seitenbühne PORGYANDBESSSM Das Journal der staatsoperxhannover Juni/Juli 2007

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1 Juni/Juli 2007 seitenbühne Das Journal der staatsoperxhannover PORGYANDBESS PORGYANDBESSSM Gastspiel des New York Harlem Theatre 20. Juli bis 5. August 2007 in der Staatsoper!

2 L Orfeo Lauri Vasar Telefonischer Kartenverkauf Telefon (0511) Montag bis Freitag Uhr Samstag Uhr Fax (0511) Kasse im Opernhaus Mo bis Fr: Uhr, Sa: Uhr. Wir akzeptieren EC-Karte, VISA, American Express, MasterCard. Im Kartenpreis sind die Garderobengebühr und die GVH-Fahrkarte für die Fahrt zur Vorstellung und wieder nach Hause enthalten.

3 Proszenium seitenbühne Seite 3 Was ist eigentlich ein Duende? fragen sich vermutlich nicht wenige Besucher unseres Hauses im Hinblick auf den Titel des neuen Ballettabends Trios / Duende obwohl sie den Laves-Bau doch wahrscheinlich just auf der Suche nach diesem mysteriösen Wesen betreten haben! Die einem herkömmlichen Wörterbuch Spanisch Deutsch zu entnehmende Übersetzung von Duende erweist sich als unbefriedigend. Die Bedeutungen Kobold oder Troll sind zwar keineswegs falsch, doch unterschlagen sie einen wesentlichen Bedeutungskomplex des Wortes, der sich freilich nicht mit einem Wort übersetzen lässt: einen auf die Kunst des Vortrags abzielenden Aspekt. Ganz in diesem Sinne zitiert der spanische Dichter Federico García Lorca Goethes Urteil über Paganini, wenn er den Duende als eine geheimnisvolle Kraft, die alle fühlen, die aber kein Philosoph der Welt erklären kann definiert. Der Duende ist weder Engel noch Muse: Ein Engel leitet und beschenkt, verteidigt und verhindert, so Lorca. Die Muse diktiert oder haucht ein. Der Duende aber bedeutet Kampf! Er kommt wie ein Dämon im Augenblick der Aufführung über den Künstler. Er sitzt nicht per se in der Kehle des Sängers oder in den Füßen des Tänzers, er erhebt sich in einem Moment der Wahrheit mit unbändiger Kraft aus dessen Innerstem oder eben auch nicht! Denn sein Wirken ist keine Frage technischer Perfektion, sondern eines wahren und lebendigen Vortrags. Der Duende füllt ein Werk mit neuem Leben. Er ist das gewisse Etwas, das eine Theater- oder Konzertaufführung zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lässt; das gewisse Etwas, das sich nicht beschreiben lässt, das jenseits unerfüllbarer Perfektionsansprüche eine Ahnung von Vollkommenheit vermittelt und das sich möglicherweise bei einem zweiten Besuch genau derselben Inszenierung oder Choreographie wider Erwarten nicht einstellt. Denn der Duende steht nicht auf Abruf bereit, er lässt sich nicht zähmen. Und wie die Wellen der stürmischen See wiederholt er sich nie: Trotz gleicher Voraussetzungen ist keine Aufführung wie die andere, jede ist einzigartig. Nach diesem gewissen Etwas nennen Sie es nun Duende oder anders suchen Sänger, Tänzer, Musiker, Dirigenten, Schauspieler, aber wohl auch Sie als Zuschauer und Zuhörer Abend für Abend aufs Neue. Denn wer wüsste das besser als Sie, werte Besucher: Wer ihm einmal begegnet ist, dem Duende, den lässt er nicht mehr los. Wie ein Windhauch bläst er stetig in unsere Herzen, auf der Suche nach neuen Landschaften und unbekannten Tönen, ein Windhauch, der nach Kinderspucke riecht, nach zertretenem Gras und dem Vlies der Medusa, das die fortwährende Taufe aller neugeschaffenen Dinge verkündet. (Lorca) Möge der Duende an möglichst vielen Abenden über Sie und unsere Künstler kommen! Ulrich Lenz Chefdramaturg

4 Seite 4 seitenbühne Oper Zeitwende Die Geburt der Oper aus dem Geist der Sprache Daniel Düsentrieb, Tüftler par excellence, weiß um die oft eigentümliche Genese von Erfindungen. Unermüdlicher Forscherdrang, wacher Geist und Experimentierfreude genügen nicht, um Neues zu schaffen, nein manchmal bedarf es schlicht und ergreifend einer Prise Zufall, um eine Erfindung zu gebären. Oder aber einer Portion Irrtum. Denn ausgerechnet eine so bahnbrechende Gattung wie die Oper eine Gattung, die Jahrhunderte der Musikgeschichte nachhaltig geprägt hat ist nicht nur durch einen Zufall, sondern vielmehr durch ein großes Missverständnis entstanden. So geschehen im Italien um 1600, jener für die Musikgeschichte so magischen und revolutionären Jahr hundertwende- Zahl. Das Land hat schwierige politische Zeiten hinter sich, weite Teile stehen unter der Herrschaft der Spanier, die Macht der italienischen Fürsten ist massiv beschnitten. Man versucht, das erzwungene politische Vakuum kulturell auszufüllen, an den Höfen richtet man seinen Ehrgeiz auf die Pflege von Kunst und Wissenschaft. Nicht nur anlässlich von Hochzeiten, Geburten, Geburtstagen und anderen Festen entstehen Schauspiele und musikalische Werke, sondern auch ohne festlichen Grund. In Florenz etwa treffen sich in den Häusern der Grafen Bardi und Corsi seit den 1580er Jahren Gelehrte, Philosophen, Dichter und Musiker in einem Zirkel, der unter dem Namen Florentiner Camerata in die Geschichte eingehen soll. Vincenzo Galilei, der Vater von Galileo Galilei befindet sich darunter, Komponisten wie Jacopo Peri und Emilio de Cavalieri, der florentinische Hofdichter Ottavio Rinuccini und der Sänger Giulio Caccini. Viele Themen rund um Philosophie, Literatur und Musik beschäftigen die Herren. Sie reden sich die Köpfe heiß und richten ihre Gedanken immer wieder auf ein großes Thema: die Antike und ihre Kunst, insbesondere die griechische Tragödie. Eine Frage, die nachhaltig bohrt, ist die nach dem authentischen Umgang mit dem griechischen Drama und seiner Sprache: Wurden nur die Chöre singend vorgetragen, oder war möglicherweise die gesamte Tragödie durchkomponiert? Der Philologe Girolamo Mei vermutet aufgrund von Handschriften-Funden, dass das komplette Drama in einem von Aulos und Kithara begleiteten Sprechgesang dargeboten wurde eine Vermutung, die zu kompositorischen Experimenten im Bereich der Monodie, der Komposition für eine rezitierende Stimme mit Instrumentaluntermalung, führt. Heute wissen wir, dass Girolamo Mei sich geirrt hat und einem Missverständnis aufgesessen ist: Der musikalische Vortrag der griechischen Tragödie entsprach nicht dem begleiteten Sologesang. Doch das florentinische Missverständnis wird zu einem der fruchtbarsten der Musikgeschichte. War die Musik auf dem Theater bisher beschränkt gewesen auf die Chöre in der Tragödie und auf die Intermedien zwischen den Akten eines Dramas, so beginnt man nun, mehrere Einzelgesänge zu einem poetisch-logischen Ganzen zu verbinden, beginnt Schauspiele zu musikalisieren und durchzukomponieren vertont Jacopo Peri die leider verschollene Dafne, zwei Jahre später entsteht Euridice

