Evangelisch-Lutherische Freikirche Zionsgemeinde Hartenstein

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1 Evangelisch-Lutherische Freikirche Zionsgemeinde Hartenstein Predigt zum Sonntag Judika (2014) über Röm 8,11-19 Pastor M. Müller DURCH DEN HEILIGEN GEIST SIND WIR GOTTES KINDER Kinder machen das gleiche durch Kinder beerben den gleichen Vater

2 Predigttext (Röm 8,11-19): Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt. So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben. Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Liebe Brüder und Schwestern, liebe Gemeinde, Kinder, die ohne einen Vater aufwachsen müssen, haben es manchmal schwer. Ihnen fehlt eine wichtige Bezugsperson. Wir als Christen sind Kinder Gottes. Und in gewisser Weise müssen wir auch ohne unseren Vater aufwachsen. Denn wir haben unseren Vater noch nie gesehen. Wir haben seine Stimme noch nie gehört. Er hat uns noch nie in den Arm genommen oder liebevoll über den Kopf gestreichelt. Das liegt aber nicht daran, dass er ein schlechter Vater wäre oder nichts mehr von uns wissen will. Ganz im Gegenteil! Wir 2

3 liegen ihm als seine Kinder sehr am Herzen. Nur können wir jetzt noch nicht bei ihm sein. Weil unser Vater aber trotzdem jederzeit für uns da sein will, hat er dafür gesorgt, dass wir eine ganz lebendige Beziehung zu ihm haben dürfen. Gott erhält seine Beziehung zu uns durch den Heiligen Geist. DURCH DEN HEILIGEN GEIST SIND WIR GOTTES KINDER. Kinder machen das gleiche durch. Kinder beerben den gleichen Vater. Wir alle sind Gottes Kinder. Nicht von Geburt an. Sondern Gott hat uns durch unsere Taufe als seine Kinder angenommen. Man könnte sagen, Gott hat uns adoptiert. Der Apostel Johannes sagt uns: Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen (1Joh 3,1). Was uns von denen unterscheidet, die nicht Gottes Kinder sind, ist der Heilige Geist. Wir haben den Heiligen Geist, der in uns wohnt, der uns treibt, wie Paulus sagt. Jeder Vater sagt seinen Kindern, was sie zu tun und zu lassen haben. Ein Vater soll seine Kinder erziehen. Gott tut das durch seinen Heiligen Geist, den er uns ins Herz gegeben hat. Wie macht das der Heilige Geist? Paulus sagt: Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind. (Röm 8,16). Der Heilige Geist muss für uns einen überwichtigen Zeugendienst verrichten. Die Aufgabe eines Zeugen vor Gericht besteht ja darin, etwas zu bestätigen, was andere nicht gesehen oder gehört haben. Ein Zeuge soll die Wahrheit über ein bestimmtes Ereignis ans Licht bringen. Der Heilige Geist soll für uns ein Zeuge sein. Er soll uns zusichern und bestätigen, was wir selbst nicht erlebt haben. Wir waren nicht dabei als Christus für uns starb. Wir waren nicht dabei als er auferstand. Wir waren nicht dabei, als Gott, unser 3

4 Vater, beschloss, uns als seine Kinder anzunehmen und uns durch Christus zu erretten. Deshalb brauchen wir den Heiligen Geist als ständigen Zeugen in unserem Herzen, der uns immer wieder bestätigt: Ja, es ist so. Ich bezeuge es dir. Du darfst Gott glauben und ihm vertrauen. Er spricht die Wahrheit. Als Kinder Gottes haben wir ein wunderbares Vorrecht. Wir dürfen jederzeit und mit jeder Bitte zu unserm Vater kommen. Ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! (Röm 8,15) Der Vater im Himmel will für uns da sein. Wie ein kleines Kind, was zu seinem Papa gerannt kommt, dürfen auch wir zu unserem Vater im Himmel kommen. Und oft genug gleichen wir den kleinen Kindern so sehr. Ein kleiner Junge spielt im Garten mit den Nachbarskindern. Die Kinder rennen aufgedreht umher. Der kleine Junge stolpert und fällt hin. Er schlägt sich Hände und Knie auf. Er rennt heulend ins Haus. Er kann seinem Vater gar nicht erzählen, was geschehen ist, weil er so weinen muss. Doch das braucht er nicht, denn der Papa kann sich vorstellen, was geschehen ist. Manchmal geht es uns wie diesem Jungen. Wir können unser Leid gar nicht in Worte fassen. Uns fehlen die Worte für das Gebet. Doch selbst dann weiß unser Vater, was wir meinen. Der Heilige Geist vertritt uns auch im Gebet. Er bringt unsere Bitten vor den Vater, wie Paulus uns zusagt Desgleichen hilft auch der Geist unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. (Röm 8,26). DURCH DEN HEILIGEN GEIST SIND WIR GOTTES KINDER. Kinder machen das gleiche durch. Uns geht es wie leiblichen Geschwistern. Sie machen oft ähnliches durch in ihrer Kindheit. 4

