Joh. 1,29-34 Predigt am 1.n.Epiphanias in Landau - Lichtergottesdienst

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1 1 Joh. 1,29-34 Predigt am 1.n.Epiphanias in Landau - Lichtergottesdienst Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen. (Text einblenden) 29 Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: 30 Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich. 31 Und ich kannte ihn nicht. Aber damit er Israel offenbart werde, darum bin ich gekommen zu taufen mit Wasser. 32 Und Johannes bezeugte und sprach: Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. 33 Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist's, der mit dem Heiligen Geist tauft. 34 Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn. Herr, segne dein Wort an uns allen. Amen. Ein paar Minuten Stille, Zeit zum erneuten Lesen und Nachdenken über den Text (Bild vom Isenheimer Altar einblenden)

2 Dieses Bild, liebe Gemeinde, ist sicher allen gut bekannt: Der Isenheimer Altar, in ganzer Schönheit zu bewundern in Colmar, Elsass. 2 Bekanntlich hat Matthias Grünewald, der den Altar geschaffen hat, in diesem Altarbild verschiedene biblische Szenen miteinander verknüpft, die in der Bibel weit auseinander liegen. Die Eine haben wir als Predigttext gehört und gelesen aus dem Anfang des Johannesevangeliums: Johannes sieht, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Die andere steht fast am Ende, im 19. Kapitel, im Zusammenhang mit der Kreuzigung Jesu. Dort heißt es: Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. (Joh. 19,25-27) (nächste Folie: Text: Siehe das ist Gottes Lamm...) Am Ende wird also klar, wozu Jesus Christus in die Welt gekommen ist. Und Johannes, der Täufer hat das schon am Anfang gesehen und bezeugt: Mit überlangem Finger hat ihn der Künstler gemalt, damit man das nicht übersehen kann. Und dann hat er das Lamm Gottes dazu gemalt, um das ganz deutlich zu

3 3 machen: Jesus ist gekommen, um die Sünden der Welt zu tragen. So deutet er den Sinn des Leidens und Sterbens Jesu Christi. Dazu ist das ewige Wort Gottes Fleisch geworden im Kind der Krippe, dazu ist der Sohn Gottes Mensch geworden. Siehe!!! Seht ihr das nicht? Seht doch genau hin! Das ist der Grund für das Kreuz, der Grund für das Leiden und Sterben des Herrn. Wie kann man das bestreiten wollen? Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder. Wir werden dieses Passionslied nachher singen. Und wie der Künstler Matthias Grünewald auf seinem Altarbild, so fügen wir in diesem Gottesdienst etwas zusammen, was für Viele wohl kaum zusammen zu gehören scheint: Die Weihnachts- und Epiphanias-Zeit und Karfreitag. Was aber, liebe Gemeinde, wäre Weihnachten, das Feiern von Jesu Geburt - was wäre es wert ohne Karfreitag und Ostern? Und was wäre die Geschichte von den "Heiligen drei Königen" wert ohne Jesu Sterben und Auferstehen? Dann wären das alles nur schöne Geschichten, Legenden, Märchen - letztlich ohne wesentliche Bedeutung für uns. "Was fürs Herz" - ist ja auch nicht schlecht. Aber wenn vom ganzen Christentum nicht mehr übrig bleibt als das, dann ist es letztlich nur noch so was wie "Folklore", und damit beliebig, am Ende überflüssig. Siehe!!! Seht ihr das nicht? Seht mal genau hin! Ja, und dann sehe ich das Opferlamm, das das Kreuz trägt wie es eigentlich zu einem Osterbild gehört, zur Auferstehung; es fehlt nur noch die Fahne, die Siegesfahne oben am Kreuz. Ganz stolz und quicklebendig trägt das Opferlamm das Kreuz als Zeichen des Sieges über Sünde und Tod. Sozusagen als Kontrapunkt zu dem Kreuz, das sich da unter der Last der Sünde der Welt biegt.

