Röm 14, Drittl. So. des Kj. Niemand von uns lebt für sich selbst und keiner stirbt für sich selbst. Leben wir, so leben wir dem Herrn,

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1 1 Röm 14, Drittl. So. des Kj. Niemand von uns lebt für sich selbst und keiner stirbt für sich selbst. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, ob wir leben oder sterben, wir sind und wir bleiben des Herrn. Mit diesen Worten verbinde ich, seitdem ich als Pastor tätig bin, die Situation der Beerdigung. Am offenen Grab, am offenen Fahrzeug, in der Minute des endgültigen Abschiedes von dem Menschen, werden diese Wort laut: Niemand lebt für sich selbst und keiner stirbt für sich selbst. Auf dem Friedhof, in dieser so beschwerlichen Situation des Abschiedes ist dieser Satz für mich eine ganz wichtiges Bibelwort geworden. Denn dieses Wort verbindet das Schicksal des Verstorbenen und das der Hinterbliebenen, der Trauergemeinde. Auf der einen Seite der Tote, das zu Ende gegangene Leben eines Menschen. Unsere Gedanken sind auf ihn oder sie gerichtet, Trauer, Schmerz, Alleinsein prägen die Gedanken. Ungewissheit über den Weg nach dem Tod. Und dann dieses Wort: keiner stirbt für sich selbst. Niemand stirbt nur einfach so, ganz für sich allein. Natürlich, jeder stirbt seinen eigenen Tod, niemand kann mir mein Sterben abnehmen, aber der Mensch stirbt nicht für sich allein, sagt die Bibel. Unsere Erfahrung zeigt uns allerdings oft das Gegenteil. Viele Menschen sterben in unserem Land allein, auch dann, wenn es kein Unfall ist. Sie liegen in Zimmern allein oder auch zu mehreren, aber es kümmert sich nur selten jemand um sie. Das hat seinen Grund. Sterben macht ja auch Angst, der Tod hat etwas Bedrohliches, dem möchten die Helfer entfliehen.

2 2 Sie können es oft nicht aushallen und ertragen, dass der Mensch, den man vielleicht sehr gern hat, von einer Sekunde zur nächsten sein Leben aushaucht und man Abschied nehmen muss. Das tut weh, genauso wie der Gedanke, dass wir alle ja diesen Weg gehen müssen, und wir eines Tages ebenfalls dort liegen und man von uns Abschied nimmt. Die ganz menschliche Angst vor der Begegnung mit dem Sterben führt leider oft genug dazu, dass Menschen alleine sterben. Wenn wir nun hören, dass niemand für sich selber stirbt, dann meint dies aber nicht, dass wir uns damit trösten können, dass ja Christus beim Sterben dabei ist. Das wäre sicherlich ein unmenschlicher, ja unchristlicher Gedanke, würde man mit einer solchen Begründung Sterbende alleine lassen. Das will dieser Vers auch nicht. Dieses Wort hat für die Zeit des Sterbens und für die Zeit danach sowohl für Sterbende als auch für die Hinterbliebenen einen sehr tröstlichen Hintergrund: der Sterbende stirbt nicht in die absolute Einsamkeit, ins Nichts hinein und auch die Hinterbliebenen sind nicht wirklich allein gelassen. Wenn wir einen Verstorbenen begraben, dann müssen wir ihn aus unser Hand geben. Unsere menschliche Fürsorge, wie immer die auch ausgesehen hat, ist zu Ende. Wir müssen den anderen allein ziehen lassen ohne unsere Begleitung. Und niemand von uns weiß, wie das Totsein wirklich ist. Wie gut ist es dann zu hören und darauf vertrauen zu können, dass dieser Weg in den Tod, wo menschliche Möglichkeiten am Ende sind, nicht ohne Wegbegleitung geschieht. Wir sterben dem Herrn, sagt Paulus. Das Ziel unseres letzten Weges ist kein unbekanntes, es

3 3 richtet sich an dem aus, mit dem wir zumeist vom Anfang unseres Lebens durch die Taufe verbunden sind: Jesus Christus. Die Wegbegleitung, die wir im Leben erfahren haben, die dürfen wir auch für unser Sterben und für unseren Tod erhoffen. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende der Herr sei. Gottes Herrschaft in Jesus Christus ist nicht an der Schwelle des Todes vorbei, unser Glaube vertraut darauf, dass wir gerade in dieser größten Ungewissheit unseres Lebens eben nicht allein gelassen werden, sondern dass uns der zur Seite steht, der hinübergeleitet in ein Leben, das wir mit unseren Worten nicht beschreiben können. Wo wir dessen gewiss sind, da mag es einem nicht unbedingt leichter fallen, einen Verstorbenen loszulassen, aber es macht doch getroster, wenn wir wissen, der Tod trennt uns nicht vom lebendigen Gott. Diese Hoffnung ist für mich das Tröstliche an der christlichen Botschaft, das gibt mir Halt, wenn ich am Grab den Tod so nahe vor Augen haben. Sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Wir sind ihm verbunden, wir sterben auf ihn hin, wir gehen ihm entgegen, ja er holt uns zu sich. Wie gut, dass er für mich da ist. Dem Sterben steht aber auch das Leben gegenüber, gerade wenn wir diese Worte auf dem Friedhof am Grabe hören. Denn hören können nur wir Lebenden diese Worte, der oder die Verstorbene hört sie nicht mehr, mir ihr oder ihm geschieht bereits, was nun nicht mehr in unserer Hand liegt. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn, zu uns Lebenden gesagt, beschreibt im Grunde dann schon wieder den Weg nach Hause, den Weg weg vom Grab hin