5 Oper seitenbühne Seite aus der Feder Peris und Caccinis. Doch der entscheidende Durchbruch gelingt einem Komponisten, der gar nicht zur Florentiner Camerata gehört: Claudio Monteverdi in Cremona geboren, trat er bereits im Alter von 16 Jahren als Komponist von Madrigalen hervor. Er wirkte als Geiger und Sänger, schließlich als Kapellmeister in Mantua, angestellt beim Fürsten Vincenzo Gonzaga, dem Erbprinzen der Mantuaner Fürstenfamilie. Im Auftrag dieses Fürsten entsteht die Favola in musica L Orfeo, die am 24. Februar 1607 uraufgeführt wird. Gerade weil das Werk ohne festlichen Anlass, sondern eher aus einer künstlerischen Neugierde heraus entsteht, misst Gonzaga ihm große Aufmerksamkeit bei: Die besten Sänger Italiens werden engagiert, vor der Aufführung wird das Libretto, das der Mantuaner Alessandro Striggio geschrieben hat, gedruckt, so dass die Zuschauer während der Vorstellung den Text mitlesen können. Doch als das eigentliche Ereignis erweist sich nicht die Aufführung, sondern bis heute das Werk selbst. Monteverdi hat in seinem L Orfeo alles bisher Dagewesene übertroffen und den Prototyp der Oper geschaffen. Im Gegensatz zu den Versuchen von Peri und Caccini beschränkt Monteverdi sich nicht auf den Sologesang, nein: Dem Sujet um den Sänger Orfeo und die Macht der Musik entsprechend, integriert er die gesamte existierende musikalische Formenvielfalt in sein Werk. Da gibt es außer dem Sprechgesang auch Ariosi, Ritornelle, Tanzsätze, Chöre. Die Instrumentation ist von ungewöhnlichem Reichtum und von ungewöhnlicher dramaturgischer Durchdachtheit. Denn Monteverdi setzt die Instrumente nicht nur als farbiges Accompagnement ein, sondern auch um die beiden Sphären Schäferwelt und Unterwelt zu charakterisieren und um einzelne Figuren psychologisch zu durchleuchten. Posaunen werden beispielsweise für die Unterwelt und die Todesszenen eingesetzt, das schnarrende Regal begleitet den Bass des Fährmanns Charon. Monteverdis Ausdeutung von Wort und Psyche der Figuren geht so weit, dass man es mit einem modernen Komponisten zu tun zu haben glaubt. Damit war die Oper in ihren entscheidenden Wesenszügen geboren: als ein Gesamtkunstwerk, das menschliche Emotionen und Situationen mit großer musikalischer Tiefe auslotet. Und die neue Gattung verbreitete sich rasch. Ausgehend von den Geburtsstätten Florenz und Mantua führte der Siegeszug weiter nach Rom und nach Venedig. Monteverdi aber hatte mit seiner ersten Oper (der später u.a. noch Il ritorno d Ulysse (1640) und L incoronazione di Poppea (1642) folgen sollten) und mit seiner Musiktheorie der Prima und Seconda Practica die entscheidenden Fragen gestellt, die im Verlauf der nächsten vier Jahrhunderte immer wieder neu von Komponisten und Librettisten diskutiert werden sollten: Wem ist die Priorität beizumessen, dem Text oder der Musik? Monteverdi hat es mit dem Satz: Die Rede sei Herrin über die Musik, nicht deren Dienerin beantwortet doch in seiner Musik geht er weit über diese Antwort hinaus, sind in ihr doch Rede und Musik zu einer einzigartigen Synthese verschmolzen. Wie jung diese genau 400 Jahre alte Oper ist das lässt sich ab dem 16. Juni 2007 mit der Aufführung von Monteverdis L Orfeo im Opernhaus Hannover erleben. Seit der zufälligen, irrtümlichen Erfindung der Oper hat diese Gattung sich immer wieder selbst erneuert. Gibt es etwas Schöneres als Missverständnisse? Sylvia Roth L Orfeo Favola in musica von Claudio Monteverdi Musikalische Leitung Toshiaki Murakami Inszenierung Ingo Kerkhof Bühne Anne Neuser Kostüme Stephan von Wedel Dramaturgie Julia Bömers Chor Dan Ratiu La Musica Arantxa Armentia/ Alla Kravchuk, Dorothea Maria Marx, Jörn Eichler, Julia Grinjuk / Khatuna Mikaberidze, Hinako Yoshikawa Orfeo Lauri Vasar Euridice Hinako Yoshikawa Messaggiera Julia Grinjuk / Khatuna Mikaberidze La Speranza Dorothea Maria Marx Caronte Albert Pesendorfer Proserpina Arantxa Armentia / Alla Kravchuk Pluto Tobias Schabel Apollo / Eco Frank Schneiders Ninfa Corinna Jeske / Gergana Kostova Pastori Okka von der Damerau, Jörn Eichler, Sung-Keun Park, Shavleg Armasi u.a. Niedersächsisches Staatsorchester Hannover Premiere: 16. Juni 2007, Uhr Nur neun Vorstellungen! Einführungsmatinee 10. Juni 2007, 11 Uhr Öffentliche Generalprobe 13. Juni 2007, Uhr Alle weiteren Vorstellungen 21., 27. und 30. Juni, 4., 6., 8. (16 Uhr), 12. und 17. Juli 2007 Einführung jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn

6 Seite 6 seitenbühne Oper Zwischen Kerker und Kinderzimmer Podiumsdiskussion zum Opernabend Il prigioniero/l enfant et les sortilèges Il prigioniero Lauri Vasar, Robert Künzli Macht und Machtmissbrauch, innere und äußere Gefangenschaften sind Themen einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion mit Barbara Lochbihler (Generalsekretärin von amnesty international Deutschland), Andrea Schwalbach (Regisseurin von Il prigioniero/l Enfant et les sortilèges), Professor Dr. Werner Greve (Universität Hildesheim) und Professor Dr. Joachim Perels (Leibniz-Universität Hannover). Anlass für diese Veranstaltung ist die Premiere des Opernabends von Luigi Dallapiccolas Il prigioniero und Maurice Ravels L Enfant et les sortilèges, der einsame und gefangene Menschen in den Mittelpunkt stellt. Ausgehend von den in den Opern aufgeworfenen Fragen sollen in der Diskussion Brücken zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen geschlagen werden: einerseits bezogen auf die Situation von Folter und Isolationshaft, in der sich Dallapiccolas Gefangener befindet, andererseits bezogen auf die diffizilen Machtbeziehungen zwischen Eltern und ihren Kindern. Wie viel Macht ist notwendig in Gesellschaft und in Familie? Wie kommt es zum Machtmissbrauch? Existieren Parallelitäten zwischen einer pervertierten Macht in staatlichen Strukturen und dem weniger offen liegenden Machtmissbrauch innerhalb der Kindererziehung? Und welche Möglichkeiten der Befreiung gibt es aus diesen äußeren und inneren Gefangenschaften? Dienstag, 12. Juni Uhr, Laves-Foyer Moderation Sabine Lange, NDR Kultur Eintritt frei, Platzzahl begrenzt. Kostenlose Zählkarten können im Vorverkauf abgeholt oder reserviert werden Die Presse zeigte sich von der Premiere Il prigioniero/l Enfant et les sortilèges begeistert: Lauri Vasar steigerte sich mit zunehmender Spieldauer immer stärker in diese physisch anstrengende Rolle hinein und drückte die Qualen und Defekte des eigentlich starken Gefangenen mit hoher Identifikation aus, sein wertvoller Bariton ist vor allem in der Mittellage volltönig und kraftvoll. Weser-Kurier, 26. Mai 2007 Schwalbachs Regie hat hier eine fast dienende Funktion: Sparsam, reduziert konzentriert sie sich darauf, die Charaktere der verzweifelten Mutter (leidenschaftlich mütterlich: Khatuna Mikaberidze) oder des heuchlerischen Kerkermeisters nachzuzeichnen. [ ] Ravels L Enfant et les sortilèges dagegen ist eine temporeiche Nummernrevue. Es tauchen viele Tiere auf, Frösche, eine Eule (bittersüß: Carmen Fuggiss). Zwei Katzen geben ein Ständchen über das Wort Miau (köstlich katzenhaft: Okka von der Damerau). [ ] Regisseurin Schwalbach unterstreicht den Pointenreichtum des Stücks, [ ] macht aber aus allen Tieren Menschen und verstärkt damit die erdrückende, quälende Übermacht der Erwachsenen gegenüber dem Kind. Und jeder witzige Regieeinfall wendet sich irgendwann ins Bedrohliche, ins Surreale, ins Gewalttätige. Hannoversche Allgemeine Zeitung, 26. Mai 2007 Der Gefangene singt in einem klinisch reinen Versuchsaufbau, rundherum um seinen Käfig stehen die Buchhalter des Leidens in grauen Anzügen. Auch der Großinquisitor (Robert Künzli) ist ganz heutig, lässt sich eine Richterrobe überziehen, bevor er den Gefangenen, nein, nicht zum Scheiterhaufen führt, sondern mit einer Plastikfolie erstickt. Im zweiten Teil Ravels kunstvoll-naiver Einakter L Enfant et les sortilèges, inszeniert auf dem gleichen hohen Niveau eine Oper, in der singende Teekannen, Fledermäuse, Armsessel, Katzen, Standuhren, Frösche und Libellen auftauchen. [ ] Ein Abend, der doppelt nachwirkt. Neue Presse, 26. Mai 2007

