht 151 Mit dem Kriegsgefangenen Franz Hofbauer verfügte der Kommandant über einen eigenen Fahrer, der auch für private Fahrten der Familie Kretz zuständig war. 152 Die Art der Unterbringung der großen Masse der deutschen Kriegsgefangenen in französischem Gewahrsam nur wenige Gefangene befanden sich in den Stammlagern, die meisten waren verteilt und dezentral bei den verschiedenen Arbeitskommandos eines Dépôts untergebracht hatte Auswirkungen auf die Freizeitgestaltung. Während sich etwa in amerikanischen Lagern ein kulturelles und sportliches Angebot entwickelte, das so vielfältig war wie in keinem anderen Gewahrsam, 153 war dies in Frankreich aufgrund der starken Aufsplitterung der Dépôts in kleinere Kommandos kaum möglich. Zwar gab es vereinzelt Lagerkonzerte, Lagertheater oder Sportveranstaltungen, aber von einer kontinuierlichen Freizeitbeschäftigung wie in den USA oder Großbritannien, so der Befund von Kurt Böhme, war man weit entfernt. 154 Im Tuttlinger Dépôt befanden sich rund 100 bis 115 Kriegsgefangene, welche als Stammbelegschaft für längere Zeit in Lager 1 untergebracht waren und an die sich die kulturellen Angebote in erster Linie richteten. So gab es ab Dezember 1945 grâce à l appui de l YMCA 155 (dank der Unterstützung des CVJM) die Lagertheatergruppe Bunte Rakete sowie die Musikkapelle Stern. Otto Beiswenger berichtete, dass beide Gruppen im Raum Südwürttemberg und Südbaden auf Tournee gegangen seien und Gastspiele gegeben hätten. Das eingenommene Geld sei vorrangig für die Beschaffung zusätzlicher Verpfl egung (Kartoffeln und Gemüse) eingesetzt worden. 156 Laut Historique gab es allein bis Ende Vorstellungen im Lager und 283 Das Orchester des Lagers mit dem Dirigenten Richard Stern Zum Varietéensemble der Bunten Rakete gehörte auch der Fakirdarsteller Gerhard Jähn und der Hans-Moser- Darsteller Werner Bentlage 87

32 Blick auf das Lagergelände en public (öffentlich). Die Einnahmen von knapp Mark, die bei den öffentlichen Auftritten erzielt worden waren, wurden zum größten Teil ( Mark) für Hilfeleistungen verwendet, die den Familien von Kriegsgefangenen zu Gute kamen ( secours aux familles 157 ), der Rest wurde für lagerinterne Verbesserungen wie die Anschaffung von Büchern und Zeitschriften oder den Sanitätsdienst ausgegeben. Die Beschaffung von Lebensmitteln wurde in der Historique nicht eigens erwähnt und fi el vermutlich unter die Rubrik Divers. 158 Beide Formationen traten noch Ende August 1948 bei der Entlassungsfeier für die 75 Freien Zivilarbeiter in der Tuttlinger Festhalle auf. 159 Im Vergleich zu den anderen Gewahrsamsmächten legte Frankreich hingegen auf die Seelsorge der Kriegsgefangenen großen Wert. 160 Dass Lagerkommandant Kretz dem Bau einer Lagerkirche positiv gegenüberstand, ist in diesem Kontext zu sehen. Innerhalb weniger Wochen wurde im Sommer 1946 die auf einem Betonfundament ruhende und aus einer Baracke heraus entwickelte Holzkonstruktion fertiggestellt. Die Entwürfe stammten vom kriegsgefangenen Architekten Georg Rudolf Matt, 161 die Kirche für 200 bis 250 Personen wurde von Kriegsgefangenen erbaut, und für die Innenausstattung war mit dem Kunstmaler Carolus Vocke 162 ebenfalls ein Kriegsgefangener zuständig. Wie ehemalige Kriegsgefangene erinnerten, wurde Vocke von Lagerkommandant Kretz sehr geschätzt und wohl auch protegiert. 163 Mit viel Prominenz fand am 6. September 1946 die Einweihung statt. Unter den Ehrengästen waren neben General de Montsabert, dem Befehlshaber der französischen Besatzungstruppen, und Oberst Lalande, Directeur der Annexe der DGPG, auch Abordnungen der Kriegsgefangenenlager in Bretzenheim, Malschbach und Rum. 164 In der Kirche fanden seitdem evangelische und katholische Gottesdienste statt. Lagerpfarrer waren Eugen Schofer für die Protestanten und Pfarrer Wasmer für die Katholiken. 165 Sie waren als Kriegsgefangene am 6. November 1945 nach Tuttlingen abgeordnet worden, wo sie bis zur Fertigstellung der Kirche mit einer provisorischen Kapelle in Lager 5 vorlieb nehmen mussten. 166 Wie Pfarrer Schofer im Begleittext der Kirchenbroschüre schrieb, war die weithin sichtbare Lagerkirche eine der schönsten, die es überhaupt in Kriegsgefangenenlagern gab. 167 Ob ein Angehöriger der Wehrmacht, der 1945 in ein französisches Sammellager wie Tuttlingen kam, entlassen wurde oder nicht, hing von mehreren Faktoren ab. Bis in den Herbst 1945 wurden vornehmlich diejenigen demobilisiert, die als Arbeitskräfte untauglich waren und lediglich eine Belastung für die französische Ge-

33 wahrsamsmacht dargestellt hätten: ganz junge Mitglieder der Hitler-Jugend, alte Angehörige des Volkssturms, weibliches Personal sowie Schwerverwundete und Schwerkranke. 168 In aller Regel jedoch kam man als arbeitsfähiger Kriegsgefangener zum Arbeitseinsatz nach Frankreich. Im September 1945 standen 144 Lagern in Frankreich und Nordafrika gerade einmal vier Lager in Deutschland und Österreich gegenüber. Deshalb, so das Urteil von Kurt W. Böhme, fi elen die Arbeitsleistungen der Kriegsgefangenen in den Lagern Bretzenheim, Tuttlingen, Malschbach und Innsbruck/Rum insgesamt nicht ins Gewicht. Dazu war ihre Anzahl zu gering. Am 1. April 1946 waren die vier Lager nur noch mit insgesamt Mann belegt - bei einer gleichzeitigen Gesamtzahl von Kriegsgefangenen in französischem Gewahrsam. Am 1. Juni 1947 waren es nur noch Männer, während Frankreich gleichzeitig im französischen Mutterland noch immer fast Gefangene zurückhielt. 169 Equipe Transit - Entlassungen Die für Transit und Entlassungen zuständige Equipe war zahlenmäßig die größte der drei im Lager beschäftigten Gruppen. 170 Abgesehen von den etwa von den Amerikanern übergebenen, aber arbeitsunfähigen Kriegsgefangenen, welche ab Ende 1945 über Lager in Nordfrankreich an die USA zurückgegeben wurden, hat Frankreich im Jahr 1945 auf eigene Initiative lediglich deutsche Gefangene freigelassen. 171 Entlassungen spielten 1945 für die Cage Nr. 2 in Tuttlingen verglichen mit den Transfers nach Frankreich - keine große Rolle. Im Lager Tuttlingen wurden im Jahr 1945 insgesamt 7472 Kriegsgefangene aus Lagern in der französischen Besatzungszone demobilisiert. 172 Insgesamt belief sich die Zahl der Entlassungen, die von Mai bis Dezember 1945 über die Cage N o 2 abgewickelt wurden, auf rund , wobei die meisten Kriegsgefangenen im November ( Mann) entlassen wurden und mehrheitlich aus amerikanischem und englischem Gewahrsam kamen. 173 Aus französischem Gewahrsam kamen 1945 erst ab Oktober monatlich rund 3000 Gefangene zur Entlassung. Zuvor waren die Zahlen deutlich geringer gewesen und hatten lediglich im August bei knapp über 1000 gelegen. In den beiden letzten Monaten des Jahres, November und Dezember 1945, passierten zusammen rund 5200 Kriegsgefangene aus Lagern in Frankreich die Cage N o Zunächst folgten die französischen Besatzungsbehörden bei den in ihrer Zone vorzunehmenden Entlassungen den Vorgaben des Oberkommandos der Alliierten Streitkräfte in Europa (SHAEF). 175 So wie die Amerikaner entließen auch die Franzosen aus ihren Lagern Bauern, Bergleute, Eisenbahner und Post- 89

34 Statistik der Entlassungen 1945 bis Rot-Frankreich, blau-usa, gelb- Großbritanien, grün-sowjetunion, aus dem Album des René Kretz 90 ler. Allerdings gab es dabei eine Besonderheit. Um dem Arbeitskräftemangel in der eigenen Zone zu begegnen und dennoch den Vorgaben aus Paris zu genügen, führten die Besatzungsbehörden den congé de captivité (Beurlaubung von der Gefangenschaft) ein Kriegsgefangene der Berufsgruppen cultivateurs, forestiers, fonctionnaires de la Reichsbahn et Reichspost, mineurs, electriciens und vétérinaires, 176 die aus der französisch besetzten Zone stammten und sich dort in Lagern befanden, wurden bis Anfang März 1946 entlassen, aber zugleich in den Status congé de capitivité versetzt. Die Kriegsgefangenen blieben damit nach ihrer Entlassung soumis à un contrôle périodique (unterlagen einer regelmäßigen Kontrolle). Damit war der Zugriff auf diese Männer gewährleistet, ihr Sonderstatus konnte jederzeit wieder aufgehoben werden. 177 Dass Angehörige bestimmter Berufsgruppen, die sich in Deutschland befanden, Aussicht auf Entlassung

35 Bau der Lagerkirche 91

36 Blick in die Lagerkirche mit Gemälde von Carolus Vocke Gemälde von Carolus Vocke Kommet alle zu mir in der Lagerkirche 92