4 4 zum weitergehenden Leben. Die Trauer ist geprägt davon, dass wir gemeinsamen Zeiten nachtrauern, dass wir unerfüllten Plänen nachhängen, dass der andere im eigenen Leben fehlt. Es wäre so schön, wenn er oder sie noch da wäre, das eigene Leben hätte einen ganz anderen Reiz. Und oft ist es ja so, dass wir erst hinterher merken, wie sehr der andere im eigenen Leben seinen Platz hatte. Aber: niemand lebt nur für sich selber, oder wie ich es einmal anders ausdrücken möchte: niemand lebt nur von seinen eigenen Wünschen und Vorstellungen. Wir leben dem Herrn, wir leben durch den Herrn. Gerade am Grab, wo all unsere Gedanken auf den Verstorbenen und auf unseren Verlust gerichtet sind, da wird uns gesagt, du lebst nicht nur aus dem, was dir vorschwebt, was dir jetzt fehlt, was du selber vor Augen hast. Im Augenblick der Trauer ist dies auch sehr wenig. Du lebst durch den Herrn, von dem, was er dir zu geben vermag. Das eigene Leben ist nicht zu Ende, wenn jemand aus diesem Leben gegangen ist. Es steht in der Hand des Herrn, der durch den Tod hindurch ins Leben gegangen ist. Mit diesem Herrn sind wir verbunden, diesem Herrn leben wir. dieser Herr lebt für uns. Das heißt doch für uns Trauernde, der Tod mit all seinen Schattenseiten, die uns im Moment betreffen, hat keine Macht über uns. Der Tod muss in unserem Leben nicht das letzte Wort haben, sondern das Leben steht im Mittelpunkt. Wir leben dem Herrn, der den Tod überwunden hat und neues Leben versprochen hat. Und diese Verheißung ist das hoffnungsvollste, was wir vom Friedhof mit nach Hause nehmen können. Wir leben nicht nur unserer Trauer, wir leben nicht nur von Erinnerungen, wir leben nicht nur davon, wie

5 5 alles sein könnte, sondern wir leben davon, dass Jesus Christus lebt und das er uns in dieses neue Leben hinein nimmt, dass er uns Hoffnung schenkt, dass wir auch als Trauernde lebendig sein dürfen. Der Tod muss uns nicht einsam machen, er macht unser Leben auch nicht sinn- und ziellos. Die Tränen habe ihre Zeit, aber auch das Lachen, die Trauer hat ihre Zeit, aber auch die Freude, die Erinnerung hat ihre Zeit, aber auch das Schauen nach vorne in das Leben, das von Jesus Christus begleitet und von Gott geschenkt wird. Das ist mir wichtig, wenn ich gerade am Grab diesen Satz des Paulus sage: niemand von uns lebt für sich selber, leben wir, so leben wir dem Herrn. So, liebe Gemeindeglieder, wird dieser Text aus dem Römerbrief zu einem Hoffnungstext: zu einer Hoffnung im eigenen Sterben, dass wir begleitet sind von Jesus Christus, der uns auch im Leben getragen hat, und zu einem Hoffnungstext im Leben als Zurückgebliebene, die neu auf Jesus Christus gewiesen werden, um von ihm neues Leben zu erwarten. Nun stehen aber am Grab nicht nur Hinterbliebene und sehr trauernde Menschen. In unseren Dörfern gehört es zur Dorfgemeinschaft dazu, dass wir Trauernde begleiten, auch wenn unsere Gefühle nicht unbedingt sehr von Trauer geprägt sind. Welche Bedeutung können diese Worte für die Mitgehenden haben? Bei diese Frage hilft uns, dass Paulus, als er diese Verse geschrieben hat, nicht die Beerdigung im Kopf gehabt hat, sondern das vielfältige Leben der Christen. Wenn wir dann vom Friedhof in die Normalität unseres Lebens zurückgehen, so wird uns mit auf den Weg gegeben, dass dieser Alltag mit