7 new Der Ballhof als steps choreographische Werkstatt Ballett seitenbühne Seite 7 new steps ist ein neuer Ballettabend, bei dem Zuschauer Tanz ganz nah, fast zum Anfassen erleben können. Vier Mitglieder des Ballettensembles sind der Einladung von Jörg Mannes gefolgt, die Kunst der Choreographie zu erforschen und damit einen neuen, schöpferischen Weg zu beschreiten. Der Ballhof, in dem das Ballett nun zum ersten Mal seit mehreren Jahren auftritt, ist dafür das perfekte Labor. Zu sehen sind Erstlingswerke und auch das jüngste Stück eines Teilnehmers mehrerer Wettbewerbe. Alle Choreographen lassen sich von ihrem persönlichen Lebensweg inspirieren und unterstützen ihre Arbeiten mit den unterschiedlichsten Musikrichtungen, die von Tango über japanische Kodo-Trommler bis zu eigenen Musikcollagen reichen. Andreas Michael von Arb begibt sich auf eine Zeitreise in die Vergangenheit, um das Erlebte zu erinnern. Stéphen Delattre erforscht die Zweideutigkeiten des Hässlichen und des Schönen. Hsin-I Huang befasst sich mit den Widersprüchen des Tänzerlebens, und Christian Lehner taucht mit seinen Tänzern in die Sinnlichkeit des Tangos ein. Die gebürtige Taiwanesin Hsin-I Huang absolvierte ihre tänzerische Ausbildung an der National University of the Arts in Taipeh. Nach einem Engagement beim Acme Physical Theatre mit Auftritten in Taiwan und Malaysia kam sie nach Europa, um am Staatstheater Darmstadt unter der Leitung von Mei Hong Lin zu tanzen. Seit der Spielzeit 2005/06 ist sie Solistin im Ballett der Staatsoper Hannover. Andreas Michael von Arb war Student der Schweizerischen Ballettberufsschule unter der Leitung von Heinz Spoerli und der Staatlichen Ballettschule Berlin. Engagements führten ihn an die Deutsche Oper Berlin, das Finnische Nationalballett Helsinki und das aalto ballett theater Essen. Seit 2003/04 arbeitet er mit Jörg Mannes in Bremerhaven, am Landestheater Linz und seit 2006/07 an der Staatsoper Hannover. Der Franzose Stéphen Delattre erhielt seine Ausbildung an der Ecole Nationale Supérieure de Danse in Marseille. Er tanzte beim Jeune Ballet International de Cannes Rosella Hightower, am Staatstheater Saarbrücken, dem Staatstheater Braunschweig und seit dieser Spielzeit an der Staatsoper Hannover. Delattre hat bereits eine Reihe von Stücken erarbeitet, zuletzt für den 21. Internationalen Wettbewerb für Choreographen 2007 in Hannover und für die Noverre-Gesellschaft Stuttgart, von der er dieses Jahr bereits zum dritten Mal eingeladen wurde. Christian Lehner studierte zunächst in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main, bevor er an die Ballettschule der österreichischen Bundestheater und damit an die Wiener Staatsoper wechselte. Nach Engagements am Stadttheater Bremerhaven und dem Landestheater Linz folgte er Jörg Mannes zur Spielzeit 2006/07 an die Staatsoper Hannover. Premiere am 10. Juli 2007, 20 Uhr, Ballhof eins Weitere Vorstellung: 12. Juli 2007, 20 Uhr Die vier Choreographen von oben nach unten: Andreas Michael von Arb, Stéphen Delattre, Christian Lehner und Hsin-I Huang

8 Seite 8 seitenbühne Ballett Wenn der Duende zweimal kichert Mitglieder des Ballettensembles verabschieden sich Die Tänzer Xanthe Geeves, Hsin-I Huang, Uwe Fischer, Oliver Lewis, Christian Maier, Kenneth Pettitt und der Organisator Johannes Grube verabschieden sich zum Ende der Spielzeit aus Hannover, um an andere Theater und in andere Ensembles zu wechseln. Im Gespräch mit Dramaturgin Sylvia Roth blicken die fünf dienstältesten Mitglieder zurück auf ihre Zeit in Hannover, erinnern sich an Lieblingsrollen und Lieblingschoreographien, sprechen über die aktuelle Produktion Trios/Duende und darüber, was sie an Hannover vermissen werden. Nur noch gute 50 Tage, dann geht für euch die Zeit an der Staatsoper Hannover zu Ende und ihr brecht zu neuen Ufern an ein neues Theater auf. Zeit, Bilanz zu ziehen und zurückzublikken. Was waren für euch persönlich die wichtigsten Produktionen und die wichtigsten Rollen während eurer Zeit in Hannover? Kenneth Pettitt Ich glaube, in den ganzen sechs Jahren, die ich hier verbracht habe, war die Arbeit mit Mats Ek an Carmen am tollsten, die Rolle von Escamillo hat mir wahnsinnig gut gefallen. Und wichtig war für mich auch Begegnungen/Unter dem Hundsstern. Weil das eine richtige emotionale Achterbahn war, die ich da zu tanzen hatte. Es ist schwer zu entscheiden, was am schönsten war aber grundsätzlich ist es vielleicht die Arbeit, die man selbst mit initiiert hat. Christian Maier Ja, ich glaube, als Tänzer sind einem meistens die Rollen am wichtigsten, die für einen selbst kreiert wurden. Weil man mit dem Gefühl arbeitet und tanzt, dass man der Allererste ist, der das aufführen darf. Es ist einfach etwas anderes, eine fertige Choreographie einzustudieren

9 Ballett seitenbühne Seite 9 und darin seinen Rahmen zu finden, als gemeinsam mit einem Choreographen etwas Neues zu entwickeln. Grundsätzlich sind für mich die Stücke von Bedeutung, die mich als Tänzer fordern, weil ich mich beispielsweise mit einem völlig neuen Stil auseinandersetzen muss. Xanthe Geeves Auch für mich war in den sechs Jahren Unter dem Hundsstern enorm wichtig, weil es das erste Mal war, dass etwas für mich choreographiert wurde, vorher habe ich nur fertige Stücke einstudiert. Aber das größte Highlight, die größte Herausforderung für mich persönlich war wahrscheinlich Giselle M., als ich in der vergangenen Spielzeit recht kurzfristig die Hauptrolle tanzen durfte. Uwe Fischer Ich werde ja in Zukunft nicht mehr als Tänzer, sondern als Probenleiter und Produktionsassistent arbeiten, und ich glaube, wenn ich auf meine Tänzerkarriere zurückblicke, kann ich sagen: Das Entscheidende für mich gerade bei der Einstudierung bereits fertiger Choreographien ist der Tiefgang, der im Probenprozess erreicht wird. Ende April hat Trios/Duende eine sehr erfolgreiche Premiere gefeiert, es ist eure letzte Produktion hier am Haus. Wie würdet ihr diesen Abend beschreiben, was für Anforderungen stellen die zwei sehr unterschiedlichen Choreographien von Jörg Mannes und Nacho Duato an euch? Christian Maier Den beiden Choreographien ist gemeinsam, dass sie keine Geschichte behandeln oder zumindest muss ich dem Publikum nicht erzählen, dass ich eine Elfe bin (grinst) bei beiden Stücken geht es eher darum, bestimmte Bilder zu schaffen Xanthe Geeves Eine bestimmte Atmosphäre Christian Maier Ja, Atmosphäre. Und Duende lebt eben unglaublich von der extremen Dynamik, Geschwindigkeit und Virtuosität. Ich muss als Tänzer wahnsinnig präzise und wach sein, immer auf dem Punkt, ich kann mir keine schlechte Tagesform leisten. Im Vergleich dazu bin ich in der Choreographie von Jörg Mannes freier, in seinen Bewegungsabläufen habe ich mehr Freiraum. Ich finde, dass der Abend sehr gut zusammengeht und dass es kein Wunder ist, dass er von der Presse so gut besprochen wurde. Ein Duende ist ein spanischer Kobold und zugleich ist damit auch der Geist gemeint, der den Künstler erfasst und inspiriert. Ihr habt den enormen Temporeichtum dieser Choreographie beschrieben. Erfasst euch denn beim Tanzen schon mal der Duende? Kenneth Pettitt Ja, manchmal schon Christian Maier Ich habe eher das Gefühl, dass wir vom Duende gejagt werden oder ihm hinterher jagen (Großes Gelächter) Kenneth Pettitt Stimmt! Manchmal ist es so, als ob der Duende in der Ecke sitzt, uns zuschaut und schadenfroh kichert, während wir uns anstrengen müssen Der Wechsel an ein neues Theater bedeutet Neuanfang, Aufbruch aber auch Abschied. Was wird euch an Hannover am meisten fehlen? Kenneth Geeves Der Freundeskreis. Und damit meine ich jetzt nicht die Freunde, die ich in der Compagnie habe, denn mit denen wechsle ich ja teilweise nach Wiesbaden, sondern ich meine die hannoverschen Freunde, die nichts mit Ballett zu tun haben. Mit denen ich mich außerhalb des Theaters treffen kann und für die Tanz eben einfach nur Tanz und sonst gar nichts ist. Und die alles, was mir im Zusammenhang mit Tanz manchmal so wahnsinnig existenziell erscheint, auf eine wohltuende Weise relativieren. Christian Maier Wir wissen alle, dass das Theaterleben ein richtiges Inselleben ist, dass man unglaublich viel Zeit am Theater verbringt und dass es sehr schwierig ist, Leute außerhalb des Theaters kennen zu lernen. Ich habe dazu hier in Hannover bestimmt zwei Jahre gebraucht. Xanthe Geeves Und für mich als Ausländerin ist das meistens noch schwieriger. Der Abschied wird nicht leicht, immerhin habe ich in Hannover die längste Zeit in Deutschland überhaupt verbracht, sechs Jahre. Johannes Grube Die Menschen hier am Theater die werden mir fehlen. Das merke ich jetzt schon! Hannover war meine sechste Theaterstation, aber ich glaube, ich habe nirgends so herzliche, aufgeschlossene Menschen erlebt. Quer durch die Abteilungen, vom Tapezierer übers Abo-Büro bis hin zum Pförtner, immer sind mir die Leute mit einem strahlenden Lächeln begegnet und einer Offenheit, die etwas ganz Besonderes ist. Christian Maier Ja, allein schon die Bühnentechniker. Das ist einfach schön, dass die während der Probe zugucken und sagen, wie toll sie unsere Arbeit finden! Uwe Fischer Vermissen werde ich sicherlich auch die großartigen Produktionsbedingungen hier, z. B. die zwei großen Ballettsäle mit Tageslicht, das ist etwas sehr Seltenes. Was möchtet ihr dem hannoverschen Publikum zum Abschied mit auf den Weg geben? Christian Maier Die Antwort ist für mich ganz klar: Dem Tanz treu bleiben! Egal welche Richtung, egal welcher Stil, egal welche Geschichte, egal welcher Titel: Besuchen Sie die Vorstellungen des Balletts! Uwe Fischer Dem Tanz treu bleiben und vor allem dem jungen Tanz treu bleiben. Dass kreative Menschen hier weiterhin mit offenen Armen empfangen werden, dass der Nachwuchs weiterhin in solchen Veranstaltungen wie dem Choreographenwettbewerb gefördert wird. Kenneth Pettitt Ich möchte den Leuten mit auf den Weg geben, dass sie sich berühren lassen von einem Ballettabend. Unabhängig davon, ob sie alles verstehen. Und auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist, die sie berührt, ein besonderer Lichtwechsel, eine bestimmte Geste oder sonst etwas dass sie das zulassen: sich berühren zu lassen. Trios/Duende Choreographien von Jörg Mannes und Nacho Duato Musik von Haydn, Schostakowitsch / Debussy Choreographie Jörg Mannes / Nacho Duato Bühne Benita Roth / Walter Nobbe Kostüme Thomas Kaiser / Susan Unger Ballett der Staatsoper Hannover Niedersächsisches Staatsorchester Hannover Klavier Max Vax Weitere Vorstellungen: 26. Juni, 3., 7., 16. Juli, jeweils Uhr