37 hätten, erfuhr im Januar 1946 das Landratsamt Tuttlingen vom örtlichen Hilfskomitee. Außer den oben genannten Berufen wurden in dem Schreiben Handwerker sämtlicher Bauberufe sowie Müller, Molkereitechniker und Fachleute für Gas und Wasser genannt. 178 Jedes Gesuch musste zunächst dem Bürgermeister der Heimatgemeinde zur Begutachtung vorgelegt werden; anschließend wurde es über die Landräte an die zuständigen Hilfskomitees für Kriegsgefangene weitergeleitet, welche die Gesuche ihrerseits auf Vollständigkeit prüften und jeweils zu Wochenbeginn gesammelt der Militärregierung zur Entscheidung vorlegten. Der Tuttlinger Kreisgouverneur Jean Lucien Estrade 179 wies darauf hin, dass ab sofort jedes Gesuch, das ihm direkt zugeht oder nicht ordnungsgemäss(!) gemacht ist, verworfen würde und die Schriftstücke ( ) vernichtet würden. 180 Das Verfahren des Congé de captivité konnte ebenso auf Kriegsgefangene angewendet werden, deren Anwesenheit in der Besatzungszone von der Militärregierung als indispensable erachtet wurde. Dies betraf in erster Linie Techniker und sonstige Spezialisten, für die allerdings jeweils ein individueller Antrag gestellt werden musste. Die Regelung galt auch für diejenigen unter den Kriegsgefangenen, die aus der Besatzungszone stammten und aktenkundig unter dem NS-Regime gelitten hatten oder als opposants notoires (notorische Gegner) galten. Außerdem konnten Kriegsgefangene, die nachweislich rendu service à la cause française ou à des prisonniers ou déportés français 181 in den congé de captivité versetzt werden. 182 Für 1946 wurden der Zone insgesamt 500 Kriegsgefangene zugestanden, die in den congé de Ankunft von Wehrmachtsoldaten im Lager captivite versetzt wurden. Voraussetzung war, dass sie in der Französischen Besatzungszone zu Hause waren und den Nachweis erbringen konnten, antinazis notoires ou victimes du nazisme (notorische Antinazis oder NS-Opfer) gewesen zu sein. Ob diese für die Militärregierung arbeiten oder zugunsten der Wirtschaft der Zone eingesetzt werden sollten, muss offen bleiben. Indem Emil Laffon, der für zivile Verwaltungsangelegenheiten zuständige Administrateur Général, unterstrich, dass diese mises en congé de captivité der propagande française in der Zone dienen sollten, wurde der politischen Dimension Rechnung getragen. 183 Dieses Zugeständnis stand in Zusammenhang mit zwei von der Zonenregierung an die DGPG in Paris gerichteten Anfragen vom Februar Kriegsgefangene in der eigenen Besatzungszone, die unter 18 Jahre alt 93

38 waren, wollte man gerne beurlauben, Regimegegner ganz entlassen. Während Paris an Alter oder Familienstand orientierte Entlassungskriterien nicht gelten ließ, war General Buisson, der Chef der D.G.P.G., aus politischen Gründen bereit, 500 antinazis pro Jahr in den Sonderstatus congé de captivité zu versetzen. 184 Und als durch die Säuberungsmaßnahmen in der französischen Besatzungszone, die insbesondere den öffentlichen Dienst betrafen, weitere personelle Engpässe drohten, konnte Laffon Anfang Oktober 1946 den Délégués Supérieurs verkünden, dass der Kriegsminister ein Kontingent von 600 Kriegsgefangenen à chacune des Délegations Supérieures 185 bewilligt hätte. 186 Von diesen Männern, actuellement détenus en France, erhoffte man, dass sie aufgrund ihrer technischen Kenntnisse in der Lage seien, à combler les vides crées par l épuration. 187 Am Ende waren es ca Kriegsgefangene, die mit diesem Sonderstatus in der französischen Zone eingesetzt waren, um zum relèvement de la zone (Wiederaufbau der Zone) beizutragen, lorsque leur retour était en même temps utile à l économie française. 188 Für den Historiker Theofi lakis war dieser Sonderstatus, der deutschen Kriegsgefangenen auf Betreiben der Besatzungsbehörden zugestanden wurde, ein Zeichen dafür, dass es Baden-Baden allmählich gelang, sich gegenüber den Direktiven aus Paris einen eigenen Handlungsspielraum zu schaffen. Bis 1947 und dem Inkrafttreten des allgemeinen Repatriierungsplans war dies, so seine Erkenntnis, vor allem durch Improvisation bei der konkreten Anwendung der Entlassungsmaßnahmen möglich. 189 Dass auch von der Tuttlinger Stammbelegschaft Ende 1946 einige Kameraden entlassen wurden, erinnerte Otto Beiswenger. Bedingung sei ein beglaubigtes Schreiben der Ortsbehörde gewesen, dass der Betreffende Landwirt war oder eine kinderreiche Familie zu versorgen hatte Am frühesten, nämlich bereits ab Ende Juli 1945, hatten die Amerikaner begonnen, deutsche Kriegsgefangene zu entlassen. Von diesen wurden jedoch sehr viele aufgrund der interalliierten Vereinbarungen nach Frankreich und Großbritannien zum Arbeitseinsatz überstellt. Man hatte uns, schrieb Hans Jonitz in seinen Erinnerungen, in aller Heimlichkeit an die Franzosen übergeben. Die Kriegsgefangenen, die Anfang 1946 fest mit ihrer Entlassung aus amerikanischer Gefangenschaft gerechnet hatten, fühlten sich verraten und verkauft. 191 Dass die Politik Frankreichs nicht auf möglichst rasche Entlassung der Gefangenen ausgerichtet war, sondern im Gegenteil darauf, ihre Anzahl möglichst noch zu vergrößern, ist vielfach belegt. So berichtete der spätere Intendant des Süddeutschen Rundfunks, Fritz Eberhard, dass im Mai 1945 ein amerikanischer Konvoi mit mehreren hundert deutschen Kriegsgefangenen, die eigentlich entlassen werden sollten, in Zuffenhausen (zu diesem Zeitpunkt wie auch Stuttgart in der französischen Besatzungs-

39 zone gelegen) aussteigen musste und von den Franzosen beansprucht wurde. Der begleitende amerikanische Offi zier sei, so der Zeitzeuge, machtlos gewesen. 192 Wer von einer anderen Gewahrsamsmacht entlassen worden war, aber auf französisch besetztes Territorium geriet, musste damit rechnen, erneut festgesetzt und nach Frankreich transportiert zu werden. 193 Erich Rieger etwa, der spätere Verpfl egungschef des Tuttlinger Dépôts, war auf deutschem Boden in amerikanische Gefangenschaft geraten, wurde entlassen und bei seiner Rückkehr in die französische Besatzungszone von den Franzosen erneut festgesetzt. 194 Ebenso erging es Alfred Fuss. Dieser war Mitte März 1947 nach Tuttlingen gekommen, um seinen Bruder, der aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen werden sollte, im Cage de Mühlau abzuholen. Als er sich im Lager nach dem Transport aus Südfrankreich erkundigte, wurde Alfred Fuss vom Lagerkommandanten festgenommen. Während sein Bruder am 21. März offi ziell in Tuttlingen entlassen wurde, wurde Alfred Fuss selber weiter festgehalten. Seinen schriftlichen Nachweis, dass er bereits im Juli 1945 aus amerikanischer Gefangenschaft entlassen worden war, ließ man in Tuttlingen nicht gelten und verlangte ein neues Dokument. Im Mai 1946 schaltete sich Tuttlingens Bürgermeister Fleck ein und bat darum, Fuss dans le plus bref délai possible (so schnell wie möglich) zu entlassen. 195 Im Tuttlinger Dépôt de transit wurde die Stammbelegschaft mehrmals Augenzeuge dieser Vorgehensweise. Übereinstimmend berichteten sie von Transporten aus britischen und amerikanischen Lagern, die in Tuttlingen entlassen werden sollten, deren Entlassungsscheine von den Franzosen aber zerrissen wurden, um so den Weg frei zu machen zum Weitertransport nach Frankreich. Wie oft dies tatsächlich in Tuttlingen vorgekommen ist, wissen wir nicht. Die Zeitzeugen berichteten weiter, dass Briten und Amerikaner auf diese Vorkommnisse reagierten, indem sie die Transporte nicht nur von eigenen Offi zieren begleiten ließen, sondern diesen Anweisung gaben, die ordnungsgemäße Entlassung bis zuletzt zu überwachen. 196 Im September 1945 wurde ein ganzer Konvoi von in Italien aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassener Männer in Tuttlingen von den Franzosen übernommen und nach Frankreich zum Arbeitseinsatz geschickt. Wie der ehemalige Kriegsgefangene Heinz Baumgartner erinnerte, wussten die Briten den nächsten Übernahme-Versuch der Franzosen zu verhindern. Obwohl die Franzosen den 4000 Mann starken Transport, mit dem auch Baumgartner im Herbst 1945 aus dem Lager Rimini 197 über Tarent und Innsbruck Entladerampe am Bahngleis 95

40 nach Tuttlingen ins Entlassungslager kam, übernehmen wollten, wussten dies die englischen Offi ziere, welche den Transport begleiteten, zu verhindern. 198 In dieselbe Richtung gingen die Befürchtungen des gefl ohenen Kriegsgefangenen Meinhard Glanz. Aus Sorge, ohne gültige Entlassungspapiere von den Franzosen verhaftet und nach Frankreich deportiert zu werden, achtete Glanz bei seiner Odyssee durch Deutschland darauf, alle Kontrollen zu umgehen. Als illegaler Heimkehrer wusste er, dass Frankreich in der unmittelbaren Nachkriegszeit im Ruf stand, alle Ausschnitt aus einem Brief von Luise Vogler an ihren Mann Max Vogler, der noch in Kriegsgefangenschaft war: 4. Juli Ich habe Dir schon einmal erzählt von einer Frau, die bei mir übernachtet hat, deren Mann auch Polizeibeamter war und sie ihn nach 3 Jahren hier zum ersten Mal wieder sehen durfte. Er kam zum Verhör nach Tübingen 4 Wochen. Dafür musste die Frau 60 RM für Verpfl egung bezahlen. Er kam dann wieder zurück hierher, wurde zum zweiten Mal geschoren und gestern nach Frankreich abtransportiert, er war scheint's ganz kurze Zeit beim SD. Ich habe gestern abend der Frau noch telefoniert, sie wollte am Sonntag wieder kommen. In Tübingen wurde ihm versprochen, er werde entlassen. Ist das nicht traurig?... (gw) gesunden und arbeitsfähigen Männer, die als Zwangsarbeiter nach Frankreich gebracht werden konnten, zu verhaften und zu deportieren. 199 Ob diese Männer gültige Entlassungspapiere hatten oder wie Meinhard Glanz keinen Entlassungsschein vorweisen konnten, machte dabei offensichtlich keinen Unterschied. 96 Zu Beginn ihrer Tätigkeit war die Equipe Transit - Entlassungen allerdings wesentlich mehr mit den Überstellungen von Kriegsgefangenen nach Frankreich beschäftigt. Im Monat Mai 1945 wurden mit Männern die mit Abstand meisten Kriegsgefangenen durch das Lager Tuttlingen geschleust und über Straßburg zum Arbeitseinsatz nach Frankreich geschafft. Diese Zahl wurde später nicht einmal mehr ansatzweise erreicht. 200 Im Juni 1945 waren es nur noch 4614, im Juli 1853 Mann, und im Dezember 1945 war die Zahl der Transfers auf einen Tiefstand von 63 gesunken. 201 Man schätzt, dass es ungefähr arbeitsfähige Kriegsgefangene waren, welche die Franzosen in ihrer nördlichen Besatzungszone durch die Übernahme der Rheinwiesenlager im Juli 1945 zugesprochen bekommen hatten und die sie auf Lager in ihrer Besatzungszone und in Frankreich verteilten. 202 Es