6 6 seinen Alltäglichkeiten einen Bezugspunkt hat, dass wir als Christen unser Leben auf den Herrn hin, auf Jesus Christus hin zu gestalten haben. Leben wir, so leben wir dem Herrn. Vielfach wird dies meistens so verstanden, dass das Leben sehr fromm und sehr kirchlich auszusehen hat. So zumindest sind wir in unseren Gedanken und Gefühlen geprägt. Aber für mich wird eigentlich immer wieder deutlich, dass man sehr fromm und doch ganz natürlich und menschlich sein kann. Im christlichen Leben gehört natürlich auch der lebendige Glaubensausdruck dazu, Gebet und Kirchgang ist unter anderem eines davon, aber ganz besonders wichtig ist eben, dass ich das eigene Leben als auf den Herrn bezogen sehe. Was ich auch tue in meinem Leben, es soll auf Christus bezogen sein. Konkret heißt dies: diene ich mit meinem Tun dem Leben der Menschen und damit auch mir selber, oder ist es auf Christus bezogen, indem ich das Leid und das Kreuz Jesu Christi vergrößere? Paulus drückt also hier in diesem Satz nicht nur die christliche Hoffnung aus, dass Jesus Christus unseren menschlichen Lebensweg begleitet und dass wir daraus getrost leben können, sondern er stellt auch vor Augen, dass unser Leben nicht nur uns selber betrifft, sondern es ist bezogen auf Jesus Christus. Was wir tun, geschieht im Blick auf den Herrn. Einmal ganz bewusst, wenn wir auf Grund unseres Glaubens etwas ganz bestimmtes tun oder auch lassen, indem wir unser Leben in Gottes Hand geben, indem wir Liebe üben, Menschen Gerechtigkeit zukommen lassen, indem wir einfach dem Leben für alle Menschen Raum geben. Aber es geschieht eben auch, dass wir dort, wo wir diesen Raum nicht geben, dass Christus keinen Raum bekommt und

7 7 Menschen ohne Hoffnung bleiben, weil ihnen diese Hoffnung durch Menschen verstellt wird. Hier gilt es, das eigene Leben und auch das Leben anderer darauf hin zu befragen, dient dies dem Leben und damit dem lebendigen Christus, oder nimmt es Leben und dient es damit dem Kreuz und dem Tod. Wer sein Leben so befragt und befragen lässt, wer es so auf Christus bezieht oder es durch Predigt und Gespräch von Gott her in den Blick nimmt, der, so meine ich, lebt fromm und lebt doch sein Leben ganz alltäglich. So umfasst dieser kurze Gedanke des Paulus doch unser ganzes Leben, vom Anfang bis zum Ende: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn, darum ob wir leben oder sterben, wir sind und wir bleiben des Herrn. Amen

8 Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 440,1-4 Psalm 90 Eingangsliturgie Gebet Gott, wir leben in der Welt oft genug ohne an dich zu denken. Doch du denkst an uns, lässt uns nicht ohne dein 8 Geleit durchs Leben gehen. An diesem Ort, hier in der Kirche, lass uns dies erkennen, hilf uns, es in unseren Alltag mitzunehmen, auf dass wir aus deiner Güte leben und unser Leben gestalten. Das bitten wir... Lesung Röm 14, 7-9 Lied 152,1-4 Lesung Lk 17, Glaubensbekenntnis Lied 526, Predigt Lied 533,1-3 Abkündigungen Fürbittengebet Allmächtiger, gütiger Gott! Als deine Geschöpfe leben wir auf dieser Welt, du nimmst uns in deinen Dienst, die Welt nach deinem Willen zu gestalten. Lass uns in all unserem Tun vor Augen haben, wir leben dir und wollen dir dienen. Darum bitten wir dich, lass uns darin nicht allein, stärke und erhalte uns im Vertrauen auf dich, rede du uns an, dass wir deinen Willen erkennen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. So bitten wir dich für alle, die sich in ihrer Arbeit und ihrer

9 9 Freizeit für Menschen in Not einsetzen: wir bitten für Krankenschwestern und -pfleger, für Helfer in Behinderteneinrichtungen und diejenigen, die Sterbende begleiten, wir bitten für die Menschen in fernen Ländern, die ihre Kenntnisse einsetzen für die Hilfe der Menschen in Not. Nimm ihr Tun in deine Hand, lass gelingen, was sie beginnen, vollende du, wo ihre Kräfte schwach werden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten dich für die Politiker dieser Welt, in diesen Tagen besonders für die Politiker in Amerika, in Palästina und Israel, dass sie ihre Verantwortung sehen für die Menschen, die ihnen anvertraut sind, dass sie in den neuen Chancen auch neue Wege sehen, dem Frieden zu dienen, auf dass ihre Lebenswelt ein neues Gesicht erhält. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Stille Vaterunser Segen 163 Jürgen Grote - Am Pfarrgarten Elbe

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