4 4 Das Opferlamm ist auch das Osterlamm. Siehe!!! Seht ihr das nicht? Seht doch genau hin! Und dann sehe ich, was ja eigentlich auch nicht in eine Kreuzigungsszene hineingehört: Das Heilige Abendmahl! Da wird das lebensspendende Blut des Opferlammes aufgefangen in einem Kelch. Das Blut Jesu Christi, der das Lamm Gottes ist, das die Sünden der Welt ans Kreuz getragen hat: Für dich und mich hingegeben in den Tod; für dich und mich vergossen zur Vergebung der Sünden! Das Abendmahl ist keine unverbindliche Zeichenhandlung, sondern: Gott schenkt uns Anteil am Lamm Gottes, das der Welt Sünden trägt. Und er schenkt uns Anteil an dem Sieg über Sünde und Tod, den dieses Lamm für uns errungen hat. Siehe!!! Seht ihr das nicht? Seht doch genau hin! Ja, und da sehe ich schließlich das letzte, das nicht zusammen zu passen scheint: (Bild einblenden: Ausschnitt aus dem Altarbild: Johannes der Täufer) Dieser alles erklärende Satz, das Leben Jesu, und damit den gesamten Heilswillen Gottes erklärend, dieser Satz steht ja im Zusammenhang mit der Taufe Jesu. Im Unterschied zu den drei anderen Evangelien beschreibt das Johannesevangelium die Taufe Jesu nicht. Sondern wir haben sie hier ganz anders: in der Rückschau des Täufers, der ja dem Geschehen am nächsten war. Und Johannes sagt: Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich.

5 5 Und ich kannte ihn nicht. Aber damit er Israel offenbart werde, darum bin ich gekommen zu taufen mit Wasser. Das war letztlich der Sinn der Taufe durch Johannes: den Christus offenbar machen. Nämlich, dass in diesem Menschen, denn man bisher nur kannte als "Jesus von Nazareth, Josefs Sohn", Gott selbst unter uns getreten ist. Jesus ist also keineslfalls ein Prophet oder ein Wundertäter oder ein Mensch, der eine neue Weisheit und Religion unters Volk bringt, sondern: Dieser ist Gottes Sohn! Das ist was ganz anderes. Siehe!!! Seht ihr das nicht? Seht genau hin! Da ist ER, der nicht wie Johannes nur mit Wasser tauft, sondern mit dem Heiligen Geist. Der den Heiligen Geist ausgießen wird über die Menschen, dass sie an ihn glauben und ihm nachfolgen und ihre Geistes-Gaben für das Evangelium einsetzen, bis heute. Je nach der Gnade, die ihnen gegeben ist. (Wie wir in der Epistel gehört haben) Und dieser, der Sohn Gottes, der ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünden trägt. Und warum sieht Johannes das ausgerechnet an dem Tag, als er Jesus kommen sieht? Nun, es wird wohl der Tag gewesen sein, als Jesus zu ihm gekommen ist, um sich taufen zu lassen. Warum lässt sich Jesus denn eigentlich taufen? Zur Vergebung der Sünden, wie die anderen alle, die zu Johannes gekommen sind? Wohl kaum, war er doch derjenige, der genauso als Mensch versucht worden ist wie wir alle, doch ohne Sünde, wie die Heilige Schrift sagt. (Hebr. 4,15) Warum also? Im Bericht des Matthäusevangeliums von der Taufe Jesu heißt die Antwort: Um "alle Gerechtigkeit zu erfüllen!" (Mth. 3,15) Und das bedeutet: um es Gott recht zu machen und uns Menschen recht zu machen.

6 6 Gott, dem Vater macht er es recht, indem er die Strafe für die Sünde der ganzen Welt auf sich nimmt. "Man muss für alles im Leben bezahlen!" so hat mir mal einer in einem Gespräch gesagt. Ja, recht hat er. Und deshalb zahlen wir für die Sünde mit dem Tod. "Der Tod ist der Sünde Sold", sagt der Apostel Paulus dazu. (Röm. 6,23) Die Folge der Sünde, der Trennung und Entfernung von Gott, der das Leben geschaffen hat, kann ja nur der Tod sein, und zwar für ewig; die ewige Gottesferne, der kein Mensch entkommen kann! Und das ist die wahre Hölle! Weil Gott aber nicht will, dass die Sünde des Menschen, deine und meine Gottesferne - selbst im frömmsten Leben! - diese entsetzliche Auswirkung hat für alle Ewigkeit, darum nimmt er selbst unsere Gottlosigkeit auf sich. Und zwar als einer von uns. Und wird so das Lamm Gottes, das der Welt Sünden trägt. Und erfüllt darin die Gerechtigkeit Gottes, indem er es uns Menschen recht macht: Dir sind deine Sünden vergeben! Anders kommen wir damit nicht klar. Jeder Versuch wird scheitern! (Bild vom Isenheimer Altar einblenden) Darum, liebe Schwestern und Brüder, seht genau hin: "Man muss für alles im Leben bezahlen!" ER hat es bezahlt, mit seinem Leben. Und er hat es uns geschenkt! Amen.

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