41 ist davon auszugehen, dass 1945 das Lager Tuttlingen neben dem Transfer eigener Gefangener vor allem mit dem Transport der aus amerikanischem Gewahrsam überstellten Gefangenen nach Frankreich zu tun hatte. Denn die sechste und letzte Übergabe von Kriegsgefangenen aus amerikanischem Gewahrsam an Frankreich, die von Februar bis Mai 1946 stattfand, wurde nicht über Lager in Deutschland, sondern über verschiedene US-Lager in Frankreich abgewickelt. 203 Doch wurden auch 1946 über und 1947 noch rund 1400 Transfers über Tuttlingen abgewickelt. 204 Zeitzeugen erinnerten, dass ab 1946 viele Transporte mit zahlreichen Angehörigen der Waffen-SS in Tuttlingen eintrafen. Danach kamen die Männer aus britischem und amerikanischem Gewahrsam und waren den Franzosen entsprechend der vereinbar- Ankunft im Lager Mühlau. Im Hindergrund die Bahnrampe ten Überstellung von Kriegsgefangenen übergeben worden. Da sie stets nach kurzem Aufenthalt in Tuttlingen zum Arbeitseinsatz nach Frankreich geschafft wurden, musste es sich auch bei den Angehörigen der Waffen-SS um Mannschaftsdienstgrade handeln. Denn an zumeist älteren - Offi zieren, die kriegsvölkerrechtlich ohnehin nicht zur Arbeit verpfl ichtet werden konnten, hatten die Franzosen kein Interesse. Kamen diese Transporte in Tuttlingen an, wurden die Gefangenen an der eigens dafür in unmittelbarer Nähe zum Lager an der Bahnstrecke Tuttlingen - Sigmaringen gebauten Entladerampe ausgeladen, anschließend kontrolliert ( gefi lzt ), registriert und kurz verpfl egt. Danach ging es mit dem nächsten Transport über Straßburg nach Frankreich. 205 Übereinstimmend berichteten Zeitzeugen, dass vor allem die Angehörigen der Waffen-SS besonders gründlich gefi lzt wurden, wobei ihnen Wertgegenstände wie Eheringe, Uhren und Rauchwaren, aber auch gute Wolldecken abgenommen wurden. Ob in diesen Fällen das Filzen von Franzosen oder der deutschen Equipe oder beiden durchgeführt wurde, wissen wir nicht. Der ehemalige Kriegsgefangene Beiswenger erinnerte, dass französische Soldaten aus der Stadt eigens ins Lager gekommen seien, um sich an den abgenommenen Sachen zu bedienen. Dagegen hätten die deutschen Kriegsgefangenen beim Lagerkommandanten Protest eingelegt, mit Arbeitsverweigerung gedroht und Erfolg gehabt. 206 Dass in Tuttlingen sogar Heimkehrer aus französischen Lagern gefi lzt wurden 97

42 und zwar von Deutschen und Franzosen - hat Hans Jonitz beschrieben. Als er am 19. April 1947 mit einem Transport aus Bourg in Tuttlingen ankam, wurde völlig willkürlich ( ) geplündert. Gefangene, die kurz zuvor noch ein paar Schuhe gefaßt hatten, bekamen diese wieder abgenommen und gegen schlechtere getauscht. Jonitz beschrieb die Situation als geradezu unglaublich. 207 In einem unmittelbar nach seiner Heimkehr verfassten Bericht an das Comité International de la Croix Rouge in Lyon berichtete Jonitz ausführlich über die Situation im Entlassungslager Tuttlingen. Nach der Ankunft an der Rampe sei der Transport in Gruppen zu 100 Mann ins Lager marschiert und einzeln, Mann für Mann, in ein Camp geschleust worden. Etlichen Männern seien willkürlich Kleidung, Schuhe und Mützen abgenommen und gegen alte, fast unbrauchbare Kleidungsstücke getauscht worden. Dabei konnte kein Prinzip festgestellt werden, nach welchem in Tuttlingen der Umtausch der Bekleidung geschah. Immer jedoch sei der Umtausch ( ) sehr zum Nachteil der P.G.s gewesen. Um diese Zustände abzustellen, war nach Ansicht von Hans Jonitz eine Intervention des Roten Kreuzes erforderlich. Angesichts der nun laufend in Tuttlingen und Bretzenheim eintreffenden Repatriierungstransporte aus Frankreich empfahl er außerdem, einen ständigen Delegierten des Roten Kreuzes nicht nur nach Tuttlingen, sondern auch nach Bretzenheim zu entsenden. Von diesen Missständen abgesehen, sei in Tuttlingen die Ausstellung der Entlassungspapiere und Fahrkarten für die Heimreise sehr schnell von statten gegangen. Innerhalb eines Tages habe man den gesamten Transport abgefertigt. 208 Jonitz Schreiben hatte Konsequenzen. Das Rote Kreuz wurde aktiv. Wie ihm der Vertreter des CICR in Lyon Ende Mai 1947 mitteilte, hätte eine entsprechende Demarche dazu geführt, dass nunmehr in den Entlassungslagern in der französischen Besatzungszone keinerlei Filzungen und Wegnahme von Bekleidungsstücken mehr stattfänden. 209 Nachprüfen lässt sich dies freilich nicht. Von Seiten der französischen Behörden gab es erst im Mai 1948 eine entsprechende Verfügung Die systematische Kontrolle der Kriegsgefangenen auf Waffen oder sonstige unerlaubte Gegenstände gehörte ebenso zum Alltag eines Dépôts wie die Kontrolle auf Blutgruppen-Tätowierungen. In Frankreich galten sämtliche SS-Angehörigen pauschal als Kriegsverbrecher und durften folglich unter keinen Umständen repatriiert werden. Damit hatte sich in Frankreich eine juristische Argumentationsfi gur herausgebildet, welche von der deutschen Rechtsprechung nach 1949 erheblich abwich und darauf zielte, nicht (nur) einzelne Täter vor Gericht zu stellen, sondern ganze Personengruppen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu kriminellen Organisationen oder an Kriegsverbrechen beteiligter militärischer Einheiten. Diesen Grundsätzen folgend, wurden sowohl ganze SS-Einheiten als auch Angehörige der unités blo-

43 qués - Ehemalige von insgesamt 36 Einheiten der Waffen-SS und Wehrmacht, die an Kriegsverbrechen in Frankreich beteiligt waren in Gefangenschaft belassen und waren von vornherein von jeglicher Repatriierungsmaßnahme ausgeschlossen. 211 Bei der Suche nach den Tätern war es naheliegend, dass sich das französische Augenmerk vorrangig auf die Kriegsgefangenenlager richtete. Doch erst nachdem es zur Übergabe von deutschen Kriegsgefangenen aus amerikanischen Lagern an die französische Regierung in großem Stil kam, hatte Frankreich direkten Zugriff auf eine große Menge mutmaßlicher Kriegsverbrecher, ohne ständig auf die Kooperationsbereitschaft der Bündnispartner angewiesen zu sein. Großzügige Auslieferungsvereinbarungen zwischen Frankreich und den Alliierten hatten dennoch bis zum Sommer 1947 Bestand. So waren bis Jahresende 1946 auf Veranlassung der Außenstelle des Service de Recherche des Crimes de Guerre Ennemis (SRCGE) in Baden-Baden alleine in der amerikanischen Besatzungszone mehr als 1000 mutmaßliche Kriegsverbrecher festgenommen und rund 180 in die französische Besatzungszone überstellt worden. Im folgenden Jahr erreichte das amerikanische Auslieferungsprogramm seinen Höhepunkt. 700 französischen Auslieferungsanträgen war bis Mai 1947 stattgegeben, ungefähr 190 Personen waren aus der französischen Zone nach Frankreich überführt worden. 212 Nach den Erkenntnissen der zuständigen Abteilung im französischen Justizministerium, dem SRCGE, waren rund deutsche Kriegsverbrechen 213 während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich verübt worden. Der größte Teil der Ermittlungsverfahren wurde jedoch wieder eingestellt, meistens deshalb, weil die Täter nicht ermittelt werden konnten. Von den rund 2300 letztendlich gefällten Urteilen der Militärgerichte waren über 1000 Urteile in Abwesenheit der Angeklagten ergangen. 800mal entschieden die Richter auf Todesstrafe, die in 47 Fällen vollstreckt wurde. Bei den Verurteilten handelte es sich mehrheitlich um Soldaten der Wehrmacht oder der Waffen-SS mit niedrigen Dienstgraden, die in bewaffnete Auseinandersetzungen mit der französischen Résistance verwickelt waren. 214 Wer aufgrund seiner NS- Vergangenheit oder seines Verhaltens während des Zweiten Weltkrieges mit Sanktionen oder gerichtlicher Verfol- Anhand der Blutgruppentätowierung unter dem Arm konnten Angehörige der SS ausfi ndig gemacht werden. 99

44 gung zu rechnen hatte, für den konnte eine Meldung zur Fremdenlegion durchaus attraktiv sein. Dazu gehörten insbesondere die Soldaten der Waffen-SS. Inwieweit unter den Männern der Waffen-SS oder anderen ehemaligen SS-Angehörigen auch im Lager Tuttlingen Soldaten für die französische Fremdenlegion geworben wurden, ist nicht bekannt. Dass in Kriegsgefangenenlagern für die Fremdenlegion geworben wurde, ist durch Heimkehrerberichte belegt. 215 Frankreich stand jedenfalls unter Verdacht, jeden für die Fremdenlegion zu nehmen, den es kriegen konnte, ohne Rücksicht auf seine Vergangenheit. 216 Ungefähr 5000 Deutsche sollen diese Option gewählt haben und damit deutlich weniger, als in der Öffentlichkeit lange angenommen worden war. 217 Für Kriegsgefangene, die keine Repatriierung auf normalem Wege erreichen konnten, war der Eintritt in die Fremdenlegion eine Möglichkeit, aus der Kriegsgefangenschaft entlassen zu werden und in der von der Legion gewährten Anonymität unterzutauchen. 218 Zwar hatte Frankreich - wie oben gesehen - schon früh deutlich gemacht, dass die Ahndung der von Deutschen während des Kriegs begangenen Verbrechen ein vorrangiges Ziel darstellte. 219 Bei der Rekrutierung von Soldaten für die eigene Fremdenlegion drückte man aber häufi g beide Augen zu. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum die Beschaffung von Informationen zu Kriegsverbrechen im Aufgabenkatalog eines Dépôts an vorderster Stelle rangierte. Ein Lagerinsasse illustrierte die Wunschträume der Kriegsgefangenen Dies erklärt, warum ein offi cier d interrogatoire von Anfang an zum Personal eines Lagers gehörte und die recherche du renseignements für das 2. Bureau des C.S.T.O fester Bestandteil der missions du dépôt de transit Nr. 2 waren. 220 Denn die gezielte Befragung der Kriegsgefangenen stellte eine Informationsquelle ersten Ranges für die Ermittlung von Kriegsverbrechern dar. Außerdem wurden Kriegsgefangene als Zeugen bei Ermittlungen zu vermeintlichen oder tatsächlichen Kriegsverbrechen auf französischem Boden herangezogen. 221 Der erste Tuttlinger Lagerkommandant Rousseau bestätigte, dass die recherche des renseignements (Informationsbeschaffung) 100 zu den normalen Aufgaben einer cage gehörte. In Tuttlingen wurde diese Aufgabe erleichtert durch l emploi d élements Polonais incorporés de force dans la Wehr-