10 Seite 10 seitenbühne Kinder & Jugend Die große Leidenschaft Der Kinderclub XS und Die Liebe zu den drei Orangen Schauspielern, so sagt die elfjährige Alina Kohake, ist eine große Leidenschaft von mir! Seit einem halben Jahr besucht sie mit 18 anderen Kindern zwischen neun und 13 Jahren regelmäßig die Probebühne 2 des Opernhauses zum Club XS. Hier kann sie sich ein Mal pro Woche außerhalb der Schule im szenischen Spiel mit Musik erproben. Alina ist, wie andere Kinder des Clubs auch, schon im zweiten Jahr dabei, gerade auch, weil sie die anderen sehr mag. Geprobt wird dieses Jahr das Musiktheaterstück Die Liebe zu den drei Orangen nach dem gleichnamigen Märchen von Carlo Gozzi. Es ist die Geschichte von einem Prinzen, so heißt es, der kein ganz normaler Prinz war. Normale Prinzen sind nämlich meistens reich, kugelrund und glücklich. Dieser Prinz war zwar reich und kugelrund er war aber nicht glücklich! Man sagte sogar, er wäre melancholisch, was soviel heißt wie: sein Herz war immer traurig! Der bösen Zauberin Fata Morgana kommt die Melancholie des Prinzen sehr entgegen: Sie wünscht sich den Tod des Prinzen, damit ihr die Nachfolge auf den Thron des Königs gesichert ist. Und so verflucht sie ihn, sich in drei Orangen zu verlieben. Von nun an nimmt sein Leben eine andere Wendung: Mit seinem Freund Truffaldino geht er auf eine weite Reise, begegnet dem Zauberer Celio, der Windbraut, der schrecklichen Köchin mit dem großen Suppenlöffel und schließlich den drei Orangen Linetta, Nicoletta und Ninetta. Mit Kursleiterin Cornelia Kesting-Then- Bergh und Regieassistentin Freya Kreutzkam proben die jungen Schauspieler schon seit fünf Monaten an der szenischen Umsetzung, haben sich über Handlung und Figuren dieser Geschichte viele Gedanken gemacht und sind dabei mit ihren unterschiedlichen Rollen längst vertraut: sie können die Handlungsweisen der Figuren in den verschiedenen Situationen des Stückes nachempfinden, sich in die Rollen einfühlen und diese damit für den Zuschauer sichtbar und nachvollziehbar werden lassen. Da wird mit großem Spaß und Enthusiasmus vieles ausprobiert, improvisiert. Gefeilt wird insbesondere an der Intensität des Ausdrucks in Mimik und Körperhaltung. Da Die Liebe zu den drei Orangen aus der Tradition der Commedia dell arte stammt, kommen auch Masken ins Spiel. Freuen wir uns auf die Vorstellungen. Spätestens dann werden auch alle anderen Kinder bestätigen können: Schauspielern ist unsere große Leidenschaft! Cornelia Kesting-Then-Bergh Für die freundliche Unterstüzung des Kinder- und Jugendprogramms danken wir der Stimmen zur Probenarbeit: Alina, 11 Jahre Mir gefallen die Kostüme, denn durch die kann ich mich eher in meine Rolle hinein versetzen. Valerie, 13 Jahre Mir macht das Stück Spaß, weil es viele verschiedene und interessante Charaktere gibt. Am Anfang des Stückes trage ich eine Clowns- Maske, ich bin da ein stiller Beobachter. Mir gefällt diese Rolle, da ich mich zur Musik bewegen kann. Jakob, 12 Jahre Ich mache jetzt das zweite Mal beim Club XS mit, weil es letztes Mal sehr lustig war. In diesem Jahr spiele ich den Prinzen und kann sehr viel mit Gefühlen darstellen. Anthea, 12 Jahre Ich spiele in dem Stück den Truffaldino. Ich mag die Rolle sehr, weil Truffaldino aus Freundschaft mit dem Prinzen auf die Suche nach den drei Orangen geht, obwohl für ihn persönlich kein Vorteil daraus entsteht. Kinderclub XS Die Liebe zu den drei Orangen 7. und 8. Juli 2007, je 16 Uhr, Probebühne 2 Auch der Club mit den Großen im Alter von 14 bis 19 Jahren stellt die Ergebnisse seiner Arbeit vor: Jugendclub XL Hut zum Mut An- und Einsichten zum Kopfputz. Eine Musiktheaterrevue 30. Juni und 1. Juli, je 20 Uhr, Probebühne 2