5 Wir leiden vor allem an unserem Zustand, den Paulus mit dem Ausdruck Fleisch bezeichnet. Unser Fleisch und unser ganzes Leben hat etwas Vergängliches an sich. Unser Körper, wie er jetzt ist, ist gekennzeichnet von Krankheit und in Mitleidenschaft gezogen durch unsere Sünde. Dieser Körper kann nicht für immer so weiter bestehen wie er jetzt ist. Paulus macht uns klar, dass dieser Zustand unbedingt geändert werden muss. Beziehungsweise zeigt er uns, dass Gott für uns durch seinen Heiligen Geist den Zustand geändert hat. Seit unserer Taufe, sind wir aus dem Geist geboren. Damit sind wir geistlich und gehören zu Gott. Doch das, was die Bibel mit Fleisch bezeichnet ist nicht vollkommen verschwunden aus unserem Leben. Das heißt, die Sünde und all ihre hässlichen Folgen sind noch da in unserem Leben. Paulus sagt uns, was die hässlichen Folgen der Sünde sind: Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet (Röm 8,15). Die eine hässliche Folge der Sünde ist Furcht. Wer weiter die Sünde in seinem Leben bestimmen lässt, muss in ständiger Angst leben. Er wird geplagt von einem schlechten Gewissen, der lebt in Zukunftsangst, der ist nur auf sich selbst angewiesen. Jedem Menschen wird früher oder später bewusst werden, dass er sterben muss. Und das macht Angst. Die andere hässliche Folge der Sünde ist die Knechtschaft. Die Sünde spielt sich zum Bestimmer in unserem Leben auf. Sie reden uns sein, dass es sich nicht lohnt, das zu tun, was Gott verlangt. Dass es zu schwierig oder zu kleinlich oder zu anstrengend ist. Oder dass es auch ohne die Gebote geht. Doch wir sind dem Teufel und der Sünde und dem Fleisch nichts mehr schuldig: So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben (Röm 8,12). Wenn wir die Sünde weiter Bestimmer sein lassen in unserem Leben, wird das schlimme Folgen haben: Denn wenn ihr nach 5

6 dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; (Röm 8,13a). Deshalb fordert Paulus uns auf: Wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben (Röm 8,13b). Gott will Bestimmer sein in unserm Leben und nicht der Teufel und die Sünde. Unser Vater weiß besser als der Teufel, was gut für uns ist. Deshalb schenkt er uns den Heiligen Geist. Durch den Heiligen Geist ist es uns möglich den alten Bestimmer in unserem Leben abzuwerfen. Jedes Kind erbt auch. So auch wir als Kinder Gottes. Wir beerben Gott. Uns gehört, was ihm gehört. Gott wird nicht sterben, aber er wird uns teilhaben lassen an seiner Herrlichkeit und seinem Leben. Wir werden dort sein dürfen, wo er ist. Wir bekommen von Gott seine Unsterblichkeit. Wir werden nicht mehr mit unserem sterblichen, sündigen Fleisch zu kämpfen haben. So versichert uns Paulus: Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi (Röm 8,16f). Paulus nennt uns Miterben Christi. Es ist ja so, dass Geschwister das gleiche Erben. Das Erbe der Eltern wird unter die Kinder aufgeteilt. Nun haben wir und Christus einen gemeinsamen Vater. Es bleibt zwar noch ein Unterschied zwischen uns und Christus. Er ist der ewige Gottessohn, der eingeborene Sohn Gottes, der selber Gott ist. Und doch sind wir Kinder Gottes, die ähnlich wie Christus Gott beerben Doch es gibt noch einen Unterschied zwischen uns und Christus. Er hat sein Erbe schon angetreten. Gott hatte ihn wegen unserer Sünde am Kreuz verlassen. Der Vater hatte seinen eigenen Sohn verstoßen, weil er ihm alles angelastet hat, was wir falsch gemacht haben. Christus war gestorben und lag im Grab und alles schien aus und vorbei. Doch dann hat er die Schlacht gegen den Tod endgültig zu seinen Gunsten entschie- 6

7 den, indem er auferstanden ist. Er kam aus dem Grab und ist wieder dorthin zurückgekehrt, wo er seit Ewigkeit war bei seinem Vater im Himmel. Er hat sein Erbe angetreten, das ihm seit jeher zusteht. Christus hat uns mit eingeschlossen ist das Erbe, was ihm gehört. Er teilt mit uns, was eigentlich ihm zusteht. Das Erbe unter Menschen wird meist gereicht aufgeteilt. Alle bekommen nur einen Teil des Erbes. Doch wenn Christus sein Erbe mit uns teilt, bekommen alle genau so viel. Das heißt es für uns, ein Miterbe Christi zu sein: uns steht der Himmel genau so zu wie dem ewigen Gottessohn. Jesus behandelt uns wie vollwertige Geschwister und wird uns mitnehmen in das Haus seines Vaters. Ein letztes legt uns Paulus noch ans Herz: Wenn wir denn mit ihm [also mit Christus] leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden (Röm 8,17). Wenn wir in unserem Leben leiden, zeigt uns das nur, dass wir zu Christus gehören. Wer hier leidet, der hat damit Anteil an Christus, der für uns gelitten hat. Wer in seinem Leben Entbehrungen und Nachteile für seinen Glauben in Kauf nimmt, der wird bei Gott in Ehren angenommen. Es besteht ein untrennbarer Zusammenhang zwischen Leid in diesem Leben und Freude im zukünftigen Leben. So gewiss uns das Leid in diesem Leben ist, so gewiss ist uns die Freude in Gottes Herrlichkeit. Und Paulus darf uns in Gottes Auftrag sogar zusichern: Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll (Röm 8,18). Ohne dass Paulus uns Einzelheiten über das Leben im Himmel verrät, sagt er doch, dass alles Leid hier weit überwogen wird von der Freude, die uns erwartet. Amen. 7

8 Predigtlied: 237,7-10 Zionsgemeinde Hartenstein Kontakt: Pastor M. Müller Kleine Bergstr Hartenstein Tel.: /4211 Funk: 01577/ Sie finden uns im Internet unter: Die Predigt können Sie auch im Internet nachhören oder lesen. 8

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