45 macht, die nun die Funktion einer P.M. du Camp übernommen hätten. 222 Offensichtlich waren diese Männer eher zu Aussagen bereit als deutsche Wehrmachtssoldaten. Und selbst nach ihrer Repatriierung unterstanden ehemalige Offi ziere der Wehrmacht und anderer (paramilitärischer) NS- Organisationen strengen Kontrollen. Ab 1947 oblag dem Dépôt de transit N o 2 die Kontrolle aller membres de l ex-wehrmacht demeurant en Zône Sud. 223 Die Kontrollmaßnahme stand zum einen in Zusammenhang mit dem Bestreben der französischen Militärregierung, den Zuzug in ihre Besatzungszone wirksam zu kontrollieren. Zum anderen erhoffte man sich auch von ihnen Auskünfte zu Kriegsverbrechen auf französischem Boden. Der Kreisdelegation Kriegsgefangene auf dem Weg zur Bahnrampe Tuttlingen wurde im Oktober 1946 bekanntgegeben, dass sie ab 1. November 1946 die Aufgabe hatte, die ehemaligen Wehrmachtsoffi ziere, die im Kreis Tuttlingen gemeldet waren, zu überwachen. Doch erst ab Januar 1947 war man dazu organisatorisch in der Lage. In Zusammenarbeit mit der Gendarmeriebrigade, der Sûreté (französische Polizei) und der Demobilmachungsstelle für Kriegsgefangene wurden individuelle Überprüfungskarten angelegt, der Betroffene hatte sich einmal im Quartal bei der Gendarmerie in Tuttlingen zu melden. Ab 1. April 1947 wurde diese Kontrolle auf ehemalige Mitglieder paramilitärischer Organisationen wie SS, SA oder RAD ausgedehnt. Wie Tuttlingens Kreisgouverneur Estrade berichtete, erfasste man im 4. Quartal 1946 auf diese Art zwei höhere Offi ziere der Luftwaffe, drei des Heeres, vier vom Generalstab und einen vom Sanitätsdienst. Im selben Zeitraum ein Jahr später unterlagen ein Offi zier der Marine, sechs der Luftwaffe, neun des Heeres, sieben des Generalstabes und drei vom Sanitätsdienst dieser Kontrolle. Die Zahlen für 1948 waren ähnlich. Bei den niederen Offi ziersrängen hingegen fi elen wesentlich mehr Männer unter diese Aufl agen. Erfasst wurden im vierten Quartal 1946 allein vom Heer 69 und vom Sanitätsdienst 23 Männer. In den beiden Folgejahren stiegen diese Zahlen beim Heer auf 192 (1946) und 212 (1947) sowie 40 bzw. 45 beim Sanitätsdienst. Bei den sogenannten paramilitärischen Organisationen gab es in den beiden Jahren 1948 und 1949 nur bei ehemaligen SS-Offi zieren nennenswerte Zahlen. So stieg die Zahl der überprüften Personen bei den niederen Offi ziersrängen von zwei im ersten Quartal 1948 auf 25 im entsprechenden Zeitraum 1949; im zweiten Quartal wurden nur noch zwei Personen erfasst. Bei den Unteroffi zieren sah es ähnlich aus. Wurden im ersten Quartal Männer registriert, sank die Zahl bei der nächsten Kontrolle auf 11 ab. Ab Mai 1949 erfolgten die Kontrollen 101

46 nur noch jährlich. Deshalb fanden ihre Ergebnisse im Bericht Jean Lucien Estrades, der mit dem Monat September 1949 endete, keine Berücksichtigung mehr. 224 Dass dem Dépôt de transit die Federführung bei diesen Kontrollen übertragen worden war, wurde von Estrade freilich nicht erwähnt. Die Demobilisierungsstelle für Kriegsgefangene war in seinem Bericht nur eine die Kreisdelegation unterstützende Stelle. Entlassfeier in der Festhalle Freie Zivilarbeiter Für potentiell gesunde und arbeitsfähige deutsche Kriegsgefangene in französischem Gewahrsam bestanden bis ins Jahr 1947 nur geringe Chancen auf eine frühe Entlassung. Dies hing in erster Linie mit der französischen Haltung zusammen, neben klassischen Reparationsforderungen vor allem auf kriegsgefangene Zwangsarbeiter für den Wiederaufbau zu setzen. 225 In Frankreich war im März 1946 zu lesen, dass la France a un besoin immédiat de la contribution de son ancienne ennemie à la reconstruction de son économie, 226 wobei der Einsatz der Kriegsgefangenen ausschließlich unter ökonomischen Gesichtspunkten gesehen wurde. 227 Bereits auf der Konferenz von Jalta vom Februar 1945 hatten die Alliierten beschlossen, Deutsche als Zwangsarbeiter generell für Reparationsarbeiten einzusetzen. 228 Als Frankreich in die Entscheidungsprozesse um die Planungen für die Zeit nach der deutschen Niederlage eingebunden wurde, nahm es auch im Kreis der Alliierten den Standpunkt der Zwangsarbeiter als einer idée de justes réparations (Idee der gerechten Reparationen) ein. 229 Inwieweit eine Gewahrsamsmacht ihre Kriegsgefangenen freiließ, als Zwangsarbeiter einsetzte oder an eine andere Gewahrsamsmacht überstellte, entschied jeder Staat für sich. Frankreich hatte ursprünglich einen Arbeitskräftebedarf von bis zu 1,75 Millionen Personen geltend gemacht, aber im Laufe der Jahre 1945 und 1946 nur rund arbeitsfähige Kräfte überstellt bekommen. 230 Vor diesem Hintergrund wird verständlicher, warum Frankreich in seiner Entlassungspraxis ähnlich rigide verfuhr wie die Sowje-

47 tunion. Im Jahr 1946 wurden laut unveröffentlichtem Abschlussbericht der DGPG rund Männer entlassen, 231 dennoch befanden sich im März 1947 noch immer Männer in französischer Gefangenschaft. 232 Frankreich hatte sich lange gesperrt, einen allgemeinen Repatriierungsplan vorzulegen und mit seinem hohen Arbeitskräftebedarf argumentiert. Erst im März 1947 beugte sich Frankreich dem Druck von außen und vor allem der Amerikaner. Die im Sommer 1946 aufgenommenen amerikanisch-französischen Verhandlungen über die Repatriierung der von den USA an Frankreich übergebenen Kriegsgefangenen kamen am 11. März 1947 zu dem Ergebnis, dass die monatliche Entlassungsrate von Kriegsgefangenen (seit 1. Januar 1947) ab März 1947 auf Gefangene zu erhöhen war. Ziel war es, bis zum 1. Oktober 1947 alle von den USA an Frankreich überstellten Kriegsgefangenen zu repatriieren. 233 Diese stellten im März 1947 mit (von ) Mann immer noch die große Mehrheit der deutschen Kriegsgefangenen in französischem Gewahrsam. 234 Eng mit dieser Zielvorgabe verbunden war die gemäß französisch-amerikanischer Absprache initiierte Anwerbung von Kriegsgefangenen als Freie Zivilarbeiter. Die Möglichkeit, sich für ein Jahr als Zivilarbeiter in Diensten Frankreichs zu verpfl ichten, stand allen Kriegsgefangenen in französischem Gewahrsam offen. 235 Mit dieser Maßnahme hoffte die französische Regierung, Arbeitskräfte (für ein Jahr) gewinnen und so den Verlust durch die Repatriierung ausgleichen zu können. 236 Laut Abschlussbericht der DGPG wurden jedoch nur knapp Kriegsgefangene in Freie Zivilarbeiter umgewandelt, die überwiegende Mehrheit Deutsche. 237 Die ersten Arbeitsverträge wurden im Sommer 1947 geschlossen, so dass im Sommer 1948, nach einem Jahr, die ersten Zivilarbeiter nach Hause zurückkehrten. Allerdings waren bis November 1948 von den insgesamt rund abgeschlossenen Verträgen erst ausgelaufen. Die große Mehrheit der Zivilarbeiter arbeitete über den Jahreswechsel 1948/49 hinaus in Frankreich. 238 Wer das Angebot annahm, wurde aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und einem französischen Arbeiter gleichgestellt. 239 Die übrigen Kriegsgefangenen, die sich gegen diese Option entschieden hatten, sollten nach einem festgelegten Plan repatriiert werden, die letzten im Dezember Ob sich ein Vertragsabschluss lohnte, hing ganz wesentlich davon ab, an welcher Position der Kriegsgefangene in der Prioritätenliste der Repatriierung stand. War er unverheiratet und unter 40 Jahre alt oder verheiratet, aber kinderlos, so war seine reguläre Entlassung (als Kriegsgefangener) erst im Sommer bzw. im Dezember 1948 vorgesehen. 240 Traf auf ihn keine der zehn 1947 vorgelegten Entlassungskategorien zu, hatte er grundsätzlich mit einer späten Repatriierung zu rechnen. In diesen Fällen konnte ein Vertragsabschluss 103