11 audiamus Junge Freunde des Niedersächsischen Staatsorchesters Kinder & Jugend seitenbühne Seite 11 Zur Spielzeit 2007/08 gründet das Niedersächsische Staatsorchester Hannover mit audiamus ein Stipendiatenprogramm, das sich an junge Musiker und Konzertfreunde zwischen 16 und 20 Jahren richtet. Schwerpunkt des Akademieprogramms sind gemeinsame Besuche ausgewählter Konzerte des Staatsorchesters. Darüber hinaus laden Workshops ein, mit anderen interessierten Jugendlichen über die gehörten Werke zu sprechen, Kompositionen zu analysieren, sich im Dialog mit Dirigenten, Solisten, Orchestermusikern, Dramaturgen und der Intendanz der Staatsoper intensiv mit den Konzertprogrammen auseinander zu setzen. Für die Saison 2007/08 stehen fünf Konzerte auf dem Programm der Akademie, Diskussionen mit Künstlern des internationalen Konzertbetriebs wie Marc Albrecht, Heinrich Schiff und Konrad Junghänel, Gespräche mit Generalmusikdirektor Wolfgang Bozic und Intendant Dr. Michael Klügl, praktische Workshops zur Fragen der Konzertdramaturgie sowie inhaltliche Auseinandersetzungen mit unterschiedlichsten Themen von historischer Aufführungspraxis bis hin zu Neuer Musik und dem crossover von Klassik und Jazz. Das einjährige Stipendium beinhaltet Freikarten für die gemeinsam besuchten Konzerte Workshops im Rahmen der Konzerte, dabei Gespräche mit Künstlern Workshops zu Fragen der Konzertdramaturgie und Konzertplanung Bewerben können sich Musiker und Konzertfreunde zwischen 16 und 20 Jahren. Bestandteile der Bewerbung sind ausgefüllter Bewerbungsbogen (Bewerbungsunterlagen im Internet unter ein Essay (ein bis zwei DIN A4-Seiten) zur Frage: Welches Hörerlebnis ist dir in besonderer Erinnerung geblieben und warum? Rückfragen beantworten Tel: oder Tel: Einsendeschluss: Freitag, 13. Juli 2007 Neues aus dem Wilden Westen Das 3. Kinderkonzert mit Heini, dem kleinen Vampir Einsame Cowboys, die endlose Weite der Prärie mit leisen Flöten- und Harfenklängen, heulende Kojoten, fernes Indianergeheul: Im 3. Kinderkonzert lassen Ausschnitte aus Aaron Coplands Orchestersuite Rodeo und Filmmusik zu Die glorreichen Sieben den Wilden Westen wieder aufleben! Außerdem rattert ein Zug mit Arthur Honeggers Pacific 231 durch Amerikas weite Landstriche, musikalisches Pferdegetrappel und Eselsgeheul begleiten in Ferde Grofés Grand Canyon Suite einen Treck auf seiner nicht ganz ungefährlichen Reise zu den Goldgräberstädten des Westens. Sehr aufregend für Heini, den Opernvampir, der sich mit Revolver und Cowboyhut natürlich mitten ins Getümmel kräftiger Schießereien stürzt. Sonntag, 17. Juni 2007, 11 Uhr Sonnabend, 7. Juli 2007, 11 Uhr Dienstag, 10. Juli 2007, 11 Uhr (Schulkonzert) Mit Heini, dem kleinen Vampir (Figurentheater Marmelock) Stefan Zenkl, Bariton, und dem Niedersächsischen Staatsorchester Hannover Musikalische Leitung Andreas Wolf Für die freundliche Unterstüzung des Kinder- und Jugendprogramms danken wir der

12 Seite 12 seitenbühne Konzert Mit Musik in die Gefängnisse Benefizkonzert zugunsten von YEHUDI MENUHIN Live Music Now Sharon Kann Zum zweiten Mal findet am 23. Juni 2007 in der Staatsoper ein großes Benefizkonzert zugunsten des Vereins YEHUDI MENUHIN Live Music Now Hannover e.v. statt. Nach Thomas Quasthoff und Christiane Iven im Herbst 2005 musizieren nun die israelische Klarinettistin Sharon Kam (Foto) und die Sopranistin Ania Wegrzyn gemeinsam mit dem Niedersächsischen Staatsorchester Hannover für den guten Zweck. Ania Wegrzyn ist in Hannover wohl bekannt hier ist sie aufgewachsen, hier hat sie im renommierten Mädchenchor den ersten Gesangsunterricht erhalten und im Alter von 17 Jahren als Knabe in Mozarts Zauberflöte debütiert. In Hannover studiert sie seit 2002 Gesang bei Christiane Iven und gastierte in dieser Saison in der Kinderoper Der kleine Schornsteinfeger am Opernhaus. Schließlich ist Ania Wegrzyn Stipendiatin des hiesigen Vereins YEHUDI MENUHIN Live Music Now (kurz: LMN) und tritt im September 2007 mit 24 Jahren ihr erstes Festengagement an der Staatsoper an: mindestens zwei Gründe, um sie zur Arbeit des Vereins und ihren Erfahrungen als Stipendiatin zu befragen. In wenigen Sätzen erklärt sie die Grundidee von Live Music Now: Der Verein wurde 1977 von dem großen Geiger und Dirigenten Lord Yehudi Menuhin ins Leben gerufen, mit der Idee, Musik zu den Menschen zu tragen, die von sich aus nicht in Konzerte oder in die Oper gehen können: in Krankenhäuser, Hospize, Gefängnisse, Psychiatrien. In Deutschland organisieren inzwischen 15 Vereine Konzerte, die zugleich Auftrittsmöglichkeiten für junge Musiker sind. Ania Wegrzyn hat als Stipendiatin von LMN Hannover bei vielen Konzerten an ungewöhnlichen Orten gesungen und die Konzerte haben eindrückliche Erinnerungen hinterlassen. Mein erstes Konzert war in der Psychiatrie der MHH: eine außergewöhnliche Erfahrung! Einerseits spürt man die primäre Aufgabe von Musik, Menschen eine Freude zu machen. Andererseits ist nach dem dritten Stück eine Frau im Publikum aufgestanden, hat mir eine Blume überreicht und ist gegangen. Die Reaktionen sind ganz direkt. In den vergangenen Jahren hat Ania Wegrzyn in der Medezinischen Hochschule gesungen, in der Simeonkirche in Kirchrode und schließlich im Männergefängnis der Justizvollzugsanstalt Hannover. Das war der Hammer! durch die verschiedenen Schließvorrichtungen geführt zu werden und dann mit mehreren jungen Frauen vor einer hartgesottenen Männergruppe aufzutreten. Aber auch hier war die Gesprächsrunde nach dem Konzert sehr aufmerksam, viele Gefangene haben die Musik richtig aufgesogen; nur einer hat sich gar nicht geäußert, bei dem ist da wohl zu viel aufgebrochen. Und Ania Wegrzyn strahlt eine fast missionarische Begeisterung aus: Wir konnten dort musizieren, wo die klassische Musik sonst nicht vertreten ist, und zeigen, dass unsere Musik zugänglich ist für jedermann! Für diesen guten Zweck tritt sie nun am 23. Juni in der Staatsoper mit einer anderen Musikerin auf, die sich für die Ziele Yehudi Menuhins engagiert: der international renommierten Klarinettistin Sharon Kam. Gemeinsam musizieren sie Schuberts Lied für Sopran, Solo-Klarinette und Orchester Der Hirt auf dem Felsen. Sharon Kam spielt das berühmte Klarinettenkonzert A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart; außerdem auf dem Programm: drei Tänze aus dem Musical On the Town von Leonard Bernstein sowie die Fantasie-Ouvertüre Romeo und Julia von Pjotr I. Tschaikowsky. Swantje Gostomzyk Sonderkonzert Sharon Kam Samstag, 23. Juni 2007, Uhr Mit Musik von Leonard Bernstein, Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert und Pjotr I. Tschaikowsky Zugunsten von YEHUDI MENUHIN Live Music Now Dirigent Jahbom Koo Solistinnen Sharon Kam (Klarinette), Ania Wegrzyn (Sopran) Niedersächsisches Staatsorchester Hannover Karten 30 bis 80 Euro

13 Konzert seitenbühne Seite 13 HK Gruber Musik ist mein liebstes Spielzeug HK Gruber im 7. Sinfoniekonzert mit Werken von Hanns Eisler, Johannes Brahms, György Ligeti und HK Gruber Er ist ein echtes Wiener Unikum, ein Tausendsassa, ein Allroundtalent: HK Gruber wahlweise Dirigent, Chansonnier, Komponist, Performer oder Instrumentalist. Der Österreicher setzt sich mit Vergnügen zwischen alle musikalischen Stile und Gattungen, sieht sich gerne in Opposition zum traditionellen Konzertbetrieb ich war immer auf der Gegenseite und hat großen Erfolg damit: Sir Simon Rattle und Leonard Bernstein gehörten zu seinen prominentesten Förderern, Institutionen wie die Wiener Philharmoniker oder die Oper Zürich beauftragten ihn mit Kompositionen, das Lucerne Festival berief ihn 2006 als Composer in Residence. HK Gruber, von seinen Freunden gerne auch Nali genannt, durchlief eine traditionelle musikalische Ausbildung, war Wiener Sängerknabe, Student der Wiener Musikakademie, später Kontrabassist in zahlreichen österreichischen Orchestern gründete er mit Kurt Schwertsik und Otto M. Zykan das Ensemble MOB art & tone ART, das mit kabarettistischen Produktionen bewusst den Elfenbeinturm der zeitgenössischen, postseriellen Musik der 1960er und 1970er verließ: Die moderne Musik gab sich größtenteils zu elitär und richtete sich nur an Wenige an ein informiertes und studiertes Publikum. Daher der Titel MOB art. HK Gruber will mit seiner Kunst das Publikum unmittelbar ansprechen, nutzt dafür auch tonale und populärmusikalische Stilmittel: Seit 1966 schreibe ich nur noch tonal. Damals hatte ich den Eindruck, ich sei die wirkliche Avantgarde. Die Tonalität war verpönt, ich wurde ausgelacht und verspottet. Als ich wieder einfacher und verständlicher schreiben wollte, hat man mich in Anspielung auf meinen Spitznamen,To- Nali oder,ba-nali genannt. Konventionen und Traditionen lässt HK Gruber gerne links liegen, Motor seiner Kompositionen sind vielmehr die pure Lust am Spiel, der Spaß am Jonglieren mit Tönen, Klängen, Worten und Sprache. Musik ist mein liebstes Spielzeug dieses Bekenntnis gilt auch für HK Grubers 1977 uraufgeführtes musikalisches Horrorkabinett Frankenstein!!, das als eines der meistaufgeführten zeitgenössischen Werke inzwischen Kultstatus erreicht hat. Mit höllischem Vergnügen weckt Gruber darin allerlei Unholde, Werwölfe, Vampirlein und sonstige Mi-Ma-Monsterchen. Ein skuriles, abgründiges Pandömonium im 7. Sinfoniekonzert des Niedersächsischen Staatsorchesters mit dem Hexenmeister und Chansonnier HK Gruber persönlich! Dorothea Hartmann 7. Sinfoniekonzert Hanns Eisler Kleine Sinfonie op. 29 Johannes Brahms Variationen über ein Thema von Joseph Haydn op. 56a György Ligeti Concert românesc HK Gruber»Frankenstein!!«Ein Pandämonium für Chansonnier und Ensemble nach Kinderreimen von H.C. Artmann Dirigent und Chansonnier HK Gruber Sonntag, 3. Juni 2007, Uhr Montag, 4. Juni 2007, Uhr Komponistengespräch HK Gruber Im Laves-Foyer stellt HK Gruber jeweils eine Stunde vor dem Sinfoniekonzert seine Musik im Gespräch mit Konzertdramaturgin Dorothea Hartmann vor. 8. Sinfoniekonzert Wolfgang Amadeus Mozart Sinfonie Nr. 33 B-Dur KV 319 Karl Amadeus Hartmann Gesangsszene für Bariton und Orchester zu Worten aus Sodom und Gomorrha von Jean Giraudoux Richard Strauss Also sprach Zarathustra op. 30 Tondichtung frei nach Friedrich Nietzsche Solist Thomas J. Mayer Dirigent Wolfgang Bozic Sonntag 1. Juli 2007, 17 Uhr Montag, 2. Juli 2007, Uhr Einführungen jeweils eine halbe Stunde vor dem Konzert.