48 104 als freier Zivilarbeiter eine frühere Entlassung bedeuten. Diesen Weg wählte beispielsweise der 1923 geborene Otto Beiswenger, der seit Januar 1946 als Kriegsgefangener in Tuttlingen war. Als man ihm im Frühjahr 1947 die Umwandlung seines Status als Kriegsgefangener in den eines Zivilarbeiters anbot, war er knapp 24 Jahre alt, unverheiratet und kinderlos. Damit hätte er gemäß Repatriierungsplan zu den letzten gehört, die entlassen worden wären. Beiswenger erinnerte, dass das Angebot von fast allen Kriegsgefangenen der Tuttlinger Stammbelegschaft angenommen wurde. Als am 28. August 1948 in einer feierlichen Entlassungsfeier die Zivilarbeiter verabschiedet wurden, betraf dies 75 einstige Kriegsgefangene. 241 Man hätte sich zunächst mit dem damaligen Vertrauensmann Otto Hofferbarth, einem Rechtsanwalt, besprochen und die Vertragsbestimmungen eingehend studiert, so erinnerte Beiswenger. Positiv standen vor allem die jüngeren Jahrgänge einem Übertritt in ein ziviles Arbeitsverhältnis gegenüber. Oberste Priorität hatte dabei das feststehende Entlassungsdatum. Wichtig war freilich auch, dass sie als Zivilarbeiter in Tuttlingen im Lager bleiben und wie bisher Unterkunft und Verpfl e- gung in Lager 1 erhalten sollten. Genau geregelt waren überdies Arbeitszeiten, Urlaubsansprüche und Entlohnung. Den ihm zustehenden vierwöchigen Sonderurlaub nutzte Otto Beiswenger, um Ende 1947 seine Eltern zu besuchen. 242 Während für deutsche Kriegsgefangene in Nordafrika ein Übertritt in ein ziviles Arbeitsverhältnis von vornherein ausgeschlossen worden war und Kurt Böhme daraus den Schluss zog, dass es diese Möglichkeit im Wesentlichen nur für Kriegsgefangene im französischen Mutterland gegeben hatte, 243 hatten - wie das Beispiel aus Tuttlingen zeigt auch deutsche Kriegsgefangene in der Französischen Besatzungszone diese Option. Dass eine Zustimmung zu einem solchen Vertrag unter Kameraden als Verrat am deutschen Volk betrachtet wurde, ist für Tuttlingen nicht überliefert. Hier war die Vertragsunterzeichnung gerade kein Einzelfall, vielmehr hatte sich die große Mehrheit der Kriegsgefangenen für ein Jahr als Vertragsarbeiter verpfl ichtet. 244 Dass ihnen der Vertragsabschluss nahe gelegt wurde, hatte mehrere Gründe. Frankreich hatte sich 1947 verpfl ichtet, alle Kriegsgefangenen bis Ende 1948 zu entlassen, besaß aber auf französischem Boden kein adäquates Entlassungslager. Nachdem die Einrichtung einer neuen cage als zu kostspielig bezeichnet und verworfen worden war, sollten die (Massen)Entlassungen weiterhin ausschließlich über die drei Entlassungszentren in der französischen Zone abgewickelt werden. Ein zweiter Aspekt kam hinzu. Die Entlassung der Kriegsgefangenen in der eigenen Besatzungszone sollte bereits bis Ende 1947 abgeschlossen sein. So stellte ein Schreiben vom 17. Juli 1947 der DGPG an den Administrateur général adjoint für die französische Besatzungszone klar, dass die in der französischen Zone eingesetzten Kriegsgefangenen zwar so spät wie möglich entlassen, der Stichtag 31.

49 Dezember 1947 jedoch nicht gefährdet werden sollte. Colonel Bailloux, Direktor der Annexe de la DGPG Allemagne-Autriche, schlug daher die Repatriierung der in der französischen Zone festgehaltenen Kriegsgefangenen (der Kategorien 7 bis 10) innerhalb von drei Monaten vor. Für die 3760 Kriegsgefangenen der im Repatriierungsplan festgelegten Kategorien 7, 8 und sah Bailloux September 1947 als Entlassungstermin vor, die 3280 in der französischen Zone beheimateten kriegsgefangenen Väter von drei Kindern (Kategorie 10) sollten im Oktober und diejenigen aus anderen Zonen (je 1750 Kriegsgefangene aus der Britischen und Sowjetischen Zone) im November entlassen werden. 246 Offen bleibt, was mit Kriegsgefangenen der Kategorien 1 bis geschehen sollte. Sie wurden von Bailloux nicht erwähnt. Ob dies bedeutet, dass es Gefangene, die in diese Kategorien fi elen, in Lagern der französischen Besatzungszone nicht gab oder ob für diese doch der allgemeine Entlassungsplan gelten sollte, muss offen bleiben. Im Unterschied zum allgemeinen Repatriierungsplan mit dem Stichtag 31. Dezember 1948 sollte die Entlassung der von Bailloux aufgeführten Kriegsgefangenen (Kategorien 7 bis 10) in der Französischen Zone demnach schon ein Jahr früher abgeschlossen sein als es der Zeitplan der allgemeinen Repatriierung vorsah. Ob dies tatsächlich auch so durchgeführt wurde, wissen wir jedoch nicht. Dass die erforderliche Anzahl Kriegsgefangener in Zivilarbeiter umgewandelt werden sollte, um den Betrieb der drei Dépôts in der französischen Besatzungszone auch über den 31. Dezember 1947 hinaus sicherzustellen, muss aber sicherlich in diesem Zusammenhang gesehen werden. Für Bretzenheim und Tuttlingen hielt man je 100 Mann für ausreichend, das Dépôt in Malschbach musste mit 50 Mann auskommen. Zudem wurden 100 Kriegsgefangene bzw. Travailleurs libres den Militärkrankenhäusern zugestanden, in denen kranke oder kriegsverletzte Kriegsgefangene behandelt wurden. 248 In Tuttlingen hielten somit 75 Travailleurs libres ab 1. September 1947 den Lagerbetrieb aufrecht. Für Otto Beiswenger war der garantierte Entlassungstermin das alles entscheidende Kriterium. Die Aussicht, nach Ablauf eines einjährigen Arbeitsvertrages früher und garantiert nach Hause zu kommen, bewog vermutlich auch die anderen Kriegsgefangen, sich für diese Option zu entscheiden. Freilich bleibt zu fragen, wie freiwillig der Übertritt der Kriegsgefangenen in das zivile Arbeitsverhältnis tatsächlich war. Von Otto Beiswenger und anderen ehemaligen Kriegsgefangenen wissen wir, dass die Alternative zur 105

50 106 Vertragsunterschrift, so sei ihnen damals mitgeteilt worden, die Verlegung in ein anderes, nicht näher defi niertes Lager gewesen wäre. 249 Mit diesen Freien Zivilarbeitern stellte die französische Besatzungsmacht das Funktionieren ihrer drei Transit- und Entlassungslager über den 31. Dezember 1947 hinaus sicher. Anschließend sollte die Repatriierung der Kriegsgefangenen aus Frankreich forciert werden. Bei Abschluss des Abkommens vom 11. März 1947 war man von insgesamt Kriegsgefangenen ausgegangen, die unter die Kategorien 1 bis 10 fi elen. Die zusätzlichen Kategorien 11 bis 15, die später im offi ziellen Plan de rapatriement général (Allgemeiner Repatriierungsplan) ergänzt wurden, hatte man zunächst nicht vorgesehen. In diese fi elen vor allem jüngere Kriegsgefangene, Unverheiratete und Familienväter mit bis zu zwei Kindern. 250 Dass Frankreich die Entlassung gerade dieser Arbeitskräfte so lange wie möglich hinauszögern wollte, verwundert kaum. Erst im März 1948 teilte das Französische Kriegsministeriums dem Roten Kreuz mit, dass mit den Kategorien 11 bis 15 fünf weitere Entlassungsgruppen eingerichtet worden waren. 251 Insgesamt wurden nach französischen Angaben 1947 knapp und 1948 rund deutsche Kriegsgefangene repatriiert. 252 Zu welchem Zeitpunkt ein Kriegsgefangener über die im Raum stehenden Entlassungstermine informiert wurde, ist unklar. Auf einen jungen, unverheirateten und kinderlosen Mann wie Otto Beiswenger traf keine der zehn, im Frühsommer 1947 veröffentlichten Entlassungskategorien zu. Dass er später als Männer der letzten Kategorie 10 entlassen werden würde, war daher mehr als wahrscheinlich. Für ihn war die Unterzeichnung des Vertrages als Zivilarbeiter deshalb eine echte Option. Beiswenger erinnerte, dass für ältere Familienväter, die ebenfalls den Arbeitsvertrag unterschrieben hätten, die Möglichkeit bestanden hätte, bereits nach sechs Monaten zum 28. Februar 1948 entlassen zu werden, was auch geschah. Dies war aber gewiss die Ausnahme, die theoretisch nur denjenigen Zivilarbeitern vorbehalten war, die bei besonders gefährlichen Arbeiten wie der Beseitigung von Minen, Bomben und Granaten eingesetzt gewesen waren. 253 Warum in Tuttlingen von der allgemeinen Regelung abgewichen wurde, bleibt unklar. Das Gros der Freien Zivilarbeiter aus Tuttlingen freilich wurde Ende August 1948 entlassen. Dass Zivilarbeiter nach Vertragsende wie normale Kriegsgefangene demobilisiert wurden und ihnen ebenfalls der begehrte Entlassungsschein ausgestellt wurde, war nicht unerheblich. Denn nur so unterschieden sie sich bei der Wiedereingliederung ins Zivilleben in nichts von anderen Heimkehrern. 254 Wer seinen Sonderurlaub nicht genommen oder ihn nachweislich in Frankreich verbracht hatte, hatte Anspruch auf einen kostenlosen Rücktransport in eines der beiden Entlassungszentren Bretzenheim oder Tuttlingen; die dort ausgehändigte Demobilisierungsurkunde garantierte die kostenlose Weiterfahrt bis zum Wohnort. Wer seinen Sonderurlaub

51 in Deutschland verbracht hatte, musste hingegen für die Kosten seiner Heimreise und des erforderlichen Visums selbst aufkommen. Ab den Entlassungslagern in Deutschland war auch für diese Heimkehrer der Weitertransport zum Wohnort kostenlos. 255 Allgemeiner Repatriierungsplan 1947 Der von den vier Alliierten im April 1947 beschlossene Repatriierungsplan mit dem Stichtag 31. Dezember 1948 bedeutete, dass die Franzosen ihre Entlassungen deutlich beschleunigen mussten. Hatte man im Januar 1947 mit Mann pro Monat begonnen, steigerte man diese Zahl im Laufe des Jahres 1947 auf Monatsraten von bis zu Um demobilisiert zu werden, mussten sich alle Kriegsgefangenen, die aus französischen Lagern entlassen wurden, entweder in Bretzenheim oder in Tuttlingen melden. Dies galt nun ausdrücklich auch für diejenigen, die nach Vertragsende als Zivilarbeiter in die drei Westzonen zurückkehrten. Erst dort bekamen sie ihren endgültigen Entlassungsschein, der wiederum Voraussetzung war für die ordnungsgemäße Rückkehr ins zivile Leben. 257 Diejenigen Kriegsgefangenen, die repatriiert werden sollten und in der englischen oder nördlichen französischen Besatzungszone zu Hause waren, wurden über das Durchgangslager Bretzenheim geschleust; wer aus der amerikanischen oder südlichen französischen Besatzungszone stammte, musste erst ins Lager Tuttlingen. 258 Für aus der sowjetischen Besatzungszone stammende Kriegsgefangene gab es ein anderes Verfahren. Sie wurden, aus Frankreich kommend, über das Transit-Lager Saaralbe in Lothringen geschleust und in Bebra-Gerstungen an sowjetische Offi ziere übergeben. 259 Während die anderen während der Kapitulationsphase entstandenen und in der französischen Besatzungszone befi ndlichen Kriegsgefangenenlager Zug um Zug aufgelöst wurden, wurden Tuttlingen, Bretzenheim und Malschbach bis Ende 1948 als Durchgangslager für Heimkehrer beibehalten. Offenbar gab es im Herbst 1948 Überlegungen, ein zentrales Entlassungslager bei Baden-Baden einzurichten. Dagegen wurden gewichtige Einwände erhoben. Für den Standort Tuttlingen wurde insbesondere die geographische Nähe zur US-Zone und dem großen Durchgangslager in Ulm 260 ins Feld geführt, das insbesondere die Heimkehrer aus sowjetischer Gefangenschaft passierten, die in der Französischen Besatzungszone zu Hause waren und von Ulm nach Tuttlingen en convoies zur Entlassung gebracht wurden. 261 Diese Heimkehrer passierten verstärkt ab Frühjahr 1948 das Lager in Tuttlingen. Die Erfahrung hatte gezeigt, dass kurze Distanzen zwischen den Lagern von Vorteil waren. Denn je kürzer die Entfernung war, desto größer war die Wahr- 107

52 scheinlichkeit, dass alle Kriegsgefangenen in Tuttlingen ankamen. Die Gefahr, dass Kriegsgefangene während des Transportes fl ohen und damit die Kontrolle im Entlassungslager umgingen, wurde von den französischen Verantwortlichen als hoch angesehen. 262 Dieses Phänomen kannte man zu dieser Zeit besonders von aus französischer Gefangenschaft entlassenen Kriegsgefangenen, die in der sowjetischen Zone zuhause waren und dorthin zurücktransportiert wurden. Immer wieder gab es zahlreiche évadés (Gefl ohene). So kam ein ursprünglich mit 1775 Gefangenen besetzter Zug aus Frankreich im März 1948 mit nur 1671 Mann am Übergabepunkt in Bebra an Hatte die für Entlassungen und Transit zuständige Equipe im Lager Tuttlingen im Jahr 1945 fast ausschließlich mit dem Transit nach Frankreich zu tun, änderte sich dies in den Folgejahren deutlich. Nunmehr war das DT 2 spécialisé dans la libération et la demobilisation des P.G. venant de France. 264 Rund Entlassungen von Mai bis Dezember 1945 standen fast Transfers nach Frankreich im selben Zeitraum gegenüber. Ab 1946 änderte sich dies stieg allein die Zahl der in Tuttlingen durchgeführten Entlassungen von Kriegsgefangenen aus französischem Gewahrsam auf knapp , was der Hälfte dieser Entlassungen entsprach, die in diesem Jahr von den drei Dépôts in der Französischen Besatzungszone vollzogen wurden. 265 Insgesamt wurden in Tuttlingen knapp Entlassungen durchgeführt, denn auch Kriegsgefangene aus amerikanischem, britischem und (wenige aus) russischem Gewahrsam wurden hier entlassen. 266 Die Zahl der Transfers zum Arbeitseinsatz nach Frankreich dagegen sank 1946 auf rund Das Jahr 1947 brachte eine nochmalige deutliche Steigerung. Fast Kriegsgefangene durchliefen das Lager in Tuttlingen und wurden hier entlassen. Im April 1947 stieg die Zahl der in Tuttlingen durchgeführten Entlassungen auf über , einen Monat später erreichte sie mit einen Höchststand. In den beiden folgenden Monaten wurden rund Männer, im August und September 1947 rund entlassen. 268 Es ist auffallend, dass 1947 über Tuttlingen wesentlich mehr Männer entlassen wurden als über Bretzenheim (oder Malschbach). Im Monat Juli beispielsweise entließ das Dépôt in Bretzenheim rund 9500 Kriegsgefangene, Malschbach nur 44, Tuttlingen jedoch rund Die Zahl der Entlassungen blieb auch noch im Folgejahr hoch. Knapp Kriegsgefangene (aus französischem und alliiertem Gewahrsam) und Zivilarbeiter wurden bis Ende November durch das Lager Tuttlingen geschleust und entlassen. 270 Aus der eigenen Besatzungszone wurden im Jahr 1948 die meisten Kriegsgefangenen (435 ) im Monat September entlassen. 271 Damit haben zwischen und Kriegsgefangene im Tuttlinger Dépôt ihre Entlassungspapiere bekom-

53 men. 272 Rund Kriegsgefangene traten von Tuttlingen ihren Weg zur Zwangsarbeit in Frankreich an. 273 Am 8. Dezember 1948 verließen die letzten repatriierungsfähigen Kriegsgefangenen Frankreich. Wie viele dies waren, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. 274 Von der Repatriierung ausgeschlossen waren weiterhin alle Kriegsgefangenen, die ein Kriegsverbrechen begangen hatten oder dieser Straftat verdächtigt wurden; weiter alle Angehörigen der Waffen-SS und der unités bloquées (vom Nürnberger Militärgerichtshof als verbrecherisch eingestufte Organisationen) sowie Kriegsgefangene, die Funktionsträger in der NSDAP gewesen waren. 275 Diese Männer wurden bis auf weiteres pauschal wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer solchen Organisation zurückgehalten. Im Dezember 1949 waren die Militärgerichte in Frankreich noch mit über 200 Verfahren befasst, die rund 600 Personen betrafen. 276 Auf deutscher Seite sprach man hingegen von 1097 Deutschen, die noch im Januar 1950 wegen Kriegs- oder NS-Verbrechen in französischer Haft saßen. 277 Ab März 1948 wurden zudem vermehrt Heimkehrer aus russischer Gefangenschaft durch Tuttlingen geschleust. Im Juni wurde mit 1438 Kriegsgefangenen aus russischem Gewahrsam für 1948 ein Höchststand erreicht. 278 Da die Sowjetunion die vereinbarte Entlassungsfrist bis zum 31. Dezember 1948 für sich als nicht bindend ansah, kam die Repatriierung deutscher Kriegsgefangener aus Russland jedoch nur schleppend voran. 279 Erst als die Sowjetunion auf Druck der Alliierten in den beiden Folgejahren mit rund 2 Millionen Kriegsgefangenen die Masse der in ihrem Gewahrsam verbliebenen Gefangenen entließ, schnellten auch in Entlassschein über die Station Malmsheim Tuttlingen die Zahlen in die Höhe und bewegten sich zwischen (von Entlassungen insgesamt) im März und über (von rund ) Entlassungen im Dezember Russische Heimkehrer machten 1949 in den meisten Monaten bereits knapp die Hälfte aller in Tuttlingen vorgenommenen Entlassungen aus. 281 Doch es waren nicht nur die Heimkehrer aus sowjetischen Lagern, die in den Jahren nach 1948 in Tuttlingen repatriiert wurden. Unter den Männern befanden sich weiterhin Kriegsgefangene aus Frankreich sowie Travailleurs Libres, deren Arbeitsverträge ausgelaufen waren. Im März 1950 etwa passierten Kriegsgefangene aus französischen Lagern Tuttlingen. In den Folgemonaten sank diese Zahl auf Werte um Doch wurden auch 1951 in Tuttlingen immer noch zwischen 300 und 900 Kriegsgefangene 109

54 - auch aus französischem Gewahrsam - und Zivilarbeiter entlassen. So waren unter den 175 im September 1951 vollzogenen Entlassungen 118 Freie Zivilarbeiter; im Dezember 1951 waren es bei insgesamt 228 Entlassungen 109 Travailleurs libres und 44 Kriegsgefangene aus Frankreich Verbindungsstelle des Landeskommissars für das Flüchtlingswesen Da über das Lager Tuttlingen primär die Entlassung aller Kriegsgefangenen (aus französischem Gewahrsam) mit Heimatadressen in der südlichen französischen und in der amerikanischen Besatzungszone abgewickelt wurde, stellte sich vor allem bei letzteren die Frage des Weitertransportes ab Tuttlingen. Gegen das Verfahren, Entlassene mit Heimatadressen außerhalb der französischen Zone über Ravensburg zu leiten, um dort nochmals durch deutsche Behördenvertreter kontrolliert zu werden, machte der Kreisbeauftragte für die französische Militärregierung, Jean Lucien Estrade, gewichtige Einwände geltend. Das Ravensburger Lager sei zu klein, um mit den im Augenblick zur Entlassung stehenden größeren Gruppen von Kriegsgefangenen fertig zu werden. Da die Gefangenen momentan in convois entiers de 800 à personnes 284 entlassen würden, sei das Lager in Ravensburg dadurch oft engorgé (verstopft). Über Ravensburg zu entlassen, sei nicht nur ein Umweg, sondern angesichts der Eisenbahnverbindungen zwischen Tuttlingen und der amerikanischen Zone auch sehr umständlich ( malaisées ). Für die Heimkehrer bedeutete dies einen enormen Zeitverlust. Deshalb plädierte Estrade für einen raschen Ausbau des Centre de rassemblement (Sammelstelle) in Oberndorf am Neckar. Dorthin sollten für die US-Zone bestimmte Heimkehrer geschlossen per Bahn transportiert werden. Zu diesem Zweck war zwischen Oberndorf am Neckar und Tuttlingen eine ständige Transportverbindung ( navette de 20 wagons ) eingerichtet worden; Überlegungen gab es zudem, eine weitere ständige Verbindung von Oberndorf nach Stuttgart einzurichten. 285 Bis dahin sollten nach Meinung Estrades in Oberndorf je nach Bedarf und Größe Konvois in die amerikanische Zone nach Stuttgart zusammengestellt werden. Transport nach und Aufenthalt in Oberndorf sollten 24 Stunden nicht überschreiten. Den in Tuttlingen ausgestellten Entlassungsschein sollten die Heimkehrer allerdings erst nach ihrem Eintreffen in der US-Zone erhalten. Damit wollte man sicherstellen, dass die Veteranen die französische Zone auch wirklich verließen. 286 Diejenigen, die ihre Heimatadresse in der nördlichen französischen Besatzungszone (Baden, Pfalz, Rheinland und Saar) hat-

55 ten, wurden hingegen über ein centre de transit in Offenburg geleitet, mussten mit normalen Zügen fahren und oft tagelang auf ihren Weitertransport warten. Estrade monierte, dass die Kontrolle der deutschen Behörden bei dieser Personengruppe unzureichend war. Denn waren die Heimkehrer erst einmal im Besitz des Entlassungsscheins, konnten sie sich in der Französischen Zone frei bewegen, waren sie doch gehalten, selber für ihren Heimtransport zu sorgen. Estrade befürchtete dadurch unerwünschte infi ltrations irréguliéres in die Französische Besatzungszone. Deshalb plädierte er für eine Kontrolle von deutscher Seite bereits im Tuttlinger Lager und eine Übergabe der Heimkehrer in die Obhut einer Hilfsorganisation (association de secours), welche für den Weitertransport per Bahn zuständig sein sollte. Der Aufenthalt im Lager Tuttlingen sollte auch hier 24 Stunden nicht überschreiten. Bei strittigen Heimatadressen sollten die deutschen Behörden entscheiden, ob der Heimkehrer in die französische oder amerikanische repatriiert wurde. Bis der Entscheid vorlag, waren die Betroffenen nach Meinung Estrades im Flüchtlingslager Ludwigsthal unterzubringen, wobei sie der Kontrolle der deutschen Behörden unterstanden. 287 Dieser ausführlichen Stellungnahme Estrades war ein Schreiben Theodor Eschenburgs 288 vorausgegangen. In diesem hatte der Landeskommissar für das Flüchtlingswesen deutlich zu verstehen gegeben, dass er die in Tuttlingen entlassenen Kriegsgefangenen mit Heimatadressen in den drei nicht-französischen Zonen über ein ihm unterstehendes Camp central d échange in der Argonnenkaserne in Weingarten/Ravensburg zu schleusen gedachte. 289 Dagegen hatten die französischen Stellen sofort Protest eingelegt: Il n y a aucune raison d avoir crée un camp central d échange à Ravensburg, camp qui est uniquement sous la coupe d Eschenburg, hieß es in einem internen Schreiben vom 14. Januar Das vorgeschlagene Procedere hätte der französischen Militärregierung aucun moyen de contrôle (keine Kontrollmöglichkeit) eingeräumt und wurde deshalb abgelehnt. Da man jedoch den Deutschen die Verantwortung für die defi nitive Repatriierung der Kriegsgefangenen in ihre jeweilige zone d origine (Heimatzone) ab Tuttlingen übertragen hatte und diese nicht gefährden wollte, musste man taktisch vorgehen. Deshalb war man bereit, die in Tuttlingen ausgestellten Entlassungsscheine nicht nur Angehörigen der Militärregierung, sondern auch Mitarbeitern des Flüchtlingskommissars auszu- 111