14 Seite 14 seitenbühne Gastspiel Summertime Sommergastspiel Porgy and Bess des New York Harlem Theatre vom 20. Juli bis 5. August 2007 Porgy and Bess Als exklusives Deutschland-Gastspiel 2007 präsentiert die Staatsoper Hannover einen Klassiker des amerikanischen Musiktheaters: Porgy and Bess. Die weltweit gefeierte Inszenierung des New York Harlem Theatre um die schicksalhafte Liebe des verkrüppelten Bettlers Porgy zur leichtlebigen Bess verspricht ein besonderes Theaterereignis, mit Leidenschaft, Lebenslust und Summertime. Inspiriert von den hinreißenden Spiritualund Gospelchorälen, den jazzigen Rhythmen des frühen Swing und vom Blues aus den Armenvierteln des schwarzen Südens von Amerika komponierte George Gershwin ein Meisterwerk, das bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat. Unvergessliche Melodien wie Summertime, It Ain t Necessarily So, I Got Plenty O Nuttin oder Bess, You Is My Woman Now erklingen in der Catfish Row in South Carolina. Dort lebt eine starke Gemeinschaft, die einen heißen Sommer lang ihr kleines Glück zu retten sucht, in einer Geschichte von mitreißender Vitalität, abgründigen Leidenschaften und menschlichen Seelendramen. Porgy and Bess ist eine der wenigen amerikanischen Opern, die zu Weltruhm gelangten. Das Libretto von Ira Gershwin und dem Ehepaar Heyward entstand nach der Vorlage des Bestseller-Romans Porgy aus der Feder von DuBose Heyward. Um die Authentizität zu wahren, darf dieses Werk ausschließlich von schwarzen Darstellern aufgeführt werden und ist in dieser weltweiten Aufführungstradition eine echte Rarität. Drei Sänger der hannoverschen Besetzung Morenike Fadayomi, Kevin Short und Jermaine Smith haben am 5. Mai 2007 bei der Premiere an der Los Angeles Opera auf der Bühne gestanden und glänzende Kritiken erhalten: Die Besetzung ist nicht weniger als eine Versammlung von Publikumslieblingen, schrieb Alan Rich in LEGIT, Morenike Fadayomi als aufreizende, leidenschaftliche Bess, mit ihren klaren hohen Tönen; Jermaine Smiths akrobatischer Sportin Life; Kevin Shorts Porgy mit tragischer Größe. David Mermelstein sah für Musical America eine fähige Besetzung, die herzbewegend singt. Als Porgy zeigte der Bass-Bariton Kevin Short eine reiche, klangvolle Stimme und sympathisches Auftreten. Die Sopranistin Morenike Fadayomi, als Bess, hat eine sinnliche, durchgeformte Stimme, die sie zusammen mit ihrer ansprechenden Erscheinung äußerst vorteilhaft einsetzte. Die aufwändige Produktion präsentiert zusammen mit dem Ensemble hochkarätiger Solisten den stimmgewaltigen Chor des New York Harlem Theatre in Begleitung seines Orchesters unter der Leitung von William Barkhymer. Über 90 Sänger und Musiker sind vom 20. Juli bis 5. August für 21 Vorstellungen in Hannover zu Gast. Das New York Harlem Theatre wurde 1981 gegründet und hat seitdem neben vielen anderen zwei Produktionen von Gershwins Porgy and Bess herausgebracht. In mehreren Tourneen hat das Ensemble Europa von Helsinki bis Sevilla bereist. Auch die Norddeutschen wussten Porgy and Bess schon zu schätzen: in Bremen war die Produktion zwei Sommer lang komplett ausverkauft. Jetzt haben die Hannoveraner die große Chance, diese einzigartige Opernproduktion zu erleben! Premiere am Freitag, 20. Juli, Uhr Vorstellungen täglich außer Montag um Uhr, Samstag und Sonntag auch um 15 Uhr Karten 23 bis 51 Euro (nachmittags), 27 bis 59 Euro (abends), 30 bis 65 Euro (Fr/Sa)

15 Aus den Werkstätten seitenbühne Seite 15 Dynamische Kräfte Rigoletto fordert die Bühnentecnhnik heraus Es wird gebohrt, geschraubt, gehämmert, auf dem schwarzen Bühnenboden werden andersfarbige Bodenplatten oder Teppich verlegt, große Kulissenteile an ihren Platz gefahren und dort befestigt, Soffitten und Prospekte an die Züge geknotet, Wände und Mobiliar aufgebaut nachmittags ist die Bühne noch weit davon entfernt so auszusehen, als ob dort am Abend der Vorhang aufginge. Um 18 Uhr beginnt das Einleuchten bis dahin muss die Bühne eingerichtet sein. Morgens um 6.30 Uhr startet die erste Schicht mit dem Abbau des Bühnenbildes vom Vorabend, anschließend wird die Bühne für die Probe um 10 Uhr vorbereitet. Die Bühnentechniker verrichten alle Arbeiten, die vor, während und nach einer Probe bzw. Aufführung den Auf-, Ab- und Umbau der Bühne betreffen. Spätestens um 14 Uhr ist die Probe vorbei, das bedeutet erneut Abbau und Aufbau für die Abendvorstellung. Den übernimmt dann aber die zweite Schicht, die um Uhr ihren Dienst antritt und bis Vorstellungsende bereitsteht. Die Bühnentechnik umfasst mehrere Abteilungen: Licht, Ton, Requisite und die Bühnenhandwerker. An der Staatsoper gehören zu letzteren 63 Männer: Vier Theatermeister, sieben Maschinisten und 52 Techniker. Sie sind gelernte Tischler, Schlosser, Maler oder Dekorateure, in den letzten Jahren auch vermehrt Veranstaltungstechniker. Ein Maschinist zum Beispiel ist für alles zuständig, was von Maschinen bewegt wird: die Wagen der Wagenbühne, die Podien und Versenkungen oder der Eiserne Vorhang, dazu auch die Obermaschinerie, die alle Dekorationsteile wie Prospekte oder Vorhänge umfasst, die mit Zügen und Gegengewichten über der Bühne aufgehängt sind und computergesteuert heraufgezogen oder heruntergelassen und festgestellt werden. Derjenige, der während der Schicht das Sagen hat, ist der Bühnenmeister Voraussetzung für seine Position ist ein Handwerksberuf und einige Jahre Erfahrung in der Bühnenarbeit. Als Bühnenmeister trifft man auch Frauen an, als Bühnentechniker dagegen sehr selten, weil dieser Beruf enorme körperliche Kraft erfordert. Eigentlich ist es ein richtiger Knochenjob, meint Bühnenund Ausbildungsmeister Frank Schwarz. Probleme mit dem Rücken oder den Gelenken sind bei den Kollegen nicht selten, gerade mit steigender Anzahl an Berufsjahren. Frank Schwarz betreut als Bühnenmeister auch die Inszenierung von Giuseppe Verdis Rigoletto. Ein Bühnenbild mit zwei Extremen: Am Anfang ist die Bühne nahezu leer, das ist das Zimmer mit dem riesigen Kronleuchter, aber im letzten Akt gibt es diese riesige Wand, die nach vorne gekippt wird. Die Stahlkonstruktion ist so aufwändig, dass ihr Aufbau rund anderthalb Tage, sprich: drei Arbeitsschichten in Anspruch nimmt. An einem Tag wäre der Aufbau für die abendliche Vorstellung nicht zu schaffen. So steht dann die Hälfte am Vorstellungstag schon auf einem Bühnenwagen auf der Seitenbühne bereit und muss nur noch fertig montiert werden, erklärt Ian Harrison, Technischer Leiter der Oper. Moderne Technik macht die Schrägstellung der Wand erst möglich: Die Stahlkonstruktion an sich wiegt sicher drei bis vier Tonnen und wird an vier Zügen befestigt, die mit Lastverteilern versehen sind, um das Gewicht gleichmäßig zu verteilen, erläutert Ian Harrison. Ein enormer Aufwand für 40 Sekunden so lange dauert es, bis die Wand aus der Senkrechten in die Schräge gekippt ist. Ein Vorgang, der zur Sicherheit aller Beteiligten absolut kontrolliert verlaufen muss: Zum einen gibt es vor jeder Vorstellung einen Testlauf für diesen Kippvorgang. Zum anderen wussten wir ja schon frühzeitig, also mit dem Konzeptionsgespräch, bei dem das Bühnenbildmodell vorgestellt wurde, was da auf uns zukommt, erzählt Frank Schwarz. Da beim Kippen dynamische Lasten auftreten, haben wir verschiedene Modelle gebaut, um auszuprobieren und zu verstehen, wie sich diese Lasten verhalten. Aber gerade das macht den Reiz aus: Nicht alltägliche Aufgaben erfordern durchdachte und sorgfältige Lösungen. Wiebke Haas-Lefers