56 112 händigen. Wichtig war, dass diese begleitende autorité die Papiere erst an die Kriegsgefangenen übergab, wenn man in der Heimatzone angekommen war. Zu mehr Zugeständnissen war man aber nicht bereit. Die französische Seite beharrte auf ihrem Standpunkt, Kriegsgefangene aus den drei nicht-französischen Zonen über Biberach 291 et non par Ravensburg zu leiten. Die deutsche Seite sollte lediglich für den Transport dorthin verantwortlich sein. 292 Mit dem Vorschlag Estrades, der Oberndorf ins Spiel gebracht hatte, gab es nun eine weitere Option. Offensichtlich existierten verschiedene Möglichkeiten für den Weitertransport der in den anderen Zonen beheimateten Kriegsgefangenen. 293 Es muss offen bleiben, wann welche Option genutzt wurde. Für die Betroffenen machte es freilich keinen großen Unterschied, ob sie über Oberndorf, Ravensburg (März 1947) 294, Malmsheim (Oktober 1947) 295 oder Ulm-Kienlesberg und/oder Malmsheim (März 1948) 296 nach Hause kamen. Dass Eschenburg für die nach ihrem Herkunftsgebiet als Ausgewiesene oder Flüchtlinge geltenden Kriegsgefangenen zuständig war, wurde von Estrade als unerlässlich dargestellt. Pour permettre au Commandement français de connaître la résidence défi nitive où se retire chaque P.G.A. libéré, sei es notwendig, dass l Administration allemande contrôle et prenne en charge, dès leur libération au Centre de transit No.2, les ex-p.g.a. considérés temporairement comme des réfugíes allemands, schrieb er an die vorgesetzte Behörde in Tübingen im März Für eine effektive Kontrolle der Bevölkerungsbewegung, für die Eschenburg zuständig war, wurden die zahlreichen entlassenen Kriegsgefangenen, die sich in der französischen Besatzungszone aufhielten, weil sie nicht mehr in ihre Heimatgebiete zurückkonnten, vor allem nach der im August 1946 von der französischen Militärregierung verhängten Zuzugssperre ein Problem. Um eine zuzugsrechtliche Überprüfung und Registrierung der Kriegsgefangenen sicherzustellen, richtete Eschenburg deshalb in der zweiten Jahreshälfte 1946 im Entlassungslager Tuttlingen eine Verbindungsstelle des Landeskommissars für das Flüchtlingswesen ein. 298 Offensichtlich schätzte Eschenburg das Wanderungsproblem, das die entlassenen heimatlosen Kriegsgefangenen darstellten, als kritisch ein. Viele von ihnen gingen von einer Zone in die andere und schlugen sich so gut es ging durch. 299 Der 1946 amtierende Lagerkommandant von Tuttlingen, René Kretz, sah das Problem hingegen als nicht vorrangig an und verwies auf den auf dem Entlassungsschein aufgedruckten Vermerk, dass die Französische Zone binnen drei Tagen zu verlassen sei. Dies erschien ihm ausreichend zu sein. Dagegen wandte Eschenburg ein, dass seule la prise en charge des certifi cats de libération par les authorités de rapatriement pourra garantir le retour effectif des prisonniers dans leurs zônes respectives. 300 Zumindest diese Empfehlung hatte Kreisgouverneur Estrade aufgegriffen, kam sie doch den Sicherheitsinteressen der französischen Besatzungs-

57 behörden entgegen. 301 Dass die französischen Besatzungsbehörden gewillt waren, das Verhalten entlassener Kriegsgefangener, die länger als erlaubt in der Stadt oder der Umgebung Tuttlingens blieben, streng zu sanktionieren, zeigt ein Schreiben vom Februar Heimkehrer, die vom Hilfskomitee übernommen und mit dem Nötigsten versorgt worden waren, um in ihre Heimat zurückkehren zu können, und die Heimreise dennoch nicht antraten, so hieß es, nutzten das Mitleid oder das Solidaritätsgefühl bei den Personen aus, die ihnen heimlicherweise Unterkunft und Verpfl egung gewährten. Für den Kreis Tuttlingen entstehe damit ein Übermaß(!) an Lasten sowie eine unübersichtliche Situation, was Verpfl e- gung und Wohnraumzuteilung angehe. Dieses Verhalten, das den Gesamtplänen des Gouvernement Militaire entgegenarbeiten würde, könnte nicht geduldet werden, ließ das Landratsamt im Auftrag der Militärregierung wissen. (Gefängnis-) Strafen drohten nicht nur den Heimkehrern, die sich unerlaubt im Kreis Tuttlingen aufhielten, sondern auch den Personen, die ihnen Unterschlupf gewährten. 302 Hilfskomitee für Kriegsgefangene Erste Hilfsmaßnahmen für in Tuttlingen entlassene Kriegsgefangene wurden nach Kriegsende vom lokalen Hilfskomitee koordiniert. Handelte es sich zunächst vor allem um die Ausgabe von Verpfl egungsrationen an Heimkehrer und die Sammlung von Kleidungsstücken, kamen in der Folge weitere Fürsorgemaßnahmen hinzu. Die zunächst auf kommunaler Ebene gebildeten Komitees wurden später durch Kreis- und Landeskomitees ergänzt. Eine zentrale Stelle für die gesamte Besatzungszone wie in der US-Zone - gab es hingegen nicht. 303 Der bei der französischen Militärregierung in Tübingen angesiedelte Service des Personnes Déplacés berichtete in seinem Monatsbericht für Januar 1946 unter der Rubrik accueil aux P.G. libérés 304, dass das Comité d Entreaide aux Prisonniers de Guerre Allemands in Tuttlingen über Portionen Suppe und Kaffee und über Portionen Rations de Route (Marschverpfl egung) ausgegeben hatte. Über Heimkehrern hatte das Hilfskomitee außerdem eine erste Übernachtungsmöglichkeit gestellt. 305 In einem Aufruf des Tuttlinger Hilfskomitee vom März 1946 wurde darauf verwiesen, dass seit Oktober 1945 allei- 113

58 114 ne Portionen Verpfl egung durch das Hilfskomitee an Kriegsgefangene ausgeben worden waren. Für den Zeitraum bis Oktober 1945 wurde die Anzahl der ausgegebenen Verpfl egungsportionen mit einer Million angegeben. 306 Ob es in dieser frühen Phase bereits als Hilfskomitee fi rmierte oder die Hilfeleistungen ohne eine entsprechende Organisation verteilt wurden, muss offen bleiben. Denn wie Theofi lakis zeigen konnte, kam es in der französischen Besatzungszone erst im Oktober 1945 zur Einführung von Hilfskomitees. 307 Das Tuttlinger Hilfskomitee hatte jedoch, so hieß es in dem Aufruf, seit der Einrichtung des Lagers Ende April 1945 immer wieder an die Hilfsbereitschaft der Tuttlinger Bevölkerung appelliert. Denn seit diesem Zeitpunkt hätten Kriegsgefangene Tuttlingen als Durchgangsplatz in beiden Richtungen passiert und Stadtverwaltung und Bürger Tuttlingens dadurch immensen Anforderungen genügen müssen. Dies untermauerte das Hilfskomitee mit der Zahl von rund Wehrmachtsangehörigen, die seit Oktober 1945 eigenen Berechnungen zufolge über das Lager in Tuttlingen entlassen worden waren. 308 Im März 1946 sahen die beiden Unterzeichner des Aufrufes, Tuttlingens stellvertretender Bürgermeister Fritz Fleck und Dr. Messerschmidt, 309 den Zeitpunkt gekommen, um an die unbeschränkte Initiative aller zu appellieren. Ihr Aufruf richtete sich deshalb nicht mehr nur an die Tuttlinger Bevölkerung, von der unmöglich ( ) eine Fortsetzung dieser Leistungen verlangt werden könnte. Vielmehr sei nun ein Werk der spontanen nationalen Solidarität aller Schichten erforderlich, um solcher Not Herr zu werden. Alle privaten Möglichkeiten des Helfens sollten ausgeschöpft, ein Zusammenwirken aller administrativen und politischen Stellen, der Wohlfahrtseinrichtungen, der Gewerkschaften und der Kirchen aller Zonen erreicht werden. Am meisten wurden zu diesem Zeitpunkt Kleiderspenden benötigt. Das Hilfskomitee hatte in seiner Dienststelle eine Bekleidungsstelle eingerichtet, die wenigstens in den allerdringendsten Fällen helfen konnte. Auf diese Art von Hilfeleistung waren insbesondere entlassene Kriegsgefangene angewiesen, die nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren konnten, da sie in den geräumten Gebieten des Ostens zuhause waren. Denn wer nicht heimkehren konnte, benötigte unter allen Umständen Zivilkleidung, war doch das Tragen von Uniformstücken nur während der Heimreise gestattet, nicht aber während des Aufenthalts vor Ort. Akut war die Bekleidungsfrage auch bei denjenigen, die, aus den Versorgungskrankenhäusern (für Kriegsgefangene) entlassen, oft nicht mehr als das besaßen, was sie auf dem Leib trugen. Sie hatten keine Unterwäsche, nur zerrissenes Schuhwerk oder notdürftig selbstgefertigte Schuhe`. Dass einer der Männer einen Mantel hatte, war eine große Ausnahme. Nachdem Anfang März 1946 die Zahl der ausgegebenen Kleidungsstücke bereits in die Tausende gegangen war, war die Kleiderkammer des Hilfskomitees so gut wie leer. Bis-

59 lang waren die Kleiderspenden von der Stadt und dem Kreis Tuttlingen erfolgt; die Spenden anderer Kreise, die beim Hilfskomitee in Tuttlingen eingegangen waren, hatten zum größten Teil nach Frankreich abgegeben werden müssen. 310 So lagen etwa Mitte Februar 1946 über 6000 gesammelte Bekleidungsstücke für deutsche Kriegsgefangene in Frankreich beim Hilfskomitee bereit, sie waren emballeés et prêtes à être expédiées. 311 Mit ihrem Aufruf zur Hilfe für die Kriegsgefangenen hatten die beiden Unterzeichner aber nicht etwa die Kriegsgefangenen in den Lagern Frankreichs in Blick, für die zu diesem Zeitpunkt bereits in zwei großen Aktionen in der Zone Bekleidung gesammelt worden war. 312 Dass die Pariser Behörden den Hilfeleistungen für die Kriegsgefangenen im französischen Mutterland absolute Priorität einräumten und General Koenig angewiesen worden war, bis Dezember 1945 eine halbe Million Kleidungsstücke, Schuhe und Decken aus der französischen Besatzungszone nach Frankreich zu schicken, hat unlängst Fabien Theofi lakis gezeigt. Dass diese Hilfsmaßnahmen auf Kosten der Kriegsgefangenen in der Besatzungszone sowie der Ostfl üchtlinge ging, nahm man in Paris in Kauf. 313 Ohne zu verkennen, dass in den Lagern Frankreichs die Spenden nicht weniger dringlich gebraucht würden, galt die Sorge der Verantwortlichen des Tuttlinger Hilfskomitees jedoch den repatriierten Kriegsgefangenen vor Ort, die sich häufi g in einer verzweifelte(n) Lage befänden und zu Recht erwarteten, dass ihnen sofort und wenigstens mit dem Notwendigsten geholfen würde. Angesichts der Not, die sich hier zusammenballt, war eine konzertierte Aktion aller Kräfte in allen Besatzungszonen vonnöten. Für das Hilfskomitee standen die drei nicht-französischen Besatzungszonen auch deshalb in der Pfl icht, weil die in Tuttlingen entlassenen hilfsbedürftigen Kriegsgefangenen ja aus allen Teilen des Reiches stammten. 314 Ihnen war klar, dass die Kriegsgefangenen nur einen Teil eines umfassenderen Problems darstellten und sich in Konkurrenz zu den Millionen von Flüchtlingen, Displaced Persons und Ausgebombten befanden. Deshalb plädierten Fleck und Messerschmidt dafür, die Hilfsmaßnahmen für entlassene Kriegsgefangene und Ostfl üchtlinge zu koordinieren. Angesichts der eigenen knappen Ressourcen die außerordentliche Betreuung derjenigen Kriegsgefangenen zu unterbinden, die in der sowjetischen Zone beheimatet waren, wie dies die Militärregierung nunmehr angeordnet hatte, war nach Ansicht des Hilfskomitees jedoch nur Augenwischerei. Indem man von diesen Heimkehrern nunmehr verlangte, Tuttlingen wie alle übrigen Entlassenen binnen 24 Stunden zu verlassen, obwohl ihnen eine Rückkehr in die Heimat allen Nachrichten zufolge aber unmöglich war, war Tuttlingen diese Männer zwar los, die prinzipielle Lösung des Problems jedoch nur auf eine andere Kommune abgeschoben. Ebenso rigoros sollte das Hilfskomitee gegenüber Heimkehrern vorgehen, die aus der britischen oder amerikanischen Zone stamm- 115

60 ten, aber als Ausgebombte zu gelten hatten. Sie waren in ihre Heimatzone abzuschieben, selbst wenn dort keine Angehörigen mehr lebten. 315 Einmal mehr zeigte sich hier die restriktive französische Politik gegenüber jeglicher Art von Zuwanderung. Oberste Priorität bei der französischen Flüchtlingspolitik hatten Abschiebung und Kontrolle des Zuzugs in ihre Besatzungszone. 316 Fritz Fleck 116 Mit der Bekanntgabe des Repatriierungsplans und der gleichzeitigen Einführung der zivilen Arbeitsverhältnisse im Frühjahr 1947 wurden entlassene Kriegsgefangene mit Heimatadressen in der sowjetischen Besatzungszone für Frankreich erneut interessant. Eventuell konnten hier Arbeitskräfte rekrutiert werden. Deshalb kam es darauf an, über die weiteren Absichten dieser Männer informiert zu sein. Dies war bislang offensichtlich dem Hilfskomitee vorbehalten gewesen, so dass Leon de Rosen, Chef der Division PDR innerhalb der französischen Besatzungsverwaltung, im Februar 1947 darauf hinwies, dass Frankreich ein vitales Interesse daran haben musste, à la tête de ce service d entre-aide 317 zu bleiben, um über die weiteren Pläne der Kriegsgefangenen informiert zu sein, die nicht in der französischen Zone beheimatet waren. Vor allem unter Männern aus der zône sovietique ( ) nous pourrions recruter de la main d oevre pour la France. 318 Rosen gab die Zahl der aus der russischen Zone oder den Gebieten östlich von Oder und Neiße stammenden Kriegsgefangenen in französischem Gewahrsam mit rund an. Beaucoup d entre eux ne voudront pas rentrer chez eux, so seine Einschätzung, d autres ne le pourront pas ayant perdu leur chez eux. 319 Folgerichtig richtete die Militärregierung in diesem Zusammenhang im Mai 1947 in Tuttlingen eine Anwerbestelle für Arbeitskräfte in Frankreich ein. 320 Eine wichtige Rolle spielten die Hilfskomitees zudem bei den Entlassungsgesuchen, welche vor Inkrafttreten des allgemeinen Repatriierungsplans von ihnen - wie oben gesehen - gesammelt an die Militärregierung weitergeleitet wurden. 321 In erster Instanz gab das zuständige Bürgermeisteramt, bei dem die Familienangehörigen des Kriegsgefangenen das Gesuch einzureichen hatten, sein Votum ab. Eine negative Stellungnahme ließ die Aussicht auf Erfolg beträchtlich

61 schwinden. Tuttlingens Bürgermeister Fritz Fleck zeigte kein Verständnis für einen ablehnenden Bescheid seines Kollegen in Emmingen, den dieser mit der unsicheren Existenzgrundlage der Antragstellerin und Ehefrau des Kriegsgefangenen begründet hatte. Wo bleibt hier die soziale Einstellung und die Hilfe für unsere armen Teufel, die in Kriegsgefangenschaft sind?, fragte er. Aus diesem Grund ließ Fleck seinen Kollegen in Emmingen im Februar 1946 wissen, dass es in erster Linie darauf ankäme, dass dieser Kriegsgefangene ( ), wie alle übrigen armen Teufel aus der Gefangenschaft herausgeholt würde. 322 Da Fleck als Bürgermeister Mitglied des Tuttlinger Hilfskomitees war, welches die Anträge sammelte, prüfte und an die Kreiskomitees weiterleitete, war er über die eingehenden Gesuche gut informiert. Rigidität bei der Durchsetzung von Vorschriften Als 1947 die Zahlen der in Tuttlingen zur Entlassung kommenden Kriegsgefangenen in die Höhe schnellten und im Mai mit über ein Höchststand erreicht wurde, kam es zu einem folgenschweren Vorfall. Es ging um Heimkehrer aus Frankreich mit Heimatadressen in der sowjetischen Besatzungszone. Die 15 über 45 Jahre alten Männer kamen mit einem Transport aus Offenburg und sollten in Tuttlingen entlassen werden. Bei der Überprüfung ihrer Entlassungsanschriften fi el dem deutschen Vertreter der Flüchtlingsverwaltung 323 auf, dass sie ihre Heimatadresse in der sowjetischen Zone verschwiegen und stattdessen eine Tarnadresse in der US-Zone angegeben hatten, wo sie angeblich bei Angehörigen vorübergehend unterkommen konnten. Die Männer wurden daraufhin nach Offenburg zurückgebracht. Dieser Vorfall schlug hohe Wellen und brachte den Caritas-Verband auf den Plan. Während die Franzosen bereit waren, diese Männer zu entlassen, hätte es die Unbeweglichkeit der an der Entlassung beteiligten deutschen Dienststellen fertig gebracht, die Entlassung zu verhindern, schrieb ein sichtlich fassungsloser Caritas-Vertreter. Für ihn war diese unfl exible Haltung nicht nachvollziehbar. Mit etwas mehr Beweglichkeit in der Handhabung der maßgebenden Bestimmungen wäre es den Männern erspart geblieben, wie Kriminelle in einem Zellenwagen der Eisenbahn zurück ins Lager Offenburg geschafft zu werden. Der Caritas-Vertreter mutmaßte, dass sie nun zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt über das Lager Saaralbe entlassen und in einem Sammeltransport in die russische Zone transportiert werden würden. 324 Dass Kriegsgefangene bei der Entlassung falsche Adressen in der britischen und amerikanischen Zone angaben, um nicht in die russische Zone abgeschoben zu werden, war gängige Praxis und wurde auch aus Bretzenheim berichtet. Es wurde jedoch kein Zwang ausgeübt, in die russische Zone zu- 117

62 118 rückzukehren. 325 Klagen ehemaliger Kriegsgefangener über die Behandlung, die sie von Seiten der eigenen Beamten erfuhren, und vor allem über die Rigidität bei der Durchsetzung der Vorschriften und Regelungen sind auch noch aus dem Jahr 1949 überliefert. 326 Die Zahl der heimatlosen Veteranen in den drei Westzonen wurde im Sommer 1948 auf zwei Millionen geschätzt. 327 In einem Zeitungsartikel von 1948 war über Heimkehrer im Entlassungslager Munster-Lager in der britischen Besatzungszone zu lesen: In den Baracken von Munster-Lager, vor den Tischen, an denen sie ihre Entlassungspapiere entgegennehmen, stehen viele ( ) und fragen: `Was soll nun mit uns geschehen? Das sind jene, die kein Daheim mehr haben. Sie wohnten einmal in Ostpreußen, in Pommern oder in Schlesien. Viele haben keine Angehörigen mehr ( ) Nun stehen sie da und fragen. Und weiter: Sie sitzen in Munster-Lager auf ihren Koffern und wissen nicht, wohin. Heimkehrer ohne Heimkehr. 328 Von den alliierten Militärregierungen wurden die Probleme mit den heimkehrenden Veteranen als Teil des deutschen Verantwortungsbereiches gesehen. In den Städten und Kommunen konkurrierten diese mit Tausenden von Flüchtlingen um Wohnraum. Wer nicht bereits vor seiner Einberufung seinen Wohnsitz im französisch besetzten Gebiet Württembergs und Hohenzollern hatte, konnte als entlassener Kriegsgefangener dort nicht bleiben. Die französische Abschottungspolitik bedeutete, dass ohne ausdrückliche Genehmigung des Flüchtlingskommissars Kriegsgefangene weder aus anderen Zonen noch aus den abgetretenen Gebieten im französisch besetzten Württemberg und Hohenzollern ein Bleiberecht hatten. Erst im Februar 1948 erleichterte die Militärregierung den Zuzug für Kriegsgefangene. 329

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