16 Seite 16 seitenbühne Personalia Unterwegs und auf CD Die Sopranistin Alla Kravchuk ist am Staatstheater Wiesbaden als Cleopatra in Händels Giulio Cesare eingesprungen; an der Staatsoper Stuttgart gastiert sie derzeit in einer Produktion, die 2003 für die Staatsoper Hannover entstanden ist: Debussys Pelléas et Mélisande. Ihre Fachkollegin Karen Frankenstein hat als Gilda in Rigoletto am Theater Ulm gastiert und singt bis Juli in vier Vorstellungen die Rolle der Elvira in Rossinis L italiana in Algeri am Staatstheater Kassel. 200 Kilometer weiter östlich tritt Bassist Albert Orchesternews Abschied Am starb im Alter von 73 Jahren der ehemalige Hornist des Niedersächsischen Staatsorchesters Wolfgang Berger. Er war koordinierter erster Solohornist und führte das Tubenquartett an in Pforzheim geboren, spielte er im Orchester des Theaters Klagenfurt, bevor er 1971 Mitglied im Niedersächsischen Staatsorchester wurde. Am starb überraschend der ehemalige Bratschist Ewald Wittenhorst im Alter von 71 Jahren in Ratibor/Schlesien geboren, kam er über die Stationen Reutlingen und Lübeck nach Hannover ins Niedersächsische Staatsorchester, in dem er sich auch lange als Orchestervorstand engagierte. Pesendorfer am 2. Juni als Baron Ochs von Lerchenau im Rosenkavalier an der Oper Halle auf. Bariton Nikola Mijailovic bereitete sich am 27. Mai als Enrico in Lucia di Lammermoor am Theater Bonn auf die hannoversche Wiederaufnahme im April 2008 vor. Auch die Kapellmeister dirigieren auswärts: Jahbom Koo leitete am 18. und 22. Mai zwei Vorstellungen von Puccinis Tosca an der Staatsoper Stuttgart; Lutz de Veer war als Konzertdirigent zu Gast in Polen: Im Rahmen des Danziger Musikfestivals leitete er am 20. April das Danziger Proms Konzert in der Danziger Philharmonie. Ein Tipp für CD-Freunde erreicht die Redaktion aus dem Chor der Staatsoper Hannover: Altistin Melanie Xu hat gemeinsam mit ihrem langjährigen Klavierpartner Josef Anton Scherrer ihre erste CD herausgebracht. Beim Label panofon erschien ihre Aufnahme der Lieder, die Arnold Schönberg zwischen 1903 und 1909 komponierte. Aufgepasst! Die CD ist unter dem Mädchennamen der Sängerin veröffentlicht: Melanie Heinz. Sportlicher Erfolg Als bester Hannoveraner hat Arne Westphal am 6. Mai 2007 den Hannover-Marathon absolviert. Der Orchesterwart des Niedersächsischen Staatsorchesters legte die 42,195 km in 2 Stunden und 56 Minuten zurück Platz 32 im Gesamtklassement! Reingehört! Welche Musik hört ein Orchestermusiker eigentlich, wenn er nicht selbst musiziert, was legt er privat auf, zu Hause, bei einem Glas Rotwein? Welche CD liegt ihm besonders am Herzen, welche Aufnahme kann er besonders empfehlen? In der Rubrik Reingehört! stellen wir Lieblings-CDs unserer Orchestermusiker vor. Katharina Arend, Erste Solo-Klarinettistin des Niedersächsischen Staatsorchesters, kann sich zunächst kaum entscheiden. Ich habe so viele CDs, die ich sehr gerne höre. Eine mag sie aber besonders gerne, nämlich The Melody At Night, With You von Keith Jarrett mit Gershwin-Songs. Die Aufnahme ist so besinnlich. Wenn ich anstrengende Dienste hatte und viel Klarinette gespielt habe, dann brauche ich abends etwas, bei dem ich mich entspannen und wieder zur Ruhe kommen kann. Außerdem ist sie auch für romantische Momente sehr geeignet einfach wunderbar. Ebenfalls sehr am Herzen liegt ihr eine Making of -DVD der legendären Aufnahme der West Side Story mit Leonard Bernstein, José Carreras, Kiri Te Kanawa und Tatiana Troyanos. Die Einspielung an sich kann ich natürlich auch empfehlen, aber ich finde gerade dieses Making of unglaublich inspirierend, weil man den Künstler Bernstein sieht, der mir ein Vorbild als Musiker und Persönlichkeit ist. Man erlebt sämtliche Höhen und Tiefen dieser Produktion eine wirklich einzigartige Dokumentation. Zu guter Letzt hat sie sich noch für etwas Klassisches entschieden: das Brahms-Violinkonzert mit Gil Shaham und den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Claudio Abbado: Ich höre gerne die Berliner Philharmoniker, als Berlinerin hat mich dieses Orchester musikalisch sehr geprägt. An dieser Aufnahme gefällt mir besonders gut, dass alles leicht, eingängig und nicht so dick klingt. Was auf manchen Aufnahmen sehr in den Hintergrund tritt, ist hier wirklich intensiv. Man entdeckt bei jedem Hören etwas Neues. Dorothee Martin Aufnahmen: Keith Jarrett The Melody At Night, With You (ECM Record) Leonard Bernstein The Making of: West Side Story, DVD (Deutsche Grammophon) Johannes Brahms Violinkonzert/Doppelkonzert, Gil Shaham, Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado (Deutsche Grammophon)

17 Kantinenplausch seitenbühne Seite 17 Köstliche Karotten Essen ist ne tolle Sache, ich esse sehr gerne, koche selbst aber eigentlich gar nicht das macht meine Frau, lacht Jörn Eichler. Es gab mal eine Phase, da habe ich viel gebacken, aber das ist auch vorbei, dafür habe ich momentan gar nicht die Muße. Zur Klärung der Leibspeisen-Frage hat der Tenor sich daher Verstärkung mitgebracht: seine Frau Tanja sitzt neben ihm. Er isst gerne alles mögliche, was mit Hackfleisch zu tun hat. Aber auch Rührei oder mein Karottenpüree, erklärt sie, das ist im Prinzip wie Kartoffelpüree, eine prima Beilage. Nicht nur privat, auch beruflich verbindet die beiden viel: Tanja Lea Eichler ist auch Sängerin. Auf der Bühne zu stehen war eigentlich gar nicht Jörn Eichlers Berufsziel. Aufgewachsen ist er in München, an der dortigen Technischen Universität erhielt er auch sein Diplom als Informatiker. Seit ich sechs oder sieben Jahre alt war, stand für mich fest, dass ich etwas mit Computern machen möchte. Obwohl er im Elternhaus durchaus mit Musik in Kontakt kam: Meine Oma ging mit mir in die Oper, mein Vater spielt Klavier, meine Mutter spielt Cello und Klavier und singt, ich selbst habe einige Jahre Violine gespielt und mich auch am Klavier versucht aber über ganz normale Hausmusik ging das alles nicht hinaus. Erst auf Drängen der Mutter nahm er mit 17 Jahren Gesangsunterricht, nach dem Abitur folgte dann das Informatikstudium. Auf Anregung von Freunden gab er sich dann doch einen Ruck und sang an der Musikhochschule vor Professor Hanno Blaschke nahm ihn als Student an. Allerdings bekam Professor Blaschke, der mittlerweile emeritiert ist, zu der Zeit schon keine Erstsemester mehr, daher nahm ich privat bei ihm Unterricht. Bis zum Studienabschluss an der TU führten Informatik und Gesang ein gleichberechtigtes Dasein in seinem Leben. Danach sang er an mehreren Theatern vor, erhielt in der Spielzeit 2003/04 schließlich sein erstes festes Engagement am Landestheater Linz. Das war eine tolle Zeit, die Atmosphäre unter den Kollegen war super, da haben sich auch viele Freundschaften entwickelt. Als Sänger war ich gefordert, wurde aber nicht überfordert, konnte mich entwickeln und weiterkommen, erzählt Jörn Eichler. Singen sei eine Sache, die den ganzen Körper betreffe ganz im Gegensatz zur Tätigkeit als Informatiker. Noch einen weiteren Aspekt seines Berufs schätzt er besonders: Er ist abwechslungsreich, es stellt sich keine Routine ein. Das macht es anhaltend spannend und interessant. Über mangelnde Abwechslung kann Jörn Eichler sich auch momentan nicht beklagen: Drei neue Produktionen fordern ihn gleichzeitig. Zum einen L Enfant et les sortilèges, Premiere war am 24. Mai, dann die Proben zu L Orfeo, der am 16. Juni zur Premiere kommt, und die musikalischen Proben zur ersten Premiere der kommenden Spielzeit: Peter Grimes, zählt Jörn Eichler auf. Daneben Repertoirevorstellungen von Anatevka und Hoffmanns Erzählungen. Vermisst er nicht doch manchmal die Informatik? Die Antwort ist deutlich: Nein! Als Jugendlicher habe ich mich abgeschottet, das klappt ja auch prima hinter einem Computer. Beim Singen geht das nicht, Singen kann man nicht als reine Technik erlernen. Vielmehr muss man sich einbringen, sich öffnen. Insofern entwickelt sich mit den Jahren und der Erfahrung nicht nur die Stimme weiter, sondern auch die singende Person. Beim Singen ist der ganze Mensch gefragt. Wiebke Haas-Lefers Karottenpüree (2 Portionen) 8 Karotten (oder 6 bis 8; je nach Größe) 1 TL (Raps-)Öl 1 EL (Akazien-)Honig 1 TL Brühepulver ein Stückchen Butter 1/8 Liter Milch eine Prise Muskatnuss Karotten putzen, in Stücke schneiden, in einen Topf geben, knapp mit Wasser bedecken. Öl, Brühe und Honig dazugeben, dann weich kochen. Brühe abgießen, Karotten in eine Schüssel geben. Butter, Muskat sowie heiße Milch dazugeben und mit dem Pürierstab pürieren. Eine Zugabe einer größeren Menge heißer Milch macht aus dem Püree eine köstliche Soße, die man mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit Sahne verfeinern kann.

18 Seite 18 seitenbühne Fundus Das Spiel dauert 15 Minuten Die Fußballmannschaft der Staatsoper fährt zur Deutschen Meisterschaft Die Staatsoper tritt bei der deutschen Meisterschaft der Theaterfußballmannschaften am 16. Juni in Schwerin an. Nach dem 3. Platz 2006, dem 7. Platz 2005 und dem 2. Platz 2004 ist das Ziel klar: Wir wollen deutscher Meister werden und das Turnier im nächsten Jahr nach Hannover holen, ist die deutliche Ansage von René Euscher von der Bühnentechnik, der die Fußballmannschaft organisiert und im Tor steht. Die Chancen sind nicht schlecht: Das ist die beste Mannschaft der letzten zehn Jahre! Der Kader zählt 16 Spieler, sieben davon kommen aus der Bühnentechnik. Die Technik war schon immer der Kern der Mannschaft, aber in diesem Jahr sind auch viele andere Abteilungen beteiligt: zwei Orchestermusiker, Kollegen von der Hausbetriebstechnik, aus dem Malsaal und der Schneiderei sowie last but not least der musikalische Assistent des Balletts, Samuel Azevedo, und der Tenor Pedro Velázquez Díaz. Ein Brasilianer und ein Mexikaner im Jahr eins nach der Fußball-WM in Deutschland ein gutes Zeichen! 20 Mannschaften aus Theatern in ganz Deutschland fahren am 16. Juni nach Schwerin; auf vier Plätzen wird dann an einem Tag die Meisterschaft ausgetragen. In Abweichung des Spruchs von Sepp Herberger dauern die Spiele aber nur 15 Minuten. Sonst wäre das Turnier nicht an einem Tag zu spielen und mehr Zeit haben die Akteure nicht. Allein die sieben Kollegen der Bühnentechnik bemühen sich langfristig um die synchrone Einteilung in den Dienstplänen, die anderen Arbeitsrhythmen folgen als die Dienstzeiten der Werkstätten, der Orchesterdienstplan und die Vorstellungen des Solisten. Zwei Testspiele müssen reichen, um sich als Mannschaft aufeinander einzustellen. Aber René Euscher ist optimistisch, denn das erste Testspiel gegen den Kreisligisten TSV Godshorn II Mitte Mai endete 2:2 unentschieden: Ohne vorheriges Training und nach einjähriger Spielpause ist das ein erster Achtungserfolg unserer Mannschaft. Wir drücken die Daumen! Die Opern-Elf beim Testspiel im Mai. Nicht dabei waren Joachim Kandziora, Peter Meier, Pedro Velázquez Díaz, Roland Jung und Thomas Czajkowski. Opernrätsel In diesem Frühjahr wirkte es ja so, als seien erst mit der Entdeckung eines kleinen Berliner Eisbären durch die Weltpresse tierische Themen salon- und sendefähig geworden. Doch weit gefehlt die Kunst beschäftigt sich seit alters her mit denjenigen, die ein bis zwei Schöpfungstage vor dem Menschen das Licht der Welt erblickten. Von den antiken Fabeln hat es das liebe Vieh bis auf die Opernbühne geschafft. Die Oper, die wir heute suchen, widmet sich den spitzohrigen, scharfkralligen Samtpfoten, die mit ihrem Schnurren, Maunzen und Katergeschrei zu den musikalisch anregendsten Vierbeinern gehören. Aber auch eine Maus findet sich unter den dramatis personae, sowie Vögel, Hunde, ein Fuchs und ein Schaf. Nur Menschen, die durchaus in die Handlung eingreifen, treten nicht auf, dafür aber der Mond und die Sterne. Dass es sich bei dem gesuchten Werk um eine komische Oper handelt, wird spätestens dadurch offenbar, dass fast alle auftretenden (besser: schleichenden) Katzen Mitglieder der Royal Society for the Protection of Rats, kurz RSPR, sind und sich dem Vegetarismus verschrieben haben. Doch wie immer in der Oper es geht auch um Geld, es geht vor allem um Liebe und Tod. Am Ende sterben die beiden Liebenden: Die Katzendame wird in einem Sack ertränkt, der Kater heimtückisch von den Mitgliedern der RSPR ermordet. Ein letztes Mal erscheint sie ihm im Sterben. Er: And now we part. Sie: My heart says no. Er: But it is so. Der Librettist dieser Oper ist einer der meistgespielten und provokativsten zeitgenössischen Dramatiker Englands. Insgesamt schrieb er drei Libretti für den deutschen, in Italien lebenden Komponisten. Letzterer gab in einem ausführlichen Arbeitsjournal Auskunft über den sechsjährigen Arbeitsprozess an dieser Oper, bis zur Uraufführung vor 24 Jahren, am 2. Juni 1983 im Schlosstheater zu Schwetzingen. Wie heißen Komponist und Librettist? Wie heißt die Oper? Unter allen richtigen Einsendungen, die uns bis zum 6. Juli 2007 erreichen, verlosen wir 5x2 Karten für den Ballettabend Trios/Duende am Montag, den 16. Juli Schicken Sie Ihre Postkarte an: Staatsoper Hannover Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Opernplatz Hannover

19 Desperate Lovers Dorothea Maria Marx Hoffmanns Erzählungen Arantxa Armentia Herausgeber: Staatsoper Hannover Intendant: Dr. Michael Klügl Redaktion: Dramaturgie, Öffentlichkeitsarbeit Fotos: Christian Brachwitz, Thomas M. Jauk, Jörg Landsberg, Gert Weigelt Gestaltung: Heinrich Kreyenberg Druck: Steppat Druck L Enfant et les sortilèges Okka von der Damerau, Jörn Eichler Tannhäuser Hinako Yoshikawa

20 Trios/Duende Ensemble

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